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üortiarb CoHese Ittiratp
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BRICHT LEGACY
One half the income from thb Legacj, which wu re-
ceived in 1880 ander the will of
JONATHAN BROWN BRICHT
of Walthmm, MaMachosetts, b to be expended fbr book«
for the College Library. The other half of the income
if devoted to «cholarshiM in Hanrard Univertity fbr the
benefit of detcendants of
HENRY BRICHT, JR.,
who died at Watertown, MaMachosetts, in 1686. In the
absence of such descendants, other persons are eligible
to the scholarships. The will reqoires that thb annonnce-
ment shall be made in everj book added to the Library
nnder its prorbions.
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TlßOLISCHE DICHTER
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DRITTER BAND:
HUGO VON MONTFORT
MIT ABHANDLUNGEN
ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN LITERATUR, SPRACHE UND
METRIK IM XIV. UND XY. JAHRHUNDERT
HERAÜSOEOEBKN
VON
J. B. WACKBÜNifiXiL.
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VERLAG DER WAGNER'SUHEN UNIVERSlTlTS-BUCHHANDLUNG.
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HUGO VON MONTFORT
MIT ABHANDLUNGEN
ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN LITERATUR, SPRACHE UND
METRIK IM XIV. UND XV. JAHRHUNDERT
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J. E. WACEEBNELL.
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INNSBBUCK.
VEBU6 DER WAGNEB'SOHEN UNIVERSITÄTÖ-BÜGHHANDLÜNO.
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DEM
HOCHVEREHRTEN LEHRER
HERRN PROFESSOR RICHARD HEINZEL
IN DANKBARER UND TREUER GESINNUNG
GEWIDMET.
VORWORT.
Das Buch besteht aas zwei Teilen, welche sich schon äusser-
Hoh (larch die verschiedene Pagioierang von einander abheben Im
Vordergründe stehen die Abhandinngen; denn bei diesen spätem
Dichtern, deren Producte nur sehr geringen künstlerischen Wert be-
sitzen, ist es hauptsächlich das Seelenleben, die Sprache und Metrik
jener Zeit, welche unser Interesse fesseln : und dafür ist Graf Hugo
von Montfort eine reichliche Quelle. Aber noch ein anderes hat er
voraus: kein süddeutscher Dichter seines Jahrhunderts ausser Oswald
von Wolkenstein darf sich an politischer und dynastischer Bedeu-
tung mit ihm messen; in der Geschichte Vorarlbergs und Steier-
niarks tritt sein Name hervor. Daher waren es auch Historiker,
Vanotti und Bergmann, welche zuerst sein Leben in Untersuchung
zogen. Die von ihnen gesammelten Urkunden Hugo's blieben neben
seinen Dichtungen auch das Material für die spätere biographische
Arbeit Weinholds. Wollte ich Unsere Kenntnis nach dieser Richtung
hin weiterführen, so musste ich vor allem die mühselige und kost-
spielige Urkundensuche wieder aufnehmen. Die mir dabei von den
Archivvorständen überall bereitwillig gewährte Unterstützung er-
möglichte es, dass ich die 38 vor mir benützten Urkunden mit
127 vermehren konnte. Besonders zum Danke verpflichtet bin ich
hier Sr. Excell., dem Hrn. Prof. Dr. Alfred Ritter von Arneth,
Director des k. k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchives in
Wien; dann dem Hrn. Prof. Dr. Franz von Löher, Director
des k. bairischen Reichsarchives in München, dem Hrn. kais. Rat
Dr. David Schönherr, Vorstande des Statthaltereiarchives in
Innsbruck, dem Hrn. Prof Dr. Josef von Zahn, Director des
Steiermark. Landesarchives in Graz und dem Hrn. Prof Josef
Zösmair in Feldkirch. — Ueber die Behandlung der Urkunden
genügen ein paar Bemerkungen. Vollständige Abdrücke oder läa^ere
— 8 —
Aaszüge davon zu geben, hatte ich keinen Raum, ich werde das
später an geeigneter Stätte tan: hier habe ich überall nur das,
was für unsere nächsten Zwecke das wichtigste war, herausgehoben ;
zur Datierung wurde natürlich Weidenbach benützt. — Was die Ur-
kunden für Hugo*s politische Geschichte, das waren seine Gedichte
für die innere Entwicklung. Durch gleichmässige Benützung dieser
beiden Quellen suchte ich zu einer zusammenhängenden Biographie
zu gelangen, verwies daher alle Discussionen, welche nur Mittel zum
Zwecke waren, unter den Strich und die Chronologie der Gedichte,
welche den Zusammenhang der Darstellung fortwährend unterbrochen
hätte, in Abh. III, wo sie zugleich noch einem andern Zwecke
dient. Als Einleitung behandelte ich übersichtlich die Geschichte
der altern Montforter und rechtfertige das nicht dadurch, dass an-
dere in ähnlichen Fällen ähnlich taten, sondern durch meine we-
sentlichen Abweichungen von den früheren Darstellungen derselben
und durch die urkundlichen Berichtigungen, welche ich nachtrug;
dazu kommt noch, dass auf Hugo die politischen Traditionen seiner
Vorfahren von massgebendem Einflüsse gewesen sind, und somit
jedes Falles in Betracht gezogen werden mussten.
Die IL Abhandlung ist die Ergänzung und der Abschluss der I.
Hier, bei der Behandlung von Hugo*s Persönlichkeit, war auch
sein Stil heranzuziehen, denn , der Stil ist der Mensch ^. Um aber
die Einseitigkeit, welche in diesem Satze liegt, zu vermeiden, habe
ich überall jene Charakterzüge, die sich aus Hugo's Lebensgeschichte
und seinen eigenen Aussprüchen ergeben, in den Vordergrund und
ihnen jene des Stils ergänzend an die Seite gestellt Dass es aber
bei der Untersuchung des Stils unzulänglich wäre, nur jene stilisti-
schen Motive, Bilder und Vergleiche, welche diesem Dichter speciell
eigen sind, auszulesen, ist evident; denn jeder Dichter, welcher in
oder nach einer literarischen Blüteperiode schafft, steht vor einer
kloinen Unendlichkeit stilistischer Formen, und in dem, was er da-
von auswählt — oder besser: in dem, was ihm davon hängen
bleibt, offenbart sich sein Geschmack, die Richtung seiner Phantasie,
seiner Denk- und Gefühlsweise. Es ist wohl für ihn und beson-
ders für seine Fähigkeiten charakteristisch, aber zu seinem Cha-
rakter nicht notwendig, dass er darin auch originell sei. Es hat
mioh daher jedesmal überrascht, wenn ich — wie erst jüngst
wieder — die Behauptung las, dass bei Stiluntersuchungen nur
das dem Dichter spco. eigentümliche in Betracht käme. Mit Recht
— 9 -
aasgeschlossen bleiben nnr jene figürlichen Ausdrücke, welche sich
von ihren ursprünglichen Vorstellungen losgetrennt haben und rein
formelhaft geworden sind. Wenn ich z. B. sage: , dieser Mann
ist zu Grunde gegangen', wer erinoert sich da, dass ich ein
Bild gebraucht habe, welches vom Schiff auf dem Meere herüber^
genommen ist? — Im zweiten Teile dieser Abhandlung wagte ich
den Versuch, Hugo*s Charakter aus seiner Zeit und seiner Umge- ^
bung zu erklären und damit seinem Bilde einen culturhistorischen
Untergrund zu geben.
Die HL Abhandlung untersucht die äussere und innere Ueber-
lieferung von Hugo's Gedichten und schafft die Grundlage fOr die
folgenden Abhandlungen und die Textkritik. Dabei galt es be-
sonders nach einer Seite hin der neueren Forsohungsweise gerecht
zu werden : unsere altern Musterausgaben haben die paläographische
Untersuchung der Hss. fast ganz vernachlässigt, und erst in neuester
Zeit haben wir sie von den Historikern gelernt. Vielleicht ist es
mir gelungen zu zeigen, welche eminente Berechtigung diese neue
Art besitzt, wie die Untersuchung der Hss. nicht nur für die Her-
kunft und das Alter derselben, för die Echtheit und Unechtheit
der Gedichte entscheidend sein kann, sondern auch für die Her-
stellung des Textes.
Bei der Untersuchung über die Sprache eines Dichters be-
schränkt man sich in den Ausgaben meist auf eine Zusammen-
stellung der Reimformen, gewiss sehr zum Nachteile der gramma-
tischen Forschung, denn die Reime sind zum grösseren Teile tra-
ditionell und den jungem Dichtern mit den altern gemeinschaftlich;
gerade bei Hugo zeigt es sich deutlich, welch kleiner Bruchteil vom
ganzen Wort- und Formenschatze in den Reimen belegt ist Um
aber die Sicherheit der ausser den Reimen liegenden Formen zu
prüfen, war es notwendig, die Sprache der alem. Dichter und Ur-
kunden in weitem Umfange herbeizuziehen; und ich Hess mir das
um so mehr angelegen sein, weil ich damit zugleich die alem. und
mhd. Grammatik ergänzen und teilweise auch berichtigen konnte.
Nach demselben Grundsatze arbeitete ich auch bei der Metrik.
Hugo steht nur im Mittelpunkte der Untersuchung: überall habe
ich ihn mit anderen Dichtern vom Ausgange des IS. Jahrhunderts
bis hinab zu Braut verglichen, um so zu allgemeineren Resultaten
über die Metrik dieser spätem Zeit, welche noch niemals bearbeitet
worden ist, zu gelangen; dabei durften neben den Lyrikem natür-
— 10 —
lieh auch Didaktiker und Epiker nicht aasgeschlossen werden, schon
deswegen nicht, weil Hugo selbst solche als seine Vorbilder nannte.
Ich möchte das nicht gern verkannt sehen.
Mein Text will ein kritischer sein. Bei allem, was von der
üeberlieferung corrigiert wurde, war vorerst nachzuweisen, dass es
den Schreibern angehört. Correcturen, welche auf den beliebten
Grundsätzen ^^um das Lesen zu erleichtern^, ,,um eine geregelte
Orthographie herzustellen^, j,xim die Lautzeichen in organischer
Weise zu regeln*, »im Interesse der mhd. Schreibung* u. dgl.
fussen, sind subjectiv und verwerflich. Wer sich die Sprachent-
wicklung vom 13. — 16. Jahrhundert näher angesehen hat, dem ist
es nicht gleichgültig, ob er got oder gott, nim oder nimm^ zwei/
oder zwölf, swarz oder schwartz schreibt. Jeder unbegründete
Eingriff in die überlieferte Schreibung, jedes Uniformieren, das nur
vorgenommen wird, um dem Denkmal ein besseres mhd. Aussehen
zu geben, ist unkritisch ; und durch nichts bat man in den Texten
dieser spätem Dichter so viel Unheil angerichtet als dadurch. Soeben
hat uns z. B. Kinzel wieder gezeigt, wie v. d. Hagen die Erzählung
vom , Junker und dem treuen Heinrich* nach seinen besten Kräften
in das Mhd. umgeschrieben und dadurch die meisten charakteristi-
schen Sprachformen dieses md. Gedichtes aus dem 14. Jahrhundert
kritiklos zerstört hat. Auch beim Montforter hat man sich in dieser
Hinsicht arg versündigt. Gerade die Formmannigfaltigkeit, das Durch-
einander von alt und neu ist für unsere Periode kennzeichnend
^ und für die Sprachentwicklung von Bedeutung. Statt auszugleichen
erwächst da dem Grammatiker die Aufgabe, in diesem Nebenein-
anderherlaufen verschiedener Formen das Aussterben der alten, das
Eindringen, Umsichgreifen und endliche Siegen der neuen Lautver-
hältnisse zu beobachten und nachzuweisen — eine Aufgabe, die
wichtig ist, aber schwerlich gelingen wird, wenn man die jüngeren
Formen in den Ausgaben nicht stehen lässt.
Jede Emendation der Hs. war in den Varianten zu verzeich-
nen; Lichtenstein hat (Anz. f. d. A. VI, 61) mit Recht betont, dass
gerade bei Veröffentlichung von Denkmälern, wo sich unser Interesse
hauptsächlich auf Spmche und Metrik concentriert, Genauigkeit und
Vollständigkeit in der Wiedergabe der Hs. besonders anzustreben
sei. Ya hatte mich daher nicht zu kümmern, ob die Varianten
durch das vollständige Verzeichnis der bair. ei (= t\ ai (=^ ei\
au (= ow und ö) in eine gewisse Eintönigkeit verfallen; sie hätten
— II —
nur dann weggelassen und mit einer einmaligen Bemerkung abge-
tan werden können, wenn sie die Schreiber consequent für die alem.
Laute eingesetzt hätten, was aber nicht der Fall ist. Wegzulassen
waren nur die rein graphischen Varianten wie v = w etc.; und wenn
ich die J, j == i anmerkte, geschah es bloss, weil darin ein Kenn-
zeichen der verschiedenen Schreiber liegt. Rechts vom Texte habe
ich die Paginierung der Hs. angesetzt und zwar deswegen, weil
die alem. Gramm, darnach citiert; fiir die Zukunft ist sie selbst-
verständlich wertlos, weil jetzt, wo die numerierten Gedichte und
die gezahlten Verse vorliegen, hoffentlich niemand mehr in der alten
Weise eitleren wird.
Die Anmerkungen boten zunächst Gelegenheit für textkritische
Erörterungen, ausserdem suchte ich hier unsern Wörterbüchern zu
nützen durch Nachweise seltener Wörter und Ausdrücke, die ich
bei der eigenen Leetüre gesammelt, und zwar habe ich besonders
jene Quellen beachtet, welche unserem Dichter zeitlich und örtlich
nahe stehen, wo directe Entlehnungen stattfinden konnten und
tatsächlich auch stattgefunden haben. Die Citate gab ich immer
in der Schreibung, in welcher sie sich vorfanden, also z. B. die aus
Teichner nach Lassbergs LS. oder der Hätzlerin oder den Auszügen
Karajans, die Suchenwirts nach Primisser, Oswalds nach Weber
u. s. w. Zu Textänderungen fehlten die zwingenden Gründe und nö-
tigen Anhaltspunkte, sie sind Sache der künftigen kritischen Heraus-
geber, welche die Reiraregister, Hss. u. dgl. Mittel zu Händen haben
müssen. . Hoffentlich ist diese Bemerkung für die meisten überflüssig ;
dass sie es aber nicht für alle ist, beweisen jene, welche auch die
Citate wie die Texte rücksichtslos ins Mbd. übertragen; so hat
z. B. neulich jemand die Belegstellen aus Büheler so vermittel-
hochdeutscht, dass man einen Dichter des 13. Jahrhunderts vor
sich zu haben glaubt. Alle Aenderungen dieser Art führen ins
anbestimmte und blaue hinein und bleiben besser unterwegs, zumal
es meist nur auf den Inhalt der Citate ankommt. Dasselbe gilt
für den Gebrauch der Längezeichen (vgl. Abhandl. IV, p. 150)
and die Citierungsweise der Urkunden, daher min neben rmn,
Ursala neben Ursula, Pekow neben Pekhaw u. dgl.
Damit sei das Buch dem Wohlwollen der Fachgenossen em-
pfohlen ; ich habe dafür keine Zeit und keine Mühe gescheut. Dass
aber auch bei aller Gewissenhaftigkeit ab und zu ein Versehen
passiert, das wissen gerade genaue Arbeiter am besten; viel-
— 12 -
leicht zieht man auch die Schwierigkeit der Arbeit in Betracht:
denn es ist ungleich schwerer und leichter auf einem noch fast ganz
unbebauten Gebiete Entdeckungen zu machen, und ich bin den
schweren Fragen niemals mit jener beliebten Entschuldigung: , dar-
auf näher einzugehen fehlt mir der Baum " ausgewichen , viel lieber
wollte ich fehlen; Raum zu sparen aber suchte ich durch engen
Druck, von dem sich nur die Anm. nach dem Texte ausnehmen,
weil für sie die Cursivlettern der üblichen Notenschrift nicht in
genügender Anzahl vorhanden gewesen wären.
Die letzten Zeilen, mit denen ich dieses Buch, dessen Druck
sich durcli zwei Jahre hinzog, beschliesse, seien dem Danke ge-
widmet, den ich reichlich schulde: so zunächst Herrn Prof. W.
Seh er er in Berlin, der mir mit dem Thema auch manchen treff-
lichen Wink zu dessen Behandlung mitgab; am meisten aber Herrn
Prof. R. Heinzel in Wien, der mit gewohnter Güte einen grossen
Teil meines Manuscriptes durchprüfte. In paläographischen und hi-^
storischen Fragen wandte ich mich öfters an Herrn Director von
Zahn und Prof. Zösmair, niemals vergebens. Ausserdem haben
meine Freunde in Wien und Berlin die Arbeit im ganzen Umfange
mit ihrer Teilnahme begleitet und, wo immer sie konnten, mit ihrem
Rate und ihrer Hilfe unterstützt. Mögen sie nun ihre Bemühungen
gut angewendet und ihre Erwartungen erfüllt sehen.
Dr. Wackerneil.
ABHANDLUNeEN.
Wacker nell, Montfort,
L HUGO'S LEBEN.
L Herknnft nnd Geburtsjahr.
Wenn da an einem schönen Sommertage von Bregenz ans^
der Stadt am Bodensee, den kleinen in ihrem Rücken gelegenen
Gebhardsberg besteigst, gewinnst du eine jener unsäglich anmutigen
Femsichten, die nur die Alpenwelten bieten, wo auf beschränktem
Räume Wasser und Land, Gebirg und Ebene um die Wette ihre
Reize entfalten. Um dich ruhen die Trümmer einer zerfallenen
Feste; vom Nordwesten blickt der klare Bodensee in heiterer
Majestät herauf; im Süden breitet sich das herrliche Rheintal aus :
soweit dein Auge reicht, nur Au an Au und Feld an Feld, über-
sät mit Häusern, Dörfern und Ruinen halb und ganz zerfallener
Bargen. Jenseits des Rheins, im fernen Westen, erheben sich die
mächtigen Schweizeralpen, königlich mit ewigem Schnee gekrönt,
während im Osten die sanfteren Allgäaer Berge von der Ebene
aufsteigen und deinem schweifenden Blicke die Grenze setzen. Die
frische Seeluft streicht langatmig zu dir herauf, umweht dich mit
ahnungsvollem Rauschen wie der Geist vergangener Zeiten — : Du
hast den schönsten und bedeutendsten Teil von Vorarlberg gesehen,
jenen Teil, auf dem seine Geschichte spielt.
Seit dem 10. Jahrhundert gehörte dies Ländchen, das den rechten
Flügel der tirolischen Alpenfeste bildet, zum Herzogtum Schwaben,
und die Grafen von Bregenz (später Montfort) waren das herr-
schende G-eschlecht dieser Gegend. Sie traten schon frühe in der deut-
schen Geschichte hervor, eroberten sich schnell Macht und Ansehen,
erfüllten das Land mit ihrem Ruhme: Fürsten und Könige bewarben
sich um ihren Anhang, und die grossen Schlachten, welche über den
Besitz der deutschen Krone entschieden, schlugen sie fast alle mit; nur
der deutsche Kaiser und der Herzog von Schwaben standen üb^t
vr
ihnen. Unter ihrer Herrschaft worden Wildnisse urbar, bevölkerten
sich Einöden, entstanden Dörfer und gelangten die Einwohner Vorarl-
bergs zu Wohlstand und Sicherheit Nicht selten aber auch ge-
schah es, dass sie das eigene Land zum Schauplatz blutiger Kriege
machten, die nicht geführt wurden zum Schutze der Untertanen
sondern aus wilder Leidenschaft der Herrscher. Bereits in der
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts war dieser Stamm abgestorben
bis auf den weiblichen Sprössling Elisabeth, welche durch ihre
Heirat mit Hugo von Tübingen eine neue Generation begann, deren
Geschichte wir den äussern Umrissen nach bis auf Hugo den Minne-
sänger zu verfolgen haben.
Elisabeth's jüngerer Sohn Hugo wurde (1182) Erbe der
Herrschaft und des Namens der Montforter in Vorarlberg und der
Stammvater des neuen Geschlechts. Er war ein ge-
walttätiger, habgieriger Herr, als wäre er der verkörperte
Geist seiner raubsüchtigen Zeit. Wir wissen wenig von ihm, aber
das wenige reicht leicht aus zu seiner Charakteristik. 1206 über-
fiel er zur Zeit des Gottesfriedens meuchlings die Burg seines fried-
lichen Nachbars Heinrich von Sax; gleich darauf erhob er eine un-
gerechte Fehde mit dem Abt und Kloster St. Johann im Thurtale
und raubte noch in demselben Jahre einen Zug italienischer Kauf-
leute aus^). Doch bald erreichte ihn die Nemesis: seine Sünden
waren Gewalttaten, und eine grauenvolle Gewalttat war ihre Rache.
Hugo hatte eine seiner Töchter an den Grafen Friedrich von Tog-
genburg verlobt; aber in der Nacht des 12. December 1226 wurde
der Bräutigam von seinem eigenen Bruder aus gemeiner Habgier
ermordet. Das Entsetzen über diese Tat war allgemein : der Kaiser
ächtete, der Pabst bannte, das Volk sang grause Lieder. Unstät
und verabscheut irrte der Mörder herum mit dem Kainfluche be-
laden, den er noch auf seinen Sohn Kraft von Toggenburg, den
Minnesänger, vererbte. Hugo von Montfort hat diesen Schlag nicht
lange überlebt.
Unter seinen beiden Söhnen Budolf und Hugo^) teilte sich das
Geschlecht in zwei Zweige. Die Nachkommen Rudolfs erhielten
^) ^fi>'* ZOsmair, politische Geschichte Vorarlbergs im 13. und 14. Jahrh.
unter den Grafen Ton Montfort nnd Werdenberg (Programm der Staatsmittel-
schalen in Feldkirch I Teil 1877, II Teü 1878, III Teil 1879) I, 6, 7 nnd 11-
*) Der dritte Sohn Heinrich trat in den Dominikanerorden. Vgl. Z6B'
mair I, 12,
Besitz und Namen von der Grafschaft Werdenberg, während
die Hngo*8 auf den alten Stammsitzen den Namen der Grafen
von Montfort weiterführten. Wir lassen die ersteren ausser
Acht und folgen nur der geraden Linie, aus welcher unser Dichter
hervorgieng.
Hugo IT war friedlicher und rahiger geartet als sein Vater:
wohl mochte er sich aus dessen Leben die richtige I^ehre gezogen
haben. Wir hören bei ihm wenig von Krieg und Streit, trotzdem
die immer mehr verwildernde Zeit öfter denn je Änlass dazu ge-
boten hätte; nur zum Schutze seiner Oberherren, der Herzoge von
Schwaben, die damals auch die deutsche Königskrone trugen, griff
er zu den Waffen. Als Pabst Innocenz IV auch am Bodensee
gegen die Staufen das Erenz predigen Hess und darauf hin viele,
insbesondere Aebte und Bischöfe, von ihren rechtmässigen Lehens-
herren abfielen, rückte ihnen Hugo zu Leibe ^). Freilich vermochte
er damit die lange vorbereitete Katastrophe, welche über das Helden-
geschlecht der Staufen hereinbrach, nicht abzuwenden : er sah noch
den Untergang Kaiser Friedrichs und König Konrads. Sein Tod
erfolgte gegen Ende der Fünfzigerjahre.
Die drei Unterbliebenen weltlichen Söhne teilten das väter-
liche Erbe: Rudolf erhielt die Grafschaft Montfort- Feldkirch, Ul-
rich Montfort-Bregenz mit Sigraaringen und H n g o Montfort-Tett-
nang und Scheer^). Damit beginnt ein neuer, aber trauriger Abschnitt
in der Geschichte der Montforter. Diese schädlichen Teilungen allein
würden ihr Ansehen und ihre Macht noch nicht gebrochen haben,
wenn sie unter sich Frieden gehalten und ihre Waffen gemeinsam ge-
gen die äussern Feinde gekehrt hätten, die jetzt in „ der kaiserlosen,
der schrecklichen Zeit' von allen Seiten auf sie eindrangen Aber
statt dessen begannen die Bruderkinder, die Montforter und Wer-
denberger, einen zügellosen blutigen Krieg, der mit geringen Unter-
brechungen vier Decennien lang wütete, zu förmlichen Schlachten
und zu grauenhaften Verheerungen des ganzen Landes führte. —
Das waren Hiebe ins eigene Fleisch. Doch auch diese Wunden
wären vernarbt, die Saaten wären wieder aufgestanden und die
Menschen wieder nachgewachsen, hätte nur eine unglückselige Tat
I) ZOsmair T, 16 und 17.
*) Vgl. I. N. Ton Yanotti (Geschichte der Grafen Ton Montfort nnd
Ton Werdenberg 1845) p. 51, 56, 58 und ZOsmair I, 2S.
VI
der Werdeuberger angeschehea gemacht werden köDoen: diese hatten,
als sie sich den Montfortern nicht mehr gewachsen fühlten, die
Habsburger znr Hilfe herbeigerufen. Das kam den
kriegstüchtigen Schweizergrafen sehr erwünscht. Schon seit Jahren
strebten sie in die verwaisten Besitzungen und Rechte der Staufen
zu gelangen und selbst das Herzogtum Schwaben wieder herzu-
stellen; aber die Montforter standen ihnen im Wege: sie waren
vielleicht das einzige Geschlecht der Umgegend, das im Stande
sein konnte, ihre Pläne zu Schanden zu machen. Und nun zer-
fleischten sie sich selbst und boten noch Gelegenheit zur Ein-
mischung! Nichts ist charakteristischer für das Vorgehen der
Habsburger, als dass der Krieg der Montforter mit den Werden-
bergern sich nun zum Kriege der Montforter gegen die Habsburger
umgestaltete, mit denen die Werdeuberger verbunden blieben. Den
Montfortern musste alsbald die Einsicht aufgehen, dass sie nunmehr
um ihr Sein oder Nichtsein zu ringen hatten. Mächtig bäumten
diese stolzen Grafen sich auf, und wir finden sie in der Folge bei-
nahe ohne Ausnahme als Bundesgenossen der Feinde Habsburgs.
So kämpften sie mit Löwenmut zuerst gegen Rudolf, auch noch,
nachdem er deutscher König geworden war, und zerschlugen dessen
Absichten auf das Herzogtum Schwaben ; dann hielten sie zu Adolf
von Nassau und fochten bei Göllheim (1298) mit verzweifelter
Tapferkeit gegen Albrecht M. Ihr Hass verfolgte Albreohts Regierung
bis zur Bluttat an der Reuss, an welcher sie wahrscheinlich nicht
ohne Schuld gewesen sind. In dem folgenden Tronstreite zwischen
Friedrich dem schönen und Ludwig dem baier waren sie wieder
Gegner des erstem.
Wenn während dieser langen Kriegszeit auch kurze Pausen des
Friedens eintraten, so waren es doch nur Momente völliger Ermattung.
Der fortwährende Kriegsbedarf erschöpfte die Kasse der Montforter
und zwang sie, Besitzungen zu veräussem. Aber auch das verstanden
die Habsburger zu ihrem Vorteile auszubeuten. Sie waren mittler-
weile durch die deutsche Krone in den Besitz der österreichischen
Herzogtümer gekommen, die ihren Finanzen aufhalfen, erschienen nun
als die eifrigsten Käufer und brachten Sigmaringen, Scheer und
andere Besitzungen an sich^). Vor den Waffen ihrer Feinde hatten
0 Vgl. darüber Yanotti 64 und ZOsmair I, 36 und 39.
«3 Vanotti 62.
vn
sich die Montforter heldenmötig gerettet, aber sie erlagen ihrem
Säckel : das Endresultat war das gleiche ; nnr der Uebergangsprooess
wurde zwei Jahrhunderte lang verzögert.
Gegenüber diesen weittragenden äussern Vorgängen treten die
Familienereignisse in den Hintergrund zurück. Wir wollen flüchtig
daran vorübereilen. Hugo von Tettnang hatte nur einen Sohn
Wilhelm, dem er, als er den Abend seines Lebens gekommen sah
und sich nach all den erlittenen Wechselfällen lebensmüde fühlte,
die Regierang überliess (1309)^). Bald darauf legte er sich in
die Gruft seiner Väter.
Wilhelm, damals noch jung, übertrug das Regiment seinem
altem Vetter Hugo IH, dem einzigen Sohne Ulrichs von Montfort-
Bregenz. Das ist ein Beweis, wie man jetzt zur Ueberzeuguug gelangt
war, dass die Rettung des Hauses nur im innigen Änschluss und
in der Vereinigung der geteilten Kräfte möglich sei; vielleicht waren
die Tettnanger gerade zu der Zeit neuerdings von ihren Feinden
hart bedrängt. 1338 starb Hugo ohne Leibeserben, und seine Güter
fielen an Wilhelm^, der somit die beiden Linien von
Montfort - Tettnang und Montfort - Bregenz wieder
vereinigte.
unter Wilhelm I strahlte das G^chlecht der Montforter noch
einmal in seinem vollen Glänze. Er paarte Tapferkeit mit Umsicht
und Klugheit mit Ausdauer. Die Greschichtsschreiber seiner Zeit
melden einstimmig mit grosser Begeisterung sein Lob; selbst ein
Anhänger der Oesterreicher, Albert von Strassburg^), sagt von ihm:
.Ludovicus Imperator Mediolanum Wilhelme de Monte forti
comittens. . qui in virilibus gestis valentior hujus mundi
aestimaretur^. Aehnlich preist ihn Tschudi, preisen ihn alle
Taten seines Lebens. Er wird namentlich aufgeführt, wenn er den
Fahnen seines Kaisers Ludwig folgte, was stets geschah, sobald
sich dieser in Not und Bedrängnis befand. Dafür ward ihm aber
auch königlicher Lohn zu Teil: er wurde kaiserlicher Reichsland-
vogt in Schwaben und bald darauf kaiserlicher Statthalter über
Mailand, erhielt 1330 und 1331 die Erlaubnis, den Flecken Tett-
nang und das Dorf Ertingen mit Mauern und Gräben zu befestigen
*) Vgl. die Urkunden im Ansznge bei Vanotti p. 626, Nr. 372 und 373.
*) Nur ein Teil vnrde für die Montfort-Feldkircher ausgeschieden. Vgl.
ZOsmair n, 19.
*) Alb. Argenti Chronioon apud Urstit H, 124. YgL YanQtti WS ^«
vm
und Stadt- and Marktrechte zn errichten^). Er starb spätestens
am 8. Oktober 1350^).
Seiue Söhne besassen nicht die Einsicht und Tüchtigkeit ihres
Vaters; denn sie teilten wieder die Besitzungen: Wilhelm wurde
Graf von Bregenz, Heinrich Graf von Tettnang^).
Wilhelm H war der Grossvater unseres Dichters. Mit ihm
beginnt eine Umgestaltung der äussern Politik, die sich auf seinen
Sohn und Enkel vererbte, und die wir daher näher ins Auge zu
fassen haben. Die Lage dieser beiden neuen Montforter Linien
hatte sich sehr verschlimmert. Schon durch die Teilung an sich
war ihre Macht geschwächt und gelähmt; aber das Uebel wurde
noch vergrössert durch die ungeschickte Durchführung derselben:
Wilhelms Besitzungen standen von drei Seiten dem Angriffe offen.
Dazu hatte sich die Zahl der alten Feinde um einen neuen ver-
mehrt: zu den Habsburgern und Werdenbergern kamen — nicht
weniger gefährlich als die beiden — noch die Schweizer, welche
die schwäbischen Herren, deren Besitzungen in ihrer Nähe lagen,
unausgesetzt bedrohten : Wilhelm war einer der nächsten Nachbarn.
Es war daher nur eine Tat reiflicher üeberlegung, wenn er die Ver-
söhnung mit den Habsburgern suchte, um nun mit ihnen dem gemein-
samen neuen Feinde zu begegnen. Die Habsburger giengen darauf ein,
weil die Schweizer gegen sie insbesondere ihre Waffen kehrten. Schon
1354 finden wir Wilhelm neben andern schwäbischen Rittern im
österreichischen Heere, das Herzog Albrecht im Sommer dieses
Jahres gegen die Züricher führte*). So waren die Grafen von
Montfort-Bregenz Bundesgenossen der Habsburger geworden und
blieben es auch in der ganzen Folgezeit. Und wenn die Habsburger
schliesslich dennoch den Montfortern die Besitzungen abgewannen,
so geschah es in redlichem Kaufe, langsam, langsam, ohne andern
Druck als durch den der Freundschaft. Ja einer der Epigonen
») Stalin, Würtemb. Geschichte HI, 193.
') Die allgemeine Ansicht, dass Wilhelm am 8. Oktober 1353 oder 1354
gestorben sei (vgl. Bergmann, Sitz. Ber. der Wiener Akademie IX, 803 und
Yanotti 109), ist unrichtig ; denn nach einer Originalurkunde des Mehrerauer-
archlTS im Bregenzer Museum (Fase. I, 43) erscheinen die Sohne Wilhelms
schon am 3. April 1351 als Herren Ton Bregenz und Vögte Ton Mehreran.
Ich Terdanke diese Berichtigung einer Mitteilung Zösmair^s.
3) Die beiden andern Brüder Hugo lY, der sich auch einen Herrn zn
Bregenz nannte, und Ulrich I starben schon frühe. Vgl, die Stammtafel bei
ZOsmair. *) ZOsmair II, 37.
IX
Wilhelms, gerade unser Minnesänger, brachte sein Haus unter dem
Schutze der österreichischen Fürsten noch einmal zu hohem Ansehen.
iSald knüpften auch Bande der Verwandtschaft das neue Verhält-
nis. Wilhelm vermählte sich das zweitemal (nach 1352) mit der
Gräfin ürsala von Pfirt-Hohenberg *), deren Schwester Johanna die
Gremahlin Herzog Älbrechts H von Oesterreich war.
Im übrigen ist von Wilhelms II Regierung sehr wenig rühm-
liches zu sagen. Er trat seltener als seine Vorfahren öffentlich
auf und dann nur im Dienste und Interesse Oesterreichs, dem er
namentlich bei der Erwerbung Tirols (1363 — 69) gute Hilfe
leistete^). Seine Besitzungen verminderten sich bedeutend; er Hess
Pfandschaften einlösen, verpfändete und verkaufte selbst^). Dass
dabei die Habsburger den Hauptteil davon trugen, lag — wie wir nun
wissen — in der Natur der Sache. Er starb am 19. Oktober 1369^).
Dass dieser Bregenzer Graf in Wien starb, und dass seine letzten
Taten, von denen wir hören, ein Verkaufsact und die Stiftung eines
ewigen Lichtes in der Wiener Minoritenkirche waren, ist för ihn
sehr bezeichnend. — Er hinterliess einen einzigen Sohn gleichen
Namens von seiner ersten Frau^).
Wilhelm HI besass beim Tode seines Vaters bereits selbst
zwei Söhne: Konrad und Hugo. Hugo — wie sich aus der vor-
ausgegangenen Ableitung ergeben wird, der V. Bregenzer Herr dieses
Namens®) — war der jüngere '') und hatte damals bereits sein elftes
*) Was Vanotti 162 ff. Ton den Frauen Wilh«lm8 II schreibt, ist un-
richtig, desgleichen alles folgende, weil er Wilhelm II und dessen Sohn Wil-
helm III für dieselbe Person hielt. Erst Bergmann hat in seiner Abhandlung :
„Ueber das Wappen der Stadt Bregenz und der Torarlbergi sehen Herrschaften,
und über die Grafen Ton Montfort-Bregenz-Pfannberg bis 1596** (Sitz. Ber.
der Wien. Ak. IX, 791 ff.) Licht hieher gebracht.
«) Vgl. Zösmair III, 13—15. «) Vgl. Vanotti 163 ff.
^) Nicht 1368, wie noch Bergmann (Sitz. Ber. IX, 804) glaubte. Vgl.
Zösmair III, 15.
*) Die aber nicht Freiin von Schwarznnberg hiess, wie Bergmann a. a.
0. 803 meinte; denn diese war Wilhelms 1 Gemahlin, was Lang-Freiberg,
Begesta Boica VI Bd. pag. 165, bezeugt. Vgl. die Stammtafel bei Zösmair.
•) Weinhold : „Ueber den Dichter Graf Hugo VIII von Montfort'' (Mit-
teilungen des historischen Vereines für Steiermark VII, 127 — 180) nannte
ihn mit Vanoeti den VIII; Bergmann a. a. 0. den IV; Zösmair den III;
Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg (IV, 173 u. öfter), und Weber,
Oswald Ton Wolkenstein (pag. 4), den II.
') Konrad wird in gemeinschaftlich ausgestellten ütkMwdftik «iH «t^\«t
Lebeosjahr hintef sich. & ist in der politischen Geschichte einer
der bedeutendsten, im ganzen der bedeutendste seines Geschlechts :
der Ritter mit Leier und Schwert, dessen Leben und Wirken dar-
zustellen wir unternommen haben , so gut es mit dem noch
erhaltenen Reste der ledernen, unbehilflichen Urkunden und den
kargen Andeutungen in seinen Gedichten gelingen mag.
Seine Mutter war Ursala Gräfin von Pfirt-Hohenberg*), das
Jahr seiner Geburt 1357 2). Damals hauste sein Vater auf der
Burg Bregenz : dort mag Hugo's Wiege gestanden, mag er die Jahre
der Kindheit verlebt haben.
t Engo's Jugendzeit.
Im väterlichen Hause Hugo's war der Kriegslärm seltener ge-
worden: Wilhelm III war ein friedliebender Mann, was für die
Erziehung seiner beiden Söhne sicher vorteilhaft war, denn arma
et musae wohnen selten unter einem Dache; insbesondere scheint
man an den Unterricht des jüngeren Sprösslings grössere Sorgfalt
Stelle genannt nnd trat bereits 1372, also vor Hugo, selbständig anf. Ygl.
Fürstenberger ürkundenbnch IT, 441.
^) Also die Tochter seiner Stiefgrossmntter. Die Terwickelten Beziehungen
wird eine kleine Stammtafel klar legen :
Ulrich,
Graf Ton Pfirt, starb am 10./3. 1324.
Seine Gemahlin war Johanna, Gräfin von Mömpelgart.
Johanna, IJrsala (21./10. 1301 geb.)
seit dem Mai 1324 mit Termählte sich zuerst 1333 mit dem Gra-
Herzog Albrecht II Ton fen Hugo y. Hohen berg nnd, nachdem
Oesterreich Termählt, dieser zwischen 1352 und 1354 gestorben
starb 16./1 1. 1351. war, neuerdings mit W i 1 h e 1 m II, G r a f e n
Ton Montfort-Bregenz. Sie starb
Tor 3. Februar 1367. Aus erster Ehe hatte
sie die Kinder
Hugo. Ursala
Termählte sich vor 1357 mit
dem Grafen Wilhelm III
Ton Montfort-Bregenz
und war dieMutterHugo^s, des
Minnesängers. Sie starb 1368.
*) Das ergibt sich aus einer Stelle in seinen Gedichten. 38, 141 Uagt
er: o s seht zig jdr sind swer uf minem rt*ggen minder drier. Nach
^, 185— 18& entstand das Gedicht am 4. JoU 1414.
XI
gelegt za haben. Wir fiuden später neben einer ausgiebigen Bildung
in ritterlichen Dingen bei demselben Kenntnisse, die für einen welt-
lichen Herren der damaligen Zeit noch selten waren, ja wenn man
zerstrente Andeutungen Hugo's in seinen Gedichten beachtet, wie
etwa 29, 89, wo er die Frau Welt, erstaunt über sein Wissen, aus-
rufen lässt: ich wcund^ du weriat ein ritter gwesen: wa bist du
nu in Studium gestanden f du hast gar guoü buoch gelesen, so
möchte die Vermutung Raum gewinnen, dass er sogar eine „ gelehrte
Bildung*)* erhalten habe. Auch eine äussere Veranlassung dazu
konnte vorliegen. Es war üblich, dass man den jüngeren Söhnen
geistliche Pfründen zu verschaffen suchte; die Montforter hatten
seit jeher diesem frommen Brauche eifrig nachgestrebt : es ist kaum
einer von den vielen Zweigen dieses Geschlechts, aus dem nicht
einige Domherren, Aebte oder Bischöfe hervorgegangen sind. Dann
wäre es freilich leicht erklärlich, wie Hugo noch in seinen spätem
^) Vielleicht im nahen St. Gallen? Von den altern Montfortern
.wenigstens wird es ausdrücklich hezengt, dass sie ihre Söhne in St. Gallen er-
Biehen Hessen, „wie in einer Schale'^ (Martini Crusii Chron. Snev. I, 307).
Aher freilich war das Kloster damals sehr herabgekommen, weswegen Zösmair
das wahrscheinlichere haben wird, wenn er dafür hält, „dass Hngo seinä
höheren Kenntnisse auf seinen Wanderungen, etwa auf der nenerrichteten
Wiener Universität gewonnen habe^. So war auch Hermann von Sachsenheim als
fahrender Schüler zu seiner gelehrten Bildung gekommen (Martins Ausg. p. 14).
Schon Weinhold hat die Frage aufgeworfen, ob Hugo auch die „Grund-
lage aller gelehrten Bildung, die Kenntnis des Lateinischen in sich trug.^
Er operierte dabei mit den lateinischen Ausdrücken in den Gedichten. Ein
neues Argument dafür liefert Hugo*s Bibelkenntnis, die er nicht nur „darch die
bildlichen Darstellungen und die geistlichen Gedichte des 12.— 14. Jahrhunderts
erhalten^, sondern aus der Bibel selbst geschöpft hat; denn 4,90 sagt er:
ich hdn in der gsehrift vernomen. Die gsehrift ist die heilige Schrift
(ygl. Lexer, Wb. I, 906). Auch anderweits macht Hugo gern Anspielungen,
die das erkennen lassen, so 5, 206 ; 24, 123; 27, 52 u. ^. Dabei lag ihm
doch sehr wahrscheinlich der allgemein gangbare lateinische Text und nicht eine
üebersetanng Tor, die im 14. Jahrhundert gewiss noch sehr selten zu finden
gewesen wäre; vgl. darüber Kehrein, die Bibelübersetzungen Cap. I und II,
und insbesondere Suchenwirt XU, 1622, welcher die Kenntnis der hl. Schrift
geradezu Ton der Kenntnis des Latein abhängig macht: die heilig gehrift ist
mir unehunt: ich ehan laider nicht latein. Siehe auch Primissers Einl. XXI.
Ob H. ausserdem noch einer andern Sprache, etwa des Italienischen mächtig
gewesen, wird sich mit Gründen weder beweisen, noch in Abrede stellen lassen ;
aber italienische Worte begegnen in seinen Gedichten einigemal ; femer mag
man daran denken, dass damals ein reger Handelsverkehr mit Norditalien
bestanden, und dass Hugo selbst sich mehrmals dort auigekaXt^n \l%.\i.
xn
Jahren »mit Behagen auf seine theologischen Kenntnisse zurück-
blicken konnte*'^). Wie dem auch sein mag, gewiss ist, dass er
wie einst Hartmann die Kunst besass zu lesen ^), was er , an den
buochen gesohriben vand ', und dass er diese Fähigkeit zur Leetüre
der berühmteren Rittergedichte und Minnelieder benützte, wie
uns seine eigenen Producte bezeugen. Er hat Kenntnis von
Parcival und der Gralsage, von Helena, Hector und der Zerstörung
Troja's, von Artus, seinen Rittern und Frauen und seinem ganzen
JHofe; hat von Kriemhilt, von ihrem und ihrer Helden Schicksal
gelesen; weiss vom Priester Johannes, von Aristoteles, Alexander,
Karolus magnus, vom Riesen Egge (in Nr. 7, einem der frühesten
Gedichte) ; kennt Hadamar, dann Suchenwirt und andere zeitgenös-
sische Dichter und deren Dich tungsweise^). Die Leetüre wird denn auch
besonders dazu beigetragen haben, ihn in die schwärmerische Richtung
jener Zeit zu drängen, in der man oft in überspanntester Weise daran
gieng, den Mustern der Buchhelden nachzuleben und in blinden Aben-
teuern seine Kraft und den eigenen Wert zu versuchen. Das glänzendste
Beispiel davon liefert sein jüngerer Zeitgenosse und Landsmann
Oswald von Wolkenstein, der mit zehn Jahren, drey Pfenningen m
dem pewtel und ainem stuckUn prot romanerfüllt die Heimat ver-
liess und auf Abenteuer auslief*). Aber auch Hugo war erst vier-
zehn Jahre alt^), als er 1371 auszog, die grosse Welt zu probieren.
Wie das Gedicht Nr. 2 erzählt, hatte diese erste Ausfahrt auch
noch ihre besondere Veranlassung. Er fühlte bereits zarte Neigung
zu einer Frau ^), nahm Wohnung auf , Sehnenberg" und sann auf
Mittel, der Liebsten Huld zu erwerben. Zu günstiger Stunde machte
*) Weinhold, in den Mitteilungen VII, 146.
«) Er versichert das wiederholt: 15, 157; 29, 89; 33, 69; 24, 37.
üeber die Beweiskraft derartiger Aussprüche vergleiche Karajan : „üeber Hein-
rich den Teichner«. Denkschriften der Wien. Akad. VI, 104.
') Vgl. darüber Weinhold a. a. 0. 147, weiter die Abhandlung II und
die Nachweise in den Anmerkungen.
'*) Weber, Oswald von Wolkenstein pag. 4. In ähnlicher Weise erhielt
Ulrich von Lichtenstein schon in seiner frühesten Jugend durch Leetüre
die Impulse ^zu ritterlichem Streben und Minnelust«. Knorr, Quellen und
Forschungen IX, pag. 19.
^) 5, 136: ich hatt der tag min viertzehn jar, sid hdn ich wun^
ders vil gesehen ete.
^) Dass diese Frau nicht seine nachherige Gemahlin Margaretha gewesen
seJa kann, ergibt sich aus dem weitern Hergang der Dinge von selbst.
xm
er sich auf, am ihr ein Geständnis seiner Flamme abzulegen: ich
wolt da gerne achowen^ wie mir min red gelükhen weit (2, 42).
Allein anstatt ihn zu erhören, las ihm das selig wih ein soharfes
Gapitel : er treibe es wie andere seiner Gesellen, die liegen, triegen
fruo und spät Dieser Empfang kam ihm zu unerwartet: die
Röte schoss ihm ins Gesicht, er erschrack und stotterte (2, 68, 70).
— Aber gerade daraus erkannte die frowe so vtn die Aufrich-
tigkeit seines Geständnisses und nahm ihn zu Gnaden an. In ihrem
Dienste musste er sich nun durch ritterliche Taten hervortun und
sich ihrer Neigung würdig erzeigen: so wollte es die Sitte der
Zeit. Hugo zog zuversichtlich mit ihrem Segen in die Welt; denn
er besass aussergewöhnliche Körperkraft ^). Ueber Jahr und Tag
ritt er herum, bis er fand, was er gesucht: ritterschaft ein michel
teil^ graveuj frien, herren geil^ die waltend iriben ritterspil, tur-
nieren^ stechen zuo dem zil 2, 99.
Wohin er seine Schritte gelenkt, ist mit Bestimmtheit nicht zu
sagen, doch wird man zunächst wohl an den Wiener Hof denken.
Auch die Zeitdauer dieser Wanderschaft können wir nur der obern
und untern Grenze nach bestimmen. Sie hat nicht vor 1371 (5,
136) begonnen und nicht über 1373 gedauert; denn in diesem
Jahre giengen in seinem väterlichen Hause Veränderungen vor sich,
die seine Anwesenheit notwendig machten.
unter Wilhelm H sind die Güter der Bregenzer Grafen be-
trächtlich verkleinert worden, unter Wilhelm IH waren sie bisher
noch nicht viel gewachsen! Der erste Act, welcher von ihm ur-
kundlich gemeldet wird, ist eine Verpfändung in Gemeinschaft mit
seinem Vater. Seine Gemahlin Ursala, die Tochter des Grafen
Hugo von Hohenberg, hatte ihm die Städte Heigerloch und Ehingen
als Heiratsgut zugebracht Am 9. Februar 1367 nun versetzten
zu Scheer die beiden Wilhelm (Vater und Sohn) von Montfort
diese Besitzungen, auf welche die Hohenherger schon früher Ver-
zicht geleistet, um 11.000 8^ Pfennige an den Grafen Eberhard von
Würtemberg^). Wie die vorhandene Quittung bezeugt, hat Eber-
hard noch in demselben Jahre die Ptandsumme flüssig gemacht^),
wodurch der Verlust dieser Städte für die Moutforter zur unwie-
derruflichen Tatsache geworden war. Ein Ersatz dafür schien sich
*) 5, 93: und hdn ms kraft denn daz merieil der weit
•) Vgl. Vanotti pag, 163 und im Anhange die Urkunde Nr. 86. Zös-
mair.^SEb 14 ^) Vanotti ibid.
XIV
einstellen zu wollen, als 1368 die österreichischen Herzoge][Leopold
und Albrecht den Montfortern Ehingen, die, Stadt an der Donau,
und die Herrschaften Berg und Schelkingen verpfändeten; allein
schon am 8. März 1370 wurden die Pfandschaften zum grössern
Teile wieder eingelöst ^), und die Lücke in Wilhelms III Besitzun-
gen blieb, bis es ihm in anderer Weise gelang, die erlittenen
Schäden gut zu machen und seinem Hause einen Machtzuwachs
anzubahnen, der von entscheidendem Einflüsse war für die ganze
folgende Geschichte desselben. Es geschah durch wohlverstandene
Heiratsverbindungen mit dem reichen Geschlechte der P&nnberger
in Steiermark.
Ulrich in, Graf von Pfannberg, Marschall in Oesterreioh,
Landeshauptmann von Kärnten, beschloss am 23. Oktober 1354
sein ruhmreiches Leben ^) und hinterliess einen einzigen Sohn Johann,
der die Gräfin Margaretha von Schaunberg zur Ehe nahm^j. Er
gewann mit ihr nur einen Sohn N und eine Tochter Margaretha,
welcher, als 1362 ihr Vater und bald darauf auch ihr Bruder
starb, das ganze Erbe zufiel. Margaretha die ältere war noch
heiratslustig, und Wilhelm HI von Montfort, dessen erste Gemahlin
1368 gestorben, gab in ihr 1368 oder 69 seinen beiden Söhnen
eine Stiefmutter; während um dieselbe Zeit Margaretha die jüngere,
noch in zartem Alter, vom Grafen Johann von Gilli heimgeführt
wurde. Doch diese Ehe hatte nicht lange Dauer: schon am 28.
April 1372 starb Johann von Cilli kinderlos^), und es waren
mit der Hand der jungen Witwe auch die ausgiebigen AUodial-
güter der Pfannberger in Steiermark, Oesterreich und Kärnten neuer-
dings zu erwerben, was sich ihr Schwiegervater Wilhelm sehr an-
gelegen sein liess. Da er selbst zum zweitenmal verheiratet war,
sein älterer Sohn Konrad gleichfalls schon Agnes von Tosters
zum Weibe genommen hatte ^), so blieb nur der sechzehnjährige
Hugo übrig, der denn auch noch 1372 oder 73 mit Margaretha
ehelich verbunden wurde®).
^) Yanotti pag. 164.
•) Er wurde Ton Sachenwirt besangen, bei Primisser Nr. XL
3) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 807. ^) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 809*
^) Nach Zdsmairs Ansicht bald nach dem 22. Juli 1371, als die grosse
Fehde zwischen den Werdenbergern und Feldkirchern, wobei es sich aach um
das £rbe der Gräfinnen Ton Tosters handelte, definitir beendet wurde.
*) Die Beziehungen gestalteten sich also folgendermassen :
XV
So war Hugo za einem Weibe gekommen und ein reicher
Herr geworden: die Pfannbergischen Lehensherrschaften, die Festen,
Dörfer, Leute and Güter zu Pekaw, Luginsland, Ghaisersperg und
Grünberg fielen ihm nun rechtlich zu 0» die Bregenzer Grafen traten
damit in den steirischen und österreichischen Herrenstand und
erlangten eine Macht, welche die aller andern Montforter Häuser
weit überflügelte. War das nicht eine ausserordentlich glänzende
Heirat? Steht nicht von vorn herein zu erwarten, dass Hugo in
der Freude über den unverhofften schönen Gewinn eine emsige
Regierungstätigkeit und mit seiner Gemahlin, die damals in der
schönsten Jugendblüte stand, ein glückliches Familienleben begonnen
habe? Wird er nicht, da ihm nun einmal Lieder in die Brust ge-
legt waren, mit denselben dieses junge Glück gefeiert haben? — Doch
von all dem keine Spur!
Wenden wir das Blatt und blicken nach den Triebfedern
dieser Heirat, so erheben sich dunkle Schatten. Nicht die Stimme
des Herzens, nicht die gegenseitige Neigung hatte hier das ent-
scheidende Wort geführt : die Diplomatie hatte den Bund geschlos-
sen, unbekümmert um jene, bloss geleitet vom Verlangen nach
Besitz; es war eine Gonvenienzehe im verwegensten Sinne des
Wortes. Demgemäss ist auch Hugo*s Haltung in den folgenden
Jahren: er geht ganz andere Wege als jene, welche häusliches
Glück und die Liebe zur Gemahlin zeigen; als wäre er gar nicht
verheiratet, erblicken wir ihn in heissen Bemühungen um die Gunst
anderer /rou;en und töchterUn^ wie seine Gedichte beweisen, welche —
Ulrich m, Grf. r. Pfannberg, f 23./10. 1354.
Katharina f 1374. Magaretha. Elisabeth. Johann f zwischen 11./1. und
Gem. Memhard VIT, 25./11. 1362. Seine Gemahlin war
Grf. Ton Görz, f 1385. Margare tha, Grfn. r. Schaun-
b e r g , in zweiter Ehe mit Wil-
helm III, Grf. T. Montfort-
Bregenz, Termählt. Aus erster
Ehe
Margaretha, Erbgnräfin ▼. Pfannberg. Ein Sohn N, der bald nach seinem
Ihr erster G^emahl war Grf. Johann Yater starb.
T. Cilli (t kinderlos am 29./4. 1372),
ihr zweiter Grf. Hugo ▼. Montfort-
Bregenz.
0 ^S^* Bergmann, Sitz. Ber. IX, 810, und dazu die Urkunde F
(pag. 844).
XVI
80 weit sie wenigstens hier zunächst in Betracht kommen — ganz
sicher wirkliche Erlebnisse zum Inhalte haben. Man fasse zuvör-
derst nur Nr. 3^) ins Auge, das wie ein Actenstück unmittelbar
aus der Situation herausspricht: es ist ein Brief an die entfernte
Geliebte und zwar (nach V. 46) nicht der erste, der zwischen
beiden gewechselt worden. Auch Geschenke hat er ihr yerheissen
und gegeben (41). Das Verbot, ihn in ihren Briefen mit Namen
zu nennen (45), zeigt deutlich genug, dass es sich um heimliche
Liebe handle; daher auch an sie und ihren Schreiber die ange-
legene Ermahnung zur Verschwiegenheit (53 — 68) : nur ihrem
getrüwen buolen darf sie ihr Herz öffnen und dann dem —
Mehliger! Die Formstudien, die er an ihrem Leibe gemacht
(25 — 32), deuten auf einen scharfen Zug von Sinnlichkeit in diesem
Verhältnisse, so dass seine Gemahlin bei eingehenderer Kenntnis
desselben kaum erbaut gewesen sein dürfte, und er alle Ursache
hatte, das Geheimnis zu hüten. Es bleibt eine offene Frage, ob
diese Angebetete noch dieselbe ist, mit deren Segen er (nach Nr. 2)
zuerst in die Welt hinausgewandert war, oder ob sie ihren Platz
in seinem Herzen bereits einer andern geräumt hatte; wahrschein-
lich letzteres, da er nach 5, 6 ff „ Wechsel' liebte.
Nr. 6 und 7 gewähren einen Blick in die Fortsetzung dieses
Liebesverhältnisses, das eine Störung erlitten hat, und zwar moss
der Misston vom Dichter ausgegangen sein : aus irgend einem Grande,
vielleicht weil sie ihm versprochene Geschenke nicht gegeben^)
(6, 17), erhob er unmutvollen Zweifel (wohl an ihre Treue) and
verlor dadurch ihre Huld. Wie er inne wird, dass er sich ge-
täuscht, ist sein Unmut zerronnen, und er sucht Versöhnung. Diese
zu erlangen ist Nr. 6 bestimmt : sich an min rüw^ nim von mir
puo88, durch gott tuo mir vergeben. Alle Freuden der Welt ver-
möchten nicht, sie bei ihm in Vergessenheit zu drängen ; mit ihrer
Liebe stürbe ihm auch die Lust zu leben. Wirkungsvoll kehrt
der erneute Eid seiner Treue beständig im Refraine wieder: und
8olt ich leben tuaent jdr, so bin ich doch din eigen knechL
Allein die Geliebte grollte fort und sparte harte Vorwürfe
nicht, was ihm (ruren brachte (7, 6); darum finden wir ihn
auch in Nr. 7 bemüht, den Sturm zu stillen : wer wird alles gleich
^) UebüT die Entstehungszeit und die Beihenfolge der Gedichte rgl. Ab-
handlung JII. ') Auch 3, 41 deutet auf don Austausch tod Geschenken
xvn
so za Unmut nehmen, beschwichtigt er, sei frohen Mutes und mir
wieder zugetan. Auch hier trägt der Refrain die Pointe des ganzen
Gredichtes: zum Teufel mit der Untreue!
Gehört auch noch Nr. 8 in dieses Verhältnis, so waren die
Bemühungen des Dichters schliesslich doch mit dem schönsten Er-
folge gekrönt In dieser knapp gehaltenen Tagweise, einem der
frbchesten Lieder Hugo's, singt er von den nächtlichen Abstechern
in die Kemenate seiner Liebsten. Frohen Herzens sieht er der
Ankunft des Abends und der Nacht entgegen; denn dann wird
ihm vergönnt, dass er ir guet aolt sehen an, — Die Freuden
währen bis der Morgenstern sich erhebt (8, 19), das Avemariaglöck-
lein erklingt, und der Bargwächter den Tagrebell bläst (8, 8); da
wird beiden noch ein hdsen und ein lieplich kusa ze Idn, und
er trennt sich von ihr mit dem tröstlichen Gedanken hinwider ze kon.
Damit verschwinden die Spuren dieser Liebesgeschichte : viel-
leicht löste sie sich von selbst auf, vielleicht gieng sie auf Kriegs-
fahrten unter, zu denen die Siebzigerjahre reichliche Gelegenheit
boten. Und dass Hugo wirklich solche Züge getan habe, ist un-
zweifelhaft; denn einer davon ist glücklicher Weise durch das
verlässliche Zeugnis des kundigen Suchenwirt verbürgt: der Kreuz-
zug ins Preussenland. Hier lag mitten im Herzen des christ-
lichen Europa eine heidnische Oase, welche in der zweiten Hälfte
dieses Jahrhunderts, wie früher Palästina und Spanien, der Ziel-
punkt phantastischer RitterfiEihrten wurde. Schon 1370 war Herzog
Leopold von Oesterreich dahin gefahren, aber mit einem glänzenden
Fiasco in die Heimat zurückgekehrt. Nun unternahm 1377 sein
Bruder Albrecht einen neuen Zug, in welchem auch Hugo war,
der ausdrücklich secundo loco nach dem Herzoge mit vollem Namen
genannt wird: da rayt graff Haug von Munfurt^ dem
trew noch eren nie gepra^h^). Grosse Kriegstaten wird er dabei
nicht verrichtet haben; dazu war das ganze Unternehmen gegen
die halbwilden Völker ohne Waffen und Heer nicht angetan. Man
zog über Laa nach Breslau, Thorn, Marienburg und Königsberg.
Ueberall wurde bei fusannen unde phei/en schal tapfer getafelt,
gehoft und wol gelebt^ bis es dem zusammengewürfelten Heere
endlich waz tzu den haiden gach. Auf dem weitern Vormärsche
in das glaubenslose Samaiten- und Reussenland betrugen sich die
^) Saohenwirt, bei Primisser 4, 26.
Wackernell, Montfort.
xvm
Gottesstreiter sehr unhöfiscli und nnchristlich : sie brannten, raubten
and mordeten kannibalisch in frommer Wut und begiengen dann
wieder zur Abwechslung Tafelfeste und Ritterweihen. So schlug
Hermann von Gilli den jungen Herzog Albrecht zum Ritter, und
dieser gab wieder vier und siebenzig andern Edeln den erenreichen
alag. Nicht unwahrscheinlich war auch Hugo darunter,
der damals bereits das zwanzigste Jahr, also das richtige Alter
für diesen Act erreicht hatte. — Das Kriegsgluck wandte sich bald:
es begann zu regnen, die Sümpfe wurden grösser und so gross,
dass die werte Ritterschaft in Gefahr geriet, buchstäblich zu ver-
sumpfen. Man kehrte den freiaufatmenden Wilden den Rücken
und eilte nach Königsberg zurück, wo man vom Herzog Ehren-
geschenke, vom deutschen Orden gute Bewirtung und reichen Dank
für die erprobte Tapferkeit entgegenahm; am Schlüsse des Jahres
sass man wieder zu Hause. So endete dieser erbärmliche Kreuz-
zug. Suchenwirt freilich macht davon viel Rühmens; allein der
war zum Lobe da. Gerade seine Aufzeichnungen liefern, wenn
man ihnen die ausschmückenden Beschreibungen abzieht, die cha-
rakteristischen Merkmale dieses Zuges, die da sind: leerer Glanz,
hohler Buhm, wilde Grausamkeit und kein Erfolg. Auf jugend-
liche Gemüter, die der Schein gern blendet, wie das Hugo*s damals
noch war, mochte er allerdings Eindruck machen und auf seine
Schätzung des äussern ritterlichen Glanzes, die wir später noch be-
rühren werden, Einfluss genommen haben; denn es ist kaum je-
mals so viel Gepränge und ritterlicher Pomp bei so wenig Erfolg
zur Schau getrag« >n worden wie hier. Was aber die ruhigeren und
gereifteren Männer darüber dachten und sprachen, steht beim Teich-
ner zu lesen ^). Eine moralische Besserung, die doch zunächst er-
wartet werden dürfte, hat Hugo nicht er&hren: es findet sich
keinerlei Anzeichen, dass nunmehr das Verhältnis zu seiner Ge-
mahlin inniger und glücklicher geworden sei; im Gegenteil, wenn
Nr. 9 in diese Zeit fällt, was wahrscheinlich ist, so können wir
dem guten Teichner nur recht geben, wenn er klagt, dass die Ritter
von solchen Gottesfahrten nicht frömmer und besser, sondern mit
den alten Untugenden behaftet zurückkommen. Hugo hat sich
wiederum mit erneutem Eifer auf Liebeswerbungen geworfen; aber
die Erfolge glichen dem des Preussenzuges: zweimal ist er schon
^) Karajan, Denksehr. der Wien. Ak. VI, 94 und 102.
XIX
abgeschlüpft (9, 2) ; vergebens beteuert er der Ersehnten seine Liebe
und Treue: sie gibt ihm keine Antwort Doch das Bewusstsein
seiner gesellschaftlichen Tugenden (9, 7) hält ihm das Vertrauen
auf den endlichen Sieg aufrecht, und ihr Widerstand reizt nur
noch mehr seine Eroberungssucht, Es spricht etwas wildes, un-
bändiges aus diesem Gedichte, in dem er seine Liebeswerbung mit
einer Jagd vergleicht, auf welcher er mit den Hunden Wiüe, Trüwe,
Witnne und Ha/rre das junge tiei* hetzt, das Jagens noch nicht
kundig ist. Der Refrain mit seinen Imperativen wiederholt nach
jeder Strophe den Eindruck seiner ungestümen Leidenschaft, die
ihn uff niemana tröwen achten lässt (9, 31). Ob das , uner-
fahrene Tier' dem jagdkundigen Jäger entrann oder in die Falle
gieng, bleibt verborgen; denn dieses Gedicht, das sich ausnimmt wie
ein Selbstgespräch auf einem Tagebuchblatt, steht vereinzelt da.
Mit ihm brechen die Nachrichten für seine jugendlichen Herzens-
angelegenheiten auf einige Zeit ab, und wir benützen die Lücke, um
den Blick auf seine anderweitigen äussern Verhältnisse zu richten.
Hugo besass an seinem Vater einen sorglichen Vormund, der
bisher die Verwaltung geführt und die beiderseitigen Besitzungen
in Ordnung und gutem Zustand erhalten hatte. Ein solcher war
dem jungen, leichtsinnigen Gemahle Margaretha*s sehr notwendig,
sollte er nicht nur dem Namen nach, sondern auch factisch in den
Besitz des Pfannberger Erbes kommen ; denn zur Zeit seiner Heirat
lag der grösste Teil desselben noch in den Händen der Gillier. Mit
der zweiten Vermählung der Erbgräfin hatten diese allerdings alle
Ansprüche darauf verloren: das war für jeden, der das Gewohn-
heitsrecht kannte, sonnenklar. Aber eine so rentable Grafschaft,
für deren Verbesserung man auch schon manches getan haben
mochte, herauszugeben, war schwer und für einen erwerbgierigen
Bitter der damaligen Zeit, welcher eine bedeutende Kriegsmacht und
nicht weniger kriegerischen Mut besass wie Hermann von Gilli,
der Vater des verstorbenen Johann, doppelt schwer: er brachte
diesen Gedanken nicht übers Herz und hielt die Besitzungen in
seiner Gewalt Allein nicht deswegen hatte Wilhelm III von
Montfort in so fliegender Eile die Heirat seines blutjungen Sohnes
mit Margaretha zu Stande gebracht, um nun ihre Hand zu be-
halten, ihr Erbe aber fahren zu lassen! So kam es zu krieg und
stözz mit dem edelnherren^ Oraf Herma^nn von Cili^\ wobei grosse
^) ^S^* ^^^ Urkunde bei Bergmann p. 843.
Kosten beiderseits daraufgegangen sein müssen, ohnedass ein endgül-
tiges Resultat erzielt worden wäre; wenigstens hatte Hermann auch
noch nachher Pekaw, Luginsland, Kaisersberg, Grnnberg und Mans-
perg mit den dazu gehörigen Leuten, Gütern, Briefen, Handfesten u.
dgl. inne und suchte seine Ansprüche darauf in eine rechtliche Form
zu kleiden, indem er vorgab, er hätte auf den Gütern liegende
Geldschulden getilgt und von „ Christen und Juden '^ Pfandbriefe ge-
löst. In dieser Lage nahmen die Montforter ihre Zuflucht zu den
Habsburgern: am 16. Juni 1316 erschienen sie in Graz vor Her-
zog Albrecht und baten um seine Entscheidung in dem Streite.
Es treten in der betreffenden Urkunde^) auf: Graf Wilhelm und
seine Gemahlin Margret die ältere und Margret ihre Tochter, Oraf
Hugen von Montfort euch wirtinn^ und geloben für sich und den
genannten Grafen Hugo, den Spruch anzuerkennen, welchen der
Herzog fallen würde. Auch am Schlüsse der Urkunde wird aus-
drücklich hervorgehoben : wir haben auch vertröst für den obge~
nanten Oraf Hugen^ daz er diaen gegenwurtigen anlos sol mit
sampt vns stät haben in aller weise, als hie vorgeschrieben stat.
Noch an demselben Tage entschied Herzog Albrecht den Streit
dahin, dass Hermann alle Pfannberger Besitzungen herauszugeben
habe bis auf die Feste Mansperg, die er als Pfand für 2000 fl*
so lange behalten dürfe, bis die Montforter dieselben erlegt hätten^).
Hermann hatte sich also durch seinen Widerstand doch etwas her-
ausgeschlagen.
Damit war der Streit zu Ende, und nur einige Nachwehen
machten sich in den nächstfolgenden Jahren noch bemerkbar. Der
zähe Hermann suchte auch jetzt das ein und andere zurückzu-
behalten. So besitzen wir eine Urkunde vom 4. Februar 1375y
worin Hugo von Montfort den Gillier ernstlich mahnt, seinen
Diener Heinrich von Laubenberg lösen zu lassen^). Doch allmäh-
lich haben sich auch diese kleinern Reibungen verzogen, und wo
wir später Beziehungen zwischen beiden Häusern begegnen, sind
sie durchweg friedlicher, ja freundschaftlicher Natur.
In diesem Streite hat es sich gezeigt, wie Wilhelm III für
seinen Sohn dachte und handelte. Aber das nahm mit einemmale,
1) Bei Bergmann Sitz. Ber. IX, 843, Urkunde E. <) Ibid. Urkunde F.
^) Orig. Urk. im k. k. geheimen Haus-Hof- und Staatsarchive zu Wien
Jlep, I. Es ist die früheste bekannte Urkunde Hugo*s.
vielleicht unerwartet bald, ein Ende: schon im Jahre 1378^) kam
Wilhelms Sterbetag.
Wilhelm III hat in den letzteren Jahren seines Lebens eine
glückliche Regierungstätigkeit entfaltet nnd das Ansehen seines
Hauses gehoben; zu dem, was wir soeben gehört, sind uns noch
zwei Daten überliefert, die davon das sprechendste Zeugnis ablegen.
1370 ernannte ihn Kaiser Karl IV zu seinem kaiserlichen Hof-
richter und befreite ihn und seine Erben und deren Leute
von den Land- und andern Gerichten, so dass von nun an die
Grafen von Montfort^Bregenz nur mehr dem kaiserlichen Hof-
gerichte unterworfen waren^). Als 1373 zwei ältere Zweige der
Montforter, die von Werdenberg-Sargans und die von Feldkirch,
in heftiger Fehde lagen, suchten sie Bundesgenossen und schlössen
mit ihnen Bündnisse und Gegenbündnisse, welche gegen jedermann
gerichtet seien, nur nicht gegen «den Kaiser, die Herzoge von
Oesterreich und Wilhelm von Montfort-Bregenz*).
Um so mehr hatte Hugo Ursache, den Hingang seines Vaters
zu betrauern. Jetzt war er auf eigene Füsse gestellt, er musste
auf die Bühne treten, sein Tun oder Nichttun hatte unvermeidliche
Folgen, die sich alsbald in Gewinn oder Verlust an Besitz und
Ansehen offenbarten. Nun musste es sich zeigen, wie weit er seiner
Aufgabe gewachsen sein werde. Wir betreten damit einen andern
Boden, beginnen eine neue Periode seines Lebens.
Wollten wir bei diesem Marksteine zurückblicken und Hugo's
bisheriges Leben charakterisieren, so erhielten wir wenig anders als
ein Bild lustiger Wander- und Flegeljahre. — Aber ihm war noch
ein menschenalterlanges Wirken beschert: was ein guter Wein
werden will, braucht seine Periode der Gärung.
*} Die bisherige Ansicht, dass Hngo's Vater in „der ersten Hälfte von
1379 gestorben sei (vgl. Bergmann IX, 810; Weinhold, in den Mitteilungen
VII, 132), erledigt sich damit, dass irir unten eine Urkunde vom 14, Februar
1379 beibringen, nach welcher die beiden Söhne Wilhelms schon das räter-
liche Erbe geteilt hatten. Die Angabe des t. Arz, dass im Jahre 1379
Wilhelm t. Enne oder Ende im Namen Wilhelms t. Montfort dem
Landgerichte zu Feldkirch yorgesessen sei, worauf die frühere Ansicht sich stützte,
ist nach einer gütigen Mitteilung Herrn Dr. Wartmanns, der die betreffende
Urkunde im St. Gallener Archive eingesehen, unrichtig: es steht darin aus-
drücklich ^Graf Rudolf ▼• Montf ort-Fe Idkirch**.
>) Vgl. ZSsmair IE, 17 und die Urkunde bei Zellveger II, Nr. 106.
s) ZOuDair m, 24.
XXII
3. Hago's Hannesalter.
a. Die Zeit bis zum Tode Margaretha*s.
In herkömmlicher Weise teilten die beiden hinterlassenen Söhne
Wilhelms bruoderlich das vätterlich erbe. Nach der ersten uns
erhaltenen Teilungsurkunde, datiert vom 14. Februar 1379*), er-
hielt Hugo die Besitzungen zu Schaunberg, Sulzberg, Subersch,
Rieden, Lachenreit, Langenegg, die Fischung in der Rottach und
Weissach, dazu noch eine Reihe vereinzelter ausserhalb dieser
grössern Gomplexe liegender Aecker und Wiesen. Konrad dagegen
erhielt die Gerichte Lingenau, Steig, Albersohwende, Hohenegg,
die Aohlös in der Bregenz, die Fischung in der Bogenach, Subersch
und in einem Teile der Rottach, dann gleichfalls einige andere
zerstreute Güter. Weiter wurde beschlossen, dass die diesmal un-
geteilt gebliebenen Besitzungen gemeinsam verwaltet werden sollen;
och sullen die getauten lewt nit zuaamenheiraten. Bald nach-
her teilten sie laut einer neuen Urkunde^) die Weingärten, die alle
einzeln aufgezählt werden, und vereinbarten nach einer weitorn Ur-
kunde^), dass das schloss Bregentz ayf dem f eisen ^ die zwei
Wächter^ der Torwärtly die Gistern^ der Brunnen^ die Tore^ die
Mühlen und die Höfe zu Ämmansreut vnd zu der Halden ge-
main vnd ungetailt sein sollen. In ähnlicher Weise bestimmten
sie in einer vierten Urkunde^) vom 8. Juli 1379, dass auch die
Stadt Bregenz und alles, was zu deren Gericht gehörte, weiter die
Vogtei über das Benedictinerkloster zu Bregenz in der Au (Mehrerau),
welches jährlich ze rechtem vogtreht git vier vnd zwainzig pfunt
Pfenning Costenzer Mims vnd zwai fuoder Lantweins, dann eine
Pfandsumme beim Constanzer Bistum ungeteilt bleiben und gemein-
sam verwaltet werden sollen. So sei es auch in Zukunft von
ihnen und den beiderseitigen Nachkommen zu halten.
^) Im k. k. geh. H. H. nnd Staatsarchive zu Wien Rep. I (Cop.). Ein
Auszug Tom Or. auch im Innsbr. Schatzarchiy lY, 665.
*) Im Innsbrucker Schatzarchiy IV, 576. Leider hat der Copist den Aus-
stellungstag nicht eingetragen, was hier auch für den folgenden und die meisten
andern ürkundenauszüge des Schatzarchivs bemerkt sein soll.
^ Im Innsbrucker Schatzarchiy lY, 576.
*) Abgedruckt yon Bergmann in den Sitz. Bejr. IX, 846, Urkunde G.
xxm
Mit dieser Teilung gieng das Greschleoht der Montfort-Bregenzer
wieder in zwei Zweige auseinander: Hngo gründete eine neue Bre-
genzer Linie, welche die andere Hälfte ihrer Macht im fernen Osten
hatte und berufen war, alle übrigen Häuser der Montforter zu
überdauern. Am Ausgangspunkte ihrer vierhundertjährigen Ge-
schichte stehen die beiden Brüder Xaver und Anton. Xaver, der
ältere von beiden, heiratete dreimal, aber erzielte keine existenz-
fähigen Kinder mehr; Anton der jüngere starb ledig anno 17 87,
nachdem die Oesterreicher schon lange vorher auch noch den aller-
letzten ärmlichen Rest der gräflichen Besitzungen für eine geringe
Jahresrente an sich gebracht hatten : und so war auch der Stanmi
Hago's abgewelkt mit Ast und Zweig.
Der verwitweten Gräfin Margret blieben die Schaunberger
Güter als Witwensitz, deren Genuss ihr Herzog Albrecht 1379
oder 1380 garantierte^), womit diese Teilungsangelegenheit ihren
Abschluss erreicht hatte. Das erbaulichste in derselben war die
Eintracht der Brüder, die bei einer Gemeinsamregierung notwendig
vorausgesetzt wird: überhaupt finden wir beide Zeit ihres Lebens
von brüderlicher Liebe und dem guten Geiste der Zusammengehö-
rigkeit beseelt.
Aber einen solchen Teilungsaot, einen solchen Regentenwechsel
ohne jeden Streit gab es damals selten: war das doch für die
vielen erwerbgierigen Nachbarn der günstigste Zeitpunkt, mit alten
oder neuen Ansprüchen auf einen Teil der verhandelten Güter her-
vorzutreten. Auch Hugo sollte nicht unangefochten in den Gesammt-
besitz seines Erbes kommen. Die Grafen von Werdenberg-Heili-
genberg erhoben Ansprüche auf die Kellerhöfe zu Weiler und
Scheidegg und die dazu gehörigen Leute, welche von den Werden-
bergern den Grafen von Bregenz verpfändet, aber nicht mehr ein-
gelöst worden waren. Doch gelang es rechtzeitig, den offenen Krieg
durch ein Schiedsgericht^) hintanzuhalten, welches am 22. Novem-
ber 1379 den Streit zu Gunsten Hugo*s entschied: derselbe soll
die Kellerhöfe behalten, so lange sie nicht abgelöst werden. Weil
das niemals geschah, blieben sie auch fortan bei Neubregenz.
^) Die Urkunde ist undatiert; vgl. Lichnowsky, Begesten zum lY Bd.
seiner Gesch. d. Hauses Habsburg, Nr. 60, und Bergmann ES, 812.
*) Unter dem Vorsitze Gaudenz^ von Loybenberg. Vgl. Schriften des
Vereines für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung III Heft (1872),
pag. 38; ein ausführlicher Aaszug auch im Innsbi. SchsktiZiMC^^ YST^^^^.
XXIV
Nnn hatte Hngo seine Besitztümer gegen aussen gesichert
nnd Hess sich die innere Ordnung derselben angelegen sein : Vögte
und Verwalter wurden installiert, die Lehen bestätigt oder neu
vergeben ^), die Tadinge festgestellt und alle Abgaben der einzelnen
Höfe und Güter genau fixiert^). Wir haben keinerlei Andeutung,
dass Hugo in den Jahren 1379 und 1380 auch nur ein einziges-
mal seine Besitzungen für längere Zeit verlassen und in fremden
Angelegenheiten zu tun gehabt hätte: es war die Zeit der
Sammlung seiner Kräfte.
Am 14. April 1381 erscheint er das erstemal in auswärtiger
Beziehung: am genannten Tage stellt Herzog Leopold IH von
Oesterreich dem Bischof Leopold von Freisingen, dann , dem edeln
Grafen Hang von Montfort, unserm lieben Oheim*, und einigen
andern Herren Entschädigungsurkunden aus, weil sie für ihn die
Bürgschaft um 4000 ^ Wiener Pfennige übernommen haben ^).
Dieses Actenstück ist wichtig und zwar weniger durch das, was
es unmittelbar nahe legt, dass nämlich Hugo*s Kasse nicht leer
stand, wie es bei seinen Vorfahren nur zu oft der Fall gewesen,
als vielmehr durch die weite Perspective, die es uns auftut, indem
es zeigt, dass er die habsburgfreundliche Politik seines Vaters und
Grossvaters fortsetzte und mit dem mächtigen Fürstengeschlechte
nähere Beziehungen angeknüpft hatte. Dieses Verhältnis zu den
Habsburgern war von unverbrüchlicher Dauer und bestimmte seine
ganze äussere Tätigkeit: jede Beurteilung derselben muss von diesem
Standpunkte ausgehen. So haben wir gleich die Veranlassung zu
seinen nächsten Kriegstaten davon herzuleiten.
Die österreichischen Herzoge entfalteten eine unermüdliche
Tätigkeit fär die Ausbreitung und Vergrösserung ihrer Macht, be-
0 Das Fischlehen zu Bregenz gab Hugo 1379 dem Hannsen Michel,
der dafür den Grafen und dessen Gefolge anf dem Bodensee fahren müsse,
als oft und dik dieser befehle. Innsbr. Schatzarchiv lY, 701.
*) üeber die Ordnung, in der sich nachher die Besitzungen Hugo's im
Osten befanden, legt besonders das rom steiermärkischen Landesarchir in
Graz bewahrte Urbar Hugo*s Zeugnis ab.
') Hugo wird unter den weltlichen Herron zuerst angeführt, ihm folgen
Otto Ton Stubenberg, Ulrich von Lichtenstein, Hartel von Pettau, Gottfried
Müller, Hofmeister; Heinrich Gessler, Kammermeister u. a. Die Urkunde im
Notizenblatt (Beilage zum Archire für Kunde österreichischer Geschichtsquellen)
IX, pag. 203, Nr. 227. Vgl. auchMachar (Geschichte des Herzogtums Steier-
msrlO yn, 20.
sonders eifrig ergriff der nimmermhende Leopold III jede Gelegen-
heit zu neuen GebietserwerbuDgen. Diesmal waren es sogar Be-
sitzungen an der Nordküste des adriatischen Meeres, nach denen
er seine Hand aasstreckte. Hier lagen die Yenedaner schon lange
mit ihrem alten Erbfeinde, den Genuesen, im blutigen Streite. Der
Yerzweiflungsmut des Lagunenvolkes rettete die Republik und er-
zwang vom Feinde einen Frieden, in dem aber der verwegenste und
mächtigste Bundesgenosse desselben, der Herzog von Padua, Fran-
cesco Carrara, welcher die venetianischeTrevisaner-Mark erobert hatte
und besetzt hielt, nicht mit eingeschlossen war. Venedig fählte
sich zu sehr erschöpft, um an eine Wiedergewinnung dieses Ge-
bietes denken zu können; aber auch der verhas^te Feind sollte es
nicht behalten: und so trug man es am 17. Februar 1381 dem
österreichischen Herzoge Leopold an, wenn er dafür Bundesgenosse
Venedigs sein und Carrara bekriegen wolle. Einem so glänzenden
Angebote gegenüber gab es bei Leopold keine weitere Ueberlegung,
ob das ferne Besitztum auch zu behaupten und die Verpflichtungen,
die daran hiengen, bei der gegenwärtigen Lage seiner Verhältnisse
auch zu erfüllen seien: er schlug ein, rückte am 28. April schleu-
nig mit Heeresmacht über die Alpen und hielt am 8. Mai seinen
Einzug in Treviso, das Carrara auf die Nachricht vom Anmärsche
der Deutschen verlassen hatte. Ob Hugo schon diesen ersten Zug
mitgemacht, ist nicht nachzuweisen, aber wahrscheinlich ; denn nach
der vorhin erwähnten Urkunde befand er sich am 14. April in der
Umgebung des Herzogs, der damals bereits die allernächsten Vor-
bereitungen zur Expedition getroffen haben muss; noch viel mehr
aber spricht dafür der hervorragende Anteil, den er nachher an
diesem Kriege genommen hat.
Als Leopold Treviso sich unterworfen sah, kümmerte er sich
um Carrara nicht weiter, legte in die Stadt und die festen Plätze
eine Besatzung und kehrte am 12. Juni nach Tirol zurück. Aber
kaum war der Herzog weg, als die Paduaner wieder herNrorkamen
und die Feindseligkeiten gegen Treviso und dessen Besatzung be-
gannen. Bereits am 30. August klagte die Stadt bei Herzog
Leopold über die ihr täglich von den Feinden widerfahrenden Un-
bilden^), der darauf hin den Grafen Hugo von Montfort mit
0 ^sl» Terci, Storia della Marca Tnylgiana e Yeronese. Yenezia 1790,
tom. XVI, 3 ff.
XXVI
andern Edellenten zu Hilfe schickte. Von den Taten, die sie hier
verrichteten, wird nichts gemeldet; doch hören die Klagen der
Trevisaner vorläufig auf, und am 22, Januar proolamieren dieselben,
dass jeder, der dem Herzog den Eid der Treue noch nicht ge-
leistet, dies binnen drei Tagen tun oder ihr Gebiet räumen müsse ^) :
jedenfalls also waren einige Erfolge errungen, und die Feinde ge-
nötigt worden, die bedrängte Stadt zu verlassen. Schon Ende
Januar 1382 kehrte Hugo mit vielen andern über die Alpen zu-
rück. Im April erhoben die Trevisaner wieder ihre Hilferufe^).
Leopold beruhigt und vertröstet: er werde ihnen demnächst Hilfe
bringen. Am 10. September kommt die Botschaft, dass Garrara
wieder die Stadt bedränge. 20 Tage nachher schreibt der Her-
zog von Graz aus an Treviso: er werde spect abilem et atre-
nuum Comitem Ugonem de Monteforti,^ av unculum
nostrum dilectum, et gener osos ac strenuos viros Flaconem
de Rischach et Äinricum Geslear^ magistrum Camere^ cum genr
Uhus armigeris et electis zur Hilfe vorausschicken und dann per-
sönlich mit Heeresmacht nachfolgen'). In der Tat rüstete der
Herzog jetzt ernstlich und meldet schon am 3. Oktober den Be-
drängten : er habe ihren Gesandten darum so lange zurückgehalten,
damit dieser sich mit eigenen Augen überzeuge, welche Streit-
macht ihnen unter dem Grafen Hugo von Montfort
zu Hilfe käme^). Bald darauf marschierte Hugo mit 900 Lanzen
dem Feinde entgegen. Auf die Nachricht davon hob Carrara wieder
die Belagerung auf und zog sich zurück, so dass die Deutschen
bei ihrer Ankunft nur rauchende Brandstätten und Trümmer, aber
keinen Feind fanden; am 27. Oktobfer rückten sie in Treviso ein.
So war die Stadt zwar befreit; aber der grosse Mangel an Nah-
rungsmitteln, der hier schon lange geherrscht, steigerte sich durch
die Ankunft des Entsatzheeres noch mehr: statt einen Feind zu
schlagen, musste Hugo sorgen, die seinigen vom Hungertode zu
erretten. Am 2. November unternahm er daher mit 250 Wagen
und starker Bedeckung einen Beutezug dem Feinde entgegen in
») Verci XVI, 15 ff.
*) Vgl. Verci XVl, 16—34; Lichnowsky, Begesten zum IV Bde. seiner
Geschichte des Haases Habsbarg, Nr. 1662, 1667 und weiter 1677, 1686*
1692 und 1696.
8) Lichnowsky, Beg. zu lY, Nr. 1720; Bergmann, Sitz.Ber» IX, 813.
^ Lichnowsky, Reg, zu IV, 1721.
xxvn
der Richtang Yon Cittadella und Bassano und von da gegen Gastel
Bomano, Massolente und St Zenone, nahm Vieh, Wein and Ge-
treide and was sonst brauchbares sich vorfand. Auf dem Heimwege
wurde er vom Feinde angefallen; schlug ihn jedoch zurück, ver-
folgte den fliehenden bis Castelfiranco und brachte über 400 reich
beladene Wagen nach Treviso zurück.
Die Fortsetzung des Krieges verliert unser Interesse, weil Hugo
nicht weiter mehr persönlich hervortritt, und es genügen einige ab-
schliessende Sätze. Wenn bei diesem ganzen Unternehmen kein
günstiges Resultat erzielt wurde, so fällt die Schuld etwa nicht
auf das deutsche Eriegsvolk und dessen Hauptleute, sondern ledig-
lich auf den Herzog, der durch Geld — Zeit — und allerlei andere
Mängel gehindert war, in dem schwierigen, von den Central punkten
seiner Macht so weit abgelegenen Krieg einen entscheidenden Schlag
zu fahren. Das wasste der schlaue Italiener und zog sich jedes-
mal zurück, sobald die Deutschen heranrückten, und kam abermals
hervor, sobald diese, vom Herzog ohne die nötige Unterstützung
gelassen, wieder abziehen mussten. So wurde Leopold bald des Strei-
tes müde, und am 25. Jan. 1384 tat der sonst so biedre Fürst zu
Trient, was er niemals hätte tun sollen : entgegen seinem einst Vene-
dig gegebenen, den Trevisanern wiederholten Worte schloss er mit
Franz von Carrara Frieden und gab in demselben für schnödes
Geld die unglückliche Stadt schonungslos ihrem grausamen Tod-
feinde preis — die Stadt, welche über drei Jahre unter namen-
losen Leiden und Verlusten mit unerschütterlicher Treue bei ihm
ausgeharrt hatte! Welchen Eindruck mag diese verkehrte Tragödie,
in der er selbst eine so hervorragende Rolle gespielt, auf Hugo
gemacht haben ? Aber von diesem Trientner Frieden bis zur Schlacht
bei Sempach liegen nur zwei Jahre!
Nachdem dieser Kriegslärm vorüber, finden wir Hugo einige
Zeit auf seinen Besitzungen — häufiger auf den westlichen —
im friedlichen Verkehre. Am 21. Januar 1385 gibt er die Toch-
ter des Hans Mark von Neu - Ravensburg als Leibeigene an
Mehrerau^). Am 29. Oktober 1385 schlichten er und Rudolf
von Pemekk, als die von Herzog Leopold designierten Schiedsrichter,
einen Streit zwischen Heinrich von Ehrenvöls und dem Kloster
*) Die Urkunde im Bregenzer Maseum. Vgl. Hummel, XVII Jahres-
bericht des Breg. Mns., p. 48.
xxvm
Seggau, betreffend die landwirtschaftliclie nnd forstliche Benützung
von Grundstücken um «Cammern*. Dasselbe wiederholt sich an
dem nämlichen Tage zwischen Stift Göss und Heinrich von Ehren«
völs in ähnlicher Angelegenheit^). 1386 belehnt Hugo «Hannsen
Müller' mit dem äussern Freithof zu Rieden^). Am 7. Januar
1387 überlässt er dem Nicias Schenk von Osterwitz, Hauptmann
in Steier, einen Hof zu Eibiswald sammt Zubehör^). Am 29. Sep-
tember 1 389 ist er Zeuge Herzog Albrechts, als dieser die Lehen
des Stiftes St. Lambrecht empfängt; beachtenswert ist dabei, dass
Hugo unter den angesehenen Zeugen wieder an erster Stelle ge-
nannt wird*). Am 3, September 1390 schlichtet er einen Streit
zwischen dem Abte Rudolf von Weissenau und dem H. (?) Jakob,
Pfründner der Pfarrkirche zu Bregenz, wegen Heizung einer Stube ^).
Mitten in diesen Werken des Friedens aber musste sich Hugo zur
Wehr stellen, um Ansprüchen auf seine Besitzungen zu begegnen.
1385 war Graf Meinhard VH^) von Görz, der Katharina von
Pfannberg, die Schwester Johanns, zur Gemahlin gehabt hatte ^), ge-
storben. Seine Söhne Heinrich und Johann Meinhard erhoben
nun durch ihren Vormund, den Bischof Johann von Gurk, An-
sprüche auf die Pfannbergischen Festen Heunburg und Greifenberg
in Kärnten. Wodurch und wie weit ihre Rechtstitel begründet
waren, ist nicht ersichtlich, aber es erhob sich Streit, der eiiien
gefllhrlichen Charakter angenommen haben muss; denn Hugo über-
trug damals dem Herzog Leopold und gleich nach dessen Falle
bei Sempach dem Herzog Albrecht den Schutz über seine Kinder s).
Dadurch hatte sich der Montforter für jeden Fall der Hilfe der
mächtigen Oesterreicher versichert. Die Görzer konnten es unter
solchen Umständen kaum wagen, die Waffen zu erheben, sondern
^) Beide ürknndeii im Steiermark. Landesarchive Nr. 3537a und 3537b
mit des MoDtf orters und Pernekks Siegeln.
*) Innsbr. Schatzarchiv IV, 688.
3) K. K. geh. H. H. und Staatsarchiv in Wien Rep. XXIV.
^) Muchar (Gesch d. Herzgtms. Steierm.) VII, 39. Die Reihenfolge
lautet : Hugo ▼. Montfort, Wilhelm t. Cilli, Ulrich t. Liechtenstein und Hanns
T. Stadeck.
^) Hummel im XVII Jahresbericht des Bregenzer Museums p. 48.
^) Nicht der III; vgl. die Stammtafel im II Bde. von Krones' Ssterr. Gesch.
') Siehe oben (p. 15) die Stammtafel.
^ Am 19. Juli (nicht Juni, wo Leopold noch lebte) 1386. Lichnowsky,
Bejg^. zu lY, Nr, 2004.
mossten yielmehr aaf eine friedliche Lösung der Frage Bedacht
nehmen, oder gleichfalls den Herzog in ihr Interesse zu ziehen
Sachen. Letzteres geschah: am 4. Februar 1387 tat auch der
Bischof von 6urk für seine dienten etwas ähnliches, was Hugo
für seine Kinder getan, indem er dem Herzoge versprach, mit
allen Besitzungen der Görzer ihm gewärtig zu sein, wenn er die
jungen Grafen schirmen wolle ^). Damit war der ganze Streit in
Albrechts Hände gekommen. In kluger Weise benützte Hugo
diese günstige Situation und suchte durch einen herzoglichen
Schiedsspruch den Knoten ohne Schwert zu lösen: am 29. Juli
1387 compromittierte er mit seiner Gemahlin auf Albrecht ^), den
Schutzherren seiner Kinder, der den Montfortern damals wegen der
Vorgänge in Schwaben, die wir sogleich berühren werden, noch
insbesondere verpflichtet war. Albrecht liess sich die Sache an-
gelegen sein und lud bereits am Hl. Dec. d. Js. den Bischof von
Gurk zur nächsten Hoftaidung künftigen Montag über 14 Tage
in der Montfort - Görzischen Angelegenheit nach Wien^), wo am
22. Januar 138» auch der Schiedsspruch erfolgte, welcher, Albrechts
Stellung zn den beiden Geschlechtern und wohl auch dem Rechte
entsprechend, durch die Mitte hindurchgieng: er gab und nahm
beiden: die Görzer behielten die beiden Festen, mussten jedoch
die Montforter mit 2000 ^ guter Wiener Pfennige entschädigen*).
So fand dieser Streit sein Ende. Die Aussöhnung zwischen beiden
Geschlechtern war vollständig: noch oft zog der Montforter und
Görzer Panier friedlich und freundschaftlich hinter dem Habsburger
Löwen gegen den gemeinsamen Feind.
Hugo muss diesen Frieden, der nicht zum geringsten Teil das
Werk seiner klugen Umsicht war, sehnlichst herbeigewünscht haben ;
denn gleichzeitig waren von einer andern Seite her schwere Kriegs<-
wolken über seine Besitzungen iui Westen und über das ganze
Schwabenland heraufgezogen.
£s wurde schon oben (pag. 8) darauf hingewiesen, welche
Feinde den Habsburgern und dem schwäbischen Adel in den Schwei-
*) Lichnowsky, Reg. zu IV, Nr. 2037.
*) Laut UrkuDde von St. Yeit in Kärnten. Lichnowsky, Beg. zu IV,
Nr. 2062. Muchar VH, 36.
«) Lichnowsky, Reg. zu IV, Nr, 2114.
^) Lichnowsky, Reg. zu IV, Nr. 2119. Vanotti*8 Regest pag. 488,
Nr. 125 ist unrichtig.
zem erwachsen. Sie waren die trotzigsten und mächtigsten Ver-
treter des emporgekommenen »gemeinen Volkes*, wie andrerseits
der ihnen gegenüber stehende Adel Schwabens die Traditionen der
alten Ständeverhältnisse aus der Staufenzeit am treuesten bewahrt
hatte und am nachdrücklichsten vertrat. Hier mussten diese Ge-
gensätze, welche besonders in der zweiten Hälfte des vierzehnten
Jahrhunderts immer schärfer hervortraten, mit aussergewöhnlicher
Wucht auf einander stossen. An der Spitze des Adels standen
naturgemäss die Habsburger, welche insgesaramt — man weiss,
wie das gekommen — den Schweizern zürnten; am meisten aber
von allen war Herzog Leopold HI gegen sie erbittert: seine Ab-
neigung grenzte an Hass, seine Geringschätzung an Verachtung. Schon
lange hatte er einen Rachezug geplant für die viele Unbilden, welche
die Schweizer seinem Hause angetan. Als sie 1385 sich neuerdings
erkühnten, die habsburgpflichtige Stadt Sempach in ihre Eidge-
nossenschaft aufzunehmen, da gedachte er einen Schlag gegen sie
zu führen, der ihr Loos für alle Zukunft entscheiden sollte und
auch entschied — nur nicht im Sinne des Herzogs.
Alle Freunde und Anhänger und Lehensleute Leopolds, der
ganze österreichfreundliche Adel in Schwaben, in Tirol und an der
Etsch, in Elsass und Burgund schlössen sich dem Zuge an, der
eine weltgeschichtliche Bedeutung erlangt hat. Man kennt den
Verlauf der Schlacht bei Sempach am 9. Juli 1386, wo das
glänzende Heer der Eisenmänner von den Eidgenossen aufs Haupt
geschlagen wurde. Die Schweizer blieben noch fernerhin die Geissei
der schwäbischen Ritterschaft.
Wenn Hugo hier nicht direct als Teilnehmer genannt wird,
so hat das wenig auffallendes; denn viele hundert andere Herren
aus den mächtigsten Geschlechtern, die mitgezogen, werden gleich-
falls nicht namentlich angeführt: der ganze Feldzug gieng rasch
vorüber und war überhaupt nicht danach angetan, den einzeben
persönlich hervortreten zu lassen; dazu sind die Detailnachrichten
spärlicher, als man erwarten • sollte. Dennoch wurde darauf hin
die Meinung laut, dass er diesen Zug nicht mitgemacht, sich viel-
mehr jetzt und auch fortan zu den Schweizern in ein möglichst
gutes, a freundnachbarliches Verhältnis* gestellt habe^). Dagegen
0 Weinhold in den Mitteilongen YII, 133 ond dann Bergmann in der
Landeskunde Vorarlbergs (1868) p. 102.
sprechen aber schon Hngo*s Beziehungen zu den österreichischen
Herzogen und zu Leopold insbesondere, wie wir dieselben bisher
kennen gelernt haben. Ferner konnte dem Grafen kaum verborgen
bleiben, dass es sich hier nicht nur darum handle, vergangenes
zu rächen, sondern auch darum, für die Zukunft die eigene Haut
zu sichern: das vermochte ein Blick in die Greschichte seiner Väter
ihn zu lehren. Dagegen spricht dann, dass in der Fortsetzung
dieses Krieges 1388 Feldkircher und Bregenzer ausdrücklich
als Teilnehmer genannt werden^). Wenn endlich Hugo von Mont-
fort 1388 als österreichischer Land vogt im Thurgau, Aargau
und auf dem Schwarzwald erscheint^), also eine der wichtigsten
Yertrauensstellen^) bekleidete, so zeugt das wohl nicht so sehr für
das gute Verhältnis desselben zu den Schweizern, als vielmehr
dafür, dass die österreichischen Fürsten an Hugo einen Mann kann-
ten, auf den in jeder Gefahr ein Verlass war. Zu dem allen
bringen wir noch eine Urkunde, die das, was wir suchen, deutlich
ausspricht: am 1. März 1388 erklärt Graf Hanns von Werden-
berg, dass er mit seinem Vetter Hugo von Montfort übereinge-
kommen sei, den österreichischen Herzogen durch ein Jahr in dem
gegenwärtigen Kriege wider die Schweiz zu dienen*).
Von freundschaftlichen Beziehungen Hugo*s zu den Eidgenossen
kann also keine Rede mehr sein.
Es versteht sich von selbst, dass man es als eine heilige Aufgabe
ansah, Leopolds Tod zu rächen. Allein die damaligen Schuldenlasten
der Oesterreicher und die Unordnung nach Leopolds Untergange
waren zu gross, dessen Söhne noch zu klein, als dass es zu einem
durchgreifenden, erfolgreichen Kriege hätte kommen können, der
0 Archiv für Kunde österr. Gesch. Quellen Bd. I, Heft III, 131.
Zösmair III, 34.
*) Das wusste man bisher bloss aus Vanotti*s Angabe p. 181. Da man
aber alle unbelegten Aussagen dieses Historikers nur mit grosser Vorsicht ent-
gegennehmen darf, ist ein erneuter Nachweis wertvoll; denselben gibt eine
Urkunde des k. k. geh. H. H. und Staatsarchivs vom 1. März 1388, worin es
ausdrücklich heisst: Oraf Hug von Montfort herre ze Bregentz, des hoeh-
erbornen f unten hertzog Älbreehis zu Oesterreieh lantvogt ze Ergow, ze
Thurgow und uff dem Swartzwald. Rep. VI.
'J Erst 1379 hatte Le opold die Landvogtei in Ober- und Niederschwaben
um nicht weniger als 40.000 Goldgulden von den bairischen Herzogen gekauft
und sie seitdem meist in der eigenen Hand behalten. Vgl. Krones, öst. Gesch.
II, 189. ^) K. k. geh. H. H. und Staatsarchiv Kep. VI.
xxxn
das, was verloren war, wieder gebracht hätte. Um die Eidgenossen
in der Ausnützung ihres Sieges aufzuhalten, sah man sich ge-
zwungen, mit ihnen bis zum Februar 13S8 Waffenstillstand zu
schliessen. Als mit Ablauf desselben der Krieg wieder losbrach,
fehlte den Oesterreichern und dem damit verbundenen Adel alle
ruhige Besinnung, und ihren sonst so kriegstüchtigen Waffen alles
Glück, wie immer, wenn sie gegen die Schweizer geführt wurden.
Sie begannen mit der berüchtigten Mordnacht zu Wesen, wo sie
die ganze eidgenössische Besatzung niedermetzelten; zum Lohne
dafür holten sie sich bald darauf eine neue Niederlage bei Näfels
am 9. April 1388. Damit entsank den Herren die letzte Hoffnung,
die Schweizer zu demütigen. Beiderseits fühlte man sich erschöpft
und machte Frieden.
Es folgten ein paar Jahre der Stille nach dem Ungewitter,
in denen nur friedliches und unbedeutendes geschah. Man eilte
nach Hause, curierte die zerschlagenen Glieder und suchte den Geld-
beutel wieder in ehrbaren Zustand zu bringen. Auch in die Bur-
gen Hugo's kehrte Ruhe und Stille ein, die nur durch friedliche
Beziehungen und die Folgen eines doppelten Todfalles bewegt wurde.
1387 war Hugo's einziger Bruder Konrad gestorben. Ihm
folgte sein ältester Sohn Wilhelm*) in die Regierung der Graf-
schaft Alt-Bregenz. Dem väterlichen Beispiele entsprechend suchte
er die intimen Beziehungen zu seinem Vetter Hugo aufrecht zu halten.
1390 beschwören beide einen zwanzigjährigen Burgfrieden, der sich
auf Burg und Stadt Bregenz, die ungeteilt bleiben, erstreckte
und ein ähnliches Verhältnis herstellte wie die Urkunde vom T.Juni
1379 zwischen Konrad und Hugo: kein Teil darf ohne Wissen
des andern fremder Macht Einlass geben, die Angreifer und Be-
schädiger der Stadt sollen beide Teile mit geeinter Macht abtreiben,
die Untertanen haben beiden Herren gewärtig zu sein, die Burg-
grafen, ihre Knechte und Diener diesen Burgfrieden zu beschwören*).
Es scheint, dass Hugo seinem Neffen tätig an die Hand gegangen sei
und ihm manche Wohltat erwiesen habe: so schliesst Wilhelm
*) Konrad hinterliess 3 Kinder: Wilhelm, Hugo, den später in Urkan>
den oft genannten (Johanniter) „Meister" (der häufig mit Hogo, dem Minne-
singer, verwechselt worden ist, z. B. in der Urkunde von 1393, bei Yanotti
Reg. Nr. 136), und eine Tochter Magdalena.
*) Innsbr. Schatzarchiv IV, 661.
[XXXIIl
von Montfort-Bregenz am 24. März 1393 mit Hermann von Schwar-
zach einen Bürgschaftsvertrag und nennt als Gewähren seinen
Vetter Hngo^); andern Zeugnissen werden wir weiter anten noch
wiederholt begegnen.
Viel schwerer als dieser eine Todfall traf ansem Dichter
ein anderer. Es zeigt sich kein Ereignis in seinem Leben, das mit
solcher Gewalt auf ihn eingestürmt, eine solche Revolution in
seiner Denk- und Gefiihlsweise hervorgebracht hätte, wie dieser.
Um das zu begreifen, müssen wir vorerst darzulegen suchen, wie
neben der äussern Geschichte dieser Periode seine geistige Ent-
wicklung einhergieng.
Plötzlich, mitten im jugendlich leichtsinnigen Treiben, kam
Hugo die Notwendigkeit an, auf die Bühne des öffentlichen Lebens
zu treten. Ganz unerwartet übernahm er seine Aufgabe mit Kraft
und Umsicht, bestellte sein Haus, richtete tatenbegierig den Blick
nach aussen und eroberte sich schnell Bedeutung und Ansehen.
Wer sich in die politische Geschichte der Montforter gründlich
eingelebt hat, wird erkannt haben, wie unter Hugo's Vater und
Grossvater der Schwerpunkt derselben auf Heinrich von Montfort-
Tettnang ruhte; aber nicht über 1380 hinaus. Von hier an
tritt Hugo von Montfort-Bregenz entschieden in den Vordergrund
Er zeichnet in herzoglichen Urkunden seinen Namen vor den übri-
gen Grafen und weltlichen Herren, tritt als erbetener Schiedsrichter
auf, führt ein herzogliches Heer an, bekleidet in gefährlicher Zeit
ein hohes Vertrauensamt. — Was weder Heirat noch Kreuzfahrt*
in ihm bewirkt, das hat der Ernst des Lebens getan: Hugo war
zur Reife gelangt. Mann geworden^). Was aber noch viel mehr
bedeutet als alles das, ist, dass er sich durch diese äussern Er-
folge nicht verflachen liess, dass er auch den Blick in sich selbst
hinein kehrte und die schwerere Aufgabe der Selbstläuterung und
Selbstbildung begann. Denn alles, was wir gewinnen, erlangt dock
erst wirklichen und bleibenden Wert, wenn es auch dem innern
Menschen, dem Charakter zugute kommt Wir freuen uns, wenn
wir so unverhofft Hugo's rasche Carriere auf der politischen Lauf-
bahn erblicken; aber unsere Achtung erobert er erst, wenn wir
*) Mehreraiier Archiv des Bregenzer Museums Face. 11 , Nr. 75*
Unter den Sieglem auch Hugo.
*) Darum haben wir die neue Periode nicht mit Hugo's Heirat, wie man
erwarten könnte, sondern mit 1379 begonnen.
Wtke}iernelJ, Montfort, %
xxxrv
der Seelenkämpfe gewahr werden, in denen er seine jugendlichen
Leidenschaften besiegt and sich za einem höheren sittlichen Stand-
punkt »nporringt Und darüber geben seine Gedichte aus dieser
Zeit ein unwiderlegliches Zeugnis.
In Nr. 11^) regt sich bei ihm zuerst die strafende Stimme
des Grewissens, die ihn aus den jugendlichen Torheiten aufschreckt
wie der Wächter beim Morgengrauen zwei Liebende aus verbotenem
Genüsse. Wann willst du einmal Ruhe geben und aufhören Tanz-
lieder^) zu machen? lässt er sich vom Wächter strafend zurufen.
— Der Dichter verspricht von den Tanzliedern abzulassen und
hat sein Wort auch treulich gehalten : Nr. 9 blieb das letzte dieser
Gattung. Aber im übrigen erleidet der mahnende Wächter dies-
mal noch eine entschiedene Niederlage. Das Frauenlob kann er
nicht aufgeben; denn selge wib die sind der weit doch leid ver^
tribj ach gott^ wie lieb und za^tl Und dann, Wächter, — fährt
er fort — merke dir: gegenüber der Gunst zarter lieber Frauen
ist alles andere auf Erden im Grunde genommen doch ganz windig:
nichts hält dieser Stand, weder Frömmigkeit noch Weisheit noch
Stärke noch Schönheit; sie obsiegt allem, das hat sich schon oft
bewahrheitet: nu dcur ir eeUgen wib\
Hatte somit auch der Reiz des bisherigen Lebens seine fesselnde
Gewalt über ihn behauptet, so war dennoch der erste bewosste
Schritt einer neuen Richtung entgegengetan; die weitere Ent^-
wicklung folgte rasch. In Nr. 10 und 12 erhebt sich dieselbe
warnende Stimme wieder: du hast dich noch nicht gebessert (10,,
8)? — Gewissensbisse ängstigen ihn sehr (10, 25). Er wird ge-
wahr, wie er bereits den Mittag seiner Lebenszeit erreicht hat
(10* 6), und die Todesnacht ihm entgegenrückt (10, 10), während
er noch herbergslos dasteht Religiöse Motive drängen sich herein:
auf der Erde ist deines Bleibens nicht (10, 13); ihn überkommt
^) Ueber die Reihenfolge der Gedichte vgl. Abh. III.
*) i2tM> haben ist moralisch za deuten. Unter den Tanzliedern meint
er natürlich solche wie die Torangegangenen, welche mit yeH>otonem Liebes-
dienste zusanimenhiengen, indem sie, an eine bestimmte Adresse gerichtet,
directe Werbung oder bereits geheime Stelldichein (Nr. 8) zum Inhalte hatten.
Desgleichen zielt auch das lob der seligen wib, tou dem er spricht, auf die
Erwerbung ihrer Gunst, die möglicher Weise auch bis dahin gehen konnte,
wo man morgens einen Wächter brauchte, damit der frowen und töehHrlin
fr und sioluer lib vor böser Jklafer zung behuetet werde»
XXXV
der trostlose Gredanke von der Vergänglichkeit alles irdischen Wesens:
Schönheit, Kraft and Verstand, alles nimmt der Tod hinweg;
aber deine Seele mass ewig leben (10, 15)! Das geht
ihm tief zu Herzen. Das Lob der Schönheit und der Frauen hört
auf, an dessen Stelle tritt der Preis der muoter maget her und
der Majestät und Unendlichkeit Gottes, der zugleich auch unend-
lich barmherzig ist und um die Schulden der Menschen den h*irten
wiWg tSt erlitten hat (12, 23): 0 möchte er einst Gnade für
Becht ergehen lassen (12, 27). — Immer lauter und entschiedener
bricht die Stimme der Umwandlung und Reue hervor. In Nr. 13
schaat er sich selbst als einen Schiflfbrüchigen itff wag des bittem
mer. Die stürmenden Wogen der Sünden haben seiner ^Unschuld
Schiff' zertrümmert; nur in den Gnaden der Kirche, in dem Bei-
stand der mamerin erblickt er noch Trost und Rettung: Beicht,
wahre Reue und Busse geben seinem Anker wieder sichern Halt
in den Fluten des Lebens. Gott, der dem Menschen das Him-
melreich geöffnet hat, für ihn in die Marter gieng, wird wohl gnädig
und barmherzig sein!
Das die Umwandlung des Dichters nach seinen eigenen An-
deutungen. Man sieht, wie sie ihn in das Geleise kirchlicher Moral
lenkt, wie es für damals ja auch kaum anders zu erwarten war:
darin offenbart sich eben der Einflnss jenes religiösen Geistes seiner
Zeit, von dem wir noch hören werden.
Doch glob dn werch ist halber airij lautete ein Grundsatz
Hago*s (4, 110): der umgewandelten Gesinnung müssen auch die
Werke entsprechen. Freilich liegt zwischen beiden erst die Höhe
des Kampfes, auf der die Niederlage droht; denn ist auch der
Glaube und Wille stark, das Fleisch ist noch stärker! Aber Hugo
vermochte es, mit den bestehenden Verhältnissen zu brechen, so
weit sie jetzt seiner bessern Ueberzeugung widerstritten. Diesen
harten Sturm zwischen den Wünschen seines Herzens und den
höhern sittlichen Anforderungen von Gewissen und Vernunft hat
er selbst in Nr. 17 geschildert. Es ist der Abschied vom ver-
botenen Minnedienst: lebent scheiden das tuot we^ noch wirser
dann ein senfter todl Das Herz will ihm die Seele verleiten
(17, 9, 13, 17); aber er bietet alles auf, den Sieg zu erringen:
fährt das Schreckbild des Todes ins Feld (17, 11), erinnert sich
an die Hilfe Gottes (17, 15), ruft den Schutzengel zum Beistand
an , von dem eß heisst, dass er dem Menschen zum. SdiVim&i \i\A
XXXVI
Hüter beigegeben sei (17, 21): nümer tuon ist grosse luoss! —
Ihn überkommt der Gedanke an seine Gemahlin die ihm stets Liebe
nnd Treue bewahrt hat (17, 34, 36, 39, 43), und der Kampf ist ent-
schieden. Er ist aus bösem Traum erwacht, in welchem er seiner ehe- .
liehen Pflicht vergessen nnd fremde „ Frauen und Töchterlein ' gefeiert
hatte(17, 29); er erkennt den Wert treuer wahrer Liebe, die nun in
seinem Herzen grünt (17, 49 — 5'^). In dieses Lob seiner Ge-
mahlin und der rechten Liebe stimmt auch das folgende Gedicht
(Nr. 1) ein, von dem schon Weinhold treffend gesagt hat: «es
ist gedichtet in der Erregung eines Herzens, das sich mancher
Schuld bewusst ist, und im Frühlingshauche erwachender echter
Liebe« *).
Damit haben wir den Ausgangspunkt dieser Entwicklung er-
reicht Das Verhältnis zu Margaretha und damit das zur übrigen
Frauenwelt hat sich vollständig geändert, und Margaretha*s un-
wandelbare Treue war nicht der unansehnlichste Beweggrund zur
Umkehr gewesen — ein schöner Zug in Hugo*s Charakter. Es
ist für das Resultat einerlei, ob bei derselben die erlangte geistige
Reife, oder ob das erwachende religiöse Bewusstsein den endlichen
Ausschlag gegeben habe: in jedem Falle gieng did erstere der letzte-
ren voraus. Nun liebte er nach seinem Herzen und nach dem
Gebote Gottes zugleich (1, 15 — 18). Das gab ihm jene Heiter-
keit und Friedensseligkeit, die aus dem ganzen Gedichte (Nr. 1)
spricht. Jetzt mögen die Gefahren kommen, wie sie wollen, er
fühlt sich stark genug, sie abzuschlagen; die ganze Welt ver-
möchte nicht, ihn in seiner Treue wankend zu machen (1, 59):
min herfz das ist verslossen mit trüwen und mit stetiheit^ zarte
frow^ bin ich bereit (1, 83).
Von seiner ersten Jugendliebe spricht er alsbald (Nr. 2) in
ruhiger Heiterkeit, wie man etwa von Erlebnissen erzählt, die vorüber
sind uud in keiner Form mehr wiederkehren.
Da ihm Margaretha auch Kinder geschenkt hatte ^), war das
eheliche Glück vollkommen. Aber nicht lange sollte es währen,
80 kam darein ein swartze van^w und gel, daz ist der tod so
snel — 1391 oder 1392^) ist Margaretha gestorben.
^) In den Mitteilnngen YII, 135.
*) Nach der oben (pag. 28) angeführten Urkunde bei Lichnovsky (Beg.
zu lY, Nr, 2004) besass er 1386 schon Kinder.
'J 1390 darf man sicher nicht ansetzten. Denn nach 5, 52 war Hngo
XXXVII
Naoh dem voraasgegangenea ahnen wir, wie den Dichter
dieser Tod getroffen haben wird. Seine Tätigkeit ist auf einmal
gelähmt: aas li591 und 1392, also aus zwei Jahren, können wir
keine einzige Tat Hago*s nachweisen. Der fröhliche, vergnügte Ton
der letzten Gedichte (Nr. 1 und 2) ist auf einmal verschwunden, und
schwere döstere Stimmung lagert sich über die Producte dieser
Zeit (4, 15 und 5) ^) : ein völliges Ungenügen, ein starker lieber-
druss an dieser Welt spricht aus ihnen, ein asketischer Mönchsgeist
fast, welcher in Weltabgeschlossenheit, in einer vita contemplativa
Ruhe suchen will und entschlossen ist, dem freiwillig zu ent-
sagen, was er doch nur dem Untergang geweiht sieht; denn über-
all Wankelmut, Täuschung, Unbestand, Tod. — das bedacht ich
snell und bald: vor unmuot luff ich in ein wald und wolt da
sin beliben^ die weit han usgeschiben, vor ir unstet und fruffeni
dunkh ich mich in der wiUnust fri (5, 63). Es ist sehr be-
zeichnend für seine Gemütsverfassung zu beobachten, wie er in
seinem nunmehrigen Lieblingsbuche, der Bibel, das traurigste Ca-
pitel aufschlägt und sich mit Wohlbehagen darin ergeht: es kommt
der Tod und dann jener Tag, wo der Herr erscheint mit allen
seinen Heerscharen und ein schreckliches Gericht hält über alle,
die aus den Gräbern aufgestanden sind. Da Hlfet weder kunst noch
list^ pett und almuosen ist denn ze spät (4, 128, 130): alle Misse-
taten werden offenbar, nichts bleibt ungerächt. Die guten wird
er zu seiner rechten Hand sammeln, die bösen aber zu seiner linken ;
diese stehen da in Nacktheit und Schande, vor schrihhen helleva/r^
und rufen die Berge an, über sie zu fallen und sie zu bedecken,
bis sie der Herr verflucht zu ewigen Höllenqualen (4, 120 — 196).
Auch in Nr. 15 zeigt sich dieser weitabgewandte Sinn, wieder-
holen sich die Klagen über die finstere Gewalt des Todes, der
alle ohne Unterschied hinwegrafft (15, 7, 8, 14, 19, 51, 59, 115),
schon drei und dreissig ein halbes Jahr, als er sich zu Gott bekehrte und den
Terbotenen Minnedienst verliess. Das kann also frühestens in der zweiten
H&lfte Ton 1390 geschehen sein. Nan zeigt die vorausgehende Darstellung,
dass er darnach doch noch einige Zeit in glücklicher Ehe mit Marga-
retha lebte. — Dass der Tod nicht nach 1392 erfolgte, ergibt sich aus der
Chronologie dieser Rede in Abh. III und ans den Versen 5, 64 — 69, die in
der glücklichen Zeit der £he mit Margare tha (Nr. 17 und Nr. 1) unmöglich
gewesen wären.
^) Weinhold bezog (a. a. 0. 136) auch Nr. 27 hieher, was aber, wie
sieh zeigen wird, kaum geschehen darf.
xxxvni
auch jene, die durch ihre Vorzüge alle andern ihres G^ohlechtes
hoch überragten. So ist David mit seinem edeln tchten^ Saio-
mon mit seiner Weisheit, Aristoteles mit seinen Künsten vorüber;
auch der grosse Karl musste in Todes Sarg; König Artus und
der ganze freudenvolle Hof mit Ritterschaft und Frauen, Tschinachti-
lander, der mannhafte Paicival: sie alle hat der Tod gepfändet.
Wie der Hefrain in einem Gedichte so kehrt hier der Gedanke
stätig wieder, den 15, 46 f. am deutlichsten ausspricht: ich habe
die Welt genau kennen gelernt; aber all ir sack das ist zer-
ganJclich leben^ und ist och nicht wan ach: ein wil ein fr Öd —
darnach Jeans truren geben! Nur einen Meister hat der Xod,
das ist der künig ob nun kören ^ der die Riegel der Gräber auf-
schliesst, wenn er dereinst am jüngsten Tage rufea wird: surgite,
stehet auf, ihr Todten (15, 128)!
Diese durch einen plötzlichen Unglücksfall hervorgerufene und in
das Extrem getriebene Stimmung, die Hugo*s gesunder Anlage,
seinem tatkräftigen Wesen und insbesondere seinen Jahren ganz
zuwiderlief, war ein krankhafter Zustand, der unmöglich Dauer
haben konnte und entweder vorwärts zu wirklicher Weltentsagung ^)
oder wieder zurück zur Genesung führen musste. Hugo bestand
die Krisis. Die Natur ist immer ihr eigener Arzt: Schmerzen,
die sie nicht zu beseitigen vermag, lässt sie sich müde stürmen
und nimmt ihnen so allmählich ihre Schärfe. In dieser Weise heilte
sie wohl auch hier. Dazu waren die Fäden zu mächtig, die Hugo
mit der vita activa verbanden : auf seinen Schultern ruhte das Re-
giment zweier mächtigen Grafschaften, ihn hielten die durch ein
Jahrzehnt angeknüpften und gekräftigten Beziehungen zu den nach-
barlichen Herren und Fürsten fest; vor allem aber wird noch ein
anderes Band seine oft bewährte Haltkraft bewiesen haben: Hugo
besass Kinder. Etwa um diese Zeit entstand Nr. 14, jenes verein-
zelte Gedicht, in dem ein Vater auftritt, der für die Zukunft seines
Sohnes besorgt ist. Wenn man sich Hugo's Dichtungsweise, die
*) Dass diese im Mittelalter und gerade im 14. Jahrhundert, das hierin
das 11. und 12. noch übertrifft, bei ähnlichem Schicksal und auch ohne ein
solches gar wohl möglich war. weiss jeder, der z. B. K. Schmidts Leben des Ni-
colaus Ton Basel gelesen hat. Vgl. Abhandl. II. Auch Oswald t. W. hatte
eine solche Anwandlung 1, 4, 1: mein iummes leben wolt ich V0rkem, dat
ist wärt und ward ain halber tüeghari wol zbay gantze jdr . ., und Teichner
jrJJJ alles üiehen, was nach der Welt jsich stellt. Kar. 118.
XXXIX
aaf wirklichen Eriebnissen fitsst» gegenwärtig hftlt, so liegt es nahe»
beim jungen herren^ dem der Vater Lehren der Lebensweisheit
gibt, am ihn vor Yarirrangen zu bewahren, an sein^ Sohn Ulrich
am denken, der damals zwischen dem 16. und 20. Lebensjahre
stand ^X also in einem Alter, wo solche Lehren am Platze waren,
wo er vielleicht wie einst sein Yater in die grosse Welt hinaos-
zog, sich Ritterschaft zu erwerben.
Gegen die Mitte der Neunzigerjahre beginnt die aasgebreitete
T&tigkeit der achtziger abermals: die Zeit brachte neuen Lebens-
mut und selbst einen Ersatz für Margaretha wieder. Damit be-
gmnt ein neuer Abschnitt in Hugo*s Leben, der reicht
b. bis zum Tode Glementia*s.
Krieg und Friede sind die Flut und Ebbe der Gesohidite,
nur ist im Mittelalter diese stets kürzer als jene. Aus den zahl-
reichen Streitigkeiten in den Alpenprovinzen*) und im Reiche
draussen am Anfange und in der Mitte der Neunzigerjahre treten
zwei von grösserer Bedeutung hervor und verlangen kurze Auf-
merksamkeit, weil Hugo zu ihnen Stellung genommen hat. In Böhmen
sammelte sich das Ungewitter über dem gesalbten Haupte eines
argen Missetäters, König Wenzels. Man kennt sein Sündenregister^).
Der ganze höhere Adel und ihm voran die österreichischen Her-
zoge waren gegen ihn erbittert. Dass auch Hugo unter den Missr
vergnügten war, beweist Nr. 5, worin er eine scharfe Sprache führt
gegen diesen kilng von Pehem land; denn an ^echt^ an fürstlich
Zucht und sitt^ der wont gar wenig hi im itt(bp 241) . . er Hess die
weit verderben, e dna er kern ^nm Präge i5, 244)/ Es ist be-?
kannt, wie alsbald die offene Empörung ausbrach, wie man den König
') Ulrich kann idi liereits 1389 nrkandlich nachweisen: am 20. Juli
d. Js. bestätigt der Bischof Johann zu Seccaw dem Grafen Ulrich ron Montfort,
Herrn zn Bregentz, aaf dessen persönliches Ersuchen einen ge-.
mecMkrief^ in welchem Graf Ulrich die von dem Bistnm herrührenden Lehen
auf seinen Vater, den Grafen Hugo ron Montfort, Herrn zu Bregentz, überträgt.
K. bairisches Beichsarchir Fase. XV.
') In Vorarlberg ist Ton besonderer Wichtigkeit die Entstehung eines
Yolksbnndes, einer Art ^,vorarlbergi scher Eidgenossenschaft^ (ZOsmair III, 37),
welche Torgeblich gegenseitigen Schatz und Frieden bezweckte, aber der Natur
d«r Sadie nach gegen die Herren sich richtete, wie wir später sehen werden.
^ Vgl. auch die Chronologie in Abb, HI.
XL
gefangen nahm (1394) und ihm die Klanen beschnitt. Wie Hngo
darüber urteilte, hat er nicht mehr niedergeschrieben.
Drohender und unserem Dichter viel näher kam ein Streit der
österreichischen Herzoge. 1395 wurde Albrecht III ins Grab ge-
legt und damit auch die lange von ihm sorglich gehütete Einigkeit
der Habsburger Fürsten. Albrechts Sohn, Albrecht IV, und seine
Vettern Wilhelm und Leopold entzweiten sich bei der Teilung des
Erbes. Dem guten Brauche ihrer Väter, dass der älteste, jetzt
Wilhelm, das Oberregiment führe, widerstrebte der junge Al-
brecht, verlangte Selbstregierung und vollständige Teilung des Be-
sitzes. Die (jemüter erhitzten sich: alle grösseren Städte und
Herren, die mit den Habsburgern irgendwie im Contacte standen,
nahmen Partei, und ein grässlicher Bürgerkrieg schien unvermeidlich.
JDie Aussicht auf solches Elend bewog Albrecht doch zur Nach-
giebigkeit. 1395 entstand der Hollenburger Vertrag, welcher den
Streit zwischen Albrecht und Wilhelm beseitigte^). Nun blieb
noch das Verhältnis zwischen Wilhelm und Leopold zu ordnen.
Auch hier wurde ein friedlicher Austrag erzielt: am 30 März 1396
kam ein Vertrag über die Teilung der Verwaltung zwischen beiden
Brüdern zu Stande.
Hugo's Verhalten in dieser Angelegenheit erforderte doppelte
Vorsicht, da die eine seiner Grafschaften im Regierungskreise Wil-
helms, die andere in den Vorlanden lag, die Leopold verwaltete.
Ein Krieg beider Herzoge, in den er mit hineingezogen wurde,
konnte ihn eine seiner Grafschaften kosten. Ihm musste daher
vor allen an einer friedlichen Lösung der Frage gelegen sein, und
er wird seineu ganzen Einfluss, der wenigstens auf Leopold^) sicher
bedeutend war, aufgeboten haben, eine solche herbeizuführen. Dem
gemäss erscheint er auch im vorerwähnten Friedensinstrumente von
1396, das unterzeichnet ist von den beiden Herzogen, dem Bischof
Berthold von Freisingen, Kanzler Herzog Wilhelms, den Bischöfen
^) Vgl. das nähere darüber bei Lichnowsky, Geschichte 4 ff., und Mayer,
Geschichte Oesterreichs I, 182.
') Das nahe Verhältnis Hugo's zu Leopold III hatte sich auf seinen
Sohn Leopold lY vererbt. Am 5. April 1393 war Hago mit einigen andern
Herren diesem Mitgülte gegenüber Ulrich von Ems für eine gemeinschaftUch
aufgenommene Schuld. Die Orig. Urk. im Statthalterei- Archive zn Innsbruck;
Bftg. im Anzeig. f. Schweiz. Gesch. 1864, pag. 26. Andere und stärkere Be-
lege bringen die folgenden Blätter.
XLI
Georg Ton Trient und Ulrich von Brixen, Kanzler Herzog Leopolds,
Yon dem Grafen Hugo von Montfort, dessen Hofmeistert
und yon Heinrich von Hotembarg, Hauptmann an der Etsch ; weiter
noch von den beiden Hofmeistern Herzog Wilhelms und den nenn
Kammermeistem der beiden Herzoge^). So war dieser Kelch der
Prüfong an Land und Fürsten ungeleert vorübergegangen.
Diese Urkunde vom 30. März 1396 gibt uns zugleich den
Beleg, dass Hago in diesem Jahre die eine der höchsten
Würden am Hofe Herzog Leopolds bekleidete. Dieselbe
besass er nach drei andern Urkunden auch im Jahre vorher und
im Jahre nachher. Am '^0. Juui 139') scbliesst eine grosse Zahl
geistlicher und weltlicher Herren in den Vorlanden ein Bündnis
mit Herzog Leopold gegen die Grafen von Werdenberg vom Heili-
genberg, welche die ersteren langtzit und noch teglch irrenU
vorhaben und bekriegend wider Merkt. Dabei wird auch bestimmt,
dass die Ansprüche der Katharina von Werdenberg auf die Feste
und Stadt Werdenberg von ihrem Gemahl Heinrich von Vadutz
und vom Bischof Hartmann von Chur vor den edeln unsern
lieben Oheim^ Grafen Haug von Montfort^ unsern
Hofmeister^ gebracht werden sollen, damit dieser mit vier andern
Räten darüber entscheide^). Am 24. November 1395 unterwirft
sich Hans von Luphen zu Stulingen, nachdem er mit Herzog Leo-
pold übereingekommen, ihm alle seine Habe, stürbe er ohne Söhne,
zu vermachen, dem Ausspruche eines Schiedsgerichtes, dem der
herzogliche Hofmeister, Graf Hugo vonMontfort, vorge-
sessen, und das bestimmt hatte, was ihm df^r Herzog über die bereits
gezahlten 300 fl. desshalb noch zu geben habe 3). Am 10. April
1397 wählt der Markgraf Bernhard von Baden im Einverständ-
nisse mit Herzog Leopold von Oesterreich dessen Hofmeister
Hugo vonMontfort m. a. zum Schiedsrichter in seiner Streit-
sache mit den österreichischen Städten und Beamten der Grafschaft
Hohenberg, Rottenburg und Horb*).
*) Vgl. Lichnowsky, Gesch. V, 11, und die Urkunde bei Kurz, Albrecht
IV, I, 163. Hngo steht an der Spitze der weltlichen Herren.
*) Die Urkunde bei Moor, Codex diplom. IV Bd., Nr. 201 ; ein mangel-
hafter Auszug, dazu noch falsch datiert, bei Lichnowsky, Reg. IV, 2493.
5) K. k. geh. H. H. und Staatsarchiv in Wien Rep. VI.
*) Herrgott, Genealogiae diplomaticae aug. gentis Habsburgicae II Bd.,
n TeU, p. 776, Nr. 898.
XLII
Der Hofmeister war der oberste Leiter des geaammten Hof-
hund Yerwaltungswesens des Herzogs; daza wurden selbstverständ-
lich nur tüchtige und vertraute Männer auserlesen, welche das
volle Vertrauen des Fürsten besassen und sich einer allgemriuen
Achtung und eines weiten Ansehens erfreuten. Die angeführten
Urkunden, in denen Hugo durchweg um seinen Schiedsprucb an-
gegangen wird, genügten an sich, das zu beweisen. — So wirkte
Hugo wieder mitten im öffentlichen Leben.
Auch seine erneute Tätigkeit in der Verwaltung der eigenen
Besitzungen und seine Beziehungen zu den nachbarlichen Herren
können wir an der Hand einiger Urkunden verfolgen. Am 11. März
1399 ist er bei der Vereinbarung der Gebrüder von Schellenberg
und des Grafen Heinrich von Montfort-Tettnang tätig und besiegelt
die diesbezügliche Urkunde ^). Im December d Js. bezeugt und
besiegelt er mit dem Grafen Heinrich von Montfort-Tettnang uijd
Hans, dem Truchsäss von Waldburg, eine Urkunde seines Neffen
Wilhelm IV von Bregenz, worin dieser den Leuten des Grafen
Donat von Toggenburg im Thurtale, Neckartale, Litisburg etc., die
er als Gemahl Kunigundens, des letzten Sprösslings des gen. Toggen-
burger, alsbald zu erben hoffce, die gewohnten Rechte und Frei-
heiten verbürgt^). Am 31. Aug. 1395 gelobt Geryg der Neckar,
Bürger zu Lindau, den Bürgern daselbst, welche ihm die Stadt
verboten haben, den Brief zu halten, welchen er seinem Herren,
Graf Hugen v. M., gegeben habe^). Am 6. Juni 1396 verkauft Hans
der Orter mit Erlaubnis seines Lehensherren Hugo v. M. Haus
und Hof an Rudolf von Pernekk^). Ebenso verkauft Ott der
Chrottendorffer 1 398 an Hans von Winden die Güter zu Samekk,
Gharperg, Saichenekk und Strobelberg, die sämmtlich Lehen von
Hugo waren ^). Am 19. Aug. 1396 vergleicht sich Hugo mit
seinem Vetter Wilhalm von Bregenz hinsichtlich der eigenen Leute
Heinrich Mul und Claus Leber und deren Weiber und Kinder^).
1397 verträgt er sich mit dem Prälaten Heinrich von Mebreraa
^) Lang-Freyberg, Reges ts Boica XI Bd., 150.
*) Toggenburger Archiv, Urk. Nr. 3; Zösmair III, 46.
^) Lang-Freyberg, Begesta Boica XI Bd., 50.
^) Steiermark. Landesarchir Nr. 3883a.
&) Steiermark. Landesarchiv Nr. 3932.
^ Lan^-Freyberg, Begesta Boica XI Bd., 81«
XLIII
•Waffen Leibeigene durch ein W^'chsel^); im Juni 1399 gestattet
er dem P&rrer Ton Bregenz eine Schenkung an Mehrerau^); am
21. März d. Js. bestimmt er dem Benedictiner Abt Deinrich za
Bregenz in der Au and dem Gonvente daselbst, als ihr gnädiger
herr^ die Rechte über die eigenen Leute des Klosters umb Taler-
do^'ff^ Qruenfnpa(h und Möttenpach, gibt ihm die Erlaubnis,
die Holz- und Heuwüster zu strafen, fixiert die Abgaben, welche
die Bauern dem Kloster geben müssen. Alles ist gewissenhaft
und aocurat detailliert, besonders auch die Verpflegung des Abtes:
wo dei Abt auf einem Hofe zwischen fünf und zehen acht Hing
Pfenning gelte haf^ da soll man in beherbergen und auaehalten
mit dem' besten^ so es der Pawer im Ilauss hat, und nach wein
und weissbrot ausscJifkhen auf ain pferd und ainen fuessknecht
und ainen hundt. Wo er aber über zehen scMlUng gelts hat^
da soll solhe underhaltung beschehen auf drew Pferd järlich
ainest. Item mag der Abbt nit reiften, so mag Er ainen Mvr-
nich für in schlichen^ solh herbergen dermassen einzenemen^ doch
in das gotzhauss ze schaffen^).
Seit 1395 erblickten wir Hugo wieder in mancherlei Streitigkeiten,
aber nie war er selbst Parteimann, stets nur Friedensrichter und
Vermittler. Imgleichen waren seine Beziehungen zu den Nachbarn
und eigenen Leuten nur friedlicher Natur. Das zeugt nicht zum ge-
ringsten von Hugo^s Ansehen und Macht; denn diese beiden waren
damals wie heute die mächtigste Schutzwehr gegen Feinde jeglicher
Art. Auf seinen vorarlbergischen Besitzungen lebte man damals,
wenn auch nicht lange, eine glückliche Zeit: die Verbesserung der
Münzordnung, viele Käufe und Verkäufe, Bestätigungen gewohnter
Rechte und Freiheiten, Heiraten und Erbschaften bildeten die Gre-
sohichte dieser Gregend. Es ist, als hätte sich ein Widerschein
von Hugo^s eigenem Glücke, in dem er seit Mitte der Neunziger-
jahre lebte, darüber verbreitet Sein Herz hatte sich wieder er-
wärmt, und frische Neigung darin zu keimen begonnen, welche der
jungen Gräfin dementia von Toggenburg, der Tochter des Grafen
Diethelm und der Gräfin Katharina von Werdenberg, galt. Neuer-
dings erwachte die Sangeslust; wir hören wieder das Lob der seligen
^) Mehreraner Chronik ron 6. F. IUnsp«rg pag. 86.
') Im XVn Jahresbericht des Bregenzer Maseums pag. 49.
») Innsbr. Schatzarchiv IV, 702.
XLIV
Frauen, die den Mut erhöhen (16, 56), Trauer und Leid ver-
scheuchen (16, bO, 74). Nr. 16 wird die erste Blüte dieser neuen
Liebe sein. An einem schönen Maientag kommt dem Dichter
liebe Botschaft zu. Das macht ihn fröhlich und wohlgemut. Die
lachende Frählingsnatur passt zu seiner Stimmung, und er hebt
eine lustige Rede an, worin er den Vergleich des Maien mit den
i>Yauen durchführt, selbstverständlich sehr zu Ungunsten des er-
steren: was bedeutet des Maien ganze Pracht gegen schöne Frauen?
Ein süsser Ton aus ihrem Munde geht über Vogelsang und Glocken-
klang ( 1 6, 32 ; allen Blumenglanz überstrahlt das rote Möndlein,
aus dem die feinen, weissen Zähne leuchten; und dann erst die
Blumen der lieben, klaren Augen, welche die Herzen fesseln (16,
40)! Wie der Dichter beim Preise der Frauen von der Mehrzahl
in die Einzahl übergreift, merkt man, dass sich vor seiner Seele
ein bestimmtes Bild von der gepriesenen Gattung loslöst und
in den Vordergrund tritt ^). Das Recht, dabei an dementia zu den-
ken, geben die folgenden Gedichte und deren Zusammenhang. Nach
Vers 45 und 46 waren die beiden damals noch kaum vermählt.
Dasselbe scheint auch ein sinniger Zug in der Zeichnung der Initiale
anzudeuten: im M sitzt eine jugendlich zarte, grün gekleidete Frau,
auf den grünen Kranz niederlächelnd, den sie in ihrer Hand hält.
In der Initiale von Nr. 19 hat die Frau in derselben Kleidung
mit demselben Kranze bereits ihr Haupt geschmückt. Das Jahr,
in welchem die Ehe geschlossen worden^), ist mit Bestimmtheit
nicht anzugeben, wahrscheinlich 1395; gewiss ist nur, dass sie
1396 bereits verheiratet waren ^).
Diese Verbindung war vom Anfang an bis zu ihrer Lösung
durch den Tod eine sehr glückliche; das beweisen alle Gedichte,
die in dieser Zeit entstanden sind. Nr. 18 spricht von grosser
Sehnsucht nach der fernen Gemahlin. Sie erscheint ihm nachts
*) Darauf weist auch die Initiale derHs. mit der Franenfig^nr. Solche Zeich-
nungen begegnen nie, wo der Dichter nnr von den Frauen im allgemeinen
spricht, sondern nur bei Gedichten, die an eine bestimmte Fraa gerichtet sind
(Nr. 16, 19, 20, 29).
') Da Clementia*s Yater schon seit 1385 todt war, übernahm ihr Bruder
Friedrich VI, der letzte Graf von Toggenburg, die Aussteuer. Darunter war
hauptsächlich eine Schuldverschreibung von 4000 fl., von der noch wiederholt
die Rede gehen wird.
^J Vgl Weinhold a. a. 0. VII, 136.
XLV
in Traamen, er glaubt sie in seinen Armen, erwacht und hält das
Kissen umhalst (6). Seine Liebe und Treue kann nicht mehr
überboten werden, er will sie bewahren bis zum Grabe (107).
Aber ein trüw hilft dn die andern nit (33): auch sie soll die
Liebe graben mit Treue in ihr Herz^), dann ist froher Sion ihr
beider Irohn (59); Gross ist die Gewalt der Liebe (61 ff.): alle
Greaturen der Erde fühlen sie, ja selbst über das irdische reicht
sie hinaus: ze Mmel und ze hell ist liehi mit dem rechten ..ge-
puwen und gesprochen hat liehi als volbracht; aus Liebe verliess
Gott selbst den Himmel und wurde Mensch. — Das wirkt gerechti
lieb. Ihr Schattenbild ist die ungerechti liebf welche die Welt
betört und zur ewigen Verdammnis führt. Bei diesem Gedanken
ziehen böse Erinnerungen an ihm vorüber: Aon ich ie unrecht
lieb ghebt hi^ herr got^ tuo mir vergeben (93) / ^) Mit einer
längeren moralisatio gelangt er wieder zum Preise der Frauen, die
die grössten Helden bezwungen, welche jemals das Schwert in die
Hand genonmien haben. Schliesslich wendet er sich zu Gott, der seine
Liebe kennt (178), mit der Bitte, ihnen beiden seine Gnade zu be-
wahren und ein glückliches langes Leben zu schenken (161 ff.)»
Nr. 19 und 20 sind Briefe an dementia. 19 ist ge-
dichtet in grosser hell; aber die Gedanken an seine ferne Frau
hitzen sein Herz, machen ihm den Winter maiengleich. Ihr Bild
lebt in ihm unauslöschbar, als wäre es in Edelstein geschnitten;
sie ist ihm das teuerste von allem, nur Gott allein ausgenommen
(18); mit reinem Gewissen kann er ihr Grass und Treue entbieten.
Nr. 20 fahrt in demselben Tone fort; die nämlichen Beteurungen
seiner Liebe und Treue, seiner grossen Sehnsacht, die er nicht
zu schildern vermag, wiederholen sich, dementia hatte seinen
firüheren Brief bereits beantwortet (40 ff.) und ihn darin gleichfalls
ihrer Liebe und Treue versichert: des ich ir sicher danken sol-
*) Wenn Hugo in diesem Gedichte um Zeichen ihrer Treue und Gegen*
liebe bittet, so geschieht es nicht etwa aus Misstrauen gegen ihre Beständig-
keit: ich hdn zuo ir doeh allen tröst (187) — und nu hin! ich getrüw ir zwar
des betten , , . ti bedarf mir tne keinn bürgen setzen, ir er behuet der
ewig got (269). Es liegt eben in der Natur des Menschen , sich durch
äussere Zeichen fortwährend Tom wirklichen Besitz eines Kleinods zu über-
zengen.
*) Schon aus dieser Stelle allein würde sich ergeben, dass Hugo damal^
gereehti Heb hatte, d« h., dass die Heirat bereits TcUzogen "WSiX.
XLVI
Die öftere Abwesenheit Hugo's von seinem Hanse, welche die
drei letztgenannten Gedichte dartun, erklärt sich leicht, da oben
urkundlich nachgewiesen wurde, dass er von 1395 — 97 Hofmeister
Herzog Leopolds und somit häufig an dessen Umgebung gebunden
war. Nr. 21 wird in Glementia's Nähe entstanden sein. Ihr schöner
Leib erfüllte ihn mit sinnlicher Glut, und er beginnt ^ ein neues
Genre, das nur in Nr. 3 sein Analogen hat, aber dasselbe weit
überbietet. PYeilich war nun das zu Grunde liegende Verhältnis
ein ganz anderes: damals war es nach Hugo^s Auffassung sünd-
hafte, nun gerechte Liebe; daher die naive ungestörte Freudigkeit,
mit der er entzückt den Vorhang aufhebt und Clementia*s Vorzüge
zeigt. Der folgende^) datierte Brief (1396) aus Ensisheim (Nr. 23)
liefert ein Seitenstück dazu; zwar ist diesmal das Gemälde nur
zum Brustbilde gediehen, dafür aber sind neben den körperlichen
auch geistige Vorzüge aufgetragen: sie besitzt frauenhafte Zucht,
Sittsamkeit und Selbstbeherrschung, die Zierde eines edeln Stam-
mes, dazu Gottesfurcht und ein zartes Gewissen : sie ist ein tadel-
loses Weib an Geist und Körper.
• Die folgenden Gedichte Nr. 24, 22, 25 und 26 fallen ab von
der heitern Weise der fünf vorausgegangenen. Es ist, als hätte
sich eine längere Pause dazwischen gelegt, die zwar des Dichters
Liebe und Treue zu seiner Gemahlin und seinem ehelichen Glücke
nichts anzuhaben vermochte, aber die Unbefangenheit im Genüsse
weggenommen und dafür neuen Ernst und erhöhte Frömmigkeit
gebracht habe. Das bedeutet wieder eine Schwenkung in jenem
langen Kampfe, den Grott mit der Welt um unsern Dichter führte.
Wir haben gesehen, wie in seiner Jugend die letztere ihn ganz
allein besessen, wie aber dann die zunehmende Reife und der er-
wachende religiöse Sinn ihn allmählich in die kirchliche Moral und
zu Gott hindrängte, und wie endlich der Tod Margaretha*a eine
vollständige Niederlage der Welt mit sich führte. Allein die Zeit,
die andern oben berührten Verhältnisse und besonders dementia
bewirkten eine Versöhnung zwischen beiden Mächten, so dass sie
sich nun neben einander vertrugen: der Dichter genoss, was
er für erlaubt hielt, dachte dabei an Gott und betete; ja in
Nr. 2L und 23 gewann es den Anschein, dass die Welt neuer-
dings das Uebergewicht erringen sollte. Aber alsbald folgte eine
^ üeher diese Reihenfolge TgL Abh. III.
XLVII
Beaction, deren Aasbreitang zanimmt mit den Jahren des Dichters.
Eine ttberreligiöse Anschaaangsweise beginnt sich wieder gel-
tend zu machen, eine Peinlichkeit des Gewissens, die in das öber-
triebeoe geht: er will alles meiden, was aach nur den Schein eines
Unrechts, aach nar die leichteste Gefahr zur Sünde mit sich brin-
gen könnte. Aach seine Umgebang will er auf diesen Standpunkt
bringen; der Hang zar Didaxis ist in ihn gefahren: anstatt die
Grewalt der Frauen über die Männerherzen zu preisen, die Vor-
züge seiner Gemahlin zu schildern, wie er vorher getan, setzt er
sich in den folgenden Gedichten die Aufgabe, dieselbe und alle,
die ihn lesen, zu belehren und zu gottesfürch tigern Wandel zu \
ermahnen. Frau, willst du wissen, so beginnt er Nr. 22, was
auf dieser Welt dein Glück, deine Ehre, dein Gut ausmacht? —
Das ist Gott allein. Nur auf seinen Dienst musst du bedacht
sein. Den freien Willen, den er uns gegeben, müssen wir hier
dazu anwenden, uns dort vom ewigen Tod zu erretten. Wer eiteln
Freuden nachgeht, erfährt oft schon hier den bösen Lohn dafür
and bringt Bitterkeit in seine alten Tage. Darum ist die Gottes-
furdit der Anfang der Weisheit ; denn wer diese im Herzen trägt,
der meidet jede Sünde. In Nr. 24 wird die Frage behandelt,
woher die Haaptübel auf der Welt kämen. — Von wiben und giti-
keit Er belegt das mit Beispielen. Um Helena, die schöne von Grie-
chenland, ward Troja gebrochen; ihretwegen Hess mancher Held
and selbst Hektor das Leben. David, Salomon, Samson, Absolon
a nd Aristoteles zogen schöne Frauen ins Verderben. Zu Etzelburg,
wo Dietrich von Bern seine Mannhaftigkeit bewährte, stürzte
Eriemhielt, die schöne vom Rhein, alle Helden in Drangsal und
Untei^ang. So haben die Frauen der Welt grosses Leid getan.
Aber er will sie nicht schelten; denn es gibt unter ihnen auch
selffü iJüib mit rechtem muof^ die Gott liebt, und die der Welt
grosses Glück bringen. Das Supplement zu den üblen Weibern
bildet der Geiz (24, 72 ff.), der mit Mord, Meineid und Verräterei
die Welt verwüstet. Wer sich vom Herrn Geiz ergreifen lässt,
achtet weder Ehre noch Seele. — Das habe ich, versichert der Dichter
wiederholt, durch vieles Nachdenken gar wohl erkannt: nur wankel-
lose Rechtschaffenheit führt zum guten; den Freuden der Welt
folgt grosses Leid, all ihr süsses Geigen bringt am Schlüsse doch
nor sdilimmen Lohn. So bleibt dem Menschen nur Entsagung.
Damm will Hago jetzt selbst von den weltlichen Ged\c\k\;^Ti\9c&;äföv^^\&
XLvm
er sie bisher seiner Gemahlin gemacht (24, 97 nnd daza 24,
5—16). Schon früher hatte er einmal dieöen Vorsatz gefasst;
allein seine Frau wolt haben suesd wortj mit rimen schon ge*
messen. Ihrem Wunsche vermochte er nicht zu widerstehen : min
hertz wil doch nun wie si wil (11); aber jetzt soll der Vor-
satz gehalten werden. Freilich fallt es ihm auch nunmehr schmerz-
lich : ach gotj sol ich der frowen min suessi wort nicht tichten
merl — Aber es muss sein, es tueje wol oder we (107). Man
merkt die zunehmende Ueberspannung, in die er sich gegen sein
gesunderes Gefühl hineinraissonniert. In ähnlicher Weise wie in
Nr. 18 (160—172) wendet er sich in Nr. 24 zu Gott mit Bitten
für sich und seine Gemahlin ; während er aber dort auch um leib-
liche Güter und zeitlichen Segen flehte, liegt ihm hier nur das
Heil der Seelen an.
Der Vorsatz hielt nach: auch die nächstfolgenden Producte
sind nicht der Welt zur Lust, sondern zur Belehrung gedichtet
Von Nr. 22 haben wir schon gesprochen. In Nr. Ü5 stellt der
Dichter in einem Beinhaus bei Todtenschädeln und nacktem Ge-
bein Betrachtungen an. Vor seiner Phantasie erhalten die Knochen
wieder Fleisch und Leben, wie sie es ehedem besessen; sie er-
heben sich und sprechen. Zuerst ein Weib, die einst grosse Schön-
heit hatte und viel Geist. Aber sie war hoffartig und wankel-
mütig, die Lust war ihr Gesetz, ihre Liebe lag nicht in der Ehe;
daher ist sie verloren für immer. Alsdann spricht ein Herr. Auch
er war einst Wohlgestalt an Leib und Antlitz, besass Verstand und
grosse Macht über Land und Leute. Aber er missbrauchte seine
Macht zu Ungerechtigkeiten, seinen Verstand zu diebischer Schlau-
heit und brach seine Ehe. Nun hat er dafür ewiges Leiden
ohne Ende. Diese beiden stellt der Dichter als abschreckende Bei-
spiele hin für alle, die hier noch in Sünden wandeln. Eine dritte
Gestalt erhebt die Stimme, eine Frau, die einst schön und gottes^
fürchtig war. Sie liess sich von falscher Minne nie betriegen, lebte
in heiliger Ehe, war demütig, massig, wohlerzogen, emsig und mild-
^*ig gegen die Armen, floh Neid und Hass, verderblichen Klatsch,
Luxus, ungerechtes Gut und tat mit Gebeten dem Teufel weh: so
erreichte sie ein vergnügtes Leben, ein hohes Alter und liess ihren
Erben Ehre und Gut zurück. Als man sie in die Erde legte,
führte Gott ihre Seele zu den ewigen Freuden. In gleicher Weise
erzählt ein Herr sein frommes Leben, wofür er eingehen durfte io
XXIX
die ewigen Freuden, die auch allen denen bereitet sind, die seinem
Beispiele folgen.
Auch bei aller Trübseligkeit dieses Gediohtes glänzt noch das
Lob einer glücklichen Ehe, die Ilago selbst lebte, durch die Zeilen.
In Nr. 26 wendet sich der Dichter in briefähnlicher Form
wieder direct an dementia mit Lehren zu einem gnten, gottgefälligen
Lebenswandel £s ist das letzte Gedicht, in dem sie noch lebend
erscheint; wohl schon am Beginne des neuen Jahrhunderts^) kam
ihr Todestag.
^) Das Todesjahr Clemeiitia*s lässfc sieh urkundlich nieht belegen. Berg-
mann (Sitz. Ber. IX, 816 und 817) dachte an 1401 ; denn er glaubte an
einen Brief, welchen Hugo 1401 ^an seine Gemahlin (dementia) aus Wien
in rielen Geschäften^ geschrieben, und wusste, da[ss Hugo 1402 bereits zum
dritten Male verehelicht war. Allein der angezogene Brief ist von 1402 und
an seine dritte Gemahlin gerichtet. — Weinhold (a. a. 0. 137j setzte dementia* s
Tod gleichfalls in die ^Mitte oder das Ende 1401^ , weil sie bei der Ent-
stehung von Nr. 31 (1401) noch lebte. Nr. 31 müsste demnach vor Nr. 28,
worin Hugo ausdrücklich dementia als gestorben anführt (313 ff.), gestellt
werden, was aber mit entscheidenden Gründen abzulehnen ist (siehe
Abb. III): damit haben die bisherigen Ansätze ihre Grundlage verloren, und
die Datierung muss von neuem beginnen. Ausgangspunkt bleibt dabei immer
Hugo's dritte Ehe mit einer Witwe Anna t. Neuhaus. Dafür ergeben
sich als zwei uvkundlich gesicherte Grenzen der 6. September 1399 (der
Todestag von Anna's erstem Gemahle) und der 4. April 1402 (wo Anna
urkundlich als Gemahlin Hugo^s auftritt). Die letztere Grenze lässt sich
noch enger ziehen durch Nr. 34, einen Brief Hugo*s an seine dritte Frau,
der gegeben ist ze Wienen in der vasten 1402. In diesem Jahre fiel aber
Ostersonntag schon auf den 26. März ; dazu ist bekannt, dass man 9 Wochen Tor
Ostern nicht heiraten durfte (Weinh., deutsch. Frauen p. 248), und es bleiben für
den Abschluss der Ehe höchstens ein paar Wochen Ton 1402, Wollte man nun an-
nehmen, dass dementia erst in der zweiten Hälfte von 1401 gestorben sei, so wäre
es doch sehr auffallend, dass Hugo ^das Andenken an seine geliebte dementia
nicht durch einen längern Witwerstand geehrt hätte^: zwischen der ersten und zwei-
ten Ehe lagen wenigstens ein paar Jahre. Wir müssten einen ausreichenden
Gnind haben, um dieser Annahme Glauben schenken zu können; allein der
fehlt, rielmehr erscheinen Andeutungen, welche den Tod Clementia*s bedeutend
Ton der dritten Heirat zurückschieben. Sieben der längsten Gedichte Hugo^s,
ein Vierteil seiner sämmtlichen Yerse, fallen dazwischen, die sicher nicht alle
in einigen Monaten entstanden sind. Dazu haben wir innere Gründe dafür,
dass diese Gedichte noch durch Pausen Ton einander getrennt sind: 27, 173
ergab sieh der Dichter mit seinem Schicksal , gegen das er vorher sich auf-
gelassen, in den Willen Gottes; 28, 335 sagt er: ich hans längs got «r-
geb^n^ and die darauffolgende Strophe ist sicher nicht unter dem Gedanken
einer baldigen neuen Heirat entstanden. In Nr. 31 nimmt eT ^VOdl ^q\> ^-aji
Wackern eil, Montfort, ^
dementia mnss nach den Andeutungen, die der Dichter frei-
gebig von ihr ausstreut, ein treflFliches Weib gewesen sein. Aus
altem angesehenen Edelgeschlechte entsprossen, stand sie zur Zeit
ihrer Ehe mit Hugo noch in jugendlicher Blüte, besass seltene
Schönheit des Körpers und Geistes, hohe Bildung^) und Vorliebe
für Dichtungen, die in besseren Adelskreisen noch immer als
besonderes Zeugnis, feiner Sitte galt Nach ihrem Tode hat ihr
Hugo in Nr. 28 ein Denkmal gesetzt, wo er von ihr rühmt: sie
war gottesfürchtig, bescheiden, züchtig, friedfertig und kannte weder
Eitelkeit noch Leichtfertigkeit; wie zart ihre Jugend, so gross war
ihre Tugend und Frömmigkeit: unter den vielen Frauen, die er in
seinem Leben gesehen, hat er ihresgleichen nicht gefunden (28»
341—351).
Daher also das dauerhafte Glück dieser Ehe und die Schwere
des Verlustes, den der Tod neuerdings dem Grafen anrichtete. In
sieben langen Gedichten (Nr. 27 — 33) oflFenbart sich sein Schmerz
über Glementia*s Tod.
Nr. 27 klingt wie ein Requiem auf dem frischen Grabe seiner
Gattin. Die Erde erscheint ihm als eine öde Heide (27, 107),
auf der jede Freude zur Betrübnis wbd. Der weise Salomon, ruft
er aus, hat wahrlich recht gesprochen, wenn er sagt: die Welt baue
auf Eis, schon von Adam her sei hier nichts als Jammer und Not
und dann Sterben (121). Das musste er neuerdings erfahren ; denn
Dichten ganz zu lassen ; denn Mut und Kraft dazu ist ihm vergangen. Einige
Zeit wenigstens wird er den Vorsatz gehalten haben, bis er Nr. 32 mit einem
hinwider heb ich tickten an begann. Es ist demnach Clementia*8 Tod wohl be-
deutend Tor Mitte oder Ende 1401 anzusetzen; aber Anhaltspunkte, welche
ein bestimmtes Jahr dafür bezeichnen Hessen, finden sich nicht, oder dürfte
man Tielleicht anführen, dass Hugo mit seinem Vetter Wilhelm am 3. März 1400
auf dem Schlosse Hohenbregenz eine ewige Messe stiftete und am 27. April
d. Js. eine Messenstiftung auf dem Altare zu den hl. DreikOnigen in der Pfarr-
kirche zu Bregenz, die ihr verstorbener Vetter Hugo gemacht, rehabilitierte (Tgl*
über diese Urkunden Hummel im XVIII Jahresberichte des Bregenzer Mu-
seums p. 46) ? Bekanntlich geschahen solche Acte besonders gern bei nahe
gehenden Todfällen, um damit den Seelen der Abgeschiedenen die Strafen des
Fegfeuers zu erleichtern (vgl. Kummer (Minist. Geschl. d. Wildonier) im Arch.
f. öst. Gesch. 69, 202), wie denn auch Hugo 27, 201 Gott bittet, er mSge
der Seele seiner yerstorbenen Frau (dementia) U88 der witsen quel helfen.
') Sie schrieb auch die Briefe an ihren Gemahl wahrscheinlich mit eigener
Sand, wie 20, 41, verglichen mit 3, 49 f., vermuten lässt.
LI
er hat gross lieh verlorn mit sterben hie uff erden ( 1 29), ja so
gross hertzeleid ist über ihn gekommen, dass dagegen alle Freu-
den, die er jemals genossen, ganz verschwinden (132). Wie er so
in seinen Gedanken alle Freuden und Leiden abwägt, die er erlebt,
ergreift ihn der Zorn; denn dreifaches Leid folgte jeder
seiner Freuden nach (141). Das ist zu viel! Er tut eine ironi-
sche Frage über sein bitteres Schicksal: ist das tust? — das
kan ich nit bekennen (145)! Aber gleich findet er die Fassung
wieder und hält inne: — Das war ja Murren gegen Gottes Vor-
sehung? Reuig bittet er um Verzeihung : vergib mir, werder gott^
da ich mich hdn vergessen vor grossem unmuot , .; bitte für
miob, Himmelskönigin, beim höchsten Gott, dass er meine Trauer
stille (151 ff.). Er ergibt sich ganz in den Willen Gottes: min
herr, min vater, min hus^ min hof^ all min hoffnung Ut an dir
(17ö), erbarm dich über mich jammervollen (178), hilf mir,
dass ich ersterbe in deinem Gebote (187). Schliesslich betet er
für das Seelenheil seiner verstorbenen Frau, seiner Eltern und an-
derer. In Nr. 28 nennt er ausdrücklich den Namen seiner Frau,
deren Tod er beweint : grefinn Ment (Cleraentia) was si geheissen
(374). Er hat sich schon lange in den Willen Gottes ergeben ^\ allein
die Erinnerung an sie schwächt sich nicht ab, presst ihm das Herz
zusammen (340). Die folgenden fünf Gedichte setzen diese Klagen
fort in ähnlicher Art, wie wir es in Nr. 4, 5 und 15 gesehen
haben; dieselben Ausdrücke, ganze Strophen und Zeilen wieder-
holen sich, auch die Neigung zur vita contemplativa tritt wieder
hervor, und er ist sich dessen bewusst, denn in Nr. 29 lässt er sich
von der Frau Welt zurufen : und hast du dann ein kutten ges-
sen oder wilt du in ein kloster vamf (25) . . . une hast du
dich verkeretl (42). Die Klagen, dass hier nur Verwesung
hause, dass froher Mut, Schönheit und Kraft, alles vom Tode
hinweggerafft werde, wiederholen sich unaufhörlich. 33, 113 ff.
taucht wieder (wie in Nr. 4) die Erzählung vom jüngsten Ge-
richt auf; wieder begegnen häufige Anzeichen, dass er mit Vor-
liebe theologischen Meditationen nachhieng über die Allmacht, Weis-
heit und Unergründlichkeit Gottes, über den Ursprung des Guten
und Bösen und den freien Willen des Menschen (Nr. 30); er
polemisiert gegen die Juden, die an Christi Geburt nicht glauben
*) Vergleiche 28, 335 und dazu 27, 173.
Ln
wollen (32, 93 ff.), gegen die Heiden mit ihren Götzen (33, 105 ff.),
gegen den Leichtsinn und Unglauben der Welt überhaupt (Nr. 29).
Dazwischen vernehmen wir Gebete zu Gott und seiner Mutter um
Reue und Busse und insbesondere um Beistand in der Stunde des
Todes (30, 101 ff.).
Damit haben wir in Hugo*s Leben wieder ein Stück Freud'
und Leid, eine Periode zurückgelegt. Die Charakteristik derselben
wurde, so weit sie die geistige Entwicklung des Dichters betrifft,
schon gegeben; die seiner politischen Tätigkeit aber lässt sich
in wenige Worte zusammenfassen: sie war im wesentlichen nur
eine folgerichtige Fortsetzung der unmittelbar vorangegangenen.
Wie auf Leopold III Leopold IV gefolgt war, so hatte sich
das nahe Verhältnis Hugo*s von jenem auf diesen vererbt, und
wo er in bedeutenderen Äctionen hervortrat, geschah es in der
Umgebung und im Interesse des Oesterreichers, von dem er wieder
eines der höchsten herzogl. Äemter erhalten hatte. Auf seinen
Besitzungen war er diesmal von allen Feinden und Anfechtungen
verschont geblieben : es war nach aussen die ruhigste und glücklichste
Periode seines Lebens gewesen.
4. Hngo's letzte Lebenszeit nnd insgang.
Das augenfälligste Merkmal, das gleich vom Anfang an die-
sen letzten Leben»abschnitt von allen vorangegangenen unterscheidet,
ist der Wechsel des Schauplatzes seiner politischen Tätigkeit Bis-
her hauste er vorherrschend in Vorarlberg: hier wurden die mei-
sten und wichtigsten seiner Urkunden ausgefertigt, alle Aemter, die
er bekleidet hatte, trug er von jenen Herzogen, welche Tirol und
die österr. Vorlande verwalteten. — Von nun an aber ist er mehr
in Steiermark tätig, empfängt vom steierischen Herzoge die Aemter,
wie auch hier die meisten und wichtigsten seiner Urkunden ent-
stehen, so gleich die erste derselben vom 4. April 1401, nach
welcher Hugo als erwählter Schiedsrichter einen Streit der Stuben-
berger mit Otto von Lichtensteiu entscheidet^). Diese Tatsache
will ihren Erklärungsgrund haben und wird denselben in der wei-
tern Darstellung finden.
Beim Tode Glementia's nahte Hugo erst den mittleren Vier-
') Dt. Leoben. Im Notizenblatt (Beil. zum Arch. f. Rande Ost. Geschichts-
o) IX- T>. 254. Nr. 301.
gaenen) IX, p. 254, Nr. 301.
Lm
zigeijahren, stand also noch in kräftigem Lebensalter, was es leicht
motiviert, dass er zum drittenmale heiratete. Seine neae Ge-
mahlin war Anna von Neuhaus, die Witwe des letzten männ-
lichen Stadeckers (f 1399) '), der nur eine Tochter, Namens Guta,
hinterlassen hatte, welche gleichzeitig mit Hago^s Sohn Ulrich
vermählt wnrde. Diese Doppelehe muss Ende 1401 oder anfangs
1402^) geschlossen worden sein. Dadurch erhielten die Mont-
forter einen doppelten Rechtstitel auf die Stadecker Erbschaft,
den sie auch sofort geltend machten. Allein es kostete grosse
Anstrengungen, in den factischen Besitz derselben zu gelangen, da
auch andere Ansprüche darauf erhoben. Bald nach dem Tode
Hansens von Stadeck hatten nämlich die österreichischen Herzoge
dessen ganze Hinterlassenschaft als erledigte Fürstengüter einge-
zogen, und am 28. Juli 1400 schenkte Herzog Wilhelm von Oester-
reich alles, was von dem jungen Stadegger ledig worden^ es
sein Vestj Herschefft Heuser^ Merkt^ Dörffer^ Leüt und güter^
fva die gelegen oder wie die genant sindy mit allen im zugehörun"
gen seinem Bruder Ernst ^). Mit dieser Urkunde war der armen
Guta das ganze väterliche Erbe genommen. Aber Hans v. St. hatte
bei seinem Tode, vielleicht Gefahren vorahnend, ihr einen mäch-
tigen Herren, den degenhaften Hermann H von Cilli, zum Vor-
mund gesetzt. Der brachte, um solches Unglück von der ver-
lassenen Waise abzuwenden, die ganze Angelegenheit vor König
Wenzel und wusste es hier durchzusetzen, dass er für Guta mit
der Stadecker Feste Rorau belehnt wurde (23. Aug. 1400) ^) ; auch
Chraniperg und andere Güter rettete er auf demselben Wege. Als
') Den Beweis liefern zwei Urkunden im Steiermark. LandesarchiTe
Nr. 4079 nnd 4105. Nach der ersteren Tom 28. April 1402 besitzt Anna
Ton Nenhaos Briefe, in welchen ihr Hans Ton Stadeck „Heiratsgnt nnd
Yermächtnis^ bestimmt hatte; in der zweiten Tom 18. Februar 1403 wird
Anna Ton Neuhaus ausdrücklich gemaehel Hannsens von Stadeck selig genannt.
Die erstere Urkunde liefert auch in so fem einen Nachtrag zu Weinhol d*s
Abhandlung über die Stadecker (Sitz. Ber. d. Wiener Akad.XXXy, 152—186),
als sie uns die erste Gemahlin Hansens t. Stadeck nennt: es war Anna
Gräfin Ton Maidburkch.
*) Denn Ton da an treten die Montforter mit ihren Ansprüchen herror ;
Tg], auch die Anm. zu pag. 49.
•) Vgl. Weinhold, Sitz. Ber. XXXV, 177 f. und die Urkunde J bei
Bergmann, Sitz. Ber. IX, 848.
*) TgU Weinhold, Sitz. Ber, XXXV, 178 und Mitteilungen^ Yll, U^^»
LIV
Dun Ende 1401 oder Beginn 1402 die Heiraten Anna's und Gu-
ta's mit den Montfortern abgeschlossen wurden » traten naturgemäss
diese an Hermanns Stelle und als Bewerber um die Stadecker
Besitzungen hervor. Am 28. April 1402 entledigt Ulrich von Mont-
fort Hermann von Cilli der Vormundschaft über Guta; letzterer
übergibt den Montfortern alle Güter und fahrende Habe Guta*s,
die er von den Stadeckern inne hat*). Eine zweite Urkunde von
demselben Tage'^), in der Hugo an der Spitze steht« gewährt ge-
nauere Daten : Hermann gibt heraus die Veaten Roraw und Chrani-
perff mit andern vesten vnd guetem von wegen vnd auch an
etat der edeln frawen Gueten von Stadekk; dafür versprechen
die beiden Montforter und ihre Gemahlinnen, dass sie, ob daz he-
echech — da got vor sey — daz fraw Ghieta von Stadegk
mit dem tod abging^ ee das dem vorgenanten^ unserm lieben
frewnde vnd öhaim^ S'^^^f Hermann etc. das gemecht volfueret
wurdCy daz im tun sol dy vorgenant fraw Oueta^ die er des
vnaem brief hat^ daz wir dann im oder seinen erben dy vor-
genenent paide veste . . antwurten sullen wider in ir gewmlt vn~
geuerlich, doch nur unter der Bedingung, dass dann Hermann
innerhalb der zwei darauffolgenden Monate das Heiratsgut Anna's
von Neuhaus, das ihr Hans von Stadeck auf Rorau angewiesen,
ausfolge. Es lässt sich nicht angeben, wovon Hermanns For-
derungen herrühren : hat er sich vielleicht für seine tapferen Dienste
bezahlen lassen? Zur Herausgabe dieser Güter kam es nie mehr:
die Montforter werden Guta's Verpflichtungen alsbald getilgt haben ^).
Dadurch war dieser Erbstreit noch lange nicht beendet; denn
es fehlte noch vieles vom G e s a m m tbesitz der Stadecker, wie ihn
einst Hans innegehabt hatte. Aber der gänzliche Mangel an
Nachrichten macht es unmöglich zu verfolgen, wie die Montforter
ihre Sache weiter durchgefochten haben. Als Abschluss dieser
ganzen Angelegenheit erscheinen die beiden Urkunden vom 26 April
*) Bei Bftrgmann, Sitz. Ber. IX, 849, Urkunde K.
*j Im steiermärkischen LandesarchiT Nr. 4079. Dt. CiUi.
') Damit mag aber in Verbindung stehen, dass Guta 1407 ihrem
Gemahle und ihrem Schwiegerrater Borau, Krems bei Voitsberg und Kranich-
feld urkundlich übermachte und dasselbe 1412 nochmals bestätigte (Bergmann,
Sits. Ber. IX, 820) : war sie nämlich damals noch kinderlos, so stand immer-
hin zu befürchten, dass die CiUier im Falle ihres Todes Ansprüche erheben
könnten.
LV
1404, womit K. Ruprecht za Heidelberg den Grafen Hugo von
Montfort, dessen Sohn Ulrich und die PYau Guta mit den Stadecker
Gütern belehnt, die von dem riche ze lehen rurent und die lange
tyt verewigen vor dem riche in etwa vil jaren wurden^ da van
auch die selben lehen und sloase dem riche verfallen aint Es
werden aufgeführt: die öde veste und das Bwrgstal^ genant
Stadecke hei Oraz^ it. Rorau die veste und herrschaft im lande
Oesterreich, it die veste Tewffenbach^ die gueter zu StraUche
und die gueter in dem MürztaU hei Langenwanckh mit allen
Freiheiten, Gerichten und Mannschaften^).
Wenn wir die hier und in der vorausgegangenen Urkunde an
die Montforter gelangten Stadecker Güter mit dem ehemaligen Ge-
sammtbesitze Hansens von Stadeck vergleichen''^), fehlt nur noch
die Feste und Herrschaft Krems bei Voitsberg; dass aber auch
diese in die Hände der Montforter kamen, beweist das Urbar
Hugo*s3).
So hatten die Montforter ihre Ansprüche durchgesetzt, während
die Herzoge von Oesterreich leer ausgegangen waren. Man weiss
nun sehr gut, dass diese sich durch die kaiserlichen Schieds-
sprüche von ihren zum Teile wenigstens ganz sicher begründeten
Rechten nicht hätten abbringen lassen. Wenn sie aber dennoch
mit dem Ausgange dieser Dinge einverstanden waren^), so werden
wir darin eine Frucht von Hugo's äusserer Politik , wir werden
darin eine Belohnung Hugo*s von Seite der Habsburger zu erblicken
haben für das, was er und seine beiden Vorgänger schon wieder-
holt für sie getan hatten. Dass ihnen die Montforter anderweitige
Entschädigungen an G«ld u. dgl. geleistet haben werden, ist wahr-
») VTeinhold in den Mitteilungen VII, 139 und Sitz. Ber. XXXV, 178;
aber es sind zwei Urkunden und beide Tom 26. April, nicbt August ; Tgl.
Chmel, Begesta Ruperti Reg. Rom. Nr. 1730 und 1731.
«) Bei Wpinhold, Sitz. Ber. XXXV, 177.
') Fol. 65 ff. werden die Abgaben Tom Ampt Krems, vom Schloss Krems
und allen dazu gehörigen Besitzungen und Lechner angeführt.
*) Am 24. Deoember 1406 bekennt Herzog Leopold für sich und seinen
Yetter Albrecht, die Grafen Hugo und Ulrich tou Montfort anstatt des Hans
Ton Stadegg sei. Tochter, Grafen Ulreichs ehlicher Wirtin, bei ihren Rechten
an dem Dorf zu Rauchenwart bleiben zu lassen, wie das auch des Herzogs
Bruder Wilhelm und dessen Vetter Albrecht, welche mit dem von Stadeck
darüber in Streit geraten waren, nach dessen redlicher Weisung getan hatten.
K. bair. Beichsarohi? Fase. XVIII.
LVI
scheinlich, und vielleicht mag es davon herkommen, dass Hugo
noch am 2. Januar 14220 dem Herzog Ernst mehrere von den
Stadeckern herrührende Güter und Einkünfte, so das Hans zu
Prunn, 7 Höfe und 21 Hofstätte im Dorfe daselbst, weiter Höfe,
Aecker, Wiesen und Weinberge zu Piesting, Walenstorflf, Stallhofen,
Leiding, in der Sletten etc., überlässt.
Zu diesen Eigenbesitzungen hatten sich auch die alten Lehen-
güter der Stadecker eingestellt. Am 18. Februar 1403 bezeugen
die Grafen Hugo und Ulrich und ihre beiden Gemahlinnen, dass
der Erzbischof Gregori von Salzburg ihnen von sundem
gnaden verliehen habe alle Lehen, die Hans von Stadegh seliger
Oedächtnuss ingehabt haU als da sind: Khrems pey Voitsberg den
vorder tail mit aller zugehorung, it, die gueter in Puaterwald^ it
die veat Freunczperg und alle dazu gehörigen Güter, it. die vesie
Endricz und das Nyderdorff^ it. Abgaben an Wein, Geld, Getreide
etc. von den Festen Wechkrennekg und PayerdorflT^). An demselben
Tage bestätigen die beiden Montforter dem Erzbischof Gregori von
Salzburg, dass sie von ihm auch die Lehen inne haben, die becho^
men sindt von dem wolgepornen herren, dem grafen von Phann^
perg saligen^). Am 3. Juni d. Js. bezeugen dieselben, dass
sie auch vom Abt Rudolf von St. Lambrecht zu Gunsten der
Frau Guten Lehen erhalten haben und zwar daz purhchstal ge-
nant Preymespurkch mit aller manschafft^ nützen^ rechten^ eren
und wirden, it, die vest Piberstain^ it die gueter im Sale^ it, die
gueter imPibertal^). Dazukamen noch mehrere andere Vogteien und
Lehen, welche Prälaten und geistliche Herren der umliegenden Stifte
und Klöster dem mächtigen Grafen anvertrauten, so der Abt zu
Neuberg, der zu Sekkau, zu St. Andrä und der Pfarrer zu Polan
in der Feistriz u. a.^).
So vereinigten die Montforter nun die gesammten Herrschaften
*) Bei Weinhold (Sitz. Ber. XXXV, 179) steht 1412, was ohne Zweifel
nur Druckfehler ist. Auch Bergmann (Sitz. Ber. IX, 851) datiert die Urkunde un-
richtig; Muchar (Geschichte d« Herzgt. Steierm.) YII, 163 Terkehrt sie gans:
bei ihm ist Ernst der gebende, Hugo der empfangende.
*) Steiermark. Landesarchiv Nr. 4105^ Beg. bei Muchar YII, 83;
aber unrichtig datiert.
*) Steiermark. LandesarchiT Nr. 41050*
^) Steiermark. Landesarchir Nr. 4123.
^) Im Urbar werden alle diese Güter einzeln aufgezählt.
Lvn
der Pfannberger und Stadeoker und vermehrten sie noch mit neuen
Besitzungen. Das gab einen dominierenden Gütercoraplex in Ober-
steiermark, dessen' Verwaltung und äussere Sicherung die ganze
Kraft eines Regenten in Anspruch nahm^): hier im Osten lag jetzt
die Masse von Hugo*s Macht, der die Güter von Halbbregenz in
Vorarlberg nicht mehr das Gleichgewicht zu halten vermochten, und
es erscheint daher nur als eine notwendige Folge, dassHugo
jetzt auch den Schwerpunkt seiner politischen Tätig-
keit nach Osten trug^).
Um auch die entfernten vorarlbergischen Güter in Ordnung
zu halten, schloss Hugo mit seinem Neffen Wilhelm Verträge ab,
die diesem die Verwaltung derselben überliessen, so übergab er ihm
1403 seinen Teil der Feste, Burg und Stadt Bregenz, dann den
Sulzberg, die Süberischen und die übrigen Besitzungen auf zwei
Jahre^). Nachdem 1405 der Vertrag zu Ende gegangen, wurden
sie ihm neuerdings auf zwei Jahre in phlegnuzz wiaz anvertraut^),
zugleich wurde damals der Burgfriede von 1390 wieder erneuert*)
und nach einer zweiten Urkunde d. Js., in der auch Ulrich von
Montfort erscheint, auf die ausserhalb Bregenz liegenden Besitzun-
gen ausgedehnt^). Als Graf Wilhelm am 21. August 1405 in
Herzog PYiedrichs Dienste gegen jedermann trat, nahm er aus den
römischen Kaiser und secundo loco seinen Vetter, Grf. Hang
von Montfort, vnd instinderhait den Burgfried mit dem ge^-
nanten vetter^ das der alweg beleiben und gehalten soll werden
nach ir brief sag vngeuer"^).
^) In einer Urkunde Hago*s vom 29. März 1409 werden Ton seinen
Beamten auf Pfannberg genannt : der ^edel herr Ortolf yon Pernegg,
unser phleger ze Pekgach, der Test und from Peter Gradner ritter, unser phle-
ger zu Krems, Wilhalm Dümerstorfer, unser purggraf ze Kranichperg, Mar-
quart Bybracher, unser phleger ze Hymelberg, Dyebolt Kellermaister, unser
pUeger ze Fürstenfeld, Hertlin Reuter, unser purggraf ze Yestenburg, Ulrich
Dümerstorffer, purggraf zu Manspcrg^. Mone (Zeitschrift für Geschichte des
Oberrheins) XVII, 383.
') In Vorarlberg treten seitdem Wilhelm ▼. Montfort-Bregenz und die
Grafen Ton Montfort - Tettnang an Stelle Hugo*s in den Vordergrund. Vgl.
pag. 33.
') Urkundenauszug im Innsbrucker Schatzarchiv IV, 669.
^) Die Urkunde im Innsbrucker Statthaltereiarchire.
^) Innsbrucker SchatzarchlT IV, 661.
*) Innsbrncker SchatzarchiT IV, 662.
') Innsbrucker Lehenarchir, Copialbuch I, 299.
Lvni
In solcher Weise hatte Hugo seine Besitzungen geordnet and
sein Hans bestellt. Er war damit gerade rechtzeitig zu Stande
gekommen, als neuerdings über ihn und seine Untertanen im We-
sten und Osten Kriegsstürme hereinbrachen, so wild and grausam,
wie er bisher noch keine erlebt hatte.
In den letzten zehn Jahren hatten die demokratischen Ele*
mente in den Schweizerbergen und den angrenzenden Provinzen ge-
deihliches Wachstum: die steigende Anzahl der Bünde zwischen
Städten und Bauern waren die untrüglichen Anzeichen der Rü-
stung und Auflehnung gegen die Vorherrschaft des Adels; es be-
durfte nur eines äussern Anstosses, die aufgestauten Massen zu ent-
fesseln. Den gab das Hirtenvolk der Appenzeller, das sich von sei-
nem Gotteshause St. Gallen freimachte und mit den Schweizern ver-
band. Solch kecken Abfall konnte Herzog Friedrich von Tirol und
der Adel nicht dulden: man zog vom Leder und rückte ihnen zu
Leibe. Aber der Bauern Mut und Tapferkeit war so gross wie
ihre Freiheitsliebe; am 17. Juni 1405 schlugen sie auf den regen-
feuchten Berghalden am Stoss den Herzog und die seinen. Das
warf frisches Holz in die Flammen: von allen Seiten kamen den
Siegern Bundesgenossen entgegen, auch der vorarlbergische Volks-
bund'), der sich 1391 »um guten Schirmes und Friedens willen*,
wie man damals sagte, zusammengetan, war unter den Zuläu-
fern. Durch die Erfolge ermutigt, durch die raub- und rachsüch-
tigen Bundesgenossen aufgestachelt, brachen die Appenzeller im
Sommer 1405 in starken Heerhaufen aus ihren Gebirgen in die
Länder ihrer Gegner ein, warfen die Burg Grimmenstein und die
Feste Zwingenstein nieder, setzten siegestrunken über den Rhein
und belagerten die Feste Neuburg bei Götzis, welche damals
Hugo von Montfort-Bregenz besass^). Hugo war in einer
üblen Lage: Neuburg, auf niederem Hügel, weder von Natur be-
sonders befestigt noch für den unvorhergesehenen Ueberfoll ge-
nügend mit Mannschaft und Kriegsbedarf versehen, stand nun mitten
im Feindesland, von aller Hilfe abgeschnitten. An eine erfolgreiche
Behauptung derselben war auf die Dauer nicht zu denken. Da
tat Hugo, was sich in dieser Lage am vorteilhaftesten tun liess:
^) Wir haben schon pag. 39, Anm. 2 darauf hingewiesen.
*) Vgl. darüber Bergmann, die Edlen Ton £mbs (Denkschriften der
Wiener Akad. 1860), pag. 107.
LIX
am 16. Oktober 1405 schloss er mit den Verbündeten einen fQr
ihn verhältnismässig sehr günstigen Vertrag: Neubarg bleibt ein
Jahr lang neutral^ dem Grafen ist gestattet, bis zum 16. Oktober
1406 die Feste nach Belieben mit Kriegsvorrat, Lebensmitteln und
Mannschaft zu versehen, die Leute, welche zur Burg gehören, aber
sich im Bunde befinden, sollen wie bisher die Zinsen und Frohnen
dem Grafen leisten; endlich wurde noch hervorgehoben, dass kein
zur Burg Grehöriger fernerhin gezwungen werden dürfe, dem Bunde
beizutreten*).
Es ist schwer zu sagen, was die Verbündeten bewogen habe,
einen für. sie so wenig bedeutenden Vertrag abzuschliessen , wenn
es nicht ihre Raubsucht gewesen, die viel stärker war als die Lust,
einige Wochen müssig vor Neubarg zu liegen. Nun ergossen sie
sich wie ein reissender Bergstrom über das ganze Vorarlberg und
trugen sich mit keinem geringeren Plan, als Land und Leute
appenzellerisch zu machen. Trümmer zerstörter Burgen des Adels,
niedergebrannte Dörfer und Flecken, Jammer und Not bezeichneten
ihre Wege. Aber noch viel schlimmer als das war, dass die Bau-
ern allerorts vom gleichen wilden Taumel mit fortgerissen wurden
und, anstatt zu verteidigen, gleichfalls anfiengen zu brennen und zu
rauben und ihrer Herren Macht zu brechen. Am meisten von
allen Adeligen litten die Habsburger und Montforter: die Feste
Schattenburg wurde erstürmt, Altmootfort, Altems, wo einst Rudolf,
der Ependichter, gesessen, zerstört; Dornbirn, der Bregenzerwald,
das ganze Rheintal bis Sargans und Vaduz und das ganze lUtal
bis auf die Höhe des Arlberges trat zu den Appenzellem über : im
ganzen Kriege wurden über 60 Städte und feste Orte genommen
und gegen 30 Burgen gebrochen 2).
Mitten in dieser Flut undMeuterei standnurBre-
genz fest in alter Treue.
Diese Stadt mit der befestigten Clause im Rücken wurde nun
der Ausgangspunct des Appenzellerkrieges; hieher richteten sowohl
die Verbündeten wie die schwäbische Ritterschaft ihr Augenmerk.
Fiel Bregenz, so stand den zügellosen Schaaren ganz Schwaben
offen, wo das Landvolk gleichfalls schon in Gärung war. Bereits
') Die Urkunde bei ZellwAger (Geschichte des AppenzeHer Volkes)
CLXXX.
*j Stalin (Würtemberg. Gesch.) III, 391.
LX
1406 griffen die Appenzeller Bregenz an; der Sturm wurde sieg-
reich abgeschlagen, doch gieng die ganze Vorstadt dabei in
Flammen auf. Wilder Grimm erfasste nun Ritter und Bauern,
durch ganz Schwaben und Tirol flogen Boten her und hin, von
Burg zu Burg die Schrecken zu melden und Hilfe herbeizurufen :
alles rannte zu den Waffen. Während sich die Herren unter dem
Georgenbanner sammelten, stürmten die wütenden Bauern wieder
auf Bregenz los: diese Stadt sollte zerstört, die Einwohner aus-
getilgt und so dem Widerstände und Kriege in dieser Ge-
gend für immer ein Ende gemacht werden. Aber die tapferen Bre-
genzer hielten unter Wilhelms von Montfort kluger Leitung festen
Stand ; alle Stürme waren vergebens, und die Belagerung zog sich
in die Länge. Unterdessen hatte der Adel sich zusammengefunden
und rückte unter Rudolf von Montfort-Tettnang und dem österreichi-
schen Hauptmann, Grafen Hermann von Sulz, zum Entsätze herbei.
Am St. Hilariustage (13. Januar) 1408 *) drangen sie zu Wasser
und zu Land auf die Belagerer ein, brachten ihnen eine vollstän-
dige Niederlage bei und trieben sie in die Flucht: Bregenz war
den Grafen von Montfort gerettet 2), Schwaben frei, der Volks-
bund aufgelöst, alles, was die Appenzeller auf dem rechten Rhein-
ufer erobert, mit einem Schlage verloren und diesseits des Rheins
das alte Verhältnis wieder hergestellt. — Solch ein Ende
nahm dieser schreckenvolle Krieg.
Es muss aufgefallen sein, dass Hugo nach 1405 nicht mehr
persönlich in diesem erbitterten Kampfe hervorgetreten ist. Dass
er den Krieg mitführte, das heisst, dass seine vorarlbergische
Streitmacht in den Reihen der Kämpfer stand, kann niemand ernst-
lich in Zweifel ziehen, der erwägt, dass man sein Land verwüstete,
seine Hauptstadt belagerte und zum Teile schon niederbrannte,
dass seinen Untertanen, die so glänzende Treue bewiesen, das
*) Vgl. die Urkunde im Fürsfcenberger Urkundenbuch, Bd. HI, Nr. 43.
') Bei der Bettung der Stadt nahm eine Frau G u t a henrorragenden
Anteil, wofür sie der Yolksmund yorherrlicht hat. Bergmann trug wiederholt
die ansprechende Vermutung vor, dass unter dieser Heldengestalt G u t a von
St ad eck, Hugo's Schwiegertochter, zu erblicken sei. Vgl. Sitz. Ber. IX,
7 ff. und 820; Denkschriften der Wien. Akad. X, 187; Archiv für Kunde österr.
Gesch. I, 101. Sogar Stalin hat diese Ansicht in seine Würtemberg. Gresch.
(Ul, 392) aufgenommen.
LXI
schrecklichste Verhängnis drohte*). Aber die Frage bleibt offen:
wo war Hugo 1406 und 1407, wenn er nicht in Bregenz war?
und hier war er nicht, denn sonst hätte er und nicht Wilhelm
das Yerteidiguugsheer commandiert. Glücklicher Weise geben uns
die Quellen gerade so viel sichere Nachrichten, um durch deren
Gombination die Frage entscheiden zu können.
Den Besitzungen Hugo*s in Steier drohte nicht geringeres Un-
heil als denen in Vorarlberg. Es gab kaum ein Uebel, von dem
dieses Land seit der Mitte des ersten Decenniums im 15. Jahr-
hundert nicht wäre heimgesucht worden: 1404 grosse Ueber-
schwemmungen, 1405 schwere Hungersnot und Seuchen, dazu die
Herzoge Leopold und Ernst dem offenen Bruderkrieg nahe und
zahlreiche Ritter im Lande unter einander in blutiger Fehde.
Raubritter und Wegelagerer, verlotterte adeliche Strolche wie der
Hofkircher und Lichtenegger in Obersteier nahmen das verkommene
Gesindel von der Strasse als Söldner zu sich und bedrohten alle
wohlhabenden und ehrlichen Besitzer; Städte mussten ihre Tore
sperren und die Mauern besetzen, um diese Banden sich vom Leibe
zu halten, der Landesfürst selbst war davor nicht mehr sicher:
kurz man war hier so recht zur Blütezeit des Faustrechtes zurück-
gekommen. Zu all dem kam nun noch die Unsicherheit der
Landesgrenzen ! Die Raubschaaren der Ungarn, die 1405 im Lande
ob der Enns hausten, wurden auch bereits in Steier fühlbar, wäh-
rend vom Süden her die Schrecken der Türken immer näher rück-
ten. Aber die allernächste Gefahr drohte vom Norden, von Böhmen
und Mähren, wo die unabhängigen Landherren sich zu wohlor-
ganisierten Räuberhorden zusammentaten, um in die reichen süd-
lichen Nachbarländer einzufallen. 1406 trat einer aus ihrer Mitte
hervor, der dieses Raubgeschäft im grössten Masstab begann:
Johann Sokol von Lambach aus Mähren, ein Spiessgeselle des
Dürrnteufel. 1407 fiel er in die Donauländer ein und erstieg am
20. Mai die Mauern der Stadt Laa, die er zur Operationsbasis
seiner weitern Raubzüge machte. Mit unerhörter Grausamkeit
verheerten seine immer mehr anwachsenden Schaaren die Gegenden
nördlich und südlich der Donau, so dass selbst die streitenden
') Dazu war Hugo sammt seinem Vetter Wilhelm Mitglied des Adels-
bandes Yom St. Georgenbanner (vgl. Bergmann , die Edlen von Embs.
Denkschriften der Wiener Akad. X, 104) und hätte schon als solches die
Yerpflichtong getragen, diesen Krieg mitzukämpfen.
Lxn
Herzoge Leopold in Oesterreich und Ernst in Steier es fftr gut
fanden, mit vereinter Macht gegen diesen geföhrlichsten aller Feinde
zu ziehen. Im Sommer 1407 kam aus Steiermark ein Aufgebot
und damit auch Hugo von Montfort, wie das Chronicon
Millicense bezeugt^): tandem circa festum St. Jacobl ohsesaa
est civitas (Laa) per dominum JEpiscopum Frieingeneem et per
dominum Comitem de Muntfort campiductorem. Wir wissen
also, wo Hugo gewesen, und was ihn gehindert hat, in eigener
Person seine westlichen Besitzungen zu verteidigen. Ist die oben
erwähnte Vermutung Bergmanns über die ,£hre Gutta* richtig,
so hat Hugo seinen Sohn Ulrich dahin gesandt, und sämmtliche
Streitkräfte der Bregenzer Grafen standen dann unter Wilhelms
Befehl, dem derselbe sowohl als dem altern als auch nach den
Verträgen von 1403 und 1405 zukam.
Aber kaum war dieser Zug gegen Sokol beendet und die dro-
hende Gefahr durch einen Vertrag der österreichischen Herzoge
mit Jodocus von Mähren (9. Okt. 1407), in dessen Einvernehmen
Sokol gehandelt hatte, beseitigt, als Hugo nach Bregenz eilte.
Vielleicht kam er noch rechtzeitig zum Hilariustage, sicher aber
war er am 28. März 1408 in Vorarlberg; denn an diesem Tage
erteilte K. Rupert zu Constanz ihm, seinen beiden Neffen Wilhelm
und Hugo und den Bürgern zu Bregenz mehrere Rechte und Frei-
heiten^). Am 2. Januar 1409 gewährte dann Hugo gemeinsam
mit Wilhelm den Bregenzern für die grosze Frombkeit und Man-
lichheitj mit der sie unser Statt behebt haben vor den Appen-
zellem, im Aidgenossen und Helfern gänzliche Steierfreiheit auf
fünf Jahre; die darauffolgenden fünf Jahre aber brauchen sie nur
100 ^ jährlich und erst nach zehn Jahren wieder den alten Steuer-
satz zu entrichten^).
1) Bei Pez I, 251; Bergmann, Sitz. Ber. IX, 815.
') Unter anderm auch, dass kein Angehöriger der Stadt ror ein kOn.
Landgericht, mit Ausnahme des kais. Hofes und des Landgerichtes zu Rott-
weil, vorgeladen werden dürfe, sondern sein Recht jederzeit ron den Richtern
zu Brpgenz nehmen könne; ferner ist es der Stadt erlaubt, Geächtete aufzu-
nehmen, doch untpr der Bedingung, dass sie die gegen dieselben vorgebrachten
Klagen untersuche und richte. Im Archiv der Stadt Bregenz. Regest auch
bei Vanotti p. 493, Nr. 166.
8) Vanotti p 494, Nr. 168 und Urkunde Nr. 33, aber falsch datiert;
vgl Mone (Zeitschrift für Gesch. des Oberrheins) XYII, 383 und 384.
Lxm
Diese Urkanden bezeugen, wie man sichs angelegen sein Hess,
die erprobte Treue der Bürger mit bedeutenden eigenen Opfern zu
belohnen. Aber Hugo begnügte sich damit nicht, sondern tat noch
mehr als die andern: am 3. Februar 1409 beschenkten er und
sein Sohn Ulrich ihren Stadtteil noch ausserdem mit Privilegien
wegen der ihnen und ihren Vorfahren bewiesenen Treue und be«
sonders, weil sie sich so standhaft geweigert hatten, den Appenzellem
zu huldigen. Die Untertanen auf dem Lande dürfen in der Stadt Bre-
genz Bürgerrechte erwerben und sich mit den dortigen Bürgerstöchtem
vermählen, auch Leute aus Städten oder vom I^ande, die keine
Untertanen Hugo*s und Ulrichs sind, dürfen in Bregenz als Bürger
aufgenommen werden; umgekehrt können die Bürger in Bregenz
ihr Bürgerrecht aufgeben und anderswohin ziehen, und der Bürger-
schaft steht es dann zu, nach eigenem Ermessen die Grösse des
Abzuggeldes zu bestimmen, das zu gleichen Teilen der Bürgerschaft
und den Grafen zufallen soll. Den Bürgern dürfe von den gräf-
lichen Amtleuten ohne der Grafen Einwilligung weder an Leib
noch Gut Gewalt angetan werden, es handle sich denn um die Be-
strafung eines Verbrechens; ferner sind die Bürger für die nächsten
10 Jahre ganz steuerfrei und nach Ablauf derselben für alle Zeiten
nur zu 1 00 8 jährlich verpflichtet *). Am 29. März und am 9. De-
oember wurden die Privilegien neuerdings bestätigt und mit einigen
andern geringeren vermehrt. Wichtig sind diese beiden Urkunden
aber noch wegen einer Zusatzbestimmung, in welcher Hugo und
Ulrich an die gegebenen Rechte die Bedingung knüpften, dass die
Bürger alle sechs Jahre schwören sollen, ihre gegenwärtigen Grafen
und deren Nachkommen jederzeit als die rechtmässigen Erbherren
anerkennen, sich denselben mit Leib oder Gut nicht entfremden
und ohne deren Einwilligung weder anderswo Bürger werden noch
Bündnisse schliessen zu wollen^). Daraus geht her\ror , dass es
den Grafen in jenen sturmbewegten Zeiten notwendig schien, durch
*) Aus dem Copialbuch der Stadt Bregenz im k. bair. KreisarchiTe zu
Neuburg Fol. 2—4.
') Die erste Urkunde hat Yanotti p. 580 angeblich nach dem Originale
des Bregenzer Stadtarchires mitgeteilt, doch mit vielen Fehlern und mit Weg-
lassang gerade der Hauptpunkte, weswegen sie Mone in seiner Zeitschr. für
Gesch. des Oberrheins XVII, 381 fT. neuerdings abgedruckt hat; die zweite
nahm ich ans dem Copialbuche der Stadt Bregenz im k. bair. Krelsarchive
zu Neuburg Fol. 4—7.
Lxrv
den erwähnten Schwur ihre Territorialrechte auf Bregenz, wohl be-
sonders den Eidgenossen gegenüber, deren Gefährlichkeit nur zu-
rückgedrängt, nicht gebrochen war, zu wahren : die Bregenzer hat-
ten die Möglichkeit der Auswanderung, aber dadurch, dass sie noch
an die Erlaubnis ihrer Herren geknüpft war, blieb diesen ein
Mittel, dieselbe nach Gutdünken zu beschränken.
Unterdessen war der zwischen Hugo und Wilhelm 1403 ab-
geschlossene und 1405 erneuerte Yerwaltungsvertrag schon lange
abgelaufen. Als man jetzt nach beseitigter Feindesgefahr zur Ab-
rechnung schritt und Wilhelm alles wieder abgeben sollte, was
und wie er es empfangen, stellte sich heraus, dass er im Kriege
und vor dem Feinde besser zu brauchen war als bei der Ver-
waltung : er hatte mehreres von Hugo's Besitzungen verpfändet und
überdies noch allerlei andere Schulden gemacht. Man könnte viel-
leicht zu seiner Entschuldigung anführen, dass der letzte grimme
Krieg manches davon verschlungen haben mochte, wüssten wir nicht
aus vielen andern Belegen nur zu gut, dass Wilhelm das Muster-
stück eines verschwenderischen Herren war. Es ist leicht begreif-
lich, dass Hugo ob solcher Wirtschaft sich ungehalten zeigte.
Ende 1408 kam zwischen beiden folgendes Abkommen zu Stande:
Graf Wilhelm soll Graf Hawgen tvider eingeben^ was er Ime
an Bregentz entwendt hat, auch die Pfanndischaft Ho^
henegg mit zwaitausend Pfund Hallern wider zulösen; Hugo
soll dagegen beim Mair zu Lindaw und im Hof zu Costentz Wil-
helms Schulden zahlen und die in Beschlag genommenen Besitzun-
gen Wilhelms ledig geben; die Gesellschaft vom St. Jörgenschild
soll denjenigen, der den Vertrag bricht, an Leib und Gut und
Ehren strafen *). Nach diesen Erfahrungen scheint Hugo wenig
Lust verspürt zu haben, dem Neffen neuerdings die Verwaltung
seiner Güter anzuvertrauen ; wir hören nie mehr davon, und schon
am 2. Januar 1409 begegnet uns eine neue Teilung von Stadt und
Leuten zu Bregenz*) mit Vernennung aller Burgen und auf-
fürung, wie es mit Gericht^ Recht, wacht, Besetzungen und in
ander weg gehalten werden solle.
*) Innsbrucker Schatzarchiv IV, 669.
') Die Urkunde ist nur mehr in Copien vorhanden : Innsb. Sehatzarchiy IT,
670, k. k. geheim. Haus- Hof- und Staatsarchiv Bep. I; vgl» nun auch den
^yjll Jahresbericht des Bregenzer Museums p. 40 — 45.
LXV
Ausser dem langwierigen Stadecker Erbstreit, den darauffol-
genden schweren Kriegsereignissen und dem Verwaltungsstreit mit
Wilhelm sind uns auch anderweitige Beziehungen Hugo's durch
vereinzelte Nachweise belegt. Im December 1402 leistet er der
Elisabeth von Puchhaim und dem Hans von Stnbenberg Zeugschaft
in deren Erbangelegenheit ^). 1404 stiftet er mit seinem Sohne
Ulrich in der Kapelle ihrer Burg zu Peckau eine ewige Messe mit
einem Messpriester^). 1405 geloben die Grafen von Montfort-
Bregenz und -Tettnang mit den Grafen von Werdenberg und Sar-
gans eidlich, den Bischof Hartmann von Ghur nicht zu unterstützen,
wenn dieser die dem Herzog Friedrich geschworene Urfehde bräche').
In demselben Jahre quittiert Hugo dem Herzog Leopold 200 fl^
welche ihm dieser für Salzlieferungen aus dem Haller Phannhause
schuldig geworden war*). Im August 1406 schwört der Pfiarrer
Stephan zu Valkenstein, gewesener Kanzler Herzog Friedrichs, der
durch den Bischof von Brixen (Ulrich), durch den Grafen Hugo
von Montfort-Bregenz und andere beim Herzog in Ungnade ge-
kommen, alleij diesen Urfehde*'*). Im Oktober 1407 vergleicht sich
Hugo von Montfort mit dem Abte Erhart zu Newnperg wegen
eines Lehens, da Peter am Hoff auff gesessen ist^). 1408 be-
lehnt er Änna^ Hannsen Pfrsters selig weih^ mit dem Gute an
der Steig ^. 1410 stellt er einen Willbrief aus über die von Ul-
rich Jäger im Jahre 1405 zu Seckau mit Lehengütern Hugo's ge-
machte geistliche Stiftung®). — Grössere Wichtigkeit als die ange-
führten Angelegenheiten besitzen zwei andere, die eine in Vorarl-
berg, die andere im Steierlande.
Friedrich von Toggenburg sollte — wir wir gehört — an Hugo
4000 fl., das Heiratsgut für seine Schwester dementia, auszahlen.
Aber 1403 war dasselbe noch nicht geschehen; denn als in diesem
») Notizenblatt IX, 255, Nr. 310.
•) Muchar VII, 84. — 1428 wurde diese Stiftung von Anna v. Neuhaus
für Hugo's Seelenheil mit einigen Gütern wieder aufgebessert. Die Ur-
kunde im k. bair. Reichsarchiv (Signatur : Montfort, gräfliche Familie) Fase. XX.
5)' Innsbr. Schatzarchiv IV, 612.
*) Innsbr. Schatzarchiv II, Nr. 82.
^) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 319.
•) Steiermark. Landesarchiv Nr. 4323.
"*) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 475.
«) Muchar VII, 113.
Wackerneil, Montfort, \
TLXn
Jahre der Toggenburger mit Herzog Friedrich abrechnete, übernahm
letzterer die Verpflichtnngy die besagte Schuld an Hugo von Mont-
fort innerhalb Jahresfrist zu begleichen ^). Damit hatte sich freilich
Hugo*s Aussicht, zu seinem lang entbehrten Eigentum zu kommen,
nicht viel gebessert, da die Herzoge von Gestenreich damals selbst
dutch die bestandigen Kriege, durch die unaufhörlichen neuen An-
käufe und durch die gesteigerten Yerwaltungskosten in eine grosse
Schuldenlast geraten waren. 1404 wurden zwar die Zinsen an
Hugo gezahlt, der Schuldbrief jedoch blieb ungetilgt, und Herzog
Friedrich versprach am 12. August dem Toggenburger neuerdings,
die Zahlung innerhalb Jahresfrist zu leisten^). Aber 1405 und
1406 gieng es wie 1404 nur mit dem Unterschiede, dass in diesen
beiden Jahren auch nicht einmal die Zinsen gezahlt wurden und
die Schuld in Folge dessen immer mehr anwuchs, während andrer-
seits die Herzoge sich neuerdings beim Toggenburger um 3000 /.,
die dieser auegeben hat auf Krieg wider die Appenzeller^ ver-
schuldeten^)
Selbst noch im Jahre 1408 hatten die Oesterreicher weder
die alte Schuld an Hugo von Montfort noch weniger dem Toggen-
burger die neue vom Appenzellerkri^e gezahlt^}. Da scheint Hagen
endlich die Geduld ausgegangen zu sein; denn ^lie grossen Kosten
der 'llberstandenen Kriege in beiden Länderteilen, die leichtsinnige
Versetzung seiner Güter von Seite Wilhelms hatten auch seine
Kassen erschöpft, so dass er zu einem von ihm sonst nie gebrauch-
ten Auskunftsmittel greifen musste, indem er Ende 1408 das
Schloss Schaumberg an die Lindauer Bürger Konrad und Lenz
Sieber verkaufte^) : er unterstützte nun seine Forderungen mit Gre-
walt und besetzte eine Burg seines unverbesserlichen Schuldigers, des
Gfh. Friedrich von Toggenburg. Das geht aus einem Briefe hervor.
^) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 260.
*) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 228; Reg. aach bei Lichnowsky
zn y, 717^ (Nachtrag), aber falsch datiert.
*) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 344.
^) Vgl. k. k. geheimes Haus- Hof- und Staatsarchiv Rep. H (Reg
auch bei Lichnowsky zu Y, 1059), dazu den Gegenbrief und den Versatzbrief
ebenda. Um wenigstens den Toggenburger vorläufig zu stillen, verpfändeten
ihm die Herzoge Sargans und versprachen, ihm noch 1000 fl. als Vergütung
für erlittenen Schaden auf die frühere Schuld zu schlagen.
^) Yanötti pag. 183; aber nicht auch Sonnenberg. Vgl. Bergmann, Sitz.
Ber. IX, 622.
txvn
deq Herzog Friedrich Beginn 1409 dem Toggenbarger gab, worin
«r neuerdings versprach: unib die 4000 ß, hauhtgut suüen unr
in (den Friedrich von Toggenburg) gegen den Orafen Hawgen
von Montfort mit sampt den zins^ so davon au/stet und umb
cMen redlichen schaden und hosten^ so von laistung od ander
redlich nmd kinüicher wegen darauf ist gangen ^), entledigen und
abtragen in söUcher mass, daz der egenant Qraf Hawg
ain benügen daran gewünnund die Burg von scha-
den entledige an geverd^). Hngo*s Ernst hatte Eindmok
gemacht: am 21. Januar 1409 verpfändet Herzog Friedrich zu
Feldkirch seinem Kanzler, Bischof Ulrich von Brixen, Friedrich
von Toggenburg, dem Ritter Markart von Emptz, Walther Hauen
und einigen anders den Zoll zu Feldkirch Tür 1500 ^ Qaller, die
sie für ihn sogleich an den Grafen Hawg von Montfort
entrichten^), und bereits am 23. Januar d. Js. bestätigt Fried-
rich von Toggenburg, dass ihm der Herzog seine Schuld bei Hugo
von Montfort mitsammt den Zinsen und Schäden gezahlt^), und
verzichtet in einer weiteren Urkunde^) auf den Ersatz der Schäden,
welche er selbst durch Leistung, Botenlohn, Zehrung u. dgl. dabei
genommen habe. Damit hatte sich diese langwierige Geschichte
glücklicher Weise noch in gutem Frieden abgewickelt, denn hier
war fOr Hugo grosse Gefahr vorhanden gewesen, die Schuld oder die
Freunde zu verlieren. Bald nennt ihn der Herzog wieder — was in
den letztem Urkanden nicht mehr der Fall war — seinen lieben
Oheim und der von Toggenburg seinen lieben pruoder.
Nicht so glatt verlief die Angelegenheit in Seiermark, wo
Hugo mit dem bekannten Raufbold Bernhard von Losenstein in
eine gefährliche Fehde ^j geraten war. Die Losensteiner standen
') Wie sich aus eiper anderen ^H^kande vom 23. Januar ergibt (k. ,k.
geh. Hans- Hof- und Sjkaatsarchiv Rep. XXIY, Beg. auch bei Lichnowsky zu
y, Nr. 1070), erreichten die Zinsen und Kosten die Höhe von 1250 fl.
*) Innsbr. Lehenarchiv, Copialbuch I, 344.
f).E.. k. geh. Hans- Hof- ,und Staatsarchiv Rep. I, Beg. bei Lieh-
Bowiky zu y, Nr. 1069.
^) Laut Urkunde im Innsbr. StatthaltereiarchiTO Nr. 2598.
^) K. k. geh. Hans- Hof- ,9j;^ JS^atsarchiv Bep. XXiy, Beg. bei
Lichnowsky zu y, Nr. 1070.
*) ^Grayes lites^ sagt C&sar Afi^il. in seinen Annal. Duc. Styriae,
Tom. H, 658.
Lxvm
mit den Stadeckern in nebensächlicher Verwandtschaft^). Das ge-
nügte dem händel- und habsüchtigen Bernhard von den Erben
Johanns von Stadeck neben dem ihm gebührenden Lehensanteil an
Freundsberg anch die Stadecker Güter auf dem Aigen bei Graz zu
beanspruchen. Solchen Anforderangen konnten die Montforter un-
möglich nachgeben. Wann die Fehde begann, ist nicht nachzu-
weisen, jedenfalls nicht zu lange nach der Besitznahme der Stadeck-
schen Güter durch die neuen Erben. Die Montforter erhoben auf
gesetzlichem Wege, vor der Schranne des Landesgerichtes in Graz,
ihre Klage, wo der ungerechte Ruhestörer abgewiesen wurde^).
Allein der Losensteiner gab seinen Plan nicht auf, sondern versuchte
sogar mit Waffengewalt zu erlangen, was ihm der Rechtsspruch
versagt hatte, und schickte an Hugo von Montfort den Absagebrief.
Um einer blutigen Fehde vorzubeugen nahm Herzog Ernst die
Angelegenheit in seine Hand, gebot dem Losensteiner Frieden und
lud ihn am 22. April 1410 auf die nächsten Pfingstfeiertage vor
sein Gericht nach Wien^). Ohne Zweifel fiel auch hier die Ent-
scheidung zu Gunsten Hugo*s aus, der darauf, wie es üblich war, den
Absagebrief zurückschickte. Allein der Losensteiner hatte die
Händel nicht deswegen angefangen, um sich vom Herzoge noch
einmal wiederholen zu lassen, was ihm schon vor der Landes-
sohranne gesagt worden war, dass er nämlich im Unrechte sei,
nach Hause gehen und Ruhe geben solle: er beharrte nach wie
vor in drohender Stellung und suchte die Montforter zu schädigen,
so dass ihn Herzog Ernst 1412 neuerdings durch ein Schreiben
zurechtwies ^) , welches der Losensteiner aber gar nicht be-
antwortete und nicht weiter beachtete. Als Hugo davon Kunde
erhielt, schrieb er am 26. August 1413 von Graz aus an den
bösen Verwandten einen Brief, der die ganze perfide Haltung seines
Widersachers klar legt: da nun der hochgebom fürst hertzog
EmsU 'mein gnediger lieher herr^ mit mir rett, er wolt dein
gewaltig in der sack aein^ und das ich die sach av^h ahUess
1) Anna, die Schwester Bernhardts ron Lesens tein, war mit dem Sohne
der Elisabeth Ton Stadeck, mit Burkart von Winden, vermählt. Vgl. Wein-
hold (der Minnesänger von Stadeck) Sitz. Ber. XXXY, 171.
*) Vgl. Weinhold (der Minnes. von Stadeck) p. 179.
^ Steiermark. Landesarchiv Nr. 4417a-
^) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 820.
^ Bezieht sich anf die Yorladnng und Entscheidung des Herzogs Tom
LXIX
von deiner absag wegen^ die du mir getcm hetteeU das tet ich
also und gab darauf den äbsagbrief^ den du mir gesandt hettest^
kern Sannsen von Winden und waiss nicht anders^ wann das
dir den her Hanns wider geben haib. I^amach langt mich an
in lanimärweyse^ du soltist noch Unwillen gen mir haben und
mein schaden trachten, des ich nicht glauben wolt und noch nit
glauben wilj du lassest mich es dann vor wissen , und bracht
doch die sa^h also an meinen gnedigen herren herzog Ernsten
ete^ der hat dir dwrumb verschriben, als man mir gesagt Aa^
dem habest du chain antwurt darüber geben, da las in ich ver"
schriben wissen an dHnem brief by dem mein potten, wes ich
mich zu dir versehn suUe^). Hier brechen für uns die Spuren
dieses Streites ab, und wir wissen nicht, ob man den Uebeltäter
zu Paaren trieb, oder ob er endlich selbst zur Einsicht kam, dass
es besser sei, von seinen ungerechten Ansprüchen abzulassen; ge-
wiss ist nur, dass er nichts erreichte und Hugo sein Eigentum
behauptete. -
Damit sind wir über die drangsalvollste Zeit in Hugo*s poli-
tischem Leben hinausgekommen. Besondern Kriegsruhm hat er nicht
gesammelt, vor Laa wenigstens sorgte schon die Unfähigkeit des
Oherfeldherren, des Erzbischofs von Freisingen, redlich dafür*), dass
solches nicht geschehen konnte ; im ganzen aber hat er seine Pflich-
ten treu und mannhaft erfüllt und seinem Hause die bedrohten
Besitzungen vor den offenen und heimtückischen Feinden in ihrem
vollen Umfange gerettet.
Ueber die Herzensangelegenheiten und das Familienleben des
Dichters in dieser letzten Periode erfahren wir weniger als in den
beiden vorausgegangenen, denn die Gedichte lassen zwischen 1402
(Nr. 34, 35 und 36) und c. 1414 (Nr. 37 und 38) eine klaffende
Lücke — begreiflich: das war keine Zeit gewesen zam Verse-
machen ! Die Ehe mit Anna von Neuhaus war wieder sehr glück-
lich: sie wirkte verjüngend auf den Dichter und brachte ihm wie
einst dementia neue Tatkraft und ßrischen Lebensmut, so dass er
noch mit 57 Jahren aaf dem Rücken (38, 141) und unter grauen
Jahre 1410: Hugo recapituliert hier die einzelnen Stadien des Streites, die
wir oben ans Urkunden constatierten.
*) Steiermark. Landesarchiv Xr. 4533^'
') Vgl. Kurz, Albrecht II, I Bd., p. 57.
LXX
Haaren (37, 40) glaubte, «r Jiab noeh vil der jugeni (38, 8).
Er preist die Tugendeti und Güte seiner Gemahlin, dber dass sie
vorzügliche körperliche Schönheit besessen, hebt er nicht hervor,
wie er es bei dementia getan. 27, 187 ff. hatte Hugo den Tod Cle-
mentia*s als eine Fügung Gottes hingenommen, so betrachtet mx
jetzt auch die Freuden dieser neuen Ehe als ein göttliches Geschenk,
für das er danken muss (34, 5 ff). Am 4. Oktober 1413 gebar
ihm Anna einen Sohn, der den Namen Stephan erhielt*). Vielleicht
/ hat dieses glückliche Ereignis ihn, der zwar nicht mehr dichten
sollte (38,97), begeistert, seiner Frau eine TagWeise-(Nr. 37) and
eine Rede (Nr. 38) zu machen. Sie bilden den Schks& von Hugo's
Gedichten. Ob Vorsatz, ob Bewusstsein der gesunkenen Dichier-
kraft (31, 216) oder die Lasten der Geschäfte ihn an der ferne-
ren Production hinderten, wer könnte das mit Sicherheit sagen?
Jedenfalls aber haben die letzteren einen Teil der Schuld daran
getragen; denn schon 31, 112; 3ö, 21 hat sie der Dichter selbst
als ein solches Hindernis bezeichnet, und nun werden sie sich be-
deutend vermehrt haben, seit er das höchste politische Amt im
Herzogtum Steiermark bekleidete, wie wir nachzuweisen vermögen.
Das steiermärkische Landesarchiv verwahrt eine , Landes-
hauptmanns-Chronik* 2), welche Fol. 57 die Notiz bietet: Oraf
Haug von Montfort^ herre zu Bregentz, hayptmann in Steyer
anno 1413, Dasselbe ist auch urkundlich bezeugt. Schon in dem
oben angeführten Schreiben an Bernhard von Losenstein (26. Au-
gust 1413) nennt sich Hugo hauptmann in Steyer. Am 22. Juli
1414 bestätigt Herzog Ernst alle Handfesten und Freiheiten des
Marktes Mürzzuschlag und beauftragt seinen Landeshaupt-
mann in Steier, den Grafen Haug vonMontfort, diese
Bestätigung kräftigst zu handhaben^). Am 22. April 1415 spricht
Herzog Ernst über die Raubritter Riegel, Leopold und Albrecht
von Trackenberg die Acht aus vor den Herren: Graf Haug
von Montfort, Hauptmann in Steier, Abt Rudolf von
St. Lambrecht, Rudiger, Pfarrer zu Brück a. d, Mur, Jörg Hagen-
reiter, Pfarrer zu Laibach, Hartnid von Rattendorf, Hans von
*) Nach Vanotti, Tabelle C.
') Papierhandschrift aus der Wende des 16. bis 17. Jahrhunderts. Vgl.
Emil Kümmel in den Beiträgen zur Kunde steierm. Geschichtsquellen XY,
67—73.
9 Jkfnchar VII, 130.
LXXI
Eberstorf, Leopold von Kreig, Friedrich von Fladnitz, Hofmeister^).
Von 1413 — 1415 also war Hugo Landesliaaptmann in Steier*
mark^) und als solcher zugleich Bat d^s Landesfürsten und in
dessen Abwesenheit aach Statthalter, wie er andrerseits den
Vorsitz im Landesgerichte führte und die herzoglichen Verord-
nungen zu vollstrecken hatte. Neben den angeführten geben noch
einige andere erhaltene Urkunden fragmentarische Hinweise auf
diese vielseitige Tätigkeit. Am 22. Januar 1414 erteilt Herzog
Ernst dem Landeshauptmann in Steier, dessen Stellvertreter und
allen Obrigkeiten den Auftrag, das Stift Admont, das durch den
Richter von Marburg arg beschädigt worden, auf allen seinen Be-
sitzungen in Eigentum und Rechten zu beschirmen^). Nach Grusii
Annal. Suev. dod. tert. 388 erschien Hugo in diesem Jahre auch
auf dem Gonstanzer Goncil^), vielleicht als Stellvertreter Herzog
Emst*s, der später selbst dahin kam. Am 7. Februar 1415 entschei-
det Hugo zu Graz als Landeshauptmann von Steier den langwierigen
Streit und die blutige Fehde zwischen den Lichtensteinem und
Stubenbergem^). Am 4. Februar 1415 ernennt Herzog Ernst den
Bischof von Seckau, Sigmar von Hollneck, zu seinem Kaplan^); die-
selbe Gunst erweist er am 5. Februar d. Js. dem Probst Ulrich
von Seckau, nimmt das ganze Stift in seine besondere Huld und
Gnade und befiehlt dem Grafen Hugo von Montfort, Landeshaupt-
mann in Steier, die Chorherren auf Seckau in allen ihren Rechten
und Freiheiten zu schützen^. Am SO. October d. Js. ernennt
,E}rzherzog' Ernst den Abt von Rein zu seinem Rat und Kaplan
und beauftragt seinen gegenwüriigm haubtmann in Sieir^ dm
liehen oheim Hugo von Montfort^ sich da/mach zu halten^).
Dieses Triennium zeigt unsern Dichter auf dem Höhepunkte
seiner politischen Laufbahn; damals wird er auch die Insignie des
*) Mnchar VII, 133; Hugo steht nun auch den geistlichen Herren und
den übrigen Hofbeamten voran.
*) Er war es aber auch nicht länger; denn nach Muehar VII, 135 er-
scheint 1416 schon Rudolf von Lichtenstein in dieser Würde.
3) Muehar VH, 129.
^) Ygl. Uhland, gesammelte Schriften II, 211.
S) Notizenblatt IX, pag. 298, Nr. 358; Muehar VII, 135, aber falsch dat.
•) Nach Lichnowsky, Beg. zu V, Nr. 1516.
7) Muehar (VII, 132) hat beide Urkunden in eine zusammengezogen.
') Steiermark. Landesarchir (Nachtrag).
Lxxn
österreichischen Drachenordeas erhalten haben ^). Er stand vor der
Schwelle der Sechziger; vieles war über ihn hingegangen, seine
Haare waren grau geworden und jene Jahre der abnehmenden Kraft
nnd des Niederganges gekommen, die einem nicht mehr gefallen.
Nunmehr verengt sich der Kreis seines Wirkens : er zieht sich von
den öffentlichen Aemtern und Angelegenheiten zurück, trotzdem
wir ihn hier gerade jetzt tätiger als je erwartet hätten; denn in
Böhmen erhoben sich die blutigen Religionskämpfe gegen die Hussiten,
welche die österreichischen Herzoge raitfochten ; in Tirol und Schwa-
ben entbrannte der verhängnisvolle Krieg König Sigmunds und seiner
Anhänger gegen Herzog Friedrich mit der leeren Tasche, in dem
alle bedeutenderen Herren dieser Gegenden Partei nahmen, Hugo's
Sangesgenosse Oswald von Wolkenstein und Hugo's nächster Ver-
wandte Wilhelm von Montfort-Bregenz eine hervorragende Rolle
spielten. Doch unsern Dichter, der bisher selten in solchen Krie-
gen der österreichischen Herzoge gefehlt hatte, suchen wir ver-
gebens. Nur noch ein einzigesmal sehen wir ihn in einem fremden
Streite friedenstiftend auftreten: am 11. August 1418 entscheidet
er in Gemeinschaft mit Hermann von Cilli und Bernhard von Pet-
tau einen Streit zwischen Hans von Eberstorf und seiner Schwester
Barbara einerseits mit Hans von Winden andrerseits^). Doch auf
seinen Gütern und in der Sorge für sein Haus können wir seine
Wirksamkeit verfolgen bis zu seinem Tode.
Wie das Urbar ausweist, hat Hugo seine Besitzungen, abge-
sehen von dem Zuwachse der Stadecker Herrschaft, bedeutend ver-
mehrt. So kaufte er Güter von dem HoUnekker^ den Tewffen-
bacherriy den Krottendorffem, löste andere von den Mewtern
von Losenstain^) und erhielt von Herzog Ernst die Stadt Fürsten-
feld u. a. verpfändet*). Am 26. Januar 1418 kaufte er Güter und
Gülten im Dorfe Rauchenwart, die Eigentum der Hofkapelle zu
^) Dass Hugo diesen Orden besass, bezeugt das Wappen in der Hand-
schrift seiner Gdichte : Tom Helm hängt an goldener Kette ein goldener Drache,
der sich in den Schwanz beisst. Dass dies nicht das Abzeichen der preussi-
sehen EidechsengeseUschaft (vgl. Weinhold in den Mitt. p. 131), sondern das
des österreichischen Drachenordens ist, steht nach den Auseinandersetzungen
K. ▼. Sava's (im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1857, pag. 291 ff.)
ausser Zweifel. Ich verdanke den Hinweis auf Sava einer gütigen Mitteilung
Prof. Weinholds. «) Notizenblatt IX, p. 302, Nr. 373.
8) Vgl. Urbar 120 f., 159 f., 160 ff.
*) Muchar VII, 246.
Lxxm
Wien gewesen waren ^), während er sohon früher Neuburg in Chur-
walchen als Pfand von Oesterreich erhalten hatte^). Diesen be-
deutenden Erwerbungen gegenüber fällt der Verkauf einiger kleine-
ren Güter zu Rinnberg an Wolfgang von Wurmbrand ^) nicht
in die Wagschale, ebenso wenig wie ein paar Vergabungen an
Kirchen, die Hogo jetzt zur Wohlfahrt seiner Seele machte: 1422
stiftet er in der Frauenkapelle zn Riedern eine ewige Messe mit
einem Kaplan^) und gründet am 3. Mai d. Js. mit seinem Sohne
Stephan auf dem Hirschberge südlich von Möggers zu Ehren St.
Johannes des Täufers ein Frauenkloster Dominikanerordens^). Viel-
&ch belegt sind ausserdem Belehnungsacte Hugo*s: so belehnt er
am 23. August 1415 Burgkardten von Lochen mit der Feste
Reitenau^); am 19. Februar 1416 den lek Gesell gesessen ze
Hütä mit des alten FüglVs guot"^); am 7. December 1417
Haintzen GSch mit einem walderb^); in demselben Jahre auch
Hanni Hartmann mit ehern und Twfstetten auf Riedenfeld^
bei Steinberch und Murach^); den Niklas Hundsheimer in der
Rorau über sechs Pfund Gülts zu Scharndorf*^). 1418 erteilt er
Lehen an Konrad den Wildungsmaurer * *), an Claus und Hans
Ebenhoch ^2), 1422 an die Lindauer Bürger Kunz, Lenz und Os-
wald Siber^^). In demselben Jahre überlässt er Kaiharinen, Han-
sen Krottendorffers selig Tochter, die Lehen ihres Vaters ^^).
1418 gibt er dem Ernst Frewssinger^^), 1419 dem Hertel
Lembsmtzer^% 1422 dem Melchior von Teufenbach^^) die Er-
») Vanotti p. 496, Nr. 182.
*) Dasselbe wird auch im Burgfrieden Ton 1415 ausdrücklich als pfa/nd
von Oesterreieh angeführt.
8) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 823.
*) Innsbrucker Schatzarchiy IV, 703.
') Bergmann, Landeskunde von Vorarlberg p. 33.
*) Innsbrucker Lehenarchiv, Copialbuch I, 463.
^ Innsbrucker Statthaltereiarchiv.
^) Innsbrucker dtatthaltereiarchiv.
•) Innsbrucker Schatz archiv IV, 689.
*") Bergmann, Sitz. Ber. IX, 822.
**) Bergmann, Sitz. Ber. IX, 860, Urkunde L; aber 11., nicht 10. Mai.
**) Innsbrucker Lehenarchiv, Copialbuch I, 475.
*•) Hohenemser Archiv.
*^) Steiermark. Landesarchir Nr. 4901a.
") Steiermark. Landesarchiv Nr. 4699. ") Ibid. Nr. 4759.
*') Brandrs Urkundenbuch der Teufenbacher p. 197, ^x. Vi^,
LXXIV
laubuis, die von ihm erhaltenea Lehen aa andere zu verhandeln,
während er hinwider sich selbst 1421 vom Abt zu Kempten,
Friedrich von Laubenberg, neuerdings mit der Feste Hoheneck im
Algau belehnen lässt*).
Nahezu ein halbes Jahrhundert haben wir nun seine Wirk-
samkeit nach allen Seiten hin verfolgt, aber auf diesem ganzen
weiten Weg kein einziges Anzeichen gefunden, dass er, jemals von
seiner Strafgewalt in aussergewöhnlicher Weise gegen ungehorsame
Untertanen Gebrauch machen musste, wozu er jetzt wiederholt ge-
zwungen ward. Von den Lehensmannen auf Schloss Krems hatte
der Graf keinerlei Abgaben gefordert, damit H aalten dinstlich
sitzen mit harnasch vnd hengaten^ wenn ma/n ir bedörffte zuo
der Veste oder in der Veste; das si aber nicht geton häben^
noch getun mochten^ und sazzen ah wnder holden vnwerleich^
und darumb und davon haben wir in zina auf die gueter
geslagen^). Am 24. Juni 1416 bezeugt Mert von Lauterwein
urkundlich seine Widersässigkeit und seinen Ungehorsam, weswegen
ihn Hugo's Pfleger Walther von Zwingen auf der Feste Chrani-
perg in vankknuz genamen^ daz ich wol verachult hob. Als ihn
dann frum lewt cms derselben vankknuz gepeten^ stellt er einen
Urfehdebrief aus, sich nie mehr mit Worten oder Werken seinem
gnädigen Herren Hugo vonMontfort ungehorsam zu erzeigen^). Noch
viel schlimmere Dinge aber werden von den Bregenzern gemeldet.
Im November 1415 kamen Vertreter der Stadt zu ihren Herren
Hugo und Wilhelm und brachten die Klage vor, das man daz
gericht und den amman amächt und in in ir aid und ürtail
redt Darüber gerät Hugo in grossen unwellen^ den er in einer
Malefizordnung ausspricht, welche er mit Wilhelm erlässt: wer die
gewesen sind, die sich solches zu Schulden kommen liessen —
steht da zu lesen -^ die sollen an den Buw der atatt vervallen
sin lOU dn all gnad; zahlt aber ein solcher Uebeltäter die Strat-
summe nicht, so soll er umb ain fuoss an sinem Hb komen sin,
den wir im ouch schaffen sollen abzeslahen von sinem Hb dn
all gnad^). Wer ferner den vom Ammann in einem Streite zwi-
0 Innsbrucker Schatzarchiy IV, 718. Schon 1418 hatte Hugo (laut Inns-
brucker Schatzarchiv IV, 717) die Vogtei über Hoheneck inne.
^) Urbar (späterer Nachtrag ron anderer Hand) Fol. 73.
3) Steiermark. Landesarchiv Nr. 4632.
^ Dieses Urteil, das unser heutiges Gefühl empOrt, ist nicht auf
LXXV
sehen zweien oder ludireren gebotenen Friedea bräche und diesem
wide^prieht, def soll mit 50^ bestraft werden oder, wenn er nicht
zahlt, seinem Herren mit Leib und Gut verfallen sein, der ihn be-
handeln wird wie einen Todtschläger^).
Diese Dinge mochten den vielgeprüften Mann sehr kränken;
aber was folgte, war nicht tröstlicher. Hugo hatte seit jeher das,
was seine Vorfahren an den Ratid des Verderbens gebracht,
sorglich gemieden: den Streit mit den nächsten Verwandten, der
nun noch in seinen alten Tagen über ihn hereinbrach. Wilhelm
von Montfort hatte nur eine einzige Tochter Elisabeth, welche mit
dem Grafen Ebw^hard von Nellenburg^) verehelicht war. Da seine
Besitzungen Reiohslehen waren, fielen sie nach seinem Tode an
die männliche» Nachkommen des andern Zweiges, an Hugo und
dessen Söhne. Wilhelm wollte das hindern und gegen Gewohn-
heit und Recht seine Güter auf Elisabeth vererben. Er machte
grosse Anstrengungen bei Kaiser und Reich und setzte seine
Absichten durch; dena er hatte sich in den Kriegen der letzteren
Jahre auf mancherlei Weise um die deutsche Krone verdient ge-
macht^). Da die Montforter des andern Zweiges dagegen prote-
stierten, 'kam es zur Waffengewalt. Ueber den Verlauf dieses
Kampfes bleiben wir im Dunkeln; doch ist es bei Wilhelms ver-
wegener Art wahrscheinlich, dass er Hugo*s Teil von Bregenz über-
rumpelte und besetzte, um diesen so zur Anerkennung der weib-
lichen Erbfolge zu zwingen. Darauf weist besonders die Tatsache,
dass Wilhelm bei seinem Tode, der ihn noch während dieser Fehde
(am 6. März 1422) ereilte, in unrechtmässigem Besitze desselben
war, wie die grosse Friedensurkunde vom 27. März 1422^) be-
sagt. In derselben erscheint ein Schiedsgericht von 7 Richtern:
Rechnung von Hugo*s Grausamkeit, sondern des damaligen unmonschlicben
StrafTerfahrens überhaupt zu setzen. Solche Dinge begegnen nicht selten. So
liess z. B. Herzog Friedrich einige Jahre vor diesem Ausspruche Hugo's dem
Züricher Bürger Burkard Slatter die Augen ausstechen, die Zunge ausschnei-
den und dann sein Gut nehmen. Vgl. Lichnowsky, Reg. zu V, Nr. 1342.
') Grosse Originalurkunde im Innsbr. Statthaltereiarchive. Dt. Bregenz.
*) Dieser starb 1 420 und hinterliess eine Tochter Kunigunde , die sich
mit Johann you Lupfen vermählte.
') In dem Streite K. Sigmunds mit Herzog Friedrich stand er auf Seite
des erstem; aber nach der Begnadigung Friedrichs trat er zu diesem in ein
nlberes YerhAltnis.
^) im Innsbraoker StatthaltereiarchiTe. Dt. RaTea^bwi^.
LXXVI
Hans Cunrat von Bödmen^ Uenhart von Jüngingen^ Caspa/r von
Klingenberg und an ihrer Spitze Johannes Truchsesa zu Wal'
purg^ Reichslandvogt in Schwaben, als Schiedsleute des grau ff
Hugen von Montfort^ herre zuo Bregentz und zuo P/annenherg^ —
und Wolf vom Stain^ Cunrat von Haimenhofen und Töllentzer
von Shellenberg als Schiedsleute Hugo's von Montfort - Bregenz,
des Johannitermeisters in Tüfschen landen^ als Bruder, und der
Elisabeth von Neuenbürg, als Tochter des verstorbenen Wilhelm
von Montfort-Bregenz. Beide Parteien geloben vor dem Schieds-
sprüche mit schweren Eiden zuo got und zuo den haiügen mit
uff geholten vingern^ das getrüwlich^ waur^ vest und stete zu halten,
was da entschieden werden wird, damit so alle zwayung^ stösse
und Unwillen^ die sich erhebt haund und uff er standen sind zwi-
schen grauff Hugen und grauff Wilhelmen — dem got barmhertzig
sy — von der herrschaft^ lüte und guot wegen zuo Bregentz*
abgetan seien und dafür ein gantzer, luterer suon gesetzt werde.
Es wird nun von allen Siben ainhellenglich entschieden: Hugo^
der Maister, und sins bruoder grauff Wilhalms selige tochter
müssen dem Pfannberger sinen tail an der bürg und statt tmd
an der gantzen herrschaft zuo Bregentz mit lüten und guoten^
es sy in der statt oder uff dem lande^ ah jm die denn zuo
getailt worden ist nach uszwisung der tailbrieff^ dne verzug
ivider in geben und zuo sinen handen in antwurten dne andern
intrag ungeverlich Ferner sollen alle Untertanen Hugo's, des
Pfannbergers, welche entweder Wilhelmen oder seinem Bruder, dem
Meister, oder beiden gehuldigt und geschworen haben, ohne allen
Verzug ihres Eides erlassen und verhalten werden, zu ihrem recht-
mässigen Herren zurückzukehren. Desgleichen soll alles andere,
was dem Pfannberger genommen worden, es wer kost, gezüg, hnsz-
raut oder anders^ demselben wieder Zurückgegeben werden. Die
weitern Bestimmungen behandeln das jus retractus und den Burg-
frieden.
Daraus erhellt zweifellos, dass Wilhelm sich unrechtmässiger
Weise des andern Teiles von Bregenz bemächtigt und Hugo's Leute
veranlasst, ja vielleicht gezwungen hatte, ihm den Treueid zu lei-
sten ; denn in einer weitern Clausel dieser Urkunde wirf noch her-
vorgehoben, dasz der grauff Hug von Pfwnnenberg^ sin erben
und nachkommen die armen lüte^ die im zuo gehören, es sy
j^uo ^re^entjg in der statt oder uff dem lande, der Verhandlung e^
Lxxvn
so sich »ao Bregentz verloffen hantj nit enfgepen lausaen^ sunder
sy gnediglichen halten sol als ander sin armen lüte aun all
geverde. Es wurde also der Status quo ante bellum wieder her-
gestellt, aber Elisabeth beerbte ihren Vater.
Das Zeugnis, dass beide Teile die Entscheidung anerkannt
haben, gibt eine zweite Urkunde desselben Tages ^), worin Hugo
von Pfannenberg, Hugo, der Maister, und Elisabeth den Burgfrieden
von 1405, der am 3. September 1415^) erneuert worden war,
wieder aufnahmen und auf die Dauer von 20 Jahren ausdehnten.
Zu diesem einen Streite kam noch ein zweiter mit dem Stifte
Rein über Wäldergrenzen am Hirscheck,' der erst nach Hugo's
Tode auf Herzog Ernst's Befehl durch den Hauptmann von Steier,
Ulrich Schenk von Osterwitz, entschieden wurde ^). Aber damit
noch nicht genug: 1419 wurde Hugo's ältester Sohn Ulrich in
der Vollkraft der Jahre und bald darauf sein Enkel, Stephan der
jüngere, noch im Kindesalter vom Tode hinweggenommen*).
Das waren also lauter trübe Nachrichten aus Hugo*s letzter
Lebenszeit. Leid war die Grundfarbe seines Lebens gewesen, das
hat er uns selbst gesagt; vermehrtes Leid verdüsterte die letzten
Tage seines Alters* Und ^ wenn er am Rande des Grabes, besorgt
für die Zukunft der beiden unmündigen Träger seines Geschlechts,
die er allein zurückliess, den Blick in die Zeiten lenkte, die da
kommen würden, so konnte sich ihm nur ein düsteres Bild auftun,
ja vielleicht mochte ihn schon die Ahnung beschleichen, dass der
Glanz und die Bedeutung seines Hauses einem raschen Untergange
nahe sei; denn damals wurde im Tirolerlande diesseits des Arlberges
vom Herzoge und den Landständen die Macht des Adels gebrochen,
in Vorarlberg selbst bereiteten sich neue Bündnisse vor, die ihren
Schwerpunkt in den Gemeinden hatten, während hinter ihnen die
Schweizer wieder ihre Schwerter wetzten : kurz, es erhob sich da-
mals eine Reihe untrüglicher Anzeichen, dass es mit der
Adelsherrschaft überhaupt alsbald vorüber sein
werde für immerdar!
*) Bei Bergmann, Sitz. Ber. IX, 853, Urkunde N.
*) Die Urkunde beiYanotti pag. 585, Nr. 38; aber nicht vom 6. Sep'pmber.
») Muchar Vn. 168.
^) So blieb aus der Ehe Ulrichs mit Guta nur ein noch unmündiger
Sohn Hermann, welcher, da Hugo's Sohn, Stephan der ältere, 1437 nnvermählt
starb, allein das Geschlecht der Montfort-Brogenz-Pfannbergcr {ott^^twvVLV^.
Lxxvm
Mit diesen Misstönen verklingt die Geschichte von Hugo's
Leben. Er starb am 4. April 1423 und wurde in der Kirohe
der Minoriten zu Brück an der Mur begraben^).
Noch lange gedachte man mit rühmlicher Anerkennung des
Gründers der neuen Montforter Linie von Bregenz-Pfann-
berg. Am 18- Mai 1426 schenkt Kaiser Sigmund in Erinnerung der
Dienste des verstorbenen Grafen Hang von Montfort dessen Sohne
Stephan und dessen Enkel Hermann, die noch nicht rmmtpar sind,
die besondere Gnade, dass sie bis zu ihrer Mündigkeit im Besitze der
vom Keiche und der Krone Ungarn herrührenden Lehen bleiben
dürfen^) Herzog Ernst übernahm selbst die Vormundschaft über
Stephan und Hermann^). Am 20. Juli 1430 erteilt Herzog Al-
brecht V den Grafen Hermann und Stephan von Montfort mehrere
Lehen »um der Dienste willen die dieser Montforter Vordem*
den Oesterreichern geleistet haben ^). Und noch heute nennt das Volk
den G^bhardsberg hinter Bregenz, von dem aus wir im Eingange
dieser Abhandlung den schönsten und bedeutendsten TeSl Vorarlbergs
überblickten, welcher zum grossen Teile Hugo^s Eigentum und der
Schauplatz seiner Tätigkeit gewesen, nach ihm den Pfannenberg,
1) Den Todestag fand Bergmann; Tgl. Sitz. Ber. IX, 824.
') K. bairisches Reichsarchiv Fase. 20.
*) Vgl. Bergmann, Sitz. Ber. IX, 824. Da der Herzog schon 1424
starb, erhielt Graf Hans yon Lupfen, Landgraf zu Stieglingen, die Gerhabschaft
über die beiden Erben Hugo*s laut einpr Urkunde vom 3. März 1425 (im bair.
Reichsarchiy Fase. XX) und einer andern Yom 27. März d. Js. (Hohenemser
Archiv).
^) Lehenbuch Albrechts Y im Notizenblatt IX, 283.
IL HUGO'S PEESÖNLICHKEIT, STIL
UND CHARAKTER
Nach dieser Darstellung von Hugo's Leben, welche die dürf-
tigen Quellen in engen Grenzen hielten, müssen wir das Bild seiner
Persötilichkeit und seines Charakters ergänzen, müssen darzustellen
sncheti, welche Anlage, welche Fähigkeiten, welche Bildung dieser
merkwürdige Mann besessen, und wie er sich zu den geistigen
Strömungen verhalten habe, die seine Zeit durchwogten. Das ist
einer der wichtigsten Teile unserer Aufgabe besonders deswegen,
weil Hugo eines der Endglieder in einer langen historischen Kette,
einer der letzten ritterlichen Sänger des Mittelalters ist. Ihm folgt)
nur Oswald von Wolkenstein und in weiter Ferne noch Fürst
Heinrich von Würtemberg *).
Wir haben uns Hugo vorzustellen als eine mächtige Gestalt
(5, 95), als , einen starken Mann von Blut und Saft*, wie Gervi-
nus sich ausdrückte (G. d. d. D. II 5, 428).
Zu dieser körperlichen Constitution stimmt die gerstige. Hugo
ist ein Mann mit starkem Willen und grosser Tatkraft, heftiger
Leidenschaft fähig. Sein Leben bot Beweise genug. Ihm wird die
üeberzeugung sofort zum G^bot und dieses zur Tat. Wechselt er
seine Anschauung, so geschieht es jäh und bis nahe an das Extrem.
Er geht weit im G^nuss der Jugend und in der Enthaltsamkeit
des Alters, ist überschwänglich in der Freude und im Leid. Jene
*) Von ihm kennen wir nnr drei Gedichte; denn das erste Ton den
Tieren, welche Holland und Keller Tmter seinem Namen ans einem S a m m e 1 -
codex herausgegeben haben, ist wahrscheinlich unecht: Heinrich setzt näm-
lidi seinen Liedern am Schiasse — wie es damals üblich war — den Namen
des Dichters bei, der aber bei Nr. 1 fehlt; dazu treten noch sprachliche
Differenzen herror.
LXXX
Gedichte, wo er in rahiger Heiterkeit, in leidenschaftslosem Lebens-
genüsse erseheint, stehen ganz vereinzelt; meist finden wir ihn in
der Aufregung unverhoffter Freude oder unter dem Drucke tiefen
Schmerzes. Und er mag das selbst gefühlt haben, wenn er 27, 191
den ihn bezeichnenden Ausspruch tat: ietz weinen und denn
lachen das ka/n die blöde menscheit an uns machen.
Diese leidenschaftliche Erregtheit seines Gemütes ist es auch,
die Hugo zum Dichten bringt, die ihn nötigt, den überwältigenden
Gefühlen Luft zu machen. Darum singt er trotz Gewissensangst
(16, 4"v, 18, 193; 24, 105) und Kunstbangigkeit (2, 133; 15,
165), trotz seiner vielen Geschäfte (31, 157) und der harten
Zeitläufe (31, 109); trotzdem er es verredet (31, 106 und 32, 1)
und trotzdem seine ret in straffen ob dieser Zeitversäumnis (31,
112). Daher kommt es auch, dass er so selten blosse Dichtun-
gen macht: ihm tritt stets das Herz auf die Zunge; weitaus in
den meisten Fällen ist er selbst, sind die eigenen Zustände und
Verhältnisse Gegenstand seines Gesanges, ja auch in jenen Pro-
ducten, welchen er eine allgemeinere Fassung zu geben sucht
(z. B. Nr. 15, 27, 28), dringen die persönlichen Momente überall
hervor. Seine Dichtungen sind wahr im eigentlichen Sinne des
Wortes, denn er hat sie gelebt und war sich dessen auch be-
wusst: ich hdn es (das Gedicht) ie darnach gemachen^ als mir
do was ze muot: wem wes das hertz hegerend ist^ det* mund
tuots dikche sagen 31, 135. So stehen denn die Gedichte auch
da, bald fröhlich bald traurig als Zeugnisse, wie die Gefühle zogen
durch seine Brust.
Man kann e rwarten, dass die Leidenschaftlichkeit auch in sei-
ner Darstellungsweise sich bemerkbar machen wird: sie ist unruhig,
sprunghaft und dann wieder überladen; er wird nicht müde, den
Grundgedanken, der ihn bewegt, immer von neuem zu wiederholen
(z. B. Nr. 15), ihn nicht nur einem, sondern mehreren Gedichten
als Thema zu Grunde zu legen (z B. Nr. 10, 12, 13 und die
Reden nach Clementia's Tod). Auch in Einzelnheiten seines Stils
ist sie zu erkennen: von ihr werden die zahlreichen In terj ac-
tio neu und Ausrufe kommen, wie nu dar 5, 223; 18, 101 ; nu
hin 18, 269; o 17, 21; 27, 1; ach 4, 12; ach gott 4, 63 ; 11,
12; 17. 45; y 4, 7; 17, 9; pA^ 24, 79; phuch 2, 64; 24, 79;
0 phuch 29, 40; mordajo 5, 343; o mortjo 5, 201 u. v. a. — von
ihr ä'ie ürberfüUe von Anrufungen, Häufungen, Gradationen,
LXXXI
welche oft nooh mit Asyndeton and Anaphern verbanden sind : trut
hehertri 1, 4; min höchste hünegirme 1, 45 ; min höchster hört
1, 90; 0 liepUch zarf^ du suesse^ mins hertzen fröd und tust
3, 25. ir ir^ ir zucht^ ir sitt 18, 143; nu dar^ min fröd^ min
umnn^ min heil 18, 101; got ist din glükchy din ^r, din guot
22, ö; min gUik^ min heil^ min seiden kind 1, 61 ; min herr^
min vcUer^ min hus^ min ho/ 27, 173, u. auffallend v. a. — von ihr
die starkenHyperbeln und Vergleiohe: min dienst und gruozz
me tusent» stunt^ denn gestüpp ist in der sunnen 6, 1 ; zwar und kern
der Türken her^ ich Hess mirs nieman werren 7, 19; hundert
mil so tuend si zuohin schlichen 38, 24 eto., welche sein Eifer bis
ins unschöne treibt; 32, 56 z. B. sagt er: wer es unternähme, die
Gottheit zu ergründen, wäre ebenso unverständig wie der, welcher
die regens tropfen zählen wollte, die hinfür vollen werden. Der
Vergleich ist gut, aber dem Dichter nicht genug; er will die Un-
möglichkeit noch durch einen starkem dartun und setzt hinzu:
und wie der, welcher die sunnen ml durchstopfen mit einem
Stabe hinuff von der erden, und das ist platt; vgl. ferner 15, 140;
20, 51 ; 22, 39; 27, 17; 30, 36 u. a. — von ihr auch die zahl-
reichen eifervollen Beteurungen mit sicher, sicherlich^ werlich,
fürwahr, an zwifel, mit gantzer wa/rheit, es wer unmügelichj des
glob zwar mir etc. — und kräftigen Schwüre, welche von den Flick-
versen dieser Art wohl zu unterscheiden sind : des getar ich frilich
sweren 35, 16; uf minen eid 3, 19; 18, 18; 27, 27, 135; das
swer ich zwar bi minen truwen 33, 107; das sag ich bi den
eren min 18, 32; des swer ich wol bi minem Hb 37, 53; des
setz ich üch min hopt ze phand 5, 122 etc. — daher endlich die
heftige Art seines Tadels und seiner Polemik. Gegenüber
den beiden schismatischen Päbsten sagt er: der tiefel hat gesellet
werlich sich zuo dem einen 5, 196; von den geizigen Cardinälen : die
blasent iren dien zuo der sach durch gitikeit 5, 213; von den
geschwätzigen und unverschämten Liebhabern: die schreien und
wiehern als esel in dem meien 5, 300; von den Beginen: der
tiefet wird si pinen 29, 148; bei seiner Verteidigung der abso-
luten Willensfreiheit: wer anders redt, der glicht sich einem
äffen 27, 91 u. a.
Das die Momente, welche Hugo's Naturell und Temperament
bestimmen helfen. Suchen wir nun nach seinen Fähigkeiten und
seiner Bildung, soweit sein Leben und seine Dichlww^'fcw K.v\ia\\Ä-
WackeroeJiy Montfort. ^
Lxxxn
punkte dafür bieten» In den Vordergrund tritt sein offener Sinn
f&r die Dinge und Vorgänge der realen Aussenwelt, sein Streben
nach Welt- und Menschenkenntnis, dem er sich schon von froher
Jugend auf mit dem vollen Bewusstsein, darin ein reiches Bildungs-
mittel des Geistes zu finden, hingab. In den spätem Jahren ver-
sichert er dann wiederholt und mit sichtbarer Befriedigung, dass
seine Bemühungen Erfolg hatten: ich hdn die weit gesehen wol
und nicht durch einen acJUiemen 27, 113; ich hdn die weit ge^
wandelt vil und hdn ai gar wol gesehen 29, 21 (vgl. auch 27,
181); ich hdn gross wunn und fr öd gesehen von mannen und
von wiben 33, 57 ; ja so eingehend hat er die Welt zum Objeote
seiner Beobachtung gemacht, dass er sagen kann: hdn ich da
icht vergessen^ so bekenn ichs doch : das dunkel mich ein wun-
der 15, 48. Daher liebt er in seinen Gedichten besonders auch
Wendungen wie die weit die hdt 18, 249; so spricht die weit
26, 19; die weit die tuot 33, 1; die menscheit kan manchen
27, 192 etc. — oder gibt Erfahrungssätze als Lebensnormen: hue^
tent üch vor gehlem zom, (denn) mit gueti endt man vil 26, 53 ;
davon schetz ich einn steten muot ein gruntfest wol der ere^
wann wer den hdt eta 18, 221; ie klueger sinn ein man doch
hdt etc. lö, 145—152; die Lebensregeln in Nr. 14*) wie die
didaktischen Gedichte an seine Frauen zeigen manchen tüchtigen
Erfahrungssatz, 5, 175 und die ff. Verse seinen Blick in politische
Situationen. Wenn wir dann noch seine politische Tätigkeit ins
Auge fassen und ihn in successiver Reihenfolge als »capitano ge-
nerale' in Italien, als Landvogt in Schwaben, an der Spitze des
gesammten herzoglichen Verwaltungswesens in den Vorlanden, end-
lich an der Spitze der Landesregierung Steiermarks erblicken, so
dürfen wir wohl schliessen, dass wir einen Mann von bedeuten-
dem Fähigkeiten vor uns haben, der auch das besass, was damals
nicht weniger als heute eine Hauptforderung an einen tüchtigen
Träger solcher Vertrauensämter ist: Welt- und Menschenkenntnis,
wie er sie eben für sich in Anspruch nimmt.
Hervorragende Weltkenntnis aber im obigen Sinne hat neben
der Beobachtung selbstverständlich auch eigenes Nachdenken, tiefere
Reflexionsfahigkeit zur Voraussetzung, und Hugo betont gerade
diese Seite noch besonders: ich hdn die weit gemessen^ oh ich es
^) Vgl auch Weinholds Urteil darüber a. a. 0. 145.
LXXXIII
hän beaunnen etc 15» 46; ich hän nach aachen (naoh dem
moralischen Weltlaaf) vil gedacht 24j 93. Aach dafür liefert
sein Leben einige bestätigende Aohaltspankte : es zeigt uns in Hngo
eine tiefer angelegte Nator^), einen Menschen, der tiefere Blicke
in das Leben und in die eigene Brust getan und versucht hat,
sich selbst zu erkennen und sich im Zusammenhange mit der Welt
za begreifen. Jene lebhafte Frömmigkeit seiner reifem Jahre ist
ihm nicht auf dem mühelosen Wege überlieferter Gewohnheit auf-
geblüht, sondern aus strenger Selbstprüfung und aus innem Kämpfen :
sie war kerne äusserliche und angelernte, sondern eine überzeugte
Frömmigkeit 2), wie schon Weinhold hervorgehoben hat Wir werden
dann gleich unten sehen, wie er auch über subtilere Fragen der
duristlichen Lehre nachdachte, dieselben einheitlich zu erfassen
sachte und gegen Andersgläubige Stellung nahm. Philosophische
Speculationen konunen dabei freilich nicht heraus; allein es fallt
bei seiner Charakteristik schon ms Gre wicht, dass er, der reiche
Graf, der weltliche Herr des 14. Jahrhunderts, sich überhaupt mit
solch höhern Fragen beschäftigte.
Die anderweitigen Anhaltspunkte für seine Fähigkeiten und
Bildung sind spärlich, lieber seine Kenntnis weltlicher Dichtungen,
d^ Bibel und lateinischen Sprache haben wir schon p. 11 und
12 gesprochen; über seine Stein- und Wappenkunde vgl. Wein-
hold .p. 148. In Nr. 30 erwähnt er mit grosser Teilnahme der
Astronomie; er ist dieser Kunst zwar selbst nicht mächtig, kennt
aber genau ihre Aufgaben. Angesehen werden seine Rechtskennt-
nisse gewesen sein, was vom Vorsitzenden eines Landesgerichts zu
erwarten ist, und die vielen Fälle andeuten, in denen man ausser-
dem um seinen Schiedsspruch einkam. Hervorzuheben ist dann noch
sein längerer Discurs über die loica in Nr. 31. £r spricht da
über die formale Logik, wie wir heute sagen würden, welche je
nach ihrer Anwendung gebraucht werden kann ze hilf dem rechten
gentzlich ebenso wie zur Fälschung des Rechts. Daraus wird
man wenigstens auf eine teilweise Vertrautheit mit derselben
schliessen dürfen, obgleich ihre praktische Verwertung in seinen
Gedichten nicht bedeutend ist. Zwar beweist Hugo oft und viel,
aber nicht durch logische Schlussreihen, sondern meist durch Sätze
1) Siehe Weinhold 142.
') Wie anders z. B. LichtensteiD ; Tgl. Koorr (Qaell. u. Forsch. IX) 36 ff.
Lxxxnr
seiner Welt- und Lebenserfalirung, denen er die Bernfangen auf
die iatori^ auf die buoch^ die geschrihen sind vor mengen Aun-
dert jaren^ an die Seite setzt. Das bleibt ein unterscheidendes
Merkmal Hugo's von den s. g. gelehrten Dichtern seiner Zeit : diese
übersetzen und schöpfen aus Büchern, Hugo aber vorzüglich aus
dem Leben, obwohl auch er in Studium gestanden und gar guoU
buoch gelesen (29, 90), also in seiner Jugend mutmasslich eine
gelehrte Bildung empfangen hat (vgl. p. 11).
Besonders und ausführlicher untersuchen müssen wir endlich
seine Fähigkeiten und Kenntnisse als Dichter. Grehen wir dabei
wieder aus von seinem Verhältnisse zur realen Aussen weit, zur
Natur, und sehen, wie er es veVsteht, diese zum Gegenstande seiner
Phantasie zu machen: wie er Vorstellungen und Anschauungen zu
sinnlichen Bildern verbindet, deren der Dichter nimmer entraten
kann. Hier zeigt Hugo nicht geringe Begabung: mit Geschick
werden oft abstracte Dinge und Vorgänge verbildlicht, so setzt er
z. B. statt des abstracten „der wird es bei seinem Tode erfahren*
lieber gleich den bildlichen Vorgang des Begräbnisses: der wirt
wol gewar^ so man in treit^ gar Tcleglich in die erden leit 5,
341; statt «sie (die Frauen) haben die grössten Helden bezwun-
gen*: si hand bezwungen der türsten lib^ die swert in dhand
ie hdnd genomen 18, 156; statt „vertraue niemanden*: nieman
offen dines hertzen grund 3, 64. — Die Wirkung der Hoffnung
und des Zweifels versinnlicht er: über aller leide back ist recht
hoffnung ein steg^ zwifel ist ein imgemach und ein böser weg
38, 121; seine beginnende Liebesneigung: si (das selig wih)
schozz mit füres flammen in mines hertzen Musen 2, 20; seine
Liebessehnsucht : gen Senenberg behusen ward ich do ze stunden
trArig gentzlich funden und in grossen sorgen da 2, 22; den
Geiz der Gardinäle : grosse hoptprelaten die blasent iren dten zuo
der sach durch gitikeit 5, 211. Wie er den Verlust der Gnade
Gottes und die Mittel, sie wieder zu gewinnen, verbildlicht, zeigt
Str. l und 2 von Nr. 13. — Das menschliche Leben ist ihm der
Tag, der Tod die finstere Nacht, das ewige Leben die Herberte
10, 6, 10, 11. Er ist reich an Metaphern, Metonymien, Synek-
dochen, Personificationen, von denen ich nur noch eine kleine Aus-
wahl zur Charakteristik hiehersetzen kann : dinr claren ogen nimm
ich war 9 die bschliessent eren porten 23, 15; din hertz das
fyme^ mit recht ein hrön mit saphim von Orient 23, 2 1 ; dine
LXXXV
wart soU du muren 14, 26; wan si aehmt wol und we und
jamer in der Sünden se 4, 187; hilf^ das mich der seiden tag
in dinen gnaden hescMn 5, 378; ah ist der fr öden anger 15, 59;
wir söllintz (die Liebe) graben mit trüwen in die hertzen 18, 57;
urir wonent uff einer wilden heid 27, 107 und ir varent uff
eim wilden se davomen uff der erden 28, 219; schlaff ich in
sündf o heiss mich wider wachen 28, 708; 38, 180; also wirst
du in torheit gra und puwst ein irre Strassen 31, 35; wib^
prinnende vakel in mannes gemuete 38, 65; wib schiiessent uff
muot uss hertzen f orten 38, 100 ; o sechszig jdr sind swer uff
minem ruggen 38, 141. — tuost du din zungen lenken durch mtnen
willen wider recht 5, 286 ; wer mit rechter stim . . für in (den
Pabst) hem 5, 19. — ich fröw mich gen des dbentz kunft der
nachtj wenn si her sUchen tuot 8, 1, ähnlich 10, 10; der m£i
mit fr Öden da erschein, mitt aUer sinr gezier 28, 7, ähnlich
16, 7; 2/ gitikeit^ du bitter hört! du stiftest mein^ du stifftest
mort und hast vil böser artikel 4,7; frow Er die muosz dich
überkrönen I, 41, ähnlich 1, 81; 37, 27. Andere Personificationen
und Allegorien sind fro Welt 29, 1 ff.; fro Dichtlundei und
Womkelmuot 18, 218; her Git 24, 73; Trüw 9, 24; Untrüw
7, 10; Wille 9, 26; Wunne 9, 30; Harre 9, 35 etc.
Auch die Vergleiche fliessen vorzüglich aus dieser Quelle
sinnlicher Wahrnehmung: so singt der goch mit der nachtgall
in dem meien, also ücht ich och 15, 165; so sitzt der herr gar
unversmogen angesichts aller weit gliche als uf eim regenbogen
83, 125 und 4, 159; min wer doch schier vergessen, als man
tuot des meien gras 33, 18; die weit ist ein glesin hus^ der
gla/ntz ist bald zerbrochen, das man muoss gan* schneU darus
und in der erden sochen 33, 53; das wurd in sinen sinnen
cldr^ recht als die sunn kmU mit schönem liechtem morgen 80,
75 und andere. — Desgleichen gehen seine Epitheta mit Vorliebe
auf die Sinnlichkeit: der helle tag 1, 35 ; die vinster nacht 10,
10; gebluemte wehe wort 31, 5; die zarten münd^ die roten
25, 4; die röselochten wcmgen 25, 8; starkher gott 4, 87; 18,
173; Öd red 25, 114; des bittem mer 13. 1; herten sturmes
winden 13, 6 ; wilden heid 27, 107 wilden se 28, 219 u. a. — Mit be-
sonderer Vorliebe werden die körperlichen und geistigen Vorzüge der
Frauen illustriert: ir Haar ist feiner als Seide ^5, 19; ist gel für
bluomen schin 16, 41; unter der Stirn so hat geben der element
LXXXVI
des liiff^ gemacht mit cldrem guft^ iwei ogm wol geschikhet
5, 24, es sind die claren ogen 21, 9; 23, 15; 16, 37, welche
mit acharpfen liehen blikken 16, 38 Tieiss machen 5, 34 und ainn
und mvot in rechter lieh entzünden ?, 12; ir wengli ist wies nach
berlen a^rt 5, 35 ; ir mündli, lieplich entsprungen, leuchtet in rechter
ruhins röti 5, 40, es ist der zarte mund^ rot^ roaenvwr 23,13,
ist r6t für hluomen schin 16, 33 und hrehet ah das abent rSt
21, 6; aus ihm glänzen die zenli lieh, wiaz recht ah ein helfenhein
5, 42; 21, 11, erklingt die süsse Stimme schöner als vogehang
16, 55. Das angesicht der Geliebten ist des Dichters aunnen
schtn 2, 11; sie ist sein maienhluet 35, 27, sein ros, sein blue^
jender hag 1, 25; 18, 188. — Dass Hugo auch för andere Schön-
heiten der Frauen noch lebendige Bilder wusste, beweisen Nr. 3,
21 und 23. Am meisten charakteristisch aber ist Nr. 16, wo — wie
schon Uhland hervorgehoben hat — , seine Geliebte, leiblich und
geistig, ein Inbegriff wird von Blumen aller Farben**). Und so
konnte der Dichter selbst mit Recht behaupten, er habe van rasen
und van hluomen die farwen gen frawen gemessen 31, 9.
Die bisher angeführten Vergleiche und bildlichen Ausdrücke
sind meist wohlgelungen und zieren seine Dichtungen ; daneben er-
scheinen aber auch einige andere, welche dieselben veranstalten:
in schmdcht der minne Zunder 15, 67 ; (ich) varen uff der frö^
den wagen 17, 28; du schlechst mit seiden ruoten 21 y 71;
mich stach der unmuat dam 27, 131; hilf miner sei uss böser
Sünde ruasse 32, 156; Vemis hebt die lieb mit sfarkchen zangen
38, 28; min frow hdt . . . mich angezundt mit minne zünden
38, 29; almechtig gott^ hilf mir uff seiden pruggen 38, 144;
das sind sihen stükchy der tades sünde schauere 38, 116; tr
schlahent hri für gebratens dar 29, 49 und andere. Auch diese
Tropen und Vergleiche ruhen auf sinnlichen Vorstellungen, tragen
aber den Stempel der Mache, sind carikierend, derb, ohne Ange-
messenheit und Würde : Hugo zeigt sich hier eben von einer dich-
terischen Modetorheit seiner Tage angesteckt, welche den Stil dieser
Epigonenzeit charakterisiert. So singt Müglein (Lieder und Fa-
beln ed. Müller) : 2, 9 das ich si (die Geliebte) vor allem w(be
Swig an mtns hertzen want mit der trüwe pinsel schrfbe 3, 12;
1) In den Abhandlangen über hoch- nnd niederdeutsche Volkslieder,
ges. Sehr. III, 436.
LXXXVII
80 binde ich an mtns hertzen aat dina trdstes mast und fwre
mit freuden winde. Saohenwirt: 3, 33 den edlen fiiraten . . .
den nie vereert der schänden dorn; vom EUerbaoh singt er 10,
24, dass er alle eeine tag gefürttet hat der eren grünt recht
als ein willig jagunt hunt^ der rechter vert nicht abgeetat;
41, 742 den nie beruert der Sünden schimel; 21, 154 wenn
sy der schänden phlaster pinden auf der erenpein, Hätzlerin:
J» 103, 39 ich bin gesetzt uff traurens rick. Mnscatblut
(Hätzl. I, 127, 87): dein lieb durch raisz mein hertz so haisz^
der mynne schwaisz dringt durch meine hertzen garten; von
der Mutter Gottes sagt derselbe Dichter (Hätzl. I, 129, 31): in
goües hag bist du der gnaden Stengel. Oswald v. W. : 73, 2,6 in
meines hertzen teich; 46, 2, 23 ich pßig tegltch steter mynne
rtmst; 54, 2, 4 dein Mld in schänden latz; 70, 19 aus unge-
JücJees masche, Sachsenheim, Moerin344: und speck nit under
spenen henst n. a»
Diese Distellese aus den Gredichten von bessern Zeitgenossen
Hago*8 habe ich nicht angef&hrt, um ihn zu rechtfertigen, sondern
nur, um ihn zu erklären. Man wird finden, dass die verzeichneten
Beispiele jene Hugo*s an Geschmacklosigkeit noch um ein gutes
Teil übertreffen. Besonders wird hier auch der jüngere Titurel, den
Hugo unterweilen nachahmte, von üblem Einflüsse auf ihn gewesen
sein, denn da wimmelts von solchen Platitüden^).
G^hen wir über auf Hugo*s Naturgefahl im engern Sinne.
Auch hier können wir ihn nur im Vergleiche mit seinen Vor-
gängern und Zeitgenossen würdigen. »Die lyrischen Dichter des
dreizehnten Jahrhunderts, zumal wenn sie die Minne besingen, reden
oft genug von dem milden Mai, dem Gesang der Nachtigal etc.:
aber immer nur in Beziehung der Gefühle, die sich darin abspie-
geln sollen*^). Die Zustände des liebenden Herzens werden mit dem
Leben der Natur in Beziehung gesetzt und zwar auf zweifache Art:
die Stimmung des Gemütes steht im Einklänge mit der Farbe
der Jahreszeit: der farbenreiche Sommer ist die Zeit der Freude,
der düstre Winter die der Schwermut — oder aber (und das ist
schon reflectiver und individueller) im Gontraste: draussen die
Trauer des öden Winters, im Herzen Freude oder umgekehrt. Im
1) y^. amsh Weinhold 151.
*) 8o sagt Wilhelm Qrlmm in Humboldt's Kosmos (Ausg. t. L874\ 11^ Z^.
LXXXVIII
13. Jahrhundert waren diese Traditionen allgemein^). Aber auch
in die folgenden Jahrhunderte hinein pflanzten siö sich fort, und
wenn der Wildonier die letztere Art nicht mehr recht zu treffen
weiss (Kummer's Ausg. p. 85), so kommt das nur auf Rechnung
der Persönlichkeit; denn seinem Zeitgenossen Lichtenstein z. B.
gelang sie im Frauendienste noch ganz gut (vgl. ühland, Sehr. V,
.127), und dem Hadloub (ed. Ettmüller Nr. 23, 25, 27, 28, 29,
31 u. d. ff.) macht der Mai mit seiner Wonne das Minneleid nur
um so empfindlicher, bringt der Winter doppeltes Leid, während
dem Dürner (Bartsch LD^. 90) der kalte Winter, welcher Vögel
und Blumen kränkt, nichts anhat, denn die Geliebte, deren Wan-
gen rote Rosen auf weissem Schnee tragen, ist sein blühender Mai.
Auch Müglein arbeitet in seinen Fabeln und Minneliedera ganz
nach altem Schnitt (ed. Müller p. 22, 27 u. a.), und bei Hugo
vernehmen wir gleichfalls die Nachklänge dieser alten Weisen : Verse
wie 1, 25 frow^ du bist min hluej ender hag^ entsprossen in mim
hertzm^ oder 38, 93 mins hertzen frow die han mir unmuot
stören für vogelsankch und meien Um und andere sind aus dem-
selben Vergleiche des freudigen Herzens mit der freudigen Natur
hervorgegangen wie Nr. 16, wo ihn der Anblick der Maiennatur
mit Freude erfüllt, aber noch mehr der Anblick der Frauen und
besonders der einen, die er meint (41 f.). Ebenso ist der Contrast
bei ihm noch rein gezeichnet. Nr. 19 dichtet er in Schnee
und Wind, bei grosser Kälte; aber das hertz das tet sieh hitzen
von gedenken, die ich nach ir Jiett, ich wand, ich wer im meien;
der sehne was mir ein suesser mett, ich acht nicht windes weim*
Aehnlich singt Oswald 1, 5, 15 : kelt, regen, snee tet nie s6 wee,
mit frostes eyl ich hrunne^ wann mich hitzt die lieh sunne (die
Geliebte); vgl. bei ihm auch 33, 1; 34, 2; 84,1,2,3 u. a.
Wir sahen also, wie sich eine Ausdrucksweise des Naturgefühls,
allerdings eine sehr nahe liegende, bis auf die letzten ritterlichen
Sänger des Mittelalters fortpflanzte ; hier tiberlasse ich andern den
Faden. Aber auf einer andern Seite hat das 14. und 15. Jahr-
hundert einen Fortschritt aufzuweisen: es entwickeln sich nämlich
die deutlichen Anfänge von Naturschilderung, welche unabhängig
von anderweitigen in sie hineingetragenen Gefühlen den Eindruck
*) Vgl. Erich Schmidt, Eeinmar von Hagenau (Quell, und Forsch. IV) 92 ;
Bartsch, Lied. Dicht.«, Einl. p. 11, und Strauch, Mamer (Q. F. XIV) 41.
LXXXIX
der Landschaft selbst auf das Gemüt beabsichtigt und nur ausser-
lieh noch die Form der Einkleidung eines Gedichtes mit anderm
Inhalte annimmt. Anknüpfungspunkte an die ältere Poesie und
schon an den ältesten Minnesang fanden sich auch hier. Walther
z. B. beginnt L. 94, 11 mit dö der sumer komen was und die
hluomen dur daz gras wihnnecUchen Sprüngen^ aldd die vögele
sungeriy dar kom ich gegangen an einen anger langen etc. — 2ö.
Diese 10 Verse enthalten Naturschilderung ^) als Einleitung zum
Gedichte. In einem Jüngern Producte (Hätzlerin II, 27) findet
sich eine ähnliche Einleitung, ja V. 1 — 4 sind wörtlich wiederholt;
die ganze Naturschilderung aber ist weiter ausgeführt und umfasst
36 V. statt der 10 bei Walther: wohl weil die Neigung zu sol-
chea NaturschilderuDgen zugenommen hat? Entsprach sie doch auch
dem Gesammtcharakter der Poesie dieser Zeit, welche in die untern
Volksschichten hinabzog, denen die Natur näher liegt als Buch und
Idee. So werden im 14. und 15. Jahrhundert diese Natursohil-
derungeu stets gebräuchlicher und umfangreicher; vgl. z. B. Suchen-
wirt 25, 1—34; 46, 16—51. Hätzlerin II, 47, 1—26; II, 20,
1—38; 11, 6, 1—45; I, 28, 7—63, auch grössere Erzählungen:
Sachsenheim, Moerin 5 — 22; Spiegel 29—79, u. a. bei Wacker-
nagel LG.2 374, wobei aber immer noch wechselnde Züge indi-
vidueller Anschauung hervortreten. Sie pflanzen sich durch die
Meistersänger fort, bis sich aus ihnen die spätere Idyllendichtung
entwickelt, wie schon Gervinus gezeigt hat.
Auch Hugo hat 28, 1 — 50 einen Beleg solcher Schilderung.
Sie überschreitet bei ihm wie bei andern gleichzeitigen Dichtern
weit die Grenzen einer gewöhnlichen Einleitung und steht mit dem
eigentlichen Gedichte in keinem Innern Zusammenhang, dient auch
nicht zur Folie oder Anknüpfung anderweitiger Gefühle, wie wir
das in der vorerwähnten Gattung zu constatieren hatten: trennt
man sie von dem Gedichte ab, mit dem sie V. 49 nur ganz
äosserlich verbindet, so hat man eine reine Naturschilderung, welche
um ihrer selbstwillen da ist und nur die Freude des Dichters an
der Landschaft dartut, die einige auch ausdrücklich betonen: Su-
chenw. 25, 29 die lust mir durich mein hertze brach; Hätzl. I,
28, 57 darvon mein hertz ward fröden satt u. a.
^) Es ist dabei ganz nebensächlich, ob er gerade damals ein bestimmtes
Natnrbild copierte oder tVL Terschiednen Malen erhaltene Natureindrücke com-
ponierte.
xc
Endlich haben wir noch einen andern Ausdruck des Natur-
gefühls zu beobachten, der in dieser Art gleichfalls erst seit^
dem 14. Jahrhundert hervortritt: die Farbensymbolik^). Hugo
deutet Grün, Gelb (und Schwarz \ Blau und Grau; dabei gibt er
uns einige merkwürdige Anhaltspunkte, diese Farbendeutung aus
der objectiven Naturbetrachtung herzuleiten. Am sichtbarsten ist
der Hergang bei ^xü n. Der Frühling ist der Spender neuen
Lebens und "Wachstums und Giün, womit er Berg und Tal über-
zieht, seine charakteristische Farbe. Es ist nun ein einfacher, täg-
licher Gedankenvorgang, das auf das Hauptmerkmal zu übertragen,
was vom ganzen gilt, und so symbolisiert Grün dasselbe wie der
ganze Frühling: Grün = der grüne Frühling = das Sinnbild vom
Anfang neuen Lebens und "Wachstums Den Beweis für die Rich-
tigkeit dieser Herleitung gibt ein Gedicht von der Grönen varbe
(Hätzl. n, 20): grön macht die weit fräden vol: so uns nascht
die Summer zeitig so sieht man veld und anger weitt mit grön
schon über zogen . . . grön ist ain frölich anfangk . . das mercJct
an des Mayen kunsL Aehnlich sagt Hugo 16, 5: vil sa^h die
vacht mit gruenem an^ damit die weit sich neren tuot^ der mei
(erg. kommt) mit fröden uff den pldn^ davon so habent hohen
mnot Wird Grün auf ein bestimmtes Verhältnis bezogen, so be-
deutet es immer dasselbe, also z. B. auf die Minne, junge Minne:
grön ist der mynn ain anfangk (Hätzl. H, 19, 9). Daför bietet Hugo
kein Beispiel, wohl aber eines, wo es auf die Gesundheit (Frische,
Lebhaftigkeit) der Geliebten bezogen ist (16, 43): gruen ist si
gsund und ital vin = sie ist gesund wie das Grüne = wie der
grüne Frühling.
Auf demselben Wege, den wir bei Grün verfolgen konnten,
wird auch die Deutung der andern Farben zu erklären sein.
Gelb und Scliwarz sind das Sinnbild des Absterbens und Todes,
bedeuten also gerade das entgegengesetzte von Grün, was von
selbst darauf führt, dass ihnen auch das entgegengesetzte Natnr-
bild, das des Herbstes, unterliegt, wo die absterbende Erde die
heitern Farben des Frühlings und Sommers in fahles Gelb und
welkes Schwarz verkehrt. Jede einzelne Pflanze zeigt an sich selbst
') Ueber die aUmilhliche £ntwicklang and Ansbreitnng der FAibensym-
bolik Tgl. Wackernagel (Farben- und Blumenspraohe des Mittelalters) kl. Sehr.
J, 143 ff., and Uhland, ges. Sehr. III, 430 ff.
XCI
die Wandlung der ganzen Natur. Wieder wird dann das charak*
teristische Merkmal des Herbstes für diesen selbst gesetzt. Hugo
bietet in Nr. 5« wo er vom Leben und Absterben seiner Liebe
spricht, einen interessanten Beleg: wtis trugnüas in der weite waSy
daz glich ich zeinem gruenen gras : der anevang ist hübsch und
t4n (Frühling), hcdd« so kumpt snell darin (im Herbst) ein
swartze varw und gel^ daz ist der tod so snel (55)^).
Blau ist das Sinnbild der Stätigkeit Als Urtypus des Blauen
gilt seit uralter Zeit die Himmelsbläue. Mit dem Worte Himmel
ist durch festgeknüpfte Ideenassodation der Begriff des Blau ver*
bunden, denn das ist seine charakteristische Farbe, obgleich er ge*
legentlich auch anders gef&rbt sein kann; daher himmelblau, blau wie
der Himmel etc. von Alters her bis auf unsere Zeit stehende Ver-
gleiche sind. Könnte nun nicht wieder die Farbe die Trägerin der
symbolischen Bedeutung des Himmels sein, der sich als das ewig
feste und stäte, als das am meisten gepriesene Zeichen göttlicher
Allmacht über die vielbeklagte Wandelbarkeit der Erde wölbt?
Das hiehergehörige Beispiel Hugo's ist 28, 24 : die blawen varwe
sehet z ich für die besten : stet wa gerechten dingen doM sol man
beliben. Stätigkeit in der Liebe nennt man Treue; auch dafür
hat Hugo einen Beleg: bla etat in irem (der Geliebten) hertzen
16, 42.
Braun ist das Sinnbild des Schweigens und steht mit Schwarz
im Zusammenhange, ja kann geradezu für Schwarz stehen (Wacker-
nagel a. a. 0 165). Der Zusammenhang aber zwischen Schwei-
gen, Absterben und Tod ist ohne weiteres evident. Hugo's Bei-
spiel lautet: die brune varw betütet nu ein ewigen 28, 28.
Ich habe die Herleitung dieser Art Farbensymbolik 2) versucht,
weil es bisher über vereinzelte Andeutungen hinaus nicht gesche-
hen ist Dass dabei auch Blau (= Stätigkeit, Treue) seine Er-
klärung findet, was bei Wackernagel nicht der Fall war, kann
ihr gleichfalls zur Stütze dienen. Das aber wird jedenfalls sicher
^) Wenn er fortfährt oder ab fr trugnütt und wanketmtwt, das oeh die
liebt zertrennen tuoU bo ist dies dasselbe und nur wieder auf ein bestimmtes
(das MiDoe-jYerhältms bezogen mit einer Metonymie, indem statt (Minne-)Tod
die Faetoren angeführt werden, welche denselben herbeiführen.
*) Anderer nnd älterer Herleitnng sind die Bedeutangen Gelb =: Neid,
Rot :=s Liebe etc., Tom menschlichen Antlitz genommen, wie das Wackernajrel
in der «ngezogenen Schrift dargetan hat.
XCII
sein, dass diese Symbolik, wie sie auch Hugo gebrauchte, von objec-
tiver Naturbetrachtung ausgieng : Anschauung und Vorstellung flös-
sen zusammen , , man 1 a s die Farben, wie sie in der Natur gegeben
waren, und deutete sie^. Damit ist auch der Standpunkt Hugo*s
in dieser Frage charakterisiert gegenüber vielen andern Zeitgenossen
und Nachfolgern, welche sich des Zusammenhangs der Farben mit
der Natur nicht mehr bewusst waren, sie abstract nahmen, ganz
subjectiv deuteten, auf Kleidungen, Blumen und andere Gegen-
stände übertrugen. Der Minner z. B., der gelbes Kleid anhatte, be-
kannte damit, das ihm ain minickUches wih ir zarten minick"
lichen lib git für aigen; Schwarz bedeutete Zorn etc.^). Da ist
von einem Zusammenhange mit dem Naturgefühle selbstverständ-
lich keine Rede mehr.
Diese Sinnlichkeit und Bildlichkeit in Hugo*s Darstellung macht
den vorzüglichsten Schmuck seiner Poesie aus und gibt Zeugnis
von seinem offenen Sinn für die Natur, von der Treue und Innig-
keit, womit er ihr Leben beobachtete und erfasste. Und in diesem
Sinne konnte Gervinus sagen: »der Duft der frischen, freien Natur
^) J. y. Zingerle hat (Germania YIII, 497—505) Beispiele fär diese
Farbendeutungen gesammelt, auf die man häufig Terweist. Bei Braun und
Grau bemerkt er : ^für die Bedeutung von Braun konnte ich nur eine Stelle
finden, ebenso bei Grau^ (bei letzterm hat auch Lexer Wb. I, 1064 die Bedeu-
tung in der Farbensymbolik nicht angegeben). Ich trage daher einige Belege
nach, bei denen die Bedeutung entweder direct ausgesprochen oder leicht zu
erschliessen ist. Braun ^ Schwarz (= Untreue, Trennung, Tod) : Ambr.
LB. 58, 58 von dir mtis ich mich seheiden, zart edeh frewelein . . in hraun
wil ich mich kleiden ; Hätzl. I, 104, 33 wolhin^ urlauJ> ist mir beraittf wie elain
iehs hän begeri, wcmn er sieh hat in praun geelaidt und mir mein pot ver-
ehert; Ambr. LB. 39,21 gros ist mein klag, aeh gott, wie weh thut schei-
den . . . sehwartz braun will ich mich kleiden; Tgl. dazu noch Frankfurter
Archiv III, 288 und Uhland, ges. Sehr. III, 527. Braun (= Verschwiegen):
Lassb. LS. III, 251, 22 an der (Frau) ich prun erekante . . 52 ich sag
dir minen namen her : ich haisz verswigen yemer mer , da von trag ich prune
eldid; Cod. gcrm. Mon, Fol. 153b: so wil ich tragen praun: praun wedeut
versehwigen (ühl. 628). — G r a u = Schwarz : Ambr. LB. 57, 37 grawe
färb bringt mir pein mit seufzen und mit klagen etc.; Hätzl. I, 119 zwuo
junokfrawen kamen zescrnimen, aine truog rott an und was fröUeh €t^ • •
die ander truog graw an und wand traurielieh ir hend ete,; Hadamar (ed.
Stejskal) 231, 4 $ö trage ieh wol in grdwe wize strifen ; 529, 5 jd grd trag
ich mit leide ; vgl. dazu Stejskals Anm. zu 234, 4. Grau und Braun wieder
im Frankf. Arch. ; Tgl. noch Uhland 433 und die betreff. Anm. in Wackemagels
LG*, 374, 90, ferner Stark, Germ. IX, 437, und Weinhold, deuUohe Frauen 438.
xcm
liegt über Eago*s Dichtnngen ausgebreitet^ (11', 429). In seiner
Anfirichtigkeit bat Hngo selbst einen Ausspruch getan, welcher
auch äusserlich sein schönes Verhältnis zur Natur beleuchtet:
80 hän ich vil geüeht in weiden und in owen und darzuo ge^
ritten 31, 147, wobei an die häufigen Her- und Hinreisen zwi-
schen seinen westlichen und östlichen Herrschaften zu denken sein
wird. Es gewinnt für ihn, wenn wir uns den Grafen vergegen-
wärtigen, wie er an den Ufern der Drau, über den Brenner, den
Arlberg durch jene schöne grossartige Natur, die seinen Geist be-
lebt und kräftigt, einsam seinem Gefolge voranreitet, seinen Ge-
fühlen freien Lauf schafft und in Lieder gestaltet, was ihm das
Herz bewegt. ^
Wie versteht es Hugo nun, seine Gredanken und Bilder zu
beherrschen und zu ordnen? Hier lautet das Urteil weniger günstig,
als man nach dem vorausgegangenen vielleicht erwartet hätte. Zwar
war es zu streng geurteilt, wenn man behauptete, dass ihm eine
Ordnung und Gliederung seiner Gedanken j, ganz unbekannt * gewesen
sei. Um das Gegenteil nachzuweisen, wähle ich Nr. 5 und zwar
deswegen, weil es eines seiner längsten Gedichte ist, die Gompo-
sition also verhältnismässig schwieriger war als bei den übrigen, und
dann, weil er hier einige Andeutungen fallen lässt, welche unver-
kennbar auf eine berechnete Composition schliessen lassen. Vers 18
hiemit hept eich du red an teilt das vorausgegangene als Ein-
leitung von dem folgenden, der eigentlichen Rede, ab.
Dem entsprechend hat das Gedicht auch den eigenen geplanten
Schi US s von 361 — 384, der auch äusserlich durch einen Absatz
gekennzeichnet ist; 3S5 — 388 bilden ein berichtigendes und er-
klärendes Nachwort, das Hugo's Wahrheitsliebe dem Leser nicht
vorenthalten konnte. In der eigentlichen Rede (19 — 360) beab-
sichtigt der Dichter zweierlei : J) Nachricht zu geben von sich und
seinem bisherigen Leben, II) von dem gegenwärtigen Zustand in
1. Kirche, 2. Staat und 3. Gesellschaft. I zerlegt sich wieder in
zwei Teile: 1. Minneleben (bis V. 51), 2. die Zeit seiner Umkehr
zu Gott und was darauf folgte (bis V. 68). Das Auftreten Parci-
vals leitet zu H über, doch behält der Dichter zunächst noch die
Ergänzung von I im Auge: spricht von seiner Körperkraft 93 f.,
von seinem Glauben 105 fi^, von seiner ersten Ausfahrt, die Welt
zu sehen 135 S. — Mit Parcivals Aufforderung: gib mir der
ersten frdg (über den Weltstand) ein end 174 ist H an I ange-
xcrv
knüpft, beginnt die Schilderung des Weltstandes. Dabei ist ed
ihm nicht gleichgültig, in welcher Ordnung er die Stände behan-
delt, wie Vers 184 deutlich zeigt: nu heb ich mit dem höchsten
an. Demgemäss spricht er zuerst von dem Pabst (resp. den Päb-
sten) und seinen hopfprelaten^ dann vom Könige, den Fürsten and
ihren Räten (229 ff.), von den Priestern (269 ff.) und (277 ff.) von den
Herren. Der zweite Abschnitt dieses zweiten Teilea, den er wieder
durch einen Absatz kenntlich gemacht, kehrt die gesellschaftlichen
Verhältnisse im besondern hervor; auch die hilrger und gebüren
werden angeführt und ein Bild sittlicher Verdorbenheit entworfen,
dem er jedoch einen beruhigendem Abschluss gibt durch die Ver-
sicherung: man vint noch mangen hiderma/n^ priester twd och
Uten wolgeta/n . ., und noch meng wipUch wib^ die in eren haltet
Iren Hb 349 ff.
Man sieht: das ganze ist überlegt und geordnet, wenngleich nach
ziemlich äusserlichen Gresichtspunkten. Dasselbe lässt sich mehr oder
weniger in den meisten Gedichten nachweisen. Am zweifelhaftesten
ist die Gomposition in Nr. 27, 28, 30 — 33, am besten in den kurzen
Jugendlirdern. In Nr. 25 ist sie wieder durch Abschnitte, in
Nr. 10, 29 und andern durch die wechselnden Reden und Gegen-
reden sichtbar gemacht. In dieser Hinsicht also ist unser Dichter
besser als das bisherige Urteil über ihn. Aber wenn wir über die
Anlage des ganzen hinaus und auf das einzelne seiner Darstellung
gehen, zeigt sich nur zu oft, dass er den Gedanken, die auf ihn
eindringen, zu wenig logische Kritik entgegensetzt. VT'enn ihn
z. B. 5, 104 Parcival um den Glauben fragt, was gerechtfertigt
ist, antwortet er : ich hdn ie cristan globen. Statt aber dann seinem
Plane gemäss weiter zu fahren, erweckt das Wort crist eine ganz
fremde Ideenreihe, welche er bis 124 abspinnt, wo er endlich mit
einer neuen Frage Parcivals (125 — 131) wieder in den richtigen
Weg einlenkt. So zeigt sich Hugo von augenblicklichen Einge-
bungen und zufälligen Einflüssen bestimmbar, welche den geord-
neten Gang der Darstellung fortwährend unterbrechen, Ungleichheit,
Verworrenheit und unmässige Breite in seine Rede bringen. Bei
ihm gilt in noch weiterem Umfange, was Karajan vom Teich-
ner sagt: „aus manchen seiner Gedichte Hesse sich durch blosse
Kürzung ein ungleich besseres machen* (Denkschr. VI, 150).
Aber noch viel schlimmere Dinge kommen von dieser Kritiklosig-
keit. 14, 31 z. B. ermahnt der Vater seinen Sohn zur Massig-
xcv
keit im Essen und Trinken. Das ist dem jungen Herren gegen-
über sehr am Platze; denn man weiss, was die alten Rittersleute
in diesem Punkte zu leisten vermochten. Wenn er aber 46, 46—48
dieselbe Ermahnung seiner schönen, zarten, tugendhaften de-
mentia zu Teil werden lässt, so erlaube ich mir, das für eine
kleine Albernheit zu halten^), die ihm deswegen passiert ist, weil
die verwandte Situation in beiden Gedichten ihm denselben Ge-
danken zuführte, dem keine prüfende Kritik gegenüber stand. Daher
kommen auch die vielen Wiederholungen ganzer Zeilen und Strophen
in seinen spätem Gedichten: vgl. 4, 159 und 149 fP. mit 33, 125
und 134; 5, 107 mit 32, 89; 15, 43 mit 27, 73; 22, 9 mit
30, 85; 28, 185 mit 385; 28, 193 mit 393 u. a. Wo eine
Aehnlichkeit der Situation, eine gleiche Gefühlslage vorhanden
war, traten schon da gewesene und nun appercipierte Yorstellungs-
massen aus dem Gedächtnisse hervor, welche eine höher gehende
Phantasie oder ein ausgebildeter kritischer Geschmack durch neue
poetische Gebilde verdrängt hätte.
Die poetische Darstellung hatte aber noch andere Anforderun-
gen, die Hugo's Kräfte und Ausbildung überstiegen : Beherrschung
der Sprache, Gewalt über die rhythmischen Formen und Reime,
vollständige musikalische Ausbildung^). Da liegen seine wundesten
Punkte, zeigt sich recht augenfällig, wie sehr ihm die Zucht des
Künstlers fehlt. Der Musik wird er entweder gar nicht oder nur
m geringen Grade mächtig gewesen sein; denn er überlässt die
(Komposition seiner Lieder dem getreuen Diener Bürk Mangolt
zu Bregenz (31, 183) und zeigt uns hiemit schon unser modernes
Verhältnis der Ton- zur Dichtkunst. Aber auch im Kampfe mit
den beiden andern Anforderungen sehen wir ihn fortwährend unter-
liegen. Hugo hat oft tiefe Gedanken, aber ihm fehlt die geübte und
gestählte Kraft, diese Lichtgestalten von seiner Seele loszuringen
and durch das spröde Material der Sprache zu plastischer Fülle und
Klarheit hervorzuarbeiten; und nun sollen sie erst in die Reim-
und Strophenschemen eingepasst werden! Dazu werden sie neuer-
dings gedreht, verzerrt und verstümmelt, oder es werden ohne
^) Auch wenn sich einzelne Hinweise finden mögen, dass die Edeldamen
hin und wieder rersnchten, den Beiispielen ihrer Ritter kräftig nachzustreben.
Weinhold, deutsche Franen p. 347.
*) Der Dichter hatte zam wort auch die wUe zu machen, Tgl. Wil>
manns zn Wallher p. 20; Ettmüller zu Hadloub 8, 3; Wackernagel LG.* 335.
XCVI
weiteres fremde Gedanken, nichts sagende Flickwörter und Verse
eingefügt. Er überbietet hierin Müglein, Teichner, Suchenwirt und
Oswald um vieles. Kein Tadel ist herb genug gegen die unge-
\ schickte und auch leichtfertige Art, mit der er oftmals Reime und
Verse zusammenflickt. Daherkommen die zahlreichen verschro-
benen Satzconstructionen und Anakoluthe z. B. 10,
13, 14; 4,97—101; 16, 61; 18, 75; 35,32 - die Parenthe-
sen 4, 168; 5, 332; 14, 42; 15, 109, 125, 152, 159; 18,
231; 25, 138; 28, 459, 578,608, 686; 29, 62 — Tautologien
5, 30; 22, 4; 25, 33; 27, 43; 28, 71, 106, 204, 544; 29, 62;
31, 39 . . und noch viel anderes seelenloses Gerede, durch das
man oft nur mit Mühe zu erblicken vermag, was er ursprünglich
sagen wollte. Hier wird besonders deutlich, wie Hugo auf der
äussersten Grenze der ritterlichen Kunstdichtuug steht und schon
. zu jenem Geschlechte von Natursöhnen, "Wandrern, Kriegsleuten
und Jägern hinüberleitet, welche geringe Kunstfertigkeit besitzen
und wenig mit dem Gedanken als solchem zu tun haben: ein
i schönes Bild, ein Klang zartern Gefühles, ein guter Gedanke, der
■aus all dem groben Gestein hervorblickt, muss uns oft für eine
lange seichte Stelle entschädigen. Da treten eben auch die Schat-
tenseiten von Hugo's äusserer Dichtungsweise hervor: er hat sich
selbst als einen Stegreifdichter (vgl. Weinhold 150) charak-
terisiert, der viel in Wald und Au gedichtet und darzuo geritten
hat 31, 147. Wenn sich Hugo damit herausreden will, so könnte
man ihm füglich entgegnen : warum hast du dann diese unfertigen
Entwürfe zu Hause nicht besser ausgeführt und gefeilt, wie es
guter Dichter Pflicht und Brauch ist? Warum hast du sogleich
sie geheiasen achriben an (31, 29)? — Aber auch dafür weiss er
einen Entschuldigungsgrund: er hatte gross sacken ze schaffen (31,
157)! Diese äussern Hindernisse wird man in Betracht ziehen
müssen, wenn man über seine Fähigkeiten urteilt. So zeigen
in der Tat jene Jugendlieder 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12, welche
entweder bei Lebzeiten seines Vaters oder in den ersten Jahren
seiner Regierung, wo der Andrang der Geschäfte noch kleiner
war, entstanden sind, die besprochenen Fehler in geringerem Grade ;
desgleichen sind seine Reden in Reimpaaren, also in leichterer Form
(Nr. 1, 2, 4, 5, 14, 25), etwas besser als die strophischen.
Gegenüber solchen Grundmängeln wollen einige gute stilistische
Motive, die er seinen bessern Vorbildern nicht ungeschickt abge-
xovn
laasclit hat, wenig bedeuten. Um die Lebendigkeit seiner Rede zu
heben, identifidert er den Leser mit sich selbst; vgl. z. B. das sonst
sehr fahrlässige Gedicht Nr. 16. Im Emgang schreit er den Leser an:
wol uff und waekf est an der zit, spricht dann von sich und ihm
zugleich: wir hand eta und fahrt in der eigenen Person fort:
min tag mir uff dem ruggen lit, des möcht ich schrien wdffen,
wendet sich im folgenden ohne weitern Uebergang wieder an den
Leser: sich uff etc. und spricht 184 wieder: wir muossent. Kein
Rhythmus und kein Reim kann ihn zu diesem Personenwechsel
veranlasst haben. Andere ähnliche Mittel sind: rhetorische
Fragen z. B. 5, 76; 18, 153; 23, 29; 29, 144 — Dialoge (be-
sonders gern) in Nr. 2, 10, 11, 12, 25, 28, 29, 31 — Contraste
undAntithesen: 18, 158 z.B stellt er sich als toren^ welchen ein
Weib bezwungen hat, den türsten gegenüber, denen es auch nicht
besser ergangen ist; Nr. 25 und 29 sind ihrer ganzen Anlage
nach auf den Gontrast berechnet Sehr häufig werden die Antithesen
in kleinern Sätzen einander gegenüber gestellt; hett ich dinhddj
ich furcht din zom 6, 5 ; tc/a mir ist lieby da ist mir leii 6, 25 ;
was min nit wil, das liebet mir 9,2; als hoch hinab^ als hoch
hinuff 12, 13; ir bkent mich nichts ich bkenn üch wol 16, 73;
du ma^ihst mir halt, da machst mir heiss 20, 7 ; den /runden
hold, den vinden gram 14, 37 ; fr Öd du hast^ truren ist verges-
sen 15, 27. Damit wird auch die Neigung in Verbindung stehen, ein-
&ch6 Begriffe mit zwei gegensätzlichen zu umschreiben: für stets
fruo und spät 2, 62; fruo oder spät 18, 147; 24, 83; 26, 3; bi
tag und och bi nacht 37, 22; lebent und och tot 29, 106; für
überall in hüsem od uff gössen 34, 44; imden und och oben
28, 12; für alle wib und och den manen 18, 246; 29, 152; die
armen als die riehen 26, 31; 27, 75; gen jungen und gen alten
16, 122; 27, 39; gen künden und gen gesten 28, 370 u. v, a. —
Ferner bedeutsame Wortstellung 2, 22; 11, 22, 35; 12, 7;
18, 242; 28, 7 — Polysyndeta 19, 23; 25, 15, 49, 149; 26,
13 u. dgl. m. — Der geschickte Gebrauch des Refrains in Nr. 6,
7 und 9. Hervorheben müssen wir noch die häufigen Allite-
rationen ^j mit verschiedenartiger Yerschlingung der Stäbe i'Uff
^) Hier wie bei allen diesen fipätern Dicliteirn kann man zweifeln, ob sie
beabsichtigt oder nnr durch das nnmittelbare Gefühl für Klang entstanden
sind; Tgl. J. y. Zingerle, die Alliteration bei mhd. DicUteiTv 1%^^.
WackernelJ, Montfort 1
xcfvm
mich 80 macht du murm 3, 40; de^ wÜ ich wol befWtr^n
26, 36; noch tuot mich trü/we twingen d6, 22; in midngmr nuMf
gemessen 18, 66; wilt du wissen^ was es ist 22^1; als hoch hinab
als hoch hinuff 12» 13 ; est Wunder in der weite wit 17, 51 ; in rech^
ter rvJnns tötifiukht 5, 41; daz glich ich zeinem gruenen^ gras 5^
56; du wellist werden wild 29, 41 ; und wil das wol mit war"
heit jehen 27, 136. — 2. der kirnen %al der %tunden lil 2, 132;
%uon ich recht, ich iantz den rechten rAen 15, 1G8. — 3. von
hXettem hXuomen ^tuonden schon 28^ 13. — 4. eim %uo down goU
sin gnad ze teil 28« 607. Im ganzen habe ich 84 Alliterationen
gesammelt. Aber auch Assonanzen erscheinen häufig: liegen^
triegen fruo und spät 2, 62; sich an ein liephch uApUch bild
29, 43 and zugleich mit Alliteration verbunden: die swert
in dhsohd ie hknd genomen 18, 157; du wenst die weit die
weU zergan 29, 58; und weren selge^ w^de wtt 37, 58: der
selben sei wird selten frS 5, 344; und hilf uns liU uf er-
den hin 18, 164 und andere.
Damit wird diese Aufzählung zu Ende sein: des guten ist
eben weniger als des rerdorbenen, besonders in den Reden, die
überwiegend episches Gepräge haben« Um aber zum Schlüsse die-^
ses Teiles unserm Dichter gegenüber den richtigen Massstab in der
Hand zu be&alten, müssen wir no^h ein negatives Gharakteristikoo
anführen und auf jene hervorstechenden stilistischen Motive hindeu-
ten, welche zu seiner Zeit im Schwang waren« von ihm gekaimt^
aber entweder gar nicht oder nur im beschränkten Masse gebrandit
wurden. Es wurde schon oben constatiert, wie er sioh von jener
allgemeinen Entartung der Farbensymbolik fem gehalten hat;
dasselbe ist auch der Fall bei jener albernen Buch Stab enap-i« -
1er ei, an der diese jungem Dichter ihre Freude Haben: Hätel. I,
14, 14 das schaffet als ain werdes JB; II, 11, 9 das griM das
zart E von mir; Lassberg LS. 7, 108 ach zartes K^ ich hiU
dich; Oswald 56, 2, 1 o seuberltches Q-; 72 3, 6 äviserwelies
M; Ambraser LB. 11, 15 o einziges J3; 35, 10 msin heriziges A
n. V. a. Hugo gebraucht sie nur in einem einzigeü und zwar
sehr bezeichnend in seinem allerletzten Gedichte: 88^ 37, 41 mins
herzen A, min liebes E, — Ein Kennzeichen der niedergehenden
Poesie dieser Epigonenzeit ist ferner die wachsende Neigung zu
realistischer, ins Detail gehender Personenbeschreibung. Hogö
zeigt deutliche Spuren davon in 5, 19 — 45 und in Nr. 21, wird
|XG£S
abei^ darin von atidefti \reit übertrofFen. Bün oWakteristisohes
Beispiel da^on bietet Zingerle *) aas Sendlinger, dem Kaplan tihd
Dichter des kanstfreuDdlichen Nicolaas von Vintler, Hugo*s Zeitgenos-
sen und Landsmannes. Sendlioget beschreibt in 36 Versen den Kopf
Mariens and zwar die pra^ die Mrneehal^ die Aar, die äugen al$ ein
cherJienUöhty die lebe (== lefs), zend^ wängel and den mimd^
dann anch noch ir ztipf lank^ groz and elehU wol geflochten und
gerehty ir nas siecht und wol getan^ ir chinn sinibel und weiz
alz ein eemel mel: knrz alles und nnr die Ohren hat er vergessen;
das macht aber Sachenwirt gnt, der 25, 167 — 222 die vraw
Ahentewr beschreibt und tu den andern Schönheiten (onter welchen
anch der rofc, den do di fnaget truog^ und das neeel an alle
mail erscheinen) noch die zwai orel dn ir haubet cHainy nach
wwneche wol geentuk^t dat^ anfügt. Andere Dichter giengen darin
schon noch welter, bis endlich das Heer der echten Meistersanger kam
und den Teafd durch Beelzebub austrieb. Braucht Hugo 5^ 1 9 ff.
anch 26 Verse, den Kopf seiner Geliebten zu beschreiben^ so hält er sieh
dabei dennoch in den Bahnen besserer Traditionen. -— Desgleichen hielt
sich Etngo fem ton den Wortspielereienj wie er sie besonders in
seinem Vorbilde, dem Tit. (z. B. 818 eie hiezzen briefe schriben
v(Mfi lande landen hin Zu lande*, 27 des guet ob aller guete hat über
g\ietet\ oder bei Hadamär (z. B. 465 tö^, daz von wi hdt wi und
wt min wesen) und andern gefhnden hätte; ebenso von den Vers-
t(nd Reimverküni^ielangen, welche besonders seit Konrad
in Umläaf kamen und z. B bei Suohenwirt in Nr. 34 und 44;
B&tzL I, 7t u. 9. begegnen, oder womit Oswald, Muskatblat
ü. a. sO meisterhaft ihre Dichtangen verderben wie der Mönch
von Salzburg die seinen mit den Abecedarien (ed. Ampfe-
rer p. 18 ff.). Allerdings könnte man denken, dass Hugo*s ge-
ringeres Fötmgeschick ihn glücklicher Weise von dieser mühseligen
Unart bewahrt habe. Allein der Dichter, der sich unterfieng, die
kbitistlicfae Titnrelstrophe nachzuahmen, dessen Strophenschemen
überhaupt verhältnismässig noch sehr manigfaltig waren (darüber
Abh. V), der auch hin und wieder Anfalle dichterischen Selbst-
bewüsstseins hatte (18, HO; 31, 5 — 15), würde sich auch hier-
in versucht haben, wenn er daran Gefallen gefunden und ihn
^) Tirols Anteil an der poetischen Nationalliteratar im Mittelalter
(Programm) p. 14.
7*
nicht vielmehr ein Eömlein gesunden natürlichen Sinnes ^) davor
bewahrt hätte.
Das waren also, soweit sie sich ermitteln Hessen, die Anlagen,
Fähigkeiten und Kenntnisse Hago*s. Es mnss nun noch der Yer-
snch gewagt werden nachzuweisen, wie weit die Zeit und Um-
gebung, in welcher er lebte, auf seine Entwicklung, seine An-
schauungen und seinen Charakter gewirkt haben, um ihnen eben
jene bestimmten Formen zu geben, die sie zeigen; denn Hugo würde
am Eingange des 13. Jahrhunderts z. B. oder in Norddeutschland
ein anderer gewesen sein, als er am Ausgang des 14. in Vorarl-
berg war. Ich setze hier voraus, dass man wisse — und habe
schon in Abh. I einige Andeutungen gegeben — wie seit dem
Untergange der Staufen alle staatlichen Institutionen des Mittelalters
entarteten, wie das Pabsttum und deutsche Königtum von ihrer
Höhe herabsanken und die alten Ständeverhältnisse aus ihren Fugen
wichen; wie die strengere Zucht und Sitte mehr und mehr ver-
schwand, der Clerus verweltlichte, der Ritter verwilderte, die öffent-
liche Ordnung und Sicherheit dem Faustrechte erlag, das immer
üppiger emporblühte, so dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts
die Zerrüttung in Reich und Kirche trostlos, die Sittenverderbnis
in allen Schichten der Bevölkerung grauenhaft war''^). Zu diesen
jammervollen socialen Zuständen kamen noch alle Schrecken der
Natur in einem Masse wie niemals vor- noch nachher: Erdbeben,
Heuschreckenzüge, Misswachs, Hungersnot, Seuchen jeglicher Art
und endlich der furchtbarste von allen, die Pest, welche um die
Mitte des 14. Jahrhunderts so wütete, dass die Hälfte, nach andern
sogar zwei Dritteil der Menschen hinweggerafft wurden. So sah man
alles wanken, stürzen, untergehen — alles, was der Mensch von
den weltlichen Gütern gebraucht und begehrt und erstrebt Diese
Erschütterung des ganzen Daseins musste notwendig neue Lebens«
grundsätze erzeugen. Aber wie weit giengen diese auseinander!
1) Auch das bietet dem Ausspruche Gervinus* über Hugo (LG.* 248) : ^doch
dringt in seiner guten Natur ein frischer gesunder Sinn überall lebhaft dorch^
eine, wenn freilich zu schmale Grundlage.
*) Lehrreiche Belege, wie es damals in Tirol ausgesehen hat, bietet die
soeben durch B. Schwitzer herausgegebene Chronik Marienbergs Ton
Goswln (TL Bd. der tirol. Gteschlchtsquellen), welche der etwas spfttem Satire
^des Teufels Netz^ die richtige historische Unterlage bietet.
CI
In den einen erhöhte der Anblick von der Flüchtigkeit der irdi-
schen Freuden nur noch mehr die Genusssncht und Verkommen-
heit, sie machten Philosophie des Lasters: was ich nit han ge-
wenden^ der Borgen ich nit will nur der Augenblick, den du lebst,
gehört dir, geniesse ihn, so viel du kannst und kümmere dich um
den nächsten nicht, der vielleicht nicht mehr dein ist. — In den
andern, den tiefer angelegten Gremütern aber machte die Macht
des religiösen Elements sich geltend: sie sahen in dem Unglücke,
das über die Welt hereingebrochen war, die strafende Greissei Gottes,
flüchteten sich mit schwerem Schuldbewusstsein von der objectiven
Welt in das eigene Innere, um hier Grott zu suchen und Trost zu
finden. Ihrem Bewusstsein gieng die ESoheit von Natur und Greist,
von Leib und Seele, weiter denn je^) in einen klaffenden Dualis-
mus auseinander: jener ist das sündhafte, vergängliche, diese das
bleibende, welches für das ewige Leben zu retten ist; und die prak-
tische Folgerung dieser trüben Weltanschauung war: zwischen
Sinnenlust und Seelenfrieden bleibt dem Menschen nur die bange
Wahl. Das erweckte in ihnen eine innerliche Zerknirschung, einen
schwärmerischen Andachtseifer und brennenden Bussgeist, der sich
vorzüglich an den extremen Auswüchsen dieser Richtung charak-
terisiert, an den Mendicanten, den Gottesfreunden, den Greisslem
und den zahlreichen andern Secten und Religionsgenossenschaften,
die besonders dem Rhein entlang ihre Wohnsitze aufgeschlagen hatten.
Wir sehr diese auch in einzelnen Grundsätzen auseinandergehen und
sich alle zusammen wieder von den ruhigeren und gemässigteren Laien
unterscheiden mochten, das Eine war ihnen allen gemeinsam : die
christliche Idee der Weltüberwindung, jenes ernste schmerzhafte An-
kämpfen gegen die Sündhaftigkeit der Welt und die Gelüste des
Fleisches, wodurch allein der einzelne Trost finden, die bestehenden
Verhältnisse zu bessern Zuständen geführt und die Zeit aus ihrem
Verfeile gehoben werden könne.
Machen wir hier Halt und blicken auf Hugo*s Leben zurück.
^) Mit dem Zerfalle des altclassischen Geisteslebens trat der Bruch zwi-
schen der objectiTen nnd sabjectiven Welt ein (Schwegler, Gesch. d. Philos. 125).
Dieser Dnalismus war die Klippe, an welcher die alten Philosophien zerschell-
ten. Das Christentum nahm dasselbe Problem wieder auf; aber alsbald trat
er wieder herror, bald mehr bald weniger, je nach den helleren oder trüberen
Verhtitniiien der Zeit. Auch im 13. Jahrhundert Ternehmen wir b«i DVfibL^ATDL
seine Stimme. YgL Bekpiele hei Bartsch LD*, 21.
cn
Wir haben die Zeit seiner SQndenblüte keunea gelernt, ^ber dann
gesehen, wie er sp9>ter die Vergänglichkeit der Welt und 'ihx^V
Freaden erkannte, wie in ihm die Macht des reUgiö^u EJlement^
sich geltend machte und eine tiefe ß^ue über seine Sünden, jener
Bussgeist, jene Angst für das Heil seiner Seele erwachte, die ihn
alles meiden hiess, was zar Sünde führen könnte, selbst dlQ welt-
lichen Gedichte! Von nun an erblickten wir ihn fort und fort im
Kampfe gegen die eigene Begierlichkeit und die sündhaften Ver-^
lj>ckungen von aussen. — Ist das nicht der asketische Geist jener
Zeit, der Hugo*8 Umwandlung, Hugo*8 ganzem spatera Leben
seinen Stempel aufgedrückt hat? Auch viele Aeu sserangen iq seinen
Gedichten bestätigen das. In den Plagen der Welt sieht er di^
Strafe ihrer Sünden 5, 138; 13, 47; 24, 121. Den Gegensatz
zwischen der Welt, die sieh um Gott und Seele nicht kümmert,
deren Grundsatz lautet; lass vögelli sorgen . • . spring initfröden
cm den tantz etc., und zwischen demjenigen, der in besserer JEr-
kenntnis ihre falschen Freuden flieht, auf den Tod denkt und für
das ewige Leben sorgt, hat er zum Eptwurfe eiijes eigenen Ge-
dichtes (Nr. 29) gemacht (vgl. ^qch Nr, 17), Die dualistische
Anschauung jiit bei ihm scharf ausgeprägt; nu bin ich fleisch
bein und pluot, daz züht den elemenfen ndch, zuo göttlichem
dienst ist im nit gdch 4, 52; wer sinern glust nach volgen wiU
natii/rlich ah es ist geborn^ sinß ungelimpfs wurd gcur ze vil^
ein sei die wurd darumb verlorn; aber dazu hat der Mensch
auch Vernunft und Gewissen, damit er in beständiger Selbstab-
tödtung die sündlichen Begierden unterdrücke: sin hertz das sol
einß bissen (sein Fleisch abtödten) mit geeckten dingen nacht
und tag (18, 125 ff.), ein Satz, der dem strengsten Asketen Ehre
machen könnte.
So finden wir Hugo von der einen jener Zeitströmungen pait-
fortgerissen, die wir vorhin charakterisierten, und es handelt sich
nun um seine Stellung innerhalb derselben, Das unterscheidende
Merkmal der einzelnen Parteien, in welche diese Richtung ausein-
andergieng, bietet vor allem ihr Verhältnis zur herrschenden Kirche.
Man hätte vielleicht erwarten können, dass sie alle einmütig nach
den Satzungen und Geboten derselben ihre Bussübungen und ihren
Lebenswandel eingerichtet hätten. Wenn es anders kam, so liegt
ein grosser Teil der Schuld in dem damaligen Zustande der Kirche.
Männer wie Geraon, Peter d'Ailly, Nicolaus v. Glemange, Heiorioh
Gm
▼. liangeDstein, Math&aa v. K.mkau, der Dichter von . des Teufels Netz *
u. a. entwerfen ein trauriges Bild von ihr. Es bildeten sich dr^i Grup-
pen : d^ einen, an den Päbsten und ihren Aposteln irre geworden,
schlössen von der äussern Erscheinung der Kirche auf ihr Wesen über-
haupt und glaubteUf dass das Pabsttum mit all seinen Gnadenmitteln
nicht vermögend sei, den Menschen zum Heile zu verhelfen; sie such-
ten daher nach eigenem Gutdünken den Weg zum Heile. Ihnen ge-
genübw standen die Fro]|imgl|L.ubigeTi, die sich mit den bestehenden
Verhältnissen der Kirohe ohne weiteres abfanden und sich ihr
rackhaltslos in die Arme warfen; in der Mitte zwischen beiden
stand die s. g. B§£oniipartei, welche im allgemeinen auf den An-
schauungen und Lehren der Kirche fussten, aber ihr bessernde
Kritik entgegenbrachten und sich unter einander wieder mannigfach
abstuften, je nachdem sie nur ihre äussern Zustände oder auch ein-
zelne ihrer Lehrsätze prüften und bekämpften. Hieher gehört der
grösste Teil der damaligen Gelehrten wie Gerson, d'Ailly etc. und
Dichter wie Teichner, Suchenwirt, Vintler, Oswald, Sachsenheim,
der von , des Teufels Netz ' . . und auch Hugo. Bei jedem einzelnen
muss erst festgestellt werden, wie weit er hierin gieng.
Hugo richtet sich vor allem gegen die Habsucht der höheren
und niederen Geistlichkeit (5, ^11, 270), gegen ihren Wucher und
ärgerlichen Handel mit geistlichen Dingen (5, 269) ; dazu bringt er in
Nr, 29 neue Ansohuldigungf^n: die pfaffm hahent hrieg^ tmhüach und
git (137). Gegen die Klöster richtet er sich noch besonders; denn
darinn ist nid und Jiaes (29, 134), selbst im dritten orden nach
sant Francissen regel hält man sich nicht eben: diese Mönche
tuot vnhüseh etwenn betriegen (29, 158); ja soweit ist es ge-
kommen, dass kein Orden mehr zu finden, er hob ein galten^ es si
dann Mtzel oder vil (29, 161). Am meisten erregt der Skandal jener
Zeit, das Schisma (seit 1378), seinen Zorn: zwei Päbste sind auf
dem Stuhl Petri, einer von beiden muss den Teufel bei sich haben
(5, 196). Hugo greift die Wahlvorgänge an, über die er sich
genau unterrichtet zeigt: die Bestechlichkeit der geizigen Gardi-
näle hat diesen Jammer angerichtet Bezeichnend ftLr seine inner-
liche Auflhssungsweise aber ist es, dass er nicht für oder gegen
einen der beiden Partei nimmt, wie das damals sonst allgemein,
auch bei den österreichischen Herzogen, der Fall war; denn die
äussern Wahlvorgänge entscheiden allein nichts, ihm kommt es
vielmehr auf die Gesinnung der Päbste an ; welcher glaubt, daa er
II
cnr
rechter bähest ai^ der mag da wol beliben bi; tet er es aber
umb fjdb od guot^ zwdr der hat ein bösen muot (5, 217). Es
könnten demnach vor Gott beide gerecht oder beide verworfen sein.
Wichtig ist dann die folgende Aeusserung Hugo's (5, 223 — 228),
weil sie einen Lichtstreifen wirft auf seine Ansicht über das
Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht, indem sie
jene Frage tangiert, ob die weltliche Gewalt in gewissen Fällen
über den Päbsten und ihrem Collegium stehe, welche durch das
Schisma neuerdings in lebhafte Disoussion geraten war.^ Von den
Frommgläubigen wurde sie unbedingt verneint, von den Reforma-
toren bejaht, besonders war es die Pariser Universität mit ihrem
Kanzler Gerson, welche die Ansicht vertrat, dass gegen unrecht-
mässig gewählte, die Einheit und den Frieden störende Päbste die
weltlichen Fürsten zum Einschreiten befugt, ja sogar berechtigt
seien, über schismatische Päbste zu Gericht zu sitzen ^). Wie weit
sich diese Meinung verbreitete, zeigte sich später deutlich auf den
Concilien zu Pisa, Constanz und Basel. Dass auch Hugo diesen
Standpunkt inne hatte, beweist sein eifervoller Aufruf an die Könige
und Fürsten, mit ihrer macht behende dieser- Zweiung, welche die
Christenheit zu Grunde richtet, ein jähes Ende zu bereiten. Re-
formatorischer Einfluss auf Hugo scheint sich endlich auch in seiner
starken Betonung der Bibel zu offenbaren. Die Unsicherheit der
christlichen Traditionen durch die Entartung ihrer Träger führte
auf die Bibel, als die Urquelle der christlichen Lehre, zurück. Es
gibt keinen bedeutendem Reformator dieser Zeit, der nicht ihre
Autorität mitunter sogar der Kirche und den Concilien gegenüber
betont hätte. Wenn Hugo auf eine Lehrmeinung anspielt, ge-
schieht es meist mit Verweis auf die Bibel, z. B. aiU Lucas sagt
4, 99; als sant Matheus sagt 32, 79 oder sant Johans ewan^
gelist der hdtz geschriben 5, 120 etc.; er beteuert ihre Integrität
27, i>2 und hält sie dem Doppelpabsttum entgegen 5, 206.
Soweit ist Hugo*s Kritik gegen die Kirche in seinen Gedich-
ten zu verfolgen. Sie richtet sich, wie man sieht, mit Ausnahme
von einem, vielleicht zwei Punkten, nur gegen ihre äussern Schäden;
ihrem innern Baue, ihren Dogmen und Institutionen gegenüber
verhält er sich durchweg conservativ. Er zieht z. B. wiederholt
gegen die Priester los, aber nirgends gegen den Priesterstand,^be-
1) Theol. Bibl. Ser. I, 14. Bd. ; Hergenröther, Kirch. Gesch. II, 68.
ov
tont vielmehr die Würdigkeit und Notwendigkeit desselben (ö, 361).
Aach die Geheimnisse der kirchlichen Lehre gelten ihm für un-
antastbar, obgleich wir sie nicht zu begreifen vermögen^); nur in
ihren Gnadenmitteln liegt wahres Seelenheil: Abtödtung des Flei-
sches, Basswerke und Rene über die Sünden müssen sich mit der
Beichte verbinden etc. 4, 22; 5, 187; 13, 9, 27 u. a. In all
diesen Dingen war Hugo ein treuer Sohn der Kirche und fasste
dem entsprechend auch Stellung gegen jene Reformatoren, welche
weiter giengen, indem sie deren Lehren selbst anfochten und sich
zum Teil auch vom äussern Kirchentnm lossagten. Dabei mochte
auf Hugo neben seiner Ueberzeugang auch eine andere Rücksicht
wirken. Weitergehende reformatorische Bewegungen der angedeute-
ten Art haben mehr oder weniger immer ein plebejisches Element;
, denn die Selbstbefreiung der Laien von der Aristokratie der Geist-
lichkeit hat übereinstimmendes genug mit der Selbstbefreiung des
Volkes von einer politischen Aristokratie^) •. Es kann dem zu
einer gewissen Stütze dienen, dass er sich besonders gegen jene
antikirchlichen Glaubensmeinungen richtet, welche in ihren prak-
tischen Gonsequenzen demokratischen Bewegungen zum Ausgangs-
punkte werden konnten und tatsächlich auch wurden: gegen die
Läugnung der menschlichen Willensfreiheit und die Behauptung,
dass Gott der Urheber auch des üebels und der Sünde sei: wer
spricht, das got ein schöpf er ei der silnd tmd och des liden^ dem
wanet grosse torheit hiy wan seid die muoss in miden. er hat
uns gehen eigenn muot (13, 41) ; ausführlicher erscheint der letzte
Satz 22, 9: got hat uns eigen wiüen gehen uff erden hie ze
werhen; wir mugent aher also lehen^ wir muoseent ewig sterhen
(vgl. auch 4, 47 ; 27, 85), und 30, 95 fögt er noch hinzu : davon ist
er unschuldig daran, wer kunt in helle hrimst^ woraus erhellt,
dass er sich gegen die Prädestinatianer richtet.
John Wiclif baute aus den Elementen der Apokalyptiker, der
Lehre des Wilhelm von Occam, des Marsilius, Bradwardinus einen
pantheistischen Realismus, dessen Spitze die Prädestinationslehre
^) Selbst ein so hervorragender Geist wie Gerson schreibt: ^Wahrheit
sei Dar dnrch die Offenbamng zu erkennen: sicherer als alle menschliche
Forschang führe Basse and GlaabeizurjEinsicht*^ Üeberweg, Gesch. der Philos*
U, 226. Aach Teichner kommt nach langen Meditationen zar Einsicht , dass
mit di&muot «invoUteelühen geiouben am besten sei. Karajan, Denkschr. VI, 113.*
«) Wackernagel, die Gottesfreande in Basel, klein. ^(ikii.W, W^»
CfVI
war: alles beherrseht eine unbediugte NotWi^ndigkeit, auch da« Böse
geschieht mit Notwendigkeit; der göttliche Wille bestimmt mit
Notwendigkeit den geschöpfliohen «od nötigt jedes einzelne tätige
Geschöpf zu jedem seiner Acte: demselben fehlt also der freie
Wille, mit dem er sich nach eigener Wahl Himmel oder Hölle ver-
dienen könnte, beides ist ihm von Gott vorhergesehen und vorher-
bestimmt^). Wiclifis Lehre machte seit 1381 (damals beiratete Wenzel
Richards H Schwester Anna) in Deutschland rasche Fortschritte,
weil sie hier vorbereiteten Boden fand. Schon die Mystiker hatten
mehr oder minder reife pantheistische Elemente ausg^streat, dann
die Brüder des freien Geistes (besonders in Rhätien), welche lehr-
ten: alles was der Mensch tut, geschieht aus göttlicher Anord-
nung etc.^); vor allem aber ergriflfen und verbreiteten die zahlrei-
chen Waldenser, die im 14» und 15» Jahrhundert in Böhmen^)
und dem ganzen Rhein entlang ihre Gemeinden hatten, den ver-
wandten Wiolifitismus^) ; unter ihnen waren auch viele Beginea,
welche die Lehrmeinangen der Waldenser aoceptierten, so dass man
beide Secten auch mit dem gemeinschaftlichen Namen der Beginen
zusammenfasste.
Es ist schwer zu sagen, ob sich Hugo*s Polemik gegen diese
Richtung im allgemeinen oder gegen bestimmte Secten derselben
kehrte. Ist letzteres der Fall, so wahrscheinlich gegeu die Beginen;
denn dafür spricht schon die örtliche Nähe, dann besonders der Um-
stand, dass er auch 29, 146 dieselben direct angreift: m<m nemptz
die paginen^ der tiefel wird ai pinen\ wo» ea ist nicht eingerückter
ordeuy die bepst Mnd ri in ban — und nicht weniger auch, dass
schon vor ihm der Schweizermönch Bonerius in seiner 43. Fabel
(ed. Pfeiffer) und nach ihm noch Sachsenheim (Martin p, 14) gegen
dieselben zu Felde ziehen.
Wiclifs Prädestinationslehre involviert selbstverständlich auch
die Ansicht, dass das Uebel und die Sünde mit Notwendigkeit und
Gotteti Willen geschehe, und schon seine Vorgänger, besonders
Franz Mayron und Thomas Bradwardinus, haben in eigenen Scbrif-
1) Theol. Bibl. Ser. I, 14. Bd.; U, 213.
*) Vgl. Preger, Gesch. der deutsch. Myst. I, 207.
^) Diese wurden der Grandstock der Hussiten. Wie der Wiclifitismos in
England (LoUarden) so führte de^ Hossitismus in Böhmen zur socialeo ite-
Tolation der Massen.
^ Wack»rntkge\, die Gottesfreunde in Basel, klein. Sehr. II, 158.
f
ovn
ten den Satz vertreten, dass Gott auoh der Urheber der Sünde
und der Leiden sei (theol. Bibl S. I, 14; II, 161). Wenn sieh
Hago mit seinen früheren Aassprüchen gegen die Prädestinations-
khre richtet« wird es auch mit diesem der Fall sein^).
Aber dieseni Glauben an die absolute Freiheit des mensch-
liehen Willens scheint eine andere Aensserung Hngo's zu wider-
sprechen; W€^ du (Gott) mir gUt^ das gib ich dir: kein guot$t
iuon ich selb von mir 4i 61. Wenn der Mensch nicht im Stande
ist, aus sieh selbst eine guotet zu tun, darin also von Gott ab-
hängt, so hängt seine Seligkeit überhaupt von Gott ab, und unser
Dichter hatte fUr die«e subtile Materie nicht genügende geistige
Klarheit, nm sie zu ein<^r einheitlichen Ansicht durchzudenken.
Allein der Widerspruch hebt sich, wenn wir 27, 73 flf. hinzu-
nehmen: Gott kennt die Menschenberzen, findet er darin einen
9teten gantgen wiUm zum Guten, so versagt er keinem Gnade
und Hilfe, so dass der Mensch auoh kann, was er will. Es ist
also doch der menschliche Wille das frühere und ausschlaggebende,
von dem seine guten Taten und seine Seligkeit abhängen, und
Hugo hat die Lehrmeinupg der Kirche ihrem Geiste nach erfasst
Die häufige Betonung der Notwendigkeit guter Werke (4, 110;
28, 237 u. a.) ist nur eine Gonsequenz dieser Ansicht und kann
sich ebenso gegen die Waldenser wie gegen viele Mystiker und
andere Secten richten, welche auf die blosse Beschaulichkeit und
Innerlichkeit das üebergewicht legten.
Ausserdem beteuert Hugo noch seinen Glauben an einige an-
dere kirchliche Lehrmeinungen und auch hier wohl Andersgläubigen
gegenüber; so den an die unbefleckte Empfängnis Maria's: siwas
din muoter vnd doch ein magt an alle meil, daz gloh ich wol
4, lÖÖ; ähnlich 28, 573. Das Interesse für diese Frage war
besonders damals durch den Kampf der Thomisten (Maculisten)
^) Notwendig ist das freilich nicht; denn auch anabhängig Ton präde-
stinierter Anschauung hat sich diese Ansicht yerbreitet; so schon unter dem
nachwirkenden Einfluss der Katharischen Secten,' 'ja ohne alle äussere An-
regung konnte der blosse Satz „Gott hat alles erschaffen^ dazu führen. Ein
merkwürdiges Beispiel dafür bietet der Teichner, welcher ron diesem Satze
die Folgerung zog: ^also hat Gott auch das Böse erschaffen**, und diesen
Gedanken in einem Gedichte den Ansichten der Geistlichkeit gegenüber aus-
spricht, später aber wieder zu Gunsten der letzteren zurücknimmt. Karajan,
Denkschr. VI, 111.
cvra
und Scotisten (1387) rege geworden, welcher erst auf dem Baseler
Concil (1439) einen vorläufigen Abschluss fand ftheol. Bibl. 14,
II, 1 63) ; gleichzeitig herrschte der Streit über das Dogma von der
Dreieinigkeit Gottes, die hauptsächlich vom Averroismus, der noch
um 1500 lebte (üeberweg, Gesch. der Phil. 11, 219) geleugnet
wurde. Hugo beteuert 5, 117 seinen Glauben daran zugleich mit dem
an die Göttlichkeit des heiligen Geistes und gr&ndet denselben
auf die Allmacht Gottes, was an Duns Scotus anklingt (33, 137) :
wer geloht^ daz got almechüg ai^ der gelobt biüich an die dri'
valtUceit Das wer lässt die polemische Absicht erkennen. 32, 92 ff.
kämpft er gegen die Juden mit ihrem tcdamuot, gegen die Heiden
mit ihren Götzen und verteidigt die christliche Lehre. Auch
darin macht sich bei ihm der ESnfluss der gläubigen Theologen
geltend, dass er die Geheimnisse der Kirche als Offenbarungs-
lehren von den durch die Vernunft begreifbaren abtrennt und
ihre Erkennbarkeit der Erleuchtung durch die göttliche Gnade zu-
weist 30, 69 ff.
Das war Hugo*s Stellung in den religiösen Strömungen seiner
Zeit*). Er erscheint der herrschenden Kirche gegenüber im wesent-
lichen streng - aber auch nicht blindgläubig. Der Glaube war
die eine Quelle seiner sittlichen Grundsätze, die andere floss ihm
aus seinem Stand. Hugo war Aristokrat der Geburt und Ge-
sinnung nach. Das zeigt sich in seinen Dichtungen allerwegen.
Aus dem vornehmen Stande denkt er sich sein Publicum, aus
demselben sind auch die typischen Figuren genommen, die ihm
Lehren erteilen (wachter und prieater nehmen sich von selbst aus) :
^) Bestimmte Schriften heranzuziehen, gegen welche sich Hugo gerichtet,
oder auf welche er sich gestützt hätte, etwa nach dem Mnster, das Heinzel
bei Heinrich t. Melk aufgestellt, war hier unmöglich ; schon deswegen, weil
seine Andeutungen zu aphoristisch und dann, weil jener Quellen zu viele und
die meisten derselben nicht rorhanden sind : in Liedern und Prosaschriften yer-
breiteten sich damals die religiösen Meinungen rasch nach allen Seiten (Wacker-
nagel, kl. Sehr, n, 152), Prediger der yerschiedensten Secten zogen ron Ort
zu Ort. Ein merkwürdiges Beispiel gibt Nicolaus t. Basel, der erzfthlt: er
habe einmal in einer Predigt gehört, dass Gott alle Menschen Torher be-
stimmt, die einen zur Seligkeit, die andern zur Hölle; da ihm die Sache
yerdächtig Torgekommen, habe er sich bei zwei andern gelehrten Pfaffen weitere
Aufschlüsse darüber geholt (ygl. Schmidt p. 11). Es musste daher genügen,
die Ansichten, gegen welche er sich richtet, örtlich and zeitlich in seiner N&he
nachzuweisen.
GIX
so in Nr. 28 ein herr and eine edlü maget, so die zwei Herren
und Franen in Nr. 25; besonders bezeichnend ist 25, 76, wo der
Herr dem Dichter die Sendung erteilt: ich dich ze hotten sende
zuo grafeny dinen gnoeeen^ und zuo allen herren grossen.
Parcifal erscheint ihm in Nr. 5, Helden wie Alexander, Artns,
Hector, Dietrich v. Bern und die türsten^ die sweri in dhand
ie hdnd genomen^ zieht er zum Vergleiche herbei
Der Adel ist ihm der Stand von Grottes Gnaden 14, 20;
aber ihm genügt der äussere nicht, er fordert von seinem Träger
auch den Innern: Zucht, Ehrgefühl und Selbstbeherrschung 14, 17;
23, 8. Je höher die Würde und der äussere Rang, desto grösser
seine Anforderung an den innem Wert: vom Fürsten verlangt er
fürstlich zticht und sitt 5, 241 und spricht von des adels ere
(5, 320) als einer besondem, wie man etwa an das Leben eines
Priesters neben dem allgemein menschlichen Sittengesetz noch das
standesmässige bringt. Es ist keine von den Tugenden, welche in
Hartmanns armen Heinrich 33 ff. von einem Ritter gefordert werden,
die Hugo in seinen didaktischen Gedichten nicht gleichfalls betont
oder selbst besessen hätte. — Seine ritterliche Gesinnung offenbart
sich femer im Festhalten des alten Verhältnisses zu den Frauen,
von dem sich bei den meisten Dichtern dieser Zeit, wo der Frauen-
cultus schon vorüber war, kaum mehr eine Spur zeigt. Bei ihm
besitzen sie noch ihre hervorragende Stellung und Würde : ie Jclue-
ger sinn ein m<m doch hdt^ dest bas halt er ein biderb wib:
er bhent die er^ die an ir Ut 18, 145; ir er, er zucht^ ir dtt
ist eins mannes leid vertrib 18, 143 etc. Er stellt sie in der Er-
mahnung an den Sohn (14, 11) mit dem geweihten Priesterstand
zusammen: nicht smeh wib noch priesterschaft^ so bist du vor
got tugenihaft^ ähnlich wie einst Wolfram gesprochen hat: wilt
du din leben zieren und rehte wirdeclichen vam^ sS muostu haz
gein wtben spam: wip und pff äffen sind erkant etc. (Parc. 502)
und ähnlich anderen älteren Minnesängern, welche die Frauen und
den Frauendienst mit heiligen Dingen zusammenbringen (vgl. Uh-
land. Sehr. Y, 173). Die Frauen erhöhen den muot^ unedle Sitten
und Rohheiten sind aus ihrer Gegenwart verbannt, und Hugo tadelt
es heftig, dass die Ritter seiner Zeit dagegen handeln : mitt bösen
swueren gottes nom vor frowen wirt genennet; sich selb er (der
Ritter) nit bekennet und tribt lotters wis mit liegen; zucht die
muosz sich smiegen 5, 302; jamer tuot sich nüwen^ so man
i
emphint der loUerheit^ damit bschickt mantger frawen teil 5, 310.
Andrerseits aber hielt ihn sein männlicher Sinn feili von ddü tLbeiV-
stiegenen Minnenarrheiten, die uns bei Lichteiistein, Hadloab und
teilweise noch bei Oswald anwidern.
Einem Manne, der den alten Geist des Rittertums so in siöh
fortleben liess, stand auch der offene Sinn für den äussern Olanz
desselben gut an. Oftmals vernehmen wir deine FYeude an ritter^
spil^ an tumieren, stechen zuo dem zil, auch mitten aus den Kla-
gen über die Vergänglichkeit allef irdischen Genüsse z. B. : ith hon
gar vil gehöret von ritterschaft uridftowen^ das doch den miMt
enböret: wih und man die mochtintz gerne schowen 15, 53. So
hat er seine Bitterfahrten und seinen Kreuzung aufzuweisen, so
will er auch noch bei der deutschen Königskrone den alten Kai-
serglanz nicht missen und fordert Wenzel auf, seinen RftuDerzag
zu unternehmen 5, 243.
Bitterlicher Geist und tiefernste Religiosität schlössen mch
keineswegs aus, aber ein gewisses heilsames Gegengewicht g^en
einen zu scrupulöseii Sinn blieb er mit seinem Frauendiensl und
den andern Lebensforderungen immerhin und ist als das auch bei
Hugo zu erkennen: wiederholt sahen wir die Frauen ihm Mut otid
Tatkraft erhöhen und seine düstere Stimmung erhellen; ja eä gibt
einzelne Punkte, in denen sich der ritterliche Sittü mit detii kitch-
liehen kreuzte. Und dass sich Hugo in diesem Falle auf die Seite
des erstem stellt, fallt ausschlaggebend ins Gewicht. Eine ohrist-
liche Lehre heisst: nicht nur deinen Freunden sollst da gutestun^
sondern auch deinen Feinden. Diesen Grundsatz erläutert Htigo*8
Zeitgenosse, der fromme, aber tiicht ritterliche Teicihüer, in einem
Gedichte (Hs. A 107^) und rät, den Feidd mit Geduld zu bediegea:
Vergebung sei die edelste Rache; denn 86 d^ mensch 'vertreii
ie mSr^ s6 ie groezer vrumt er prts^ ja ef soll sich durch fklsohe
Scham auch von der Flucht nicht abhalten lassen (bei Kar. 132)«
Wie ganz anders lautet der Gfund^^atz, Welchen Hugo den jungen
Sohn lehrt: sei den ftünde^ holdy den vinden grwn 14, 97*
Wenn wir ihn dann oben unter jenen gefunden haben, welche in
bestimmten Fällen die weltliche GreWalt als Bicht^r über die kii^-
liehe setzten, so hatte dabei der ritterliche Geidt Hngo'ft gewies
auch Einfluss auf seine Anschauung genonmien: jenen böden Knoten
des Schisma*s mit dem weltliche^ Schwerte auseinaüderzoschlageti,
das war so recht noch ans jenem alten ritterlichen Stanfengeiste
CXI
heraosgesproclien. Man vergleiche nur diese Aensserangen Hngo*s
(5, 223 ff.) mit einer Rede Suohenwirts (Nr. 35, 95 ff.), welcher
das gleiche Thema behandelt: aach er klagt über das Elend des
Schisma*s, aber für Hago*s energischen Aafiruf an die deutschen
Fürsten nnd Herren hat er nichts als frommes Flehen za Gott,
dass er diesen Uebelständen abhelfen and aas zwei Päbsten wieder
einen machen möge!
So lebte in Hago noch der alte adeliche Ton and Geist fort
zu einer Zeit, wo man bereits dem ritterlichen Leben nnd Wesen
den Bücken gekehrt, wo Mfiglein öffentlich das Toamierwesen be-
schimpfen, der Teichner es für töricht aasgeben konnte, im Frieden
Waffen za tiragen; za einer Zeit, wo man den im Bitterspiele G&-
follenen das ehrliche Begrftbnis in geweihter Erde versagte^) nnd
das alte ritterliche Leben nnd Lieben anm komischen Elemente
in der Dichtang verwertete: karz za einer Zeit, wo der Nieder-
gang der deutschen Galtar and Dichtung vom Bitterstande in die
tmtem Volkssc^hichten bereits entschieden war nnd sich im E[a-
noüendonüer eine neue Zeit ankündigte, welche Hago in seinem
letzten Gedichtö (98, 26) mit ihrem hervorstechendsten Merkmal
selbst sigttalisierte.
Tiefernste Beligiosität and ritterliche G^sinnang also sind die
Gtrnnd^üge Von Hngo*s Oharftkter; wie wir in der erstem den
ISiüflnss seiner Zeit, so haben wir in der letztem den Einflass
jeüed Ortes za ^kennen, in dem er gebored war and den
grttteerti Teil seines Lebens Mügebracht hatte. In dieser südlicdken
Alpenfeste, wohin alle Bewegangeü in Literatar and Leben des
deütsdien Volkes erst später gelangen, werden sie aach am kräf-
tigsten nnd längsten festgehalten. E& ist kein Zafall, dass ge-
rade hi^ die letsiten ritterlichen Säfiger erstehen^ noch weniger
Zn&ll, dass Kaiser Max nach Turol sandte, die altdn Bitterepen
anfzttschreiben, nnd dass der , letzte Bitter' selbst mit so grosser
Vorliebe in Throl sich ati^ehalten habet hier lag eben, wie sich
Pro£ Scherer eindial ansdrückte, die letzte Hoch barg der
Aristokratie.
•A- .J
*) Tgl. dttHlbtyr Kimse^s EliiiMtttii{( Ein „Jabker and der treae Hein-
IIL ÜBEELIEFEEUNG.
Hugo*8 Gedichte überliefert der Codex Pal Germ. Nr. 329
in Heidelberg. Er ist 81cm. lang, 21^^. breit, in Pergament ge-
bunden, hat 54 Blätter starken, aasgesuchten Pergaments, denen
ein leeres Vorschlagblatt angenäht wurde, welches man später mit
Signataren versah: auf folio recto stehen von einer Hand des
16. Jahrhunderts die Worte Ein Alt lieder buech^ auf folio verso die
vier ausserordentlich schlecht geschriebenen Halbzeilen noch aus dem
15. Jahrhundert, welche ich nicht zuentziflfem vermochte, Prof. Scherer
aber also las: Erst ey huhesch buch von Werbung eyn* frauwen mit
clug wort und lied^n u. kimpt vo graff Hug von m^nffort —
Ausserdem sind 2 Bl. Papier dem vordem, 4 Bl. Pap. dem hin-
tern Deckel beigebunden.
Die 54 numerierten Pergamentblätter des eigentlichen God be-
stehen aus 5 Lagen, jede derselben ist ein Sexternio, nur die letzte
ein Quatemio. Ihre Zählung ergibt, dass die Hs. nicht mehr voll-
ständig ist und zwei Blätter ausgeschnitten worden sind,^wie auch
die noch sichtbaren Strünke beweisen : das eine war das vorletzte
Blatt in der dritten Lage und sicher beschrieben, das andere das
vorletzte Blatt im Quatern und vermutlich leer wie schon die letzte
Spalte der vorausgehenden Seite. Die Lagen schliessen also nach
der jetzigen Zählung mit Fol. 12, 24, 35, 47, 54.
Fol. 53 und 54 sind unbeschrieben, doch trägt ersteres am
rechten Fasse der Rückseite mit goldenen Uncialen die Inschrift:
Cornea hugo de möteforti. Dominus de Brigantia, O wer ich
aller eunden fry. So wurd ich in seiden gra. — ; letzteres trägt
auf fol. rect. Hugo's Wappen auf blauem gelb damasciertem Grande
in dreifacher Umrahmung, das Weinhold also blasonniert hat: ,in
weissem spanischen Schilde steht die rote dreilitzige Kirchfahne
mit drei Ringen. Auf dem linken Sohildhaupte stürzt der goldene
cxn
geschlossene Touraierhelm, zimiert mit der roten Bischofsmütze, die
aaf jeder Spitze eine weisse Perle trägt. Die laabartig geschnittene
rote Helmdecke fliegt links. An dem Helm sitzt das goldene
Kleinod des österreichischen Drachenordens ^), vom rechten Schild-
hanpte hängt der goldene Fisch*.
Die Schrift ist durchweg sauber, zwei Spalten auf jeder Seite,
welche durch Linien mit Tinte markiert und durch fingerbreiten
Raum von einander getrennt sind. Von Zeilenliuien keine Spur;
sie waren daher ursprünglich nur mit Blei- oder Braunstift gezogen
und weggewischt worden: gehörte es doch zu den Hauptbediogun-
gen einer schönen Hs., keine Linien sehen zu lassen. Die Wörter
smd deutlich von einander getrennt, die Zeilen nach den Versen
abgesetzt, die Strophenabteilungen mit wenigen Ausnahmen fest-
gehalten. Von den grossen Anfangsbuchstaben sind die der Zeilen
der Länge, selten der Breite nach rot durchstrichen, die der Strophen
abwechselnd von roter oder blauer Farbe und nur in Nr. 36 alle
rot, die der Spalten schwarz und bloss durch Grösse hervorgehoben.
Den Anfang jedes Gedichtes schmückt eine stattliche Miniatur,
ausgenommen sind Nr. 7, 39 und 40; in den beiden letzteren wird
überhaupt keinerlei Farbe verwendet. Den Liedern 8, 10, 11, 12,
13, 22, 29, 37, 39 und 40 sind die Singweisen beigesetzt.
Abbreviaturen begegnen häufig, aber keine aussergewöhnlichen.
Von Interpunktion ist nichts ersichtlich, denn die Punkte nach 1,
16—23; 1, 90; 4, l ; 5, 119; 12, 6; 16, 74, 76; 24, 79; 28,
213, 307 und in Nr. 38 mit schwarzer und die nach 2, 3— 18; 5,
120—147; 25, 159—203; 35, 35—40 und in Nr. 36 mit roter
Tinte und die vier goldenen Punkte der Inschrift auf Fol. 53^
kommen hier nicht in Betracht, da sie allesammt am Schlüsse der
Verszeile stehen und nicht zur Gedankengliederung, sondern einem
andern Zwecke dienten, den wir unten finden werden. Biodungs-
zeichen am Ende der Zeile (z. B. 15, 133 elemen = ten; 36, 9
pot = schafft) habe ich fünf gezählt.
Das zur allgemeinen Charakteristik der Hs. Ich gehe auf
wichtigere Punkte über und beantworte zunächst die Frage : stammt
der vorliegende Codex von einer oder mehreren Händen? — Vier
Schreiber sind mit Sicherheit zu unterscheiden, und
zwar schrieb der erste (A) bis Fol. 13, der zweite (B) bis Fol. 47,
*) Weinhold schrieb „Eidecbsengesellschaft'' ; 7g\. abet k\Ai. \^ ^. ^'^.
WaekeroeJi» Montfort ^
CXIV
der dritte (C) bis Fol. 48^ der vierte (D) die beiden letzten Ge-
dichte. Das ist zu beweisen.
A und B. Beide Hände zeigen anf den ersten Anblick eine so
frappante Aehnlichkeit, dass es leicht erklärlich ist, wie bisher allge-
mein ihre Verschiedenheit übersehen werden konnte. Aber A schreibt
1) kh: 1, 1 erkikht^ 49 ungelükh; 2, 43 gelükhen, 68
erschrokhen^ 116 dekhen; 4, 176 schrikhen; 5, 27 gescMkhet:
verblikhet. — 1,1 gedenkhen; 3, 81 dunkht; 4, 5 bedenkhen: sen-
khen^ 45 dankhen; 11, 42 dunkhet — 4, 87 atarkher; 10, 5 ge-
merkhet; 11, 2b werkhiperkh. Die Beispiele genügen. Für dieses
kh setzt B kch^ niemals kh^ wie sein Vorgänger niemals kch:
z. B. 14, 15; 16, 66; 26, 55; 27, 228; 29, \0 dikch; 14, 30;
16, 64 mgelakch; 22, 2, 5 glükch; 21, 10 blikchen; 28, 586
blikchiwikch. — 18, 276 dunkchet; 37, 30 vogeUankch. — 16, 61
schelkcht; 18, 79 merkch; 31,259 sterkch; 32, 25 stwrkcher:
markchen: also nach Vocalen und Liquiden.
2) B verdoppelt/ nach w, Z, r: senffter 17, 2; vemunfft
18, 130; 30, 109. — helffen 13, 10, 26,30; 15, 30; 24, 110;
33, 23, 27, 31; hilffet 15, 43; helff 27, 235; hulff 15, 19; 33,
17, 33, 51; hilfft 17, 11; 18, 33; 27, 48; zwelff 25, 139. —
werffen 13, 12, 28; 15, 82; 24, 112; bedürfen 29, 177; be-
darf 18, 230, 271; bdörfft 20, 20; ferner vor t in: priester-
schafft 14, II; ritterschafft 15, 54, 85; 28, 166; botschafft 16,
3; 28, 260. — manhafft 14, 36; 28, 168; tugenthafft 14, 12,
35.— lufft 16, 2; krafft 13, 39, 67; 17, 15; 31, 199; krefften
31, 237; geschrifft 27, 52 und noch oft. Diese Geminationen sind
A durchaus fremd: Vernunft 4, 46; kunft 8, 1. — helfen 5,
375; 10, 30; hilf 4, 21, 58, 65, 93; 11, 20; zwölf 4, 134. —
kraft 1, 51; 5, 381; 10, 16; kreftiaigenscheft 12, 10: ritter-
scheft 2, 28; priesterschaft i'sighaft 5, 367. gschrift 4, 90;
luftiguft 5, 25 etc.
3) Für ^ nach r schreibt sowohl A wie B durchweg tz^)
(z. B. hertzen 3, 4; 37, 6), ausgenommen ist aber die Zusammen-
setzung darzuo^ die A nie, B sehr oft mit tz schreibt : vgl. 3, 53 ;
5, 11, 95, 101, 117, 270, 320; 7, 18 -- aber 13, 28; 16,
55; 19, 2; 20, 11, 40; 21, 18; 24, 4, 110; 25, 91, 107, 133;
*) Im ganzen Codex nimmt das einzige vierzeh^nhundert 36, 25 eine
Sonderstellung ein.
cxv
26, 68; 27, 11, 30, 34, 86; 28, 55, 88, 123, 166. 237, 555,
558; 29, 122; 31, 148, 158, 200; 33, 110; 35, 24.
4) A schreibt phipUag 2, 94; 4, 97; ptdigt 2, 69; 5, 315;
^hlegen 2, 90; 5, 262, 269; äpMü 3, 27 ; schöphers 4, 156; em-
pJUag 12, 2 etc. (nur 2, 17 pßag) — B aber p/; pflegen 18, 228;
gepßegen 27, 138; ap/el 18, 216; schöpfet^ 13, 41; 27, 69, 186;
30, 30 eta
5) A schreibt ieman^ nieman 1, 34, 64; 3, 64, 69; 4, 31,
35, 36, 154; 5, 1, 172, 209, 210, 323, 373; 7, 20; 9, 9, 31*);
aber niemals iemanU niemant wie B in 13, 33, 35; 15, 10, 30,
89, 118; 18, 52, 55, 183; 19, 27; 20, 40; 25,28, 118, 162;
28, 711; 29, 102; 30, 6, 35. So verhält es sich auch
6) mit dem unechten t in glükty das bei A nie, bei B öfters
zum Vorschein kommt: 22, 19; 26, 17, 57; 28, 728; 29, 119;
31, 232; 32, 69, 87.
7) gk für fe (g) kennt A nicht, während B es schreibt in
zerganghleich 27, 118; 28, 377; 29, 34, 94; mengkleich 33, 15;
iegkleichen 30, 19; iegkleicher 30, 22; iegkleichs 31, 255. Das
gewichtigste Charakteristiken endlich, das sich in zahlreichen Fällen
manifestiert, liefert
8) der Grebrauch des y bei A und B. Beide schreiben es
för i und i z. B. fey *» 107; 13, 15; sy 5, 270; 31, 174; ye
1, 28; 36, 23. Demnach steht zu erwarten, dass beide in glei-
cher Weise y auch für das i in ^ (= mhd. i und ei) und ai
(ss mhd. ei) zulassen; doch ist das nicht der Fall: A gebraucht
es in ai: kay serin 1, 4; beachaydenhait 1, 76; zway 3, 27;
5, 27, 172; laydigen 5, 162; geschray 5, 298; wayen 5,
299; mengerlay 6, 20^) . . . niemals aber in ei^ also nicht etwa
dabey, sey, weyb etc.; ausgenommen sind nur zwei Wörter: drey
2, 120 und weyas 5, 35. — B dagegen hält es gerade umgekehrt:
schreibt nicht ay^) (für ai = mhd. ei\ wohl a-ber ey (= mhd.
ei und z). Ich brauche -dafür gar keine Beispiele anzuführen,
denn die Varianten zeigen sie zahlreich, denen gegenüber drei
Ausnahmen (31, 214; 32, 105, 138) nichts zu bedeuten haben.
') Ein eiozigesmal niemand 3, 23, was aber sonst in der ganzen Hs.
nicht mohr begegnet.
^^ In ain und kain begegnet es nie.
') üeber das Wort maye (mhd. meie) Tgl. die Anmerkung zu 5, 300.
CXVI
Das macht eine Summe von Disctepanzen, die beweist» dass
A von B verschieden ist. Aach die Grenzlinie, wo die beiden
zusammenstossen, ergibt sich annähernd: die Eigentümlichkeiten
von B reichen nicht über Nr. 13 herab, die von A hören in Nr. 12
(empJdag 12, 2) auf; zwischen 12, 2 und Nr. 13 also wird
der Wechsel erfolgt sein. Die genaue Fixierung der Grenzlinie ist
von der paläographischen Untersuchung des Cod. zu erwarten, welche
auch andrerseits unerlässlich ist, um die letzten Zweifel an der Ver-
schiedenheit von A und B zu zerstreuen; denn es bliebe immerhin
sehr auffallend, dass die Schriftzüge zweier Schreiber in gar nichts
von einander abweichen sollten. Allein auch die graphischen Ver-
schiedenheiten fehlen bei genauerem Zusehen nicht. Die Schrift
von A und B zeigt
1) Verschiedenheit in der Lage. A stellt seine Buchstaben ge-
rade aufrecht, den einen wie den andern, und gewährt den Eindruck
des gleichmässigen und geordneten; B dagegen neigt sie, beson-
ders die mittleren, gern nach links, während die kleinen wieder
aufrecht stehen: er arbeitet mit weniger Sorgfalt —
2) in der Grösse. A macht die mittleren und langen Buch-
staben und die Zeilenspatien grösser als B, wie sich ziffermässig
nachweisen lässt: er stellt nämlich in die volle Spalte (ohne Ini-
tialen oder Noten) 12mal 27, 13mal 28 und nur 4mal 29 Zeilen
— durchschnittlich 28 Zeilen; B dagegen schreibt in die
volle Spalte 33, 32, 30 und seltener 29, ganz ausnahmsweise 28,
nie 27 Zeilen — durchschnittlich 32 Zeilen. Das ist um
so auffallender, da B seine Golumnen auch noch kleiner liniert als
A, wie sich gleichfalls ziffermässig belegen lässt: der Kopf der Seite
beträgt bei A und B durchschnittlich Sem- -}- 1 bis 3™™- , ist also
bei beiden gleich und kommt nicht in Rechnung; aber der Fuss
ist bei A kleiner als bei B, dort beträgt er 7cm. piug oder minus
1 bis 2m™- , hier sinkt er nie zu 7^™- herab, sondern hat immer
noch ein plus von 2 bis 8mm* A setzt also in die grössere Spalte
weniger Zeilen, weil er seine Buchstaben länger und. in Folge
dessen auch das Zeilenspatium weiter macht.
3) Auch charakteristische Einzelheiten ergeben sich. Zu-
nächst ist
a) die erste Zeile der Spalte beachtenswert. Wie bemerkt,
steht über derselben ein leerer Raum, auf dem A seine Kunst ver-
sucht: er verlängert die aufwärtsstehenden mittleren Buchstaben um
CXVII
das doppelte and dreifieushe, schmückt zwei und aach mehrere mit
schwarzen Federzeichnungen ; besonders wählt er dazu jene, die eine
grosse Ansbanchang zulassen, in die er dann zierliches Masswerk
stellt Vgl. z. B. das Z in vogeldönm 1 , 43, , das F und b in
Vnd bitt 1, 70; das 8 und b in 8<mgwineu8 . . blilt 5, 37. —
B hat zu solchen Dingen weder Lust noch Fähigkeit: auf allen
Blättern, die er gefüllt, findet sich nichts derartiges; er schreibt
ruhig an seinem Pensum und unbekümmert um den Schmuck seiner
Arbeit; nur der erste Buchstabe der Spalte ist auch bei ihm etwas
grösser, aber gleichfalls ohne Zierat.
b) Die Verschiedenheit einzelner Buchstaben ist am auffallend-
sten in f , /, p, welche bei A sich allmählich verdünnen- und in
eine lange, scharfe Spitze auslaufen, während sie bei B plötzlich
wie abgehackt enden. Ein grosses F femer mit zwei parallelen
Längestrichen, wie es A in Fraw 1, 31 macht, findet sich bei B
nicht, der dafür den einfachen Krummstab setzt.
4) Werfen wir schliesslich noch einen Blick auf die diakriti-
schen Zeichen über den kleinen Buchstaben, wobei sich ausnahms-
weise B sorgfaltiger zeigen wird als A. Letzterer gibt dem Länge-
zeichen eine ungebührliche Ausdehnung, indem er es setzt a) häufig
für den einfachen I-punkt: mtch^ dich . . b) für das ümlaut-
zeichen überw;/ör, züchtigen ^ gelühhen . . c) für die beiden
Punkte über u (= ü = uo): tAn^ Mt^ guten ^ zü^ bülen . . •
d) für das i über u (== iu): füriny trüwen^ üwemy stär^ gß'
hür . . und endlich e) ohne allen Grund : 2, 20 achSzz ; 4, 63
gStt; 10, 8 nSch; 10, 26 Mmer; 11, 20 h&nst; 12, 7 w6rt,
8 apSti^). Andrerseits aber lässt er die Punkte da weg, wo sie
gehörten. So fehlen a) sehr oft die gewöhnlichen I-punkte: dich
1, 1, erhikht 5 . . b) die Punkte über ü tmuglich^ furtrechüg
furbcLs^ svnd^ über etc. und o) über ü {= uo) ^), die ich in den
Varianten verzeichnet habe; da mir im ersten Bogen etliche
Fälle entgangen sind, zähle ich sie alle auf: mut 1, 6, auch
30, 75, musz 42; 4, 126, zu 161, 166, 174, 175; 5, 87, 94,
^) Vergleiche dazu in Abhandlang lY: „Quantität^.
*) Das ist wichtiger, weil nm diese Zeit u = uo in bair. und al. Dkm. häu-
figer werden; aber die oben angeführten Punkte führen auf die Annahme, dass
wir es hier nicht mit einer sprachlichen Erscheinung, vielmehr mit einer
gTa{|>hischen Fahrlässigkeit zu tun haben. Der Standpunkt würde sofort rer-
ftndert, wenn sich in Hugo's Gedichten ein Heim ü \w> naohwQisen. Ua&^q«
cxvm
103, 125, 131, 166, 173, 213, 214, 326, 371; must 1,
47; 4, 58; muas 5, 171, 324; musat 11, 15; trugihlug 2, 15,
guten 17, zu 55, 102; 4, 21; 5, 95, 101 ; gemuten 2, 98; klugen
3, 6; 6, 339; tund 3, 72; tun 5, 4; tutb, 163; 11, 6; ^ 11, 4;
tunt 5, 250, 322; wn^r«^«*w6? 5, 112; wuchere 5, 315; nacJU-
gruben 9, 27; muter 10, 20; ruw 11, 2*). B dagegen hält
im Ansätze der Punkte grosse Ordnung, ein Versehen passiert ihm
selten.
Also auch diese Untersuchung stellte die Verschiedenheit von
A und B ausser Zweifel.
In den zuletzt unter 4 angeführten Eigentümlichkeiten von A
sehen wir eine (epött) bis 12, 8 vordringen; es folgen noch 4 Verse
auf dieser Seite (12^), welche gleichfalls von A geschrieben sind,
wie die zugespitzten / beweisen. Mit 12, 13, der ersten Zeile auf
Fol. 13, also mitten in einer Strophe setzt B seine
plumpere Feder an.. Aus der Beschreibung der Hs. (pag. 112)
wissen wir, dass mit Fol. 13 eine neue Lage beginnt, und erhalten da-
mit auch einen mutmasslichen Erklärungsgrund für den Wechsel:
es wird das Pergament ausgegangen sein, das damals lagenweis
gekauft wurde, sehr kostspielig und nicht immer zu beschaffen
war; unterdessen mochte den guten Schreiber A ein anderer Herr,
vielleicht der Tod zu sich genommen haben, denn wir finden weiter-
hin keine Spur mehr von ihm, und schon die Spaltenlinien des
neuen Sextemio sind von B gezogen, wie die oben angeführten
Messungen ergaben.
G setzte die .Arbeit von B fort, schrieb aber nur ein einziges
Gedicht (Nr. 38), weswegen selbstverständlich die Summe der Ghründe
für seine Existenz kleiner ist als die bei A und B, doch erlaubt
auch sie einen sicheren Schluss.
C hat Merkmale mit B gemein : er setzt 1) gleichfiälls ey und
meidet die ay; schreibt 2) kch: dikch 8, wikohen 20, wakcher 61.
8ta/rkchen 28, vogehamkch 95 etc.; 3) die doppelten ff: hüff 144,
171, 174; 4) die unechten t in niemant 182, 184. Diese üeber-
einstimmungen mit B beweisen, dass G nicht A sein kann;
allein G ist auch nicht B, denn
^) An einigen andern SteUen sind die Punkte rerblasst und abgeriebeirr
aber mit dem Mikroskop noch gut zu erkennen, z. B. mut 1, 10, hui 31 ; ^wfeti
5, 5; j:i« 4, 64.
CXIX
1) B schreibt conseqaent t für d in bediuten und donner:
htütz 24, 120; betewtet 28, 450, 459; hetewtent 28, 465; hetewt
28, 689; betewten 30, 14; tonr 28, 586 — G aber nur bedewt
76 und donr 27.
2) Das grosse 22 für kleines r begegnet bei A einmal, bei
B neunmal, aber auffallend häufig bei C: Rechter 12, Rechtes 40,
Red 101, Rechter 105, Ä^cA^e 122, Äö(i« 135, Rechten 140,
Rungen 142, Ätf6? 185, 190: es trifft also bei C ein R auf 10,
bei B auf 250, bei A auf 1146 Verse.
3) Für die linguale Fricativa 8S im Auslaute schrieben A und
B nur lange ff, C aber schreibt auch es : muoss 12, gschosa 22,
gruosB 88, haas 115, puo88 176, haias 180.
Weitere Beweismomente liefert wieder die paläographische Un-
tersuchung :
1) Die Tinte sticht ab. B fabricierte seinen »Schreibsaft*
schlecht wie die meisten Schreiber dieser Zeit, aber C noch schlech-
ter: seine Buchstaben sind alle blassgelb geworden.
2) Seine Züge stehen denen von A näher als denen von B.
3) Auch einzelne charakteristische Buchstaben lassen sich her-
ausstellen. Bei A und B glich der Fuss des g einem griechischen
Delta; G dagegen macht einen offenen Hacken mit spitzerem Win-
kel und verlängertem zweiten Schenkel Besonders auffallend ist
femer der Fuss des g in der untersten Zeile der Spalte, welcher
gai* keinen Winkel bildet, sondern mit einer grossen Schwingung
endet, die weit über die Zeile in den leeren Raum hinausläuft, so
in gaiael 51, hppigen 82, sorgen 166. Damit diese g aber noch
mehr ins Auge stechen, hat er wunderlicher Weise in der Schwin-
gung auch zwei Ringe angebracht, die in ähnlicher Art auch bei
der Abbreviatur für ^, en (z. B. wachn 104, trawn 131) wieder-
kehren. Bei A und B begegnet nichts analoges. Auch grosse Buch-
staben am Anfange der Zeile und Spalte haben Auffälligkeiten:
ein oben zugespitztes O z. B. wie das in G — Ot^ ein so vielfach
gegliedertes G wie das in Got am Beginn der zweiten Spalte von
Fol. 48 ist im vorausgegangenen nicht zu finden. Die Summe
dieser Gründe wird erweisen, dass G von A und B verschieden ist.
Wie auf p. 112 zu lesen, beginnt auch G wieder mit einer neuen
Lage, die er vom ersten bis zum letzten Blatte zubereitete; denn
die Spalteulinien zeigen durch den ganzen Quatern die gleiche Tmte,
geschrieben aber hat er nur 7 Golumnen, dann kommt die vierte
cxx
Hand, der Schreiber D, mit Nr. 39 und 40. Seine Verschie-
denheit von A, B und G brauche ich nicht des längern zu be-
weisen, da sie schon von meinen Vorgängern erkannt worden ist:
er schreibt in grundverschiedenem Charakter 42 Zeilen in die
Spalte. Nur eines will ich hervorheben, weil es überhaupt
bemerkenswert ist : A, B und G haben die Stollen und Abgesänge
in den Liedern nicht gekennzeichnet, während sie D jedesmal durch
ein grösseres Zeilenspatium dem Auge sichtbar macht, was sonst
erst durch die Meistersänger in häufigeren Gebrauch kam*). Dieser «
Umstand zugleich mit dem Gharakter der Züge beweist, dass die
Abschrift dieser beiden Gedichte um einige Decennien jünger ist.
Ich will das hier vorläufig bemerken, unten aber darauf zurück-
kommen.
Diese Tatsache der vier verschiedenen Hände ist von ent-
scheidender Wichtigkeit und gibt das lösende Wort für eine Reihe
von anderen Fragen über die Initialen, die Melodien, die Correc-
turen, die Herstellung des Textes.
Die Initialen können entweder von den Schreibern der Hs.
selbst oder einem eigenen Maler herrühren^). Letzteres ist hier
der Fall; denn kämen sie von den Schreibern, müsste ihr Cha-
rakter mit denselben wechseln, was aber nicht geschieht : alle von
Nr. 1 — 37 stimmen sowohl in der Zeichnung als im Farbentone
überein und sind sicher von derselben Hand. Wir haben zwei
Gruppen derselben zu unterscheiden: solche, wo die grossen An-
fangsbuchstaben nur mit Farben und Ornamenten geschmückt, und
solche, wo in oder neben denselben auch menschliche Figuren an-
gebracht sind. Von der letzteren Art ist die vor Nr. 1. In der
Wölbung der blauen Initiale A auf rotem gold marmolierten Grunde
sitzt auf einem Tron mit Löwenköpfen eine Frau in violetter Klei-
dung, mit goldner Krone auf dem blonden Haupte und einem Li-
lienstängel in der Hand; darüber ist in einem Kleeblattomament
der Montforter Wappen gemalt. Von den Verästelungen des A aus
winden sich Arabesken über alle vier Ränder und umranken den
ganzen Text dieser Seite. Aehnlich sind auch die Initialen vor
Nr. 16, 19, 20, 29 ausgeführt, nur fehlen die Arabesken. In der
0 ^S^* ^' Orimm, Meistergesang pag. 42.
') Vgl. Wattenbach, Schriftwesen 210 ff.
CXXI
Wölbung des roten M voit Nr. 16 steht auf blauem weiss damas-
oierten Grunde eine blonde jugendliche Frauengestalt in grünem
Kleide, auf den grünen Kranz niederlächelnd, den sie in ihrer
Hand hält. Im blauen M vor Nr. 19 steht die Frau in derselben
Kleidung auf rotem Grunde, doch hat sie jetzt mit dem Kranze ihr
Haupt geschmückt In derselben Farbe und auf demselben Grunde
steht das D in Nr. 20, in dessen Höhlung eine Frau auf teppich-
belegtem Trone sitzt; ihre Kleidung ist veilchenblau, ihr Haupt mit
einem roten und grünen Bande geschmückt, die rückwärts frei hin-
abfliegen. Nr. 29 endlich zeigt eine hochaufgerichtete Frauenge-
stalt mit violetter Kleidung und einem Schappel auf dem Haupte,
die rechte Hand ist warnend erhoben, die linke mit dem Spruchbande
fraw werlt gesenkt; das F ist blau, der Grund grün, golden
mairmoliert.
Blumen- und Laubwerk und die spielenden Farben bilden den
Schmuck der übrigen Initialen, welche wechselnd auf rotem, weissen,
blauen oder grünen Grunde mit goldenen Marmolaturen oder auch
auf blossem Goldgrunde stehen.
Man hat besonders dieser Seite unserer Hs. grosses, wohl all-
zugrosses Lob gezollt. Die Gomposition der Miniaturen zeigt nichts
originelles, ist aber überlegt und reich, ohne überladen zu sein.
Die Figuren haben Ausdruck und beziehen sich auf den Inhalt der
Gedichte^), was in andern Hss. damals noch oft nicht der Fall
war. Die Zieraten sind lebhaft, gewählt und auf dem knappen
Räume massvoll gruppiert Sie lassen bereits romanischen Einfluss
erkennen: so begegnet, um nur eines hervorzuheben, häufig das
Akanthus-Ornament (die Blume mit dem grossen hohen Frucht-
knoten in Form eines gewundenen Kegels), besonders in den Ara-
besken auf der ersten Seite. — Die Harmonie der Farben, die
wenig gespart und noch jetzt von ausserordentlicher Frische und
Lebendigkeit sind, die Sauberke^ und Sorgfalt der Ausführung im
einzehien ist preiswürdig: der Mann hatte das Malen gut gelernt.
Aber weniger vermochte er im Zeichnen. In der Behandlung der Fi-
guren reicht er nicht zu den besten Traditionen hinan : sie sind noch
bocksteif, lang und hager, ihre Hände hässlich, die Faltenwürfe
ihrer Kleidung ärmlich und unentwickelt; selbst die Zeichnungen
*) Was die fraw werlt vor Nr. 29 betrifft, so ist das evident ; über die
Frau Tor 16 und 19 vgl. p. 44.
CXXII
der Buchstaben sind nicht durchweg correct, Kreis- und Spirallinien
zu machen, verstand er nicht, das beweisen alle M und (?. Diese
Mängel halten seine Arbeiten in der Sphäre handwerksmässiger
Nachahmung.
Auch die kleinem farbigen Initialen der Strophen und Absätze
wechseln nicht mit den Schreibern, kommen daher gleichfalls vom
Maler, was auch ihr Farbenton beweist, der mit dem der Miniatu-
ren stimmt. Genau so verhält es sich mit den roten Strichen
durch die grossen Anfangsbuchstaben der Zeilen und den übrigen
Spuren farbiger Tätigkeit, die sich noch in manigfacher Weise kund
geben : 6, 22 machte der Maler rote Punkte in die Federzeichnung,
mit welcher A den Kopf des d (in das) geziert hatte; 2, 3 — 18;
5, 120—147; 25, 159—203; 35, 35—40 und in Nr. 36 rote
Punkte an das Ende der Zeilen. Er unternahm auch wichtigere
Dinge: 6, 13; 7, 8, 12, 21, 33 hat er i2 (= repet) vorgesetzt;
vor Nr. 7 hatte der Schreiber vergessen den Baum für die Miniatur
zu lassen, als er nun mit seinen Farben, nach dem Anfang des
neuen Gedichtes suchend, die Spalte herabkam und sah, was A
angerichtet, blieb ihm nichts anderes übrig, als den Anfang des
neuen Gedichtes ausser der Spaltenlinie an den Rand zu notieren,
er schrieb mit roter Tinte: a/ader lied. 10, 8 hatte A zweimal
als geschrieben ; der Maler, der das im Vorbeigehen bemerkte, durch-
strich das erste mit seiner roten Tinte; umgekehrt gewahrte er
27, 122, dass dem Satz das verbum auxil. fehle, und corrigierte
hat rot ein; 32, 153 malte er in Ich die rote Initiale und mit
demselben Pinsel das e auf dem danebenstehenden rw/, welches
B vergessen hatte; dasselbe geschah 3, 33 in Furhas^ wo er das
rote F und mit derselben Farbe das Umlautzeichen über u setzte.
Das ist also die fünfte Hand, die ihre Tätigkeit an unse-
ren Codex legte zu einer Zeit, als die Schreiber ihre Arbeit schon
getan hatten.
Von der Miniatur O (rot auf Goldgrund), welche Nr. 88 be-
ginnt, war bisher nicht die Rede; ich habe sie absichtlich von
den übrigen ausgeschieden, weil sie von einer andern Hand her-
rührt. Das beweist die abweichende Art der Schattierung und
Farbengebung; besonders auffallend ist das Weinrot für das brennende
Lichtrot des früheren Malers. Auch dieser zweite Maler hat zu-
gleich die kleinen Initialen in den Strophenanfängen gemacht und
nahm sich überhaupt seinen Vorgänger zum Muster : die möglichst
CXXIII
gleichmässige AasstattuDg gehörte ja auch zu den Haupterfordernissen
einer schönen Hs. Trotzdem vergass er eines ganz, was jener
fleissig besorgt hatte: die roten Striche durch die Anfangsbuch-
staben der Zeile, die in Nr. 38 durchaus fehlen. Ob dieser Maler
der neue Schreiber von Nr. 38 selbst war oder ein anderer, das
mit Sicherheit zu entscheiden, fehlen die Anhaltspunkte, doch halte
ich letzteres für wahrscheinlicher; denn unter den oben (pag. 119)
angeführten Eigentümlichkeiten für C stehen die Ringe im g : ver-
gleicht man nun die Initiale O vor Nr. 38 mit der Initiale O vor
Nr. 3, so ergibt sich, von Farbe und Ornamentik abgesehen, als
Unterschied im O vor 38 ein Ring. Wichtiger als das aber ist
za constatieren, dass von diesem Maler auch das Wappen auf
Fol. 54* stammt, wie schon die Wiederkehr der Weinfarbe in der
Umrahmung desselben (weinrot, blassrot, gold) dartut. Damit stehen
wir vor einer Frage: warum schreibt C nur ein einziges Gedicht
und nicht auch Nr. 39 und 40, da er ja noch mehr als einen
halben Quaternio Pergament vorliegen hatte? Warum malt dieser
zweite Maler (resp. auch der Schreiber) nur die Initiale vor Nr. 38,
dann die Inschrift auf Fol 53^ und das Wappen auf Fol. 54*
und nicht auch die Initialen zu den dazwischen liegenden Gedichten,
auf dass auch diese beiden so ausgestattet wären wie die übrigen
der Hs.? — Die Antwort liegt nahe: Nr. 39 und 40 waren
damals noch nicht zum Absohreiben vorhanden und
wurden erst bedeutend später von fremder Hand nachgetragen, als
der Maler und Schreiber von Nr. 38 nicht mehr in den Diensten
desjenigen standen, der den Codex mit so grosser Sorgfalt und Gleich-
massigkeit hat herstellen lassen. Auf dieselbe Ansicht führte
schon oben die jüngere Schrift und die Bezeichnung der Stollen
and Abgesänge. Kämen nun Nr. 39 und 40 von Hugo, so müss-
ten sie dem Schreiber und Maler von Nr. 38 schon vorgelegen
haben; bei Nr. 40 wenigstens ist das nachweisbar, denn das Ge-.
dicht entstand auf der Kreuzfahrt des Dichters (nach Palästina), die,
weim Hugo derselbe wäre, in den Neunzigerjahren des 14. Jhds.^),
*) Vgl. Weinhold in den Mitteilungen VII, 138. Nach 1414 schon
▼egen der gefährlichen Streitigkeiten nicht, welche sich zwischen ihm und
teinen Verwandten und auch andern erhoben und bis in seine letzten Lebens-
jahre dauerten ; dazu ist in Abh. I in jedem Jahre mehrmals und zu den Ter-
sehiedensten Jahreszeiten seine Anwesenheit in Steiermark oder in Vorarlberg
urkundlich nachgewiesen.
CXXIV
in keinem Falle aber nach 1414, wo Nr. 38 (vgl. 38, 185 t)
entstanden, gemacht worden sein könnte. Das sind die äassem
Gründe für die ünechtheit von Nr. 39 und 40, denen unten die
innem nachfolgen werden.
Ungleich häufiger als die erwähnten roten Correcturen erschei-
nen schwarze, und es handelt sich vor allem darum, zu beweisen,
dass darunter auch solche, welche nicht von den Schreibern, sondern
von fremder Hand herrühren; dabei werden uns die vorhergepflo-
genen paläographischen Tüpfeleien gute Dienste leisten. 25, 165
lautete ursprünglich nur: die seligen priester hatt^ der Schreiber
hinterliess also eine unvollständige Zeile. Nach ihm kam der
Initialenmaler mit seinen Farben, machte die grosse Miniatur, die
kleineren Initialen, die roten Striche in den Anfangsbuchstaben der
Verse und, wie er auch sonst hin und wieder tat (vgl. p. 122),
von 25, 159 — 203 einen roten Punkt am Ende jeder Zeile, also
auch nach 25, 165. Später bemerkte ein Leser hier die Lücke
und schrieb in andern Zügen ich wert hinzu, so dass heute der
rote Punkt, der ehemals wie die übrigen am Ende des Verses
stand, mitten im letzten Worte wert zu sehen ist. Dasselbe be-
weist 35, 39, 40. An das Ende jeder Zeile der letzten und
vorletzten Spalte, die dieses Gedicht aufnehmen, hat der Maler
wieder den roten Punkt gesetzt, ausgenommen sind nur die bei-
den letzten Verse — doch wohl nur deswegen, weil sie da-
mals noch nicht vorhanden waren und erst später von anderer
Hand nachgetragen wurden: so dürften wir schliessen, auch ohne
die bedeutend blassere Tinte und die fremden Züge, die sofort
auffallen und weder mit denen von A, B, G noch D stimmen, ge-
sehen zu haben. Das wird genügen, und ich zähle noch die übrigen
Correcturen von fremder Hand auf: 18, 193 h vor Won; 20, 41
d vor Mein; 22, 5 das^ er darüber geschrieben; 22, 25 w vor
Der; 26, 9 ä vor Sand; 27, 45 t vor Kund; 28, 105 woU
man Uden nachgetragen; 28, 229 Tc vor Her; 32, 40 ichy und
t eincorrigiert. Ob alle diese Correcturen von ein und derselben
Hand, ist nebensächlicher und mag ich nicht erörtern, weil aus-
reichende Anhaltspunkte dafür fehlen; denn jeder weiss, wie der
blosse Augenschein gerade hier gern täuscht, wo oft schon die
aussergewöhnliche Handlage eines Correctors Verstellung der ge-
wohnten Züge bewirkt. Das ist also (zum wenigsten) die sechste
Hand.
oxxv
Greringere Bedeutung haben die eigenen Gorrecturen des je-
weiligen Schreibers. Ich verzeichnete: 2, 91 verhaissen^ das erste s
auf. Rasur; 4, 153 da aehent^ ursprünglich das^ aber s wegradiert;
5, 15 tohen^ o aus a; 5, 119 wurde i9t unter der Spaltenlinie nach-
getragen; 5, 152 muy<, der zweite Fuss des u eingeflickt; 5, 199
vaUchen^ l aus /; 5, 212 hlaseni, s auf Rasur; 5, 280 dee m7,
fdt klein übergeschrieben; 5, 252 hindan^ an auf Rasur; 5, 274
8if^ doch steht vor S noch /» der Buchstabe eines andern Wortes,
das er schreiben wollte; 5, 285 gedenken^ e wohl aus a; 5, 354
Uh^ doch ist h deutlich aus p corrigiert, dessen Fuss noch stehen
geblieben ist; 6, 30 &jr, y corrigiert aus m; 9, 26 lanty t aus
d; 11, 8 miV, i auf Rasur, wahrscheinlich stand früher mer; 11,
21 Dauid^ i auf Rasur; 11, 36 zung auf Rasur; 15, 17 hrone^
e der Lange nach durchstrichen ; 15, 155 hacMhU h auf Rasur;
16, 49 ffeiffer^ r aus n; 16, 55 vogelsang, zwischen o und g
die Lücke eines wegradierten Buchstaben; 17, 20 wol, l auf Rasur;
17, 23 qvsl^ e aus a; 21, 21 hieng an klain noch ein Buchstabe,
der weggeschabt wurde, dasselbe geschah 28, 361 bei ergib; 24,
98 nicM mer ächten mer^ das erste mer durchstrichen; 24, 119
beschiht^ 8 und c auf Rasur (er hatte das c vor dem 8 geschrieben) ;
24, 132 tievelj e Gorrectur aus u; 25, 52 antleut, t auf Rasur;
25, 91 hatt, tt auf Rasur; 27, 91 gleicht, t eincorrigiert; 28, 80
ich^ ch auf Rasur; 28, 113 beschneiden, die beiden letzten Silben
auf Rasur; 28, 330 die lass dich lass rewen^ das zweite las8
durchstrichen. 28, 343 vnfrid^ zwischen n und / die Lücke eines
wegradierten Buchstaben. 29, 116 Nichit^ das ganze Wort auf
Rasur; 30, 8 vnbedenkleich^ e aus d; 34, 12 fuegen, die beiden
ersten Buchstaben auf Rasur; 37, 53 wob^ doch ist die Schlinge
des b weggestrichen; 38, 103 wollte C wieder zwei Verse in eine
Zeile setzen und hatte schon ir vn geschrieben, als er den Fehler
bemerkte, die beiden Wörter wegstrich und damit die nächste Zeile
begann, wie sichs gebührte. Von diesen Gorrecturen sind be-
sonders 5, 354; 9, 26; 11, 8; 15, 17; 24, 132 hervorzuheben.
Die Tinten von A, B und G haben der Zeit nicht Stand ge-
halten, sondern sind, wie die meisten derartigen Fabrikate seit dem
13. Jahrhundert^), schon frühe verblasst Das veranlasste einen
spätem zur Renovation mit schwärzerer Tinte. Er überfuhr ein-
•) Seitdem massenhafter geschrieben wurde; vgl. Watth. Schriflw. 137.
CXXVI
zelne Buchstaben, Wörter, Zeilen und ganze Seiten. Ich will nur
einige Stellen auslesen, welche zugleich zeigen sollen, wie plan- und
geschmacklos er dabei zu Werke gieng. 1 , 42 ist in musz dich der
erste Teil des u, der Kopf des d und das folgende i überfahren,
während die übrigen Buchstaben noch in der blassen llnte des
Schreibers dastehen; 5, 93 mertail^ nur das i überfahren; 5, 241
/ör, wurden alle Buchstaben, aber bei / nur der mittlere Teil über-
fahren, das r wurde dabei verklext; 5, 247 alle hdder^ wurde
das zweite ganz, vom ersten Worte nur das e renoviert; 17, 28
auff der fröd^n wagen^ alle vier deutlich überfahren; 29, 133
closter^ l und st zum Teile überfahren. Fol. 31* hat er ganz
überklext.
Auch Correcturen nahm er vor, die sich deutlich von denen
der übrigen Hände unterscheiden lassen, besonders evident ist die
28, 317, wo er an mch das weggebliebene t eincorrigieren wollte,
bei seiner Eile aber in die falsche Zeile geriet und dasselbe über
dich 28, 318 setzte, jedoch den Fehler bemerkend wieder weg-
strich und an den gehörigen Platz brachte. Weiter stammen von
ihm 4, 139 aU^ s auf Rasur; 18, 52 nichts t eincorrigiert; 28, 5
und durch atain auf Rasur; 18, 76 liehf der Kopf von h auf
Rasur; 36, 17 ahtrünig^ i zu ü gebessert. Zweifelhaft ist 13, 6
hands, entweder ist s von ursprünglicher Hand ganz klein ein-
corrigiert und vom Renovator überfahren worden oder kommt ganz
vom ihm. Das ist (zum wenigsten) die siebte Hand in un-
serem Codex.
Endlich haben wir noch auf die Melodien einen Blick zn
werfen. Zunächst ist hervorzuheben, dass hier schon ein Noten-
system mit 5 Linien vorliegt, wie es im 14. und 15. Jahrhundert
noch selten ist und erst im 16. Jahrhundert allgemein wird (vgl.
Böhme, Germania XXV, 227). Die Noten sind quadrat- und
rautenförmige Punkte; auf jedem System ist der Schlüssel (f und c)
angegeben. Sie wurden nicht vom Gomponisten Bürk Mangolt (vgl.
pag. 95), sondern von den Schreibern über den Text gesetzt;
denn Tinte und Charakter wechseln mit denselben:
die von B sind derber und schwerfälliger als die von A wie seine
Schrift. A und B hatten kein Verständnis dafür und beachteten den
Zusammenhang zwischen Text und Noten nicht. Das zeigt z. B.
10, 1, wo were nur eine Note hat. Da man damals so wenig
wie heute auf zwei Silben eine Note zu componieren pflegte, muss
cxxvn
im Originale wer gestanden haben. Auch 37, 7 stehen aaf ir ge--
liikch nur zwei Noten, so dass er glukch herzustellen ist. In sol-
chen Fällen also gibt die Melodie ein gewisses Gorrectiv für die
Textconstracdon. Nicht ist das aber amgekehrt der Fall. Stehen
z. B.. 37» 2 über tdn 2 Bauten, so folgt daraus nicht, dass im
Original das Wort zweisilbig gestanden. Man sieht gleich, in wie
fern das Beachtung verdient. Hätte z. B. g(e)lükch 37, 7 zu-
fällig im Originale zwei Noten getragen, würde der Schreiber auf
jede Silbe eine solche gesetzt haben, und der Schluss, dass jede
Silbe mit einer Note auch im Urtexte vorhanden gewesen sein
müsse, wäre unrichtig. Dazu war die Copie der Rauten selbst nicht
immer sorgfaltig genug; es begegnen auch hier Ciorrecturen : 10, 8
z. B. schrieb A zweimal als und über beide eine Note, der Initialen-
maler tilgte das erste ah mit roter Tinte, während die Note dar-
über erst von einem andern mit schwarzer Tinte ausgestrichen
wurde; 8, 1 standen die Schlüssel c auf der zweiten und f auf der
vierten Notenlinie , wurden aber weggekratzt und in die erste und
dritte gesetzt.
Damit liegt die eine Seite der Ueberlieferung hinter uns. Sieben
Hände sind bei der Herstellung, und Verschönerung dieser Hs.
tätig gewesen. Aber man weiss, und Wattenbach hat es in seinem
Sohrifbwesen noch besonders betont, dass die Ausstattung häufig
in umgekehrtem Verhältnisse mit der innem Güte steht: solche Hss.
waren eben kalligraphische Schaustücke, bei denen mehr Sorgfalt
auf Ausstattung als auf Ciorrectheit verwendet wurde. Wie es im
C!od. Pal. mit der letzteren bestellt sei, wird man schon bei der
Erörterung über die verschiedenen Schreiber teilweise gemerkt haben,
und ist jetzt, gestützt auf die bereits gewonnenen Resultate, ge-
nauer zu untersuchen; wir wollen nur vorher einen eiligen Blick
werfen auf die Geschichte der Hs. und — was damit zusammen-
hängt — auf die bisherigen Arbeiten über Hugo.
Zwei Jahrhunderte lang fehlt uns jede Nachricht von der Es.:
wie die anderer, grösserer Meister wird sie zur Zeit des humani-
stischen Gelehrtentums unbeachtet im Staube gelegen haben. 1622
finden wir sie im Besitze der Heidelberger Universitätsbibliothek. Im
folgenden Jahre wurde sie von da mit den vielen andern unter
dem Schutze der «heiligen Liga^ in den Vatican nach Rom ver-
schleppt. Dort fand sie Friedrich Adelung 1792. Er schrieb
cxxvm
von sämmtliohen Gedichten den Anfang, von einigen auch ScUnss
und einzelne Strophen, Nr. 7, 8, 21 ganz ab und veröffentlichte
seine Arbeit 1796 in den Nachrichten von altdeutschen Gredichten
ans Rom ü, 215 — 239. Schreib- und Druckfehler, auch andere
Unrichtigkeiten finden sich darin in seltenem Reichtume; doch
die Umstände, unter denen er den Codex benutzte, entschuldigen
alles.
1816 gab der Vatican das fremde Eigentum zurück. An der
Heidelberger Universitätsbibliothek stand nun der Cod. Pal. 329 den
einheimischen Gelehrten zur freien Benützung offen. Zuerst kam
Gör res. Er übersetzte Nr. 7 : » Was zeihst du mich, mein liebster
Buhli'^ und nahm es mit der selbstgemachten Ueberschrift «Zu-
spruch* in seine » altdeutschen Volks- und Meisterlieder" auf ; was
er in der Einleitung XVII über Hugo sagt, ist entweder bedeutungs-
los oder unrichtig. Der nächste war Lassberg, der in seinem
Liedersaal (I, p. VI) des Herren von Bregenz gedenkt. Die ersten
aber, deren Urteil ein tieferes Studium unseres Dichters aus seiner
Hs. bekunden, sind Gervinus und U bland. Die Haus- und Seelen-
geschichte Hugo*s, sein Charakter, der einfachere und gefälligere
Ton seiner Briefe und Reden gegenüber der verkünstelten oder ver-
bauerten Weise anderer Zeitgenossen zogen unsern Literarhistoriker
an bis zur einseitigen Auffassung und Ueberschätzung^). Gervinus'
Aussprüche wurden gangbare Münzen, und von nun an fehlt
Hugo in keiner bedeutenderen Literaturgeschichte mehr. Uhland
bot in seinen Vorlesungen einige beachtenswerte Züge aus Hugo's
Leben ^), die er mit Gedichtproben belegte; ihn zogen offenbar die
volkstümlichen Elemente an, weswegen er die Hs. auch zu den Ab-
handlungen über die Volkslieder benutzte^). Weiter brachte Wa-
cker nagel in seinem Lesebuche (Spalte 1151) die Rede Nr. 24
und den Brief Nr. 36, der Anzeiger des german. Museums
1832 (Spalte 178), 1833 (Spalte 281, 29c5) und 1834 (Spalte
200) zerstreute Notizen und die Inhaltsangaben etlicher Lieder;
Pischon in seinen Denkmälern (H, 95) den Brief Nr. 36 und
*) Gesch. d. deutsch. Dicht. II ^ (1836), p. 224, 260 und 298, und später
noch erweitert und verbessert II*, 427— -429.
«) ühlands ges. Sehr. H, 210-217.
») ühland a. a. 0. in, 435, 438 und Anmkg. 239, wo er auch 8 Strophen
aus Nr. 16 abdruckte.
CXXIX
(n, 127 S.) die Reden Nr. 25 und 28 zum Teil und die Lieder
Nr. 12 und 40; Kurz in seiner Literaturgeschichte Nr. 16 and 36.
Bibliotheken Hessen die ganze Hs. oopieren, so die za Donauesohin-
gen, zn Berlin und zu Graz; die beiden letzteren habe ich selbst
mit meiner Absohrifit verglichen. 1846 schrieb dann v. d. Hagen
in den Jahrbüchern der Berliner Gesellschaft für deutsche Sprache
und Altertumskunde eine Abhandlung über Hugo mit einigen zu-
treffenden Bemerkungen. Ein Mann von Hugo*s politischer Be-
deutung zog auch Historiker zur nähern biographischen Unter-
suchung an: wir kennen Yanotti*s und Bergmanns Arbeiten
schon aus Abh. L
So standen die Forschungen über Hugo, als 1857 Weinholds
schon wiederholt genannte Abhandlung in den Mitteilungen des
historischen Vereins für Steiel'mark VII, 127—180 erschien. Sie
ist nicht nur die umfangreichste, sondern auch die gehaltvollste von
allen: im biographischen Teile fasste er die Arbeiten seiner Vor-
gänger zusammen und tat selbst ansehnliches hinzu; was er über
Hugo*s Persönlichkeit und Charakter gesprochen, war grundlegend,
und wenn ich ihn ergänzen, weiter ausführen und teilweise auch
berichtigen konnte, geschah es nur auf Grundlage neuen Materials,
welches das seine wenigstens um das fünffache übersteigt; mit Nr. 1,
6, 9, 13, 16 und 40 hat er auch die Herstellung eines kritischen
Textes versucht. Dass nach dieser Arbeit ein zwanzigjähriger Still-
stand eintrat, gibt das beste Zeugnis für ihre Brauchbarkeit. Erst
in neuester Zeit wurde Hugo ein vielumworbenes Forschungsobject.
Gleichzeitig und ohne von einander zu wissen, unternahmen drei
eine vollständige Ausgabe desselben, welche zwei vollendeten. Die
Ausgabe von Bartsch erschien im Stuttgarter lit. Verein (1880,
4. Publication; p. 1—24 Einl., 25—227 Text), also nicht un Buch-
handel. Es wäre schon deswegen untunlich gewesen, meine Ab-
handlungen an seinen Text zu binden; dazu haben wir uns ganz
andere Ziele und Grenzen gesteckt: ihm handelte es sich nach dem
Muster der andern Vereinspublicationen um einen Textabdruck,
wenig um Hugo's Leben, Persönlichkeit, Sprache und Metrik, was
mir die Hauptsache war, so dass sich unsere Arbeiten nur zum
kleineren Teile decken; auch Text und Varianten meiner
Ausg. sind vielfEich in anderer Gestalt und nach andern Grund-
sätzen angebaut
Nach dieser notwendigen Abschweifung fahl« \c3;i \a ^<st\^\>X^\-
WackerneJ], MontforL %
cxxx
suchang der Hs. fort, indem ich die wichtigste aller hiehergehöri-
gen Fragen aufwerfe : ist der Cod. Pal. Original und, wena «nicht,
in welchem Verhältnisse steht die Abschrift zu demselben? Original
wäre im vorliegenden Falle jene erste Niederschrift, welche entr
weder von Hugo*s eigener Hand oder von einer andern unter seiner
revidierenden Aufsicht seiner Sprache und Schreibweise gemäss ge-
fertigt worden ist Von den Gründen, welche den Cod. PaL als
Abschrift erweisen, bringe ich nur jene herbei, welche auf Unter-
suchungen ruhen, die uns gleichzeitig auch Resultate anderer Art
zufahren.
Es ist klar, dass Hugo seinen jeweiligen Schreiber nicht nur
mit der Hs. beschäftigte, sondern ihm auch andere Schreibereien
zuwies^), was es nahe legt zu vergleichen, ob etwa in den erhal-
tenen, datierten oder datierbaren Montforter Schriften eine Hand
aus dem Liedercodex wiederkehre; denn damit gewännen wir einen
festen Anhaltspunkt, die Entstehungszeit desselben zu bestimmen.
Selbstverständlich richtet sich das Hauptaugenmerk auf jenen Schrei-
ber, der am meisten Aufiäliigkeiten zeigt, auf A. Ich ÜBuid ihn
im Urbar Hugo*s, wo er auf Fol. 160 Nachträge machte. Da ich
den Cod. Pal. und das Urbar gleichzeitig in Händen hatte, war
ein genauer Vergleich möglich, der beiderseits dieselben Züge, die-
selbe Lage, dieselben auffallend langen und zugespitzten f, p und
/, auch dieselben Schreibgewohnheiten in allen dafür charakteristi-
schen Wörtern erkennen Hess. Die Nachträge verzeichnen neue
Zinsen und lauten gewöhnlich: (ItemChunratSalherdaczVczendorf)^)
dient Geori ain halb phunt, MichaheUs ain halb phunt phening
vnd drey pon phening von der huben^ da er avf sitzt — oder (Item
Jekel an des Droscholben hoflein) dient dauon Oeori fünf vnd
dreissig phening^ Michahelia drey Schilling^ vier vnd zwaintzig
phevdng^ drey pon phening etc. Das wiederholt sich noch eini-
^) Seine Schreiber waren nicht regellos ab- und zugehende Lohnschrei-
ber, sondern Beamte, die ihren rechtlichen Titel führten. Einen Beleg dafür
liefert Brandls ürknndenbnch der Teufenbacher : in Nr. 216, p. 187 nrknndet
am 10. Mai 1416 in Prodersdorf HansBernger als ^meins gnedigen herm
Gra£f Hawgen Ton Montfort Schreiber.^ — So wird es anch bei seinen Naeh-
folgem gewesen sein.
') Was eingeklammert und nicht cnrsiv gedruckt ist, kommt Tom
Schreiber des ürbars, dessen Schrift einen wesentlich andern Charakter und
eine viel grössere Verrohung der Formen aufweist als die Liederhs.
OXXXI
gemal unter anderm Namen. Von charakteristischen Schreiban-
gen, die zu A stimmen, begegnen darin: pA (vgl. p. 115, Punkt 4)
vierzehnmal; dreissig neben drey^ cdn etc. (vgl. ibid., P. 8);
huben^ fünf (Tp. 117, P. 4). Da A mit Nr. 12 aus der Liederhs.
verschwindet und nachher nicht mehr erscheint, darf nicht angenom-
men werden, dass diese Nachträge später gemacht seien als Nr. 12,
weil es ganz unerklärlich wäre, dass der Graf diesen guten Schrei-
ber von der Hs. (auf die man besondere Sorgfalt legte) entfernt,
ihn anderweits verwendet und einen schlechteren an seine Stelle
gesetzt hätte. Somit ist das Alter der Hs. von dem des Urbars
abhängig, das aber in keinem Falle vor 1402 enstanden ist, weil
es bereits die Abgaben von den Stadecker Gütern enthält*). Der
Schrift nach ist eine nähere Fixierung nicht tunlich, denn fast jede
rein paläographische Zeitbestimmung gibt einen Bewegungsraum für
15 — 25 Jahre frei; aber ein anderer Anhaltspunkt findet sich,
der die obere Grenze, um die es sich hier handelt, enger zieht
Ich überlasse dabei einem Paläographen wie v. Zahn das Wort,
der mir darüber schrieb: «sichtlich ist der Einband gleichzeitig,
notwendig aber bald, sehr bald nach Abschluss der Reinschrift des
Urbars erfolgt Nun werden sie selbst bemerkt haben, dass auf
der Innenseite des Vorderdeckels das Fragment einer Urkunde auf-
geklebt ist^), und von dieser hat sich das Datum erhalten, nämlich
1414.« — Somit ist das Urbar nicht oder nicht viel vor 1414
hergestellt, der Nachtrag auf Fol. 160 und das letzte Gedicht von
A (Nr. 12) nicht früher geschrieben worden. Der weitere Schluss
ist einfach. Nach 31, 169 und 209 hat Hugo 1401 schon ein
btwch vor sich, in das 30 seiner Gedichte eingetragen sind: dies
Buch kann nicht das unsrige und das unsrige somit
nicht Original sein, weil darin die Gedichte von 12, 13
an nicht vor 1414 geschrieben worden sind^). Zu demselben Re-
sultate führt eine andere Untersuchung.
^) Diese kamen erst von 1402—1404 an die Montforter. Vgl. Abh. I,
p. 54—57.
*) Selbstverständlich schon bei der Eerstelinng des Einbandes, zu dem
•s notwendig gehört. Eine ähnliche Datierungsweise bei Sommer, Flore p. 36.
') Man sieht, wie schon mit dem Nachweis, dass das ürb. nicht Tor
1402 — 4 enstanden sein könne, zugleich anch der Beweis erbracht ist, der
Cod. Pal. sei nicht Or., und ich führte die Deduction nur weiter, weil es
sich amch um die Zeitbestimmung der Hs. überhaupt handAVt.
^*
cxxxn
Die angeführte Rede (Nr. 31) lässt die Entstehungsweise jener
Hs. von 1401 erblicken. 165—174 zählt der Dichter die Pro-
dacte auf, die er gemacht: es seien 30 Stücke; nun ist aber die
Rede selbst schon das 31ste. Man hat daher geschlossen, dass
ein Gedicht verloren gegangen sein müsse, doch ohne Grund: Hugo
zählte die Gedichte, die im , Buche* waren, Nr. 31 aber war noch
nicht fertig und daher auch nicht eingetragen, während Nr. 30
bereits in der Sammlung stand. Die Gedichte wurden also einge-
tragen, wie sie entstanden, und die Reihenfolge in jenem Codex
von 1401 war eine chronologische^). Lässt sich nun er-
weisen, dass in unserer Hs. diese Ordnung nicht mehr vorhanden
ist, so kann sie nicht das „Buch^ von 1401 und somit
auch nicht Original sein. Das muss versucht werden, denn
die Folge der Gedichte ist auch wichtig für die Kenntnis von
Hugo*s Leben, weswegen ich in Abh. I wiederholt auf diese Stelle
verwies. Ich hebe bei Nr. 5 an, weil hier die Datierung nach
äusseren Anhaltspunkten geschehen kann. 5, 239 £ spricht der
Dichter von einem regierenden Jcüng von PeJiem Umd. Solcher
Könige gab es während Hugo*s Lebenszeit drei : Karl lY, Wenzel
und Sigmund, und zwar muss Wenzel gemeint sein, weil nur er
bei seiner Wahl noch ein Knabe war (231): das Gedicht fällt
somit zwischen 1378 und 1400. Diese beiden Grenzen lassen
sich weiter zusammenrücken. Nach Vers 52 und 53 hat . Hugo
schon 33^/2 ^^^^^ hinter sich, und Nr. 5 kann nicht vor Ende
1390 entstanden sein, wenn Hugo in der ersten Hälfte, und nicht
vor 1391, wenn er in der zweiten Hälfte von 1357 geboren ist;
bedenkt man, dass es 5, 53 heisst: 33 V2 j^ der was ich aU^ der
Dichter also jetzt einiges darüber hinaus ist, so kann man in jedem
Falle 1391, als die eine Grenze annehmen. Die andere ergibt sich,
wenn man nähor ins Auge fasst, wie Hugo die Regierung dieses
Königs charakterisiert. Wenzel war in seiner Jugend ein besse-
rer Regent gewesen als in den späteren Jahren: er hatte sich
des Reiches angenommen, hatte Massregeln getroffen gegen die
immer weiter um sich greifenden Bündnisse der Städte und Her^
^) Anch ohne diesen bestimmten Anhaltspunkt würden wir das Reeht
haben, auf chronologische Reihenfolge der Gedichte zu schliessen, sobald wir
nur erfahren, dass sie in ein Buch geschrieben wurden, ja man ist gewohnt,
in jeder Originalhs. ohne weiteres chronologische Reihenfolge anzunehmen;
vgl Karajan, Teichner (Denkschr. VI) 155.
cxxxin
ren, gegen das Schisma a. s. w. Aber die geringen Erfolge
verleideten ihm diese Geschäfte mehr und mehr. Seit dem Aus-
gange der Achtzigerjahre zog er sich ganz auf Böhmen zurück,
kümmerte sich um das Reich gar nicht mehr und verrohte, so
wie ihn Hugo schildert. Das erregte grosse Unzufriedenheit; die vom
höheren Adel wurden überdies noch dadurch aufgebracht, dass der
König seine Räte nicht aus ihrer Mitte wählte, sondern niedere
Günstlinge und Schmeichler mit hohen Aemtem begabte. Seit den
rohen Gewalttaten des Frühjahres 1393 aber war unter den geist-
lichen und weltlichen Herren, besonders auch in Oesterreich, die
Ansicht allgemein: «einem solchen Manne zieme es nicht, die deutsche
Krone zu tragen **; es bildete sich eine offene Opposition, der im
Dea d. Js. auch König Sigmund von Ungarn beitrat; im Mai 1394
wurde der König selbst gefangen genommen. Halten wir
nun zu diesen Vorgängen 5, 243 — 45. Wäre Nr. 5 nach dem
Ausbruche der Opposition entstanden, so wäre Hugo*s Aufforderung,
der König solle in das Reich kommen, ganz sinnlos ; denn es war
jetzt nur zu begreiflich, warum er Böhmen nicht verliess. Das
andere Verlangen Hugo's, Wenzel solle sich die Kaiserkrone holen,
passt nach 1393 noch viel weniger; denn seitdem die Erbitte-
mng gegen Wenzel und die Ueberzeugung von dessen Regierungs-
unfahigkeit so allgemein war, konnte Hugo im Ernste keinen
solchen Einfall haben; eher würde er, der Anhänger der öster-
reichischen Fürsten, welche auch im Complot gegen Wenzel waren,
ihm geraten haben, auch noch die deutsche Krone niederzulegen.
Es bleibt also 1391—1393 für die Entstehung von Nr. 5. Das
ist die Zeit, wo bei Hugo schon der männliche Ernst eingekehrt
war, wo er sich vom fremden Minnedienste weg und (wie er
5, 54 selbst sagt) zu Gott gewandt hatte. Nun stehen aber die
Blüten seines Minnedienstes, die Lieder Nr. 6, 7, 8,7iind 9, die
offenbar denselben begleitet hatten, nach Nr. 5, und die Ordnung
der Gedichte in unserer Hs. kann nicht mehr chronologisch und
diese mithin nicht Original sein.
Daraus erwächst die Aufgabe, die gestörte chronologische Ord-
nung der Gedichte, so weit möglich, wieder herzustellen; dabei wird
jeder Nachweis der Aenderung in unserer Hs. auch wieder ein
neuer Beweis, dass sie nicht Original sein kann. Es werden sich
Resultate mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit herausstellen, denn
einerseits sind directe Beziehungen und Verweise zwischen den ein.-
CXXXIV
zelnen Gedichten zu Anhaltspankten gegeben, andrerseits werden
die Gredichte ans derselben Zeit durch den Grundton ihrer Ge-
sinnung, durch die Gleichartigkeit der Denk- und Darstellungsweise
ihre Zusammengehörigkeit herausfühlen lassen. Auszugehen ist von
dem bereits gesicherten Punkte, von Nr. 5. Nr. 4 passt gut zu
Nr. 5, neben dem es in der Hs. steht. Beide berühren sich durch
die Klagen des Dichters über die gitiheit (4, 7 und 5, 201),
durch die Beteurungen seiner Bechtgläubigkeit (4, 43, 105 t
und 5, 105 f.), durch den Hinweis auf die Vergänglichkeit alles
irdischen Wesens (4, 104 und 5, 56, 324), auf das jüngste Ge-
richt (4, 121 f.; 5, 171 f., 200, 222, 272 und besonders 4, 128
und 5, 274); dazuhaben sie dieselbe Darstellungsweise und Form.
Nr. 2 und 1 zeigen eine andere Gemütsverfassung des Dichters,
die aber leicht zu erklären ist (p. 36 f.) und nicht hinreicht, sie ans der
überlieferten Stellung zu entfernen, zumal noch Gründe für dieselbe
sprechen, denn auch in Nr. 2 steht der Dichter schon in den
reiferen Jahren und blickt wie in Nr. 5 auf seine verliebte Jugend
zurück, ja 5, 135 f. behandelt wie 2, 92 f. die erste Ausfahrt in
die "Welt; auch in Nr. 1 sehen wir den Dichter schon von den
Abirrungen seiner Jugend reuevoll zurückgekehrt zu Gott und zur
Liebe zu seiner Gemahlin, dazu hat es dieselbe Form wie Nr. 2»
4 und 5. Mit denselben Gründen aber, mit welchen wir hier die
überlieferte Reihenfolge aufrecht halten, scheiden wir Nr. 3 aus.
Es ist nach Inhalt und Darstellung ein Jugendproduct, in dem
der Dichter noch heimliche Wege verbotener Liebe wandelt, d. h.
eben das tut, was er in den genannten Gedichten Nr. 1, 4 und
5 in seiner Jugend getan zu haben bereut; auch die
strophische Form weicht von jener in Reimpaaren ab. Alle Momente,
die es aus der überlieferten Nachbarschaft fortschaffen, weisen es
zu den Liebesliedern von Nr. 6 — 9, an deren Spitze es von selbst
stehen bleibt, weLn wir Nr. 1, 2, 4 und 5 zu den Producten der
spätem Zeit zurückstellen, wohin sie gehören.
Nr. 6, 7, 8 und 9 sind Tanzlieder im ganz gleichen Genre,
zeigen die gleiche Anschauungsweise und die gleichen Liebesbe-
mühungen des Dichters, von denen wir p. 16 ff. gehört, stammen
folgerichtig aus der gleichen Lebensperiode und bleiben in der über-
lieferten Stellung. Sie bilden einen Gyclus, indem sie eine be-
stimmte Periode der Denk- und Dichtungsweise Hugo's umfisussen^),
') Eine chronologische Abgrenzung der einzelnen Gedichte ist nicht mftg-
GXXXV
ebenso wie die folgenden Wächterlieder Nr. 10, 11 und 12, welche
mit ihrem moralisierenden Tone die Periode der Umwandlung (p.
34 ff.) charakterisieren, nur unter einander ist ihre Stellung um
eins verrückt worden: Nr. 11 muss vor Nr. 10 gedichtet worden
sein; denn 11, 4—6 ermahnt der Wächter den Dichter, dass er
aufhören solle, Tanzlieder zu machen. Wäre Nr. 10 vor Nr. 11
gedichtet, käme diese Ermahnung zu spät, weil Nr. 10 schon ein
moralisierendes Taglied ist; aber wohl passt Nr. 11 hinter
Nr. 9, das letzte Tanzlied: die unmittelbare Aufeinanderfolge
zwischen 9 und 11 wird daraus evident sein. Aber noch eine
weitere Beziehung beweist, dass Nr. 10 hinter Nr. 11 zu stellen
ist: 10, 8 sagt der Wächter zum Dichter: du bist doch noch^ als
ich dich lie. Wie das Gedicht dasteht, hat die Stelle keinen Sinn;
denn die beiden fanden wir ja noch nie beisammen! Ganz anders
jedoch, wenn Nr. 11 vorausstand, worin der Wächter den Dichter
ermahnte, eine andere Lebensweise zu beginnen; da er aber da-
mals bei ihm wenig ausgerichtet, kommt er in Nr. 10 abermals,
findet ihn noch nicht gebessert und kann jetzt sagen : du bist doch
noch^ als ich dich lie. Daraus ergibt sich die Reihenfolge 9, 11,
10,' 12; aber noch ein weiteres: der enge Zusammenhang zwischen 9,
11 und 10 schliesst aus, dass 1, 2, 4, 5 zwischen diese beiden
Cyclen (6, 7, 8, 9 und 11, 10, 12) hineingestellt werden; sie
müssen dem letzteren nachfolgen, was auch andere Gründe dartun :
11 — 12 nämlich zeigen den Uebergang zu einem neuen religiösen
Leben, der in 1 — 5 schon geschehen ist; femer sagt der Wächter
10, 6 zum Dichter: du hast uff mitten tag dtnar zit gelept uff
erden Me. Des Menschen Tag ist das Leben, und mit den Dreissi-
gerjahren beiläufig beginnt ihm der Mittag. Demnach fallen Nr. 10
und die zu ihm gehörigen Gedichte in den Ausgang der achtziger,
während oben Nr. 1, 2, 4, 5 dem Beginne f der neunziger J. zuge-
wiesen werden konnten. — Nr. 13 bietet keine dierecten Anhalts-
punkte zur geni^ueren Mxierung, aber Inhalt und Form bewahren
ihm seine Stellung nach Nr. 12, so dass sich folgende Ordnung
als die ursprüngliche ergibt: 9, 11, 10, 12, 13, 1, 2, 4, 5.
lieh, aneh entbehrlich; es genügt zu wissen, dass sie während der Ehe mit
Margaratha entstanden sind und nicht dieser galten: das beweist seine Reue
in den spätem Jahren und Nr. 17, wo er ausdrücklich heryorhebt, dass er
seiner Frau Tergessen und andern frowen und töehterlin gedichtet habe. Auch
Weinhold teilte diese Ansicht.
CXXXVI
0
Nr. 14 kann stellen bleiben, Nr. 15 dagegen scheint mir in
der Nähe von Nr. 4 oder 5 besser zu passen, als nach Nr. 14«
weil es den Eindruck, den Margaretha's Tod auf den Dichter ge-
macht, lebendiger zeigt als 5 und 14; doch das ist Vermutung,
bei der wir uns nicht aufhalten wollen. Dieser ganzen Gruppe
fehlt noch ein Gredicht: Nr. 17 ist in seiner Stellung zwischen
Nr. 16 und 18 ganz unhaltbar; denn Nr. 16 zeigt die beginnende
Liebe zu dementia, welche Nr. 18, 19 etc. fortsetzen, während Nr. 17
den Abschied von der verbotenen Minne und Minnedichtung schil-
dert, die er in dm tron gen der liebsten frowen gepflegt hat.
Das kann sich nicht auf dementia, sondern nur auf Margaretha
beziehen, und Nr. 17 findet daher seine Stellung nach Nr. 11 — 13^).
So hat sich folgende chronologische Reihenfolge ergeben: Nr. 3, 6,
7, 8, 9, 11, 10, 12, 13, 17, 1, 2, 4, 15 (?), 5, 14.
Es gereicht derselben nur zur Bestätigung, dass so die Ge-
dichte ein vollständiges, scharf markiertes Bild von Hugo^s innerer
Entwicklung geben, wie wir dasselbe in Abhandlung I zu entrollen
versucht haben.
Nr. 16 — 26 umfassen eine neue Lebensperiode von c. 1394
bis c. 1400, es sind die Gedichte an dementia, deren Zusammen-
hang in der überlieferten Ordnung aus Abh. I (p. 43 — 49) ersichtlich
sein wird; nur Nr. 22 ist zwischen Nr. 21 und 23 unmöglich, weil
diese sich inhaltlich eng an einander schliessen, während in Nr. 22
eine ganz andere Gemütsverfassung des Dichters zu Grunde liegt: es
ist diesselbe, welche sich in Nr. 24, 25 und 26 fortsetzt; es müsste
daher wenigstens nach Nr. 23 stehen. Dass es aber auch hier nicht
am Platze sei, zeigt der Eingang von Nr. 24, wo Hugo klagt, dass
er aus Liebe zu viel gedichtet und zwar — wenn man 24, 106
dazuhält — der weit ze lustj nachdem er es schon einmal ver-
schworen habe, was 18, 205 f. geschehen ist, dem dann Nr. 19, 20,
21 und 23 nachfolgten, die wirklich der Welt zur Lust gedichtet
worden; aber nicht gilt das für Nr. 22, das bereits der Welt
zur Belehrung dasteht wie 24, 25 und 26. Die angeführte
Aeusserung des Dichters bestätigt also einerseits Nr. 19, 20, 21 und
23 an ihrem gegenwärtigen Platze und weist andrerseits Nr. 22
hinter Nr. 24 zurück.
^) Ich befinde mieh auch hier in Uebereinstimmnng mit Weinhold, der
(p. 135) Nr. 17 gleichfalls auf Margaretha bezog ; nnr ist es tot, nicht nach
Nr. 1 zu setzen.
CXXXVII
Der nächste Cyclus umfasst Nr. 27- 33, die Gedichte nach
dem Tode Glementia^s, von c. 1400 - 1402. Zu einer Verstellung
zeigt sich keine Veranlassung^).
Auch die letzten fünf Producte (Nr. 34 — 38) bleiben in der
überlieferten Ordnung. Sie sind datiert mit Ausnahme von Nr. 37 :
die ersten drei entstanden 1402, Nr. 38 erst 1414; dazwischen fällt
also eine grosse Lücke mit Nr. 37, das wegen Vers 40 eher zu
Nr. 38 als zu den vorausgegangenen Briefen gehört. Man könnte viel-
leicht darauf verfallen, die mehr als zehnjährige Lücke durch den
Verlust einiger Gedichte zu erklären; doch spricht 38, 101 da-
gegen, wo Hugo die Gedichtarten aufzählt, in welchen er seiner
(dritten) Frau gedichtet habe: es sind die brief^ tagwis und redy
und wir haben 3 Briefe, die Tagweis und die Rede (vgl. p. 69).
So hat die Reihenfolge des Originals im Cod. Pal. manche
Aenderungen erfahren^). Aus der Art derselben lässt sich einiger-
massen auch die Absicht vermuten, in welcher man sie vornahm: es
sollten die gleichförmigen Gedichte zusammengestellt werden. Vor-
aus setzte man die einfachsten, die Reden in Reimpaaren, Nr. 17
wird davon ausgeschieden und zum gleichgebauten Nr. 16, eben-
so Nr. 15 von den Reimpaaren weg und zu den strophischen Ge-
dichten gestellt. Dann folgen die singbaren Lieder, dann die übrigen
strophischen Gedichte. Später werden die Aenderungen seltener,
weil eben fast alle Gedichte dieselbe Gestalt hatten. Wenn die
*) Nr. 27 mit Weinhold auf den Tod der ersten Frau zu beziehen,
geht nicht an, wie sich aus der geführten Untersuchnng nun von selbst er-
geben wird; dazn klagt der Dichter 27, 129 — 136, dass ihm durch Sterben
grosses Herzeleid geschehen sei. Wir wissen ans dem Zasammenhange, dass
er damit den Tod Clementia*s meint. Er setzt aber hinzu: ieh wandt mir
möeht doch niemer also werden: dasselbe ist ihm also schon einmal geschehen,
womit er doch nur den parallelen Fall von Margaretha*s Tod meinen kann.
Auch Nr. 31 wollte Weinhold yersetzen und zwar vor Nr. 28. Das darf
ebenso wenig geschehen; denn in Nr. 31 zählt Hugo seine bisher gemachten
Gedichte auf: 30 an der Zahl. Stünde Nr. 31 vor 28, 29 und 30, wären diese
damals auch nicht gedichtet gewesen, und wir hätten dann nur 27 fertige
Producte voraus, also um 3 zu wenig. Dazu hat Nr. 31 mit 32 eine
directe Anknüpfung: 31, 213 f. sagt er, er wolle das Dichten lassen, denn er
werde nan alt und besässe nicht mehr die Kraft dazu. Als ihm aber wieder
die Lust dazu kam, beginnt er das nächste Gedicht (32) mit einem hinmder
heb ieh tiehten cm.
*) Im Texte habe ich die überlieferte Ordnung stehen gelassen, wie auch
andere Editoren in ähnlichen Fällen getan haben.
CXXXVIII
ganze Anordnung nur mangelhaft durchgeführt ist, so kann das
wenig anfiallen: sie war ja ein Unternehmen der Schreiber, die
alles, was sie anfiengen, nur halb und schlaaderhaft durchführten,
wie wir noch genugsam sehen werden. Der Gedanke der Schreiber
war damals nichts weniger als neu : die Göttinger Hs. des Mügeln
z. B enthält die Lieder nach Tönen geordnet^), dasselbe haben die
Hss. Oswalds v. Wolkenstein ^) , so ordnete auch Beheim seine
Lieder^). Besonders bei Praohthandschriften lag es nahe, durch eine
solche Anordnung die Gleichartigkeit und Schönheit zu erhöhen^).
Unser Cod. ist also nicht nur nicht Original, sondern auch
keine treue Abschrift desselben. Das wird noch deutlicher aus der
Untersuchung seiner Sprache, wobei uns die festgebundenen
Reime zunächst die Anhaltspunkte geben, die ursprünglichen Formen
von den verdorbenen der Schreiber loszulösen.
In der Hs. begegnet häufiger Wechsel zwischen i und dessen
Gunierung ei^ z. B. I, 12 meiner; 18, 125 seinem; 1, 44 dein;
1, 2 mtn^ 21 din etc. Die jungem Formen erscheinen in der Zeile
sogar in der Ueberzahl. Allein die Reime m^mleichidich 14, 43;
dein i hin (Adv.) 15, 119; gütleich : mich 18, 6; bin : sein 18,
25; ewenkleich : ich 25, 30; subteil : pappir 28, 593; gentzleieh:
mich 31, 46; dann schiben : siben 4, 75 und die andern Abh.
rv, p. 147 aufgezählten i : i beweisen neben den vielen (besonders
bei A) richtig erhaltenen i die Aenderungen der Abschreiber. Da
sich femer kein ei (alt) mit ei (= i) bindet, so ist evident, dass
alle ei (= i) spätere Verderbnisse sind.
Wie mit i und ei so verhält es sich mit ü und seiner Gu-
nierung au. Wir finden mawr^n : <ra?erm 33, 49; haue : aue
33, 53; grawaen : tawsen 18, 257; muren : trawren 3, 38 eta
neben klugen : behueen 2, 21 ; muren : geburen 5, 321. Aber
hinauf : gruff 12, 13; trawren : creaturen 16, 58 und der Man-
1) SchrOer, Sitz. Ber. der Wiener Akad. 55, 452.
*) Zingerle, Sitz. Ber. 64, 635.
') Liliencron, Inhftlt der allgemeinen Bildung zur Zeit der Scholastik p. 35.
^) Aehnlich wird es sich auch in den Hss. Älterer Minnesftnger yerhalten,
and die hier bei Hugo constatierte vielfache Incongruenz zwischen der chrono-
logischen Reihenfolge der Gedichte und ihrer Anordnung nach der Form (resp.
den Tönen) kann zeigen, wie geringe Berechtigung die Ansicht von der Deckung
beider habe, welche sich neuerdings, namentlich bei Walther, breit zu machen
sucht.
CXXXIX
gel eines das jüngere au erhärtenden Reimes lassen nicht im Zweifel,
dass wir es wieder mit einer Aendernng der Schreiber zu tun haben.
Dasselbe gilt ffir das jüngere au (z. B, ffauch:auch 15, 165;
24, 40; haubet : beraubet 27, 10 etc.) ans ou (bei Hugo ^^ o, o,
davon nnten), wie die Renne Ao/: lauf i^7, 173 und die richtig
erhaltenen geloffen : offen 4, 194 ; bömen : komen 5, 96 ; tröm : hän
24, l; irdn : schon 31, l : Idn 31, 37, 105 : hdn 17, 29 : Ion
25, 201 beweisen.
Femer haben die Schreiber für das ursprüngliche ü {=iu)
eu, ew gesetzt, z. B. euch 18, 31; leuten : trewten 38, 82. Die
Reime füreten : tewrsten 24, 25; smügen : gezeugen 4, 133, dann
s^ind : fründ 15, 36; füreten : getürsten 15, 96 belegen aber die
Formen des Originals, denen man noch in der Es. oft genug be-
gegnet.
Wir haben also das Resultat, dass die Schreiber i in ee, ü
und ou {6) in ot«, ü {tu) in eu umsehrieben, und können daraus
den Schluss ziehen, was sie dazu bewogen habe : Hugo sprach den
alem. Di3>lekt seiner Heimat, die Schreiber dagegen den bairisch-
österreichischen ^), wo diese neuen Diphthonge schon lange gangbar
waren, während sie in den alemannischen erst gegen Schluss des 15.
und Anfang des 16. Jahrhunderts, ja vielfach erst noch später
eindrangen (vgl. Weinholds MG. § 91, 97, 117 und AG. § 51,
57, 96, 99 und 131)2). Für die Construction des Textes ergibt sich
daraus alsobersterGrundsatz: alle Formen, welche bairischen
Charakter tragen, müssen getilgt und die entsprechenden alemanni-
schen dafür hergestellt werden; alle specifischen Alemannismen
dagegen müssen ungeändert bleiben, selbst auch dann, wenn sie
bloss grobem mundartlichen Erscheinungen angehören sollten, ob-
gleich man versucht sein könnte mit Weinhold') zu schliessen,
dass Hugo, der gebildete Ritter, sich von solchen fern gehalten
habe.
Wir können nun auch die bairischen oi, die sich in der Hs.
für altes und neben altem ei finden (z. B. laid 5, 13: beraiten 17, 15)
^) Aujch das dentet darauf, dass ansere Hs. anf den Pfannberger Gütern
entstanden sei, wo Hugo erst seit 1402 beständigen Hof hielt wie früher in
Bregenz; Tgl. Abb. I, p. 52 ff.
') Weinholds mittelhochd. Gramm, bezeichne ich mit MG., desselben
alem. Gramm, mit AG., bair. Gramm, mit BG.
s) In den Mitteilungen VH, 164.
CXL
den Schreibern zur Last legen; denn sie kamen eben mit dem
ei (= ^) in Brauch, um den alten Diphthong vom neuen zu unter-
scheiden; vgl. Scherer GDS. p. 42, MG. § 89, BG. § 64.
Allein das durch die Reime gewonnene Kriterium reicht nicht
aus: es bleiben noch viele, zum Teile sehr rohe Formen, welche
um diese Zeit dem bair. wie dem alem. Dialekt gemeinsam waren,
wobei die Reime, auch wenn sie zahlreicher wären, nichts beweisen
könnten, ebensowenig wie die Metrik. Es bliebe in diesen Fällen
nichts übrig, als auf den Grundsatz zurückzukommen, den Heinzel
in ähnlicher Lage (bei Heinrich v. Melk, Vorrede p. 5) aufgestellt
hat: bei jeder P'orm der Hs. ist zu fragen, ob sie in der Zeit
und in der Heimat Hugo*s möglich gewesen. Dieser Grundsatz ist
hier um so berechtigter, je näher unsere Hs. dem Originale steht.
Die Quellen, die zu Bäte zu ziehen, sind selbstverständlich alem.
Dichtungen und Urkunden aus dieser Zeit. Dabei darf man sich
freilich einen Nachteil nicht verhehlen: Frank hat noch jüngst
mit gutem Grunde betont (Zs. f. d. Altert. XII, 34), wie jeder
Dichter seinen eigenen Wortschatz, seine eigene Ansicht über die
Zulässigkeit einer Form in der Schriftsprache hat. Und das ist
gerade in Hugo*s Zeit, wo der individuelle Geschmack weniger als
jemals von einem allgemeineren Sprach- und Schreibgebrauch ein-
geengt wurde, besonders zu beachten. Der eine Dichter gestattet
sich, was der andere, ja oft die meisten andern meiden. Da wir
nicht von diesem oder jenem alem. Denkmale, sondern nur von der
Gesammtheit derselben das Mass nehmen können, so ergibt sich
daraus eine Summe von Auswüchsen und Verrohungen, aus welcher
sich auch die misslichsten Formen und Schreibungen belegen lassen.
Bei diesen Zweifeln wird nun der oben gegebene Nachweis
wichtig, dass Hugo^s Gedichte von drei verschiedenen Händen ge-
schrieben sind, welche, verschieden an Fähigkeit und Fleiss, das
Original mit wechselnder Genauigkeit copierten, so in ihren Fehlern
divergieren und sich gegenseitig zur Goutrole werden. Das regelt
die Ueberlieferung ähnlich so, als lägen uns drei verschiedene
Hss. vor; nur haben wir statt des Nebeneinander ein Nachein-
ander. Das Verhältnis lässt sich durch folgendes Bild veran-
schaulichen.
CXM
0
A (1—12, 12) B (12, 13-37) C (38)
Als Original werden wir das buoch von 1401 anzusehen
haben, dessen Entstehung wir ja (p. 132) teilweise beobaohten
konnten. Von einer Hs. zwischen jener and der unsrigen erscheint
keine Spar. Auch über die Beschaffenheit des Or. ist einiges zu
ermitteln: es war, wie zu erwarten, im alem. Dial. geschrieben,
das beweisen die vielen noch erhaltenen alem. Formen im Cod.
Pal. (vgl. Abh. IV) *) ; es hatte ferner fortlaufende Zeilen, in denen nur
Punkte die Verse von einander trennten. Daher also kommen in
unserer Hs. die vielen Punkte am Versende (p. 113), die von A, B
und G mechanisch abgeschrieben worden waren, daher auch die
vielen zusammengeschriebenen oder falsch getrennten Verse bei
B und C.
Von den Schreibern besitzt A den grössten Wert; er ist der
gebildetste und fleissigste, schreibt schöner und treuer: bei ihm
finden sich unvergleichlich mehr ursprüngliche i*, 6, o und ü^ rich-^
tigere Verwendung der Gonsonanten und weniger Fehler bei Apo-
kope, Synkope u. dgl. m. Die eine Unart aber, die ihm anhaftet, die
diakritischen Zeichen über u (= üy uo und ue) wegzulassen, wird
ihm von B und G nachgewiesen. So ergeben sich schon sieben
von den oben angeführten Differenzen der Schreiber als ebenso viele
Arten von Verderbnissen, welche aus dem Texte zu streichen sind,
was ohne den Nachweis der verschiedenen Hände nicht hätte ge-
schehen dürfen, da z. B. die ff, gk^ i/, dartzuo^ iemant, niemant^
ghikfy die u für ü, uOy ue etc. in alem. Urk. jener Zeit bereits
za belegen sind. Andere werden sich bei weiterer Vergleichung noch
ergeben, wozu Abh. IV und die Anmerkungen Grelegenheit bieten.
^) Dafür haben wir auch eine äussere Stütze. 31, 183 sagt Hago, dass
seine Lieder Bürk Mangolt, der zs Pregeniz gsesssn isU componierte : sie sind
daher wohl auch dort geschrieben worden.
cxLn
Auch die Gedichte Nr. 39 aad 40 liegen nicht im Originale,
noch in einer treuen Abschrift vor, wie die Reime mynniglwh :
rychen 39, 2; atwreifüre {atürifür durch die Melodie geboten)
39, 23; strenge ; gedreng 39, 53; swnderjnn ; mynne 39, 80;
jnnen : jnnen : mynn 39, 87 ; trage : tag : frage 39, 101 ; sture :
fuwer 40, 30; kam : wamme 40, 38; band : lande 40, 80; gerne:
entern 40, 108; gewynnen : sinn : endrinn 40, 165 u. a. beweisen.
Ich habe oben (p. 123) die äussern Gründe fQr ihre Unecht-
heit angeführt, die Innern vereinige ich mit dem Nachweis, dass
sie, so wie sie sich bieten, überwiegend mitteldeutsches G^
präge haben, was die Reimformen, so weit diese überhaupt reichen,
bestätigen.
u^) für uo:zu 39, 23, 43, 54, 91; 40, 20, 30, 38,
72, 78, 105, 107, 118, 157, 158; zun 39, 34. tun 39,
12, 107; dut 39, 30. bust 39, 84; drugen 39, 89; fürt (Praet)
39, 40; 40, 44; musz 40, 114, 137; thu 39, 99, 108; 40, 111.
muter 39, 105; ruffent 40, 90; gethun : sun 39, 83; behut:gut:
frutiblut 40, 51 und besonders noch dartzu:ruinu:1hu 40, 107.
u für üe^ iu^ üifuszen 39, 34; gut (= güete) 39, 6^\ fugen
40, 138; gebuszen 40, 64; tufel 39, 44, \0%\ fuwer 39, 117;
sture: fuwer 40, 30; nun {= niun) 39, 21; stuwer 40, 107;
crutze 40, 155; sunder 39, 54, 58; sunde 39, 74 : lunde 39,
100; stucken 40, 118; für 39, 106, * 117, 118; 40, 76 u. a.
dazu der beweisende Reim hulde : sunde 40, 164, der in Hngo*s
Gedichten kein Analogen hat.
0 für oö : lose 39, 44 ; frolich 3Ö, 47 ; zurstoren 39, 65.
i für e : meris 39, 76; 40, 66, 96; uszerweUis 40, 67.
Auch Hugo gebraucht i für ^, aber in ganz anderer Weise, dar-
über in Abh. IV.
i für ie (MG. § 73, m)\ licht 39, 28, 34; üt 39, 11;
lichter 39, 33; 40, 66; liplich 39, 45; üb 39, 96, 108; gs-
dinet 40, 146; dann UU 40, 116; hing : entphing 40, 165 (MG.
§ 340). Daneben begegnet einigemal ie für i : hiemeUseh 39, 23 ;
Uemels 39, 36; 40, 1; yet 39, 112 (ycÄ< 39, 129), die wohl
zu tilgen sind, wie der Reim vil : ziel 40, 145 und die Verse
39, 23, 69, wo der Rhythmus himel statt hiemel fordert, anzu-
9 Von der Bezeichnnng der Länge ist abzusehen.
cxmi
deuten scheinen. Anders mag es sich verhalten bei beschrieben
40,48; wieder AO, 84; diesen 40, 116; vgl. darüber Rinzel, «der
Janker nnd der treue Heinrich * p. 20. Charakteristisch für das Md.
sind die
M für « im Präfix zer : zurstoren 39, 65; zurbrach 40, 118;
zurstoszen 40, 122 (MG. § 52, Lexer IH, 1060) — ferner die
0 fftr w und ü : ander 39, 120; onderscheit 40, 13; fcom-
mer 40, 62; sonn 39, 33; sanes 39, 128; 40, 51; gewonn AO,
109; off 39, 56 (ffir u = ü): vorwar 39, 92 (MG* § 44 und
die analogen Belege bei Kinzel a. a. 0. p. 20).
t in die Tiefe gefärbt bis zu u : ummer 40, 110 und 114;
öfters erscheint das Wort nicht (MG. § 52, Lexer IT, 1414).
eu für öuifreud 39, 51; freuden 39, 96; 40, 158; dann
auch jungkfreulichem 39, 22, 125; freulin 39, 88; leuwen 40, 15
(MG. $ 109). Ebenso steht bei Kinzel a. a. 0. p. 21 freuden,
erfreuwen.
au für ou : äugen 40, 150; gelauffen 40, 132; auch 39,
29, 38, 71, 78, 87, 88, 90, 97; 40, 6, 11, 18, 22, 25, 29, 38,
42 etc.; aber nur far ou, ebenso im ^ Junker u. d. treue Heinrich*
(Kinzel p. 21).
Aus dem Gonsonantismus :
d für Mm Anlaut: gedieht 39, 1; 40, 85; det 39, 4; 40,
33, 108; detest 39, 66; detist 39, 72; dott 39, 57; 40, 55,
148; dottsunden 39, 75; drugen 39, 89; erdruncken 39, 76;
erdrenckt 40, 45; drucken 40, 44; drost 40, 159; dieff 40, 96;
dragen 40, 137 ; dnres 40, 55 ; drutz 40, 46.
Daneben steht fA;^«<Äun 39, 83; thu 39, 99, 108; 40, 111;
gethon 40, 82, 125. Beides auch bei Kinzel p. 22.
ch für g in beweisenden Reimen: durchluchtlch : sich 39, 15;
lach : manigfaxih 40, 96; daher auch slach : gemach 40, 131 (MG.
p. 190); dazu in der Zeile manche 40, 12; manchen 100; m^n"
eher 120. Dasselbe bei Kinzel p. 23.
Endlich noch^) der Reim ^ (=^vlShe):me 39, 73 (derselbe
auch bei Müglein, Fab. 12, 11), der nach Wagner, Mönch von
*) Die € für ae, die Apokopen des n {kyrieleiso{n) : fro ; do 39, 50 ;
volhr%ng6{n) : ttimme 39, 11 ; </U«(n): nu; ru 40, 111, ti(n) :hi 114 werden
auch bei md. Denkm. häufig hervorgehoben ; Tgl. Wagner (MOnch y. H.) p. 2 und
23. Aach der Beim t:6i 39, 28 ist in dieser Zeit nicht auffaUend (KG. %Q^\.
CXIJV
Heilbroon ^QF. XV, 19) md. ist. Aosseidem TgL Ao (: cb) 40»
36; seihe) : ffe$chee 40, 151 and hoeu 4C>, 58.
Es tat meioer Meinang keinen erhebliehen Eintng, wenn
einzelne Formen in dieser Zeit auch in andern Dialekten za
finden rind; denn sie stützt sidi auf die grosse Somme derselben,
welche bei so geringer Verszahl in einem nicht md. Denkmal
kaom wird nachgewiesen werden können. Manche wird überdies
noch der Schreiber, den ich wie auch meine VcM^anger für einen
Alemannen halte'), beseitigt haben; so lasst sich direct zeigen,
wie er Umlaatzeichen gegen das Or. einsetzte, 39, 45 z. B.
steht schon (Ady.) : krön (corona); 40, 42 schreibt er 9ü$z
(= sus); 39, 65 zürstoren o. a.; besonders beachtenswert ist der
Schnörkel über dem u in atruchen 40, 128, wo an ein struochm
oder strueehen nicht zu denken, and der deswegen als der D-Strich
der jungem Correntschrift za erklären ist, welche damit das u (als u)
Yom n anterscheidet (vgl. darüber Wölker, Franko Stadtdialekt, m
PB. Beitr. IV, 25, and Weizsäcker, deatsdie Beichstagsacte, EinL
p. 76). So wird es sich aach in andern Fällen yerhalten, and
wenn 40, 107 die Reime darUu : rü : nü : (hu erscheinen, so wird
man neben den vielen andern u = tio der Hs. nidit ein guzruo:
nuoithv, sondern vielmehr einen Beleg für ru:nu za oonstatieren
haben, zamal in der Zeile überall nu za erblidLen ist. Für
die kurzen ü hat schon Weinhold, aaf den Beim hulde sumde
40, 164 gestützt, u gesetzt.
Nr. 39 and 40 in die Sprache irgend einer md. Hs. des 14.
oder 15. Jahrhunderts umzuschreiben, wird mir niemand zumuten.
1) Was sich leicht erklärt, da der Cod. jedenfalls in den Händen Ton
Hogo*s Nachkommen war, welche von ihm anch die Bregenzer Besitzungen
geerbt hatten.
IV. SPEACHE.
^Zwischen meiner Darstellung des Mittel- und Neuhoch-
deutschen wird eine Lücke empfindlich sein ; manigfaltige Ueber-
gänge und Abstufungen hätten sich aus den Schriften des rier-
zehnten so wie der drei folgenden Jahrhunderte sammeln und
erläutern lassen . . . Die Schriftsteller dieser Zwischenzeit Ter-
grobem stufenweise die frühere Sprachregel und überlassen sich
sorglos den Einmischungen landschaftlicher gemeiner Mundart;
oft weiss man nicht, ob ihre Besonderheit von der alten reinen
Sprache her übrig geblieben oder aas dem Gebiete des Volks-
dialektes eingedrungen ist. Genügende Darstellungen solcher
Besonderheiten würden weitläufüge Anstalten und Erörterungen
▼erlangen. Vielleicht dass andere nach und nach die gar nicht
nnanziehende Arbeit Tornehmen, ich meine, alle Grammatikalien
jeder herrorragenden Masse sorgfältiger Prüfung wert halten'^.
Deutsche Gramm. 1*, X — Xf.
Diese Worte Jakob Grimms stellte ich als Motto voran, weil
sie karz und klar den Standpunkt bezeichnen, welcher in der fol-
genden Abhandlang einzanehmen ist: die sprachlichen Erscheinun-
gen unseres Denkmals sind zu befragen nach ihrer Stellung zwischen
dem Mittel- und Neuhochdeutschen einerseits und zur Mundart des
Dichters andrerseits. In beiden Fällen also bleibt das gute Mittel-
hochdeutsch Ausgangspunkt der Untersuchung.
Jede neue Sprachperiode beginnt mit einer Verrückung der
Quantität, so auch der Uebergang vom Mittel- zum Neuhoch-
deutschen : hochbetonte kurze Stammsilben werden in Folge der
Acoentuierung lang, was sich durch Längung des die Wurzel
schliessenden Ck)nsonanten oder durch Dehnung der alten Vocal-
ktlrze bewerkstelligt^).
A) Grimm, Gr. I*, 14 f.; Scherer, GDS.* 76 f.; Bückert, Geschichte der
nhd. Schriftspr. I, 200 ff., und Koberstein : Ueber die Sprache Suchenwirts I, 12
und 20; neuerdings hat Seemüller in der Zs. für Osterreichische Gymnasien
XXXI, 327 ff. eingehend darüber gehandelt.
Wackernell, Montfort. \^
CXLVI
Die Längung der Consonanten erscheint bei Hago schon
vielfach gegen mhd. Gebrauch, am häufigsten die von f, welches
zaerst in die neue Entwicklung eintrat [im Wolfd. D z. B. begegnet
nur t; vgl. DHB.IV, Einl.XI, ebenso bei Heinz. (Pfeiffer ML. 509)]:
Htten : vermitten 2, IT '.bitten 21, 19; erlitten 12, 2A: gestritten 28,
696 : zerritten 33, 12; geritten 2, 97 ; gelitten 4, 163; verbotten
19, 26;Jcrotten 28, 121; potten 4, 134; gottes 4, 181; göttUch
4, 54, 141; abgötten 24, 39; gott 3, 1; 12, 19; 14, 2; ettlich 5,
249; vatter 4, 102; 14, l;Aö« 24, 10; hetäet 15, 15; haU(e)
15, 85; 18, 13. — Weiter grappen 2, 142; truffeni 5, 67;
frummen 28, 83; 38, 84, 88 : «^mm^n 38, 79; schammen :
lammen 2, 65; nammen 18, 95; m'mm 14, 40.; 38, 148; sinn
18, 145; sollen 27, 42; 28, 332; 31, 191; soll 15, 7? «ö7Ä(jä
17, 50; nachtgall 15, 166; 28, 632 u. a. — Auch nach
langem Yocal kann Gemination des Consonanten eintreten, be-
sonders bei/*), s und ^, so in straffen : geschaffen 30, 67; wdffen :
gescUaffen 15, 4; schlaffen 32, 100; 38, 104.; Zcfo^en 35, 26;
^rre/m 2, 137; |V2/en 16, 49; strdff 18, 151; ö/ 1, 5 u. ofu
lassen 28, b6b: Strassen 28, 222, 230; 33, 6; 35, 28; (gwissen:)
verbissen 15, lb4 : bissen 18, 132 u. a. schozz 2, 20; ma;2^^
2, 107; gruezz 3, 1 ; gruozz 6, 1 etc.; seltener bei t: statt 12,
12 oder p : wappen 2, 141.
Die Dehnung des Vocals hat Hugo nodi nirgend nach
nhd. Weise bezeichnet; dass sie aber gleichwohl schon vielfach
eingetreten ist, ergibt sich aus den Reimen zwischen langem und
kurzem VocaP).
a : d vor n in gewan : wdn 1, 14 ; gan : bestdn 2, 79 ; pan : hdn
2, Ol; an: hdn 3, 41; 10, 4; kan (=kam):hdn 4» 85; tan:
^) Kann auch zusammenhängen mit der geschärften Aussprache dieses
/ im alemannischen and in den verwandten Dialekten, Tgl. Hunziker, Aar-
gauer Wörterbuch (1877) LXVIU f. Es ist irrig, wenn man in der Doppel-
consonanz nur das Zeichen für die Kürze des Yorausgehenden Yocals erblicken
wiU, Tgl. Liliencron, historische Volkslieder II, Einl. YI, Yll ; Uhland, alte
hoch- und niederdeutsche Volkslieder T. Bd., II Teil, p. 994. Aber ofen : ^
loffen 4, 193; kof:lof 5, 307; wappen : grappen 2, 141 u. a. werden auch
bei Hugo die Yocalkürzung bezeichnen.
') Ich stelle hier sämmtliche Reime mit Terschiedener YocalquantitAt,
auch die einsilbigen, zusammen, um nicht noch einmal darauf zurückkommen
zu müssen ; Weinhold (AG. p. 34 u. ö.) verwendet übrigens mit Becht aueh die
letztern als Belege für die Dehnung früherer Kürzen.
€samx
hestdn 5, 78; man:ldn 5, 91 : hdn 5, 102; daran ihdn 5, 323;
gram : hin 14, 37; anipldn 16, 5; gmän : Idn 17, 46; man:
getdn 25, b^ihdn 25, 110; kan : atdn 25, 187; aniheatdn S&
165 and im coosoaaHtisch angenanen Reime han : hdt 3, 33.
vor r in war : cldr 16, 37; schar \zwdr 18, 177.
vor g und/ in getragen ; wdgen 5, 7 5 ; geschaffen : strdffen 30, 66.
e:^ vor n in (;?aWn (Dat.) : schin 2, 127; ftm.'«2n (€««e) 13,
b:din 15, 119; 18, 162 : (n (Acc) 5, 376; daMn : «cÄ^n 18, 6;
hin : scMn 18, 21 : stn 18, 25.
Die componierten -rM und -/l!c& werden im Reime verkürzt :
sich : loblich 2, 95 : glich 4, 184; micft : wilUklich 1, 88:^u«^/ioi&
18, 6 : gentzlich 31, 46; ef/cA : man22(;% 14, 44; ich : eweMich
25, 29; zweifelhaft sind ewenklich : himelrich 4, 157; tugentlich:
glich 3, l^ignadenrich 2, 46 a. a.; auch seldenrichen : ewenklichen
4, 169; riehen : sicherlichen 13, 36; auf Länge reimen wichen (InH):
hostberlichen 28, b2b : gewaltddicJien 31, 69 (vgl. Jänicke, DHB.
IV, Einl. VII; altd. Stud. p. 58, und Weinhold, MG. 6 16).
vor b in siben : schtben 4, 75.
vor SS (z) in gewissen : verbissen 15, 154 ; ftmeti 18, 130.
«;^ vor r in ner : Sr 24, 142 ; 34, 13 ; nerttunverkirl 27, 57. —
herriir 15, 142; 27, 177 neben herr:mer (mare) 22^ Sl : swer
(Praes. Ind.) 32, 14 : verr 28, 253, vgl. Zupitza, Virginal (DHB.
V) p. 14, und Weinhold, MG. S 64. werren (= ic;em) : kSren
7, 18; wi?rw;rfrm 15, 28; 18, 53; 25, 117; 28, 89; 34, 54:
verkSren 28, 438 (vgl. Anm. zur Stelle) ; sweren : iren 33, 2 :
verkiren 35, 14; m^re (mare) : ire 18, 222; dann wieder herre:Sre
28, 721; herren:m4ren 20, 13; 32, 2, 85, 158 neben herren:
werren 5, 223, 249; 28, IGbiverren 27, 234; 28, 361, 665. —
versten:Mrsten 38, 53.
vor Ain zeheniUhen 31, 165. Von ungleicher Quantität sind
auch die
e ; ae vor r in marter CswSr 27, 206 : fecAf^r 5, 383.
vor h in geschlecht : ^cA^ (= o^A^e) 33, 145.
u : ü vor / in gruff : hinüff 12, 13.
0 : 6 vor r in or< ; geMrt 2, 123 ; wort : ^rAor^ 2, 139. ^—
verloren : ^^r«w 4, 153; 33, 141.
vor n in davon : Salamdn 33, 26 ; kon *) ; zelön 8, 1 1.
^) Ich habe kon nach Jänicke (Zs f. d. A. 17, 506 und altd. &t>\iA, ^^\
oxLvm
vor m in komen : bomen (=^ boumen) 5, 95 (vgl. p. 155).
vor ch in doch : hoch 30, 53. Hieher gehören auch die dia-
lektischen
a : 0 vor nm an (Adv.) : schön 17, 53, ebenso wie die
0 : ä vor n in kon : hän 13, 9; davon : getan 18, 11.
0 : d steht also nur vor n wie im Wolfdietrich D; vgl. Jänicke
DHB. IV, Ein]. VIL
Von den angefahrten Reimen bezeugen besonders die zwei-
silbigen mit offener Paen ultima wie wer^fh^ zehen^ siben^ verloren,
komen etc. die eingetretene Längnng des Yocals in der Beden-
tangssilbe gegen mhd. Gebrauch (vgl. Jänicke DHB. IV, Eml. XI;
Kummer zu Herrand 2, 315).
Ein anderer Beweis dafür ist aus der Metrik zu holen : zwei-
silbig stumpfe Reime sind klingend geworden wie die mit nrsprüng-
lich langer Paenultima. So werden im Liede Nr. 6 vergeben :
leben 10, sehen : besehehen 39 ebenso klingend gebraucht wie
sunnen : zerunnen 2, muote : guote 6, wenkhen : gedenkhen 18,
logen : Sgen 31, gemessen : vergessen 35.
Es genügt hier vorläufig, diese neue Erscheinung nachgewiesen
zu haben; näJheres darüber bei der MetriL
Die Länge des betonten, ursprünglich kurzen Stammvocals
ist noch nirgend nach nhd. Weise dem Auge sichtbar gemacht^)
und erhellt nur daraus, dass ihm nun die Wirkungen des kur-
zen Vocals entzogen, die des langen beigelegt werden (Grimm,
Gramm. P, 213).
„Das Verblassen der Ableitungs- und Flexionsvocale beruht
auf ihrer Tonschwäche, auf ihrem Piano, resp. auf dem Forte der
Wurzelsilbe • (Scherer GDS.'-^ 76 f. und 88). So förderte die
Tonstärke der Bedeutungssilbe die Ausbreitung von Apokope
undSynkope. Hugo gebraucht die erstere in weitem Um£Einge:
(ich) sag: tag 2, 47; 10, 2; 18, 135; 28, 631; 29, 84; tag
als Kürze angesetzt; für die Zeit Eeinfrids und Staufenbergs ist sie sicher,
aber in der Hugo*s scheint bereits Dehnung eingetreten zn sein, denn er reimt
es beidemal nur auf langen Vocal, ebenso das Netz auf Rom 5391 , iuon
9137, lön 9265, stdn 10212 und nur 9523 Skufdarvon; in der heutigen Aas-
sprache nur kön, ko.
^) Das geschah sehr langsam und vielfach auch gar nicht. Wir schreiben
z. B. heute noch nicht leesen oder lehsen, obgleich wir so sprechen (Tgl.
darüber Seemüller a. a. 0.).
GXLIX
(Dat) : lag 25, 1 ; got (Dat) : apot 26, 57 ; gebot (Gen. PL) ; got
28, 641.
gehott (Dat.) : gott 1, 16; 27, 187; 30, 40; 38, 159; spott
(Dat.): gott 28, 729: gott (Dat) 3, f)4; «ed (Aca): foid (Dat) 3,
17 ; gedrän : schön (Adv.) 3, 29 ; rind (Dat.) : feind 4, 95 ; minn : sinn
(Nom.) 4, 141; 5, 215. — il (Dat) : pM 4, 11 und angesicht
(Dat.) : eniüicht A, 181 sind zweifelhaft (vgl. Äbh. V). Ai : hdn
4, 185; wdW (Acc.): baCd (Adv.) 5, 63; vorcA^ : v^worcA«
5, 127; drdtihdt 5, 141; gephandiUmd (Dat.) 5, 239; ve«<:
^w< (Gen. PI.) 23, 41; puoss : muoss 5, 27b:gruoss 17, 25; rdt
(Dat.) : Ad^ 5, 280; miet : scUet 5, 351; schön (Adv.) : Zon 15,
112; 28, 289, 633 : trön 25, 179; Orient : benent 16, 2:sent
23, 24; guot (Dat.) : mwof (Aoc.) 15, 22; ßisz {Da,t):msz
(albus) 16, 21; rieh (D^t.) : tugentUch 17, 37; w/ie^ : hrieg
18, 61; ewd;«(jA«w* 18, 117; sitt : nitt 18, 141; ^'oM (Dat)
isold 18, 242; muo« (D^t.) : guot 20, 18 : Wwo« 27, 202;
ßiss (Dat) : t«;w« 21, 15; 23, 19 ; ussgang (Dat.) : anefang 22,
23 ; huot : ^«mwo^ 23, 32 : pluot 28, 684 : guot 29 , 86, 102 ;
30, 97, 109; 31, 249; 32, 18; 33, 117; grimer 24, 98;
list (Dat) : ist 24, 113; list (Nom. PI.) : bist 27, 22; üb (Dat):
«i^'ft 25, 89, 151; 37, 53; bluot:huot (Dat) 30, 106; sach:
ach 26, 37; 27, 117; 33, 122; sinn (Gen. Fl) iMniginn 27,
158; leid (Dat) : /römtfcrf« 28, 382; swer (J)a,t.) : marter 27,
206; «^^n (Plur.) ; erschein 28, 5; gemach (Dat) : tooA 28, 54;
schimpf (Dat) igeUmpf 28, 170; flrmi (Adv.) : ^r^mi 28, 637 : en-
bem 29, 97; sei : mer 28, 214; ewangeUst (Gen. PL) : ist
28, 524; tocA (Dat):(^) sach 28, 569; (wA) leist : geist 28,
677; ^rÄi (Dat.) : Idn 31, 37, 105; woü (Praet) iMangolt 31,
181; krön: Ion 31, 225; (ecA) «raoA<:macA« 32, 151; huldige-
duld 33, 34; (icA) «rii> ; w;«^ 36, 13; lieb (Dat.) : dieb 38, 30.
Das ist eine grosse Zahl zum Teile sehr starker Apokopen, wovon
noch mehrere wie strass : mäss 6, 365; behend : end 4, 167;
Sünder : du geber 21 y 166 u. dgl., die nach Hugo's Metrik auch
klingend gewesen sein könnten, weggeblieben sind.
Sparsamer und vorsichtiger aber war er beim Gebrauche der
Synkopen im Reime. Es können angeführt werden: fluJcht : ge-
drukt 5, 41; schamptiampt 5, 361; verhangt : schand 15, 68;
Orient : benent 16, 2; ernst : gemst 18, 18; 28, 589; 33, 14;
hopt:brobt 25, 199 (27, 10 höbet : berobet); unverhert : nert
GL
27, 57 ; sagst : mögt 28, 413 (neben magef) ; fürgesetzt : ^fate^
31, 17; auch saphim : spim 28, 461, wo aber klingender Reim
nicht unmöglich wäre. Häufiger und schwerer sind die Synkopen
innerhalb der Zeile; näheres darüber bei der Metrik.
Die letzte Frage, welche sich an die Quantitätsänderungen
knüpft, ist die nach den Längezeichen. Sie ohne weiteres
nach mhd. Gebrauche zu setzen, wird nach dem, was wir gehört,
unmöglich; Weinhold hat sie daher ganz abgetan: »die Bezeich-
nung deif Längen habe ich für unstatthaft bei einem Schriftwerke
dieser Zeit gehalten* (a. a. 0. 164). Aber auch hier kann nur
die üeberlieferung entscheiden: alle' drei Schreiber A, B und C
gebrauchen sie, was kaum der Fall sein würde, wenn sie im Ori-
ginale ganz gefehlt hätten; daizu lassen Wörter wie Se (ehe) 17, 3;
Se (Sub8t.):wf^ 25, 37, 71, 101; Ser 15,? 144; deiner 1, 55;
zeU 2, 40; trdwrig 2, 24; trdwren 2, 36; schryen 15, 4; \m«^-
fel 18y 202; ^ 28, 138; kostherUtchm 28, 57 u. a. auf die
ursprünglichen ^, ^r, diner^ zity trärig . . . schliessen. Auch in
den Bregenzer Urkunden Hugo's werden sie noch gebraucht, vgl.
z B. m der ürk. G bei Bergmann (Sitz. Ber. IX, 846 f) rdU K
gUy jdr (consequent), jdre^ wdrem, wtse.
In keinem Falle also werden die überlieferten Längezeichen
ganz yernachlässigt werden dürfen ; aber offen bleibt die Frage, in
welchem Umfange sie anzuwenden seien. Die Schreiber gebrauchen
sie ohne Oonsequenz und in ganz verschiedenem Masse ^). Ich be-
gnügte mich damit, bei der Üeberlieferung stehen zu bleiben^).
So begegnen im Texte freilich stn {esse) und Wn, bald dn {dM)t
bald ani oder Reime wie wdffen \ gescUaffen 15, 4; 'sdmen:
amen 26, 42 u. a. Aber vielleicht ist gerade' dieses Durcheinander
für die Uebergangsperi6de charakteristisch. Zeigen doch Reime wie
^) A schreibt das Lftnifezeithen auch über WOrter, wo lie das Hhd.
nicht kannte, Tgl. p. 117; bei <i in düreh 1, 11; k&nii 11, 20; iiündzgnikmd
3, 62; früm 5, 114. stünden : fünden 2, 23; iünnen : zerünnen 6, 2; kümer
10, 26 kann das Hftuptehen auch das Schriftzeichen sein, das znr Unter-
scheidung des u Tom li rerwendet wurde. (Tgl. Weizsäcker, Deutsch. Reichstags-
acte, Vörw. p. 76, und Abb. III, p. 144).
*) W&re es rieUeicht angezeigter gewesen, alle jene Wörter, die dnmal
mit Lftngezeichen erscheinen, durchweg mit demselben zu rerbinden ? Doch kftme
auch dieser Grundsatz durch Reime wie körnen : bömen , wappen : grdppen^
lauen : tehldfen u. a. ins Gedränge ; Tgl. auch TJhland, alte hoch- und nieder*
äeutache Yolksl. I, 2, 987 und 988.
dl
strafen : geschaffen 30, 66, wie altes und neaes Spraobmaterial
neben einander venrendet wird.
L Toeaüsmns.
a. Die einfachen Yocale mit ihren Umlaaten^).
a. Der Umfang des a wird beschränkt dnrch seinen Umlaut e.
Schwanken zwischen beiden begegnet häufig (vgl. Weinholds A6.
S 10, aber dazu noch Birliuger, die alemannische Sprache^) p. 50) :
betrachte : machte (Dat.) 32, 33 neben ende : hende (Dat) 4, 173;
im Versinnern : mwaUch 14, 43; menlich 17, 24. mang 24, 20;
31, 60; mm^ 7, 28; 18, 66. enher (ancora) 13, 12; ankel 24,
112. — eüü 15, 16; 27, 11; ellweg 27, 142; allweg 25, 113;
eUe ding 25, 83 (M6. p. 28), meist alle, niemals ein allü. Auf-
fallend ist der Umlaut in ritterecheft (Nom. Sing.) : hreft (Dat. Sing.)
2, 28; Prof Heinzel erblickte darin analogische Flexionsbildung,
was die Form in die Declination verweist
a för mhd. e in unbetonten Silben : crietanlicher 29, 165;
crista^ 5, 104, 106, 126; 28, 149, 514; 29, 114 (wobei an m-
stiamiB zu denken); ausserdem ital 16, 19, 43; hindan 24, 95 (zu
ahd. ttaly hintana), wo die Mundart den alten Vocal bewahrt hat.
Das a in bariüen 2, 87; 28, 558; paginen 29, 146 erklärt die
mundartliche offene Aussprache des e (AG. S 10). Ein Reimbeleg
steht den angezählten Formen nicht zur Seite, gleichwohl können
sie dem Original zugeschrieben werden; denn sie finden sich auch
im Reinfrid, wo sie Bartsch mit Unrecht tilgte (vgl. Jänicke, Zs.
f. d. A. 17, 506), im B. d. Rügen : crisfan 324, 1009, und häufig
in dem unserm Dichter zeitlich und örtlich nahe stehenden «des
Teufels JUetz" : hindan 719, 1135, 1539; crietan 1000, 1452;
cristanUcher 2623; Unnan : gan 2101; bagina 5939; ital 9735.
Unechtes a für ^ in ecUacht (= slM) : macht (Nom. S.)
15, 66 (diesen Beleg hat auch die AG. p. 16) neben dem gebräuch-
lichen ecUeht (; recht) 29, 95.
*) Es schien am einfachston und meinem Zwecke wohl entsprechend, in
der Anordnung der Yocale und Consonanten Weinholds mittelhochdeutscher
Gramm, zu folgen; nur habe ich die langen Yocale zu den kurzen gestellt,
Tgl. Boediger im Anz. f. d. A. YI.
*) leb gebraaofa6 weiterhin dafilr die Abkürzung BirU A8.
GLn
Das a für o in Saiamon 11, 22; 15, 64; 24, 37; 27, 121;
33, 26 wird aas vocalisoher ADgleichung zu erklären sein.
Kurzes und langes a warde verdumpft und auf o, o, 6 (= ou)
gereimt:
a : 0 in i«;ard ; hört 18, 70; tc^ar^m : porten 28, 194, 394*).
a : ^ in an (Adv.) : schön 17, 53.
^ : 0 in getan : davon 18, 9; Jiän : feon 13, 9.
d:6 in ^Z^n : schon 18, 13; Z^n : schön 20, 45; <!fo» : schon
28, 197, 397; getan : Ion 25, 145, 197; bestdn : Salamön 11, 22;
«tfAon : 972^n 12, 4 : gestdn 14, 9 : bestdn 31, 59.
^ : 0 (= ou) Idn : fron (= ^owm) 31, 37, 105; hdnitrön
17, 29; 24, 1. Diese Reime also nur vor n und vielleicht auoh vor r:
sie bezeichnen den zwischen a und o stehenden Mittellaut a; daher
setzt unsere Hs. in den Reimen noch nicht das o, welches in der
rohern Geschäftsspraohe schon häufig ist, sondern hält für das
Auge wenigstens noch den ursprünglichen Yocal fest: „a ist auf
dem Wege zu o ** ; eine Ausnahme macht nur gedrön : schon 3, 29,
das aber nach den andern Fällen zu behandeln sein wird. Auoh in
der Zeile bleibt a erhalten ausser einigen won {= w(m\ welche
bei A nur zweimal, etwas öfter bei B zu finden sind^).
e. Der Unterschied zwischen e und ^ wird nicht beachtet:
weit : kelt 19, 25 : ungezelt 2, 44; west : vest 28, 534.
Aehnlich wie a zum Umlaut e so verhält sich ^ zu i; es
begegnen die Doppelformen heger : daher 28 , 626 ; hegir : mir
24, 134; 28, 256; gir : mir 5, 359; 27, 8; aber nur hil/e 25,
27, 38, 60 und scheff 13, 2, 10.
Neue e entstanden durch Schwächung oder vocalische Assimi-
lation in unbetonten Silben, und zwar
für i in Orelus 15, 95; Serenen 33, 24;
für ü in verguot 18, 205 (dasselbe bei Boner 25, 60); ver-
nichtie) 28, 674; 29, 11; 32, 150;
^) Yielleicht könnte man bei diesen Beimen auch umgekehrt an die
Aussprache des o = a denken, ja die A6. führt p. 16 aus Montf. wart :
hört 18, 70 geradezu als Beleg dafür an. Doch ist das jedenfalls sehr zwei-
felhaft : aus Hugo*s alem. Urkunden habe ich keinen Beleg dafür rerzeichnet,
auch die Reime Sachsenheims (bei Martin p. 40 ff.) zeigen nichts derartiges.
*) Danach ist der Reim gHön : lön^ welchen die MO. p. 70 aus Hugo an-
führt, zu berichtigen (die Hs. zeigt getan) und in der AG. p. 27 die Bemer-
knn^, dass bei Montf. durchgehends won stehe, zu streichen.
oun
mr u in Titterei 15, 160; 18. 200;
für a in der Gomposition nietnen (: schUemen) 27, 114, sonst
durchweg nieman\
für ei in enander 27, 35; 31, 57; 33, 118 (dasselbe im Netz
1541 a. ö.) and in dem schon häufiger gewordenen Pehem 5, 239
(bei Suchenwirt u. a. noch oft Beheim).
Die grösste Ausbreitung gewann e dadurch, dass es für die
iu der Endungen eintrat, was bei Hugo schon meist geschehen ist
{die : Me 26, 17), so dass ich nur die Fälle mit den altem Endun-
gen aufzuzählen brauche: du 4, 182; 5, 18, 256; 18, 53; 28,
469, 482, 609, 614; ferner die Adjectiva : zaa^tü frow 1, 39;
sueaeü wort 5, 313; ellü hfingrich 15, 16; selgü wih 24, 69;
ellü Tcurhst 27, 11; edl% etoltzi mögt 28, 413 (vgl. die Anmer-
kung zu 4, 182).
Endlich erscheint e unorganisch am Wortende (Birl. AS. p.
53) in wihe (Nom. PI): Hhe (Dat S.) 38, 34; heiU (Acc. S.):
teile 37, 49; ze guoteimuote (Acc.) 6, 26; vür nichte : achUchte
29, 2; 32, 150. Auch das Wiederhervortreten der alten Form
vnere (mare):Sre 18, 222 kann damit zusammenhängen.
Der Umlaut von d war ae; doch zeigt sich dafür im Alem.
e (= i) als Folge der geschlossenen Aussprache des ae (vgl. AG.
S 35 und 39, dann Pfeiffer in der Einleitung zu Boner p. XI und
Bergmann zu den Montforter Urkunden im Arch. f. österr. Gesch.
I Bd., TV Hft, p. 72), welches auch in unserer Hs. häufig ist und
von den Reimen ecTU (== aehte) : geschlechfSS^ 145; mcMrter : swer
27, 206 : tichter 5, 383 belegt wird. Weinhold hat e für ae bei
Hago durchgeführt, worin ich ihm daher gefolgt bin.
e entstand durch Contraction :^«nd[ (= gebend) 2, 89; 38,
72 (vgl. dazu die beweisenden Reime gen : Zwen Netz 8015 : ver-
nen Halbs. im LB. I^ 1 109, 14); gen (= gegen) 1, 68, 74, 88 ; 15,
122 und oft, aber niemals gein wie in Nr. 39 und 40. Die Länge
dieser e ist zweifelhaft; vgl. Sommer zu Flore 141 und dazu Ja-
nicke zu Reinfrid (Zs. f. d. A. 17, 506) und altd. Stud. 59. —
Die AG. S 38 citiert aus Montfort ze nend (= nemend) 13, 31,
demzufolge auch nen 7, 13 hieher gehören würde; doch liegt hier
wohl eher apokopierter Infinitiv vor, wie die AG. $ 203 nen ja
auch nochmals als solchen anführt
L Für f. steht e in Arietoüles (wie damals allgemein %^*
schrieben wurde) 15, 72; 24, 49; 33, 29; 38, 45 und in bla-
Smerm 2, 129.
i für a in visimente 2, 125 (dasselbe LS. 78, 76), wohl
durch Yocalische Assimilation wie im letztgenannten.
Auffallend ist «für ^ in niemer mir (= m^) : dir 11, 8,
das die Grammatiken nicht belegen. Sollte einfach ungenauer Reim
angenommen werden, oder an dialekt. Vorgang zu denken sein? Un-
möglich wäre dieser nicht. Darf man nämlich das e in mir : dir
als gedehnt betrachten, was vor r (AG. S 40) leicht möglich und
durch Bchir : dir Maget Krone 31^, 130^, 134^ gerechtfertigt ist, so
finden sich im Bair. und Md. Analogien von ^ für ^ (BG. S 52, MG.
p. 40 und 68), das somit auch für das Alem. anzunehmen wäre, wie
diese Dialekte ja auch andere seltene Formen gemein haben. Dazu
kommt, dass Hunziker fQr die Aargauer Mundart ein gedehntes i
belegt, das wie ^ gesprochen wird ( Aarg. Wb. XXXIV und XXXII).
Beachtenswert scheint mir dann noch ein dir (== der Dat S.
Fem), welches Pfannenschmid (in BirL Alemannia IV, 210 und
V, 100) aus einer alem. (eis.) ürk. belegt, und ein er (= ir) in
Mag. Krone 125^ (ed. Zingerle, Sitz. Ber. 47, 501).
Das Mhd. gebrauchte die Adj. Suff, -^c und -ic neben ein-
ander (Lachmann zu Iwein 651), Hugo meist ig^ das allein auch
im Reime belegt ist almechtig : sig 4, 41«
i (i) für ie in diner 23, 12; dinst 19, 1 ; 23, 1 ; 26, 1 ; 34, I ;
36, 1 1 ; 37, 8 u. ö., dazu der Reim Mm : dim (= dieme) 3, 2,
welchen die AG. $ 40 aus Montf. citiert; dann ecMr 10, 3; tivel
5, 288 ; 24, 80, 128 ; papir 4, 27 ; mnOich 25, 48 , dazu der
Reim subtil : pappir (= papier) 28, 595 (vgl. Mart. tivel : zwtfel
226, 103; Maget Krone ecMriir 26»: mV 83» u. a.). Daneben
stehen in der Hs. die gewöhnlichen Formen nicht weniger oft: die-
nör23, 41; dienst 2, 53; 4, 54; üevel 24, 132; vientUchm 25,
14 etc., ja auch ie fQr i in zier : hgier 17, 9 (AG. S 63).
Ueber i in den Endungssilben wie muessistj lepti etc. und
über i durch Zusammenziehung in litxzit 2^ 39; 3, 52 etc. vgl.
die Conjugation , über die Fem. liehi^ gueii und die i für eu der
Endungen die Declination.
0. Das 0 des Adjectivsuffixes -oht hat sich rein erhalten in
röselochten 25, 8.
0 fär a in Absolon 24, 45; 33, 22 durch Assimil. a;Q die
Jet^, W26 jSafamof^ iiad msimente an die erste Silbe angleichen.
GLY
6 für u zeigt die Hs. in fromen 14, 5; frommen 38, 77,
84, 88. Aber die Reime Ihesum: fr um 6, IVi ; frommen : stum-
men 38, 79 und der Mangel eines defrartigen o bei A beweisen,
dass sie nur den Schreibern B und G angehören, und dass die in
AG. S 24 aus Montf. citieiten Belege allesammt zu streichen sind.
Üeber o fQr u in komen vgl. die Gonjugation.
Altes* d hat sich erhalten in nüntzgoeten 23, 40.
Charakteristik für Hug&*s Dialekt sind die 6 für ou, welche
durch offen \ geloffen 4, 193; komen ibomen 5, 95; hofilof
27, 173; tröfi (=■ troum) -.schön 28, 221, 281; 31, 1 : I6n 25,
201; dann durch trSn (= troum) :län 31, 37, 105; hän 17, 29;
^4, 1 bewiesen werden. Häufig ist das Längezeichen darüber gesetzt:
Sgen : lögen 3, 1; 6, 31; frötven : schöwen 5, 295 eta, während
es anderwärts fehlt, so dass man zweifeln kann, ob o oder ö anzu-
nehmen sei; denn dass auch Yocalkürzung (vgl. Wilmanns, Walther
p. 53) eingetreten ist, bezeugeü Verse wie 2, 74; 24, 46, auch
loffxkoff 5, 307; geloffen: offen 4, 193 scheinen darauf hin-
zudeuten; vgl. pl. 146, Anm. 1.
5. Was den Umlaut von o betrifft, so wechseln auch hier
nmgelautete mf£ nicht umgelauteten Yoimen \ göltUchem 4, 54;
gotaich 5, 381; 27, 175; sölich 5, 224; 7, 3; 18, 72; soUck
2, 107 ; 5,'^99, 227. üeber wölt, könte, möchte, sölte neben woU,
solte etc. siehe die Gonjugation.
ö für e (auch S) in schöpher 4, if)6; 13, 41; 27, 69;
frömder (schon alt) 23, 43; 25, 68; 31, IS; frömdi 6, 38;
niösching 31, 98; zwölf 4, 92, 134; 28, 509; erlöschen 13, 54;
enischöpfet 25, 12 und be*)nders böachtehswert in dort (d^ref,
rfÄ^, das Lexer I, 454 erst xkd rtW aus dem Ring belegt) 5, 171;
15, 38; 27, 127; 28. 520, 728; 30, 8; 31, 256, erg. die Belege
in AG. $ 28 durch die in Sommers Flore zu 1451; dann im Netz
4259, 9244; bei Laufb. 723, 2 dort: gehört -.zerstört. Alle diese
ö stehen also in Position, s. Hunziker, Aarg. Wb., Einl. p. 39.
Nach AG. $ 27 hätte Hugo auch ö für « geschrieben : ge-
drömert ist als Beleg angeführt. Doch der Reim gedrömert : be-
kümbert 38, 81 und der Mangel dieses ö bei A und B beweisen,
dass es vom Schreiber G stammt und zu tilgen ist.
Der Umlaut des ö ist nicht überall durchgedrungen : gehört
(Praes.) :orf 2, 123; don ((Jen. Fl): schon (Adv.) 28, 13; dagegen
schön (Adj.): dön (Acc. Fl.) 25, 17; 33, 24. In der Zää^ K^lvalw
C!LVI
1,45; 36, 3, 28 a. a neben höchster 1, 90; 34, 30; grössUeh
23, 24 neben grossUch 28, 258.
Ein anderes ö (oe) entspricht dem öu wie 6 dem out. Be-
weisende Reime daför sind fröd : öd (Adv.) 27, 141 : öd (A^y.)
28, 277 (derselbe Reim im Netz 2390) : schnöd (Adj.) 28, 430,
650. Andere Reime tröwenifröwen 9, 28: höwen 20, 51 u. s. w.
In der Zeile: /röd durchweg, löf (Nom. PI.) 31, 118; löber 11,
41, auch glöbig 27, 221. Dieses ö kann ebenso kurz sein wie
das 0 ans ou.
fi. Weinhöld verzeichnete in A6. S 31 ans Montfort den be-
merkenswerten Reim fürsten : üursten 24, 25, der sich 15, 96
fürsten : getiursten wiederholt; dazu kommt sünd:friund 15, 36;
smügen (;= smiegen) : geziugen 4, 133^). Reime dieser Art sind
häufiger, als die AG. S 31 mit den beiden alleinstehenden aus
Mart und Montf. vermuten lässt; ich verzeichne fürste : tiurste
Wolfd. D 553; enfzünt : /rinnt LS. 251, 337, 351; hündi/riunt
Altsw. 100, 4; 103, 12. AusLaufb. /nwn^-««nd737, 43; Mur:
für 724,2; Netz /wr : da/&r 3231 ; Hur:herför 47A4; üurstmi
fürsten 7241, 7575; erg. dazu noch die in der Virginal von
Zupitza (DHB. V, 15), die von Pfeiffer aus Heinzelin (p. 149 zu
5, 5), von Jänicke in Zs. 16, 477 und die von Martin aus Sachsen-
heim (p. 40), von Zarncke aus Brant (p. 277) gesammelten Belege.
ü für t in grünen 6, 18 (ähnlich steht im Netz 8168 rülri).
ü für ie (in AG. $ 32, 86 und 119 unbelegt): smügen ige-
Zügen 4, 133 (wie im Netz ver}>üte{n) : UU 3221), dann in
nümer 4, 131; 17, 25. In den beiden letzteren Fällen kann ü auch
für i stehen wegen nimer 32, 99 ; Idmd : imer 29, 70 : nimer
18, 175, wie nüt (= niut, niht) 4, 39; 5, 47, 328 und öfker
neben nit und nicht Dazu stimmt der Reim hücMß) : donner-
plihch 38, 25; vgl. damit wizze : verdrüzze Virg. 262, 3; bei
Sachsenh. hürt : wirt M. 365; brüst ilist Sl. 211, 35; überizwiber
M. 317 (Martin p. 42); im Netz sündilind 557: gesmnd 660:
fint 951; gUik : strik 2446 und Sünden : binden 11960^).
M Diesen Reimen gemäss ist auch die Schreibung des tu ss Ü in der
Hs. und in den al. Montf. Urkunden (vgl. zu letzteren Bergmann, Arch. I, lY
Heft, p. 74) und der gemäss die meines Textes.
*) £s ist daher nicht gerechtfertigt, die ü : t : I als speo. elsftssisch maa-
zugeben, noch weniger, sie als Beweismaterial für die eis. Heimat zu gehraa-
cheD, wie es wiederholt geschehen ist.
OLvn
n. Für ü = iu citiert die AG. S 47 aas Montf. die Reime
nuwen : gepruwen 5, 203; nuw : zifhelrufw 5, 347, die aber za
streichen sind, da die Hs. ie : ie zeigt; eher könnten daffir truren:
creatvren 16, 58; hüwen : getrüwen 3, 22 : h^wen (Dat. PI.) 33,
107 ; 38, 131 ; gepuwen : ruwm 28, 50 angeführt werden (vgl.
die Anmerkung zu 2, 81).
y gebraucht Hugo nur bei einigen Eigennamen^), in allen
andern Fällen werden sie den Schreibern zuzuweisen sein, darauf
deuten 1) Wörter wie däby 14, 35; schryen 15, 4; ptcd 16, 43
u. y. a. 2) der Umstand, dass die meisten y in ey (= i) und ay
(= ei) erscheinen, wo Hugo noch die mhd. Yocale bewahrt, und
3) dass der Gebrauch derselben mit den Schreibern wechselt, wie
das Abb. III, 115 dargetan wurde.
^ b. Diphthonge.
ei erscheint für ae in weien (= wayen) : meien 19, 30 (nach
AG. S 58). Dahin wird auch der Reim hsl (haeV) : teil 28, 6Ö5
zu erklären sein, vgl. Martina 6, 55 selicmeilic; 44, 33 weient:
spreient,
ai. Die ai fßr mhd. ei in der Hs. werden von den bairischen
Schreibern kommen (vgl. Abb. III, 139), so dass Hugo diesen
Diphthong gar nicht gebrauchte.
an« Desgleichen schrieb Hugo auch nicht an, den Steigenings-
diphthong der U-Glasse, wohl aber das unechte au für d (AG.
S 52), das in alem. Schriften dieser Zeit und in Hugo*s vorarlberger
Urkunden häufig ist. Wenn der Cod. Pal. nur den einzigen^) Be-
leg raut 34, 37 bewahrt hat, so ist daraus nur wieder die ver-
derbliche Hand der Schreiber zu erkennen. Dasselbe gilt für
OU, das nur in glauben 4, 106 erhalten blieb. Wie aus
Sachsenheim, dem Netz, den vorarlberger Urkunden u. a. alem.
Schriften dieser Zeit zu schliessen ist, stand ou im Originale öfter,
wofür die Schreiber a/u setzten, wie häufig für 6 = ou. Aber da
es für die ou keinen Reimbeleg gibt, war es unmöglich, sie aus
^) W&hrend Sachsenheim in Martins Text diese y für i nnd t auch
anderweits schon häufig zeigt; aber er dichtete ein halbes Jahrhundert später
und hat liele andere Yerrohungen, die dem Montforter noch fremd sind. In
dem Hugo näher stehenden Netz sind sie schon seltener.
*) Danach ist die Hugo betreffende Angabe in AG. § 52 zu rectificieren.
den bair. au anszalösen, es mosste dafür überall o (p) geschriebeD
werden, welches doroh mehrere Reime bewiesen ist (ygL p. 155).
ne. Der Umlaut von lU) wird in der Hs. als ü oder u oder
ue^\ nie mehr üe oder iie geschrieben und ist wie die meisten anderen
Umlaute nicht überall durchgedrungen, das beweisen die Reime
fuogen (Inf.) ; kluogen (Adj.) 38, 45; ruomen (Inf.): bluomm
(Dat. PI.) 28, 30. Zweifelhaft bleibt das handschriftliche v/üt
(Praes.) : mayen blüt (Nom. S.) 35, 2^.
no für mhd. ü steht vereinzelt in nuo 20, 36 (vgl. AG. S 144X
das auch in Hugo*s Breg. Urk. vom 9/10. 1405 erscheint.
2. (!on8onaiitinD&
Die erste Frage ist hier: gilt bei Hugo noch das mhd. Aus-
lautgesetz, nach welchem die Tennis für die Media eintritt und
nicht verdoppelter Gonsonant ausser vor Vocalen steht? In der Hs.
begegnen: lebend 6, 32; leid 3, 17; tag 8, 21; stand 17, 3;
U^b 6, 25 u. a. neben lebent (Part.) 17, 1; leit 28, 180; tßt
25, 12; diep 25, 62 u. a., was zum Schlüsse verführen Uf^nnte,
dass die jüngeren Formen nur von den Schreibern herrühren, Hugo
aber noch den alten Gebrauch festgehalten habe. So ähnlich scheint
Weinhold gedacht zu haben, wenn er in seiner Textrecension oon-
sequent die mhd. Tenuis eincorrigierte. Aber die Entscheidung moss
wieder aus dem Reimregister geholt werden« Es begegnen erJeand
(Part.) : hand (Dat.) 2, 137; eid (Aca) : leid (Dat.) 3, 17; Ic^nd
(Nom. S.) irind (Dat) 4, 95; wald (Acc): bald (Adv.) 5, 63;
gephand (Part.) : land (Dat.) 5, 239 ; gold (Dat.) : aold (Acc.) 18,
242; geduld (Aca) : AuW (Nom.) 33, 34. — gerechte üeb
(Nom. S.): dieb (Nom.) 18, 81; Ueb (Da,t.) idieb (Nom.) 38, 30. —
tag (Nom.):i(?A sag 2, 47; 10, 1 u. a.
Alle diese Reime beweisen, dass Hugo schon die Media ge-
brauchte und die nhd. Schreibung der Hs. stehen zu bleiben habe.
Noch andere Gründe treten dafiir ein. Hätte der alte Gebrauch noch
fortgelebt, würden auch Reime zwischen p :b;k:g (z. B. ein noc :
slac Hart. 33, 105 etc.) begegnen, was aber nicht der Fall, denn
werkh:perkh 11, 25; starkchisarch 15, 75 dürfen nicht hieher-
^) Dass die Schreibung ue nnd uo neben ^, ie, (^ in dieser Hb. des
15. Jahrhunderts noch begegnet, ist bemerkenswert; Tgl. Zamoke, Ghaltenipel
('m den Abhandl. der sächs. Oesellsch.) YII, 412.
(9^
bezogen werden (vgl. p. 169). Die Media beweisea endlich die
alem. Urkunden und poet. Denkmäler dieser und vielfiush schon
yiel früherer ZeiL Bei Heinzelin z. B. ding (Gen. PI.) : jungeling
(Nom. S.):rin$r (Dat) Joh. 70.
Demgemäss begegnet auch verdoppelter Gonsonant im Aas-
laut mvitm (Dat.) : sinn (Nom.) 4, 141; 5, 245;.^o^ (Dat): ^o-
hott 28, 137; goU (= gottes) : apoU (Dat.) 28, 501; 9poU (Dat):
goU (Dat.) 3, 54 u. a.
a. Lippenconsonanten.
h. b SSly p in JSarcifal 5, 386 ; 15, 99. Dagegen Pardfal
5, 70, 159.
b ist dnreh Aogleichung an das vorhergehende homorgape m
versdiwunden in kumer 10, 26 (neben kumber 15, 45; 34, 16)
wie schon früher in 8tum(m)en 2, 77. Charakteristisch d^r
ist der Reim gedriimert: bekümbert 38, 81, was einem be^
hümert gleichkommt Vgl. dazu Mag. Krön, kumer 120^, 135^
drum 143^; im Spiegel kamen : stum(b)en 149, 27; mmer:
kum{b)er 157, 38 (und andere bei Martin, Sacbsh. p. 44); Laufb.
771, 2 lam{b) : 0am:kam; Netz um(b):8tum 6307, 7542 :o(m-
cilium 2957, wie in den vorarlb. Urk. die um, umm neben umb
häafiger werden.
p ist Uebergangslaut von labialem zu dentalem Verschluss
(Scherer GDS^. 158, Anm. 1; MG. $ 145) in kumpt 4, 16; 5, öS,
166; 6, 8, 26; 7, 6; 33, 112 u. ö.; nimpt 10, 18; 28, 205,
372; 33, 63; ampt 5, 275, 361; schampt 5, 362; nemptz 29, 146;
timpten : grimpten 4, 25; sampt 32, 10 — zwischen m und 8 in
Sampson 11, 23.
p für 5 im Anlaute (A6. § 148) begegnet häufig, vor a:
pabe$t (aus papas^ aber Mhd. regelmässig bdbest MG. S 147)
5, 205; pan 2, 92; wiltpan 7, 11; paginen 29, 146; paHllen
28, 558 — vor ixpirt 4, 24; pilUn 19, 4; 27, 63; 32, 167;
35, 3; picht 38, 176; piUen 32, 39; pispel 5, 387; pitt 27,
161; 28, 665, 725, 733; 33, 176 — vor expeate 5, 17; pelg
28, 61; Perfier 5, 94; peearung 5, 376; pebeet 5, 195; pender
6, 17; peU 4, 130; 32, 155; Pehem 5, 239; p^rfcA 11, 26
— vor 0 : potschaft 28, 260; 36, 9; potten 25, 42; wolgeporen
20, 1; gepoU 38, 159, 163, 179 — vor öipösen 38, 79 — vor
uipuwst 28, 292; pmot 31, 83; puwen 32, 36; 33, 8, ^l^ 105;
OLX
38, 129 — vor uoipuoas 4, 22; 5, 275; 38, 176; puoze 5, 191;
puol 36, 28.
Auch vor Consonanten und zwar vor r: prangen 4, 180;
pracht 5, 114; geprüwen 5, 204; prot 18, 165; Pregentz 31,
185; prinnende 38, 65, 70; pruggen 38, 144 — vor l ipluot
4, 52, 146; 5, 104; donnerpUkch 38, 27: tritt also nur vor r
und 2, vor ersterem häufiger auf, wodurch Weinholds Ausspruch
(AG. p. 113) bestätigt wird, üeber die Erklärung dieser »weichem.
Tenuis oder härtern Media« vgl. Scherer GDS^. 140 ff., wo
auch die nähere Literatur darüber zu finden ist
p für 6 im Inlaute vor s oder t und ausgefallenem Vocal:
hept {= Jiebei) 5, 18; 18, 174; hoptprelaten 5j 211; hoptibrobt
25, 199; hüpsch 18, 199; 29, 1; lepti 7, 24; lept b, 90;
gelept 10, 7; bepat 5, 189; 29, 150; bapst 5, 214; glüpt-
brüchig {= gelübede-) 2A, 77; Uept 24, 130; hopt 5, 122; 25,
14, 192.
ph und pf wechseln; doch haben es die Verderbnisse der
Schreiber unmöglich gemacht, das ursprüngliche Verhältnis zu er-
kennen (vgl. Abh. IIT, p. 115). Auch im Netz wechseln ph and
p/, doch so, dass ph das Uebergewicht hat.
t, V. Aehnlich verhält es sich mit dem Wechsel zwischen / und
V. B bevorzugt/, A vigevangen 4, 179; g fangen 36, 2. an«-
vang 4, 1; anefang 22, 21. graven 2, 100; grafen 25, 77.
tievel 7, 12, 33; üefel 25, 98, 101; 26, 24.
/ für / in hofnung 2, 105. — / durch Assimilation in
hoffart 29, 99; 38, 115; unhoffertig 25, 103, aber 25, 29
hochfertig.
m
w wird auslautend apokopiert in ruo(w):fruo 11, 1:^mo 25*
81, 12\;nü(w):gamahül^\ö; ungetrü(w)lich:grülichbyS3S, Diese
Beime beweisen auch, dass die Schreiber gegen das Orig. w ange-
setzt haben. Dasselbe geschah in nüw : rüw 5, 347 ; trüw 7, 15 ;
trewinew 9, 4; bldwigräw 16, 17, denen wieder die richtig er-
haltenen Äigrä 38, 37; stroidro 18, 229 gegenüber stehen.
Beachtenswert ist der Reim buoleniruowen 3, 65; denn die
AG. S 166 belegt auch wirklichen Wechsel zwischen l und w.
m. Ueber dentalen Nasal für labialen siehe ti. m flir n
in timpten (= Unten) : grimpten 4, 25, welches bereits AG. p.
131 aus Montf. belegte; auch von nennen (nemnen) ist noch m
erhalten für das gebräuchliche n : nemptz 29, 146.
* CLXI
m für 6 durch Angleichang in silmen 2, 132; 3, 6; 31, 25.
Ebenso m ffir n vor p in cHsiam pluote 5, 104, ähnlich wie
Baim brecJhen, bim (= bin) mir bei Seiler, Basl. Mundart p. 217,
und in andern Dialekten.
b. Zungenlaute.
t, d« Abfall von t in rechtuonden 18, 149 (sonst recht tuan
24, 94); guotet 4, 62; Jwpsünden 24, 33. — Häufig ist die Apokope
des t (resp. d) im Auslaut. Schon AG. § 177 hat aus Montf. den
Beleg grvsen : tueen 18, 257 angeführt Dazu ergänze Üben (Part):
begeben 5, 229; lacTien (Part.) : ^^macAm 31, 173, 178; beha$
(Part.) : usa 29, 50; gevider (Part) : wider 2, 84; ssen (alt) 21,
11 ; hilf (= Ulft) 7, 3; dunkh (= durikht) 5, 68; geechütz (Part)
9, 16; hop 2b f 14. In diesen Fällen haben die Schreiber die über-
lieferten Formen bewahrt, in andern werden sie, wie aus den an-
geführten zu sohliessen ist, completiert haben: 24, 61 JBemiwerndj
wo das d (= t) des Particips ebenso apokopiert gewesen sein kann
wie in den beiden obigen Beispielen, zumal noch hdnigand 13, 21
beweist, dass B eigenmächtig d ergänzte; weltlich igicht 5, 259 stellt
sich zu hilf 7, 3 , zu pßig (= pßigt) in Lassb. LS. 26, 9 und
Ug (= ligt) : sig M. Pas». 3353 (AG. § 177), wie tag: mögt 27,
171 zu Aop und zu Laufb. abim^gt 789, 8. — 29, 9 steht mich:
vemicht (=vür nicM); für nich bringt Lexer II, 83 einen Beleg,
einen andern AG. S 177, einen weitem finde ich im Ambr. LB.
97, 56, vgl. dazu auch Altsw. 66, 14 mich : nicht^). Es bleiben
somit, abgesehen von den Praet und Part (darüber bei der Conjug.),
nur noch gro88:tr68t 18, 185; 27, 197, 205; lasex vaat 24, 133; da-
mit vgl. Id8:tr68{t) im Wolfd. D (Jänioke DHB. IV, Einl. p. 8);
ga8{t)iwa8\ allermei8(t):weiz; gun8{t):un8 in AG. $ 177.
t assimiliert in hinuffigruff 12, 13 (vgl. Birl. AS. p. 127).
Unechtes t für got. th in tach 1, 29; 28, 56, 569, 585;
^uken 28, 340; tonr 28, 586; tröwen 9, 31 (aber 18, 231 dr^;
betatet 28, 450, 459, 465, 589; 30, 14; btütz 24, 120. C schreibt
38, 27 donry 76 bedewt (vgl. Abh. III, p. 119), vermag aber da-
mit gegen das übereinstimmende Zeugnis von A und B nicht auf-
zukommen, da auch in der Mart 45, 85; 63, 99; 77, 25; 97, 1
^) In nnserer Hs. stand ansserdem noch zweimal nich 18, 52 ; 28« 317,
welches erst Tom Benovator zu nicht corrigiert worden ist (vgl. p. 126).
Wackernell, Montfort. \\
CLxn
u. ö., Moer. 464, im Netz 1137, 1970, 2272, 2564 u. ö. betUtm
belegt wird.
Dem Yerschwiaden von echtem t gegenüber steht der Antritt
von unorganischem (Birl. AS. 129) in darmocht 5, 156; 15, 18,
43; 18, 134, 201; 27; 12, 20; 28, 660, 712; 30, 8; 38, 160 —
{n)iendert 31, 110, 142; 32, 27 — adamast 28, QO^iglast 18,
138; 28, 557 — sust 24, 102; 27, 194 : lust 15, 90; 27, 104,
147 — wiUnuBt 5, 68. — Aber die unechten t in gliikt{=ge'
lücke) 22, 19; 26, 17, 57 etc. stammen vom Schreiber B (vgl.
Abh. in, p. 115); daher ist der in A6. p. 141 aus Montfort an-
geführte Beleg zu streichen.
t aus d verhärtet in glüptbrüchig 24, 77; mortjo 5, 201;
umgekehrt ist df für f häufig nach Liquiden, dann in Uidiseltkeid
4, 81 neben leidigrechtiheit 5, 221 ; eid : drivaltiheit 27, 25 u.a.
d wird oft ausgeworfen ivinst 27, 81 ; vintb^ 349 eto. (vgl
Conjug.); di entsteht nur durch Synkope : vindf, schadt; dt= t oder
d wie bei Sachsenh. (z.B. Moer. aldter 266, verdt 389, schiedt 5164
gxmdt 6068 etc.), im Netz {endteren 10887^ u. a.) und in den alem.
Urk. begegnen in der Hs. nicht.
z, s. Die Zungen&ikativa ;?, zz hat Laut und Zeichen von «, 88,
dasiwas 2, 75;33, 21, 25, 22:gra8 33, 19; mm : 6^Aw« 29, 50 :
hu8 33, 53; fii88 : tagewi8 37, 36; dann iüi8t : fli8t 1, 8; wei8en :
neuen 25, 161; ro88en : be8lo88en 31, 150; auch gro88 : trost
18, 185; 27, 197; la88 : va8t 24, 133; lei8ten : gehei88en 28, 374:
verhei88en 29, 17, 77 (A6. S 189 hat nur stumpfe Reime, vgl. altd.
Stud. 59). Demgemäss erscheinen auch in der Zeile 8 ^== z. Am
häufigsten bleibt z in daz, Nr. 5 z. B. hat 21 daz, 3 dz und 31
das. Je jünger die Gedichte, um so weniger z und zz^ wofür «, 8Z
und 88 hervortreten : u8 3, 70; ba8 15, 32; m«^ 1, 3; 13, 23; U8Z
3, 28; wi88 5, 35; wisz 1, 8; grS88 4, 99; 18, 185; gro8Z 2, 69;
15, 13. Daneben auch zzischozz 2, 20; mazz 2, 107; gruezz
3, 1 ; liezz 5, 289 u. a. Im allgemeinen lässt sich folgende Regel
erkennen: im Inlaut nach kurzem Yocal m, nach langem «, öfter
aber 88 und sz; im Auslaut nach kurzem Yocal 8 (stets als Zeichen
des Neutrums), nach langem 88 und 8z: im ganzen also die Grund-
züge der nhd. Schreibung.
Hartes z hat sich erhalten, im Anlaute ganz rein, im In- und
Auslaute mit vorgesetztem ^, wie es fi*üher nach kurzem Yocal
gebräuchlich war: gcuntzem 1, 10; tantzm 29, 17; wurtzen:
GLXfll
hurtssen 28, 20; hertz4 1,8; Pregentz 31, 185: das ist conse-
quent durchgeführt^), vgl, Abh. III, 114.
8 bleibt 8 , seltener wird dafür 8Z und 88 geschrieben : 8U88
27« 68; 8U8Z 2, 106; öfter aber erscheint «^ in mue«^^ 24, 110,
111; muoszt (MG. p. 165) 24, 28 etc., wo sich also wieder die
Tihd. Orthographie festsetjst. Nicht begegnet bei Hugo die Schreibung
Z8^ 88Z^ kein z für 8 vor Voc, also kein dez (= de8\ waz (= w<i8\
die sonst in dieser Zeit nicht selten sind. — Das 8 (von 80) in «te^er,
8wiej 8wa etc. ist durchweg verschwunden.
88 für 8C in Fr(mci88€n 29, 154.
8 nach t wird z gesprochen, daher machiz 4, 139 ; abentz 8, 1 ;
nimptz 10, 18; nemptz 29, 146; verldtz 6, 165; woltentz 4,
144; werdmtz 4, 148; lagmtz 24, 56; mugentz 5, 360; 24, 72;
möchtinfz 15, 56; ^of^ 4, 137; 26, 14; niefe 5, 47, 328; mVA^/
5, 36; 27, 40; 32, 55; muotz^) 31, 190. Vgl zu den wenigen
Belegen in AG. (p. 154) Pfeiffer, Heinz, p. 149; Zamcke, Brant
p. 281; Netz gotzigehotz 2030, amptz 1860, aptz 4708, niMz 327,
wvrftz 9490, Tcunnentz 9534 ; auch in den alem. Montf. Urkunden
begegnen sie sehr oft, s. z. B. Arch. I, 3, 110 iMtpoltZj gotzhu8 etc.
Die anlautenden Verbindungen «p, 8Wy st^ sl^ 8m^ 8n palata-
lisieren 8 zu seh. Doch wird Weinholds Urteil (AG. $ 190): »diese
unschöne Trübung des verbundenen 8 ist für das 13. Jhd. zum
Teil, für das 14. Jhd. als völlig durchgedrungen anzunehmen **
(ähnlich Birl. AS. p. 137), zu rectificieren sein; denn in unserer Hs.
haben sich (im 15. Jhd.) zwei Dritteile reiner Verbindungen erhalten:
sw: swebt 12, 15; 32, 32; 8wer 5, 129; 27, 55; 28, 392;
38, 142; versweren 31, 121; 33, 4; 8wert 18, 157; 25, 166;
8mgen 16, 46; 18, 280; 24, 102; ver8wigen 32, 76; 8wartz
31, 94; snmeren 5, 302; ver8wunden 28, 176; 8weren 35, 16;
Swartzwald 33, 11.
8l: 8lechte 3, 71; 8lechter 4, 44; 8lachte 1, 11; 4, 34; 5,
351; 8lic7hm 8, 2; be8lo88m 1, 66; 5, 143; 27, 28; 31, 152;
zer8lagen 13, 5.
*) In Urkunden Hngo's begegnet das I auch schon im Anlaute >Qnd bei wei-
chem z^ z. B. in der vom 12. Aug. 1417: tzyten, tzyt, dartzuo, betzalty datz eto.
*) Also bei incliniertem wie flex. 8, Bei hdiz 6, 121; soltz 18, 158;
htütz 24, 120; tuotz 28, 495; tetz 37, 36 u. a. kann man zweifeln, ob das
z Ton ind. ez geblieben oder Ton t bewirkt ist, yiel wahrscheinlicher letztere«,
da Hugo schon durchweg es schreibt.
OLXIV
8m : smertzen 4, 14; 16, 44; 26, 43; 27, 80; 38, 4; 33,
87; ameh 14, 11; smügen 4, 133; unversmogm 4, 159; 16,
27; 33, 125; amiegm 5, 306; smaragden 18, 139; 28, 456;
smacM 28, 20; geameltzet 28, 545 (diese Verbiadung erhielt ihre
Reinheit am längsten Birl. AS. p. 136).
mimeU 4, 124, 164; 5, 58, 226; 27, 38; smUer 4, 11;
9ne 2, 35.
8t and 8p sind durchweg rein geblieben^).
8t mx ft in vemunstihunst 4, 67; 5, 181; 17, 6; 27, 9,
21, %%:}>run8t 30, 94; 38, 153; aber nur im Reime und anch
hier kunftivemunft 8, 1; im Versinnern vemrmft 17, 19; 18,
130; 80, 109 n. a. (MG. S 142).
seh für 8 und 88 in rüdisch 14, 23 und möscMng 31, 98.
1. Ueber Ausfall des l durch Mouillierung in soln^ wein vgl.
Conjug. — Berührungen und Wechsel zwischen l und r sind im
Alem. häufig (Birl. AS. p. 88, AG. S 194), und daher Reime
zwischen beiden beachtenswert. Bei Hugo merisel 18, 201; 28,
214; wdrigräl 28, 389; zwarigrdl 28, 205, 213, 425; pappir:
subtil 28,595; dann werfen:helfen 13, 10, 28; 15, 80; 24, 110 —
und in SufFixen himel : nimer 18, 173 : em^* 29, 70; vakel :
wahcher 38, 65 — auch ankel 24, 112 neben enker 13, 12. Vgl.
dazu wdr: Virgindl; einander iwandel (Zupitza DHB. V, p. 16);
Halbs. wadeliaber LB. I^, 1111, 28 und 33. Dasselbe gilt von
2;n in sinizil 1, 5 (vgl. aber Anm. zu 1, 1); Mn:8in:wü 9,
11; in Suffixen zoheliohen 2, 121; regel: wegen 29, 154; Handel:
banden 18, 86; spiegel : betriegen 28, 602; vgl. Netz geben:
swebel 1518, 1751, 9267, 12167; senden : bendel 10424. Fast
in allen Dialekten ist auch Wechsel zwischen n und l nachgewie-
sen, 8. MG. $ 193, 194, 200; AG. 194»); BG. 158.
Auf Neigung zu Assimilation des Id zu II beruht der Reim
pilden: willen 32, 37, welche in wiUmist (== wildn. = wiltn.)
5, 68 vollends durchgeführt ist.
r verschwand vor l in weit (: gelt) 1, 18; 5, 93 und durch-
weg, während noch der Initialenmaler auf dem Spruchbande vor
Nr. 29 werlt schrieb; ferner in den CJompos. widered 4, 120;
^) rdtteht 29, 129 wird aus AG. p. 155 zu streichen sein, da es wie
8chet8cht 31, 7 nur bei B begegnet.
*) Das Ton Weinhold für das Alem. nachgewiesene wemtlich kann ich auch
aas einer Konstanzer ürk. Tom 27/2. 1417 (Archi? I, III Hft, p. 154) belegen.
GLXV
zerunnen 6, 4; 15, 163 {zerrirmm 15, 12). üeber r für « in
Verliesen s. die GonJDgation.
n. Unorganisch ist n in utikünsch 14, 34; 25, 29; 29, 99;
cmcmUsten 28, 458; in ewenklieh 4, 157, 170; 12, 6; 13, 40;
25, 30, 34, 40, 66, 74; 28, 353, 644 (MG. S 198); dann in
nun (= nü) 4, 80; 5, 76; 8, 11; 9, 1; 22, 35, wofür AG. p.
293 nnr zwei Belege aus Dietr. und Brant bietet; erg. dazu nun:
8tm Wolfd. D X, 4 und die andern Nachweise, welche Jftnicke
zu X, 4, 1 gesammelt, wozu ich anfüge : nun Hätzl. I, 15, 44,
65; 83, 20; Halbs. (LB. I*) 1118, 12; Laufb. 704, 1, 2; 708, 9;
761, 4; 763, 7 und meist; Netz 135, 231, 234, 1047, 1473;
Moer. 116, 123, 484, 522, 1532, 2804 und bei Sachsh. noch oft
Auf nasalem Verklingen von n beruhen si : mtn 18, 181 ;
bi ; sin {esse) 29, 117 (= m^, «T); ferner eine: weine (Inf.) 7, 2;
liege : ziehe (Inf.) zu 29, 137; dawider : gelider (Dat. PL) 25,
100 (s. Declin.); auch sunneiwwnden (Dat. PI.) 13, 52. Vgl. dazu
im Wolfd. D. (DHB. IV, Einl. p. 8 und 10) dri.stn; si:mtn:din;
Stangen : lange ; gebraten : gedrdte. Im Reinfr. verborgen : sorge
4491; zergangen : wange 3843, 3891 (Jänicke, Zs. f. d. A. 17,
512). In d. Mag. Krone hin:iüüsti; ISren (Dat. Pl):m^re (bei Zing.
496). Bei Halbs. cronen (Dat. PI): schone (LB. I*) 997, 9; be-
schaffen (Pa,rt.) : pf äffe 1108, 14; Laufb, schon : Jericho 740,
11; mannen (Dat. PI.) : Avme (N. S.) 719, 9; wiben : übe 739,
2 ; Sünden (D. F\,):]einde 739, 10; herreniverre 763, 4. Im Netz
si : pin 11873; ges'winde : kinden 8426; drangen (Part.) : junge
mS; gotte : geboUe{n) (Part.) 1047, 13369; hütm (Dat. PI.) :
lüte 11061; siechte : knechten 11339; affe:pfaffen 11729 neben
zahlreichen apokopierten n des Infinitivs. Ich bin hier mit den
Belegen etwas freigebig gewesen; allein es handelte sich nicht nur
darum, die apokopierten n bei Hugo zu sichern, sondern auch darum,
eine Ansicht der MG. (p. 178), welche auch andere teilen, dass
ntolich die Alemannen die Reime e : en auf den Infinitiv be-
schränken, zu rectificieren.
Hier werden auch noch nen 7, 13 (s. p. 153, unter e) und
die durch Correctur gewonnenen kon 8, 13; 13, 9 (s. p. 147, Anm.
1) zu verzeichnen sein.
Bei nu (=z nün^ niuwan) 28, 28; 29, 37 könnte der Ver-
lust des n vielleicht auch durch Verwechslung mit nu erklfirt wer-
den, üeber Apok. des n in wengU^ helsU etc. s« die Decliaatlon«
OLXYI
n für m im Auslaut : k<m (= kam) : han 4, 85 [dieselbe
Form ist auch bei Hadl. 2, 10, 2 (vgl. EttmüUer z. St), in der Mart
33, 55; bei Heinz. ML. 2231; Boner 21, 60; in der Moei:. 529
reimbelegt]; tron (= troum) : scMn 28, 221, 281; 31, l :M» 31,
37, 105 : Mn 25, 201 : hdn 17, 29; 24, 1 [vgl. troun : soun
Reinfr. 368; ruonituon Mart. 1, 21; Pfeiffer zu Heinz. ML.
135; Jänicke, Wolfd. Dp. 7; altd. Stud. p. 57]; kon (= kom{en):
Ion 8, 13 : hdn 13, 9; nen 7, 13; auob in Suff, dien i preldten
5, 212; be8en:we8en 30, 36 (MG. $ 198, AG. p. 173). Bei
hbesam : an 28, 533; gram : hdn 14, 37 kann demnaoli gleich-
fieills lobescm und gran geschrieben werden, welche Hadl. lobe^
san (: an) 13, 4, 4; Mart. (: ran) 96, 54; Staufb. (iheatdn) 814;
Hadl. gra/n {: man : hdn) 47, 27; LS. (: an) 243, 169; Moer.
126, Netz 7979 durch Reime belegen.
n : m vor t in end : 9chemt (auch schemd möglich) 18, 117.
Vgl. damit mmt: kint Staufb. 823 und B. d. Rügen 575; aa/nd»
(== samt) : lande Wolfd. D IX, 172 (Jänicke, DHB. IV, EinL p.
10 und besonders Zs. f. d. A. 16, 477); Mart vemint : kint 137,
9; LS. blint : nimt 178, 865; Boner nint : kint 63, 9 : besint
99, 51 : eint Nachr. 23 und die übrigen mt : nt (bei Schönbaoh,
Zs. f. d. Ph. VI, 253) ; Laufb. vemint : kint 760, 5; Netz schämt:
hand 8216; verachemt i geachent 13305; gefrümtisünd 9785.
Ueber n = m in kunst^ kunt von kamen s. die Gonjugation.
Auch in der Gemination reimen die beiden Nasale stimme:
hünniginne 25, 133. Vgl. damit Wolfd. D VH, 9b gimme : sinne
(DHB. lY, 10); LS. minn : gimm 244, 224; banner : kammer
202, 273; Netz temmen : erkennen 2963; strummen : sunnen
11398. Ebenso reimen
nn und ng^ denn ng ist in allen Dialekten gutturaler Nasal
und einlautig (w) (vgl. Wülker in PB. Beitr. IV, 34 ; Seiler, BasL
Mundart 217) : bkenn : leng 23, 25; mannen : zergangen 29, 54;
sinnen : gedingen 28, 450 — und wirklicher Wechsel in gesunnen
(= gesungen) : zerunnen 15, 161; vgl. dazu Netz 6619 springen:
endrinnen; LS. 221, 1 wunn:jung; Laufb. 789, 5 küniginne :
vollbringen.
Die in den drei letzten Absätzen angeführten Reime belegt
AG. nicht, während MG. $ 198 sie den Baiern zuweist Aehnlich
wie ng verhält sich nd; daher die Reime
ng : nd (welche MG. $ 201 nur fflr das Md. nachweist) •
CLXvn
verhangt : schomd 15, 68; hwifig : grwnd 28, 709; 30, 33; mme-
lir^en : vinden 1, 72; hela/ngen : v^r^tond^ 28, 662; zergcmgeiM
branden 31, 190; ^/an^rn : (ont^m 36, 2; jung i absprang i
hunt Qcund möglicli) 9, 32 (vgl. Boner anegende (= -genge) : «ndtf
Vorr. 1; ding : «W 22, 51; 55, 61; 92, 19, 55) — und
nn : nd (MG. $ 201) wunden : «t^nn« 13, 52 ; zerinnen : t/tn-
(2^ 15, 12; mannen : banden 18, 118; 25, 193: acJhonden 37,
59; ^««unnen : wunder 15, 47; «unnrn : wunder 30, 62 (vgl.
Halbs. entrunnen : «Kunden 1115, 13) — und wirkliche Assimi-
lation in unnen (= unden) 2, 122; vgl. dazu inwennig Moer. 93,
die unn (= und) in den al. Montf. Urk. ; pJhennen (: ^fe^ntiw) LS.
28, 505 und einige andere Belege in AG. $ 204.
Umgekehrt, aber ebenso erklärlich, ist die « Dissimilation* von
nn zu nd (nach Martin, Saphsh. p. 45) in minder (= minner 32, 64)
22, 39 ; mindern 2, 51 u. ö., wie hinder : minder Mart 280, 63 ; gün-
den (= gwnnen) in Hugo's al. Urk. vom 27./3. 1422 ; htinden Moer.
364; donder im Metz 6368, nnd im heutigen Dial. mander n. dgl. m.
Reime zwischen mm und ng^ welche MG. § 198 und 201 nur
im Bair. und Md. kennt, erscheinen auch bei Hugo nicht, wohl
aber ein mb : ng in umbe : ordenunge 30, 10.
Oben war von den Reimen und dem Wechsel zwischen r und
l und zwischen l und n die Rede; demnach kommen auch solche
zwischen n und r nicht ganz unerwartet, denn das mathematische
Gesetz: .sind zwei Grössen einer dritten gleich, s6 sind sie auch
unter einander gleich* gilt in gewissem Sinne auch bei sprach-
lichen Erscheinungen, wie sich soeben wieder bei den Nasalverbin-
dungen gezeigt hat.* Es reimen winden : Jdnder 13, 6 ; besunnen :
wunder 15, 47 ; zergangen : anger 15, 57 ; behalten : alter 24,
82; 25, 115, 175; guoten : muoter 27, 186; bratm : ndter 28,
121 ; sunnen : wunder 30, 62; walten : alter 31, 189; moflrkeheni
starJccher 32, 25, also in der zweiten Silbe kling. Reinie (v^l.
dazu Mart 83, 1 beider : leiden ; 256, 1 7 auch gewan : gar; Netz 2541
ebrecher : rechen; 13122 minder : winden; 12676 kaiser : waisen;
2813 lernen: gemer). — Wirkl. Wechsel :aZ^ew (=alter):behatten26^
18; Zünden (= Zunder): gebunden S9^ 29 und im Versinnem truffeni
(von truferie) 5, 67, was bezeugt, dass wir es mit einem mundartlichen
Vorgang zu tun haben, den ich auch anderwärts nachweisen kann.
Schon Birl. AS. p. 98 bietet einen Beleg: « Wechsel zwischen
r und n ist in der alten Aussprache von JBa/vensburg zu erkennen * .
CLXvin
Im Spiegel steht leicJimi (=^leicJierte) 181, 27, also dieselbe Form
wie Hugo's truffeni (vgl. Martins Anm. zum Temp. 105 nnd erg.
dazu laicJhiny Jes. 106). Auch in Webers Oswald 26, 195 piehaney
(: 8ymaney\ welches in der Mart. 82, 11 ursprünglicber hieggerie
lautet. In al. Urkunden des 14 und 15. Jhds. begegnen häufig
Sangans^ Sanngans^ Sa/negana für Swrgana^ Sarrgcms und Sa/re-
gans, z. B. ürk. vom 9./1. 1388 (Arch. I, p. 121), vom 6./12. 1389
(Arch. I, p. 136, 138) n. a.; auch noch in Tsohudi*s Ghron. Helv.
wechseln Sangans und Sargana I, 494, 498 u. ö. Femer belegt
Birlinger in der Alemannia III, 276 aus Bürster zweimal geschnatien
119, 138 neben drei geschrauen (geschreyen) 27, 115, 170 —
und Seiler, Basl. Mundart p. 231, niemer (= niemen\ äner (=
j^nen). Diese Belege, die sich mehren lassen werden, genügen vor-
läufig, um darzutun, dass der Wechsel der Liquiden r-2, l-n^ m-n
(MG. $ 142) durch ein neues Glied n~r zu ergänzen ist. Sollte ich
für diesen Lautvorgang eine Erklärung suchen, so würde ich daran
denken, dass r, welches sonst nach Vocalen im Süddeutschen ge-
wöhnlich guttural, hier dental lautete und so dem n homorgan wurde.
c. Gaumenoonsonanten.
g wechselt mit j in tueje 24, 107; iuegi 18, 28 (vgl. p. 179);
mit A in ^üg 1, 16, dazu der Reim liegen: ziehen 29, 137 (AG. p. 182).
gg für mhd. k in ergger (mittllat. arcora) 28, 509; linggen 4,
175; weiter für fcfc, ch in Eggen 7, 28; Eggenot 15, 96; ruggen
15, 3; 88, 142; pmggen 38, 144; egg 2, 123; glöggli 8, 8;
gloggen 16, 53; heggen 16, 50; vgl. Pfeiffer zu.Heinzelin ML. 709.
C, k. c im An- und Inlaut ist im raschen Verschwinden be-
griffen. Hugo zeigt es nur mehr bei liclagen 7, 2; 18, 1; claffb^
254; duog 14, 23; 24, 30; 27, 22; 28, 245, 460; 31, 81, 139;
33, 29; 36, 1; cZ^ 4, 30; 5, 26; 21, 9; 30, 75; clarheit 28,
422; 30, 63; closter 29, 26; clag 4, 69; 28, 366; clegUch 4,
180; 25, 16; clein 5, 43; claffer 28, 109; clagen 28, 354; 36, 21
(daneben auch hluog 2, 16 ; Iclusen 2, 21 u. a.) — und einigemal vor
r in Fremdw. cristenheit 5, 228, 240; cristan 5, 104, 106; 28, 451,
514, 29, 165 etc. oreatur 18, 61, 28, 306; crisoUtuB 28, 462.
Wo im Auslaute nicht schon die nhd. Media eingetreten
ist, wurde c auch hier von h verdrängt, so begegnen hhmk : gedank
5, 45; trank : gedank 14, 31; loik 31, 41. Desgleichen trat fc
/iir c, ^ in die Zusammensetzungen mit -Uch : wiUekUch 1, 88 ;
GLXIX
4, 145; ßüsklich 6, 24; mrdeklich 3, 31; senfteklich 5, 86;
zergcvrücUch 27, 118; 28, 378; 29, 34, 94; 31, 206; 33, 98;
38, 138; üppklieh 29, 113; ivuneklich 37, 60; vesteklich 38, 145;
gwalteklichen 31, 69; eiuenklichA, 157, 170; 12, 6; 13, 40 (vgl.
p. 165); gewaltklich 33, 30; menklich 33, 15, auch in ieklicher 30,
19, 22; 31, 255. Brant hat c nur mehr in Fremdw. (Zamckep. 282).
Die Gutturalgemination steht vereinzelt in blikkm 16, 38;
atrihken 16, 40; 28, 151; zukkermess 38, 2, ebenso vereinzelt
in den al. Montf. Urkunden und im Netz. Ein ck begegnet bei Hugo
nicht, dafür durchweg nur einfaches fc, wenn nicht Aspiration einge-
treten ist, z. B. glüh 1, 61; geschikt 2, 9; 5, 46.
ch, kh. lieber die grosse Ausbreitung der Gaumenaspirata im
Alem. vgl. AG. % 219, Birl. AS. p. 108 und 118. In unserer Hs.
begegnet: urchünd 4, 149; 33, 134; chund 38, 47, chuolet 37,
14; Chan 33, 160; 36, 21; 38, 99, 136; cheiner 35, 5; chein 38,
22, 25, 127 (=fc«n, nur zweimal d{e)hein 4, 86; 38, 14); cUuogm
38, 98; chomen 38, 54; cJiam 38, 46 (möglicherweise durch w
beeinflusst); anzufügen ist vielleicht auch noch churfürsten 5, 229 ;
chör 33, 137; 37, 20 (aber 15, 123 kören). — werch 2, 59; 4,
HO, 112; 28, 237, 241, 247, 6S0; 32, 31; werchen 29, 167;
züch9y 11, 25, 36; 8ma4sht 28, 20; dann auch scMach 29, 45
(ch = c = g).
Viel häufiger zeigt sich die Aspirata noch in der Schreibung
kh und keh, sowohl nach Yocalen wie Consonanten. Dass damit
die Aspiration von k gemeint sei, ist zweifellos (Birl. AS. p. 118).
Bei Hugo zeigt sich charakteristische Schreibung in den Reimen
perkh : werkh 11, 25 (werch wurde soeben belegt), noch deutlicher
in st(xrkch:sarch 15, 76 [so steht auch in der Mart. sarch : storch
168, 29 ikarch 284, 5; Laufb. sarch: arch (= Arche) 735, 6]; fer-
ner in hüch{s):donnerplikchSS^2b und wohl auch erkikh(t): sicher^
Uch 1, 1 (s. Anm. z. St.); vgl. dazu nihte : erkichte Mart 229, 103;
bedacht : gemacht Mag. Krone 141^ und AG. S 224. Viele von den
zahlreichen Belegen in der Zeile wurden schon in Abh. III, p. 114
aufgezählt, worauf ich hier verweise. Zwischen der Schreibung kh
(bei A) und kch (bei B) ist kein anderer Unterschied als etwa
zwischen ht und cht in niht und nicht Der Grund dieser Er-
scheinung ist in der velaren Aussprache des k zu erblicken : die
Alemannen wie die verwandten Dialekte der Schweizer «spre-
chen das k hochdeutscher WOrter durchschultUIcik ^k k^m^V:^^
OLXX
(AG. $ 219; Winteler, Kerenzer Mundart p. 11)« and die JA und
kch sind die entsprechenden Zeichen dafür (Scherer GDS^. p. 136).
Freilich hat man sie in Ausgaben ganz abgetan und die Hss. will-
kürlich nach mhd. oder nhd. Gebrauche normalisiert; solches Ver-
fahren hätte eine wohlbegründete Eigentümlichkeit unseres Denk-
mals zerstört. Man wird aus den vorausgegangenen Blättern er-
kannt haben, wie die jetzige Schreibweise überhaupt vielfiioh der-
jenigen vor der mhd. Zeit ähnlich wird; und so ist es für unsem
Fall charakteristisch genug, dass sich in jenem altern Alem. diese
kh und kch finden, bis sie Notker und seine Schule unter dem
Einflüsse des Fränkischen mit k und ch vertauschten.
ch, h. ch wird für mhd. h der « vulgären Aussprache gemäss* ge-
schrieben: verlieh 24, 137 neben ameh 14, 11, dazu der Reim gehrech
: 9peh 28, 29 — besonders vor f, der Ausnahmen sind nur wenige :
hdcht : vervaht 28, 241; recht : sieht 28, 233; 29, 93; 31, 42,
50, 93; beechiht 15, 155; 24, 119; 32, 35; mehUg 4, 167*
Nach l erscheint noch hin enpfalh 25, 178; enpfäh 35, 29; er^folhen
19, 21; 34, 29. Zu weihe 28, 358; sölh 32, 39; sölher 28,
349 vgl. MG. p. 202.
h für gemeingebräuchliches eh (AG. $ 235) steht dann in ver-
ziheniwiJien (=wte7ien) 27, 170; ruhe 9, 18 (== ruche und rtihe
Adj. Acc. PL; vgl. Paul, Beitr. VI, 559). bsehah 24, 122, sonst
nur beschach
Gänzlicher Verlust des h (= ch und h) in weler^ (= wel'
' ehern) 5, 214 (ebenso Netz 2422, 2837 u. o.; Mag. Krone 101»>);
und neben nicJU : zitoversicht 2, 67 etc. reimt fdt : mit 24, 117 :
Sit 17, 18; 18, 33; sitt : nitt 18, 141 : itt 5, 242 (vgl. Wolfd, D,
DHB IV, 8; Virg. DHB.V, 16; Braut p. 282). Neben dem gemein-
gebräuchlichen noch 2, 72 ; 5, 349 u. durchweg steht 26, 22 ver-
einzelt nOy das gleichfalls dem Dichter angehören könnte, denn bei
Heinz, begegnen analoge Formen oft (vgl. Pfeiffer zu ML. 122),
ebenso bei Hadl. (9, 1, 11 u. a.), Reinfr. (2151 u. o.) in Lassb.
LS. (37, 38), in der Mart (vgl. AG. $ 236), bei Brant (p. 282),
und dem heutigen al. Dialekt ist no geläufig.
h im Anlaut wird apokopiert : istori 38, 52 (vgL AG. p.
195 und erg. dazu Erkules Moer. 5927; anttverchm(M Netz 12954),
wobei vielleicht an italienischen Einfluss zu denken ist
h als Trennungszeichen (Gr. I^ 89) inJhesus 5, 113 (s. Anniuz.
St.); 13, \9, welches in dieser spätem Zeit fast allgemein gewordea u
CLXXI
j lebt fort in der Gemination von nn^ rr^ II (Gr. l\ 123):
wenn (v. wdnjan) 2, 28; 5, 1; 18, 48, 185; 38, 8; werren
(v. warjan):herrm 5, 223, 249; 28, \Qbiherm 7, 18. ge-
wellet : ffeseüet 5, 195 — fallt ab in enen {= jenen) 5, 261.
Zu den bisher erörterten consonantisch angenauen Reimen,
welche (zum grössten Teile wenigstens) dialektisch genannt werden
können, tritt noch ein ansehnlicher Rest, bei dem mundartlicher
Einfluss zweifelhafter oder ganz ausgeschlossen ist Häufig wechseln
m den Reimen die tönenden Verschlusslaute.
d: g in gnad : wäg 28, 445; red : leg 38, 101. reden : legen
31, 162; Ueden : betriegen 31, 177; liden : verewigen 32, 74;
sieden : Uegen 28, 98.
dibiagab: gnad 18, 97, 161; 24, 137; 27, 193, 198; 28,
673, 689; abibad 28, 114; gnade: gäbe 30, 102; gnaden:
gaben 27, 65; 28, 685; 32, 146; 33, 166; 38, 154, 173; miden:
echriben 20, 17 : triben 22, 14; 30, 90 : wiben 25, 43; 31, 6;
versehmden i unben 26, 58; Uden: wiben 28, 117; 38, 13.
b : g m hndb : sag 5, 87; ab i sag 31, 10:hag 34, 23; geb:
weg 32, 126; verg^en i wegen 18, 94; Üben: wegen 18, 134;
29, 65; pflegen: geben 25, 53; heben: legen 28, 118; eben:
wegen 29, 157; oben : betrogen 24, 17 : gebogen 28, 10; beliben:
ewigen 28, 26; Ueiben : betriegen 37, 1 ; Jiaben : gesehlagen 28,
142; graben : sMagen 28, 77 : sagen 28, 278; geloben : logen
28, 514 : ogm 32, 94.
Es muss aber henr<»rgehoben werden, dass Birl. AS. p. 114,
129 und 143, teilweise auch AG. § 155 wirklichen Wechsel zwi-
sciien J, 6, g bellen. Reime dieser Art sind im Alem. und in
andern Dialekten <) haofig; vgl. Wolfd. D (DHB. lY, p. 8), Virg.
(DHB. V, 16), Boner (bei Schönbach in der Zs. f. d. Ph. VI,
253) ; dann in der Hart grubil : geschrudil 10, 13 ; wege : rede 85,
95 ; Mag. Krone Isgen : reben 42^ : leben 1 12% gelouben : lougen 97^
gehabt igemgi 5*; bei Halbs. geben : segen 1108, 18; sehwigen :
bliben 1115, lOzgetriben 1119, 2; wagen:laden 1116, 29; im
LS. geben : mfem 244, 243; haben :geslagen 245, 205 n. a. ; Laufb.
gelouben : aufien 708, 9 ; gegeben : segen 709, 6 ; loben : gezogen
0 niWMJ s. B^ «m Bodi „senan reimender Dichter«^ (?) bindet h \ g (B^um
€ßi SB Vftfr. ^ MG. § 148.
cLxxn
739, 11; 740, 13; im Netz schaden: vertragen 4622 rcia^en 10577;
reden : eben 1994; beliben : üden 12404; clag : hob 2735; haben:
gesaffen 793, 923, 1522 : tagen 805; geben : pflegen 3227, 4020,
4353 : ic^e^m 3901 u. s. w. (im ganzen 53 Belege). Saohsenheim
meidet sie, ebenso Brant.
Leichter sind die Fälle, wenn der Media r voraasgeht:
rb : rd in stirb : wird 28, 717; 30, 101; verderben : erden
1, 46; 22, 28; 24, 72; 31, 228; 35, 8 : werden 27, 164; 29,
143; sterben : erden 18, 108; 24, 43, 47, 120; 25, 123, 177,
196; 27, 128; 28, 218, 306, 357; 33, 40, 90; 38, 40 : werden
27, 100, 225; 28, 321, 621; 29, 64; 33, 5; 35, 30; 38, 119;
werben : erden 27, 42; verdorben : orden 29, 151, 155 : worden
28, 507. •
Auch Boner weist einen solchen Reim auf (Schönb. a. a. 0.),
17 das Netz, darunter auch rg : r&, rg : rd; ebenso LS. 261, 19
verborgen: orden^ welche bei Hugo nicht vorkommen.
Das eine Reimwort hat einen Gonsonant mehr als das andere :
sorgen : wolgeporen 20, 1 ; magt : sagst 28, 413 (vgl. aber
p. 173); pUkch : büchs 38, 25. — sil:wS 24, 86 (vgl. Laufb.
ysrahel : abrahe 763, b\ zil : sy 794, Nachg.); zwär:grä 20, 26;
24, 50. — leisten : heissen 28, 874; 29, 17, 77.
Die Reimwörter haben verschiedene Gonsonanten.
t: p in nit : rip 27 j 125; mb (wip ?) ; lit 18, 146 (auch
bei Boner und im Wolfd. D); vgl. MG. p. 128.
n: tin kan : hat 3, 33. — glesten : heftet 28, 554 (dazu Netz
erkennen : verbrennet 685; lachen : machet 9486).
s : g m wisen : nigen 24, 37.
ch: ff in machen : geschaffen 27, 192; 30, 11, 27, 39; 35,
23 : beschaffen 33, 158. Vgl. dazu drei ft : ht im Reinfrid (Jänioke,
Zs. f. d. A. 17, 512; MG. $ 142 und Zusätze zu p. 200), ein cht:
ft und buch : ti/ 59, 51; hof: noch 75, 11 bei Boner (Schönbach
a. a. 0.); ferner LS. 191, 167 giech:Ueff; LB. P, 973, 5 wa-
chen : Nidenoffen; Netz 2210, 2306 schlecht : behefty 4075 ge-
rieht : geschrift.
ch : SS {zz) in brechen : gemessen 31, 65 (Mart. spräche : maze
280, 93). — tz : st in setzen : besten 18, 269.
seh : st in heechen : besten 28, 314 (Brant reseh : lest 84).
kch : tt vielleicht in bUkchen : sitten : vermitfen: büten 21, 10.
/f : st in gehefftet : glesten 28, 554.
GLKXni
ff ". 88 in schlaffen : lassen 35, 26; straffen : mässen 31, 110
und vielleicht in offen : beslossen : verdrossen 13, 56.
SS : tt in angeschossen : ^o^^^ii 28, 509.
8. (ieBjiigatioB.
Zu den grössten Umgestaltangen, welche die Gonjagation der
Zeitwörter anf dem Wege vom Mhd. zum Nhd. erlitten hat, gehört
der Wechsel der singalaren mit den pluralen Stämmen. Bei Hugo
tauchen bereits Spuren davon auf: sehen zeigt 20, 9 als Präs. Ind.
ich seh (AG. p. 320); Verliesen hat im Praet. Ind. S. den Stamm-
schlusscons. des Plur.: verlor 11, 24; 24, 26, 44 (vgl. Jänicke zu
Wolfd. 60, 4; Zarncke zu Brant p. 280). Dialektisch ist das Praet.
luff 5, 64, dazu das Part, geloffen (: offen) 4, 193 (vgl. AG. p. 332,
wozu luff Mag. Krone 100* ergänzt werden kann). Auch die vielge-
staltigen Flexionssilben bringen Zeugnisse vorgeschrittener Sprach-
beschaflfenheit sowohl wie dialektischer Färbung. Ich fasse die st.
und sw. Conjugation zusammen.
Praesens.
Ind. Sing. I Pers. -«, das Hugo nicht nur nach kurzen,
sondern auch nach langen Silben abwirft (MG. $ 350): bitt 31,
253; sich 31, 119; tracht (: macht) 32, 151; ^lfün8ch 37, 49;
%^ 8, 9; raut 34, 37 und auffallend häufig, so dass die apokopierten
Formen die Regel bilden^).
Neben -^ findet sich auch die dialektische Endung -en (AG.
S 339) : warnen 3, 58; varen 17, 28; danken 27 y 65; 34, 5;
merken 38, 35.
n Pers. -est: bekennest 5, 132; machest 27, 83; doch ist
der Themavocal nach Kürze und Länge meist ausgefallen : hebst 32,
45; siehst 10, 4; liebst 18, 102; behaltst 22, 31; bhuetst 27, 100;
vindst 28, 135; bindst 29, 92 — zugleich mit dem Schlusscons. des
Stanunes, wenn er dental ist: vinst 27, 81; beschlüst 35, 20.
Ekthlipsis : gist (= gibest) 3, 15; 4, 61 ; 27, 73, 200; 31, 23. —
g wird palatal und zu ivalist (== ligest) 28, 304; seist (= sagest)
29, 57, 73. — Bei sagst : m^gt 28, 413 ist es möglich, dass
^) Selbstyerst&ndlich im reconstmierten Texte, wo die Fehler der Schreiber
beseitigt sind; nur dieser konnte zn den Abbandinngen benützt werden.
ursprünglicli sagt : magt stand und wir hier einen neuen Beleg
hätten für die Bildung der 11 durch t (AG. § 362, 340).
III Pers. -et Der Themavocal erscheint häufiger als in der
I und II P., auch nach kurzer Silbe: hrehet 21, 6; ergihet 27,
72; wiget29>,^l\ nimet 28, 492, 519. dunkhet 11, 18; rüwet
4, 71; leidet 6, 12; zürnet 6, 21; hil/et 15, 43; 27, 23, Da-
neben die Synkopen veU 28, 548; gelobt^ glicht 28, 508; hilft
17, 11; ruefft 28, 517 u.a. Beachtenswert sind die Formen schadt
6, 38; 28, 588; vindt 16, 19; 18, 26; 22, 23; 24, 96; 31,
126; 33, 111, 113, 164; ziindt 18, 229; endt 26, 54; redt 18, 6[;
27, 91; 38, 86, wo also der Lingualis des Stammes neben dem der
Endung stehen bleibt. Auch in der Hätzl. erscheint 11, 27 endt;
13, 74 redt; 24, 70 meldt; 25, 24 zündt; 26, 31 vindt etc.; in Hugo's
Breg. Urk. von Nov. 1415 (vgl. Ausz. in Abh. I, p. 54) redt; ürk.
23./1. 1386 beredt 2mal; im Netz sendt 6522, das aber meist, wie
andere al. Dichter, den Stammling verhärtet: ncLchrett 1974; schaU
3201, 6088, 8714; Laufb. entrett: bett 763, 7, wie z. B. Suchenwirt
unter den bair. Dichtern. Die MG. $ 351, 378 und AG. S 341, 362
haben diese beiden allerdings selteneren Formen nicht belegt. — Da-
neben zeigt unsere Hs. auch vint 5, 349, 353; emphint 5, 311,
welche in den Grammatiken a. a. 0. vorgesehen sind. — Ekthlipsis:
git i=gibet) 5, 32; 14, 3; 18, 244; 19, 3; 20, 48; 22, 29;
23, 3; 24, 103; 25, 198; 26, 15; 28, 291, 559, 567; 29, 7, 37;
31, 84; 35, 19; 37, 31. — g wird palatal und zu i in Ut (= liget)
18, 120; 27, 174, 199; 29, 87 : zit 2, 39; 3, 52; 10, 29; 15,
3:wib 18, 148. treit {^traget) 28, 513 : geschibikeit 2, 64.
seit {= saget) 8, 17; 18, 137; 30, 23: leid 11, 28. leit {= le-
get) : treit 5, 341 : gseit 18, 151.
Auch der Flexionsconsonant-^ wird abgeworfen in hilf 7, 3
(vgl. oben p. 161 und AG. § 177 und 341); daher ist gicht:
weltlich 5, 259 (wie im Netz lacht: sprach 12910; scho'ibtihb
752; bei Braut ruck: druckt 111, 64; sich: spricht 112, 7) nicht ohne
weiteres als ungenauer Reim zu nehmen, da im Or. gich gestanden
haben kann; vind: gesind Netz 2530 kann gleichfalls hieher gehören.
Häufiger begegnet Abwurf von ->^, oder wahrscheinlicher ^, zugleich
mit dem Themavocal in lingualen Stämmen schwacher Yerba : ticht
[= tich{te)t oder ticht{et)] : bricht 5, 339 ; wuet : guet 3, 81 : ^r^
muet 18, 45 : bluet 35, 27. furcht 5, 265; huet 20, 45; btat
24, 120; behuet 29, 108; lust 33, 88.
CLXXV
Plur. I Pers.-^: behalten 28, 431; puwen 33, 8. Die schon
frühe gebrfiachliche Apokope des -en vor dem Pronomen begegnet
auch hier noch : muff wir 8, 16; söü wir 28, 497 (vgl. Kober-
stein, Suchw. III, $ 9). Unechtes -t (d) schliesst sich an -en (AG.
S M2) : bekennent 5, 145; wonent 27, 107; 8eHmt52j 52; ver-
stand 30, 97; wiseent 32, 54 und sehr häufig in den Hilfszeit-
wörtern, die ich unten gesondert behandle.
II Pers. -ety welches dieselben Schicksale erleidet wie das der
III Pers. Sing, behuet (=behuetet) etc.; a,\icihvindt 32, 125. Daneben
zeigen sich die vorzüglich im Alem. beliebten nasalierten Formen
auf -ent und -end (AG. S 342, 367) : wisent 5, 366; nement 26, 8;
gewinnent 26, 17; varent 28, 219; ratent 28, 233, 333; schla-
hmt 29, 49; measent 29, 50; jehmt 29, 97; machmt 38, 67;
gend (= gebend) 2, 89 . . und -ew: gebaren (: varen) 26, 22; ver-
gessen (: essen) 26, 47; werden 26, 48; wünschen 28, 736.
ni Pers.-m^: %jirWnschent 4, 1 83 ; singent 16, 9 . . und -end : gend
38, 72. Andrerseits begegnet auch die nhd. Form -m in und ausser
dem Reime (MG. p. 342) : gaffen (: äffen) 25, 22 ; erJdken (: totfe-
cJhen) 38, 18; grisen (: wisen) 38, 71 ; werden (: sterben) 38, 117;
raten 26, 59; glesten 28, 556; daher auch 30, 49 gahen {} ge-
nahen) und 13, 23 ga/n (: hdn). lieber die Formen der Hilfszw. vgl.
daselbst. Diesen -en stehen 41 -ent gegenüber. Derselbe Wechsel
ist auch in gleichzeitigen al. Urkunden zu finden; ein charakteri-
stisches Beispiel gibt Moor (Cod. dipl. IV, Nr. 201): welche uns
irrent^ vorhaben und bekriegend (s. Auszug in Abb. I, p. 41);
während Boner in der III PI. schon durchweg -en (vgl. Schönbaoh
a. a. 0. 254), Brant noch -ent neben -en gebraucht.
Imp. Die 11 Pers. Sing, hat Verstärkung durch das Suffix-a
(vgl. Wilmanns, Walther 49, 45) in morda(jo) 5, 343; weka
37, 1. Im übrigen gilt hier dasselbe wie im Praes. Ind. In der
n Pers. PI. erscheinen die -ent, und zwar noch häufiger als dort:
besiUent 4, 170; gedenkent 16, 70; 33, 84; huetent 26, 53, 58
(aber 26, 23 huet) u. a. — neben -end: varend 4, 195 und -m spre-
chen 26, 44.
Conj. I und III Pers. -e, II -est Die Apokopen und Synkopen
des stummen und schwachen e sind ähnlich gehalten wie die in den
gleichkommenden Endungen des Ind. Bemerkenswert aber ist das
dialektische Thema -i. 1 Pers. h^ffti 13, 13. — II Pers. fragist
3. 73; belibist 28, 76, 407; werdist 28, 647 — in Pers. gebt 3, 74.
CLXXVI
Plur. II Pers. auf-fw^: urümchint 28, 728; höHnt 28. 734.
III Pers. 8eMnt 18, 44; leffint 25, 81; Tmeünt 25, 195, also
zugleich mit epithetisohem -t Diese i sind um so beachtenswerter,
weil sie Hugo nur im Gonjunotiv gebraucht: sollte hier etwa eine
Nachwirkung der Potentialsuffixe, zu erkennen sein (vgl. p. 184)?
Part, mit abgeworfenem -t : leben (: begehen) 5, 229; lachen
(: gemachen) 31, 175, 180 und daher auch Bern : wem(^d) 24, 61
(vgl. p. 161). Ebenso wirft Mag. Krone besonders im Part, t gern
ab : schmecken^ reden u. a. bei Zing. a. a. 0. 506.
Inf. -en^ das ^ber manigfacher Zerstörung anheim gefallen
ist. n verschwand in weine (: eine) 7, 2 ; ziehe (: liege) 29, 137 ;
8i(n) (: bi) 29, 117; die ganze Infinitivendung in nen = nem(en)
(AG. p. 172, MG. p. 345) 7, 13; kon = kom(en) : ISn 8, 13 :
hdn 13, 9 (vgl. oben p. 165). Die bairischen Schreiber setzten
meist die volle Infinitivendung, wie das auch anderwärts nachzu-
weisen ist; vgl. darüber Wagner, Mönch v. Heilsbronn p. 6 und
24; Jänicke, Zs. f. d. A. 17, 512. — Der flectierte Infinitiv zeigt
nur einfaches n (bittens 13, 60; irrens 28, 293) und eingescho-
benes d in ze nend (= nemende) : wend 13, 31 ; bernde (: wemde)
28, 448, 680; 30, 48.
Praeteritum.
Von den Endungen des Sing. st. Yerba bemerke ich nur, dass
auch hier das tonlose -e der II Pers. apokopiert wird*) : du geber
(: Sünder) 27, 168; in der II Conj. steht 32, 44 liest : widerdriess
vgl. p. 181).
Seh w. Verb a. Der Glassenvocal ist nirgends mehr vorhan-
den, selbst das Thema des Praet. ist meist geschwunden, nur
^) Beachtenswerte Formen für die II Pers. Praet. bieten Nr. 39 nnd 40 :
als du ane se {: getehe) 40, 151; daneben schon die jüngere Analogiebil-
dung nach dem Conjunctiv mit der Endung -es^ und Ewar in Ewei Beispielen
verliheti 39, 82 ; vergabst 39, 80, die den ganzen Weg dieser Neubildong
▼eraugenscheinlichen : im ersten Beispiele hängt sich das conjunctiTische •«#<
noch an den alten Conjunctivstamm, im zweiten aber erscheint schon der In«
dicativstamm und damit die nhd. Form. Das ist also ein neues Zeugnis für
das geringere Alter dieser Gedichte. — Eine andere Bildung der 11 Pers. durch -I
in benempt 40, 156 hat schon Weinhold in der AG. p. 340 angemerkt, das nun
freilich dort Eu tilgen ist ; wofür aber Tielleicht das in Hugo's Gedichten gani Ter-
einzelt stehende wert {wa^re) 4, 95 gesetzt werden kann, welches Ton BirL AS.
p. 195 nachgewiesen wird und im Text besser ungetilgt geblieben w&re.
CLXXvn
lachtet 12, 4; macJhet 11, 25; 25, 120; naJiet 28, 36; dienet
28, 341; femer begegnet Apokope der Endung nnd Synkope des
Themavocals zugleich mit dem Verluste des letzten Stammoonso-
nanten, wenn er dental ist (MG. p. 357) : bereit (= bereitete^ be-^
reitte) 2, 113; ac?U 19, 32; stifft 25, 156; tSt 25, 160; verricM
32, 83. Sogar das t des Praeteritalsuffixes gieng verloren in dimkh
(= dunhhete^ dunjchte) 5, 68 ; vgl. dazu des forch ich Mag. Krone
144*^ und dem entsprechend auch die forch 144^ zu forch 144^
und oben p. 161. — Auch hier wird g palatal und zu i in leit
(^legete) 25, 158; seit (= sagete) 31, 182; 38, 96.
Von den Endungen des Plur. Ind. st. u. schw. Verba sind
hervorzuheben die n Pers. auf -en : walten (: halten) 5, 231 und
die III auf -mt : lagmt 24, 56; 28, 81; wurdent 24, 60 (32,
120 wurden) —
Von denen des Oonj. die II Pers. auf -istinemist 28, 132;
umrdist 28, 251, 252, 435; die III auf -i : lepti 7, 24; meinti
28, 280; zalti 28, 712; 38, 160; dienH 29, 95; 31, 95; 38,
187. Im Plur. die I Pers. möcht wir 32, 55; die II auf -en:
hielten 29, 83; die III a,üf int : dieniint 15, 16 neben -ent : schri--
bent 4, 29 (vgl. dazu noch die einzelnen Verba p. 178 — 184).
Also auch im Praeteritum stellte sich heraus, dass Hugo the*
matisches i nur im Gonjunctiv gebrauchte.
Part. Das Praefix ge- fehlt häufig (vgl. dazu MG. p. 347):
ftmden 3, 42; geben 5, 24; 17, 22; 18, 129; 25, 54; 28, 268,
700; 34, 49; 35, 33 (25, 19 aber gegeben); komen 5, 95; 28,
215, 427; 29, 6; 32, 130; gössen 5, 144; brdcht 6, 19; 15,
151; 18, 250; 24, 4; 32, 116; worden 33, 69; auflfallender in
tän 37, 2 und wahrscheinlich auch 36, 9.
Der Umlaut und Rückumlaut in den langsilbigen schw. Verben
ist im allgemeinen noch dem Mhd. gemäss gebraucht : genant
(: diamant) 28, 603 , genennft (: bekennet) 5, 303 ; gephand (: land)
5, 240, geblendet : gepfendet 28, 414. Aber die Synkope des
Endungs- e brachte Verwirrung : ghört: betört 2, 57; benent (; Orient)
16, 4, was allmählich zur gänzlichen Vergessenheit der alten Ge-
setze führen musste : angezundt 38, 31.
Der Flexionsconsonant wird abgeworfen : betrachte{t) : machte
32, 33; verfuere{i) : schnxAere 38, 114; betrachte : achte 15,
150. Diese Participialform wird auch durch die Montf. Urkunden
gesichert, so steht in der vom 8/4. 1363 (Arch. I, Hft. ITL^ ft?k\\
Waokernell, Montfort. V^
die (die ingedgel) gehenke hant Linguale Släinme haben neben
ihrer vollan Form auch wieder vocalische und consonaatisehe Syn-
kope : bereit (: underscJmt) 4» 171; ungep/ecfU (: almecht) 27,
26; geticht (ischlicht) 31, 26; 38, 185; gt^ruht (: nicht) 33,
146; im Yerse igeächt 18, 193; 24, 9; 31, UT; gehuet 28,
426.; besteter (= bestatteter) 29, 1 42. Man könnte zweifeln, ob
das t des Stammes oder der Endang abgeworfen wird, doch wei-
geret (= gere{de)t 31, 139) spricht fär das erstere. Dass aber
auch der Gonson. des Part.- Sufil abgeworfen wird, beweist noch be-
hus (: uss) 29, 52 (vgl. da2Hi Mag Krone erlos(t) igrös 101*, auch
Sigen. zerbr(is(t) : gras DHB V, 32) ; gevider (: herudder) 2, 84 ;
geschütz 9, 16 (vgl. dazu ergetz (J?d^ti,)isetz Sachsh. Temp. 321);
danach sind auch die Beime gebuesst : unsuess 22, 13; 30, 89;
gedacht mach 24, 93 zu beurteilen; zu letzterem vergleiche noch
das genannte Praet.. dunkh, dann die Part, bei Boner gewan
(igesfän) 10, 27 ; bedach(t) : beschach 87, 43 (Scbönbach, Zs. f. d.
Ph. VI, 253 und 259) und im Spieg. enzück(t) : dügk 156, 20. Ist
meine Vermutung zu 1 , 1 richtig, gehört auch erhikh{t) : sicherlieh
hieher.
Vocalisation dies g in geleitigiUkeii 5, 2\iidrivaltikeit 28,
481 igseit 29, 80; gseitileit (Adj.) 4, 135; 30, 98 : leit (= leget)
18, 149; angleit 25, 20.
EMnige schwache Verba. erscheinen im U Part mit starken
Formen: gemachen (: wachen) 28, 462 (: sacken) 31, 133 (ilacJhen)
31, 151, 180; 36, 19 (: geschaffen) 30, 9, 25; gedrän {: schon)
3, 29 (vgl dazu Pfeiflfer, Heinz. p.l42, Anm. 654); behusen
(: klusen) 2, 21 ; gepuwen (: ruwen) 28, 50, s. auch 638 *). Danach ist
AG. § 376, I zu ergänze. Auch im Versinnera begegnen gleichen
18, 8; gepuwen 18, 73; 28, 53 u.. ö.; gemachen 31, 183 neben
gemachet 31, 162. Für geheftet (: glesten) 28, 554 köante gleich-
falls gehefften gestanden haben, das im Dialekte heute noch lebt
4. Einzelne Y(ffba.
Eine Reihe von Verben, zunächst die auxil., sind, hiei Hugo
wie in den gleichzeitigen alem. Urkunden und Dichtern, (über erstere
siehe Bergmann, Arch. I, IV Heft, 71 ff.) besonders reich an wech-
') In jSt, 40, 64 steht gehuozen als II Partioip.
selnden Formen, die ick daher einzeln in ähnlicher Weise zusammen-
stelle, wie es Zarncke bei Brant (p. 285, 286) getan hat.
tnon. Inf. tuoh 4, )31; 25, 155, daneben getuon 18, 190.
Praes. Ind. Sing, regelmässig, in der 11 Pers. nur tuott
5, 286; 15, 121 etc. — Plur, I Pers. tuon (lauon) 33, 46; aber
meist tuand 5, 140; 28, 371, 464, 653 etc. II tuond 24, 136; 29;
123. m tuont 5, 250, 322; 16, 57 und tuond 3, 72; 26, 60
(7mal).
Conj. III Pers. tuej 9, 33; tueje 24, 107; htege 18, 23;
tueffi 18, 28; daneben fuo 29, 20; 34, 47; 38, 43. — Plur. I
und II Pers. tuond 18, 60; 29, 120. m tuegint 25, 44 (4mal):
tmp. Sing. II regelmässig nur tue 2, 83 ; 5, 363 u. a. II Plur.
tuond 18, 36; 29, 98.
Praet. Ind. Sing. I und HI Pers. tet 18, 251; 24. 31 (8mal);
tett 6, 10, 108; 15, 77; 25, 64 (21 mal), auch ini Reim er-
scheint UttipeÜ 3^, 153; in der lU PliDt". täten 15, 69 und tdtent
hi 12, 111.
Conj. Sing- J und Itf tet 2, 36; 5, 219; 16, 46. II teti^
28, 237, 247, 250. IH Plur. teüM 28, 89.
Part, getan 4, 84; 18, 9 u. ö. nebfen tdn 37, 2; auch 36, 9
(vgl. p. 177).
sin. Inf. weaen {: gelesen) 5, 205; 24, 59; 28, 75 (igene^
am) 28, 108, 131; auch iö der Zle. weä^ 5, 209; 14; 17; 29,
107. Daneben 8in{\ difi) 14, 39; geein {}dtn) 4, 20; gnii: (lai^hin)
28, 428 und mit nasalefii Vi)cal si (: hi) 29, 1 17 (vgl. p. 165).
Praes. Indi Sing, hat nur gewöhnliche Formen. — Plur. II
rind 4, 190; 5, 364; 32, 128 (8mal); IH sint 2V, 67; 28, 538
652 und' sind 3, 29; 24, 133 (6mal).
Conj. i und lU nur si (: hi) 5, 1 ; 32, 137 : fri 5, 170.
Plur. V eigen 27, 184 neben sien 31, 195; 33, 43. II aim
28, 735 ; sigint 5, 229. ni sijjint 27, 32.
Imp. II Sing, bis 1, 32; 3, 38 und durchweg. II Plur. sind2^i
10, 21; 29, 116 und sint 24, 135.
Praet. Indi Sing. I und IH was (igras) 5, 55 und durchweg,
nocli nie war wie etwa v&rlor (p. 173), auch noch bei Brant
immer nur wds (Äarncke p. 280*). 11 wer oder wert (vgl. p. 176^
Anm. 1) 4, 95. — Plur. III wa/rent 5, 9; 15, 98; 26, b, T
(difial), flft)er kein waren.
Conj. Sing. I wer^., 7; 19, 30. II weHst 28, 2&2i\ ^^^
CSLXXX
89. in were 25, 97; weri 31, 82, sonst wer 1, 37; 8, 14 u. a. —
Plur. I weren 32, 115; werint 5, 236; 13, 20, 55. III werint
4, 186; 28, 68; werind 31, 18; weren 4, 25; 37, 58. Part,
nur gewesen {: lesen) 28, 169, kein gesin.
haben. Inf. haben: graben 18, bl : geschlagen 28, 142;
häufiger erscheint die contrahierte Form hänikan 4, 119 : man
5, 10 1 ; daran 5, 323, auch geMn : gdn 28, 433.
Praes. Ind. Sing. I hdnian 3, 41 ibestan 34, 46 (16 Fälle)
neben hob 18, 51; 31, 161; 33, 102; 38, 56, 64. 11 nur hdst
4, 9, 45 und oft. III Mt (: spät) 4, 129 und durchweg. — Plur. I
hand 15, 2; 28, 210; haben 28, 212, 426, 430, 650; hahent
28, 216. II han (: stän) 32, 122; händ 5, 240; 26, 5, 07;
38, 114; habent 20, 40. III hdnd 4, 136, 146; 5, 301; 13, 5;
28, 182 (18mal); habent 24, 91; 27, 46; 29, 138.
Der Conj. zeigt nur volle Formen (MG. p. 369) : Sing, hab
3, 59; 29, 161 etc. — Plur. I habint 18, 172. IH habint 26, 83.
Imp. Sing, regelmässig. — Plur. n hand 18, 205, 211; 26,
6; 29, 88 u. a., habent 16, 8; 29, 105, 114.
Praet. Ind. Sing. I und III hat 25, 159; halt 5, 136; 15,
85; 18, 13; 25, 19 (17mal), daneben hett (imett) 19, 29. hett
5, 14; 24, 10; 25, 52 (14mal). — Plur. II hettent 5, 238. HI
hetten 32, 118, 134.
Gonj. Sing. I und IH het 18, 252, meist hett 1, 48; 6, 5; 33,
20 (24mal). H hetHst 15, 15; 28, 417, 622 (8mal). m hetH 28,
145. — Plur. n hettint 5, 230, 235; 31, 43.
Part, ghabt (das hhabt des heutigen Dialekts) 4, 83 und
durch den Uebertritt in die I schw. Gonjugation gehabt 25, 111;
ghicbt 18, 93, also nur bei B, aber die Form ist auch in den alem.
Urkunden zu belegen, so bei Vanotti p. 147; im Arch. I, HI, p.
151; ebenso im LS. 28, 34; bei Boner im Reim gehebt : gelebt
48, 3 (Schönbach, Zs. f. d. Ph. VI, 254), derselbe im Netz 4208,
7358.
Iftzen. Inf lassen : Strassen 28, 222, 230; 33, 6 : scUaffen
35, 26; daneben häufiger die contrahierte Form Idnigewan 17, 46:
hdn 18, 107 : aergdn 18, 258 : stdn 31, 74 (vgl. dazu die Rei-
me d : 6, d : ou p. 152). 35, 26, 28 stehen Idn und lassen in
derselben Strophe.
Praes. Ind. Sing. I Idn 5, 105; 18, 55 : man 5, 91; dagegen
/ms 2, 78; 9, 35; 34, 56. HI nur Idt (: hdt) 18, 243; 4* 17;
OLXXXI
5, 165 u. ö. 11 ld8t 9, 20 (Conj.?) — Plur. I Und 18, 52.
lassen 28, 565. II Idnd 31, 74. III Und 5, 296.
Iinp. Sing. II U 1, 73; 3, 69; 4, 89 (lOmal) neben laaa
15, 23; 19, 13, 21 (12mal); erldaz (imasz) 28, 293 und lazz
3, 23; 4, 74 (7mal). Plur. II land 29, 112; 31, 40.
Praet. Ind. Sing. I und IE lie 14, 27: hie 10, 7. Conj;
I, III liees 5, 244; 7, 20 (11 mal); üezz 5, 289. II lieszt 30, 44;
Uest : ividerdriess 32, 44, also vielleicht liess^ das wäre die Bil-
•dung der 11 Pers. durch («> (AG. § 347). liessist 28, 248.
Part, glaaaen : Strassen 3 1 , 34.
g&n hat nur Formen von gd^ keine von gS: III Sing, gät
(ispät) 2, 61 (;r<«0 5, 167- HI Plur.. ^an (: hän) 13, 23
u. a. — Die erweiterte Stammform begegnet bloss im Conjunotiv und
Imperativ Sing;^aw^ 3, 43; 25, 15,49, 149; 28, 661; 20, 13.
aber im Plur. gänd 4, 169.
Im Praeteritum erscheint die jüngere nach vie^ Me ge-
bildete Form (MG. p. 325) in gie (: vie) 2, 3 ; 13, 53 neben gieng
25, 1, 190, 199; 28, 1, 33 (Umal). Part, nur (umb)gangen
{: umbvcmgen) 4, 40; 27, 159 (: anger) 15, 57 etc.
stftn. Auch hier meidet Hugo die sonst sehr verbreitete Ne-
benform stSn durchweg. Inf. stän (: hän) 5, 258; 38, 109; gestdn
14, 9. (ich) stän 6, 31 ; III Pers. stät (irät) 3, 76; statt 12, 12; Imr
stand 5, 150; 30, 97; III Plur. stand 28, 516. Nur süt 16, 42
macht die einzige Ausnahme, ist aber zweifellos zu streichen: das
beweist die sonstige Schreibung von B, das übereinstimmende Zeugnis
von A und G, das beweisen die Reime.
Vom secundären Stamm stant ist gebildet ich stand 38,
145 und das Part, gestanden (: banden) 29, 90 und immer, nie-
mals gestdn. Praet. stuond 32, 154 (durchweg).
mngen. Paes. Ind. Sing I und III mag (: tag) 5, 84,
274 etc. II macht 2, 81, 108; 3, 40 . . . daneben aber auch
machet 38, 6. — Plur. I mug wir 8, 16; mugen wir 18, 60;
mugent 28, 218, 273, 654; 33, 64. 11 mugent 26, 7. III mugent
5, 360; 11, 39 u. ö.
Conj. I und IH mug 5, 102; 13, 14; 18, 98; 31, 50 (nie-
mals müg). II mugist 28, 242. — Plur. I mügen 32, 51; mugent
22, 11; 30, 87 (Ind.?). HI mugent 13, 7; mugint 26, 50.
Praeteritum. Die altern Formen mit a sind bereits gänz-
lich verschwunden und dafür die auf o eingetreten (AG. i^. ^Q%»\«
Auoh der .Umlaut im Oonj ist mit wenigen Ausnahmen durchge-
drungen ;mocÄ<: 2, 38, 137; 7, 25; 28, 500, neben 39 Fällen mit
ö; 11, 23 steht vereinzelt möcht im Ind., wird also A gehören.
Conj. Sing. II möchtist 25, 187; 28, 276. — Plur. I möcht wir
32, 55; III möchänt 15, 56; 18, 104.
soln. Im Praesens Sing, ist o herrschend : «oZ 3, 16, 34;
eolt l, 33; 3, 45 u. ö.; im Plural /r sult 2, 65 und umge-
lautet ir Hdt 32, 105. In der II Pers. Plur. entsteht durch
Mouillierung und Synkope (MG. S 144) axiahsond 18, 59, 212;
26, 33, 46; 29, 68, 99 (19mal).
Im Conjunctiv sitzt der Umlaut fest : soll 15, 117; 31, 115,
116. Plur. wir söllint 18, 57. Auch in den Indicativ ist der Um-
laut eingedrungen : «d'ZZ 15, 7; soll wir 28, 497; eöUen wir 28,
332,456,612; 31, 191; ai söllent 27, 41; einigemal kann man
freilich zweifeln, ob der Ind. oder Conj. anzunehmen sei In Hugo's
Malefizordnung von 1415 steht gleichfalls wir sollen als Indicativ.
Die angefiihrten Beispiele belegen zugleich auch die Doppelung des
l in ein- und zweisilbigen Formen (MG. p. 387).
Das Praet. zeigt wieder o und ö sowohl im Ind. wie Conj.
wechselnd : «o2d {:gold) 2, 9; solte 24, 108; soU 6, 15; 20, 17,
27. sölt 2, 129; 15, 156; 20, 49; 28, 140; 29, 137; (du) söl-
tist 28, 310; 30, 69. ir soltent 5, 224, 233. si söltint 18, 197;
soltint 28, 86.
kunnen. Praes. Sing, regelmässig; über ch=^k in chan
vgl p. 169. Plur. II ir kunnent 2, 50; 16, 74. III hufmmt 16,
40; 38, 10. in Conj. kunnint 27, 33.
Praet. Ind. zeigt Formen auf o und u: kond 2, 72; 15, 95;
24, 8, 35. - kund 5, 8 ; chund 38, 4? ; si künden 28, 172.
Im Conj. ist der Umlaut häufiger, als AG. p. 399 erwarten lässt.
kund 30, 57; aber künde 3, 5; kmid 24, 109; 31, 216, 219;
37, 35 — könd 2, 31; 5, 175; 31, 122.
mfle^en« Praes. Ind. Sing, regelmässig; I und III muoss
und muosz wechselnd, II nur muost Im Plur. ist uo noch häufiger
als ue^ wodurch Weinholds Ansicht AG. p. 401 bestätigt wird:
I muossent 15, 134; 33, 5, 40; muossen 27, 227. III mtiossen
15, 131; 26, 40; muossent 15, 133 — muess^t 4, 180.
Conj. Sing. I und UI muesse 21, 1; 27, 236; muess 5, 16;
16, 76; muesz 20, 15. II muessist 3, 32. — Plur. I tnuessen
CLXXXIII
18, 160, 204; 34, 51; 35, 35; 38, 39 neben muosaeni 22i 12;
30, 88 (Ind. ?).
Praet. Ind. Sing. I und III muoszt 15, 78, 94; 24, 28.
muost 24, 47. Plur. HI muoeztm 28, 112, 115, 119, 122. —
Oonj. Sing. I und III mueset 11, 15. muest 1, 47; 5, 129; 27,
194, am öftesten aber mueszt 15, 147; 24^ 110, 111; 30, 44.
II mu48ztist 28, 621.
wizzen. Inf. wissen 31, 39. Praes. Ind Sing. I and III
wei^s (: heiss) 20, 5; 6, 32; 18, 17, 265 und weisz (: hreisz)
1, 64; 9, 9; 28, 254. II nur weist. Plur. I wissmit 33, 42. —
Imp. II wissent 13, ^6. Gonj. Sing. III wiss 31, 128. Plur. III
wissint 27, 24.
Im Praet. ist der Ind. durch den Beim wiszte {lUste) 15,
71 und der Oonj. durch west (ivest) 28, f>36 belegt Daneben
erscheint im Oonj. wiszt 18, 20; 33, 16; wiszH 18, 263.
wellen. Praes. Ind. Sing, regelmässig, II nur wilt 1, 86,
90; 22, 1. Im Plur. erscheinen wieder die verkürzten Formen wie
bei «win : II wend 29, 51, 81, 100; 38, 80. III tuend 18, 150
neben weUent 32, 96. Der Conj. hat nur eil und III Sing.
well (ihell) 18, 79 w ungevell) 18, 237; 38, 125 (auch 9ittal in
der Zeile). II wellest 38, 163; wellist 28, 438; 29, 41 ; 34, 40*).
Plur. I wellen 21 y 100. 11 wellint 26, 6; 29, 127.
Praet. Ind. oiwolt (: solt) 3, 13; wollest 17, 18; Plur. II
woltnt 4, 192. III woltent 4, 144 und waltend 2, 101. Der
Gonj. zeigt drei Formen; am häufigsten sind die mit e: well (: un-
gezelt) 2, 43 i^^kelt) 19, 27 und llmal in der Zeile. Daneben
die auf oiwolt (: Mangolt) 31, 181 und 9mal in der Zeile. Dann
die auf ö : wölt 18, 31 ; 20, 51 ; 29, 133; 34, 33. wölH 18, 207.
Man kann zweifeln, ob dieses ö der Umlaut von o oder die Ver*
tiefung von ^ ist, wahrscheinlich das erstere wie bei soln^ dessen
Formen überhaupt auf die Conjugation von wellen Einfluss genom-
men zu haben scheinen.
komen. Inf. kamen (: vernomen) 4« 89, daneben hon {\ldn)
8, 13 (; Mn) 13, 9 (vgl. p. 147. Atom. 1, p. 166 und 176).
Praes. Ind. Smg. II kunst 28, 648. III kumpt 4, 16; 5»
58, 166 (9mal, vgl. p. 159), daneben humt 20, 36 und kunt 3,
<) Td Nr. a9 nnd 40 erscheint o: woltt 39, 64; 40, 50, 111; 40, 149 ;
im M4. iiild eb«n die Formeii mit o die gewöhnlichen (MG. p, 400).
OLXXXIV
8; 6, 22; 15, 24, 127; 27,-94 (Sinai). — Imp. chum 38, 156;
kum 25, 87; 33, 168 (5mal). Zu diesen häufigen Formen mit
u treten noch kämet (III Ind.) 32, 10; du komiat (Conj.) 28, 61S,
welche jedoch Misstrauen erregen, da sie selten sind und nur beim
Schreiber B erscheinen, dem oben (p. 155) auch andere falsche
0 &lX u nachgewiesen wurden ; andrerseits sprechen aber viele ana-
loge Belege für ihre Echtheit, so begegnen sie im Wolfd. D (Jä-
nioke p. 7), sehr häufig im Netz: 273, 362, 375 k(>mpt\ 3399
kompt : versompt u. a. neben kumend 492, kumm 529, 531 etc.;
ja auch in Hugo's Bregenzer Urkunde vom 9./10. 1405 steht
kompU so dass die Formen stehen zu lassen und als Beleg zu
nehmen sind für eine Beobachtung, die sich vielfach schon aufge-
drängt haben wird, dass nämlich Hugo in seinen spätem Gedichten
Formen gebraucht, die er in den früheren mied ; besonders gilt das
bei jenen, welche im Nhd. herrschend geworden sind.
Praet Die reimbelegte Form lautet ka/n (n = m, vgl. p.
166) : Aan 4, 85, daneben in der Zeile kam 5, 70 u. ö.; cJiam
38, 46; 5, 139 aber kam (vgl. Lexer I, 1668). Im Conj. nur
kern 2, 30, 54 u. ö.
dnnken zeigt imPraeteritum Indicativ dxmkh (= dimkhte^
vgl. p. 177) 5, 68; dünkte 25, 28; im Conjunctiv düchte 18,
56 (MG. p. 362) und dunkt 33, 32.
beginnen. Praet. begund 28, 35. Häufiger begegnet bei Hugo
die sonst seltenere Nebenform (MG. § 389) hegond 2, 37 ; hgond
28, 49, 314; 30, 59.
Diese Verba liefern ganze Musterkarten wechselnder Formen
alten, neuen und dialektischen Gepräges; eines aber ist noch be-
sonders hervorzuheben, dass nämlich auch hier, von ein paar zwei-
felhaften Fällen abgesehen, das thematische i nur im Conjunctiv
erscheint und zwar sowohl in der Gegenwart als auch in der Ver-
gangenheit. Im Praeteritum beweist i das Fortleben des ahd. Binde-
vocals; im Praesens aber ist es kaum der Nachklang des alten Po-
tentialsuffixes, das schon ahd. zu i geworden, vielmehr der Endring-
ling aus dem Conjunctiv des Praeteritums, wie umgekehrt die En-
dung ^ent aus dem Praes. Ind. in den Indicativ und Conjunctiv
des Praet. übergetreten ist. Hugo steht mit diesem Gebrauche
nicht isoliert; bedeutende Ansätze dazu vor ihm machte Heinzelin,
und auch nach ihm lebt diese Unterscheidung zwischen Indicativ und
Conjunctiv noch fort, so z. B. bei Zwingli und Tschudi (vgl. Pfeiffer zu
CSLXXXV
Heinz. ML. 425), ebenso haftet sie heute noch in der Schweiz
(vgl. Sohweizer-Sidler in Kuhns Zs. XUl, 384) und in Vorarlberg,
besonders um Feldkirch.
5. Sediiati«!.
a. Substantiv a.
Sing. M a s c. und N e u t r. Nora, ohne Flexion — Gen. es. Hugo
synkopiert e nach kurzer wie langer Silbe : gotz 4, 137; 2ö, 14;
wider gelte 1, 21; dbentz 8, 1; muote 14,43 neben gotee etc. — oder
lässt e stehen und wirft a ab in unstetes muote (: huote Acc.) 26, 25 ;
mms muote {: guote Dat. Sing.) 25, 167; auch des lüfte (igufte
Dat.) 5, 25, wie aus dem hsl. luft : guft herzustellen sein wird
(solche Genitive belegt AG. p. 413 nicht und p. 423 nur mit
einem Beispiele, ebenso MG. p. 425 nicht, p. 419 mit einem Bei-
spiele) — oder lässt den Stamm ganz flexionslos: eins steten
muot {xhuot Dat.) 5, 357; dines trüwen rät (: Mt) 3, 77;
süntlichs fürkoffen (: raffen Inf.) 5, 271; des bittern mer {lich
swer) 13, 1 (MG. p. 426 citiert dies Beispiel, aber irrtümlich als
mer: her); des liden (: miden) 13, 42; mins stoltzen üb {: wib
Nom.) 25, 35; die almecJitikeü goit (: spott) 28, 501; 33, 81;
des Mmelrich (: gelich) 28, 613; eines' gnedigen ergetzen {: setzen)
34, 6. Daneben erscheint das Gen. -» dreimal gegen den Reim:
von gnaden gots (: dn spät) 19, 14; dins guote (: muot Acc.)
28, 326 ; eins selgen Ubens (: geben) 30, 69, wo aber, da wir
wissen, dass die Schreiber, besonders B, öfters gegen das Original
verkürzte Formen completierten , ohne Schwierigkeit reiner Reim
hergestellt werden könnte, zumal diese Genitive auch bei andern
alem. Dichtem und in Urkunden begegnen. Schon die AG. führt
p. 413 und 423 etliche Belege an, wozu ich erg. : aus Netz des
guoten tag (:lag) 862, dins schMes Hb (: wip) 2220; Brant des
buoch (: suoch) 110», 2 und öfter (vgl. Zamcke 282i>); in der
Lindauer Urkunde vom 30./6. 1375 (Arch. I, 3, 112—115) steht
consequent im Gen. nur des eirb (== erbes). — Die Flexionslosig-
keit bei inins vater sei 27, 209 wie sins bruoder in Hugo*s Urk.
vom 2773. 1422 (vgl. Auszug in Abh. I, 76) hat nichts beson-
deres, obgleich jetzt auch in diesen Patronym. wieder das Gen. -s
häufiger zu werden beginnt.
ölxxxvt
• Der Dativ hat e : muote : gnote 6, 6, das aber nicht nur
iiach kurzer, sondern auoh nach lang^ Silbe unbedenklicli abge-
worfen wird : ze unmuot 7, 13; uff wäg 13, 1 eta (s. p. 149). —
Im Accus. Neutr. hat ein alter ^'a-Stamm e erhalten: mere (:Sre
Gen.) 18, 224. Unechtes 4 in heüe {: ze teile) 37, 49; auch /^r
nickte 29, 2; 32, 150 (s. p. 153), ebenso im Masc. : den muote
(: ze guote) 6, 28 und wahrscheinlich auch hdre 22, 24 (vgl.
Abh. V, p. 202).
Das Femin. zeigt durch alle Oasus sowohl die vollen als
apok. Formen, die letztem häufiger : varw 5, 59 ; mdzz 6, 35 ;
saeh 7, 3; eümm 16, 13; fröd (DdX) 13, 9.
Auffallend ist die analogische Flexionsbildung in ritterscheft
(Nom Sing.) : hreft (Dat. S.) 2, 28 (s. p. 151), ebenso der Gen.
auf-« : uff strassee pan' 2, 92; durch er des gruff 12, 14; vgl
dazu Reinfr. vorhtes zitier 10093, aumder vorhtes haz 10305.
Jänicke dachte (Zs. f d. A. 17, 508) an wirklichen Geschlechts-
Wechsel, ebenso Lexer (im Wb.), und hrdhtes : dhtes Reinfr. 3752
mit den in AG. § 274 — 276 beigebrachten Belegen gab fQr
diese Ansicht die nötige Unterstützung; wahrscheinlicher aber ist
es doch, in den beiden Fällen aus Hugo und Reinfr. den Ansatz zu
den nhd. Gompositionen wie «Liebeswahn ^ „ Flammeswut ** u« dgl.
(vgl. Jeitteles, nhd. Wortbildung 90flF.) zu erblicken; bei Hugo freilich
steht sogar des strasees, aber des wird durch den Rhythmus negiert.
Der Plural der Masc. und Fem. hat nichts auffieillendes. In
allen Casus kann -e beibehalten oder apokopiert werden, doch haben
bei den Masc. die apokopierten, bei den Fem. die vollen Formen
das Uebergewicht Der Nom. und Aca Plur. der Neutra ist
nach der Regel ohne Flexionsendung, aber unechtes e (AG. p. 424)
steht in die wihe : Übe (Dat Sing ) 38, 36 und in die rosse (Acc.)
2, 112. Seltener wird der Plural durch das Stammelement -^
gebildet : Wörter 28, 236; im Gen. der pender 6, 17; der löber
11, 41. Auch im Dat. hUttem 38, 13, 30; hüsem 34, 44 neben
den häufigem wihen 25, 143; lieden 31, 177 etc.
Besonders hervorzuheben ist, dass auch im Dat. PI. -n und -en
abgeworfen wird (p. 165) : mit gelider (: dawider) 25, 100; mit ris
von bomen 5, 96 ; wib und och den mannen 1 8, 246 ; sunne :
wunden 13, 52; daher wird auch 30, 93 : got hat uns geben^ wib
und man (: daran) anzufahren sein, da dem Montforter in dieser
yarbjndung sonst wiben und mannen geläufig ist z. B. 18, 118.
CLXXXYH
Im zuerst und aus 13, 52 aufgeführten Falle hat der Schreiber frei-
lich wieder n angesetzt und den Reim verdorben, und AG. belegt die
Apokope nicht ; vgl. aber bei Sachsenheim mit kostlich claider M
643, mit madster M. 975, mit Arisai^ wepner 1401; mit süben
sail 1179, zuo baidm tail 2539, von zwerg {'.herg) 3804, uf
bergen und in tal T. 386, ein wib und mannen M. 737 (Martin
zu 643); Netz allen kind(£n) : sind (sunt) 12523 u. a.; Brant mit
sechsz füeaz 110*, 129; mit stein (Plur.) 42^ (Zarncke p. 282).
Eigene Behandlm\g verlangen die Nomina mit voc. Decl. (nicht
consonanitißQher, vgl. darüber Heinzel, altn. Endsilben 403 ff.), welche
von Adjectiven hergeleitet sind und Eigenschaften bezeich-
uen. Im Gemeindeutschen sind sie zu dieser Zeit schon lange in
die A-Classe der st. Fem. übergetreten, während Hugo noch eine
Reihe alter Formen bewahrt hat, so dass sich daraus die ganze
Declination des Singulars zusammenstellen lässt. Nom. Üebi 15,
41; 18, 53, 74, 78, 266; 19, 7; 20, 39; 38, 46; sch&ni 18,
115; grössi 28, 605. — Gen. liebi 18, 90; wirdi 28, 712. —
Dat. mitü 21, 21; röti 5, 41; liebi 18, '87; 19, 15; 34,
2; 36, 12, 16; schönt 18, 109; 28, 411; gueti 26, 54 — Acc.
gueti 3, 34; liebi 18, 105; 28, 590; lengi 18, 236; 26, 15;
27, 116; 31, 63, 246; ivirdi 27, 14; 30, 60. Daneben er-,
scheinen auch hier wieder die starken Apok.«oA^n 10, 16; 28,414
u. a, welche MG. p. 439 nur dem bair. Dialekt zuschreibt.
Deminutiva bildet Hugo durch -elihelsel 21, 12; hüsel
25, 2; durch -lin : töchterlin 5, 11; fuessUn 21, 27; stüiUn 23,
39; kindUn 32, ^0, und mit Apokope des n die dialektischen
minneliedli 3, 8; ephelli 3, 27; wengli 5, 36; mündli 5, 40;
16, 33; zenli 5, 42; 16, 35; helsli 5, 45; nekli 5, 4b;glöggli
8, 8; bluemli 16, 17, 21; bnewli 16, 37; büchU 21, 22; nar-
renschuecMi 28, 380; vögelli 29, 13, aber keinen Fall im Reime;
doch sind Reime dieser Art überhaupt selten. Boner z. B. hat nur
einen (Schönbach, Zs, f. d. Ph. VI, 253), ebenso die Virginal
(Zupitza, Einl. p. 16), Flore sechs (Sommer zu 1321).
Häufig zeigen die Substantiva Schwanken zwischen starker
und schwacher Flexion, besonders treten die Feminina auf e gern
in die schw. Declination über.
Masculina. rim (stm.*) 31, 158 darzuo die rimen mes-
') Di9_ Jße^cluiaiig in den KUmmom ist aus Lexer genommen.
CLXxxvm
sen, stam (stm.) 2, 19 in irs hertzen stammen {: flammen Dat
^ PI); 18, 62 in mangem stammten (: ammien Dat. S.)-
Feminina, erde (stswf.) 5, 342 in die erden leit; 11, 17
uff erden (: sterben 18, 106'; 25, 195 (vgl. p. 172) zffwerden 32, 29:
verderben 1, 46 ; dagegen ist es st in 36, 15; 37, 9 etc. — froede
(stswf.) 7, 5 nit f roden bringt. Jdüs (stswf.) 2, 21 in mines
hertzen klusen (: behtisen). mdze (stf.) 21, 28 uss der mdssen s.
auch 31, 110; aber 28, 295 vss diner sinne mobsz (: erldsz).
ruowe (stf.) 18, 22 heü si zwar nicht ruowen viL schände (stswf.)
29, 40 0 pfuch der grossen schänden (: landen), stde (stswf.) 22, 40
zmsser siden (: liden), strdze (stswf.) 28, 224 du buwst ein irre
Strassen (: abelassen)^ dasselbe aaoh 31, 36; dagegen ist es 4, 92
stark : das dti zwölf strasze machtest (vgl. darüber Sommer zu
Flore 2961). summe (stswf.) 8, 20 vor der sunnen. wi{e)ge (swstf.)
28, 320 in einer wiegen (: betriegen); aber 18, 63 in einer wieg
(: krieg), veder (stswf.) 4, 30 die vedren (Nom. Plur.).
b. Adjeotiva.
Der Nom. und Aco. der st. Masoul. begegnet flexionslos : ein
sölich sin 14, 29; min willig dinst 26, 1 ; die trueg kein solichen
helt 5, 99 — neben den synkopierten einn suessen don 16, 29;
einn steten muot 18, 113; minn wiüen 19, 22; 20, 21. Auch
in der schw. DecL wird -en abgeworfen : durch dinen herten willig
tot 12, 23.
Der Gren kann e synkopieren : mins 8, 14; eins 14, 44 — der
Dat die ganze Endung sikiwetiefiimit gMlich sinne 25, 140;
u^s ewig n6t 32, 112.
Nom. Sing, der st. Femin. -/w, das nur in wenigen Fällen er-
halten blieb (vgl. p. 153), dafür erscheint aber auch i : liebi dim
3, 4; gerechü sit 13, 56; grossi buoss 18, 196; ich armi (sub-
stantivisch) 25, 45; wolgerdtni S 28, 300; edlü^ stoltzi tragt
28, 413; gerechH ler 28, 439 — häufiger jedoch «, das apokopiert
werden kann: kein schlichte 29, 4; gross sünde 24, 127. —
selig zit 3, 50; gross wunn 29, 53.
Im Nom. und Acc Sing, des Neutr. durchweg es (vgl. p. 162),
nie mehr ez, das ebenfalls apokopiert werden kann : ein suess ge-
dön 29, 3; ein wankel wib 25, 36; ein biderb wib 37, 9, 55.
Im Nom. und Acc. Plural des Neutr. erscheinen wieder die i = iu wie
im Nom. Sing, des Femininoms : suessi wort 24, 5f 98; stwrki
GLXXXIX
mer 28, 111; guoü buoch 29, 91; liebi wort 29, 3; speM wort
31, 26; in geaehendi ogen 5, 266; 32, 94.
Ueberblicken wir die i in der Nominalflexion, so ergibt sich,
dass sie Hngo auch hier wie bei der Gonjagation in ganz bestimm-
ten, charakteristischen Fällen gebraucht: bei den Deminutiven auf
"1% bei den Substantiven nach managt und für die Adjectiven-
dung-m : also überall nur da, wo ein alter I-laut zu Grunde liegt ^).
Das ist wichtig genug; denn dadurch wird nun ohne weiteres ausge-
schlossen, bei Hugo von einer « mundartlichen Färbung des irratio-
nalen e'^^ oder einer „Verdünnung des e za i*^ zu sprechen, wie
man gewohnt war. Die Beobachtung ist sicher, das zeigt sich noch
besonders deutlich im Nom. und Aco. Sing, der femin. Adjective :
wäre i nur die «mundartliche Färbung des Endungs-^", warum er-
schiene es dann nur im Nom. und nicht auch im Acc, wie es bei
den Nentris in beiden Casus erscheint?
^) Die einsige Ansnahme macht zeniehH 28, 323; 33, 7, vo falsche
Analogie, Tielleicht anch AssimilatioD gewirkt haben kann.
V. METRIK.
^Wie für die ▼issenseÜaftlicfae Behandlung delr Sprachge-
schichte dieses Zeitraums bis jetzt so gut wie gar nichts ge-
schehen ist, so liegt auch noch die Greschichte der Veränderungen,
welche in ihm die alten metrischen Formen erlitten haben, völlig
im argen. Man wird hier gleichfalls erst den Vers- und Rei'm-
gebrauch vieler einzelneU Dichter, so wie die Art, wie sie in
unstrophischen Gedichten die Zeilen an einandergereiht, in strophi-
schen zu wiederkehrenden Gliedern zusammengefasst haben, er-
forschen müssen, bevor man zu allg^meinern £rgebnissen ge-
langen kann ; und diese werden sich dann gewiss wieder sehr
mannigfaltig von einer noch immer anerkennenswerten Hohe der
Kunstübung bis zur äussersten Tiefe des rohen Handwerks ab-
stufen^. Koberstein LG. I^ 281, 2.
1. AUgemeines.
Wie bei der Sprache, so bleibt auch bei der Metrik das Mhd.
Ausgangspunkt der Untersuchung; aber nur Ausgangspunkt, nicht
Regulativ : denn wie die erstere sich vielfach geändert hat, so wird
es auch bei der letztern geschehen sein. Und dass Hugo selbst
Fehlerhaftigkeiten seiner Verse entschuldigt, kann nur noch mehr
zur Vorsicht mahnen; zeigt andrerseits aber auch, dass er die da-
maligen technischen Kunstregeln kannte : wie wäre er sich sonst
seiner Fehler, welche vorzüglich der Zeitmangel verursachte (31, 157),
bewusst gewesen? Ferner ergaben die beiden vorausgegangenen
Abhandlungen, dass die Verderbnisse der Schreiber sich nirgends
zu weitergehenden Umgestaltungen versteigen, sondern nur durch
Flüchtigkeiten und ihre verschiedene Mundart herbeigeführt werden.
Das ebnet der Kritik den Boden. Es handelt sich also darum,
die metrischen Gesetze Hugo's zu finden und die Mittel zu fixieren,
welche die Ueberlieferung bietet, um jene Verse, welche dagegen
Verstössen und verdorben sind, in ihre wahrscheinliche Ursprung-
liehe Gestalt zurückzuführen : es sind Apokope, Synkope, Ekthlipsis,
Inclination und Contraotion.
Die Apokopen ergaben sich in ihrem ganzen Um&nge schon
aus den Reimen (Abh. IV, p. 149), so dass hi^ genügt, darauf zu
Terweisen.
Erhaltene und durdi den Rhythnras gesicherte Synkopen:
vor 8 in eins 8, 9; 25, 130; mins 8, 14; sina 15, 97; dinä
17, 16. wngelimpfs 18, 127; lange 28, 335; gotz 30, 60; mmta
31, 217. behältst 22, 31; bindet 29, 92 (vgl. Abh. IV, p. 173 fif.
und 185 ff.) — vom allr 24, 16; einr 25, 184; 28, 71; dinr
10, 7; 14, 28; 23, 15; miwr 16, 46 — vor n : eina 5, 233;
18, 221; wenn 19, 22; 20* 21; gelagenn 32, 98. — Dann in
Jieilgen 18, 163; küng 30, 33; römschen 17, 37; dran 28, 586;
meng 7, 28; 16, 25; menklich 33, 15; nachtgaü 15, 166;
ßissklich 6, 24; gewaliklich 33, 30, weswegen 29, 113 ohne
Anstand üppklich gebessert werden konnte, zumal solche Härten
auch in den al. ürk. erscheinen : Arch. I, III, p. 133 (23./6. 1388)
ledklich; p. 137 (6./9. 1389) ewkUcJi, flisskUch; dazu Netz 7715»
7716 uppkUch
Besonders stark sind die Synk. in den Vorsilben, ge^ vor l :
gümpf 10, 31; glich 23, 31 auch 1, 60; 4, 160, 33, 127 u. ö.;
glust 18, 125; 24, 134, vor n:gntu>g IS, 149, vor r : gr echte
27, 88 u. ö., vor w : gwiasen 15, 154; 23, 9; gwirt 29, 172,
vor sigschrift 4, 90; gsach 18, 103;. 23, 30; getaU \% 4;
35, 3^ vor t:gticht 1>^, IS9, Yorfigfid 25, 23. — be^ vor gibgier
17, 9; 24, 134; bgond 28, 49, 314; 30, 59, vor k : ftfcam 16,
1; bkent 16, 73; 17, 20; 18, 148 u. ö.; bkenn 23, 27, vor
h : bhalten 15, 141, vor-« : bschUessent 23, 16 ^ 26, 12; bschiht
15, 155; bschah 24, 122 und selbst vor f, d : btütz 24, 120;
bdör/t 20, 20. Ueberblickt man die letztern Synkopen, so zeigt
aicfa^ dass die härtesten derselben sich= nur beim Sobreiber B finden,
was Misstrauen gegen sie erweckt, welches dadurch nur gesteigert
werden kann, dass.derselbe auch 22, 31 wahrscheinlich gegen seine
Vorlage bhaltst gekürzt hat; dazu kommt nooh, dass die schwersten
Fälle in der ersten Hebung stehen. Weinhold hat daher, vielleicht
nicht unrecht getan, wenn er 16, 1 lieber zweisilbigen Auftact
{mir bekam) als das übeilief^te bkasn in den Text setzte; in
keinem^ Falle aber darf man bei der Textoonstruotaon die in der
Hs. gezogenen Grenzen überschreiten»
cxcn
Ekthlipsis (MG. 144) : sfm {-=^ sineme) 1, 17; 29, 160;
cUm 30, 43; mim 18, 262; eim 6, 23; 28, 188; ffUt, Hat, säst,
treit, seit u. dgl. m. (Abh. IV, 173 ff.).
Proclisis : von ze in zUeb 25, 61, des Artikels dhant 18,
157; dwelt 27, 36.
Enolisis von es (ez) : magsb^QS; hdtz 5, 121 ; hands 13, 5;
hoste 28, 129 — von si (sie) : woltentz 4, 144; werdentz 4, 148;
mrs 18, 172; lagente 24, 56; wass 21, 24; habs 37, 52 —
von dem : am 11, 29; 15, 75 etc. — von daz : anz II, 31; widere
31, 42.
Contraotionr^Ä« 15, 1; 17, 51; dast26j 84; zem 16, 70.
Es sind also lauter Mittel, welche schon im guten Mhd. ge-
bräuchlich waren, und nur der Umfang derselben, besonders der
tSyn- und Apokopen, hat sich erweitert, was teilweise mit der
sprachlichen Veränderung zusammenhängt (vgl. Abh. IV, 148).
Bei der weitem Untersuchung über Hugo's Metrik stelle ich ge-
wöhnlich die Lieder voraus, weil sie sorgfältiger gebaut sind: diese
wird Hugo auch zunächst im Auge gehabt haben, wenn er 31, 25 sich
vom Priester anrufen lässt : du hast mit silmen, rim,en cluog gojr
spehi wort getickt Ihnen lasse ich die correcteren Reden in
Reimpaaren (Nr. 1, 2, 4, 5, 14, 25) und in der vierzeiligen Strophe
(16, 17) und diesen die übrigen Reden und Briefe folgen«
«Der Vers wird nach Hebungen gemessen **, lautete die alte
Regel; der Hebung kann, muss aber nicht eine Senkung folgen:
Idnc^ schdrfy gr&z^ brüt Iw. 599 ist ein tadelloser Vers. Man
weiss, wie in der folgenden Zeit die Senkung nicht nur in der
Lyrik, sondern auch im Epos grössere Beachtung fond und sich
allmählich das neue Gesetz der Silbenzählung ausbildete,
welches im 14. Jahrhundert wiederholt als Richtmass der Dichter
betont wird. Bekannt sind die beiden Stellen bei Hesler (Bartsch»
Germ. I, 194 ff.) und Jeroschin (Pfeiffer, Beitr. zur Gesch. der
md. Sprache und Liter, p. 37) ; vgl. ferner Suchenwirt 21, 5 der
ich zu lichten hwa gedmht . . . der silben zall, der chunsten
grünt; Hugo 2, 132 der silmen zal^ der stunden zil der mag
ich nit gewalien.
Die Doppelseitigkeit dieses G-esetzes der Siibenzählung ist
leicht zu erkennen: jeder richtige mhd. Vers mit Hebung und
Senkung entsprach ihm, aber ebenso auch eine Zeile wie anfdng.
CXCIII
mittA und auch das 4nd (Sachs) oder in teuffls gstallt dJn
altin anficht (Ayrer) ; nnd doch liegt da«zwischen der grosse
Sprung von jener guten zur verdorbensten Verszeit. Das charakte-
ristische Merkmal ruht in einem anderen Gesetze, welches das der
Silbenzählung begleitet ; je nachdem die Dichter dieser üebergangs-
zeit dasselbe beachten oder nicht, scheiden sie sich in zwei Gruppen,
deren erstere noch zu den mhd. Dichtern hinauf, deren letztere zu
den Meistersängern hinabweist. Den Meistersängern sind alle
Silben gleichwertig, jede kann in der Hebung oder Senkung stehen:
sie messen nicht mehr, zählen nur — während die andern
neben der Zählung auch noch die Silben unterscheiden und von
Länge und Kürze sprechen. Hier ist der Punkt, wo alle Dichter
des 14. und der folgenden Jhde. zuerst angefasst werden müssen.
Dass Hugo zu den bessern gehört, ergibt schon sein eigener
Ausspruch in der angeführten Stelle (2, 132), welche für seine und
seiner Zeitgenossen Dichtungsweise bemerkenswert ist: der stunden
zil kann nur auf Zeit-, also Länge- und Eürzemessung deuten,
was 15, 163 ist daran icht zerunnen die leng^ die hürtz direct
bezeugt. Dass aber Länge und Kürze nicht nach der grammati-
schen Quantität der Silben, sondern nach der Wortbetonung ge-
schätzt wurde, ist vorauszusetzen, denn zur Quantitätsmessung fehlte
jeder Anhaltspunkt : über Hugo's Grab war schon lange Moos ge-
wachsen, als sie die Humanisten zu übler Stunde in Deutschland
importierten ; nur in vereinzelten Fällen hatte die gramm. Quantität
auch im Mhd. Bedeutung, vor allem im zweisilbig stumpfen Heime
und bei der entsprechenden Verschleifung in der Zeile, die ich zu-
nächst behandeln will.
In Abh. ly, p. 147 wurde nachgewiesen, dass zweisilbige Reime
mit kurzer Paenultima klingend gebraucht werden wie die mit
langer. Hier müssen die andern Fälle zusammengestellt, muss der
Umfang bestimmt werden, in dem dasselbe geschehen ist ^). Die
Verse 6, 10, 39 brachten oben aus der Metrik den Beweis für
die neue Dehnung kurzer Bedeutungssilben; vergleicht man femer
16, 65 — 68 mit den umliegenden Strophen, so ergibt sich gleich-
falls, dass beschuhen : jehen ebenso klingend stehen wie besten :
*) Die Reden und Briefe mit Titurelstrophen lasse ich yorläufig ausser
Acht, da sie für diese Beobachtung zu wenig sichere Anhaltspunkte bieten,
wie sich später zeigen wird.
Waokerne 11, Montfort. ^^
CXOIV
ffestm 70, vertrihm : schiben 74 etc.; dasselbe zeigen alle drei-
mal gehobenen Verse mit kurzer Reimpaenultima neben viermal
gehobenen; es sind folgende Fälle: der gedehnte Stammvocal ist
e in leben : vergeben 5, 363; 6, 10; 25, 127 : eben 29, 129:
gegeben 25, 181; eben : geben 6^ 23; pflegen : geben 25, 53;
pJUegen ; engegen 5, 261; regel : wegen 29, 154; verjehen :
eehen 5, 33; sehen : bescheiden 6, 39 : brehen 16, 34; beschehen:
jehen 16, 66. Der Stammvocal ist
a in sagen : dagen 5, 175: tragen 37, 17 — oder
0 in Zobel : o6ew 2, 121 ; toben : loben 5, 15 — oder
e in herwider : gevider 2, 83; beliben (Part.) : vsgeschiben 5,
65 und o/rtiTcel : stihel 4, 9 — oder
u in tugent : jugent 4, 77. Dazu kommen noch die Reime
zwischen kurzem und langem Vocal in der dreimal gehobenen Zeile :
auf i in schiben : siben 4, 75 — auf
0 in toren : verloren 4, 153; komen : bdmen 5, 95 — auf
e in i&^m : Sren 25, 117 : fe^rm 7, 18. Es sind also im
ganzen 47 Fälle, von denen die meisten auf e und, auf den Aus-
laut der Stammsilbe gesehen, auf h oder einen tönenden Oonsonan-
ten fallen, nur einmal steht k; vgl. dazu Wiimanns' Zusammen-
stellung der ähnlichen Reime aus der Virginal (Zs. f. d. A. XV,
295 fif.), welche dasselbe Ergebnis liefert.
Den aufgezählten Reimen gegenüber stehen aber die Strophen
und Reime, welche das Fortleben der mhd. Regel beweisen wollen.
In 17, 21—24, 25-28; 16, 25—28 erscheinen geben : leben,
sagen : wagen, gebogen : versmogen in mhd. Weise als zweisilbig
stumpf; dafür sprechen auch alle andern viermal gehobenen Verse
mit kurzer Reimpaenultima neben denen mit einsilbigem Stumpf-
reim. Im ganzen sind folgende Fälle zu verzeichnen : der Stamm-
vocal ist
e in geben : leben 4, 49, 57 ; 5, 229; 17, 14, 22; 22, 9; 25,
19, 157; 29, 10, 34, 94. — leben : eben 5, 131 -.widerstreben
5, 267. - leben : underwegen 29, 65; eben : wegen 29, 157. —
phlegen : segen 2, 89. - gesehen : jehen 5, 133; 29, 22 x be-
schehen 5, 137; 29, 53; bschehen : jehen 4, 125. — gelesen:
gewesen 29, 89 : wesen 5, 205. — Der Stammvocal ist
a in sagen : tagen 5, 385 : wagen 17, 26;
0 in komen : vemomen 4, 89; 5, 129; 29, 6. — gebogen :
tmversmogen 4, 159; 16, 25;
OXÖV
i in usBgeecMbm : beliben (Pr.) 5, 49. — da/widef : gelidßr
25, 99. — Umeliimer 29, 70. Das sind also .66 Fälle; die
ineisten wieder bei e, gar keiner bei u, freilich sind solche Reime
überhaupt seltener.
Die aufgezählten Reime führen zur Annahme, dass das mhd.
Gesetz fortlebt und dass die Wörter mit ursprünglich kurzer Stamm-
silbe von denen mit ursprünglich langer noch quantitativ, viel-
leicht auch qualitativ verschieden seien; doch wird die Sicherheit
dieses Schlusses von einer andern Erscheinung durchkreuzt. In der
Strophe 17, 13 — 16 erscheinen die klingenden Reime verleiten :
bereiten ebenso in der viermal gehobenen ^eile wie gegeben : Üben.
Solch vierhebige Verse mit echtem klingenden Reime sind — auf
e : gedevikhen : eenicen 4, 35 ; senden : wenden 5, 381 : nen^
den 29, 113. verderben : sterben 4, 15 : werden 29, l4l. leiten i
besten 5, 165; gessen : messen 29, 25 — auf
a : gallen : umbwallen 29 , 161 ; vcdlen : ballen 29 , 169 ;
behalten : walten 29 , 173. sacken : waxihen 29 , 125 : macheh
29, 178. gestanden : banden 29, 90 — auf
0 : Orden : verdorben 29, 149, 153 : Äorrf^ 29, 165. unr
verdrossen : vergossen 4, 145 — auf
i : beliben : schiben (Inf.) 5, 79. timpten : gerimpten 4, 25 — auf
ie\ ziehe: liege 29, 137 — auf
ei : verleiten : bereiten 11 y 13. — leisten : verHeissen 29, 17, 77.
Auch die Reime mit kurzem und langem Yoc. oder geniin.
Gons. in der viermal gehobenen Zeile gehören hieher : getragen :
wägen 5, 75; iren : weren 25, 117 ; Jherren : werren 5, 223, 249 :
im ganzen 50 Fälle.
Wo bleibt nun die Gewähr, dass in den vierhebigen Verseo
mit kurzer Paenultima zweisilbig stumpfer Keim fortlebe, wenn auch
die alten klingenden unter denselben Bedingungen erscheinen ? Frei-
lich stehen diesen 50 Belegen 394 klingende Reime nach ailter
Weise in der dreihebieen Zeile gegenüber.
Allein auch sie lassen aus den vierhebigen Versen mi£ (mhd.)
kurzer Reimpaenultimä nicht so ganz ohne Resierve auf das Foiileben
der alten Kürze schliessen, wie die dreihebigen für die eingetretene
Längung. Doch tritt hier die Verschleifhng in der 2eile ergfilm^nä
ein: auch noch bei Hugo werden kurze Stammsilben, denen ein-
facher Gonsonant und unbetonies e (resj[l. i) folgeiä, m ißi Hebcmg
versohleift : edel gestdm 2, 12, frowe m 74» solieher 107 ; 5, 99 ;
CSXCVI
ffeachriben mit 4, 26; oder in 4, 78; Üben dn 4, 173; nemen uf
5, 83; Bolichen 5, 99; gweaen ein 5, 388; haaen gevdngen 7,
29; wider ze 8, 13; gsehenden 11, 38; maget die 12, 25; iiibel
bewdr 12, 26; söHcher 13, 32; eiten bedenken 14, 16; habint
got 25, 83; vögelli 29, 13; globen und 29, 174; homist her/n
28, 618 etc Hier zeigt sich also gleichfalls der Fortbestand der
kürzen betonten Stammsilbe und des mhd. Gesetzes.
Es erübrigt nun, die bei Hugo gemachten Beobachtungen mit
der Metrik seiner Vorgänger und Zeitgenossen zu vergleichen, um
wo möglich allgemeinere Resultate zu gewinnen.
r ^ Beispiele für den klingenden Gebrauch zweisilbig stumpfer
Reime finden sich auch in guter mhd. Zeit, doch nur vereinzelt
und ausnahmsweise; vgl. Koberstein LG.^ 285; Grimm, Gr. I^,
459; Kummer zu Wildonie 315. Der eigentliche Beginn derselben
fallt in die Uebergangsperiode und ist das Kennzeichen der neuen
Stufe in der Sprachentwicklung (s. Abh. IV, p. 146). Schon bei
Fleck wie bei Heinrich v. Türlein lässt eine nicht unbedeu-
tende Anzahl von Reimpaaren vermuten, dass sie zwei verschleif-
bare Silben für den klingenden Vers brauchen (Sommer zu Flore
43). Dasselbe ist sicher im Wolfdietrich D (Jänicke, Einl.
p. 10). Viel häufiger begegnen solche nhd. Reime in der Vir-
ginal, es sind 257 Fälle, während in den übrigen noch die mhd.
Regel fortlebt (Wilmanns, Zs. f. d. A. XV, 296). In der Martina
stehen die nhd. klingenden zu den mhd. stumpfen wie c. 1 : 12 (sie
mehren sich besonders in der zweiten Hälfte); Staufenberg hat 7
klingende (Jänicke zu 233) neben 35 stumpfen, Hadlaub aber
72 klingende zu nur 7 stumpfen, in der Zeile jedoch noch viele Ver-
schleifungen. lieber den grossen Umfong der nhd. Dehnung bei
Jeroschin vgl. Pfeiffer p. 38 und Bartsch, Germania I, 201;
doch können Verse wie 1, 265 so wü ich hundin dn dem dr/ten^
wt urlöugit vnd geetriten etc. auch bei ihm noch für den mhd.
Gebrauch sprechen. Bei Hadamar sind alle Reime klingend ge-
worden, und nur in der Zeile ist das mhd. Gesetz bei der Ver-
sohleifung noch ersichtlich : 293, 2 abnemender minn buddere;
208, 7 tegelichen; 302, 2 volkomenz^ ich habe 5 Fälle verzeich-
net^), während bei dem spätem Verfasser des Gedichtes auf Lud -
^) Der neue Herausgeber Agt (Ein!, p. 32) : ^wie Hadamar überall und
OXOVII
wigden Baier dasselbe im Reim and Vers noch yorhandea ist
(vgl. Stejskal, Hadamar p. 34 f.). Bei Bon er habe ich keinen
einzigen verschleifbaren Reim in einem dreihebigen Verse gefanden,
er hält sich noch durchweg an die alte Norm, und auch bei Su-
chenwirt überwiegt die mhd. Reimweise über die nhd. bedeutend
(Koberstein I, 12); beide brauchen auch die Verschleifung in der
Zeile uneingeschränkt BeiHalbsuter (s. altd. Stud. 60) stellen
sich 10 nhd. klingende zu 8 zweisilbig stumpfen, während bei
Hugo das Verhältnis umgekehrt steht, und die alten zu den neuen
sich wie a 3:2 verhalten. In den unechten Gedichten 39 und
40 stehen 3 Paar verschleifbare im vierhebigen Vers gegen 18 echt
klingende im ebenso oftmal gehobenen, so dass das Fortleben der
Verschleifung nur mehr in der Zeile sicher ist. Beim Mönch von
Salzburg (ed. Ampferer) sind die Verse mit kurzer Reimpaenul-
tima immer so oftmal gehoben wie die mit langer. So begegnen
im lauda Syon^ im pange Ungua und im stabat mater 28 alt-'
klingende Reimbindungen neben 7 mit kurzer Paenultima und 4
mit verschiedener Quantität : alle sind gleichmässig viermal gehoben.
Im veni Creator und ave Maria sind alle zweisilbigen Reime,
gleichgültig, ob sie kurze oder lauge Stammsilben haben, dreimal ge-
hoben : die alt- und neuklingenden waren ihm also offenbar gleich-
wertig; in der Zeile aber gebraucht er Verschleifung. Genau auf
demselben Standpunkt steht auch Laufenberg ^), nur sind bei
ihm auch die Verschleifungen im Gontexte noch seltener gewor-
den. Das Netz gebraucht zweisilbe Reime in drei-, vier- und
auch mehrhebigen wilden Versen, mögen sie nun kurze oder lange
Paenultima haben; im Contexte aber wird noch Verschleifung zu
erkennen sein , denn damit werden sich Verse wie 1096 damA
man Swig Üben sol g{e)w{nnen^ 1171 du sprichst ^ du habest
mirs dll gendnt^ 2939 mr Ugent den höuptem in den 6ren etc.
am natürlichsten lesen lassen. — Sachsenheim hat in den Ge-
alles auf die Spitze treibt so auch dieses. Ein Minimum ron Ausnahmen ab-
gerechnet, begegnen uns bei ihm nirgends mehr, weder im Reime noch inner-
halb des Verses, zwei Silben, die durch SilbeuTerschleifung zu einer einsilbigen
geworden wären^. Stejskal gibt leider kein Zahlenrerhältnis an, ich fand 5
Verschleifungen in der ZeUe, aber keine im Beime.
*) Hier wie immer, wo ich Laufenberg nenne, sind selbstrerständlich seine
Lieder gemeint, welche seit dem Untergange der alten Strassburger Bibliothek
meist nur mehr im II Bande ron Wackernagels Kirchenlied erhalten sind. •
oxovm
dichten mit vierhebigen Zeilen nnr 11 versohleifbare, die aber keine
Gewähr geben für den Fortbestand der alten Regel, da aach die
echt klingenden nnr im vier-, nie mehr im dreihebigen Verse er-
soheinen; im gold. Tempel ferner sind aegel : regel 61, model :
roddWb^ zedeln: wedeln 119, wehen: achwehen \2b^we8en:zesen
139, hrehen : spehen 303, voUohen : tohen 357 : ohen 663, sagen :
tagen 361, ehen : Uhen 367, regen : gelegen 585 : pflegen 910,
sagen X getragen 615, 889, wider mider 679, 871, Jiahenihuoch^
stahen 709, segen : underwegen 759 nnr in dreihebigen Versen
wie die echt klingenden neben einsilbig stampfen in der drei- und
▼ierhebigen Zeile. Im Gontexte aber ist die mbd. Versc^leifong
noch sicher, wenn anch sehr selten geworden.
Bei Brant endlich hat jede Verscbleifnng im Reipe sowohl
wie in der Zeile angehört: er misst nicht mehr, zählt nur die
Silben ohne Rücksicht auf Quantität oder Wortbetonnng (vgl
Zamcke p. 289).
Ich habe diese Belege ans einer vollständigeren Sanamlung,
die ich zu einem andern Zwecke benützen will, ausgelesen; sie
sind hoffentlich ausgiebig genug, um damit den ganzen Lauf dieser
neuen Entwicklung verfolgen zu können. Es ergeben sich folgende
Resultate:
1) Sie steht io Verbindung mit der neuen Sprachentwicklung;
das Grehör und die alten metrischen Traditioneo durpbkreuzten sich:
wie in der Aussprache die nun gedehnten Stammsilben mit den
alten langen zusammenfielen, so wurden sie auch in der Schreibung
mit einander vermengt
2) Die neue Bewegpng reicht mit ihreq ersten Anfangen weit
in die mhd. ZeU^ hini^of; i)i.r eigentlicher Beginn aber fällt in die
zweite Hälfte des 13. Jhds., wo die alte strenge Metrik, welche
d^ neuen Att entgegen war, zu erpiatten und den Widerstand zu
versagen beginnt: dal^er ist es bezeichnend, dass diese neul^oc^deut-
schen Reime zuerst in volksmässigen Dichtungen am häufigsten
auftreten.
3) Das neue Gresetz selbst ist nur eine Vereinfochung des
alten, eine Ausgleichung der Verschleifungsregel im Versinnem mit
der des Reimes. Im Mhd. hiess es: kurze Stammsilben mit fol-
gendem einfachen Gonsönanten und unbetonten e müssen im
Bfjwet können im V^se versclfleift werden — jetzt aber: sie
können im Versinnem wie im Reime verschleift werden oder
GXCJX
nicht Das ist also genau die Mittelstellung zwischen Mhd., wo sie
i. R. n u r stumpf, und Nhd., wo sie n u r klingend sein dürfen, und
stimmt zum Gesammtoharakter der Verskunst dieser Epigonenzeit,
in welchem dem Mhd. gegenüber die Einförmigkeit hervortritt.
4) Die beiden folgenden Besultate sind negativer Art. Man
hat die neue Reimweise mit Vorliebe zur Zeitbestimmung verwertet,
indem man schloss: dieser Dichter beachtet den mhd. Brauch
weniger als jener und ist daher jünger oder umgekehrt Alle diese
Schlüsse sind unbegründet: Hadlaub könnte ein Zeitgenosse Halb-
suters sein, Boner vor Hadlaub und Hadamar hinter dem Mont-
forter stehen. Bestimmungen dieser Art sind nur den äussersten
Grenzen nach gerechtfertigt: Hadlaub kann nicht in die erste Hälfte
des 13. Jhds., ebenso Hadamar nicht in die Mitte desselben (1253
Ins 1277 weite ihn Mone setzen), Stanfenberg nicht hinter Sach-
senheim gehören etc.
5) Ebenso unhaltbar sind die Schlüsse von dem ümfieing der
neuen Reimart auf irgend eine Heimat des Dichters. Hadamar
freilich konnte auf den Gedanken bringen, dass sie im Bair. früher
und häufiger als anderswo zu finden wäre; aber ihm steht der
einige Decennien ältere Hadlaub an der Seite und der ebenso viele
Decennien jüngere Suchenwirt gegenüber. Die Dichter dieser Ueber-
gangszeit stimmen nur darin Überein, dass sie mehr oder weniger
die neue Entwicklung bezeugen; im Umfange derselben aber waltet
freie Snbjectivität, je nachdem der einzelne mehr dem Gehöre oder
den an den altern Meistern gelernten Regeln nachgab; daher ist
Snohenwirt, dessen Versbau sich überhaupt noch ziemlich genau
an den mhd. ansohliesst (Kob. I, 3 — 5), einer der massigsten,
der Montf. besser als Halbs.; Hadl. einer der schlechtesten wie
in der Betonung; Ausnahmen gibt es auch hier z. B. Boner; aber
im allgemeinen fand ich die Beobachtung bestätigt.
6) Das unter 3 aufgestellte Gesetz dauert bis gegen das erste
Viertel des 15. Jhds.; von hier an erst geht es rasch und ohne
Ausnahme dem Nhd. entgegen. Bei Laufb., in dem Netz und der
Moer. haftet die Verschleifung der Stammsilben wahrscheinlich nur
noch innerhalb des Verses, nicht mehr im Reime; vier Decennien
spater ist sie anS' Vers und Reim vollständig v^sch wunden: Brant
braucht sie wfider da noch dort In dei: ZeUe scheint sie über^
haupt fester gesessen zu sein^ was besondew- ans Hadamar^ dum
auch, aus Netz, Mönch, Lanfb., Sachsenh« zui erkennen« ist;, fk^ilich
cc
dürfen wir nioht vergessen, dass uns für die zweisilbigen Reime
mit kurzer Paenultima früher der Massstab verloren geht und
zwar durch den Zusammenstoss derselben mit den echt klingen-
den in der vierhebigen Zeile.
Die Verlängerung der klingenden Verse um eine Hebung be-
gegnet schon in sehr früher Zeit, vgl. MS. Denkm. 32, 74; 33,
124; 35, 10; Lichtenstein, fiilh. v. Oberge p. 113; Lachmann zu
Iwein 772, 142, zu Wolfrum p. 14; Sonmier zu Flore 121; Kummer,
Herrand p. 7 ; aber sie war vereinzelt und ausnahmsweise (Kober-
stein LG. I^ 286). Auch hier steht der eigentliche Beginn mit
der neuen Spracbentwicklung im Zusammenhange ; denn Tonstärke
in den Bedeutungssilben hat das Verblassen der Flexions- und
Ableitungsilben auch bis zur gänzlichen Verstummung im Gefolge.
Gleichwohl erschemt die nhd. Längung und diese Beimart nicht
in übereinstimmendem Gebrauche; Dichter, welche jene haben,
verwenden keine überhebigen klingenden Verse und umgekehrt. So
begegnen bei Hein zolin keine verschleifbaren Reime klingend,
wohl aber 18 Fälle überhebiger kl. Verse (vgl. Pfeiffer zu ML. 75) ;
in der Martina aber die nhd. gelängten Reime und die über-
hebigen kling. Verse c. in demselben Umfange; Boner meidet,
wie wir sahen, die Längung verschleifbarer Reime, ebenso die über-
hebigen klingenden Verse, deren ich, von ein paar zweifelhaften
Fällen, wo durch doppelten Auftact, Verschleifung u. dgl. zu helfen
ist, abgesehen, nur zwei gezählt habe. Dagegen erscheint bei
Hadlaub, Staufenberg, Hadamar die Längung, aber kein
überhebiger kl. Vers, während Heinrich von Neustadt deren
eine bedeutende Anzahl aufweist, die nhd. Längung jedoch zum
wenigsten noch sehr zweifelhaft lässt (vgl. Strobl, Einl. p. 10);
zu ihm gesellt sich Lamprecht von Regensburg, der die
überhebigen klingenden mit grosser Vorliebe (im Francisc. 450, in der
Syon 482 Fälle) verwendet (vgl. Weinholds Ausgabe p. 21 ff.).
Jeroschin hat die überhebigen kling. Reime wie die Längung
ohne Rückhalt (vgl. Bartsch, Genn. I, 199), während sie der
wahrscheinlich jüngere Hesler meidet.
Diese Zusammenstellung wird lehren, dass man bei einem
Dichter dieser üebergangszeit , der überhebige kling. Verse ver-
wendet, nicht von einer . eigenartigen Manier * sprechen darf, viel-
mehr darin die hervortretenden Ansätze einer neuen Entwicklung
zu erblicken habe, auf welche einige gar nicht, andere nur zögernd
Od
und wieder andere sogleich und ohne Bedenken eingehen, ähnlich
wie das bei der nhd. Längung und bei neuen Bildungen fast immer
der Fall ist; denn eine ^ reine Entwicklung^, die oontinuierlich mit
den Jahren zu- oder abnimmt» existiert gewöhnlich nur in theore-
tischen Köpfen. Erst seit dem ersten Viertel des 15. Jhds. geht
sie rasch ihrem Ausgangspunkte zu, in weldiem wir Braut er-
blicken, dem das Gesetz galt: »alle Verse, seien sie stumpf
pder klingend, haben gleichviel (bei ihm vier) Hebun-
gen« (Zarncke p. 288).
Auch Hugo ist auf dem Wege zu diesem Gesetze, doch von
dessen Ausgangspunkte noch beträchtlich entfernt : es stellen sich 50
langstämmige, 66 kurzstänmiige zweisilbige Reime in der viermal ge-
hobenen Zeile zu 394 echt klingenden in der dreimal gehobenen.
Viel weiter gehen schon die unechten Gedichte Nr. 39 und
40, die 21 Paar langstämmige, 3 Paar kurzstämmige zweisilbige
Keime in der vierhebigen und nur 3 echt klingende in der:dreimal ge-
hobenen Zeile haben, während beim Tei ebner, der hierin seinen
Zeitgenossen voraneilt, klingende Reime in der vierhebigen Zeile
die Regel bilden (Pfeiffer, Germ. I, 377) *), und Sachsenheim
in der Möerin^) allen Versen mit zweisilbigen Reimen, haben sie
kurze oder lange Paenultima, vier Hebungen gibt ebenso wie denen
mit einsilbig stumpfen. Teichner steht also schon dem Standpunkte
Brants nahe, Sachsenheim in der Moerin hat ihn erreicht.
Auch der oben angedeutete Zusammenhang dieser Erscheinung
mit der neuen Spraohentwicklung zeigt sich bei Braut am deut-
lichsten : ihm ist es gleichgültig, ob er 2^ : Sr reimt oder Ure :
Sre^ gesprochen hat er das erstere, daher setzt er auch geradezu
Uriere 37, 23; meriere 16, 79 wie spa/renigam 39, 1 eta
Noch bleibt eine dritte Versart zu behandeln : die dreihebigen
Zeilen mit stumpfen Reimen, welche nach dem Mhd. vierhebig sein
sollten. Sie begegnen zunächst da, wo in zwei correspondierenden
*) Dass er dreimal gehobene klingende Verse gar nicht mehr kenne, wie
Pfeiffer a. a. 0. meinte, ist nicht ganz richtig, aber es sind seltene Ausnahmen.
') Der Tempel und die übrigen Gedichte entziehen sich in diesem Punkte
dor DiscussioD, weil sie in der dreihebigen Zeile sehr viele oinsilbigstumpfe
neben klingenden Reimen haben, so dass auch hier Gleichhebigkeit für beide
bestünde ; doch begegnen auch noch stumpfe Heime in der yierheb. Zeile, womit
der sichere Anhaltspunkt rorloren geht.
ocn
Reimen ein unbetontes « apokopiert worden ist: ler:er 1, 80;
minn : brirm t, 54; nUssetet : het 1, 58; Wid : send 25, 41, 75
etc. Dass diese Verstnmmelang aber nur den Schreibern zur Last
fällt, zeigen jene FUle, wo in den entsprechenden Versen die vollen
Formen erhalten blieben (besonders bei Ä), so 1, 48 guete : behuete^
dasselbe auch 1, 70; guete : ungemuete 2, 33, 49; muoteiJmote
25, 25 : gtu>ie 25, 167 u. a. ; dann vorzOglich die singbaren Lie-
der Nr. 6 ond 7, wo der Schreiber in der ersten Strophe muote :
guote 6, 8 richtig bewahrt, in den correspondierenden Zeilen 6, 22»
24 aber ste^: bei gekürzt hat, die gleichfalls klingend sein müssen,
ebenso wie wem : ^n 7, 2 n. a. — Reime dieser Art können also
sicher klingend gemacht werden.
Etwas zweifelhafter sind die Fälle, wo die grammatikalisch
volle Form des einen Reimwortes den Anschlnss eines unechten e
ii» andern verlangt: hre/t {DaX.) : rüter^cJieft 2, 28; gott (Dat.):
spptt 2, 55; 5, 371; hitz : ditz 2, 71; ü (Dat.) ; pMl 4, 10, an-
gencht (Dat.) : enwickt 181, rieh : gUch (Adv.) 18^ ; im : aüm
(D.) 5, 189'; ban (D.) : man 29, 150, t6t : not (D.) 105; daMn:
#tn (D.) 25, 9; weit (D.) igelt 25, 111, 169. Auch diese Reime
kikinen im Or. klingend gewesen sein; denn alem. Dichter wie Reinfir.,
Lanfb., Sachsenh. u. a. behelfen sich in ähnlichen Fällen sehr häufig
mit einem unechten e\ mit demselben Mittel hat Koberstein auch
bei Suchenwirt (I, 16) den Stumpfreim dreihebiger Verse getilgt; das
tFiobtigste fQr uns aber ist, dass die Hs. selbst noch Belege bietet,
nach denen Hugo durch solche e klingende Reime machte: 29, 2;
32, 150 steht nichte (Acc.) : schlichte ; 37, 49 heile (A ) : teile (D.) ;
38, 34 libe (D.) : wibe (N. PL), und 6, 26 ist sicher ze guote :
muote (N.) zu bessern, das der Schreiber wieder zu guot : muot
verstümmelt hat; auch 22, 22 stand wahrscheinlich furware : hdre^
6sk alle enti^rechenden Zeilen der übrigen Strophen kling. Reime
haben. Die zuerst aufgezählten Verse können also gegenüber den zu-
letzt genannten, nicht im mindesten beweisen, dass Hugo in seinen Lie-
dern und Reimpaaren dreihebige stumpfe Verse für vierheb. gebraucht
habe. Nach* Abzug derselben bleiben nur mehr zorn : verlorn 4,
289; gel : enel 5, 59; m^nevr : tenur 16, 10; hose : basa 29^
134; vemimet : hunst 4, 67. — Aber zoren : verloren wäre bei
der häufig gewordenen. Dehnung der Stammi^ilbe nicht zu beanstan-
de» leUst^r^.ist 4, 153 uqd^339 141 i^,tSren:verloren,mr\i]iQk be-
legt gel : enel 5« 59 könnten fleotiert gewesen, sein; schreibt man
CGHI
16, 10; 29, 184 0 undf, beseitigt 16, 12 daroh eteUeher die
Synkope und setzt 4, 67 die Artikel ein oder beseitigt die Apo-
kopen, so lassen sich auch diese Verse als vierhobig ansehen, nur
hat je der eine auf der ersten Silbe, welche ein eigenes Wort ist,
Hebung und Senkung, was bei Hugo und andern gleichzeitigen
Dichtem auch sonst vorkommt, wie ich alsbald zeigen werde. Im
erstem Falle wäre überdies auch mmsti/re : tmure (von menaiwra :
tmore) möglich. Allein selbst wenn diese Verse als nnoorrigierbar
angesehen werden, vermögen sie nicht über Hugo*s metrisches
Princip bei den nicht seltenen Fehlern, die ihm dagegen passieren,
einen sicheren Aufschlnss zu geben. Wie häufig z. B. erscheinen
diese dreihebig stumpfen Verse doch im gold. Tempel Sachsenheims,
wo sie zweifellos im Principe des Dichters standen, während sie
sich auch bei ihm in Gredichten mit der eigentlichen vierhebigen
Zeile, wie in der Grasmetze, nur als spätere Verderbnisse
der Schreiber heraussteUen (vgl. Martin, Ausg. p. 34).
Die Beden und Briefe mit den Htureistrophen haJben ihre
eigenen Regeln und Freiheiten und verlangen daher in diesen Puok-'
ten eine gesonderte Behandlung, die ich später versuchen werde.
t Khytkmiis.
a. Auftact.
Einsilbiger. Die guten mhd. Dichter hatten an dem Auftact
ein feines technisches Motiv, womit sie den Inhalt des Verses und
dessen Zusammenhang mit dem vorai^isigebenden zu plastificieren
suchten (Wilmanns, Walther p. 39 ff.). Der kunstloseren Zeit
Hugo*s ist diese Feinheit grösstenteils abhanden gekommen: sie
befindet sich auf dem Wege zu starrem Mechanismus, zu durchweg
jambischen oder trochäischen Versep. Bei Hugo fehlt der Auftact
in Nr. 6 ein-, in Nr. 7 zwei-, in Nr. 8 zwei-, in Nr. 9 fünf-,
in Nr. 10 ein-, in Nr. 11 dreimal; Nr. 12 hat durchweg Auftact.
In Nr. 13 fehlt er sechs-, in Nr. 22 zwei-, in Nr. 29 neunzehn-,
in Nr. 37 einmal : es fallen somit in seinen Lie4ern auf 569 Verse
42 auftactlose (das macht ein Verhältnis wie. c. 13: 1); in den
Reden Nr. 1, 2, 4, 5, 14, 16^ 17, 25 aaf 1191 Verse 168 (c.
*) Die Fttlle in Nr. 29 können ansserdem noch uidiuri erklärt werden,
da die« Gedicht auch Titnrelstrophen enthftlt, wie wir seilen werden.
OCIV
7 : 1) und in den übrigen Beden und Briefen auf 2899 Verse
284 auftactlose (c. 13 : 1), was das Durchschnittsverhältnis 11:1
ergibt — In Lamprechts v. Regensburg (ed. Webhold p. 21 flf.)
Franciscns fehlt der Auftact in 100 Versen 28maly Syon 32mal,
das gibt das Verhältnis 4:1. — Bei Boner zählte ich in 46 B2
Versen 785 auftactlose, also das Verhältnis c. 7 : 1 — bei Su-
chenwirt in 19 Reden mit 4378 Versen 438 auftactlose, also das
Verh. c. 10 : 1 *). — Bei Sachsenheim fallen auf die 160 Verse
von Jesus der Arzt nur 3 und in der Moerin auf je 1000 nur
2 auftactlose, und selbst hier ist bei einigen Gonectur möglich
(vgl. auch Martin, Ausg. p. 38).
Aus den angeführten Daten ist erkennbar, wie man einem
neuen Gesetze entgegensteuert''^), das bei B ran t vollständig durch-
geführt erscheint und lautet: der Auftact ist durchweg ge-
boten (Zarncke p. 289). Auch hier ist es wieder Sachsenheim,
der bereits am äussersten Endpunkte und Brant nahesteht^
Das mhd. Gesetz, dem noch Ausläufer wie Mamer nachge-
strebt (vgl. Strauch p. 64 ff.), dass nämlich der Auftact durch den
vorausgegangenen stumpfen oder klingenden Versschluss beeinflusst
werde, ist jetzt selbstverständlich verschwunden; allein auch das
andere, dass die correspondierenden Verse in den Stollen und Ab-
gesängen der Lieder im Auftacte sich entsprechen müssen, wird
sehr oft nicht beachtet.
Der Auftact sollte auf einer weniger betonten Silbe stehen
als die folgende Hebung. Diese Regel wird gleichfalls häufig ver-
letzt: hett ich 6, 5; frowt «/ 8, 6; trüw M 9, 24; wend ^ 29,
f)l, tuond ir 120, wöltich 133; wizz dda 1, 23; pflog «/2, 17;
gruen tat 16, 43, hUr ich 68, und noch öfter begegnen solche
Fälle in den übrigen Reden und Briefen. Auch andere gleioh-
^) Demnach war Pfeiffers Beobachtung (Germania I, 378), dass Snchen-
Wirts Gedichte ^fast ausschliesslich jambische Verse , Verse mit einsilbigem
Auftact enthalten^, nicht ganz richtig. Auf ein paar Dutzend Verse mehr oder
weniger kommt es bei solehen Zählungen allerdings nicht an; aber jener
Aussprach lässt doch viel seltener fehlenden Auftact erwarten. Ich griff bei
meiner Zählung Gedichte aus der Mitte, yon Nr. 5—27 heraus, fand aber auch
in andern das angegebene Verhältnis im allgemeinen bestätigt.
*) Der Ausnahmen sind nicht riele; Teichner freilich spielt auch
beim Auftact wie in seinem Leben so oft den Sonderling, er hat das Ver-
hältnis gerade umgekehrt: es treffen bei ihm c. 10 Verse ohne Auftact auf
Je 2 mit Auftact (ygl. auch Pfeiffer, Germ. I, 378).
ocv
zeitige Dichter sind darin nicht genauer als Hugo. Suchenw. z. B. recht
dla 28, 152; sold ^ 28, 172; slach ir 28, 301 etc. Oswald (Sitz.
Ber. 64, p. 672) üef üt 15, 7 a. a. (s. noch unter Betonung).
Mehrsilbiger Auftact. — Zweisilbiger zeigt sich in
6, 2 derni gesdipp^ 28 d<M hekrSnkety 40 so vervdeht; 8, 13
und gedacht, IS da beschuht; 11, 44 ir gebärd; 13, 27 wan
gewdre, 52 wol mit amen^ 56 sin gerdchü; 22, 39 in die ISnffi. So-
mit sind in den 340 Versen der früheren singbaren Lieder 10 Fälle ^\
von denen jedoch mehrere oorrigierbar wären, so ffstüpp, ffware
grechti nach den p. 191 ans der Hs. gesammelten Synkopen. Aber
die andern entziehen sich der Gorreotur und schützen auch diese,
so dass zweisilbiger Auftact bei Hugo gesichert ist, was die andern
Lieder und Reden bestätigen. Ich stelle die Fälle zusammen und
ordne sie nach den im Auftacte stehenden Silben.
1) Zur leichtesten Art gehören: da ist 5, 149; 28, 489,
536; die in 5, 354; so ist 24, 94; 27, 171; 30, 64; 37, 37; do
enp/aUh 25, 124, 178; wa ich 4, 86; die ich 27, 202; wie
ieklicher 30, 22 u. a., welche als einfacher Auftact zu lesen sind.
2) Im Auftact steht ein einsilbiges Wort und eine Vorsilbe,
die letztere ist ge- in ich gedacht 2, 6, 30^ 44, 108; 25, 10;
5, 16, 74, 80; da ged^nkent 33, 84; 38, 87; sin gebSrd 3, 52;
daz geruht 4, 164; mitt gewdlt 5, 333; 36, 18; ir gewdlt 32,
92, 108; sin geruht 5, 328, die gerechten 5, 375; 18, 90; das
gerechten 31, 229; sin gerechtes 15, 81; mit gerechten 18, 133;
zuo gerechten 25, 57; bis gelruw 14, 41; so gevSlt Vli 38; der
ger^chUkeit 32, 14; din ger. 38, 165; es gerä't 18, 124; min
getruwen 19, 1, bis getruw 23; von gedenken 19, 29; mit ge^
d Alken 28, 274; si gevdt 21, 28; itss gesv/nden 24, 23; so ge-^
wfnnent 25, 82; und gewAinent 26, 17; die geschHft 28, 83;
und gestüonden 28, 173; ich gelob 29, 41; 30, 32; din gebot
32, 27; wer gelobt 32, 137, der gel. 138; denn gep4wen 33, 50;
des getdr 35, 16; im gefiel 36, 15; ir gestdlt 37, 60; sin geVukch
38, 108. Zu den einsilbigen Wörtern beziehe ich auch die comp,
ww, vss etc., also ungelöb 4, 133 ; ungerechter 25, 65 ; ungetrret
33, 122; ussgenomen 19, \Q\ wolgerdt 31, 139; angezu^idt 38,
31. — Die Vorsilbe ist be-: und bereit 2, 113; ich bekenn 4,
^) 10, 29 käme wann all in den Anftact, aber die ganze Zeile ist yer-
dorben und sinnlos.
CCVI
55; 80 hOc^wn 15, 49; m bedirf 18, 271, d$r hed, 230; wad be-
hJuet 15, 154; 34, 13; vnd bescMrm 17, 23; inich betrog 25, 92;
du beUbiBt 28, 76, 136, die betutent 465; und begSrent 29, 102, ao
behüet 108; der bedMkt 31, 90; das besohiht 32, 35; da behiet
34, 26; d/u beschlust 85, 20 — ist ver-i und verlor 24, 44; num
verdient 29, 166 — oder en- : fcA. enpMlh 35, 29, als Neg. icA
enw^BB 29, 33; c(;A ertm^ 29, 153.
8) Im Anftact stehen zwei einsilbige Wörter: ob michs 1, 59 ;
aU durch 8, 87; an dir 3, 47, es ai 65; 15, 117; ist ze 4, 2;
tef<Mr McA 4, 6, und mich 4, 106, ;ruo der 175; ^uo (2^ 28,
Yl\\ er ist bj 266; ^^ (2em 5, 253; me das 5, 369; mt bis
14, 28; mi^ der 15, 166; te^o« te^oZ 17, 55; wann wer 18, 223;
32, 40; wer ich 18, 257; wan ich 19, 14, 16; in die 22, 39;
von mir- 23, 41; m der 24, 123; tmd ;?uo 25, 78; das si
27, 24; 28, 378; 31, 206; das es 27, 14, daz an 27, 98, das
iit 150; 28, 408; 29, 142; 32, 47; und durch 27, 206, von dm
218; wann er 28, 48, vor dem 49, das du 242, un^;g^ das 260,
UP«m M 369, wer des 508, da« ^666, 731, durch die 670,
icfcd durch 724; toon e« 29, 149; wan du 30, 37; der sieh
dOi 68; d^ ist 31, 63; d^ d^ 33, 72; mit dem 31, 69, in
den 142, a29 ob 153; m d^m 31, 209, das mir 255; an der
33, 51, füan ^ 69; das ich 38, 33, das sind 116, tmd durcft
150, cm des 189. — Die beiden einsilbigen Wörter sind oompo-
niert: also 3, 21; 28, 33, 203; 36, 17; davon 26, 49; 28,
325, eren 15, 93. — ^ Nodi sind einige härtere Fälle zu ver-
zeichnen : a) das erste Wort ist schwerer : solt ich 29, 65 (oder viel-
leicht Titareizeile) — b) das zweite in ich wolt 3, 24; ich län
(oder broben zn schreiben) 5, 105; er solt 5, 268, doch tuot 161;
der Witt (oder gwar) 5, 341; da tuot (oder sichs) 24, 116;
und hau 25, 117, ich heU 153; 17, 49; wer wolt 38, 13; und
tribt 5, 305 (oder und zu streichen).
4) Das eweiU Wort im Aoftaot ist der erste Teil eines Com-
positums, dm den Hochton an die nächste Silbe abgegeben hat
das unrecht 4, 132; ir churfursien 5, 229; sin alm^cht 14, 22
und antumrt 18, 234; din gsunih^t 19, 9; din wipUch 23, 4
den abgotten 24, 39; wnhoffdrüg 25, 103; das mertäl 29, 38
des unrechten 29, 111; die mamdichen 38, 61, die muotrühen 69,
mit gotUchen 173.
5) Der zweisilbige Anftact steht in einem Worte: widerg^lts
C3cvn
1, 21; oder 6, 61, 78; 18, 226, 248; 28, 130, 294; 29, 26; 30,
62^ wo die Silben verscbleifbar sind, dAss6lb6 vieHeicht aucb in
Titi()m^ü 18, 200; ArisiöHles 15, 72; 24, 49* Für Karohia
15, 76 würde man KarUa (wie die Hs. 7, 24 überliefert), für
üwer 4, 191; 16, 72; 18, 49; 26, 29, 57; 29, 35 d. öfter ür
setzen können. Neben ir soltfent 5, 233 bleiben nur nocb ein paar
schwere Fälle (fast alle in Nr. 5): sehlahent 26, 41; tuse^t 5, 157,
mofngea 319 (s. Anm. z St.), prieater 350, Bardfdl 386; Absolön
24, 45, amatzdten 28, 553, die wobl als Fehler Anzusehen sind,
wie schon ihre Vereinzelung andeutet; denn aus der ganzen Zu-
sammenstellung ergibt sich, dass Hugo im zweiedlbigen Auftaote ge-
wöhnlich nur Praefixe, Partikeln, Pronomiiia, Artikel, s^ im Praes«
und einige andere Hilfsverba (doch die letztem viel sparsamer),
dann Composita , wo der Hoditon überhaupt häufig versohobeii
wird, und verschleifbare Wörter gebraucht.
Ganz anders liegen die Dinge bei o gott 4, 45 ; o magt 19j
59; 0 wip 38, 113; weka 37, l; fro Welt 29, 178^ welAe wie
nu hin 18, 269; o gerechter 38, 161 sehr am Platze siiiid, da sie
im Ausrufe stehen und somit bezeugen, dass Hugd den doppelten
Auftact auch als technisches Motiv verwendet; ich sprach kann
gleich&lls hiehergestellt werden, welches 5, 135; 28, 158, 253 u. ö.
den Vers einleitet und die directe Rede hervorhebt , ebenso grefinn
MMt 28, 374, wo der Titel unbetont bleibt, um den Eigenamen
stärker hervortreten zu lassen.
Dreisilbiger Auftact: 3, 4 du bist in KrUnem (oder
mim und zweisilbiger Auftact); 5, 93 und hdn me hrd/t (oder
dennz), 2^^ wenn wil evirnh (oder utnibz^ vgl. Anm. z.St), 290 der
daa unrdcht (oder ders)^ 388 daz er ist, (oder ist enclitisch);
33, 141 und da hekSmnent (oder bkennent). Die Wahl der Silben
entspricht wieder ganz der im zweisilbigen Auftaote.
Auch hier erscheint ausserdem dreisilbiger Auftact im Aus-
rufe. Nach Weinholds Abteilung von Nr. 1, 1—7 «n dich ge^
dSnkhen (vgl. aber Anm. z. St.), dann 18, 45 o miU ir r^n und
21, 1 «0 wol dem tdg^ 2 do ich ansdeh
Es bleibt nun zu untersuchen, ob und wie weit Hugo in diesem
Gebrauche des mehrsilbigen Auftactes der Metrik der vorausge-
gangenen und seiner Zeit entspricht.
Hart mA n n gebraucht zweisilbigen Atiftaot. Im arm. Heinrich :
80 er aller 111, mit gedMtigem 140, in ein ISben 83, so wir
oovin
dller 96, und ein müot 1150» ai der wMte 1210, ich wil iu
1340, iwer ride 1132, gotss wüle 1286, ja auch wtiser »ueze 108,
s.aach 110, dnen m^sterASl; imiwein sogar :ot«cA swuor ^2929,
auch aluoe {me 5033, dd sluoc 4r 6775 (Lachm. zu Iw. 2170). —
Fleck, Flore: do gehd't 400, der enwirt 52, durch ir man-
ne» 430, und si vuoren 845, daz iht h^zzera 1577, wem mit
frouden 1754, wan do g6t 2259, diu mir iemer 2634, daz nie
hunic 2739, auch daz hdnt /r S209, wil er wtsen 11; so vor
ich 2674, wilt(i no'ch 5708. — Stricker: ze den Melm Karl
3901, oh mir {wer 3903, daz ich {uch 3904, icA wil ddz 3902,
oft ieclfcher Dan. 14^ ^m unmd'ze 65*; rf^n wrfcänrfe K. 6132,
ir apgöt 826, wnd wn/rowd^ 7218, daz urtM 9677 ; «V herh4rge
Amis 1676, dm t/^eV* götJL. 360, wr «mZ brachen 1606, nw wZ ^A
97, wie wiltä! 1374, (ia^ mtio« /r Dan. 20^, «o fcund /cA 24*, des
wolt in 26% 80 well iz 27*^; auch dorfte mdn K. 449, mwo^m
waten 1482 u. a., sehr häufig er erprach, die directe Rede einlei-
tend (Bartsch p. 71). — Lichtenstein: si gep/utet 48, 14; ich
enmöht 13, 26; er enphulhe 607, 28; und enphtenge 608, 31,
att ir mdn 609, 1 1, und ez iemcm 612, 2, d^z ai aüocht 612, 30;
wider ^inen 12, 7; dan verhölniu 600, 18 und noch schwerere,
vgl. auch Kummer (Herrand p. 50), der 37 Fälle gesammelt hat. - -
Herrand: ai enddcte 2, 302; er gedenket 4, 292; in der kuchen
3, 349; wider züo 3, 250; oder stt 3, 371; und iemdn 1, 19;
daz man dndera 4, 217; alaö muoate 3, 456. In den volks-
mässigen Erzählungen wird der mehrsilbige Auftact im weite-
sten Umfisinge gebraucht, vgl. Jänicke DHB. UI, Einl. p. 6 1 ; Zupitza
DHB. V, Einl. p. 18; in Wolfd. D z. B. sogar ai waem kömen
40, 2; die wdrn tiner 153, 3; von Kunainöpel 62^ 1; undwtat
m 555, 1. — Jung. Titurel (aus Zarnckes Text im Gral-
tempel): diu belebet 524, 18, 4; er beddrf 1, 2; ir gezierde
28, 4; daz geachdch 90, 4; wan er mdnec 980, 53; üf den
müfren (p. 458 flf.) 72, 1 ; und mit aunder 103, 1 ; ala ein rSe
76, 2; von eindnder 979, 45; stn viiztuom 989, 117; über dl
438, 11; gotea Sre 463, 87; oroUi 450, 48; disiu zierde 460,
79; gUekiit 980, 51 hmder iegltchm 983, 72.
Walt her hat in den Liedern einen einzigen, drei in den
Sprüchen : ir dew^derz 50, 6 ; ai beaüoche 48, 32 ; do verachten
80, 62; ai begönden 82, 11 (s. Wilm. p. 47). — Mar n er keinen. —
Auch Konrad meidet ihn. — Sonnenburg (ed. 0. Zingerle) ge-
CCIX
braucht ihn Id ein paar Fällen: mit gewdn 3, 24; dem geWre
4, 315; der gehiür 4, 322; er hehdget 4, 301. — Sanecke:
wa gesdch III, 8, 1. — Hadlaub; in getdrste I, 4, l; do ge^
dd^chte VI, 1, 2.
Heinrich von Neustadt: den pegvnde 205, die du
afheat 716, du geUuhest 4113, unt der rüter 18449, an ir drme
GZ. 1662, und die pfdffen 2439, daz soltü Ap. 1978, unt
man ^4750, ez wart tm 19254, do gap 4t 18657, den git
mdn 20442. fünfzic töuaent 2014, maere wurden 11255 (Strobl
p. 22). — Hadamar hätte nach seinem neuen Herausgeber (Stejs-
kal) keine zweisilbigen Auftacte gebraucht; allein diu geeehrift
von dllen huochen 144, 3; er ist ungewza^ er kdbert mit ge-
vdere 454, 4 ; und ein Sren htetdere 298, 2 ; an gememez wüt
mac mdn in ouch wol hetzen All ^ 7 ; an ger^hHcWchem örden 419,
3; tegeWchen^ ^ min hirze mteste erbrachen 208, 7, auch p. 146,
1, 5 oder dher g4be mir daz h4rz zum Itbe; 101, 5 Triuwe
dir hegät untölt an keinen sacken werden mit zweisilbigem ver-
schleif- und unverschleifbaren Auftacte am natürlichsten zu lesen sein.
Bon er: er bekor 4, 12; ez bescMcht 8, 29; vor gewdlt
8, 46; der gedd'chte 13, 12; er begönde 20, 39; ez gezimt 21,
5; er begrdif 17, 7; er verlor 60, 29; in den hönig 12, 51;
mit dem dndem 20, 38; mit dem vuoze 50, 42; der tat adelig
22, 4; daz ein wtg 22, 8; cZa von ir 23, 26; do der kanig 24,
25; üf ir höubte 41, 26; und erachüt 48, 83; ein unadeld 41,
76; diu Unldchen 48, 32; ein beachmter 53, 60; stn gehume
56, 44; waz die vuez 60, 11; daz min 4in 62, 50; iwer atimme
18, 20; oder w4r 61, 22; oder gieng 76, 6; oder Mt 76, 9;
gebent mir 72, 27 ; under 4inen 18, 2. — aag an 5, 32; er aprach
49, 47; aprach er 72, 46 u. ö. gebraucht auch Boner in der direo-
ten Rede als zweisilbigen Auftact.
Nicht geringeren Umfang hat der zweisilbige Auftact bei
Teichner: daz vergicht LS. 53, 107; der beachöw 65, 124;
und vergdch 58, 1 18 ; daz er under 57, 27 ; unbezwungen 58, 121 ;
mein geprist Hätzl 28, 10; wenn im ddz LS. 63, 94; da mdt häfn
64, 38; ob ez icht 65, 2; den wil ir 67, 73; aUo ungelich (?) 60,
11; ^ wolt in 61, 28; Jiett er icht 61, 40; oder aprichen 53,
144; oder din bl^ 111; 58, 114; wider ddz 65, 65; under
öugen 52, 58; braechten ima 58, 70 (vgl. noch Karaj. p. 154).
Auch Suchenwirt hat ihn: er erwirdet 9, 45; von geatdin
Wackernell, Montfort. \^
ccx
25, 38; der geschieht 10, 186; durch Mcerzam (oder i öonso-
nantisch zu lesen) 15, 139; daz ich d&hAl^ 898; wer entzundt
46, 92; ir hwtpdnt 25, 218; gra waz im 22, 10; da mag
dich 42, 99; überwarfen 8, 104; über ^inen 14, 108; mamg
^del 15, 142; wnd^ dllen 18, 171; lecherUichen 25, 28; J.Zfo-
adnder 38, 277. — Suchenwirt leitet direct zu Montfort über;
beide haben sich gekannt, und Hugo hat dessen Versbau als mu-
sterhaft gepriesen.
Die vorausgegangene Zusammenstellung, bei der es nicht not-
wendig war, alle zweisilbigen Auftacte aufzuzählen, ergibt, dass
die Silbenarten, die verschleif- wie unverschleifbaren, die leichtern
wie die schwerem, welche Hugo im zweisilbigen Auftacte gebraucht,
in ihrem ganzen Umfange auch bei andern Dichtern zu belegen sind,
und zwar die erstem öfter, die letztem seltener und mehr ausnahms-
weise. Aber ich muss noch ein paar Schritte weiter gehen, um zu
sehen, ob etwa auch allgemeinere Schlüsse über die Entwicklung
des zweisilbigen Auftactes zu erreichen sind.
Hugo gebraucht ihn unbedenklich auch in den Liedern. Der
M9nch von Salzburg ebenso: du bed^est Am^f, 8, 1; weder
ehidin 32, 11; söl(e)ich fr^d Wack. KL. II, 557, 5; wann es an
(wannsf) 549, 4; hilf das uns (im Aufruf) 553, 2; gib götlich 556,
1 ; wie fillMch 575, 4; wer der siben 556, 1; das er dann 557, 4;
und auch seinen 563, 7; warm czu dir 575, 3; und da/r zuo
565, 8; da^ du dich 566, 1; du demuetigs 584, 5; pys gegriesset
584, 11 u. a.
In den unechten Liedern Nr. 39 und 40: nu wü ich
39, 10, und geschdch 48, bisz uns armen 54, als du dMst 72,
der verlihest 82, wann sie mich 102; uns beschribet 40, 29,
m dem 6ffen 36, tmrf erdr^ncket 45, o herr^ vdtter (im Anmfe)
57, bisz wir unser 64, und erwMen 65, und verlihen 69, den
di dich 79 , so geUid 83, also hdt 1 13 , das ich sölichs 140,
mit den dugen 150.
Aus den Liedern Heinrichs von Laufenberg: und ge^
p^ren 740, 20; den geboren 756, 1; er begM 776, 12; über
dUe 776, 9; und beschnitten 713, 1; dis ist ddz 711, 8; Maria^
hilf mir 739, 14; Jesu^h/rtzen 740, 8 (beide stehen im Anmfe) ;
dUne Mnt 711, 16; nun hin^ hdb (im Ausrufe) 739, 25; ausz
dir ist geporen 740, 12; von der wwxzen 776, 9; dye sol
^i^cKch 740f 19; das du jiinkfraw 740, 20; Eve ßuech 740,
GCXI
23; sind er dSch min 740, 32; Aristoüles 11 4:^ 6; ye me ^h
gedenk 776, 10.
In den 157 Versen Heinrichs von Würtemberg: ober
alle p. 9, 8; als getruwer 11, 14. — Im Volksliede ist er
so allgemein, dass ich gar keine Belege beizabringen brauche.
Sachsenheim hat in der Moerin nur künig A'rtus 504,
ich gedducht 576, manig wilder 708, das doch mü 1297, das nie
wärt 2005 ; im Liede Jesus ich besorg ^).
Bei Brant endlich ist der zweisilbige Auftact ganz ver-^
schwunden.
Diese Belege werden vorläufig ausreichen, um damit den Le-
benslauf des zweisilbigen Auftactes zu skizzieren. Das eine ist nun
beim ersten Ueberblick klar: er hat in der spätem Zeit grössere
Ausbreitung erlangt Aber wodurch?
In der mhd. Epik herrschte der zweisilbige Auftact in weitem
Umfange und pflanzte sich hier uneingeschränkt auch durch das
14. und 15. Jhd. fort. Die Minnesänger aber mieden ihn (vgl.
Wilmanns, Walther 47; Schneider, deutsche Verskunst p. 135);
ebenso noch die Lyriker ober der Mitte des 13. bis in die ersten
Decennien des 14. Jhds. hinein. Die angeführten Fälle aus Had-
laub z. B. sind so leicht und so selten, dass Bartsch sie ganz
tilgte; dasselbe Verfahren konnte er (in seinen LD.) auch bei den
andern Lyrikern festhalten, welche bis über das erste Viertel des
14. Jhds. hinaufreichen. Nun kommt die Blütezeit der eigentlichen
Didaktik, welche in Boner, Teichner, Suchenwirt ihre vorzüglichsten
Vertreter besitzt. Wie die Didaktik mit der Epik vielfach Ein-
kleidung und Form gemein hat, so gebraucht sie auch den zwei-
silbigen Auftact in vollem Umfange. Die Didaktik durchdringt die|
ganze Kunstrichtung dieser Zeit, die Lyrik nicht weniger als die
Epik, und so ist es nur zu natürlich, dass sie mit den inhalt-
lichen auch formelle Elemente an die erstere abgibt. — Der zwei-
silbige Auftact kam von der Epik in die Lyrik ^), und die Didak-
^) Der Tempel nnd Spiegel Uaben am einige Fälle mehr (sie stehen bei
Martin p. 38), doch machen die anter einander geworfenen Yersarten diese Ge-
dichte auch hierin unrerlässlich.
') £s versteht sich von selbst, dass nun nicht jeder Lyriker zweisilbigen
Anftact haben mnsste, ebenso wenig wie früher und jetzt jeder Epiker oder
Didaktiker. — Beim Absingen der Lieder Uessen sich die bald überschüssigen,
bald mangelnden Silben in einer Yerszeile leicht ausgleichen^ dott dnx,^ kol*
CÖXll
tiker waren die hauptsächliclisten Vermittler; das ergibt sicli aus
seiner Greschiohte und für ans noch besonders aas Hago's Ver-
hältnis zu Suchenwirt.
Er floriert nun in allen drei Dichtungsgattungen, bis das Prin-
cip der blossen Silbenzählung zur Alleinherrschaft gelangt und ihm
ein jähes Ende bereitet: bei Brant hat er aufgehört, bei Sachsen-
heim, der Brant auch hier wieder am nächsten steht, finden sich
nur zwei Belege mit einiger Sicherheit; denn hünig^ mam^ sind nicht
nur verschleifbar, sondern wohl auch einsilbig zu schreiben wie 1201
minr für das hsl. miner; gedacht könnte vielleicht ohne Vorsilbe,
besorg syncopiert gewesen sein *). Im Volksliede aber dringt das
>y Gesetz der Silbenzählung nicht durch, und lebt daher auch der zweii-
silbige Auftact fort.
Dreisilbigen Auftact, hat weder Boner, Teichner noch
Suchenwirt, und auch Hugo bietet in seinen Liedern nicht einen
einzigen Fall; er erscheint nur in den langen Reden Nr. 5, 31,
33, 38 und in einem überhaupt verwilderten Verse des Briefes
Nr. 3, und zwar noch ganz in der Weise, wie ihn Benecke zu Iwein
3752 bestimmt hat: ,die mittelste unter den drei Silben ist höher "
betont als die übrigen und doch bedeutend tiefer als die erste He-
bung*. Andere Vorgänger Hugo*s brauchen oft viel schwerere
Fälle, z. B. Iw. 8ie hietent sich 2170; Heinrich von Neustadt Ap.
8ol mtnem unseligen 2475; Staufenberg ze Stoufenb^rg 171. In
den oben (p. 207) aufgezählten Versen könnte aber mit den von
der Hs. gebotenen Mitteln der dreisilbige Auftact in zweisilbigen
corrigiert werden, so dass es sehr zweifelhaft ist, ob ihn Hugo
überhaupt gebrauchte. Nur in den beiden ersten Versen von Nr. 21
ist er sicher, aber in technischer Verwendung zum Ausrufe.
b. Hebung und Senkung.
Ich fixiere zunächst wieder die Tatsachen, vergleiche sie dann
mit der Metrik anderer Vorgänger und Zeitgenossen Hugo's, um
dadurch das Substrat für allgemeinere Schlüsse zu gewinnen.
ISsnng einer Note in kleinere Tactteile, hier dnrch Schleifung der Noten: in
ähnlicher Weise behalf sich die Composition anch, wenn in einem 7erse eine
Senkung fehlte, die im correspondierenden vorhanden war. Dieser Mittel be-
dienen sich die Yolkssänger anch heute noch.
^) So darf man schliessen, weil der zweisilbige Auftact eben sehr selten
ist und vom Dichter gemieden wird; anders wäre es bei einem Dichter, der
jlin ohne Bedenken znlässt.
ocxin
1) Die Senkung fehlt innerhalb eines einfachen oder zusara-
noiengesetzten Wortes. Nach der ersten Hebung: drgSr geddnkh
4, 142 u. a. (s. p. 240); KHemhüt 24, 53; diso 18, 66; vmoänr
delber 27, 64; büochatdben 28, 547 — nach der zweiten:
m^nschSn verdarben 4, 15 ; ffndd^n beschi'n 5, 379, wo, wie in dem
zuerst genannten Falle, dein e in der Hebung das einer unbetonten
Vorsilbe folgt (vgl. unter Betonung p. 240); dann ntemdn 4^, 35 ;
mdnltchem 24, 92; vientUchen 25, 14; ndtdurftig 27, 176; dh
muosen 29, 115; erbdrmh^tzikeit 38, 1S\ ; jürikfröwen 32, 90
(im ganzen 12 Fälle) — vor der letzten Hebung: mdrtSr
(isw^r) 27, 206; cldff^ {:mer) 28, 109 (10 Fälle, siehe unter
Reim); bei KdMs 7, 24 wird Kdrolus zu schreiben sein, das
15, 76 überliefert ist; wMich (igicht) 5, 259; mdnlM (; dich)
14, 43; guetUch (: m^h) 18, 6; härmt äl 21, 18; 'Schund 4,
149; 33, 134; Tcznthät 5, 89; drm^t 29, 145 (im ganzen
24 Fälle); hieher gehören noch r^cht tüon 4, 131; 25, 155;
drm mdn 4, 56;/Sr trdgen 18, 3, welche auch zusammengeschrieben
vorkommen wie 5, 271 furkoffen.
2) Die Senkung fehlt zwischen zwei Wörtern. Die erste
Silbe des Verses ist ein einsilbiges Wort und trägt Hebung und
Senkung: nüt hd'n gehalten 4, 79; Z'&cht und beach^idenheit
1, 76; dSn gruesz mir 3, 75; drm 'und och 27, 231; wie war
daz 4, 119; tuond tr dabi 29, 120; daher auch d^s w^re 2,
131 u. a. (vgl. die Anm. z. St.). — In Fällen wie der kraft d^r 5,
102; die gänd vor 8, 20; das kind tat 32, 89 u. a. kann man
zweifeln, ob die Senkung nach der ersten Hebung fehlt und Anf-
tact steht oder, ob der Artikel betont ist, was bei Hugo auch sonst
vorkommt (vgl. Betonung). — Nach der zweiten Hebung fehlt
die Senkung in guetikät söl 3, 16; uppik^t tat 28, 344; s^U-
hdt tuot 28, 448, wo aber der Artikel {die) nach dem Substantiv
eingesetzt werden könnte, wofür die Hs. zahlreiche Belege bietet. —
14, 23 häb cMogen wird Tiabe zu schreiben sein, das z. B. Kitt.
26, 29 belegt; ausserdem Mld Mt 5, 76; hä*t ^ den 4, 42;
drz Sachen 32, 139; gruoss g^n den 38, 88 (8 Fälle) — nach
der dritten in truog mdn 28, 200, 400 u. ö. — Die letzte
Senkung fehlt in ger^chtik^it gött 33, 81; pin hd'n 4, 185; wtb
gdfn 25, 69; hie atd'n 28, 186, 386; jdr Üben 4, 57; jd'r dlt
33, 9 ; rd't g^ben 4, 58 : also besonders da, wo die beiden Wörter
durch den Begriff eng verbunden sind und fast einem Compositum
OOXIV
nahe kommen wie die drei letzten Belege unter 1), wodurch sich
auch bei Hugo Haupts Beobachtung (zu Engelh. p. 226) bestätigt.
Im ganzen fehlt demnach die Senkung nicht häufig (in den
Liedern Nr. 6, 9, 10, 11, 12, 13 und 37 gar nie, in 7 und 8
vielleicht, sicher aber in Nr. 22 und 29), am öftesten innerhalb
eines einfachen oder componierten Wortes, seltener zwischen zwei
Wörtern und hier zunächst nach der ersten Hebung. Auf einige
Fälle Hesse sich auch Wilmanns' Theorie der , consonantischen
Senkung* anwenden (Zs. f. d. Gymn. Wesen 1870, p. 593), be-
sonders leicht ist arm mit Hebung und Senkung 4, 55; 27, 231
(vgl. dazu Schmidt, zur Gesch. d. indogermanischen Vocalism. H,
373). Niemals fehlen in einem Verse zwei solche Senkungen.
Der hier bei Hugo constatierte Gebrauch stimmt zu dem an-
derer Vorgänger und Zeitgenossen. Dichter wie Gottfried und
Konrad gestatteten sich auch in epischen Gedichten die fehlende
Senkung selten und beschränkten sie meist auf wenige Fälle inner-
halb eines Wortes wie farstUche^ hüWch^ pf^ntnge u. dgl. (vgl.
Zs. f. d. A. 16, 402 und Haupt zu Engelh. 366); andere gleichzeitige
und nachfolgende Dichter erreichten nicht diese Genauigkeit, sie
lassen die Senkung auch wieder zwischen zwei Wörtern fehlen, so
z. B. Wolfd. B (Jänicke DHB. IH, 60), aber, von Eigennamen
abgesehen, nie mehr als einmal im Verse; dasselbe gilt von Rein-
frid (vgLZs. f. d.A. 17, 508) undLichtenstein (Knorr p. 66flF.).
Der Stricker jedoch lässt wieder zwei und auch alle Senkungen
im Verse fehlen (Bartsch, Karl p. 69). Beim Wildonier fehlt die
Senkung nur einmal i. V., meist in Wörtern wie frthdit etc. ; aber
auch 9wä* diu wdl std't 1, 10; unde g6t Mte gelogen 3, 516 (u. a.
bei Kummer p. 9) oder ndch phtnoßt^ der kSiser gie^ auch ein
einsilbiges Wort trägt die erste Hebung und Senkung : ditz mdere
w6n er nie 2, 43; d&n v6n dem Sinen hte 2, 115 u. a. Aehnlich
im j. Titxxi^X i smdehe unde drmuöt (bei Zarncke) 436, 8;
gruntvhte 438, 12 ; mdrwunder 453, 55 ; kunatrfchen 464, 89 —
oder diu kwnst Mt dd vdele 464, 90; auch die erste Silbe hat
Hebung und Senkung: göltvdrwe 450, 47 u. a.
Von spätem Dichtern, welche in einem Verse mehrmal die
Senkung fehlen lassen, kenne ich Heinrich von Neustadt
(vgl. Strobl p. 12) und Lamprecht v. Regensburg (vgl.
Weinhold p. 21 ff.); der letztere hat sogar drei Verse ohne jede
Senkung. Der erstere stimmt aber darin mit Hugo überein, dass
ooxv
er jene Fälle liebt, wo ein einsilbiges Wort die erste Hebung und
Senkung trägt (mehr als SOmal). Das ist auch bei Teichner nidit
selten, z.B. LS. 60, 15 und in Nr. 68 zweimal. BeiHadamar
ist fehlende Senkung eine seltene Ausnahme, Stejskal stellt sie
(p. 29) ganz in Abrede; allein man spricht i ie mir vfnt^ ü mir
ir&a 189, 4, wie der kritische Text zeigt, lässt die Senkung fehlen,
daher auch veraiSn und auch kwnnen 491, 6; doch suü irz
furhaz nteman sagen 538, 7 und noch ein paar ähnliche Verse.
Bei Bon er fehlt die Senkung wieder häufig, zumeist in spon-*
däischen Zusammensetzungen: torwdrt 9, 41; bdnwdrt 9, 42; v^t-
mü's 15, 15 — dann verdünfft (i got) 22, 62; gebärii geltch
33, 12; schouw^n begdn 39, 1; ph^nmnge 76, 27; r^ht^ (iheimr
UchSr) 9, 39; dS wdrt nicht IdngSr gespdrt 51, 26; oder vrmnt
mfn 37, 3 ; grundeWs gär Einl. 6 ; wdz man in aSit 48, 104 ;
doch stehen diese letztem in grosser Minderzahl Auch Suche n-
wirt hat weitaus die meisten Fälle in spondäischen Zusammen-
setzungen, welche überwiegend auf Eigennamen fallen: A'lbr^cht
7, 239; Hdinräch 8, 123; Ulr^ich 11, 310; 13, 226; HSrd^gen
12, 135; lAdwzgh 15, 107 etc. — neben achSrmschüt 5, 57,
hSrschdft 13, 127; furhaz 29, 180 und so oft, fi&st ausschliess-
lich zwischen dritter und vierter Hebung, ausserdem noch wMAchen
13, 131; tzüchtige 24, 188; jderzge 45, 54; riknder (: chlagewder)
23, 42. Am seltensten ger^chtikdit vrdgt fürwdz 24, 299; wdrt
mdnihvdlt 38, 40. In Sachsen hei ms Moerin ist fehlende
Senkung nur mehr in spondäischen Zusammensetzungen sicher und
auch hier selten, ebenso in seinen andern Gredichten mit vier He-
bungen (Martin p. 35 und 36). Bei Braut folgt der Hebung
regelmässig die Senkung.
Es stellt sich also heraus, dass Hugo*s Gebrauch nirgends
gegen die Metrik seiner Zeit verstösst; auch der Gang der fehlen-
den Senkung wird den Hauptztigen nach zu erkennen sein. Gott-
fried, Konrad u. a. strengere Zeitgenossen beschränkten sie auf
bestimmte Fälle, wo sie innere Berechtigung hatte, auf die Spondäen ;
hier erscheint sie auch später am häufigsten und hielt sich am
längsten. Im Epos und in didaktischen Gedichten dehnte sie sich
aber auch auf andere Fälle aus und drang selbst, wenn auch nur
in bescheidenem Masse, in die Lyrik ein, wo sie die mhd. Kunst-
poesie völlig abgetan hatte; zu den Belegen aus Hugo vgl. Mönch
von Salzburg (Ampferer) : in d6^ gedachnüsa a^in (4hebig
OCXVI
trochäisch) 11, 5, 3; dSn thron der trtnitdte 20, 5, 2; fr^ als
vü der wicht Idwset 11, 6, 5; wAn wirt chrütes phiet röt 14, 4,
3; muet^r des dingepörn (4hebig troch.) 19, 2, 3; dllea trdsth
erlöste 20, 4, 5. Der spätere Laufenberg ist schon viel ent*
halt^mer: ich fand, wenn ich nichts übersehen, nur drei Spondäen
wie wdrhdit 711, 7. Im unechten Gedichte Nr. 39 steht nur
durchluchtich {isich) 15 und in Nr. 40 heschrühen dn mdnchen
enden 48. — Sachsenheim hat im Liede Jesus der Arzt keinen,
denn die zwei Fälle, welche die Hs. bietet, sind leicht zu emendieren
(vgl. Martin p. 36). — Die blosse Silbenzählung hat die fehlende
Senkung überall beseitigt. Ich brauche nicht erst darauf hinzu-
weisen, dass die Geschichte der fehlenden Senkung wieder der-
jenigen des zweisilbigen Auftactes analog ist.
Noch eine andere Beobachtung habe ich gemacht. Durch die
fehlende Senkung wird dem Verse eine Silbe entzogen; daher lag
es für Dichter dieser Zeit nahe, besonders in diesem Falle nicht
auch noch den Auftact wegzulassen, sondern durch denselben die
fehlende Silbe zu ergänzen. Die Verse, wo ein einsilbiges Wort
die Stelle des ersten Fusses vertritt, nehmen sich von selbst aus.
In den 3694 Versen Hugo's erscheinen 85 mit fehlender Senkung
und nur 9 davon ohne Auftact, darunter ist 4, 35, wo ein gar einzu-
schalten, Hugo*s Sprachgebrauche ganz gemäss wäre; die übrigen
beginnen mit einem zweisilbigen trochäischen Worte ; ^ines 4, 149 ;
33, 134; ptttent 27, 233; mörder 28, 93, Mzer 97, lügner 109;
in Nr. 38 kommen auch sonst wilde Verse vor. — In 5779 Versen
Suchenwirts (in 24 Gedichten aus Nr. 5 — 38) sind 42 mit
fehlender Senkung, darunter nur 3 (18, 234 ist rante zu lesen),
in denen auch der Auftact fehlt: 25, 157 dltzehdnt\ 29, 40 Hol-
lant, wo also wieder zweisilbige trochäische Wörter stehen, die der
Dichter nicht hätte beseitigen können, ohne den ganzen Vers zu
verwerfen; ausserdem nur noch 18, 488 v6n der stdt tze KdUys,
In den 6081 Versen der Mo er in sind 15 ohne Senkung, da-
runter aber keiner, dem auch der Auftact fehlt.
In solchen Versen vermisst man den Auftact also nicht öfter,
ja nicht einmal so oft, als ihn etwa mhd. Lyriker in Strophen
weglassen, wo ihn die correspondierenden Zeilen verlangen, so dass
man daraus bei genaueren Dichtern ebenso einen kritischen Anhalts-
punkt bei der Textrecension gewinnen kann wie bei jenen.
Ganz andere Beurteilung verlangen die fehlenden Senkungen
coxvn
der folgenden Art, welche bezeugen, dass auoli noch bei Hugo wie
in der guten alten Weise das Fehlen der Senkung als technisches
Motiv verwendet wird. Das steht im Einklang mit der Erfahrung,
die. wir beim zweisilbigen Auftact gemacht haben. Bestimmte Ge-
sichtspunkte treten dabei leitend hervor.
1) Zwischen zwei Ausdrücken fehlt das Bindewort, was in
der Rede durch die Pause, in der Schrift durch des Comma, in der
Metrik durch die fehlende Senkung hervorgehoben werden kann.
Beweis dafür sind Verse wie äU W6, ffrda^ v^dren cld'r 4, 30;
nu hin ichß^isch, b^in und pluot 4, 52; ausserdem vgl. noch hicht^
ruw und 4, 22; Ueh^ ^ben und 5, 43; bluemli g^l^ brun und
16, 21; Ueb^ Uid oder 27, 80; r(J^ gruen und 28, 21; achon^
st^rk noch 28, 382; gnddy Swikeit 33, 35; hoffart^ z6i*n^ hdss
und 38, 115; pfchty ruw und 38, 176.
2) Beim üebergang von der indirecten zur directen Rede ent-
steht eine Pause, welche wir durch ein Kolon markiereq, der Dich-
ter aber durch fehlende Senkung bezeichnen kann: ich sprach:
„fro'we gnddenrich 2, 46; vgl. auch 2, 67; ich sprach: ^hSrr^ ich
5, 91; ich »prdch: J{eber frund 28, 161 ; vgl. auch 28, 185, 233,
235, 253, 385, 625 u. ö. — oder dasselbe in anderer Form: er
eprdch zuo mir: ^Ueber kndb 5, 87 etc.
3) Eine Interjection oder ein anderes einsilbiges Wort steht
im Ausrufe; durch die starke Betonung dieses Wortes entsteht
eine Pause, welche eine Senkung vertritt; in der Schrift bezeichnen
wir sie durch ein Comma: ja, hielte is sich 4ben\ 29, 157; das
si wzssint, Mrr^ wSr du gMtzlich b/st\ 27, 24; cdmdchtig got^
tuo mir kumber stülenl 38, 172; o h^lger g^sf, tuo mir gndde
m^ren! 32, 160 — oder die Pause und fehlende Senkung tritt
da ein, wo die Stimme zum Ausrufe ansetzt: küm,h^lger^) g^tst
behend 27, 3.
4) Nicht weniger charakteristisch ist der vierte Fall: zwei
kleine antithetische Sätze (auch in verkürzter Gestalt) werden ohne
Conjunction einander gegenübergestellt und durch eine Pause ge-
trennt, wo wir ein Comma oder auch einen Teilungsstrich anbringen :
frod du hdst — truren ist vergessen 15, 27; auch wenn die
Conjunction steht, wird der Gegensatz noch durch eine Pause her-
vorgehoben: hie hdst du 16b — und dort Swig frunt 15, 38;
*) heiliger in meinem Text ist ein Druckfehler.
coxvm
es tüegi w6l - oder wi 18, 28, vgl auch 24, 107; 29, 20; 38,
43 ; Uft^ kurtz — öder läng 30y 20; es si fruo — öder spd't
18, 147, vgl. noch 22, 27; 24, 83, 87; 25, 97; 26, 3 etc.
5) Gleichfalls gerechtfertigt ist das Fehlen der Senkung, wenn
ein dass-Satz an seinen Hauptsatz anknüpft: wer wöl heddcht^
das er stoben müoss 33, 77.
Je häufiger solche Fälle erscheinen, um so stärker wird das
Zeugnis, dass auch bei Hugo und, wie sich gleich herausstellen soll,
bei allen bessern Vorgängern und Zeitgenossen noch eine höhere
Auffassung der Metrik sich geltend machte. Stricker, Karl 4276
v^lf, hSrc nnt tdl (Bartsch p. 70). Lichtenstein guot sptse^
mA finde wfn 290, 28; dtse h/e^ j4ne dort 64, 31; hMe Uep^
morgen Mt 287, 31; st stn junc öder alt 251, 10; min wfzen
schilt^ ddz ich nie u. a. — Wildonie döm^ nhzel^ mdnic
dst 2, 151; ddmh wir tu; gd't hin für 3, 265; er sprach: Uebe
fröuwe mfn 2, 349. — Heinzelin ML. züchte schäm vnde
triuwe 75; sprich : Minne in mfnem harzen 1033. — Titurel
(Zarncke) hund in JSrusalfm; gr&z noch hlSine 447, 39; (Hahn)
tAme^ höus^ ^rker 1563. — Selbst Hadamar hat einen guten
Beleg ma^ spricht: „ie mSr v^'n^ ie mir ^ren 189, 4. — Bob er
si schrSi : , Vrmendrü/t 48, 28 ; si sprach : « trvft gespile mtn
15, 41; er sprach: ^Uubiu 22, 11; got, h^rl wie ist mir be-
schuhen 31, 20; ie wärt geböm! arme gediet 43, 75; si st denn
guot öder sH/r E. 28, ez st denn jung öder alt 58. — LS. denn
guot^ sdl öder lib 27, 53. — Suchenwirt scham^ tr^ und
beschSidenh&t 6, 123; getr4w^ wdrhaft ünde wSs 7, 58.; durch
ärm^ satten vnde pdin 9, 211; trew^ milt^ mdnhait ünde schäm
13, 180; Mdtz und Trier, Choln, Mdintz 29, 43; getr^, chüen^
milt und weis bei Friess, Sitz. Ber. 88, p. 114; nur mörda!
sehAvz ! stich und slachl 10, 190; g^rn^ vrdw ! so sprach ich
23, 122; daz spricht : unser 18, 280; sprach: „mSrlccht und
23, 33; sUchtleich ndin^ sUchÜeich jd 19, 68; si sein arm öder
reich 38, 294. — Teichner LS. fuchs, wölf und och b^r 53, 5 ;
stdiner^ grisz, grdsz und lob 68, 77. — Mönch von Salz-
burg höh, tieffy vinster, witt und ^ KL. II, 556, 1; darczu
wird (dignitas), krdft geswören (Ampferer) 14, 6, 3; dö geschäch —
A?A in acht ibid. 20, 6, 6. — Hätzlerin hertz, synn, müot
und mSin geddnck 14, 59; geluck^ sald, frad und müot U, 34,
34; Uib, synn, müot und guot H, 41, 21; o jünger mdn! sich
OGXIX
an mich 30, 1 ; tag und nacht — apdtt und fruo II, 12, 21 —
und selbst noch bei Sachsenheim: imTeav^Xdwrzuo gib rdutt^
hylff und atwr 7 ; im Liede Jes. nun achdwend {etz^ w4r ich Mn
113. Bei Brant haben sie aufgehört.
In dieser Sammlang sind also alle Kategorien vertreten, welche
ich oben bei Hngo aufstellte, aber auch keine neuen hinzuge-
kommen; nur die unter 4) angeführte Ist vielleicht dahin zu erwei-
tern , dass statt eines dass - Satzes auch Relativ - oder andere
Nebensätze mit fehlender Senkung an ihren Hauptsatz angeknüpft
werden können, ebenso wie zwei coordinierte Sätze ohne Conjunc-
tion. Weiter ergibt sich, dass dieses Motiv, mögen auch einzelne
Dichter sein, darunter selbst Lanfenherg, denen es abhanden ge-
kommen, vom Mhd. bis in die zweite Hälfte des 16. Jhds. nie in
Vergessenheit geraten, bis es vom Principe der ausschliesslichen
Silbenzählung wie andere mhd. Ueberkommnlsse beseitigt worden ist
Was daraus flir die Verssoansion und Textkritik zu gewinnen
ist, liegt auf der Hand: in einem Verse wie er sprach: ^ lieber eta
darf nicht versetzte Betonung ^ sprach angenommen, dorn n^zzd
mdnic dst (bei Herrand) darf nicht als „ Anomalie'' erklärt werden; in
einem Verse wie wa/n Anen h^lm, schilt und sp^ (Lichtst) braucht es
keine ^ consonan tische Senkung ''(Wilmanns), noch weniger ein unde;
ebenso darf in dann wir tu; gd't hin für (Herrand) nicht danne
eincorrigiert werden; und ein Vers wie der blöze sprach: ^herr^
friunt mfn (ibid. 3, 321) ist erst ganz unmöglich etc. (vgl. audi
die Anm. zu 5, 43 und 15, 27).
Hebung und Senkung müssen einsilbig sein; Aus-
nahmen waren nur in bestimmten Fällen und auch hier nur f&r
das Auge, nicht für das Ohr vorhanden, denn beim Singen oder
Lesen wurde immer durch Elision, Synalöphe, Synaeresis
die Einsilbigkeit hergestellt. Ueber diese Punkte wird gewöhnlich
in Ausgaben ausführlich gehandelt; ich kann daher rasch daran
vorübergehen, indem ich nur Belege anführe, die für sich selbst
sprechen werden.
1) Auf der Hebung, dabt ie unrecht 4, 47; bz ir beliben
5, 50; du icht der fwrsten 5, 132; so ist si kUin 21, 21; sz
userUsen 28, 171 ; so unser hSrtz begert 28, 209; d4 es ge-
hassen 31, 29; du ie gewesen 32, 26; du es beschlössen 36, 6;
coxx
4, 114 wirb also ich sterbjtmff (oder als zu schreiben?); dd eins
sieht in die swanen (oder dsunnenf) 30, 62.
2) Auf der Senkung, rid die ich davor 2, 57; hurtz so
ists ztphelrü 5, 848; erwach so ist si 18, 7; liehi ist gross 19, 7;
^re und guot 25, 119; ^re ist w6l 38, 132; gndd bi im h^n
27, 99; bist du erstorben 28, 699; meinst du uss uns 29, 32;
w^n du es Ueszt 30, 44; hast du uns ^igetm 30, 85; gtst du
in riehen 31, 23; nicht me erlangen 31, 219; gula und git
38, 113.
Von der Ver Schleifung auf der Hebung war schon oben
(p. 195) die Rede; auch Verschleifungen auf der Senkung begegnen:
der Gonsonant schliesst die erste SWhe in örden er hdb 29^ 161;
hSrtzen erjciken 38, 18 — oder beginnt die zweite: schdrpfe ge-
eicht 5, 29; w6l ze bedenken 15, 39; nichte gemachen 30, 39;
w6l ze besorgen 33, 82; b^de behdet 36, 20; öfter aber werden
sie durch Syn- oder Apokope beseitigt (s. p. 191).
Besonders hervorzuheben sind die Fälle, wo ein i der End-
silben in der Verschleifung steht: liebi zerfyrSnnen 5, 62; seligen
2, 40; 25, 165; 38, 13; heiligen 4, 77; 5, 206; gesäiget 4, 157;
mächtigen 6, 277; guetiger 14, 36; dwßligen 29, 145; Ewiger
32, 25; aüm^ehtiger 33, 174; daher auch Aristotiles 33, 29.
Beginnt ein solch verschleifbares Wort den Vers , ist zweifache
Lesung möglich, z. B. 18, 169 Swiger oder ewiger. Ueber die
Verschleifung vor stumpfem Versausgange später.
In den kritischen Texten strengerer mhd. Dichter findet sich
gewöhnlich -eg (vgl. Lachmaun zu Iw. 65 1 ; Haupt zu Engelh.
2647; Zarncke zu Nibel.^ LHI). Doch lässt Zarncke im Titurel
(Graltempel, s. Abh. d. sächs. Gesellsch. VH, 508) die -ig der
Hss. auch in der Verschleifung stehen; dasselbe ist bei spätem
Dichtern um so berechtigter, da die ig^ Formen die andern mehr
und mehr verdrängen (vgl. Abh. IV, 154). Sie sind denn auch bei
den meisten nachzuweisen, z. B. beim Mönch v. Salzburg (Ampferer)
wirdigen 14, 5, 2; hMigen 10, 3, 2; 7, 3; 12, 10, 10; p^chtiger
(KL.) 555, 3; nydigen 565, 5; dinigen 565, 8; beiLaufb. wirdiger
739, 1; hMigen 740, 14; 776, 4 etc.; Dyocletian äniges 1453
wirdiger etc. und so bei andern.
Ebenso verhält es sich, wenn der Artikel oder das Pron. pers.
in der Verschleifung steht, wo man gewöhnlich geschwächten Vooal
schneh [die ==^ de^ daz = dez^ sie =^ se etc.). Zarncke lässt im Titu-
COXXI
rel dd 9ich diu geiv^he 489, 15; ddrt die gestdbten 462, 85; chinde
si 508, 13 etc. Bei Hugo kommen in Betracht: ^e die 23, 3;
19, 3; sdch die ze Üben 31, 221; ich die geh6tt 13, 21; verhdft
die ger^chtikeit 5, 221; huoch die geachriben 24, 125; giet die
gerdchten 27, 200 (so ist im Texte za lassen), auch 25, 80 wird
es am besten sein et die gerdchikeit zu corrigieren ; ferner Jidt si ge~
pruwen 5, 204; daher kann auch 16, 43 /et ei geeimt; 18, 8 hä't
ei geliehen gelesen werden. Es ist eine seltene Ausnahme, wenn
auch noch bei einem dieser spätem Dichter dez (= daz)y se (= sie)
eta begegnen, so bei Heinrich v. Neust (vgl. Strobl, p. 15).
Für das allgemeine ergeben die angeführten Belege eine zu-
nehmende Neigung, die Verschleifung über die geschwächten (ton-
losen oder stummen) e hinaus auf andere Yocale auszubreiten; es
ist keine Aufhebung, nur eine Ausweitung des mhd. Yerschleifungs-
gesetzes. Aber Hugo*s Gedichte zeigen ausserdem noch eine grosse
Anzahl zweisilbiger Senkungen, welche unmöglich nach der alten
Weise verschleift werden kOnnen, z. B. 4, 100 ei wda din müoter
und doch ein mdgt; 5, 145 wir bekSnnent eins dndem Tatzen
nicht : das einemal stünde e und u mit einfacher, das anderemal
e und ei mit doppelter Gonsonanz in der Verschleifung; das setzt
einen wesentlich andern Standpunkt voraus, der sich aber gleich-
wohl aus dem ursprünglichen entwickelt haben kann. Ich will
zunächst die hiehergehörigen Fälle sammeln und sie nach den in
der Senkung stehenden Silben in Gruppen ordnen.
1) In der doppelten Senkung steht eine Biegungssilbe und ein
einsilbiges Wort mit vocalischem oder consonantischem Anlaut,
oder eine Biegungssilbe und ein Praefix. — Aus den singbaren
Liedern:
29, 13 lass vögeUi sorgen und gdng zuo mir
29, 82 es wirt ilch geruwen am jüngsten tag
29, 89 ich wand^ du wSrist ein rüter gwesen. —
13, 18 do wären wir nach versunken
29, 177 nu helf uns goty des bedii/rfen wir w6L Aus den
Briefen und Reden:
3, 4 du bist in minem hSrtzen ein sdnUch liebi dim
3, 28 gewachsen usz dtner brüst (vielleicht dinr)
3, 58 ich wdmen in susz daran
4, 155 denn mit dem rechten und limb sin schuld
5, 145 wir bek^nent eins ändern hertzen nicJU
ooxxn
5, 223 nu dar ir Tcilng ir forsten ir harren (ähnlich 229)
5, 235 ze himg; wnd Mttint ir dds getan
5, 375 die gerechten h^lfent ime eündem hin
15, 116 muoss stoben wnd Me vollenden
20, 10 vor allen dangen uff A*den
24, 18 dann mit wtben und giUkeit
24, 123 in der dlten wnd- in der nüwen ^ (oder es ist das
zweite in zu streichen)
26, 63 das mdchent ir vdlschen iükch
27, 28 all sach haatu heaUssen in dinr akmicht
28, 110 den wolt man zungen ahachniden
28, 165 hie inn sind fursten und ^del herren
28, 232 du wirist uff rechter Strassen
28, 245 er sprach : din tickten wnd cluoge wort
30, 42 aUr sdchen in Mmel und uff erden
31, 162 gemachet Ueder und riden
33, 147 die ungerechten in 4wig echt
38, 23 si scMessent in mdnnes gmuete.
2, 59 mitt Worten da mdn der werch nicht pMigt
4, 186 ddtmit si wirint des grtchtes an
4, 125 die vor vil tusent jdren sind hsch^hen
5, 329 davon verstand und horent m^n muot
18, 156 si Hand beztjurmgen der tirsfen Hb
24, 15 vor hopts'inden du mich bewahr
26, 65 nu mMcent mirm rd't gwr eben
27, 227 und gedachten wir^ wSr wir muossen werden
28, 53 si was gep^iwen mit gdntzem flisz
28, 293 er sprach: ^dins irrens du mich erldsz
28, 332 des sollen wir w6l getrüwen (dasselbe 28, 456,
612 und 31, 191 ; soll wir wäre möglich)
28, 435 si sprach: y^du urdrdist licht v6n mir gdn
28, 457 inwendig an den m'&ren so sind die stein (oder so
zu streichen)
28, 587 es ist gep'Awen fiJir dlle not
2^, 647 das du nicht wirdist der ttvel spot
28, 736 und wünschen mir in der mess das ewig wesen
31, 10 die fdrwen gen frdwen gemessen
31, 18 ich wandy si wMnd din dbgot gwesen
3)f 22 und b4rlen gen frdwen gemessen
ooxxm
31, 94 bi swdrtzer varw iuot mcm msa bekennen
31, 191 des sollen wir g6t Idn walten (vgl. 28, 332)
32, 172 durch im willen tuo mm mit gnaden walten
33, 50 denn gepüioen von hdltz und strö
33, 150 der gerechten mit gndden walten
38, 39 in eren muessen wir w^den grd (dasselbe 18, 204)
38, 111 got vor allen dingen lieb hofn
31, 158 han zschdffen darzuo die rimen messen. —
15, 134 sid wir nu müossent bekennen (oder bhennen)
18, 226 oder hat sich 4ren verwegen
24, 90 da ms man wSrdent betrögen mit
27, 9 wer aller machen vemunst
28, 438 ob du dich w^ltist verkSm
32, 118 di einen willen hatten getäln (dasselbe 134)
Hieber stelle ich auch 4, 9 du hast vil böser artäcel
2) Statt der Biegangssilbe stebt eine Ableitungssilbe, welcher
wieder ein einsilbiges Wort oder ein Praefix folgt:
6, 3 aller zwffel ist mfr unkunt
29, 18 kein schdppel getrdg ich niemer me
10, 1 ich fragt ein wdchter ob ds wer tag^ wo incliniert
werden könnte, was aber von der Melodie nicht unterstützt würde ;
ebenso verhält es sich mit 11, 1 mich straft ein wdchter des mdr--
gens fruo (während wachter 1 1, 7 ; 24, 1 u. ö. im Versanfange
mit schwebender Betonung oder in die zweisilbige Senkung gelesen
werden kann, vgl. Betonung p. 238)
4, 100 si was dm muoter und doch ein magt
4, 130 pett und almdosen ist d4nn ze spdt
5, 357 einr guoten gwissen eins steten muot
5, 373 solt under uns n(eman grecht bestdn
18, 170 ein rechtes dUer uff 4rden hie
18, 243 oder alles, das si Mnder ir lä't
28, 117 ebr^cher bi s^lgen wiben
28, 716 das aU din Shgel nie möchten werden innen
33, 6 ynd alles hinder uns Idssen
38, 40 ein rechtes alter in gottes willen sterben,
15, 92 Tschinachtildnder tet warben
17, 21 0 lieber 4ngel, nu hiiet der sei
31, 102 sprach der pr^ester mit sinnen
35, 32 din rechtes alter damdch in eren sterben.
COXXIV
In 27, 225 es ist nicht anders dc^dn denn sterben und
in 30, 95 davon ist er unschuldig daran wird nach 28, 586
dran zu schreiben sein.
5, 40 ir mündli Ueplich entsprungen
5, 370 so sind die guoten dlweg bereit (durch die Correctur
breit würden zwei verschiedene Wörter verwechselt, welche auch
der Dialekt auseinander hält)
5, 387 ich hän in nun ze pzspel gezüt
18, 216 si hatt ein dpfel gebrochen
27, 21 wan aller ^gel vernv/nst
31, 142 in den rimen tendert vergessen
3) In der zweisilbigen Senkung steht ein einsilbiges Wort und
ein Praefix, die beide auch zusammengesetzt sein können:
29, 177 nu helf uns g6t des bedv/rfen wir wol
2, 103 min muot was fri mit gedingen guot
5, 228 die cristenh^it es verwisen tuot
2, 143 ei* vd'chtz mit geblüemten worten an
5, 285 es solt ein hdrr doch gedenken
5, 333 mitt gewalt an r^cht ungeirilich (möglich, aber nicht
wahrscheinlich ist, dass in den letztern Fällen die Vorsilbe abge-
worfen war; gblüemten zu schreiben, gienge jedoch nicht an ; ähn-
lich verhält es sich in
27, 20 wie hich man geddnht, so bist du dannocht oben
27, 109 wan weltlich fröd und dll ir gebSr
28, 504 und möcht sich s^r mit gedenken da versünden
13, 21 das ich die gebött ie gebröchen hdn,
4) Die zweisilbige Senkung fallt auf zwei unbetonte Silben
desselben Wortes:
13, 24 ich eilender und vil a/rmer (oder ich ell^der)
15, 64 wa ist küng Sdlamons mdcht (kaum zweisilbiger
Anftact und versetzte Betonung)
16, 128 döw ^surgite*^ wirt gesprochen
30, 31 und doch kein iigenschxift d'n dich ist
25, 34 des muoss ich SwerJclich Uden; ebenso wird ^enk-
lieh 28, 353 und 644 verwendet, wofür vielleicht ewklich gesetzt
werden dürfte, welches zwar nicht in der Hs., aber in der alem. Ur-
kunde vom 10/4. 1386 (Arch. I, III, 128) belegt ist; ebenso läge
bei blüejender 1, 25; 18, 188; 34, 23 die Correctur nahe,
aber die Hs zeigt nur diese Form (vgl. auch Anm. zu 1, 25).
ooxxv
5) In der zweisilbigen Senkung stehen endlich zwei einsilbige
Wörter :
10, 2 er sprach zuo mir : „für wdr ich dir adff (auf jeder
Silbe steht eine Note)
31, 227 damit verdient man daz Avig Um; kann aber manz
geschrieben werden, ebenso wie in
18, 11 do ich erwacht f do wä$ ei davon die Inolination waee
zulässig ist, vgl. die Anm. z. St.
32, 129 der sin noch bÄt, er ist doch gehom {ist enclit?)
24, 63 an kreften was er der w4md. Hier fuge ich auch an
28, 481 die tum sind ein figißr der dr'ivdWkeit
Wenn es auftrifft, dass in einem solchen Verse auch die Sen-
kung fehlt, kann man zweifeln, ob zweisilbige Senkung oder Ton-
yersetzung anzunehmen sei, z. B.
28, 160 ich muoss lAder hie vdmen s{n; doch halte ich
ersteres für wahrscheinlicher, lieber einige andere zweifelhafte Verse
handle ich in den Anmerkungen.
Mögen von den angeführten Belegen auch mehr, als ich an-
gedeutet, zu corrigieren sein^), so bleibt doch immer noch eine sehr
grosse Anzahl solcher zurück, welche durch die in der Hs. gebotenen
Mittel nicht zu beseitigen sind, oder wie will man die Synkopen
helfnt, dingn^ muotr^ zungn^ herin etc. aus der Ueberlieferung recht-
fertigen? Und diese muss doch stets massgebend bleiben, besonders
wenn sie dem Or. so nahe steht, wie die unsrige; ein dinr^ sinr^
aus wird niemand damit vergleichen wollen, und wirklich analoge
Kürzungen begegnen bei keinem der drei Schreiber (selbst bei A nicht,
der sonst doch so viele ursprüngliche Formen auch gegen seinen
Dialekt stehen liess), was aber sicher der Fall sein würde, wenn
sie in ihrer Vorlage vorhanden gewesen wären, da der bair. Dialekt
in diesem Punkte bekanntlich noch weiter geht als der alemannische:
wie viele Synkopen haben sie z.B. im Wortanlaute [hhuet^ bkcmi etc.
vgl. p. 191) bewahrt, ja vielleicht gegen das Or. geschrieben! Und
endlich, auf welche Weise könnten Senkungen wie bek^nent eins;
{endert vergessen etc. einsilbig geschrieben werden ?
Die angeführten Belege zu beseitigen, ist also nicht möglich,
und es bleibt die Frage : wie sind sie zu erklären ?
>) Die Fälle, in denen Correctnr wahrscheinlich ist, bleiben in dei
folgenden ünteTsnchnng selbstreTständlich weg.
Wacker nell, Montfort. 15
OGXXVI
Icli habe oben (p. 196) constatiert, dass in der Zeit Hago*s
die mhd. Verschleifang aaf der Hebung noch fortlebte : haben got^
ffSBcJtriben mit eta Gleichzeitig aber breitete sich die Dehnung der
Stammsilben immer weiter aus (ibid. 194 ff.), also auch häberiy g^
schrtben. Es konnte nun einem solchen Dichter leicht unterkommen,
dass er ein Wort mit echter langer Stammsilbe wie gwifel in der^
selben Weise wie haben behandelte, und so wflrde ein Teil der oben
angeführten durch unechte Ausbreitung der Y er Schlei-
fung auf der Hebung zu erklären sein. EJs könnten hie-
her gehören: gefirüuvoen^ werist^ warenj jaren, hörent, gepvfwofi,
muren^ eren^ böaer^ zwifel, mben^ ewenklich.
Die Accentuierung der Bedeutungssilbe hatte auch Consonanz-
gemination zur Folge (vgl. Abb. IV, 146): göt^ und götter
standen auf gleicher Linie; daher konnte auch gegen diese Seite
hin unechte Ausdehnung statthaben: hefiint^ heiten^)^ welUst^ göUen^
wiUen^ schappel n. a. könnten hieher bezogen werden.
Damit würde also ein Teil der abnormen Yerse erklärt, nicht
aber die grössere Zahl; denn bei behetmenty berlen^ iendert etc.
kann von Yerschleifhng auf der Hebung keine Rede sein: sie müssea
ihre Lösung auf anderem Wege finden und zwar durch unechte
Ausdehnung der Yerschleifung auf der Senkung, die
siöh schon oben (p. ^21) in den ersten Anfängen zeigte, indem
fBr das eine der beiden unbetonten e auch ein i des Pronomens,
einer Endung oder Ableitungssilbe etc. eintreten darfbe. Ein Wort
me s^gite Ibf 128 nun ffthrt direot zu Formen wie ArietötileSy
heiligen etc. zurück, ebenso zeigt ein Yers wie 13, 21 dae (ch
die gebött ie gebröchen h(tn, wie die echte Yerschleifung zur un*
echten verleiten konnte.
Ein Ueberblick über die obigen Tabellen ergibt die Regel die*
ser erweiterten Yerschleifungslicenz^), zu weicher die frühere wie
dne Vorstufe erscheint: nur in der einen der beiden Silben
ist nnbetontes e notwendig, der Vocal der andern kann nicht nur
e oder I, sondern beliebig sein, muss aber einem unbetonten Praeix
*) Wo die Hs. daneben aach noob die Formen mit dem einfachen Con-
sonanten zeigt, konnton im Texte diese eingesetzt werden.
') Als Licenz -wird es zu fassen sein, denn es ist kaum Zafall , dass
diese zweisilbigen Senkungen in den singbaren Liedern rerhältnismässig seltener
dnd als in den Briefen nnd Reden, ganz so wie die Oinen gegenftberstehenden
fehlenden Senkungen.
CßKXVH
oder einsilbigen Worte angeboren. Je. naeh der Consonanz, weldie
die beiden Vooale (resp. Voc. und Diphth.) in der zweisilbigen Sen-
kung trennt, können Kategorien gemacht werden.
1) Die Einfachheit der Consonanz ist noch festgehalten. Hier
elrsjoheinen die Biegnngs- und Ableitungssilben "en und -er neben
folgenden vocalisch anlautenden einsilbigen Wörtern : und 8mfbl,
tma Smal» uff 2mal, in 4mal, ir 2mal9 usz^ UU dh ob^ ie, ein
je Imal.
2) Man ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat auch
^ie Einfachheit der Consonanz aufgegeben, indem entweder die
Biegongs- oder Ableitungssilbe mit doppelter Consonanz schliesst,
das einsilbige Wort oder Praefix vocalisch beginnt — oder die Gon-
sonanten beider Silben zusammenstossen ; es kommen also drei
Finnen vor: machent ir 26, 63; schiessent in 38, 23 — oder
hetzvmngen der 18, 156; gedeckten mr 27, 227 — oder endlich
werdent betrogen.
Von Praefixen begegnen ge^- (3mal), 6e- (2mal), vör- (4mal);
von einsilbigen Wörtern esy des^ der (2mal), wir (3mal), du, «V,
meV, ims, m, eins, mit (2mal), dar (Smal), day gen (2mal), m«,
nuy bi; schwerer sind mtn^ tet, lieby lichte va/rw. Die dazu ge-
hörigen Biegungs- oder Ableitungssilben aber haben auch hier wie
bei der vorangehenden Classe immer ein unbetontes ^, nur zweimal
erscheint dial. i (= mhd. e) : in wurdist 28, 4:36 niid Uferdiet
28, 647.
Es bleiben nur mehr Ueplich entspnmgen 5, 40; wo» 4fr der
24, 63 ; b^t er ist 32, 129 ; fig^ der drivdliiheit 28, 481, wso <n
ent und der die Stelle eines unbetonten e vertreten; ausserdem mmit
für war ich dir 10, 2 und Sdlaman 15» 64« Im eiistarmi Falle er-
leichtert die Glei<Aihe]t der beiden Vooale in beiden Silbend«» rasebem
Hinweggleiten über dieselben, im letzteren steht ein Eigenoam^
und Eigennamen geniessen wie die Fremdwörteri überhaupt gi^isaeni
Freiheiten, selbst im Reime; Hesler h^t dtts in seiner Metrik no0b
ausdrücklich hervor!
Vergleicht man nan diese zweisilbigen Senknogen mit jen^Oi
welche sich oben (p. 226) aus unechter Verscblei£i]iig anf dar Qdr
bung erklären Hessen, so sieht man, dass dieselben ebenso gut zu
den hier behandelten gehören können : . also gepuwen am, werist
ein — oder gepuwen am, uferiei ein etc., so dass die erstere Er-
klärung zwar möglich ist, aber keine Sicherheit hat, und man
16»
ccxxvin
besser tan wird, bei der letzteren zn bleiben, welche auf alle Fälle
anwendbar, bei den meisten allein zulässig ist, wozu noch kommt,
dass die Hebung seit jeher sorgfältiger behandelt wurde als die Sen«
kung, welcher auch andere Licenzen gestattet sind.
Die zweisilbigen Senkungen sind also zu erklären durch
unechte Yerschleifung ^) in der Senkung, und zwar
stehen in derselben zwei unbetonte Silben eines Wortes (sdrgitef
Aristöiiles) — oder es steht eine unbetonte Schluss- neben einer
unbetonten Anfangssilbe oder einem einsilbigen Worte von geringe-
rem Gewichte — oder es stehen endlich, und das ist am seltensten,
zwei einsilbige Wörter von geringem Gewichte. Fast durchweg aber
hat wenigstens eine der beiden Silben ein unbetontes «, das auch
durch dial. i (= mhd. e) vertreten sein kann. Das geringe Ge-
wicht der beiden Silben gestattet ein rasches Hinweglesen über
dieselben, besonders wird das unbetonte e der völligen Stumm-
heit nahe gekommen sein ähnlich wie bei der alten echten Yer-
schleifang. Ob dabei aber gar nichts vom Daktylus gefühlt wurde,
bleibt sehr fraglich; daher sprach ich auch nicht von , doppel-
ter *^, sondern nur von „ zweisilbiger Senkung *, was in jedem Falle
richtig ist.
Ich will nun wieder, was hier besonders notwendig, Hugo*s
Metrik mit der anderer Vorgänger und Zeitgenossen in Vergleich
bringen. Fände sich bei ihnen nichts analoges, so wären alle an-
geführten Verse nur als Fehler gegen die Metrik seiner Zeit an-
zusehen.
Zunächst kommt für die ältere Zeit eine Schrift von A. Ame-
lung in Betracht (Studien zur vergleichenden Metrik, Dorpat 1871),
welcher bei einigen md. Gedichten des 12. Jahrhunderts einen
ähnlichen Gebrauch zweisilbiger Senkungen nachgewiesen hat, nur
sind diese noch häufiger, härter und ungeschlachter; aber das
Princip bleibt trotzdem das gleiche. Dieser Abhandlung verdanke
ich die erste Anregung, auch Hugo und seine Zeitgenossen darauf
hin zu untersuchen; denn man weiss, wie in der Sprache und
^) Ich wählte diese Bezeichnung, um damit den Unterschied nnd histo-
rischen Znsammenhang Ton der im Mhd. erlaubten auszudrucken; der Name
ist übrigens nur nebensftehHch.
OGXXIX
Metrik manche Erscheinangen der vormhd. Zeit in der naohmbd.
wiederkehren ^).
Daran reihen sioh die Untersnchnngen, welche Bartsch bei
Stricker (Karl, Einl. p. 64 — 69) angestellt hat, der sie fast
ganz in derselben Weise nnd in demselben Umfange gebraucht
wie Hugo: drmgen in v^ste K. 1453» zestöeren im dUe 1787,
Sunden iht stoben 1306, wd'ren unz an 12171. — muessen
bendmen 939, fitraten geboten 1855, dndern erkdnte 5656; kAaer
H sSre 3494; wären der kristen 5353, Uezen eieh n{ht 9819,
hfdoben sichdnlbSO^müoeendich dlle%2Qßjgewdefen ein a(tf8509,
Pregiwunda di(e) kuneginne 8761; brdoder Marzüle 11165. —
scMezent der (= dcur) züo 659 ; wSllent sin niht 9009 ; hfmdert ver-
gölten Erz. 11, 61. — fliehende 8468; brinnenden 9360; v/nse-
riu 4844, dnderhalb 9912 JeriXsalem 1427. — enb&t er iu 11075,
w^c in die Erz. 4, 140; ber^t in mit D. 4% sprdch so gebhUch
Ab. 69, 69.
Bei Lichtenstein 275, 9 steht ir beider tjöst da geriet
also; Lachmann setzte also über dS kein Längezeiohen tud accep-
tierte demnach die unechte Verschleifung (vgl. Knorr p. 54, Anm.). —
Im Titurel (nach Zamckes Text im Gralt)
542, 2 den tAnpel in Sdlvaterre
450, 48 daz oug nie kund erkiesen ir 4mbesli€hen
461, 82 kristen glauben künden und krütes ammet
506, 7 noch bdzzer in mfnem muote
508, 14 dd muesten auch mdrgariien.
976, 24 ist dd bV da enzwischen ein wüdiu heide (Priest. Job.)
977, 30 sint diu öugen und n^ment zomes stimme
978, 36 ab den borgen ein ränse
540, 53 ir bilde ergozzen wie si sölden gebiXren
507, 11 mit bilden sam*z ie mitten geschehende waere
468, 103 ms wd'ren die pörten gehöret
450, 48 die zugen d^bent und morgen
508, 16 dir ze lobe gote gäben fHirr Agen; und auch
976, 24 dem selben lande lit und ddm paradfse, was sich
zu Hugo*s Sdlamon vergleicht.
Bei Boner 7, 10 vor dem richter und sprdch also (idö)
19, 37 noch b4zzer ist d4rs behalten kan
^) Er nahm den Yersban mit zweisilbigen Senkungen allerdings als ein
besonderes Kennzeichen jener md. Poesie in Ansprach (p. 25).
60, 2 tmder vHundeti aU üh tu 9ag. —
53, 11 wer ir ges/ndes ze mdrgte kam
47, 73 v(m dm Ueren vsr^zz&n gar
47, 107 d6 ri daz grSze wtinder gesä'n
57, 101 mit boesen wfhen d&r Mrze stdt
70, 41 weüe die achdllen daz dirnkt mich gttot
76, 16 wer im begegnet der wärt gewar
26, 83 wer flnder zwein böeeen nemen eol
68, 50 Uegens, tr^egena si nte verdrSz
32, 24 uneer vordem häntz ötiek gstdn
25, 33 dS Jupiter dSn geechrei vernan.
Teichnef LS. 52, 26 und trdii ze Aseh %md trinken her
53, 74 ttnd wolt emäichena \md Uegene vam
53, d9 m^g gesm^eken als ander zit
53, 147 dem wör ewigen otn Mel phUckt
56, 65 nu vint man laider eilten ain niinnen
56, 101 aber e^tzen ain ander bot
57, 52 daz die annen /rieten und frzen
58, 36 dar umb »traf in zwischen üch bdiden
58, 35 ob din bruder ist 4nbeschaiden
67, 121 und fuerten in 'Af ine ienier Üben
68, 3 das ob allen dingen ist ewar
68, 59 blumen brachen und suUen buwen
68, 63 das Mmelrieh in wilden uf strdszen
69, 3 der ain rdemer ist gutter wib
Hätzl. II, 28, 74 zu der hirchen und von dem ehor, —
So ist diese Kategorie sehr zahlreich vertreten, spärlich dagegen
jene, wo andh die Einfachheit der Gons^nanz zwischen deQ> beiden
Silben in der Senkung aufgehoben ist:
64| 5 so ye nacher dem himelrieh
68, 14 wie doch mdnger ged^hekt und sprichst —
und einen Fall, wo zwei einsilbige Wörter in der Senkung stehen,
habe ich in sdnön GFediohten bei Lassberg und in der Hätzl. nicht
getroffen.
Suchen wirt 7, 114 der chwnig raxih sein prdder (üs6(:vro)
21f 89 die ist gevdUen ein stiegen ab
23« 7 dar 4nder ein pninne der waz ehalt
24, 102 der dnger in liechter varbe schaw
32, 4 vnden iffen und oben hol
OOXXKl
-— Jf.l- -- ^
36, 39 Ufer da gotM mdrt^ wnirt ,
36, 86 mit willen imd w4richen paide
37, 71 an einander wueeten ale6 (ifro)
41, 1449 eein mdrter und die sein leiden
41, 423 di menig der 4ngel in gitee chraft
41, 958 er vater und muoter an dller etat.
38, 377 Allexdnder wie g4m ich woU
41, 503 di minest under den företinn {: ainn).
Bei linder den 41, 1146; tzwiechen den 18t 87; tzwüchen die
18, 311; Uezzen die 37, 15 % welche Koberstein (qoaest, U, 4) anr
führt, könnte auch schwebende Betonung angenommen werden.
22, 206 eunder eldffen mit r4d vertriben
37, 28 auf aekcher w4rffen den edmen
37, 13 die fursten die hdben tzuwereicht (oder Ut etwa
die zu streichen?)
37, 51 wir w^Uen daz Üben frischleich wagen
46, 133 wann ich auf guoten gedthge paw. — Aber Verse wie
37, 15 Uezzen die st^t an einander nichti
30, 31 n chitnd auch nteman derw^chen (wohl niemm zu
schreiben) sind auch hier so selten, dass die Ueberlieferung immer
erst genau zu prüfen ist, bevor sie acceptiert werden. Suchenwirt
leitet auf Mo nt fort über.
In den unechten Credichten Nr. 39 und 40
39, 52 die sie da hdtten on linderecheit
sie wer erdrvnchen in mdris unden
und geschach daz sicher on aus belangen
den, die nit wilten an bitten Bei
0 wtrdger apöstel sani Jacob
hast du den allen vergaben ir sunde
39, 105 0 werde müter der cristenheit
sie sol uns oristen bh4ten vor Uyd
und durch din m'äter die r^ne meyt
und nit zurstdren das wir dir legt
0 9)Qa)l>tis tamea exexnplis non adnameranda sant ; gsvangen von 20,
25; enpfängm für 13, 200; «npfiengen ndeh 25, 146; singen dd 11, 40;
gierigen zuo (quae genuina lectio esse Tidetur pro singen it*o) 45, 31; ge-
wünnen von 18, 239, quam bis onmibns locls syUabam -en prorsas abiici
liceat^. Kob« qaest. II, 4. Naeb nn and ng alio konnte mCIglkber Weise -en
ancb apokopi^rt werden.
39,
76
39,
48
40.
31
40,
75
39,
98
39,
10
39,
26
40,
59
39,
65
ooxxxn
39, 70 de9 las mich gnüenfen herr JMsu Orist
39, 112 Mlff doB wir yt werden verUm
39, 129 das wir yeht werden der Mlle gebom
40, 13 und hat gewdaszen ndt dnderscheit
39, 128 ach werde fr&cht der barmh^tzigheit
39, 104 das hÜ ich dich d4rch din gotlich mywn^ wo also
zwei einsilbige Wörter in der Senkung stehen, deren keines ein «,
beide aber den gleichen Vocal haben, was das rasche Hinweggehen
erleichtert wie in Hngo*s /ör war ich dir sag (p. 227)
In der Hat zierin 11, 288 dem gea^len ain ealig stmd
23, 29 ires hSrtzen ain tdbemackel
29, 87 mit ringen^ Hchten tmd cldffen
15, 73, 77 mit weissen armen umbfdngen und oft.
14, 37 ich Wächter verhund mm aber dir
15, 12 sy beschr^yen mich /tir ain dieb
15, 19 guot Wächter mit heller stymme
116, 37 mein otogen mochten nit wäinen
127, 120(Mnscatplaot) in meinem hSrtzen verschUssen.
Im Dyocletian des Hans von Bühel (ed. Keller)
19 des wart der h4yser in hSrtzen fro
379 so mochtent ir w6l von gottes gnaden
540 das besser ist, das wir sterben
1078 über die hränchen und über die armen
3082 generen sicher on äUe dol —
7 eins römschen künges töchter sy was
46 das wdlUnt durch göt mir fahren lan
203 ich wil den hnaben Uren das bdste
332 und süessent sy 'Ander die stallen gar
540 denn das wir lässent den hnäben verderben
3058 min liebes hint wir wollent dich bitten eta, und auch
28 die schöne fr6w als der morgen stern.
Beim Mönch von Salzburg
EX. 555, 3 dy Uczten salben am, linss nicht spar
592, 5 daz der sunnen ist nähentbare
Ampf. p. 31, 31 der mich läider oft hat petrogen (von Stayn-
berger, oder war dieser nur der Schreiber?)
10, 6 der hirtten schSpfer von höcher art
19, 2 was dy müeter geb^nedictet
KL. 567, 3 und unser fleisch dem selben verhiang
ocxxxm
578» 2 Uebe mietet vim 'äne nicht weiche
583, 8 noch 4nder dem hymmel g{e)leicht sich dir
584, 7 erpdwen wart nye hain eal so sch,on
592, 2 got den Ersten der hSylig aphd
592, 4 daz in vSsferzeit An luceme
592, 8 das wir selig den Salden dein
Bei Laufenberg sind sie schon wieder sehr selten geworden
776, 6, 10 für alle wv/nder ist wunder daz
n^f 6, 12 uns armen sSndem erhdrmd und müt
776, 8, 8 und wahsest frow ie nuwer und nuwer und
noch ein paar ähnliche Fälle.
740, 14 all enget pr^en din l6b so schon
740, 35 und JhSsu dem zarten kindlein dein —
Bei Sachsenheim sind sie dem gänzlichen Verschwinden
nahe: , wirkliche Doppelsenkungen*), die nicht durch Synkopen
sich beseitigen Hessen* — sagt Martin (Ausg. p. 38) — „sind
muoter der 129, October^ November 417.* Dazu können noch
ein paar Fälle ergänzt werden:
Jesus 148 sant Bdrbera jii/nßfrow raine magt
75 lemete m^er auf dinem schmderstuol
107 unnd vil der hdimlichen büocher lasz
Moerin 3426 ars mSmorat^a haist ain hunst
4611 aglaster mag ir sprangen nit lön
Sleigert. 250, 14 vil tdesser dan hönig seyn
Moer. 1386 das Sdlomon /n der alten ee (also derselbe
Eigenname in der zweisilbigen Senkung wie bei Hugo 15, 64).
Sehr bezeichnend ist noch Moer. 4499 den lAczifer {n der kröne
truog^ wo die Hs. A, um die Verschleifnng zu erleichtern, haczefer
schrieb.
Mit dem Durchdringen der ausschliesslichen Silbenzählung
werden auch die zweisilbigen Senkungen ganz beseitigt, und nur
im Volksliede leben sie auch späterhin noch uneingeschränkt fort.
Es wird aus diesen Nachweisen evident geworden sein, dass
Hugo's zweisilbige Senkungen nicht Fehler sind, sondern in die Metrik
seiner Zeit gehören, die man, mit ein paar rühmlichen Ausnahmen,
regelmässig verkannt, weil man sie eben niemals in weiterem Um-
*) „Doppelsenkongen^ wollen wir Toisichtahalbei nicht lagen, sondern
^zweisilbige Senkungen^, Tgl. oben p. 228.
ocxxxw
fange natersnoht ; hat. Aach die allgemeiiie EDtwic^lung dieser
zweiailbjgen Senkungen wird siob erkenn^ lassen. Sie sind bereits
vor der mbd. Zeit zn finden; den von Amelong bebuidelten Ge-
dichten kann noch manches andere an die Seite gestellt werden
z. B. die Litanei, bei welcher Roediger (Zs, f. d. A. 19, 288 ff.)
durch Syn- und Apokopen einen Rhythmus zu Stande zn bringen
suchte^ aUdn die fuhren oft zu schrecklichen Härten, sind gegen
die Ueb er lieferung und vermögen doch nicht, «alle Verse auf
das richtige Mass* zn bringen; ein gzemt (g ^= gi ^= g^) 218i 14;
gh^t 227,41; 232, 15; vr^n&tf 216, 20, vrschiesen 438; vrddmpnen
446 etc. ist ohne hsl. Gewähr doch nicht zu wagen. Besser wird
man die Verse mit zweisilbigen Senkungen lesen, wobei auch die
Hauptsache, die Ueberlieferung, gerettet wird. Also z. B.
216» 20 dctz 8i von dem hdrzefti vertrihe algar
221, 29 wA habe tmr einen bSzzem gidzngen
231, 7 unt truoch dar tinder verholne
232, 15 'dnaer gihdt erhöre
233, 4 daz wir nieht wSrden verawölhen
438 daz m daz leben S wölten verchüsen
446 do ei nUt luge wölten verddmpnen oder
218, 14 ze eprechin dei uta/rt dA dir gezSment etc. Alle
dort vorkommendeii Fälle sind nicht so schwer und lassen sich
viel leichter in der angedeuteten Weise lesen als die bei Amelung.
Die nach feiner Begrenzung strebenden strengeren Dichter der
höfischen Zeit legten sie ab, aber kaum in jener Allgemeinheit,
welche die normalisierten Texte zeigen; nur in ganz bestinunten
Fällep waren auch bei ihnen zweisilbige verschleifbare Senkungen
gestattet (s. oben p. 219 f,). Diese Licenz dehnten ih^e Nach*-
folger zu den oben behandelten unechten zweisilbigen Senk, aus, wie
de, ihrem geringeren Können entsprechend, auch andere metiisohe
Regeln ^vergröberten^ und zwar gebrauchen sie besonders diejenigei;^
von ihnen häufiger, welche auch sonst der Volkspoesie näher ste^
hen^). Nachdem ersten Viertel des 15» Jahrhunderts heginnen sie
wieder abzunehmen; aJber nicht deswegen, weil man nun zur kuost*
^) AehnUche zweisilbige Senknng begeguen auch im EogUschen des 1^
and 15. Jlids. bei Tolkstümlichen Dichtern ; vgl. z. B. Thomas of Erceldonne :
ivyll of m4^ selbst wörthe of this nörthe (s. Brandl in seiner Ausgabe p. 45y;
dazu hSvei^ W« ihöu 88^ tindKr hir hHte 72,, wUrp fo 6^ 29^ poman and
p/äye 270.
(XSSSXY
ToUeriD Weise des Mhd. zorüokkehrtai soodera aar, weil eine neae
Aomrtang alle ftodem überwuohert» indem nun auch die Wortbe-
tonung aufgegeben und jede Silbe, sei sie kurz oder lang, Bedeu-
ioogs- oder Flexionsailbe, hebungsfahig wurde. Damit verschwand
«och die Not, zwei unbetonte Silben zwischen zwei betonten Be-
deutungssilbeuy welche früher die Hebungen zu tragen hatten, in
lue Senkung zu drängen, da nun auch die zweite der unbetonten
die Hebung und die letzte betonte die Senkung tragen konnte;
z. B. fmShechm verwmft wurde zu mischen Vernunft.
In den Literaturgeschichten ist nicht selten die Rede von
«Beimprosa*, und dabei handelt es sich, was noch besonders her-
Torzuheben, meist um volkstümliche Dichtungen. Man versuche
daran die Regel von den zweisilbigen Senkungen und dem mehr-
silbigen Auftact, und manche davon wird lesbar werden ; selbst bei
^em so ungestalten Metriker wie Vintler wird man zum grössern
Teile damit auskommen, an manchen Stellen wird der Ueberlieferung
nachzuhelfen sein. — Bartsch hat bei Strickers Versen
wiirfen die schilte zen ruchen
und huoben sich über die brücken Karl 1499
kunstmassige Verwendung der zweisilbigen Senkung zu erkennen
geglaubt; das ist wohl leicht möglich, und ein Vers aus Hugo
(im eifervollen Hilfrufe)
nu Mlf uns göt des bedürfen wir w6U !29, 177
könnte gleichfalls angezogen werden. Aber ich habe doch starke
Zweifel daran; denn in diesem Falle würden sich auch hier, wie
oben (p. 217) bei der fehlenden Senkung, bestimmte Kategorien
herausstellen lassen; ich versuchte es bei den meisten Dichtem,
welche zweisilbige Senkungen gebrauchen, aber ohne Resultat und
komme über die Annahme einer poetischen Licenz, wie es das
ihnen gegenüberstehende Fehlen der Senkung oder die alte Ver-
Schleifung gewesen, nicht hinaus.
Wer meiner bisherigen Darstellung gefolgt ist, wird es be-
gründet find^, dass ich erst jetzt über Hugo's Betonungsweise im
besondern handle. Die Betonung eines und desselben Verses kann bei
zwei Dichtern (bei Hugo und Braut z. B.) sehr verschieden sein:
sie ist nicht aus sich selbst wie etwa der Auftaot, sondern aus
CCXXXVI
den andern metrischen Gesetzen, welche vorher festgestellt sein
müssen» zn beurteilen. Hago*s Yers 6, 3 z. B. wnrde so gelesen :
aU^ zwif^ ist mir tmktint nnd 28, 547 dem entsprechend: die
lydochstab^ lohUch erhaben. Wann ist nun diese Betonnng rich-
tig? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein: wenn Hugo bloss Bilr
benzählt. — Und wann tut er das? Wenn er so betont. Das ist
der verborgene Girkel, in dem man sich gewöhnlich herumtreibt;
und den einzigen Ausweg sucht man nur in der Beobachtung, ob
der correspondierende Vers die gleiche Anzahl der Silben hat. Bei
6, 3; 28, 547 wäre das der Fall, und die zweimal versetzte Be-
tonung stünde demnach ausser Zweifel. Allein dieses Kriterium
ist nur aus Missverständnis gebildet worden und hat in den meisten
Fällen nicht die geringste Beweiskraft. Es ist bekannt, wie die Dich-
ter des 14. Jahrhunders vom Silbenzählen sprechen (s. p. 192). Das
deutete man nun dahin, dass es ihr Gesetz gewesen sei, den corre-
spondierenden Versen die gleiche Silbenzahl zuzuteilen, wie es die
Meistersanger des 16. Jahrhunderts, welche besonders die Ent-
stehung dieser Ansicht veranlasst, wirklich getan haben. Allein
es wurde schon oben (p. 193) darauf hingewiesen, welch grosser
Unterschied zwischen den beiden Arten der Silbenzähler bestehe.
Die Dichter des 14. Jahrhunderts fassen « Silbenzählen* in einem
ganz andern Sinne, das beweisen ihre metrischen Gesetze und nicht
weniger ihre eigenen Mitteilungen, besonders die ausführlichen von
Hesler und Jeroschin (vgl. Bartsch, Germ. I, 194 ff.). Daraus er-
gibt sich, dass sie stets nur von der Silbenzahl des Verses über«
haupt sprechen: der richtig gebaute Vers kann 6 bis 8, 9 und
ausnahmsweise auch 10 (Hesler) Silben^) haben. Das ist allgemein zu
verstehen: ^es dürfen neben allzulangen nicht allzukurze Verse in
einem Gedichte vorkommen, ausserhalb der von dem Dichter gesteck-
ten Grenzen* (s. Bartsch 199). Aber es findet sich keine Andeutung
davon, dass je zwei mit einander reimende Verse auch
gleiche Silbenzahl haben müssen, und eine solche müsste
vorhanden sein, wenn sie Vorschrift der Dichter gewesen wäre, da
darin eben das Hauptmerkmal ihrer Versmessung läge : wie scharf
betonen doch beide z. B. die notwendige Gleichheit der Reime!
Mit ihren Auseinandersetzungen stimmt auch ihr praktisches
^) Das gilt fOr Tierhebige Yvn^^ bei andern ist die Regel dem ent<
sjorechend umzusetzen.
ccxxxvn
VerfiEihren: der eine Vers hat nicht selten einsilbigen oder auch
zweisilbigen Auftact, der andere keinen; dem einen fehlt die Sen-
kung, die im andern vorhanden ist n. dgl. m. — Dass nun die corre-*
spendierenden Verse dennoch sehr häufig die gleiche Silbenzahl
haben, hängt nicht damit zusammen, sondern erklärt sich aus dem
Streben, die Senkungen, wo es angieng, regelmässig zu setzen; aber
es war kein Verstoss gegen ihre Metrik wie bei den Silbenzählern
des 16. Jahrhunderts, wenn es nicht geschah: die Gleichheit der
Silbeuzahl war eben nicht Gesetz, und das müsste sie gewesen
sein, wenn sie das Kriterium bilden sollte für die Betonungsweise,
welche die ganze spätere von der früheren Versmessung unter-
scheidet.
Wenn also die oben angeführten Verse Hugo*s 6, 3; 28, 547
aus ebenso viel Silben bestehen wie die mitreimenden 6, 1 und
28, 545, so ist dadurch nicht im mindesten bewiesen, dass sie so
zu betonen sind, wie sie es wurden, d. h. dass Hugo Silbenzähler
in der Art Brants gewesen sei. Daher musste die Untersuchung
der andern metrischen Gesetze vorausgehen, welche auch in diesem
Punkte entscheiden und keinen Zweifel darüber lassen, dass jene
Verse nicht so zu betonen seien. Um die Voraussetzungen zu ge-
winnen, welche eingetroffen sein müssen, damit ein Dichter zu den
eigentlichen Silbenzählern gerechnet werden darf, brauche ich hier
nur die oben gewonnenen Detailresultate zu subsumieren. Es muss
1) Die nhd. Längung der betonten mhd. kurzen Stammsilben
vollständig durchgedrungen sein und die Verschleifung auf der Hebung
aufgehört haben. So lange das nicht der Fall ist, können zwei Verse
mit gleichviel Hebungen und Senkungen doch ungleich viel Silben
haben, wenn in dem einen zwei Silben zu verschleifen sind (s. p.
198). Diesen Punkt hat schon Koberstein LG.^ 283 betont.
2) Muss der Auftact streng geregelt, entweder überall vor-
handen oder überall entfernt sein, sonst können nicht alle Verse
gleichviel Silben haben. Braut z. B. hat durchweg Auftact: er
ist eben eigentlicher Silbenzähler (s. p. 204).
3) Der mehrsilbige Auftact muss aufgehört haben, das braucht
keine weitere Erläuterung mehr (s. p. 211 f.).
4) Die Senkung darf nicht mehr fehlen, und insbesonders
darf das Fehlen derselben nicht als technisches Motiv verwendet
werden, wie ich oben (p. 217 ff) bei Hugo und andern nachge-
wiesen habe; denn das allein schon ist der schlagendste Beweis,
ocxxxvin
dass ein solcher Dichter noch misst und sogar di« Paasen knisst,'
welche in küQstreohter Rede entstehen, während iet andere mir
starres mechanisches Zählen handhabt.
5) Ebenso wenig darf die Senkung zweisilbig sein, sonst wür-
den sich immer wieder Verse finden, welche gegen die gesetzHbhe
Zahl verstiessen (s. p. 234 f.).
Das sind die Probiersteine für diese spätem Dichter. Wo
diese Bedingungen erfüllt sind, erscheint ununterbrochener Wechsel
zwischen einsilbiger Hebung und Senkung, erhält man erat da«
Recht, von Jamben und Trochäen zu sprechen.
Ich kann nun kurz sein. Ist vorerst nachgewiesen, dass Hag(>
zweisilbige Senkungen gebraucht, dann ist 6, 3 nur so zu betooeli:
dller zwifel ist mfr unhdnt^ ebenso wie 28, 547 nur: diebuoch-
stdben lohUch erhaben^ wenn festgesetzt ist, dass die mhd. Ver«
Schleifung noch fortlebt und die Senkung fehlen kann. Damit eit^
ledigen sich auch alle andern Verse, welche zu unrichtiger Be*
tonung verführen könnten oder wirklich verfährt haben; also 33»
150 der gerechten mit gndden wdlten nicht gSrecJU^^ wie man
gelesen hat; 5, 259 nicht gastlich gSricht iind welü/ch; iaoA
viel weniger ^s tueg{ wol öder wi 18, 28, ja vielleicht auch nioM
einmal /cA hört süese homdon 28, 60 etc.
Dass bei Hugo und seinen Zeitgenossen a«ch einzelne Fälle
von ungenauer Betonung begegnen, hat nichts auffallendes, da das
schon bei allen altern Dichtern, selbst den formgewandtesten, mehr
oder weniger nachgewiesen werden kann.
Am Öftesten ist versetzte Betonung im Anfange des Verses
(schwebende Betonung): din^ 14, 26; wachtdr 10, 25; 11, 7, 31;
prieatSr 15, 110; HeUn 24, 21, Hectör 25, David 29, Bamr
sön 41; guot^ 25, 108; well^ 27, 100; soltM 28, 86; mö-
acMng 31, 98; unsA- 31, 184, 33, 7; jung^ 88, 10; prinn^t
38, 70 u. a. Oft kann man zwischen schwebender Betonung und
zweisilbiger Senkung zweifeln: schriber und 4, 29; bürger tind
5, 321; mben und 18, 118; jamer und 27, 128; oren und
28, 114; seien wnä 29, 71 ; vatter und 29, 105 (auch vater)\ lieber
gesdl 29, 9 (auch lüber ge^ll); sunder mit 3, 63; Wächter ieh
37, 17 etc. Zamcke liest im Titurel 505, 2 i^zen noch Amen^ nicht
üz^ ; dasselbe wird auch bei Hugo vorzuziehen sein.
Solche schwebende Betonungen begegnen bei den besten M«
Aschen Dichtem, bei Walther z. B.: WidiMr 51, 2; heitM 51,
CCXXXIX
148; nngdt 81, 9; zwisch^ 94, 2 u. a. (Wilmanns p. 46). Bei
Htigo*8 Zeitgenossen sind sie so hftafig, dass loh keine Beispiele
anJEsozählen brauche. Schwere ist der überladene erste Fass in 5,
233 ir soVtent (vereinzelt in einer Rede) ; vgl. aber Lachmann zu
Iwein 309, zur Klage 1895, 1653, 2145 und Zarncke, Nib. p. 57,
wo analoge Fälle angeführt werden, welche nicht leichter sind.
üeber die Betonung der etu/ffe 4, 178 ; clegUche 25, 50 etc.
Tgl. Hanpt zu Engelh. 2647. Bei eins züchHffen 3, 51 ; in göttr
Ueher 4, 141 ; mit hoptaiindm 24, 33 und fthnüohen ist zwei&che
Lesung möglich.
Ausserdem begegnet ungeaaifte Betonung sowohl im Anfang als
im Innern des Verses, doch meist nur in spondftischen Zusammen-
Setzungen, wo sie auch am wenigsten anstössig ist: flussrüh 28, 5 ;
unmwt 27, 172; tmr^cM4, 165; imttjudrt 18, 23, 40; ellSndm
{: senden 15, 1A3 : p/enden) 21 j 178; \ochf4rüg imd v/tüounsch
25, 29; vgl. auch 29, 99; tmehsdl 28, 271; mcunMit 33, 61;
junkfr6w 38, 47 ; potsehdft 28, 260 eta Auch solche Fälle sind
bei altem Dichtern häufig, bei Walther z. B. : hSehv^tM 88, 94 ;
wolv&h 88, 105; emAnge 89, 5; ba^rmunge 89, 164t ellSnde 45, 5
(vgl. Wilmanns p. 46, Lachmann zu Iw. 1918 und Zarncke, Nib.
p. 55); ankuurt aucb Konrad (BEaupt zu Engelh. 716) eto. —
Vorsilben werden betont: ge^ in g^oii 5, 193; giwaüJt 32,
124; 5, 264 (vgl. Anm. -zur St.); gitan 31, 180; g4dMU 28, 312 ;
gihjort 29, 74. he- in hiwwtl 13, 51. ver- in verstand 80, 97;
vir dient 29, 166. ent~ m ihtbüt 20, 2. Auch das ist bd Dichtem
des 13. Jhds. nachzuweisen : Lichtenstein ^reicht 619« 17; bidörft
659, 17 etc.; Stricker virrdta^re^ virdampmeeey g4triuUche\
Freud. 27, 19 gdwin u. a.; «bei den von ausländischen Stämmen ab*
geleiteten oder nach ihrer Analogie gebildeten Verben war die Be-
tonung von ge- fast die gewöhnliche*. Fremdwörter and Namen
geniessen überhaupt und auch bei der Betonung grössere Freiheit
(Lachmann zu Iw. 137):/^w* 28, 511, 572; KtvripjUs (erste He-
bung) magnue 15, 76; Btirk Mangölt (:woU) 31, 163. Selbst ein
Meister der Technik wie Konrad gestattete coch einen Vem wie trir
ein PHer ^d Paulis (Haupt zu Engelh. 444).
ESne andere Form ungenauer Betonung, dfe aber gleiehfitlls
schon bei mhd. Dichtern oft vorkommt, ist, wenn in der Hebung der
Artikel, ein Pronomen u. dgl, in der Senkung aber ein schweres
Wort steht: d^ weit 5, 138; die muote 28, 352; de tme 25,
OOXL
200 ; /n er 4, 83 ; d4r mocht 1 1, 23 ; d{e händ 18, 140 a. a. Oefters
könnte durch leichte Gorrectur (Beseitigung einer Syn- oder Apokope)
eine bessere Betonung erzielt werden, z. B. 1, 37 es wSre^ 40 du
v6lge etc.
Auch der Tiefton einer Ableitungssilbe wird^ noch beachtet
und kann die Hebung tragen (Gesetz der absteigenden Betonung),
das beweisen Reime wie sv/nd^ (: du gebSr) 27, 166; tichtSr
(: Bwer) 27, 233 u. a., vgl. unter Reime p. 244. Aehnlich wird
in ein paar vereinzelten Fällen auch die Biegnngssilbe gebraucht:
mMscMn verdarben 4, 15; gnädin heschfn 5, 379 t also wenn
die vorausgehende Silbe, die gleichfalls eine Hebung trägt, lang ist
und die folgende Senkung ein unbetontes e hat ^). Daher kann
auch 4, 142 drg4r geddnkh; 14, 33 s/nnen und guotSm geddfJo
gelesen werden; 5, 162 ist wahrscheinlich leidigen wnde; 25, 161
schirmet wüwen und weisen; 28, 501 die alm^chtkeit göt zu
schreiben; anders ist es 4, 72; wo zehen kurze Stammsilbe hat, doch
könnte es vielleicht auf der Hebung verschleift werden, so dass wa
Hebung und Senkung trägt, vgl. A. z. St. Allein auch wenn die letztem
Verse mit versetzter Betonung zu lesen, so sind es doch nur ver-
einzelte Ausnahmen, welche gleichfalls bei Dichtern des 13. Jahr-
hunderts ihre Analogien finden; vgl. z. B. Lichtenstein, Herrand
(Kummer p 50 ff.), Flore (Sommer zu 572, 1466) u. a.
Seiner Betonung nach könnte Hugo um ein Jahrhundert früher
gedichtet haben; Hadlaub z. B. oder Boner erlauben sich viel mehr
Unregelmässigkeiten: es ergeben sich auch in diesem Punkte ähn-
liche Kreuzungen wie bei der nhd. Dehnung und bei den überhe-
bigen klingenden Versen (p. 196 — 201). Im allgemeinen aber
halten auch seine Zeitgenossen den mhd. Standpunkt fest. Schneller
geht der Verfall der Betonung erst wieder nach den ersten De-
cennien des 15. Jahrhunderts, also bei jenen Dichtern, von wel-
chen wir oben sahen, dass sie auch in den andern charakteristischen
Merkmalen sich den Silbenzählern nähern, bei Sachsenheim z. B.
werden Betonungen wie dort priest^r Johdn ; trdmmetSr (: m^), die
herdöt und Meng; frdmm echnb^rimir etc. viel häufiger als es
blossen Ausnahmen geziemt. In demselben Masse, in welchem die
Freiheit des Anftacts, die Verscheifung in Beim und Vers, die feh-
lenden Senkungen eta abnehmen, nimmt der silbenzählende gegen-
*) Solche Falle sind besonders bei Boner hänfig.
CCXLI
über dem aaoh noch betonenden Versbau zu. Und das ist nur na-
türlich; denn wo ist jemals ein neaes Gesetz entstanden, das nicht
im Zerfalle des alten seine Vorbereitung gehabt hätte? — Die ent-
schiedenen Volkslieder aber sind niemals zur ausschliesslichen Sil-
benzählung gekommen und bleiben auch später noch der alten
Betonung treuer: ihnen gebührt ein Teil des Verdienstes, das mau
auf Opitz, den Reformator einer natürlicheren Betonung in der kunst-
mässigen Dichtung, gehäuft hat
4. Hiätns» letzte Senkong.
Hiatus. Der Zusammenstoss zweier Vocale am Ende und
Anfange zweier Wörter wird unbedenklich gestattet: zuo üch
18, 198; dabi ein 18, 254; si an 28, 471; hie all 16, 65;
wolgerätni 6 28, 300. Solche Fälle sind häufig und nicht auf-
fallend. — Beide Vocale sind gleich: du was 24, 144; ephelli
ich 3, 27; dabi ir 5, 21; 17, 19; bi im 5, 242; bi in
5, 251; liebi ist 18, 53; dabi ich 9, 13; 13, 14 u. a. —
Der Artikel die mit voc. Anlaut: die S 25, 37; die ist 16, 4;
17, 39.
Davon zu sondern ist der Hiatus im engem Sinne, der Zu-
sammenstoss eines kurzen e mit voc. Anlaut (Haupt zu Engelh.
716); auch dieser ist nicht selten: hdge und 9, 18; gedenk ze dller
3, 62; sdch ze ünmuot 7, 13; widerk^e ist 15, 32; beide Voc. sind
e:md88 ze ^saen 14, 31; ze Mnaishein 23, 37; hielte ia 29,
157 u. a. ~ Konrad z. B. würde sich derartige Verse nicht erlaubt
haben; allein zum Teile schon früheren, namentlich aber den spä-
tem Dichtern sind solche Feinheiten abhanden gekommen.
Aehnlich verhält es sich mit dem Gebrauche der letzten Sen-
kung vor stumpfem Versschlusse, wo strenge mhd. Dichter sich
grosse Beschränkungen auferlegten, welche die spätem wenig mehr
beachten. Herrand z. B. geht ,von allen metrischen Regeln am
weitesten in der Freiheit der letzten Senkung* (Kummer p. 19).
Und wenn man erst die negativen Instanzen in Betracht zöge, was
bei einem Beweise immer unumgänglich ist, und finden würde, dass
er etwa in der vorletzten Senkung, wo die folgende Hebung ein
einsilbiges Wort ist, keine wesentlich andere Constellation zeigt als
in der letzten, so läge darin der Beweis, dass der Dichter für die
letzte Senkung keine anderen Regeln hatte als für die übrigen.
Waokernell, Montfort. 16
CCXLII
Das ist bei den spätern Dichtem meistenteils der Fall : es begeg-*
nen dieselben Kürzungen, dieselben Verschleifungen, Gonsobanten
etc. Ich will für Hugo nur einige Beispiele anführen : ghaht hdfn
4, 83; ewigs Uit 5, 202, 222; ahentz Icunft 8, 1; dins güots
28, 326; sinr hdnd f), 121; alls gdt 26, 11. — ein mdgt
4, 100; ung'ükh st 5, 169; unglüJc Mt 24, 81; wer tag 10, 1;
sünd gdn 13, 23; got (Dat.) schib 15, 31; denn guot 32, 11;
sag mir 28, 161; an zdl 25, 129; an n^d'ss 25, 183 u. a.;
von und^ umh etc. ganz abgesehen, während strenge Dichter sich
selbst jene Kürzungen versagten, welche schon im allgemeinen
Sprachgebrauche anerkannt waren wie mi7, für, an, im etc. —
Sogar zweisilbige Senkungen begegnen vor der letzten stampfen
Hebung: menschen vernunst 27, 9, engel vernunst 21; Kinder ir
Mt 18, 243; bedürfen wir wöl 29, 177.
Bei solchen Verhältnissen ist man natürlich nicht mehr be-*
rechtigt, der letzten Senkung wegen die Ueberlieferung zu ändern
und etwa bei sSligen 2, 40; 10, 33; 11, 27; alm^chtiger 28, 705
die Verschleifung wegzuschaffen, noch weniger 2, 48 unt für ynd zu
schreiben u. dgl. Nur 25, 37 habe ich corrigiert, denn die i ist
eine schreckliche Härte, die ich auch dem Moutforter nicht zutraue,
da sie leicht zu beseitigen war.
Nicht besser als Hugo sind auch andere Dichter dieser Zeit,
Sachsenheim z. B. hat unglüdo zuo M. 274, imglück wöl 289, wn-
trüw v6l 752, junckfrow zdrt 883, dann vü 922, ain Sihdnd
1200, 2472, denn vÜ 1954,^ dick kürcz 2324, oun zörn 3178,
wer sünd 4156; Bolensch hdid2bll, minrstrduss 2870, Eckhartz
wds 3873, warn zw4n 4563, mcmg stim 4884, ungetoufft tür
5763 etc. Ich erspare mir die weiteren Nachweise, denn e^ ist
schon ohne dieselben glaublich, dass diese Metriker keinen Sinn
hatten für ein solches Beiwerk feinster Durchbildung.
5. Reim.
Die vocalisch und consonantisch unreinen Reime, welche für
die Sprache eines Dichters bekanntlich lehrreicher sind als die
reinen, mussten schon in Abh. IV verwertet werden. Sie sind im
Durchschnitte nicht in der Weise unrein wie etwa jdie Assonanzen
der ahd. Zeit, sondern durch Hugo's Aussprache, welche für ihn wie
in dieser Zeit, wo die Dialekte stärker in die Schriftsprache eindrin-
I
COXLIII
gen« überhaupt massgebend war, erklärt. Die io Folge dessen vielftich
veränderte Orthographie trug gleichfalls bei, die mhd. Gonsequenz
and Sauberkeit der Formen und Reime za zerstören. Wer die
sprachliche Abhandlang überblickt, dem tritt im Vooalismas wie
Gonsonantismus besonders die starke Neigung zum Wechsel homor-
ganer Lautverbrodungen, zu Assimilationen, Schwächangen, Gon-
tractionen, zu vocalisohen und oonsonantischen Apokopen und
Synkopen entgegen. Die Erklärung dafür liegt vorzüglich in der
raschen Aussprache der Alemannen. Schon Hugo von Trimberg
sagte, dass die r eintüte ir rede verdruckent; und mit Recht be~
tont Zarncke (Braut p. 288), dass »der schwäbisch-schweizerische
Dialekt alle Worte, fast wie die englische Sprache, zusammenge-
drängt, abgestumpft und getrübt hatte *'. Das gilt von den Vor-
arlbergern noch besonders, deren Sprachschnelle mit zu ihren
charakteristischen Eigentümlichkeiten gehört.
Ueber die Reimstellungen in den Liedern handle ich beim
Strophenbau. Ausserdem begegnen nur Reimpaare und gekreuzte^)
Reime in den Strophen der Reden und Briefe ; Mittelreime standen
vielleicht am Beginne von Nr. l (vgl. Anm. zu 1, 1 — 7).
Dreisilbige Reime finden sich 30, 1 swebende : gebende^ sonst
nur stumpfe und zweisilbig klingende, welche in der vierzeiligen
Strophe gewöhnlich mit einander wechseln, also a, v^b; a, wb —
oder ^a, b; ^a, b; doch sind Ausnahmen nicht selten, in denen
entweder alle vier stumpf oder klingend sind. Auch in den Reim-
paaren wechseln sie, doch ganz willkürlich ; beachtenswert aber ist
die Zunahme der stumpfen, welche sich zu den klingenden wie c.
11 : 5 verhalten. Bei Sachsenheim und Braut sind die letztem
hoch seltener geworden.
Der stumpfe Reim ruht auf einer hochbetonten Silbe; allein
auch Ableitungssilben können dafür verwendet werden, wenn ihnen
eine schwächer bet. Silbe vorangeht, z. B. ewenhlzch : {ch, hichtig^r :
8w4r etc. In mehrsilbigen Wörtern aber, wo die Bildungssilbe sich
unmittelbar an die hochbetonte Stammsilbe anlehnt, können beide
mit einander einen klingenden Reim bilden : müoter : guoter 27,
210; alm^chtig : fürtr^chtig 1, 52; 28, 485; demuetig : güetig
25, 103; drivdlüg : gewaltig 5, 117; ungetrulich : grulich 5, 333
u. a. — oder aber der Tiefton der Ableitungssilbe wird noch stark
^) Schon Suehenvirt braucht den Ansdruck ehreutzweis dichten 43, 72.
CCXLIV
genug gefühlt, um sie für die letzte Hebung zu verwenden, so er-
scheinen alm^chtig (: aig) 4, 41; durchluchifg : inbriinaUg 4, 139;
w^UUch (: gich£) o, 259; mdnlich (: dzch) 14, 43; guetltch (; mich)
18, 6; gintzUch (: mtch) 31, 46; güeil'ch {: frvdenrich) 36, 22;
guldin (: schzn) 28, 541; «wwrf^r {} geUr) 27, 166 (: «w;^) 28,
618; mdrt4r {: sw^) 27, 206; tühUr (: «w^r) 27, 233; verrdtir
(: 5«;^) 28, 93 ; vdUcMr (: «w^r) 28, 97 ; cldff^r (: m^r) 28,
109 ; mdrt^r : Uch*^r f), 383. In allen diesen Fällen also ist die
vorausgehende Stammsilbe lang (vgl. p. 240); niemals erscheint
eine blosse Biegunsrssilbe, niemals eine Betonung wie die muof^r^
die »alnh^r u dgl. ^), die den blossen Siibenzählern geläufig ist und
vereinzelt bei schlechten Versmessern auch schon früher begegnet,
besonders bei Hadlaub.
ft. Strophenban.
a. Lieder.
Nr. 6 ist ein Liebeslied von drei Strophen; jede hat vier
vierzeilige Gesätze, deren letztes den Kehrreim bildet. Die Reime
kreuzen sich und sind abwechselnd stumpf und klingend: a, vb,
a, ^b ; das zweite Gesätz hat zwei Waisen. Die Zeilen mit stum-
pfen Reimen haben vier, die mit klingenden drei Hebungen; im
Kehrreime stehen bloss stumpfe Reime.
Das Liebeslied Nr. 7 besteht aus drei zwölfzeiligen Strophen,
in denen Dreiteiligkeit herrscht. Stollen und Abgesang sind gleich
gebaut, letzterer bildet Kehrreim. Der Vers ist der alte viermal
gehobene. Die geradzahligen Zeilen jeder Strophe reimen paarweis
und klingend, die andern haben reimlosen stumpfen Ausgang. Die
beiden Stollen sind durch kein Reimband verbunden und heben
sich dem Inhalte nach vom Abgesange scharf ab.
Nr. 8 ist eine Tagweise mit drei dreiteiligen Strophen, deren
jede sieben viermal gehobene Verse hat nach dem Schema
1) elUnden (= ali Idnii) : sendsn 15, 143 : wenden 28, 671 ; 33, 175
kann nicht hieh^rgesetzt Verden, denn diese Betonung war bei den meisten
Dichtem die gewöhnliche.
CCXLV
w4
a
«4
b
w4
a
w4
b
. w4
0
^
a(d)
v4
c
Die Reime sind also durchweg einsilbig stumpf, nur der in
Vers 20 macht eine Ausnahme. Der zweite Beim des Abgesanges,
der denselben mit den beiden Stollen künstlich verbindet, findet
sich wirklich nur in der zweiten Strophe, die beiden andern zeigen
eine Waise.
Nr. 9, ein Minnelied, dreiteilig. Die beiden dreizeiligen Stollen
sind durch ein Reimband mit einander verbunden. Der Abgesang
hat acht Zeilen und zerfällt in zwei gleiche Teile, deren letzter
einen Kehrreim bildet. Schema w4 a
v4 a
v3 wb
^4
0
»4
c
v3
vb
w4
d
v4
d
w4
d
w3
w«
w4
f
^4
f
v4
f
w3
wg (in der zweiten Strophe
könnte man das künstlichere aab | ccb || ddde | Sfe annehmen).
Nr. 10, ein moralisierendes Wächterlied mit drei Strophen
aus je vier Gesätzen. Jedes Oesätz besteht aus drei Versen mit
stumpfem Schluss : die ersten zwei haben vier Hebungen und reimen
paarweis, die dritte hat drei Hebungen und ist meist reimlos.
Nr. 1 1 ist wieder wie auch Nr. 12 ein Wächterlied, hat drei
Strophen, jede derselben fünf Gesätze, gebaut wie die in Nr. 10.
OOXLVI
Nr. 12 hat ebenfalls drei Strophen mit je drei dreizeiligen
Gesätzen. Die stumpfreimenden Verse haben vier, die dritte, sechste
und neunte Zeile je fünf Hebungen und klingenden reimlosen
Ausgang. Genau beachtet wird dieses Schema jedoch nur in der
ersten Strophe, in der zweiten hat der 12. und 15. Vers fünf
Hebungen, der 18. dagegen nur drei: Hugo kommt allmählich
in das ihm geläufigere Versmass der beiden vorausgegangenen
Lieder hinein, so dass in allen drei Gesätzen der dritten Strophe
jede Schlusszeile nur drei Hebungen hat.
Das beabsichtigte Schema von Nr. 13, einem geistlichen Liede,
ist nicht sicher zu ermitteln, da jede der drei zwanzigzeiligen
Strophen verschiedene Reimstellung hat: '
1) a, vb, a, vb; c, wd, c, v^d; e, wf, e, v.'f; g, vh, i, ^h, k;
vi, m, wl,
2) a, vb, a, vb; c, vd, c, vd; e, vd (?); f, g, f, g; h, vi,
k, vi, 1, vi,
3) a, vb, a, vb; c, vd, e; vf, g, wf, g; wh, i, vh, k; vm (?),
n, vm, 0, vm.
Der Vers ist vierhebig bei stumpfem, dreihebig bei klingendem
Ausgange.
Die moralisierenden Lieder Nr. 22 und 29 verwenden nur die
gewöhnlichen vierzeiligen Strophen, deren das erstere zwei, das
letztere vier zu einer Liedstrophe componiert
Aehnlich werden in Nr. 37 vier vierzeilige Strophen durch
die Melodie zu einer verbunden, doch ist jede vierte Zeile um
einen Fuss verkürzt und jede zweite und vierte eine Waise.
Das waren die singbaren Lieder Hugo's. Sehen wir von
Nr. 22, 29 und 37 ab, welche nur einfache Strophen zu einer zu-
sammengesetzten verbinden, so haben alle andern Lieder Hugo's
nur drei Strophen. Wichtig wird das durch eine Aeusserung
der Liniburger Chronik, welche berichtet, dass im Jahre 1 360 eine
Abänderung in der deutschen Liederpoesie erfolgt sei: bis dahin
habe man lange Lieder gesungen mit fünf oder sechs Gesätzen;
in jenem Jahre aber seien von den Meistern neue Lieder mit drei
Gesätzen gemacht worden (Kob. LG.^ 290). Man hat bei dieser
Stelle verschiedene Erklärungen versucht, deren einfachste sie so
deutet, dass von jener Z-eit an die dreistrophigen Lieder in Gebrauch
gekommen. Sie reicht, wie man sieht, bei Hugo vollkommen aus;
nur darf man den Ausspruch des Chronisten nicht zu strict fassen.
ccxLvn
als hätte er sagen wollen, dass früher keine Lieder mit drei Strophen
und nach 1360 nur solche gedichtet worden seien, sondern mehr
allgemein: früher sang man vorzüglich längere, und jetzt liebten
die Meister besonders dreistrophige Gedichte. Nachrichten der
Chroniken sind ja meist mit solcher Keserve zu nehmen^). Wie
man zu diesem Brauche kommen konnte, scheint mir leicht er-
klärlich: es wurde eben die alte Dreiteiligkeit der Strophe
auf das ganze Gedicht ausgedehnt.
Von den einfachen volkstümlichen Weisen Hugo's sticht der
Strophenbau der beiden unechten Gedichte Nr. 39 und 40 ab.
Nr. 39 ist ein M^rienlied mit fünf dreiteiligen Strophen; jeder der
beiden Stollen hat 9, der Abgesang 8 vierhebige Verse. Stumpfe
und klingende Reime wechseln ohne bestimmte Regel, ihre Stellung
ist folgende abab cdcd e
fgfg hihi e
klkl mmmn (e?).
Zweifelhaft ist, wie es der Dichter mit dem letzten Versaus-
gange meinte: nach der I, II und letzten Strophe könnte er als
Korn gefasst werden, nach der III, IV und letzten auch mit dem
Schlussreim der Stollen correspondieren ; 39, 122 ist in jedem Falle
fehlerhaft.
Nr. 40 ist ein Kreuzlied aus sechs dreiteiligen Strophen mit 28
vierhebigen Versen. Stumpfe und klingende Reime wechseln regel-
los und stellen sich nach dem Schema
abab cdcd e
fgfg hihi 8
klkl mnmmm n.
Das ganze künstliche Schema zeigt sich bei richtiger Textrecensioo
correct durchgeführt.
b. Reden und Briefe.
Den Liedern zunächst steht Nr. 21 mit drei Strophen : die
erste mit 7, die zweite mit 12, die dritte mit 10 Versen, welohd
wahrscheinlich folgende Reimstellung haben:
*) Schon das klingt absonderlich, dass der Chronist für den neuen Brauch
ein bestimmtes Jahr ansetzt; es liegt dabei wohl die Vermutung nahe, dass
in diesem Jahre etwa eine grössere Festlichkeit o. dgl. stattgefunden , auf
welcher ein hervorragender Sänger unter dem Beifall dex übrigen diesen Ge-
dichtbau als den besten gptpriesen habe. Und jschon das würde Toraussetzen,
dass er auch früher bekannt gewesen, aber nur nicht die Allgemeinheit be-
sessen habe, die er nachher erlangte.
ccxLvm
1) aabcbdb
2) aÄb(?)cob eebflfb
3) abbo ddo eec.
Die erste Strophe hat vierhebige stampfe Verse, auch in der zweiten
and dritten sind nur b und o dreihebig and klingend. Um die
Lebhaftigkeit des Ansrafes za erhöhen, hat der Dichter die beiden
ersten Verse durch dreisilbigen Auftact und eine überzählige He-
bung verstärkt (vgl. oben p. 212 und Lachmann zu Iwein 2165).
Das Lehrgedicht Nr. 14 zerfällt in zwei gleich grosse Teile von
je 22 Versen. Stampfe und klingende Verschlösse wechseln ohne
Regel. Die erste Hälfte hat die Hs. noch in drei Strophen auf-
geteilt, deren erste vier (a ^b a vb), zweite neun (a b a c o wd
e e^f), dritte ebenfalls neun (a a^b c cv^/d e e^f (b?) Verse um-
fasst; die zweite Strophe ordnet a vb a v^b o vd e vd f vg f vg,
dann folgen Reimpaare bis zum Schlüsse, von denen nur 41 und
42 klingend sind.
Die 202 Verse von Nr. 25 sind regelmässige Reimpaare und
nach dem Inhalte in vier Abschnitte geteilt (vgl. Abh. H, p, 94)*
Auch Nr. 1, 2, 4, 5 haben Reimpaärfe, Nr, 16 und 17 vierzeilige
Strophen mit gekreuzten Reimen. Um die vierzeil. Strophen der
übrigen Briefe und Reden zu verstehen, ist es nötig, vorerst die
Titurel Strophe in der bei Hugo eigfentümlichen Ausbildung zu
untersuchen, und zwar handelt es sich dabei nicht so sehr um ihre
Beschreibung, welche schon früher z. B. von v. d. Hagen (Grerm. VH,
337) gegeben wurde, als vielmehr um den Nachweis ihrer all-
mählichen Entwicklung, durch den sie erst zu richtiger Beurteilung
gelangen kann.
Die Entstehung und Entwicklung der Titurelstrophe hat ihre
eigene Geschichte. Bezüglich der ersteren ist zu verweisen auf Lach-
mann, Abh. der Berl. Ak. 1835 und zu Wolfram XXVHI; Bartsch,
Germ. H, 263; Martin, Kudrun VI, VII; Scherer, deutsch. Stad.
I, 3; Stejskal, Hadamar XXVI S. Es ist auffallend, dass fast
jeder Dichter die Titurelstrophe mehr öder weniger umgestaltete.
Ihre ursprüngliche Form, in welcher sie Wolfram gebrauchte, war
r r r ^
a
a
b
II b,
wobei die erste, zweite und vierte Zeile im ersten Versteile aaeh
r r f
r t r
CCXLIX
stumpfen Ausgang haben konnten. So fand sie der von Sohar-
fenberg, welcher eine weitgreifende Aenderang daran vornahm,
indem er in den beiden ersten Versen Gäsurreime
einführte. Wurden nun die Zeilen, wie es üblich war, nach den
Reimen abgesetzt, erschien die Strophe in einer völlig andern Ge-
stalt : sie hatte sieben Zeilen mit sechs stumpfen oder klingenden
Beimen, von denen die ersten vier sich kreuzten, die zwei letzten
eine Waise umschlossen. So verwendet sie auch Hadamar, nur
hat er durchweg klingende Reime. Ich brauche ein Beispiel:
Swie minne ein anevdhen
8t fröuden aller meiste^
doch rdte ich nicht vergdhen
sich allen den, den ich nu triuwe leiste, —
8wer im durch minne ein liep ze fröuden kieee^
der warte S wol und achouwe^
daz er sin beste zit iht da Verliese (ed. Stejskal 2)*
Der erste Anblick einer solchen Strophe zeigt ihre wunde
Stelle: die letzten drei Verse haben mit den vier ersten keine tech-
nische Verbindung, vielmehr bebt sie schon die verschiedene Beim-
Stellung von den vorausgehenden ab; es war Gefahr vorhanden»
dass die beiden verschiedenen Teile gänzlich auseinander fallen und
selbständig würden. Das ist nun tatsächlich eingetreten, wie sich
aus Hugo*s Gedichten beweisen lässt: er kenntkeine sieben-
zeilige Titurelstrophe mehr; bei ihm darf man auch nicht
von den beiden Teilen, sondern nur von zwei Arten der Titurel-
strophe sprechen, welche von einander ganz unabhängig sind. Ich
bezeichne daher die erste mit TI , die andere mit T^I. Die
Strophe 15, 46—49 ist Tl , die darauffolgende 15, 50—52 T^ .
Man könnte hier daran denken, dass sie nur der Schreiber von
einander getrennt habe, wenn nicht schon die drei unmittelbar vor-
anstehenden Strophen das Gegenteil bewiesen: 15, 35 — 38 ist Tl;
15, 39-42 wieder Ti; 15, 43—45 TU. Tl konnte also ohne
T^I zweimal hinter einander stehen, wie auch 15, 12 — 20 T^
ohneT^ sich dreimal wiederholt. Es war daher sehr irrig, wenn meine
Vorgänger Hugo's Titurelstrophe mit der alten massen und die-
selbe in Nr. 15 siebenzeilig zu machen suchten (s. Anm.zuNr. 15). So
musste Hugo freilich zu einem scheusslichen Versemacher werden*)!
*) Weinbold z. B. nrteilte über Nr. 16: ^indem ich kleinere Yer^ekea
OOL
TI steht der gewöhnlichen vierzeiligen Strophe sehr nahe, nur
der letzte Vers ist verlängert, was aber auch schon in früherer
Zeit vorkam (vgl. Grimm, Meisterg. p. 41 ; auch Wilmanns, Walth.
p. 35). Hugo lässt daher beide beliebig mit einander wechseln. In
Nr. 15 z. B. steht 1 — 4 eine tadellose vierzeilige unter folgenden
Titurelstrophen ; in Nr. 26 eine Ti (21 — 24) unter vierzeiligen;
vgl. ferner Nr. 3, 1 *), 5, 9, 21, 45; 18, 53; 20, 21, 33; 26,
21, 33, 61; 27, 9, 17, 21, 25, 49, 57, 81, 113; 28, 25,
37, 65, 101 etc.: im ganzen sind 187 Tl-
T^I hat, wie wir gesehen, in ihrer eigentlichen Form drei
Zeilen (vgl. 15, 12, 43, 57, 96 etc.), hielt sich aber nicht in dieser
Gestalt, sondern wurde noch einen Schritt weiter gebracht und
zwar genau in der Richtung, welche die frühere Entwicklung der
Titurelstropbe genommen hatte: indem in dem ersten Langverse ein
Reim eingesetzt wurde, welcher die Waise in dem zweiten entfernte :
15, 50 wem all ir >edch || das {at zergdnklich Üben
und tat och nicht wart dch:
ein wtl ein frud — darnach kane truren geben.
Wird die Strophe wieder nach den Reimen geschrieben, so ist sie
vierzeilig, wie sie auch meist erscheint und mit Tl und der ge-
wöhnlichen vierzeiligen Strophe wechselt (in Nr 20 stehen z. B.
vier TI , zwei T^I und sieben gewöhnliche vierzeilige Strophea
neben einander), ja auch in ihrer dreizeiligen Form kann sie den-
selben Wechsel eingehen, vgl. 32, 37 — 39. Diese. Mischung be-
gegnet in den meisten Briefen und Reden ausser in Nr. 16 und
17. Wenn man sich das gegenwärtig hält, wird man die zwei-
und fünf hebigen Verse nicht mehr als vom Dichter » willkürlich
verkürzte oder verlängerte Kurzverse* ansehen, sondern darin die
charakteristischen Zeilen der Titurelstrophen erkennen und Hugo's
Versmessung etwas besser beurteilen.
T'I unterscheidet sich vor allem von Tl durch die erste Zeile
mit zwei Hebungen ; die zweite beginnt, wie aus dem Schema ohne
Terschweige, führe ich aaf, dass in den Sfcr. 6, 10, 11, 12, 15, 16, 17, 19, 20, 22
beide Teile einander gleichgebant sind, dass Str. 7, 8, 9 die erste und zweite
H&lfte in umgekehrter Ordnung stehen, dass in Str. 21 zwar die Hauptsache
gewahrt, aber die Tier Reime der ersten Abteilung gleich und stumpf sind.
Dem ganzen ist dann noch eine halbe Strophe als Schluss angehängt^. —
Schon dieser letztere Umstand hätte etwas lehren können.
^ Icli citierenut die erste Zeile der Strophe,
COLI
^weiteres evident ist, immer mit Auftaot, es müsste denn die vor-
ausgehende mit klingendem Reime geschlossen haben; vgl. 3, 13»
81; 18, 49, 277; 20, 5, 37; 27, 57, 117, 185, 193; 28, 317,
349, 645, 673, 705; 30, 29, 33; 31, 153, 157; 32, 44, 145,
169; 33, 17, 109; 84, 17; 35, 9, 25, 29; 38, 17, 37, 41,
93, 113, 141, 153, 157, 161, 165, 177; 35, 5; 38, 81 etc.;
nnter allen 84 T^^ begegnen nur vier Ausnahmen in laxeren Reden:
28, 269, 657 ; 32, 157 ; 38, 85. Selten ist es, dass der charak-
teristische Vers von TiMn der zweiten Zeile erscheint (vgl. 27, 133;
31, 129, 169, 257; 38, 25), wie andrerseits auch der charak-
teristische Vers von TI aus der letzten in eine frühere Zeile über-
gehen kann (vgl. 28, 457, 577, 625; 30, 61; 28, 489; äl, 181);
doch wird diese Freiheit erst in den spätem Reden und Briefen
gestattet
Die Keime können in TI und T^l alle stumpf oder klingend
sein, gewöhnlich aber sucht Hugo zwei stumpfe mit zwei klingen-
den zu kreuzen. In diesen Gedichten erlaubt er sich auch die
dreihebigen stumpfen Verse, welche er in den Liedern und in den
Reden mit den Reimpaaren und den alten vierzeiligen Strophen mied
(Abb. V, p. 202 f ). Damit verschwinden aber auch die Anhalts-
punkte für die Beobachtung, wie weit in diesen Versen die nbd,
Dehnung der mhd. kurzen Stammsilben vorgeschritten sei (Abb. V,
193 — 201); denn in 28, 49 — 52 z. B. können sehen : apehm
zweisilbig klingend (vgl. 28, 37 — 40) oder sweisilbig stumpf sein
(vgl. 28, 21 — 24, 101 — 104). Dreihebige Verse mit vierhebigen
bindet er auch hier nicht, und die wenigen Ausnahmen sind ent-
weder als Fehler der Schreiber zu emendieren oder als Versehen
des Dichters zu betrachten; ich werde sie in den Anmerkungen
berücksichtigen.
Dass Hugo auch in seinen epischen Reden zwischen einem
strengeren und freieren Metrum unterscheidet, wie sich hier her-
ausstellt, ist noch besonders hervorzuheben; denn darin trifft er
niit andern Dichtern zusammen: Lichtenstein z. B. erlaubt sich
im FB. Freiheiten, welche er im FD. nicht zulässt, ebenso Heinrich
von Neustadt in GZ. mehr als im Ap., und Sachsenheim meidet
in der Moerin den dreihebigen stumpfen Vers, welchen er im Spie-
gel, Tempel etc. ohne Rückhalt gebraucht.
Mehr als Abnormalitäten anzusehen sind die T^^ , in welchen
der vierte Vers verkürzt ist [aber dann immer nur auf so viel
ccLn
Hebungen, als der oorrespondierende zeigt, s. 18, 81» 121, 229,
273), — und die Tl , in denen umgekehrt der vierte Vers 6 He-
bungen hat (15, 141; 26, 25; 30, 76; 31, 180; 32, 64; 36,
25). Verse der letzteren Art begegnen auch in Strophen, welche
von einzelnen Hss. Hadamar zugeschrieben werden (s. bei Stejskal
p. 144 ff.), ebenso in Püterichs Ehrenbrief; sie erinnern lebhaft
an den Grundsatz, welchen Hesler 1448 ausgesprochen hat: swd
der sin was sS gelegen^ daz ich rächt mochte üz hrengen^ ich
enmüste den rim (= den Vers) Ungen^ s6 was bezzer gesprochen
lerne rim^ da/n sin zubrochen (Germ. I, 196). Ganz verwildert
sind die Verse von Ti in 28, 712; 38, 160, 168.
Die von Hugo gebrauchten, soeben in ihrer Entstehung nach-
gewiesenen Titurelstrophen sind, das ist evident, keine Verrohung,
sondern eine beabsichtigte Umbildung der ursprünglichen; in der
Hand eines geschickten Dichters konnten sie bedeutende poetische
Wirkung erzielen. Das legt die Frage vor, ob sie Hugo zuzu-
schreiben sind, oder ob er sie bei einem anderen Vorgänger be-
reits so vorgefunden habe. Das erstere scheint nicht viel Wahr-
scheinlichkeit zu haben; denn wer will diesem reimverlegenen
Manne zumuten, dass er die sechs Reime der alten Titnrelstrophe
um zwei vermehrte? Aber auch das letztere ist nicht nachzuweisen;
doch darf man nicht vergessen, welch grosser Teil von den Pro-
ducten jener Zeit uns noch unbekannt sein wird, ja selbst die eine
oder andere der vielen Bearbeitungen des j. l'it. konnte in dieser
Weise umgestaltet gewesen sein. Die Frage bleibt also leider
offen stehen, und ich kann nur darauf hindeuten, dass in den Volks-
liedern nicht selten Strophen begegnen, welche mit Hugo*s Titurel-
strophen übereinstimmen:
Ambr. LB. 120, 17 des brvnnens des trinck ich nÜ
er hdt mich 6fft betrögen:
was m/r mein feines lieb hat Z'dgesdgt^
ist ganz und gdr erlögen,
Ambr. LB. 106, 21 er zwingt mich diso sdhr mit seiner gut^
dartimb so wü ich trdgen
diesn sömerldng ein friy gemuty
ein kr^ufzlein grüne.
Die erste Strophe könnte T' , die zweite TU sein. Eine directe
Gewähr, dass darin der Einfluss der Titunlstr. zu erkennen sei, liegt
nhht vor; aber möglich ist es, darum habe ich darauf hingewiesen.
VL POETIK.
Es war anfänglich meine Absicht, auch die Poetik Hngo*s and
seiner Zeitgenossen ausführlich zu behandeln. Allein das Material
ist sehr ausgedehnt, und ich will endlich auch einmal zu Ende
kommen, muss mich also hier mit einer Skizze begnügen, zu der noch
zu vergleichen ist, was ich in Abh. II, 80 — 100 über Hugo*s
Darstellungsweise vom Gesichtspunkte seiner Persönlichkeit aus
gesagt habe.
Hugo selbst teilt, wie wir bereits gehört, seine Dichtungen
ein in Reden, Briefe und Lieder (31, 165 — 176).
Reden, rede als Kunstausdruck begegnet schon frühe (s. Wa-
ckernagel, LG.'^ 183) und bezeichnet Gedichte erzählenden oder
didaktischen Inhaltes, meist in Reimprosa abgefasst, welche ge-
lese^n und gesagt, gegenüber den Liedern, welche gesungen
wurden. Jedes epische Gedicht konnte in seinen Teilen oder als
ganzes eine Rede genannt werden. Diese Auffassung lebt auch in
Hugo's Zeit fort; zugleich aber erhielt das Wort noch einen enge-
ren Begriff zur Bezeichnung einer bestimmten Gedichtgattung, welche
jetzt neben den Liedern ebenso allgemein war wie im Mhd. die
Spruchdichtung, mit der sie historischen Zusammenhang besitzt,
was ich nachzuweisen versuchen will.
Die Sprüche standen in der Mitte zwischen reiner Lyrik und
Epik, im Uebergange von der Arie in das Recitativ. Sie bewegten
sich auf ethischem und politischem Boden: ergiengen sich in Be-
trachtungen, erteilten Lehren und Ermahnungen, schilderten Ge-
genstände, behandelten die Lebensverhältnisse des Dichters, der
Gesellschaft, des Staates und der Kirche. ' Dieselbe Domaine be-
herrschten auch die Reden, nur hat das didaktische und epische
Element noch grössere Breite gewonnen, wodurch die Erzählungs-
und Redeform noch stärker hervortritt. Die Reden sind länger,
detailreicher, tatsächlicher geworden als die Sprüche, indem sie die
CCLIV
Erzählangen, die früher kaum angedeutet und oft nur durch eine
Anspielung hereingezogen wurden, breit ausführen, häufig mit Ein-
leitung und Schluss versehen, mit Handlungen und detaillierten Na-
turschilderungen durchweben und in verschiedene Einkleidungen,
besonders allegorische, einhüllen^).
Der Form nach unterschieden sich die Sprüche von den Lie-
dern zunächst durch kunstloseren Bau : hier hörte zuerst die Drei-
teiligkeit auf; schon Waither baute mehr als die Hälfte seiner
Sprüche ohne dieselbe, ja einige in blossen Reimpaaren, der alten
Form der Erzählung^); sodann bestanden die Sprüche hauptsächlich
nur aus einer Strophe. Aber dieses letztere Merkmal begann
man bereits am Ende des 13. und Beginn desl 14. Jahrhunderts
&llen zu lassen; schon Frauenlob und seine Nachfolger hatten
j Sprüche von 3, 5 und mehr Strophen; die zunehmende Red-
seligkeit legte sich in diesem Punkte fernerhin keine Beschränkung
mehr auf. Somit sind wir auch in formeller Hinsicht durch die
Sprüche zu den Reden hinabgeführt worden.
Aber auch im Namen selbst liegt der Zusammenhang zwischen
beiden, die qualitative Gleichheit und die quantitative Verschieden-
heit ausgedrückt: Spruch — Rede. So lange der Spruch eiu-
strophig war, genügte ihm sein Name, der zu eng und zur «Rede*
wurde mit der wachsenden Zahl der Strophen.
Wenn also die Dichter am Ende des 14. Jhds., wenn Teich-
ner, Suchenwirt, Hugo und andere Zeitgenossen neben den Liedern
an Stelle der früheren Sprüche nur „Reden* haben und hervor-
heben, darf man dann sagen, dass die Dichtungsgattung der Sprüche
zu Grunde gegangen sei ? Haben diese nicht vielmehr nur dem all-
gemeinen Charakter der spätem Dichtung gemäss ihre Gestalt ver-
ändert und sich in Reden verebbet? Es ist daher sehr bezeichnend,
wenn auch jetzt noch für die veränderte Gestalt der alten Gattung
vereinzelt der alte Name neben dem neuen auftaucht: so nennt z. B.
Rosenblüt didaktisch-erzählende Gedichte derselben Art bald Reden
bald Sprüche.
Diese Dichtungsgattung war im 14. und 15. Jhd. sehr beliebt^
denn sie passte mit ihrer einfachen leicht bezwingbaren Form, in
^j Meist ist es ein Abenteuer auf einem einsamen Gange, ein Zasammen-
treffen, ein Gespräch mit allegorischen Personen (Nr. 28, 29), dann aber auch
ein Traum, eine Vision (Nr. 25, 31) u. dgl.
*) In L. 8, 4; 8, 28; 9, 16 ist nur die letzte Zeile verdoppelt.
CCLV
der sich alles unterbringen Hess, zu den schwächlichen Dichtem
dieser Periode. Von Hugo's Producten gehört der grössere Teil,
von Suchenwirt das meiste, was er gedichtet, von Teichner alles
dahin.
Der metrischen Form nach zerfallen Hugo*s Reden in solche
mit Reimpaaren (Nr. 1, 2, 4, 5, 25), in solche mit vierzeiligen
(Nr. 15, 16, 17, 18, 20, 24 etc.) und in solche mit noch mehr-
zeiligen, aber nicht dreiteiligen Strophen (Nr. 14 und 21). üeber
diese Formen im besonderen wurde schon Abh. V, 247 flf. gehan-
delt. — Dem Inhalte und ihrer Tendenz nach lassen sich die Re-
den einteilen in geistliche und weltliche; freilich greifen beide
Gattungen vielfach in einander, so dass die Entscheidung oft zweifel-
haft ist. Zu den ersteren rechne ich Nr. 4, 14, 15, 24, 25, 26, 27,
30, 32, 33, die übrigen zu den weltlichen, von welchen Nr. 2 und
der erste Teil von Nr. 5 noch besonders hervorzuheben sind ; denn
sie gehören zu der Memoirendichtung, den Anfangen der Autobio-
graphien, welche in der französischen Dichtung besonders von den
Troubadours, in der deutschen von Lichtenstein und nach Hugo
von Oswald v. Wolkenstein und Michael Beheim gepflegt wurden.
Briefe. Vergleiche darüber Wackernagel LG.^ 346, 352,
375. Es gibt zwei Arten: didaktische und Minnebriefe. Hugo
pflegte nur die letzteren, welche mit den absterbenden Minneliedern
in Verbindung stehen und besonders seit dem 14. Jhd. häufiger wur-
den. Während nämlich in dieser Zeit die Sangesfähigkeit und damit
auch die Sangesfreude sank, nahm die Schreibübung und Schreiblust
in demselben Masse zu. Statt der Geliebten ein Lied zu singen,
zog man es vor, ihr einen Brief zu schreiben. Hugo selbst gibt
ein merkwürdiges Beispiel in 3, 5 ff., wo er zur Geliebten sagt:
und künde sich din guete ua hluogen silme^ richten^ ich weit nach
mim gemuete diner trüw ein minneliedli tichten; so aber
lässt er es bei einem Briefe bewenden, der in Nr. 3 tatsächlich
vorhanden ist. Es versteht sich nun von selbst, dass solche Briefe
einen grossen Teil ihres Inhaltes mit den Liedern teilen und gleich-
falls der Minnepoesie angehören: hier finden sich neben sonstigen
Betrachtungen noch die alten Liebesfreuden und Liebesklagen, noch
viele , Blumen des Minneliedes *, wie ühland (Sehr. V, 268) sich
ausgedrückt hat, so dass sie als Nachwirkung des verhallenden
Minnesanges zu betrachten sind. Hug'os Briefe sind 3, 19, 23,
34, 35, 36, sämmtliche in vierzeiligen Strophen, vgl. Abh. V,
CCLVI
248 ff. Die Briefform besitzen ansserdem noch Nr. 20 and 26. Das
erstere Gedicht ist geradezu ein Antwortschreiben auf einen Brief
seiner Frau (41, 42), das letztere hat mehr moralisierenden Gha*
rakter nnd mit den eigentlichen Briefen nur den Eingang gemein.
Dass aber beide vom Dichter zu den Reden gezählt worden, lehrt
seine eigene Einteilung der Gedichte (31, 165 — 176).
Lieder. Sie zerfallen in Tanzlieder (Nr. 6, 7, 8, 9), in morali-
sierende -(Nr. 13, 22, 29) und Taglieder (Nr. 8, 10, 11, 12, 37).
Die erstem teilf'n noch den Gegenstand und die mehrteilige
Strophenform (V, 244 f.) mit dem alten Minneliede. Der Dichter
wirbt um die Gunst der Geliebten, preist seine Dienstleistung, Liebe
und Treue, beschwört sie um Gegenliebe und Begünstigung. Nur ein
starker Zug zum realistischen gegenüber dem früheren überspannten
Idealismus tritt hervor und deutet dt'n üebergang zur Volks-
poesie an.
Dagegen sind die moralisierenden Lieder ganz das Produot
dieser neuen lehrhaften Zeit. Nr. 1.^ gemahnt an den geistlichen
Kirchengesang (Wackernagel LG.^ •'^^2), aber nur in den beiden
ersten Strophen; die dritte verliert sich in Polemik, und was sie
noch mit den Liedern verbindet,' ist rfnr die liedmässige Strophen-
form. In Nr. 22 nnd 29 geht auch diese verloren ; denn die dort
componierten vierzeilia;en Strophen (V, 246) verwendet Hugo auch
für rein epische Didaxis, so dass, wenn uns nicht die Noten die
Intention des Dichters anzeigten, wir beide Producte unbedenklich
zu den Reden zählen würden, ja das letztere noch zu einer be-
stimmten Gattung dieser Art, zum Streitgedichte oder der
Tenzone*), in welcher man eine Vorstufe des Drama's zu erblicken
geneigt ist. Der Dichter stellt sich nämlich der objectiv erfassten
Personification „Frau Welt* gegenüber, die er in wechselnder Rede
bekämpft. Dass er schliesslich die Welt besiegt, der Streit also
Fortschritt und Abschluss gewinnt, verstärkt das dramatische Ele-
ment in diesem Gedichte.
Taglied. Bei Hugo sind beide Gattungen des Tagliedes
{tagwtse^ wie er es selbst nennt) vertreten: die weltlichen in Nr. 8
nnd 37, die geistlichen in Nr. 10, 11 und 12.
Nr. 8 entbehrt jedes dramatischen Elementes, welches beson-
^) Vgl. aach die erste Hälfte von Nr. 31, dann Teichners ^daz got m
cdUn saehen si^ und Sachenwirts y,von der Liebin und d^ Sehonin^.
CGLVn
ders darch die Zwiegespräche zwischen den Liebenden und dem
Wächter oder der Liebenden unter einander in diese Gattung kam
und seit dem 13. Jhd. selten fehlte; vgl. Bartsch, über die ro-
manischen und deutschen Tagelieder (Album des liter. Yer. in
Nürnberg 1865) p. 25. Es ist rein episch, in Form eines Selbst-
gespräches erzählend, also ganz zu dem alten volksmässigen Tone
zurückgekommen, der in den ersten Liedern dieser Gattung zu
vernehmen ist: in ähnlicher Weise wie etwa Guiraut Requier in
seiner .Serena* (bei Bartsch p. 14) sehnt sich der Dichter nach
der Ankunft des Abends, wo ihn die Geliebte empfängt. Keine
Andeutung von Wechselreden oder andern Geschehnissen: Hugo
fixiert nur die beiden poetischen Endpunkte der Liebesnacht, die
Ankunft am Abend, wo sie ihn erfreut, den Abschied am Morgen,
wenn das Avemariaglöcklein läutet, das Wächterhom ertönt und
die Morgensterne sich erheben; daneben streut er nur noch die
Andeutung ein, dass alles züchtig zugegangen sei« Der Wächter
wird mit keinem Worte erwähnt, man hört ihn sein Hörn blasen,
wie den Messner seine Glocke läuten: nichts um damit die beiden
Liebenden zu warnen, sondern nur, weil das seines Amtes ist. Und
darin zeigt sich wieder Hugo*s Naturwabrheit, der reale Zug seiner
Dichtung; denn der Wächter war in den meisten Fällen sicher mar
blosse poetische Fiction, die nicht einmal viel innere Wahrscheio-
liebkeit hatte, was schon Dichter wie Steinmar und Lichtenstein
erkannten (s. Bartsch 41). Da offenbart sich neuerdings Huga*8
Verwandtschaft mit der volksmässigen Dichtung*).
Auch dadurch weist Hugo auf die älteste Gestalt dieses Genre'a
zurück, dass er in die letzte Zeile des Liedes das Wort ,,tag^
(provenzalisch alba, Bartsch p. 3) einflicht, wodurch der Charft&ter
des Gedichtes als Taglied auch noch formell scharf hervorgehoben
wird; Man könnte das in Nr. 8 vielleicht für Zufall haltenv wenn
nicht auch das andere weltliche und das erste und zweite geist*
liehe Taglied tag oder tagt in der letzten Zeile hätten.
^) Im eigPDtlichen Tolksmässigeo Tagliede kommt def Wächter nicht yor.
Natürlich: denn was sollte der Wächter auf dem Giebel des bürgerlichen oder
bäuerlichen Hauses ; er müsste denn seine Rolle an den Nachtwächter abgeben.
Wenn er gleichwohl ab und zu begegnet, so erblicken wir darin ein Element,
-«reiches stä der Runst^ehtung fü die Yolks^oesie gekommeifi ist, -Wie ja solcl^e
Einflüfsse auch sonst nachzuweiseii sind und nacbzuireisen sein irerdfltt, äo lange
die einzelnen Stände nicht streng abgekastet sind.
Wackerneil, Hontfort. 17
ccLvm
In Nr. 37 ist zwar der Wächter vorhanden, aber nur zur
Staffage, zur Anrede des Dichters; er selbst spricht nicht und han-
delt nicht. Das Product ist sch^rächer als Nr. 8, ist weder Fisch
noch Fleisch, ein todtgeborenes Kind, dem die erste Lebensbedin-
gung fehlt: es ist nicht an Hugo*s Greliebte, sondern an seine Frau
gerichtet Damit entfällt gerade das, was in dieser Gattung fesselte
und dichterisches Interesse beanspruchte: die sehnsüchtige Erwar-
tung am Abende und besonders der Abschied am Morgen. Bei
seiner Frau kann er bleiben oder gehen, das ist uns einerlei, ebenso
auch, ob die beiden Eheleute vom Wächter oder Kammerdiener
geweckt werden oder allein erwachen; nirgends ist hier mehr ein
packender Punkt. Das hat Hugo wohl selbst gefühlt und daher
das leere Gedicht durch das Lob seiner Frau und dann der Weiber
überhaupt, welche bei Tag und Nacht der Männer Leid vertreiben
und Mut erhöhen, auszufüllen gesucht; dazwischen mischt er die
Klagen, dass ihm das Dichten, besonders das weltliche, nicht
mehr von Statten gehe, ferner die Bitten an Gott um sein eigenes
und seiner Frau Wohlergehen und andere Lappen, welche er von
seinen früheren Gedichten undique decerpit.
Nr. 11, 10, 12 (nach der chfohdlogischen Ordnung, s, Abh.
in, 135) sind geistliche Taglibder. Bei Hugo kann man sehen, wie
die geistlichen Taglieder mit den weltlichen im Zusammenhange ste-
hen. Nr. 11, das nach dem weltlichen Nr. 8 enstanden ist, nimmt eine
Mittelstellung ein; der Wächter erscheint in zweifacher Gestalt:
er ist noch der Schützer der Liebesnächte, hat noch die Aufgabe,
beim Morgengrauen die seligen vnb zu wecken, damit sie vor böser
klaff er zunge bewahrt bleiben; daneben ist er aber auch schon
der Warner, der den Dichter von seinem weltlichen Tun und Dich-
ten abzuhalten sucht Der Hauptnachdruck liegt hier noch auf
dem Preis der Frauen, und was das Product mit den geistlichen
Liedern dieser Gattung verbindet, ist nur die Allgemeinheit der
Situation und der Eingangs angeschlagene moralisierende Ton.
Erst die zwei folgenden Taglieder sind ganz geistlichen Cha-
rakters. Der Wächter wird eine rein allegorische Figur, ist der
Gewissensrat, der personificierte Schutzengel, der nicht Frauen weckt,
sondern den Dichter aus seiner weltlichen Gesinnung, damit er
einen gottgefälligeren Lebenswandel beginne, wozu es höchste Zeit
sei. Auch Tag und Nacht sind symbolisch gedeutet für des Men-
schen Leben und Sterben. Von den Frauen ist gar keine Rede
OCLJX
mehr, nur von Bekehrung, von Welt und Ewigkeit, von Gtottes
Grösse, Strenge und Güte. Sehr hezeichnend schliesst Nr. 12 mit
einem Gebete: das Taglied ist zum Taggebete geworden.
Vereinzelte losgebröckelte Elemente des Tagliedes sind auch
m die übrigen Reden eingedrungen; so beginnt Nr. 24 mit dem
Anruf an den Wächter, und der Eingang von Nr. 15 gleicht ganz
dem eines geistlichen Tagliedes.
Das waren Hugo*s Dichtungsgattungen. Man wird erkannt
haben, wie sie vielfach in einander fliessen und oft nur mehr durch
rein äussere mechanische Merkmale unterscheidbar sind. Das ist
charakteristisch für ihn wie für seine ganze Zeit; denn das erste
Exiterium RLr den Eunstgeschmack bietet immer die Behandlung/
der Form, der Form im höheren Sinne, welche ihrer Natur nach!
abhängig ist vom Stoffe und Gehalte der Dichtung, aus dem sie
hervorwachsen soll, wie die Gestalt der Pflanzen aus ihrem Reime
und ihren innern Lebenstrieben. Wo sie in Reinheit erscheint,
verkündet sie Blüte, wo sie zerfällt, dass der Poesie das Leben
entschwindet.
Die guten mhd. Dichter haben streng zwischen lyrischen und
epischen Stoffen unterschieden, haben ans dem epischen Yolksge-
sang des 12. Jhds. Tfie aus einem zweilappigen Keimansatze die
reine höfische Lyrik und Epik hervorgebildet. Aber der Dichter,
denen dieses gelang, sind nicht viele, und noch vor der ersten
Hälfte des 13. Jhds. macht sich bei Dichter und Publikum wieder
ein verderbter Geschmack geltend, beginnen die beiden Dichtungs-
arten neuerdings in einander zu greifen. Zuerst wurde das natür-
lich in der Lyrik bemerkbar, welche man zum Epischen kehrte.
Schon Marner klagt, dass man statt seiner Lieder lieber nach Er-
zählungen greife (XV, 14 — 16; Strai^ch p. 34), während bereits
die s. g. höfische Dorfpoesie in grösserem Massstabe den epischen
Ton in die Lyrik mischte. Der grösste Teil des Uebels aber
kam von der über alle Dichtungsgattungen, auch über die Lyrik
mehr und mehr hereindringenden Didaxis, welche ihrem Ursprünge'
und Wesen nach der Epik näher steht als der Lyrik, in so
fern als sie die Wahrheiten und Lehren wie objective Tatsachen
erfasst, darstellt und andern mitteilt. Wie deutlich zeigt sich
ihr verderblicher Einfluss z. B. in Hugo's Gedicht Nr. 13, wo
er vom echt lyrisch empfundenen zum bloss gedachten , zur Lehr-
OGLX
hafti^eit übergeht und sich ia der letzten Strophe in eine ge-
khrt« Polemik verirrt, welche in einer epischen Rede mehr am
Platze wäre als in diesem Uede. Aach Nr. 22 will der Dichter
als Lied betrachtet wissen, obgleich nichts daran lyrisch« vielmehr
das ganze didaktisch gelehrt und seinem Gehalte nach ebenso eine
Bede ist wie Nr. 14 oder 26, zn denen es ein Seitenstück bildet
Nicht geringer ist die Greschmacksverirrung in Nr. 29, wie wir
gesehen haben. Diese Prodncte beweisen also, wie sehr ihm die
künstlerische Harmonie zwischen Inhalt und Form abhanden ge-
kommen ist.
Wie bei Hugo so ist es anch bei den meisten andern Zeit-
genossen nnd Nachfolgern: sie vermischen in ihren Liedern allge-
maoh die lyrischen, wirklich sangbaren Teile mit grössern Stücken
von lehrhaftem, rednerischem nnd erzählendem Inhalte, nnd wir
begreifen nnn, wie es dem jämmerlichen Beheim einfallen konnte
zn seinem Bache von den Wienern eine Melodie zn machen, da-
mit man e$ lesen taag als einen sprach oder singen als ein lietl
Nach dem gesagten überrascht es auch nicht mehr, wenn wir
umgekehrt die Reden stark mit lyrischen Elementen versetzt fin-
den, Nr. 1 ist eines der snbjectivsten nnd liedmässigsten Gedichte
Hagor*8, und nnr die erzählende Form der Reimpaare beweist, dass
er das nicht erkannt und es zu den Reden gerechnet hat. Ebenso
ist Nr. 16, wo die Beschreibungen meist die eigene Ergriffenheit,
die Bewegung des Innern, des Dichters Empfindungen und Ge-
danken, die er für sich aasspricht, reflectieren, viel mehr lyrisch
und stimmungsvoll als die componierte Predigt in Nr. 22 oder
der singbare Kampf gegen die Frau Welt (Nr. 29) in der gleichen
metrischen Form. Dasselbe gilt für Nr. 21 n. a. — So werden
di» 9 Reden'' ein Gemisch von lyrischen, dialogischen, erzählenden
nad lehrhaften Bestandteilen, und nichts ist hinwiederum bezeich-
nender fiir den poetischen Standpunkt dieser Zeit, als dass gerade
diese Gattang, welche zwischen reiner Lyrik und Epik gestaltlos
ift der Mitte liegt, am meisten gepflegt wurde.
rafer
^ntf ort^ t
, Graf TO Hedwig.
t circa 12
fin Ton Li
Guta.
Ägn e
%
/
GEDICHTE.
I.
A.
.n dich gedenkhen hat erkikht ; Fol. 1
das leben inia
uss aller pin,
trut keiserin!
5 min muot, min sin
uff endes zil
dient^dir sicherlichen.
wisz och, das mich daz hertze wist
und sich tegelichen flist
10 mitt gantzem muot der sinne min,
das ich durch keiner slachte pin
vergesse miner trüwen.
es tuot mich niemer rüwen
gantze trüw an argen wan,
15 wan ich nie lieber lieb gewan.
das züg ich an den werden gott, . *
dses ich doch tuon nach sim gebott,
hän ich dich lieb für alljdis weit.
frow, des gib mir widergelt,
20 das ich für war werd innen
widergelts mit lieben sinnen,
mitt trüwen und mit eren.
wizz, das sich sicher meren
min steti tuot von tag ze tag.
25 frow, du bist min bluejender hag,
entsprossen in mim hertzen.
du kanst mir wenden smertzen
für alles, das ich ie gesach.
zartes bild, ein obetaoh
30 suoch du dir nach lere.
frow, huet diner ere,
Zeile 2, 3, 4 u. 6, 7 hat die Hs. zusammengeschrieben. 4 kayserin.
5 mut. 8 auch, dz hertze. 9 teglichen fleist. 11 kainer. 12 meiner
trewen. 13 rewen. 14 Gantz trew. 19 Fraw. 20 Innen. 22 fcrewen.
24 stetikait von. 25 Fraw. blüyender. 26 minem. 28 ye. 29 ain.
30 Such. 1er. 31 Fraw. eer.
\
^
— 4 —
bis stet an alles wenken.
du solt daran gedenken,
das er nieman vergelten mag:
. 35 wer alles, das der helle tag
überschinet, sicherlich,
es wer doch unmügelich, #
das sie mit vergolten wer.
zartü frow so tagentber,
40 du volg miner lere ;
sicherlich frow Ere
die muosz dich überkrönen.
für alles vogeldönen, Fol. 1^
gich ich din lieplich sinne.
45 min höchste künneginne
weltlich uf diser erden,
min hertz daz muest verderben,
hett ich nit din guete.
vor ungelükh behuete
50 gott dich durch sin trinitat!
sin kraft doch niemer ende hat
und ist och gar almechtig.
min hertz das ist fürtrechtig
nach diner suessen minne:
55 in diner guet ich brinne
mit ernest und mit stetem muot.
Zwar ich gesach doch nie kein guot,
darumb ich missetete;
ob michs all die weit dann bete,
, 60 das wer mir gliches als ein wind.
min glük, min heil, min seiden kind,
du bist ze tröst erkoren mir.
das sag ich sicherlichen dir,
das du mir bist, das nieman weisz:
65 das firmament, der zirkelkreisz
37 mugiich. 38 sy nit yergolten. 39 tugentbär. 40 meiner 1er.
41 fraw eer. 44 Gich (?). dein. sinn. 45 Mein, küneginn. 46 auf.
47 Mein. 48 Dein. 50 sein. 52 auch, 54 deiner, minn. 55 deiner, hrinn.
56 ernst. 57 kain. 58 missetet. 59 bet. 60 glaichs. ain. 61 mein
alJe drei mal. hail. 62 erkorn. ^4 waisz. 65 zirkelkraisz.
— 5 —
der bat dich umbeslossen.
frow, bis unverdrossen
gen gott des ersten morgens frao;
dem sprich mit gantzer demaot zuo
70 und bitt in durch sin guete,
das er dich wol behuete
vor grossem misselingen.
darnach so 1ä dich vinden
gen der weit mit schimpfe';
75 da suoch du fröd mit glimpfe,
Zucht und bescheidenheit,
so wirt din lob unmassen breit,
du werdes wib, mins hertzen schrin,
du rechte muotes kikerin
80 mins hertzen und minr sinne !
frov Er, die rechte minne
hat mich usz dir geschossen,
min hertz das ist verslossen
mit trüwen und mit stetikeit,
85 zarte frow, bin ich bereit,
wilt du mich icht versuochen,
ald wes du wilt geruochen
gen mir, das tuon ich willeklich.
du macht och wol versuochen mich,
90 wie dikh du wilt, min höchster hört!
II.
w,
er aventür wil hören, Fol. 2
und wil in nit betören,
wie es mir in der jugent gie:
ein selig wib mich umbe vie
5 mitt ir suessen minne.
ich gedacht in minem sinne:
70 sein. 74 schimpf. 75 gelimpf. 76 beschaydenhait. 77 brait.
78 weib. 79 mutes. 80 Meins. meinr simi. 81 Fraw eer. recht
minn. 82 ausz. 83 Mein. 84 trewen. stetikait. 85 fraw. berait.
87 wes wilt du. 89 auch. 90 mein.
4. Ain. weib. umb yie. 5 mimi. 6 meinem sinn.
- 6 -
dafür weit ich nit keiser sin!
nu was das liebe frowelin
geschikt als es von rechte sold.
10 ir lieb nem ich für alles gold,
ir angesicht, min sannen sch!n,
als edel gestein von Arabin
das möcht ir nit geliehen.
ir Wandel tett mich riehen,
15 den si wiplich an ir traog:
weidenlich hübsch unde kluog
pflag si mit gnoten sitten,
untrüwen gar vermitten
in irs hertzen stammen.
20 si schozz mit füres flammen
in mines hertzen klusen.
gen Senenberg behusen
ward ich do ze stunden
trürig gentzlich fanden
25 and in grossen sorgen da:
Amor vincit omnia,
vieng mich mit gantzer kreft.
ich wen, das ritterscheft
an wer als gar nie niderlag.
30 ich gedächt: kem mir der seiden tag,
das ich könd erwerben
vor mines todes sterben
der fröwea huld, ir guete,
so wer mir ungemaete
35 zergangen als der sne,
mir tet kein trüren we.
darnach begond ich sinnen,
mocht ich sie bringen innen,
wie es mir an mim hertzen lit.
40 ich kam zuo einer seligen zit
gegangen zao der frowen;
ich wolt da gerne schowen,
7 kaiser. 8 lieb. • 9 recht. 1 2 gestain. arabin. 1 5 weiplich. Ir.
16 Waidenlich. und. 17 sy. 18 Vntrewen. 22 senenberg.
24 Trawrig. 25 und fehlt. 28 wen. 36 kain trawren.
38 sjr, 39 meim, leit. 40 kern, ainer. zeit. 42 gem.
— 7 — •
wie mir min red gelükhen weit.
ich gedächt: ir guct ist ungezelt,
45 si vervächt mirs tugentlich.
ich sprach: »fröwe gnadenrich,
vernemet mich, was ich ü sag. Fol. 2^
es ist mer dann jär und tag,
zwang mich üwer guete.
50 ir kunnent mir ungrauete
mindern und och raeren;
darnach wolt ich mich keren,
das ich in üwerm dienst weit sin,
so kern ich gar us grosser pin.*
55 si sprach: »zuo minem gott!
es dunket mich ein spott
die red, die ich davor mir hän ghört.
dik wib und man wirt betört
mitt Worten, da man der werch nicht phligt.
60 wie gar man es so ringe wigt,
damit die weit nu umbe gat:
liegen, triegen fruo und spät,
das heissent si geschibikeit.
phuch der von adel wäppen treit!
65 ir sult üch sin iemer schammen,
wann es tuot an gewissen lammen*.
ich sprach: »fröw, des tuon ich nicht*!
erschrokhen was min zuoversicht,
daz macht an mir der ernest grösz:
70 die röt mir under die ögen schosz,
das macht des bluotes hitz.
ich kond noch das noch ditz
und stiesz och an den Worten min.
damit erkant die frowe so vin
75 den ernest, der mir nahe was.
si sprach: „gesell, ich merkh wol, das
45 Sy. 46 fro gnadenreich. 47 Vernempt. ew. 49 ewer.
50 vngemüte. 51 auch. 54 aus. 55 zu. 56 dunkt. ain. 57 gehört.
58 weib. betört. 59 werich. 60 ring. 61 umb gät. 63 hais-
sent sy geschibikait. 64 trait. 65 lichs. yem'. 69 ernst. 72 doch
das. 73 auch. 75 ernst.
~ 8 —
du wilt zeim stummen werden.
ich lass dich nit uf erden,
du solt in minem dienst bestan,
80 wann ich dir d€s mit eren gan, ,
daruflP macht du wol büwen. ^
des lob ich dir mit truwen,
und tuo mir das herwider. "
hiemit da ward gevider
85 trüwe stet mit hohem muot:
»werlich din lieb sich meren tuot
als durch den barillen die gesicht.
nu ist als min leid euwicht:
frow, ir gend mir üwern segen,
90 wann ich wil rechter triiwen phlegen,
was ich üch verheissen hän.*
hin huob ich mich uf des strasses pan.
darnach was es wol jar und tag,
das ich nie rechter ruowe phlag
95 von rechtem senen hinder sich»
zuo einem hof, was lobelich,
kam ich geritten in das land,
da ich die wolgemuoten vand
und ritterschaft ein michel teil,
100 graven, frien, herren geil,
die woltend tribeu ritterspil, Fol. 3
turnieren, stechen zuo dem zil.
min muot was fri mit gediegen guot,
als noch vil manig ritter tuot,
105 den hofnung nert und zuoversicht:
susz wer die minn vil gar enwicht.
in solicher mazz was ich och da.
ich gedacht: wie macht du werden grä?
in kurtzen jaren bschioht sin nicht;
110 wenn dich die minneklich an sieht,
77 zu ainem. 78 auf. 89 In. 80 gan. 81 darauff. buwen.
82 trewen. 85 Trew. 87 barillen tut. 88 laid. 89 Fraw.
1)1 euch verhaisscn. 92 auf. 93 was ich. 94 ruwe. 96 ainem.
loblich. 97 In. 99 ain. tail. 100 fryen. gail. 103 fi:y.
J07 auch, 109 Z>eschicht.
— 9 —
so bist du alles leides bar.
hieuiit zoch man die rosse dar
uad bereit, als es gewoalich ist,
gar meisterlich nach meisters list:
115 die rozz gar wol gezieret,
mit dekben durch florieret,
daruf mang schilt gar rieh erschein
von sechs varwen sunder ein
(an zwo so mag nit wäppen sin).
120 dri varwe mach ich zwifalt schin
von härm und von zobel
unnen und och oben,
in schiltes rant, in egg, in ort,
kele dik darin gehört,
125 als es die visimente lert,
gar meisterlich darin gekert.
mang schilt gab von golde schin,
Silber wisz was och darin.
sölt ichs als blasinieren,
130 die Wappen also zieren,
des were mir ze vil:
der silmen zal, der stunden zil
der mag ich nit gewalten,
in minem sinn behalten;
135 darzuo gehört der Suochenwirt,
der dik mit red als nahe schirt,
man mocht es griffen mit der band.
' er ist in mangem laud erkand,
das sag ich üch mit einem wort:
140 er ist der best, den ich ie ghort
von gott und von den wappen.
da tribt er keine gräppen,
\ er vächtz mit gebluemten Worten an,
des ich doch leider nit enkan!
111 laides bar. 113 berait. 114 maisterlich. maisters. 115 rozz.
117 darauf manig. erschain. 118 ain, 120 Drey yarw. 122 oben
SDel. 124 kel. 125 uisunent. 126 maisterlich. 127 manig. 128 weisz.
auch. 131 wer. 135 suchenwirt. 139ainem. 140 gehört. 142 kaine.
144 laider.
— 10 -
111.
G
Ott gruezz diu lieben ögen,
din mund und och din birn!
ich stän sin äne lögen:
du bist in minem hertzen ein senlich liebi dirn. Fol. 3^
5 Und künde sich din guete
US kluogen silmen richten,
ich weit nach mim gemuete
diner trüw ein minneliedli tichten.
Din sehen gab mir ze stüre
10 in mines hertzen grund,
din scharphen blikh gehüre
band mir sinn und muot in rechter lieb enzunt.
Ich wand, ich wolt
nach diner minn verbrinnen.
15 du gist mir fröden riehen solt,
din guetikeit sol des werden innen.
Als lieb zergät mit leid
weltlich uf diser erden
(sprich ich uf minen eid),
20 es mag nit anders werden.
Also bin ich nit gescheiden,
des wil ich got getrüwen.
nieman lazz mich dir leiden.
ich wolt uf din stetikeit einn hohen turn büwen.
25 0 lieplich zart, du suesse,
mins hertzen fröd und lust!
zwei ephelli ich gruesse,
gewachsen usz diner brüst.
2 auch. 4 In. ain. 5 gut. 7 meim gemüt. 8 trew ain. 9 stür.
11 gehür. 12 hand fehlt. 13 dritte und vierte Strophe zu-
sammengeschrieben. 14 deiner. 15 geist. reichen. 16 guetikait.
17 laid. 18 auf. 10 auf meinen eid. 21 geschaiden. 22 ge-
trawen. 23 Niemand. layden. 24 auf dein stetikait ainen. bawen.
25 süss. 26 Meins. - 27 Zway äphelli. griiss. 28 deiner.
— 11 —
Die sind gar wol gedran
30 und stand ital eben,
gar wirdeklich und schön:
in seiden muessist leben!
Fürbas ich nit reden kan,
als ich din gueti loben sol;
35 gott der mich geschaffen hat,
der weisz min gedenken wol.
Hab guoten muot, min lieber buol,
bis fri vor allem truren,
setz mich uf der fröden stuol:
40 uff mich so macht du muren.
Was ich dir ie verheissen hän,
das hast du also funden?
glük gang dich mitteinander an,
des wünsch ich dir ze stunden.
45 Du solt in dinem schriben
mich furbas nit me nennen
(an dir wil ich stet beliben):
Geschrift und schriber kan ich wol kennen.
Der schriber ist dins handeis
50 (gott geb im selig zit),
eins züchtigen wandeis,
sin-geberd gar eben lit.
Wil er darzuo verswigen sin,
so hat er gnäd von gott;
55 wann nachred bringet grosse pin
und wirt eins selber ze spott.
Ich weisz von im nit denn guot. Fol. 4
ich warnen in susz daran,
daz er sich hab in rechter huot,
. 60 wann ich im guotes gan.
29 gedrön. 34 als ich fehlt. 36 waisz. 38 fry. trawren.
39 auf. 41 ye v'haissen. 45 deinem schreiben. 46 nennen.
47 beleiben, 49 Schreiber, deins. 51 Ains. 56 ains. 57 waisz.
— 12 —
Eins tuo nit vergessen,
daran gedenk ze aller stund,
sunder mit sitten messen:
nieman offen dines hertzen grund;
65 Es si dcb denn dim getrüwen buolen
ald dinem bichtiger,
> so beli^st dest bas in ruowen:
von red kunt grosse swer.
Du la dir nieman tichten,
70 scbrib us dins hertzen grund
siechte wort mit trüwen richten,
die tuond mich sicher gsund.
Du fragist denn den schriber glich,
das er dir gebi rät:
75 den gruesz mir tugentlioh,
sin wis im wol anstat.
Got dank dir dines trüwen rät,
dabi ich wol bekenne,
das din hertz ein senen hat,
80 das ich doch trüwe nenne.
Mich dunkht din guet
die hab nach mir ein liden.
min hertz nach diner guete wuet,
ze widergelte wil es dich nit miden.
85 Das macht din wiplich geber,
die ist gar schon gemessen
(es ist äne alls gever).
0 tuo min nit vergessen!
61 Ains. 64 deins. 65 sy dinem getrewn. 66 deinem.
70 Schreib aus deines. 72 tund. gesund. 73 schreib'. 76 Sein
weis. 77 trewn. 78 daby. bekenn. 79 dein. ain. 80 trewe nenn.
82 ain. 83 Mein. 84 widergelt. 84 dein weiplich. 87 an alles.
88 mein.
- 13 —
IV.
Ai
.Her wisheit aoevang
ist ze braefen an dem ussgang
an mannen und an wiben.
wer möcht in fröden bliben,
5 solt mans als bedenkhen,
was sich tuot ze Sünden senkhen?
Y gitikeit, du bitter hört!
du stuftest mein, du stifftest mort
und hast vil böser artikel:
10 der sei ein böser stikel
bist du mit sneller il.
ach giftig böser phtl
in aller menschen hertzen!
du bruefest jamersmertzen,
1 5 aller menschen verderben ;
davon so kumpt ewig sterben,
wer sich darinn lät vinden,
in sölicher sach erblinden.
ach herr gott, durch die guete din Fol. 4^
20 (an sünd so mag ich hart gesin)
hilf mir zuo einem guoten end:
bicht, rüw und puoss mir send!
an dich ward nie noch niemer wirt,
als guot US diner gotheit pirt.
25 weren alle wasser timpten,
darus geschriben mit worten grimpten ;
der fürin himel papir fin,
alles mergries subtil schin
schriber, und schribent tusent jar;
30 als lob, gras vedren dar:
nieman möcht es volschriben,
die hoch, die tieflf durchtriben,
die breit, die leng durohgründen.
mit keiner slachte fünden
1 weishait. 2 aussgang. 3 weihen. 4 beleiben. 7 Yy geitikait.
8 main. 10 ain. 11 yl. 12 phlil. 14 Jamer smertzen. 19 herre.
21 zu aineni. 22 rew. puss. 24 aus. gothait. 25 eile. 26 Daraus.
29 tausent. 31 volschreibn. 32 durchDreibn. 33 brait. 34 kainer slacht.
— 14 —
35 mag es nieinan gedenkhen.
nieman sol sich darin senken :
gott was ie und iemer ist,
daz ist ze clär allr menschen list,
nüt hat in unibvangen.
40 er hat es als umbgangen,
davon heist er aluiechtig.
an zwifel hat er den sig,
des glöb ich och und blib dabi:
ein slechter glob ist wandeis fri.
45 0 gott, waz hast da ze dankhen mir!
sei, recht Vernunft hän ich von dir.
hau ich dabi ie unrecht getan,
da bist du gar unschuldig an:
minn eigen willen hast mir geben,
50 damit so mag ich also leben,
das ich tuon übel oder guot.
nu bipr ich fleisch, bein und pluot,
daz züht den elementen nach,
zuo göttlichem dienst ist im nit gäch.
55 ich bekenn: ich bin ein arm man,
an dich so mag ich nit bestan.
und solt ich tusent jar leben,
du muost mir hilf und rät geben,
sol ich din huld erwerben,
60 susz muest ich gar verderben.
was du mir gist, das gib ich dir:
kein guotet tuon ich selb von mir.
ach gott, durch dine trüwe
gib minem hertzen rüwe
65 und hilf mir minem höbet,
das es nit werd berobet
sinn und och vernunst.
gib mir gerechte kunst,
damit ich clag min missetat,
37 je. 38 aller. 41 haist. 43 auch, belib daby. 44 Ain. glaub,
fry. 45 wz. 47 daby ye. 49 aigen. 52 flaisch bain. 53 zühet.
55 ain arm. 58 must. 61 geist. 62 Kain. 63 deine trew.
64 meinem, rew. 66 beraubet. 67 auch.
— 15 —
70 die miQ üb begangen hat.
mich rüwet äne allen spott,
wa ich der zehen gebott
ie keins häU' gebrochen:
0 gott, lazz angerochen!
75 genad tuo gen mir schiben, Fol. 5
wä ich die gaben siben,
des heiligen geistes tugent
in alter oder in jugent
nitt hän gehalten.
80 des tuot nan rawe walten,
und ist mir och von hertzen leid,
wa ich die acht selikeid
in wird und in er nicht ghabt hän
und daruf gantz min flizz getan.
85 all sünd, und wa ie sünd von kan,
wa ich der dehein begangen han,
Starkher gott, das rüwet mich;
din erbeuned an mich sich
und la mir die ze statten komen,
90 wan ich han in der gsohrift vernomen,
das du Moyses mit sim her
zwölf strasze machtest durch das mer:
nu hilf mir uss der sünd^n ruot.
ich man dich an dtn tugent guot,
95 die da geschach, da du wer kind
vor esel und gehomem rind,
die muoter din gar guetlioh phlag:
der menschheit erschein der seiden tag,
din demuot gross, als Lucas sagt
100 si was din muoter und doch ein magt
an alle meil, daz glob ich wol.
got vatter, ich dich loben soll;
70 leib. 71 an. 73Tekain8. 77 hailigengaistes. 7aiii. 80 rew.
81 auch, von fehlt, laid. 82 selikaid. 83 grehabt. 84 darauf,
mein fleizz. 85 ye. 86 dehain. 88 erbermd 91 iDoyttes. steinem.
92 strasz. 93 auss. 95 wert. 97 dein. 98 mensohhait ersohain.
09 Dein, lucas. 100 Sv. ain. 101 all mail. 102 Ich.
— 16 —
TOD diner gnad han ich den sii\
(lib und guot muoss als dahin).
105 wer mich daran wolt wenden
und mich an dem glouben phenden:
ich glob gar starkh, da bhalt mich bi;
all dine wort sind wandeis tri.
eins ich in grossen sorgen bin:
110 glob an werch ist halber sin,
damit so mag ich nit bestän,
ich muoss ie werch ze dem globen han.
daz weiss ich wol: got hab min gwalt;
ich wirb also, ich sterb jung od alt,
115 daz macht min eigen wille.
gott, mich vor sünden stille:
ich man dich an din trinitat,
din marter uns erlöset hat.
wie war daz nieman kan,
120 kein widered doch gen dir hän
vor gericht am jüngsten tag.
dem ist also, das ich üch sag:
all profetien werdent kunt
gar snell getan allr menschen munt,
125 die vor vil tusent jaren sind bschehen.
all weit muosz in der warheit jehen,
daz es dann als geschehen ist.
da hilfet weder kunst noch list:
wer sich vor nit gefilrdert hat, Fol. 5^
130 pett und almuosen ist denn ze spät,
und hilft och nümer recht tuon;
das unrecht hat weder frid noch suon,
ungelob der muosz sich smügen.
zwölf potten sind gezügen
135 in all die weit — si lieb od leit —
da händ sie ie die warheit gseit.
103 deiner. 1 04 Leib. 107 glaub, behalt, by. 108 Alle deine, fry.
109 Ains. 110 Glaub. 112 ye. zu. 113 Dz waiss. gewalt.
114 oder. 115 aigen. wiU. 116 still. 120 Kain. 124 all'. 125 be-
sohehn. 126 musz. warhait. 128 hilfelt. 131 hilfet auch nüma.
134 gezeugn. 135 sy. oder lait. 136 sy ye. warhait gesait.
— 17 —
nach gotz gcibott, als ich yernam',
der heilig geist do zuo in kam
und maohtz als gar durchlüchtig :
140 Ar hertz daz ward inbrünstig
in göttlicher lieb und minn;
kein arger gedankh noch sinn
mocht si nit me berueten.
daz recht daz woltentz fueren
145 ^ar willeklich und unverdrossen,
des händ si ir plaot vergossen
hie und da in mengem land.
gezügen werdentz da zehand;
eines wirt^ein urbhünd:
150 iedes mensch des andern sünd
bekent und sine missetät,
als die es selb begangen hat.
da sehent wis und tören,
das nieman wirt verloren,
155 denn mit dem rechten und nmb sin schuld.
wer nu hat des schöphers huld,
der ist geseliget ewenklich:
zelön wirt im das himelrich.
nu sitzt der herr gar unversmogen
160 glichs als uf eim regenbogen,
und zuo denselben stünden
zeigt er sin fünf wunden,
die er umb uns gelitten hat.
daz gericht ist snell und bschicht vil drat,
165 wann das unrecht stat blosz an wer.
des sieht denn zuo als himmelsch her.
nu spricht der mehtig küng behend
(sin ie, sin iemer ist an end):
«gänd her ir seldenrichen,
170 besitzent ewenklichen '
138 hailig gaist.^-sm In. 140 Inbrünstig. 142 Kain. 143 sy.
145 und fehlt. 146 Der. sy. 148 Gezeugn. 149 Ains. ain.
150 Yedes. 151 sein. 158 Im. 160 Gleichs. auf aim. 161 zu.
162 Zaigt. sein. 164 Dz. beschicht. 166 zu." 168 ye.
Wackemell, Montfort. ^2i
— 18 —
das riche, das üch ist bereit.
die fröd hat keinen underscheit,
wann ewigs leben an ende
zuo miner zeswen hende.**
175 zuo der linggen siten stat ein schar,
die sind vor schrikhen hellevar,
vor grossem jämer unde not,
das si der ewige tod
mit irm willen hat gevangen;
180 des rauessent si cleglich prangen
vor gottes angesicht
(ir pett dti ist enwicht)
und wünschent über sich, Fol. 6
berg si dekent glich,
185 und weltint noch mer pin hän,
damit si werint des grichtes an;
wan sie sehent wol und we
und jamer in der sünden se.
nu spricht der herr mit zorn:
190 »wolhin ir sind verlorn!
üwer sünd tuot üch verfluochen:
ir woltent nie gesuochen
min rieh, und stuond doch offen,
davon sind ir geloffen.
195 des varend hin behende
in iemer we an iende!"
V.
Ich wenne, daz nieman nu si,
im wen ein anvechtunge bi,
das sich doch zühet wider got:
unrecht tuon das ist ein spot
171 rieh, berait. 172 kainen vnderschait. 173 end. 174 Zu.
hend. 175 zud\ ain. 177 und. 178 sy. ewig. 179 Irni. 180 und
184 sy. 186 sy. gerichtz. 187 Won. 188 In. 189 herre. 191 p:wer.
euch. 193 reich. 195 behend. 196 yenier. end.
1 wenn.^ sy. 2 ain. anyechtung by. 4 ain.
— 19 —
5 und nimpt nit guoten ende.
in jugent fruo bebende
zwang raicb ocb ein liden,
das kund rain bertz verscbniden:
das warent selig frowen,
10 die tett icb gernö scbowen,
und darzuo liebe töcbterlin,
die tätent minem hertzen pin,
ein wil lieb, die andern leid.
der Wechsel bett vil underscbeid.
15 so spracb man, icb weit toben.
icb gedächt, ich muess ie loben
mitt Worten, so ich peste kan.
biemit hept sich du red an:
ir bar bruef ich für siden,
20 ir guet ist bert ze miden,
dabi ir liebe tinne
geschikhet näc}i der minne
in rechter breit und eben;
darunder so bat geben
25 der element des luft,
gemacht mit clärem guft,
zwei ogen wol geschikhet,
darinn ist mit verblikhet
ein scharpfe gesiebt und guetlich
30 (das töcbterlin daz sieht lieplich},
und sind doch nit von füre.
das git si mir ze stüre;
des muosz ich üch verjehen :
heisz macht mir ir sehen.
35 ir wengli wis8 nach berlen art,
darinn ist sicher nichtz gespart:
sangwineus, das edel bluot, Fol. 6^'
die rot sich in die wisse tuot,
subtil gar schön gedrungen;
5 end. 6 behend. 7 auch ain lyden. 9 frawn. 10 schawn.
13 Ain. laid. 14 vnderschaid. 16 ye. 17 pest. 20 myden.
21 Baby Ir. tinn. 22 minn. 23 brait. 26 Gemachet. 27 Zway.
29 Ain. 31 für. ä2 sy. stur. 34 Haisz. Ir. 35 weyss.
— 20 —
40 ir mündli lieplich entsprungen
in rechter rubins röti flukht,
ir zenli schon dann gedrukt,
lieb, eben und dabi dein,
wisz recht als ein helfenbein;
45 ir helsli runt, ir nekli blank,
ir lib geschikt nach wünsch gedank,
daran was nütz: vergessen.
frö Venus het gemessen
mitt einem zirkel ussgeschiben
50 rechte lidmäzz bi ir beliben. —
der loflP werte mich fürwär
vierdehalbs und drissig jär;
der was ich alt an allen spot,
do gedacht ich erst an got.
55 was trugnüss in der weite was,
daz glich ich zeineni gruenen gras:
der anevang ist hübsch und vin,
lalde so kumpt snell darin
ein swartze varw und gel,
CO daz ist de^ tod so snel,
oder aber trugnüss und wankelmuot,
das och die liebi zertrennen tuot.
das bedacht ich snell und bald. <
vor unmuot luflP ich in ein wald
65 und wolt da sin beliben,
die weit han usgeschiben.
vor ir unstet und truflfeni,
dunkh ich mich in der willnust fri.
ich lag unlange dozemäl,
70 do kam der held her Parcifal
geschlichen heimlich durch den tan.
ich sach in mit sorgen an,
daz macht sin leng, sin kreftig lib.
43 daby clain. 44 Weisz. ain helfenbain. 45 Ir. 48 venus.
40 ainem. 52 by Ir. 51 laufF. 52 Vierdhalbs. 53 spotfc. 55 wcU.
50 glichh. zu aine. 57 anuang. 58 Bald. 59 Ain. Gl wankl-
müt. 62 auch, lieby. 64 ain. 66 habn. ausgeschibn. 67 truftny.
es fry. 69 uülang. 71 haimlich.
— 21 —
ich gedacht: das ist ein selig wib,
75 die den held hat getragen.
sol ich nun min leben wagen,
sol ich sinr kunft hie bestan
oder sol ich fliehen in den tan?
min muot der riet mir beliben:
80 ich gedacht mich davon nit ze schiben,
und wil bestan der aventür.
gott ze hilf und och ze stür
wil ich nemen uf disen tag:
kein sach mir nit geschaden mag.
85 der held der grueszt mich tugentlich.
ich sprach: »gnäd, herr!* — gar senfteklich —
er sprach zuo mir: »lieber knab,
nu merkh die wort, die ich dir sag,
und tuo mir kund die kintheit.
90 wie lept man in den landen breit?"
* ich sprach: »herr, ich bin ein man
(für war ich üch wissen lan) Fol. 7
und hän me kraft denn daz merteil der weit.**
er sprach zuo mir: „dast Ferner gelt,
95 sind ir darzuo komen;
ich weit mit ris von bomen
der held wol hundert binden.**
ich sprach: »man mags nit vinden
kein wib, die trueg kein solichen helt, ^
100 daz leben wer ir abgezelt.
darzuo so vindt man keinen man.,
der kraft der natur mug hän.**
er sprach zuo mir in guote :
»bist du von cristam pluote?* —
105 »ich lan mich des nit beroben,
ich hän ie cristan globen:
min gott ist von einr magt geborn,
daz tett den tiefein sicher zorn ;
74 ain. 82 auch. 83 auf. 84 Kain. 87 zu. 80 tob. kintliait.
00 braib. Ol am. 03 dz raertaü. 04 Ei sprach zu. dz i^t perner. 00 reis.
00 Kain beidemal. 101 rindet, kainen. 103 zu. In gut. 104 Cri-
sbam plüt. 105 beraubu. 106 ye. glaubu. 107 ainer.
- 22 —
do ward ir gwalt zerbrochen:
110 vil inanig tusent wochen
latent si den grechten leid.
daz understoond die selig meid
initt irem kind Jhesom.
daz pracht den grechten grosze fruin,
115 daz sich hernach gar wol erfand:
er band den tiefel mit sinr hand
und ist darzuo drivaltig:
gott vater, gott sun gewaltig,
der heilig geist ein gottheit ist.
120 sant Johans ewangelist
der hätz geschriben mit sinr hand,
des setz ich üch min hopt ze phand,
darumb so wil ich sterben,
min sei mag nit verderben."
125 er sprach zuo mir: »hab guoten muot:
zwar ich tot kein cristan pluot
an schuld, davon bis äne vorcht. •
damit hett ich min sei verworcht,
ich muest sin gar swer widerkomen
130 gen gott, daz hän ich wol vernomen.
er sprach zuo mir: „uu merk gar eben:
bekennest .du icht^ der Fürsten leben,
hast du die weit icht recht gesehen?
des solt du mir hie verjehen.*
135 ich sprach: »ja herr, ich sag ü für war:
ich hatt der tag min viertzehn jar,
sid hän ich wunders vil gesehen.
was plagen der weit ist beschehen,
ich glob, es kom von sünden,
140 wir tuond es als nit gründen:
mang sach die sich vergangen hat,
des ist vergessen gar ze drät;
109 gewalt. 111 sy. gerechten laid. 112 maid. 114 Dz. gerechten
grosz. 115 Dz. 116 seiner. 118 vatter Gott. 119 hailig Gaist.
ain gotthait. 121 seinr. 122 euch. 124 Mein. 125 zu. 126 kain.
127 bisan. 131 zu. 135 ew. 136 viertzehen. 139 glaub.
140 tund. also. 141 Manig.
— 23 —
viel snnd'ist vor uns bslossen,
vor gott als us gössen.
145 wir bekennent eins andern hertzen nicht,
dadurch gott gar luter sieht:
er weisz och all gedankhen,
durch muren und durch blankhen Fol. 7^
da ist vor im nicht verborgen.
150 wir stand billich in sorgen.
so spricht oft ein tumber man:
wes gät den muej und arbeit art?
er hatz doch zwar verdienet nicht.
wer weisz ab, warumb es beschicht?
155 si lang ald kurtz vergessen,
gott kann es dannocht messen:
tusent jar ist im ein angesicht,
derselben sach verstau wir nicht.*
do sprach der held her Parcifal:
160 „der rede hast du war ze mal;
doch tuot gott ettwenn die sinen
leidigen und pinen,
das tuot er als umb die geschieht,
daz si sin vergessen nicht,
165 und verlätz doch nit am lesten,
so kumpt es in zuo dem besten.
wem all sin sach nach wünsche gät
an arbeit, der sol haben rät,
ob es glükh oder unglükh si;
170 er mag also nit wesen fri,
es muoss.hie oder dort zergän:
zwei himeMch mag nieman hän*.
do sprach der held zuo mir behend:
„gib mir der ersten frag ein end!*
175 ich sprach: »und könd ichs sagen,
ich weit nit lenger dagen:
143 beslössen. 144 au-;. 145 ainr. 147 waisz auch. 151 aiu.
152 niiiy. arbait. 154 waisz ab\ 155 Sy. 157 Täusciit. aiu.
159 paicüal. IßO red. 162 Laydigeu. 164 ^y. 166 zu.
167 wuusch. 168 arbait. 169 sy. 170 fry. 171 muss.
172 Zway. 173 zu. 174 ain. 175 ich es.
— 24 —
die weit ist so gar verirret,
mitt menger sacb bewirret;
doch sag ichs, so ich beste kaa.
180 gott rueff ich ze hilfe an,
daz er mir gebe die vernunst,
daz ich mit sinn und och mit kunst
sag üch von wib und och von man.
nu heb ich mit dem höchsten an:
185 gott gab uns hie uf erden
den hohen und den werden
sant Petern hie ze tröste,
daz er von sünden löste,
und ander bepst nach im,
190 wer mit rechter stim,
mit rüw und puozze für in kem,
daz es im alle sünd benem.
das gebott ist zerbrochen,
mitt valsch ietz vast betrochen:
195 zwen pebest sind gewellet>
der tiefel hat gesellet
werlich sich zuo dem einen.
die bösen und dunreinen
die händ erdächt die valschen wal,
200 den wirt zelön der ewig val.
0 mortjo über die gitikeit!
si stifFtet jamer, ewigs leit
das ian si vil wol nüwen. Fol. 8
die sach die hat si«geprüwen,
205 und sol doch nur ein pabest wesen!
wer hat die heiligen warheit glesen?
das got selb hat gesprochen,
das hat der git zerbrochen!
min red sol wesen niemau zom:
210 der sach wirt nieman nie verlorn,
177 Ter Irret. 178 mänger. 179 best. 180 hilf. 181 geb-
182 auch. 183 weib. 185 geb. auf. 187 petern. tro.t. 188 löst-
189 Bepst. Im. 191 püzz. In. 192 all. 194 yetz. 195 pebst-
197 zu. ainen. 198 die vnrainen. 201 geitikait. 202 Sy. lait. 203 u-
204 sy. 205 ain pabst. 206 hailigen warhait gelesen. 208 geit.
— 25 —
dann grosse hoptprelaten :
die blasent iren äten
ZQo der sach durch gitikeit.
welem bapst wirt zuo geleit
215 umb gab und nit in rechter minn,
daz in wiszt anders nit sin sinn,
wann.daz er rechter habest si,
der mag da wol beliben bi;
tet er es aber umb gab od guot,
220 zwar der hat ein bösen muot:
der verkoft die grechtikeit,
das wirt sinr sei ein ewigs leid.
nu dar ir küng, ir Fürsten, ir herren!
ir soltent sölich unrecht werren
225 mitt üwer macht behende,
das es nem snell ein ende,
wann solich zweiung ist nit guot;
die cristenheit es verwisen tuot.
ir churfürsten, ir sigint tod od leben,
230 hettint ir üch des begeben,
das ir einn kiiaben walten,
das tuot das recht nicht halten!
ir soltent gwelt han einn gstanden man,
den türsten, den man vinden kan,
235 ze küng; und hettint ir das getan,
so werint wir der zweiung an,
und wer die cristenheit wol bhuot.
ir hettent da nicht wisen muot
mit üwerm küng von Pehem land.
240 ir band die cristenheit gephand
an recht, an fürstlich zucht und sitt,
der wont gar wenig bi im itt.
213 Zu. geitikait. 214 Bapst. zugelait. 217 Bapst sy.
218 by. 219 od' umb gut. 220 aiu. 221 verkauft, gerechtikait.
222 aiii. laid. 225 ewcr. behend. 226 aiii end. 227 zwäyuiig.
228 cristenhait. 229 Churfilrstn Ir. od\ 230 Ir euch, über des steht
nit eingeschrieben. 231 ainn. 2 3 3 geweit, aingestandeiu
236 zwayung. 237 cristenhait. behüt. 239 ew'm kiinig. pehem.
240 cristenhait. 242 by. ytt.
— ^6 —
wenn wil er umb daz keisertuoin werben?
er liess die weit verderben,
245 e das er keui von Präge!
das ist ein grosse plage.
die red ist alle leider war,
daz sag ich ücb sieber zwar.
so leben t ettlicb fürsten herren,
250 die tuont sich des rechten werren:
ist bi in ein biderman,
den setzent da die schelk hindan
gen dem herren und verliegent in
mitt valsclier claif — nu merkh den sin —
255 und sprechen t: „herr, nu melt mich nicht,
du red von rechter tröw gechicht, Fol 8*^
die ich zuo üwern gnaden hän.'*
wie sol ein biderman bestän ?
geistlich gericht und weltlich
260 an zwifel des einander gicht:
hör enen teil engegen,
wilt du des rechten pblegen.
so ist der herr also gemuot:
sim gewalt er denn geloben tuot
265 und furcht in gliches als ein kind,
er ist in gesehendi ogen blind;
uude gult es im das leben,
er solt dem unrechten widerstreben.
so phlegent priester simoni,
270 darzuo sint si nicht wuochers fri
und^ süntliohs fürkofFen.
etlicher wirt noch roflfen
sich selber an dem jüngsten tag,
sin schätz im nit gehelfen mag.
275 ie höher ampt, ie grosser puoss:
wer es verdient, ers liden muoss.
243 kais*tüm. 245 Ee. prag. 246 ain. plag. 247 laider.
250 tunt. 251 by In ain. 256 rechter trew. 257 zu ew'n.
258 ain bydermaii. 259 Gaistlich. 261 enen tail. 262 globcn.
265 gleich, ain. 266 äugen. 267 Und. 269 Sinioui. 270 sy. fry.
271 fürkauffen. 272 rauflfen. 275 Ye beidemal. 276 er es lyden.
-~27 -
die mechttfsen herreo waestent zvär
die ricterBchaft (dost sicher war);
wer loik tribt und pheniag hat,
280 der ist gewaltig an dem rät;
beschidikeit bat ietz den val,
die weit verwueetet Sberal.
zwar es ist kein wiser maot,
der mit wissen nnreoht tnot.
285 es solt ein herr doch gedenken:
tuost da din zungen lenken
dnrch miuen willen wider rei'ht,
~ zwar du bist des tivets knecht;
nnd liezz sich an den man nit vil,
290 der das unrecht zem rechten bringen wil.*
Do sprach der held us friem mnot:
nzwär das dunket mich nit gaot,
der loff ist all ze berte.
sag an: wie hat geverte
295 ritterBchaft und fröwen?
wie länd si sich sohftwen?*
ich sprach : , der lof ist mengerlei :
ettlich minner band geschrei,
mitt schrien tnon si weien
300 als esel in dem meien,
und händ doch weder zncht noch schäm;
mitt bösen swueren gottes nam
vor frowen wirt genennet;
sich selber nit bekennet,
305 und tribt lotters wis mit liegen;
zucht die mooBZ sich smiegen,
das ist gen frowen vast der loff.
mit liegen so beschicht mang kot^
279 loyk. 278 Rittecschatt das ist. 281 Boschidikait.
yetz. 282 kain. 285 ain. 287 raiii. widerredit. 290 un-
recht KU dem. 291 aus fryem, 293 lituff. liert. 294 gcvert.
296 sy. 297 lauf, mengerlay. 298 gescliroy 299 scliryc \. tuun
=i fehlt, wayen. 300 Mayen. 307 t'rawen. :H)H inaiiig.
— ^28 —
daz hernach tuot gerüwen.
310 jamer tuot sich nüwen,
so man emphint der lotterheit,
damit bschicht maniger frowen leit;
wan suessü wort an steten muot Fol. 9
* wib und man betriegen tuot-.
315 ritterschaft phligt wuoohers nam;
daz wer ettwenn gewesen schäm.
iederman tuot trachten
umb guot und wil nit achten
manges priesters wis und lere,
S20 darzuo des adels ere. _
bürger und och gebüren
die tuont mit wuocher muren.
nieman wil doch sehen daran,
das all sach muoss ende hau
325 uflf diser weit mit jämers pin:
was man verdient, (es muosz ie sin)
gott kan es vil wol messen,
sin gericht tuot nütz vergessen.
davon verstand und hörent min muot:
330 es ist och menges wuocherguot,
was unrecht wirt gewunnen
(das ist nit wol besunnen)
mitt gewalt, an recht ungetrülich,
das ist der sele grülich
335 und tuot si ser versenkhen.
die weit die solt gedenkhen
und solt nit tragen nid noch hasz,
so wer uns allen dester basz.
wer mit der kluogen loik ticht,
340 den lüten das ir abe bricht,
der wirt wol gewar, so man in treit,
gar kleglich in die erden leit.
310 tut. 311 lotterhait. 312 beschicht. lait. 313 Won.
315 Wuchers. 317 Yederman. ,319 1er. 320 er. 321. auch.
322 tunt. 324 muss end. J326 musz ye. 330 auch mengs.
333 uügetruwlich. 334 sei. 335 sy. 337 nyd. 339 klugli loyk.
340 ab. 341 In trait. 342 lait.
- 29 —
8
valch gericht i st mordajo,
der selben sei wirt selten frö.
345 wer sich daran nit stossen wil,
(die red ist lange und ir vil)
der möcht noch gleben jamer nü;
wirt im ze kurtz so ists ziphelrü,
noch vint man mangen biderman,
350 priester und och leien wolgetan,
der durch keiner slachte miet
von sei noch eren nit schiet;
so vint man noch meng wiplich wib,
die in eren haltet Iren lib,
355 der tuot si nit vergessen
und kan wol trüwe messen:
einr guoten gwissen, eins steten niuot,
gott hab die selben vast in huot,
des wünsch ich. in mit gantzer gir,
360 das mugentz wol geloben mir.*
0 priesterschaft, du werdes ampt!
wer dich mit keinn geverden schampt,
dem tuo es got vergeben;
wann ir sind unser leben
365 uff erden hie der grechten sträss,
ir wisent uns die rechten mass. •
ich glob, und wer nit priesterschaft,
der tiefel wurde sigehaft
me das merteil an der cristenheit.
370 so sind die guoten alweg bereit Foj^ gb
mitt ruoffen hin zuo gott
es ist an allen spott,
solt under uns nieman grecht bestan,
die weite würd licht under gän:
375 die gerechten helfent uns Sündern hin
343 morda io. 346 lang. 347 geleben. nüw. 348 ist es.
rüw. 349 byderman. 350 auch layen. 351 kainer slacht. 355 sj.
356 trew. 357 Ainr. gewissen ains. 360 gelaubn. 362 kainen.
364 ünsz\ 365 gerechten. 368 wurd sighaft. 369 mertail. cristenhait.
370 berait. 371 zu. 373 gerecht. 374 woU.
— 30 —
uff pesßrang. als, ach gott, nim in
und hör mich bas, wann ich dirs sag:
hilf das mich der seiden tag
in dinen gnaden beschin
380 des heiigen geistes gaben din,
din gottliche kraft tuo senden,
bös begir tuo an mir wenden,
durch all din werden marter
erbarm dich über den tichter.
385 Nu wil ich üch die warheit sagen :
Barcifal ist tod vor mengen tagen;
ich hän in nun ze pispel gezelt,
daz er ist gwesen ein ritter uss erweit.
VI.
Mt
in dienst und gruozz me tusent stunt,
denn gestüpp ist in der sunnen!
aller zwifel ist mir unkunt,
unmuot ist mir zerunnen.
5 Hett ich din huld (ich furcht din zorn),
so wer mir wol ze muote.
lazz ab du lieber engel vin,
es kumpt dir noch ze guote.
Sich an min rüw, nim von mir puoss,
10 durch gott tuo mir vergeben: '
wenn ich verlür din wiplich gruoss,
so leidet mir das leben.
Rep. Mitt willen fro des bin ich zwar,
wann ich sich an dir itel recht;
15 und seit ich leben tusent jär,
so bin ich doch din eigen knecht.
380 haiigen gaistes. 381 gottlich. 382 an. 385 euch,
war halt. 388 gewesen ain.
1 tausent. 9 rew. puss. 1 1 wiplich zucht. 1 2 laidet.
1 6 aigen.
— 31 ^
17 Das ich der pender ie gedacht
mitt grünen sunder wenkhen,
daz hat mir oft ein rüwe bracht
20 mitt mengerlei gedenkhen.
Der vatter zürnet dik dem kind,
das kunt von trüwen stete, Fol. 10
das er eim andern nit entuot,
der in es flissklich bete.
25 Wa mir ist lieb, da ist mir leit:
was ir kumpt nit ze guote
an Hb, an er, an wirdikeit,
das bekrenket mir den muote.
Rep Mit willen fro etc.
30 Ich bin dir doch mit trüwen bi
und stän des äne logen;
ich weiss ir ietz nit lebend fri,
die bas gevall minn ogen:
Din wiplich zucht und och diu schäm
35 du hast die mäzz gemessen;
und hett ich aller weite fröd,
ich kan din nit vergessen.
Die frömdi schadt den steten nicht,
wie man tuot selten sehen ;
40 so vervacht geheim gen wankel nicht,
das ist och dik beschehen.
Rep. Mitt willen fro des bin ich.
vir.
VV es ziehst du mich, min liebster buol,
mitt clagen sunder weine?
17 ye. 19 ain ruw. 20 meogerlay. 22 trewen stet.
23 aira. 24 fleissklich beb. 25 Was mir lait. 26 Was im. gut. 27 leib,
wirdikait. 28 bekrenkt. müt. 30 trewn by. 32 waiss. yetz. fry.
36 weit. 38 icht. 40 gehaira. 42 fraw.
No. 7 beginnt ohne Absatz und Initiale, als wäre es nur eine
neue Strophe des vorausgegangenen Liedes. Links am Rande steht
mit roter Tinte: »ander liet*. 2 wain.
— 32 —
sölich sach die hilf mich nit,
gen dir so stätf ich eine.
5 Din unmuot mir nit fröden bringt,
davon so kurapt mir truren;
gen dir so bin ich zwivels an,
uff dich so wolt ich müren.
Rep. Wol hin lazz loffen all ze wald
10 Untrüw mit irem seile:
in unsern wiltpan hört si nit,
wolhin dem tiefel zteile!
Wer wil all sach ze unmuot n^n,
der muoss mit willen alten.
15 din wiplich zucht mit gantzer trü
die solt du mir behalten.
Dabi so hab ein guoten muot,
darzuo so wil ich keren;
zwar und kern der Türken her,
20 ich Hess mirs nieman werren.
Rep. Wolhin lazz loffen etc.
Ich wil ie haben guoten muot;
wer kan all red verbieten?
und lepti noch küng Karins,
25 er mocht sich zornes nieten,
E er all red zem rechten brecht»
es hat sich zverr vergangen:
meng man ruerat sich Eggen nun
er hat nie hasen gevangen.
Rep. 30 Wol hin lazz loffen all ze wald
untrüw mit irem seile: -
in unsern wiltpan hört si nit,
wolhin dem tiefel zteile!
4 ain. 6 trauren. 8 R. vorgeschrieben, das zu 9 gehört.
9 Wer bin. 10 Viitrew. saile. 11 sy. 12 zetaile. 15 Ain. tiiiw.
17 Daby. ain. 19 tuikgen berr. 22 ye. 24 karhis. 2G Ec.
zu dem. 27 zeuerr. 28 eggen. 30 Wer bin. lauften. 31 Vntrew.
Irem saile, 32 sy, 33 R vorgesetzt, ze taile.
— as —
vm.
l
Ich fr5w mich gen des abentz kunft Fol. 10^
der nacht, wenn si her suchen tnot.
Das machet als ir lieb yemnnft,
davon so han ich hohen mnot,
5 Das ich ir gaet solt sehen an:
frowt si mich nit die rein, die zart,
so wer ich gar ein hümin man.
Ein glöggli man erklenket süss,
darnach hör ich eins hornes don;
10 Ein halsen und ein liepHoh koss
das wirt uns beiden nun zeldn.
Wann scheiden daz tnot also we:
und gedecht ich nit hinwider ze kon,
so wer mins senens dester me.
15 Mitt züchten schön gar &n gever,
dabi so mug wir wol bestän ;
Seit ieman davon andre mer,
da beschicht uns gar unguetlioh an.
Venus und och Jupiter
20 die gänd vor der sunnen :
damit so vert der tag daher.
ES.
E.
ist mir nun besohehen zwir:
was min nit wil, das liebet mir,
des holtz han ich ein gigen.
Was ich ir sag von miner trü,
5 das ich si stet am anvang nü.
Der ersten Strophe ist die Melodie beigeschriel^ii. 2 sy.
6 mit die beginnt eine neue Zeile, rain. 7 ain. 8 4in. 9 ains.
10 Ain beidemal. 11 baiden. 12 schaiden dz. 13 zekoment.
15 fehlt Absatz. 16 Dabj. 17 Sait jeman. adre.
3 ain. 4 trew. 6 sy. ain anyang new.
WaokemeU, UtmOixii %
— 84 —
gen mir so tuot si swigen.
Nu wer ich doch ein gsell im spil
und wer ir vierstunt noch als vil, Fol. 11
so weisz doch nieman, wen si wil,
10 das selb das tuot mich fröwen.
Rep. Züch ab die seil, la loflfen hin,
ze jagen han ich guoten sin,
dabi ich och belihen wil:
uns möcht noch wol gelingen.
15 Du fries tier, nu huet der ban,
vor seil geschütz, wan man wol kan
- gar lekerlich verbinden
Hage und och ruhe dorn;
kunst und witz ist gar verlorn,
20 last du dich darinn vinden.
Ich jag gar fürstlich über land,
birssen ist mir nit bekant,
darzuo so bin ich nit gewant:
Trüw ist vor allen dingen.
Rep. 25 Züch ab die seil etc.
Ich jag mit Willen über laut,
nachtgruoben sint mir nit bekant,
der tag der tuot mich fröwen.
Trüwen hetz ich uf die vart,
30 Wunn der wirt och nit gespart,
ich acht uff niemans tröwen.
Gsell, huet der vert, daz tier ist jung,
das es tuej keinen abesprung,
umb jagen ist im öch nit kunt;
35 darnach so lass ich Harren.
Rep. Züch ab die seil etc.
6 sy. 7 ain gesell. 8 Ir. 9 waisz. sy. 11 sali. 12 Daby.
15 fryes. 16 sali. 17 lekerlichen. 18 auch. 21 lag. 24 Trew.
25 sali. 26 willen. 27 Nachtgniben. 29 auf. 31 auff. 32 Ge-
sell, dz, jung. 33 tüy kainen absprang. 35 harren. 36 sail.
— 86 —
X.
l
Lch fragt ein wachtef, ob es wer tag.
er sprach zuo mir: «für war ich dir sag,
es nahet schir hinzuo.
Wes siehst du nit dich selber an?
5 an dir ich zwar gemerkhet han:
du hast uff mitten tag
Dinr zit gelept uff erden hie;
da bist doch noch, als ich dich lie —
wenn wilt du abe län? Fol. ll*» .
10 Gen dir so gat die vinster nacht:
sich uff mit sinn, hab herberg acht:
all sach die muosz zergän!"
Der Wächter sprach : , uff erden hie
din sach ist nit, des sag ich wie:
15 din sei muoss ewig sin;
Schön und kraft muosz gar zergän,
bi sinnen macht du nit bestftn,
der tod der nimptz dahin.
Ruoff an den herren aller macht,
20 dabi so hab stnr muoter acht,
so hast du kluogen sin.
Zwelf Sternen si ze kröne hat
und sitzt bim sun, ir majestät,
die muoter maget her!'
25 «Wächter, din straffmi merkh ich wol,
davon ich grossen -kumer dol,
und kan nit abel&n.
Durch gott wekh niioh ze rechter ät,
wann all min sacih an mich gwissen 4it:
30 da muosz Qrist helfen zuo,
Sol ich bi keinem glimpf bestftn,
damit ich mag sin hulde hän.
Erste Strophe mit Melodie. 1 ain. wöre. 2 zu. 12 musz.
14 Die sach. 17 By. 20 Dabj. setoer muter. 21 sin. 22 Zwelif.
sy. 23 hy dem. maiestat 29 gewissen. 30 csn^i. ^\ \rj >fc»l\»«w^.
— ^36
gott geb ans seligen tag!
Des helf mir, magt an alle meil,
35 das ich werd miner sünden beii.
von Orient es tagt.
XI.
Ml
lieh straft ein wachter des morgens ßno.
er sprach: »wenn wilt du haben rao,
din singen abelän? Fol. 12
Lieder tichten tuo nit mer,
5 (das rät ich dir bi miner er)
davon man tantzen tuot.'
, Wachter, des wil ich volgen dir:
der lied geticht ich niemer mir,
des solt du sicher sin.
10 Süss muoss ich loben selge wib,
die sind der weit doch leid vertrib,
ach gott, wie lieb und zart!
i Ich weit, wer frowen übel Sprech,
das man in durch die Zungen stech,
15 das laster muesst er hän!
Wachter nu merkh, was da beschach:
was ich uff erden ie gesach,
das dunkhet mich ein wind
Gen zarter lieber frowen gunst;
20 da hilfet weder sinn noch kunst,
das ist beweret wol:
David und och Salamon^
Sampson der mocht nit ,bestän,
der schönst verlor den lib:
25 Das machet als der frowen werkh,
ein juncfrow reit der künsten perkh.
34 mail. 35 hau.
Erste Strophe mit Melodie. 1 ain. 2 ruw. 4 tu. 5 by«
6 tut. 10 weib. 11 laid yertreib. 15 musst. 16 ohne Absatz.
Über den drei ersten Worten dieser Zeile ist der Anfang der
Melodie wiederholt. 17 auff. ye. 18 dunkht. ain. 22 auch.
23 möcht. 24 leib. 26 Ain. rait.
-^ 37 -
nu dar ir seligen wib!
Wer von den frowen schemlioh seit,
das wirt im noch am lesten leid:
30 si gat ein laster an.
Wächter, sich uf anz firmament: Fol. 12^
er gät daher von Orient,
ich hör der vogel sang.
Durch gott wek alle selge wib,
35 ir er behuet, irn stoltzen lib
vor böser klaiffer zung.
Die minner die da raomser sind,
die sind in gsehenden ogen blind:
si magent nit bestän.
40 Was ich von rosen ie gesach,
all bluomen vin, der löber tach,
das dankhet mich ein schimpf
Gen zarten lieben töchterlin:
ir geberd sind guot, die blik sint idn —
45 gott geb in selgen tag!*
XU.
S.
hg an, Wächter, wie was es tag,
do himel und erd nit emphlag
planeten zwar and och die elementen?
9 Da lachtet weder sann noch man,
5 gott was in der majestat vil schön
gewaltig ie and ist noch ewenklichen:
Gott ist das wort, das wort ist gott,
damit gemacht an allen spott
all sach vil schön nach irer eigenschefte. '
1 0 „ Gott ist ein herr allr eigenscheft,
gemachet alls mit stner kreft.
27 weib. 28 sait. 29 Im. laid. 30 Sy. ain. 31 auf andz*
32 Orient. 34 weib. 35 letb. 38 gesehnde. 39 Sy. 42 ain.
Erste Strophe mit Melodie. 3 auch. 5 wz. maiestat. 6 ye.
9 aigenschefte. 10 ohne Absatz, ain. aller aigenscheft« II ^V\fo<^.
- 38 —
sag an: waruf statt erde uade wasser*? —
„Als hoch hinab, als hoch hinuff, ' Fol. 13
und wenn man kern durch erdes gruff,
15 es swebt enbor: got kan es vil wol halten.
All creatur tuot loben got
in ir geschepft nach sim gebot;
der mensch der tuot doch Sünden!*
Gott vatter, herr mit diner macht
20 hab min in dinen gnaden acht,
tuo dich gen mir erbarmen.
Behuet mich vor der helle not
durch dinen herten willig tdt,
den du doch hast erlitten,
li5 Und durch die maget, die dich gebar:
min sei, min lib vor übel bewar —
ich ger genad, nit rechtes!
i
xni.
^oh var uff wag des bitteru mer,
min scheff ist mir endrunnen
der Unschuld (des ich sicher swer),
das hän ich wol besunnen:
5 die wellen hands zerslagen hin
mit herten sturmes winden,
das mugent wol die sünde sin.
nu merkent, liebe kinder:
sol ich mit fröd ze lande kon, Fol. 13^
19 sant Peters scheff muoss helfen:
rüw und buoss die muoss ich hau,
sol ich den enker werfen,
r damit ich heffti uff den grünt,
j dabi ich mug beliben.
15 die marnerin muoss bi mir sin, '\
1 2 warauf. erd und. 1 3 hinauff. 1 7 gebott. 1 9 ohne
Absatz. 20 und 23 deinen. 26 Mein beidemal.
Erste Strophe mit Melodie. 2 Ain scheff. 5 hand und s eincorri-
giert. 9 komen. 1 0 helffen. 1 2 werffen.-* 1 3 auff. 1 4 Dabey. beleiben.
Iß hjr.
— 39 —
sol ich ze laude schiben,
die uns doch vor geholfen hat :
do waren wir nach versunken,
und wer der edel Jhesus Crist,
20 wir werint all ertrunken.
Das ich die gebott ie gebrochen hau,
des si got erbarmer,
daruss doch alle todsünd gan.
ich eilender und vil armer!
25 sid ich nu got erzürnet hau,
so kan mir nieman ghelfen,
wan geware bicht die muoss ich bstan;
darzuo so sol ich werfen
rüw und buoss uss hertzen grund:
30 ich hoff, es muoss mich helfen.
got weiss all sach wol uff ze nend
in sölicher mäss, und es beschiht;
das das ieman anders wend,
des sin wer vil gar enwicht.
35 got ist ein herr und nieman mer,
das wissent sicherlichen,
er hab och dann gewalt yon im,
die armen und die riehen: Fol. 14
sin kraft was ie und iemer ist,
40 behalt uns ewenklichen!
Wer spricht, das got ein schöpfer si
der sünd und och des liden,
dem wonet grosse torheit bi,
wan seid die muoss in miden.
45 er hat uns geben eigenn muot:
das himelrich stät offen,
was ungelüks der weit ie bschach,
16 Scheiben. 19 ihesus crist. 22 sey. 23 Darauss. gand. 26 ge-
helflfen. 27 Won. beicht. bestän. 28 Dartzuo. werffen: helffen. 31 waiss,
auff. 32 sölliclier. 33 iemant. 35 ain. niemant. 36 sicher leichen.
37 auch. Im. 38 reichen. 39 Sein krafft. 40 ewenkleichen.
41 ain. sey. 42 auch, leiden. 43 torhait bey. 44 Won. 45 aigen.
46 hiraelreich. 47 beschach.
— 40 —
zwar das kam von Sünden;
und reit das einr von Even her,
50 so tuot es sich doch gründen,
got ist ans hold, das bewart er
wol mit sinen tieflfen wunden :
für uns er an die marter gie,
erlöschen tett die sunne;
55 wir werint ewenklichen tot,
sin gerecht! sit stuond offen;
sin götlich kraft die gab uns, daz
er hat vor uns nit bschlossen.
0 magt, ein lieb der drivaltikeit,
60 bis bittens unverdrossen.
XIV.
1-iin vatter sinem sune riet:
dien gott vor allen dingen;
er git dir selderiche miet,
dir kan nit misselingen.
5 Der frumen solt du haben acht,
mit züchten solt du frölich sin
bi tag unde och bi nacht,
all priester solt du haben schon,
den frowen solt du bi gestan.
10 huet dich vor argen Worten:
nicht smeh wib, noch priesterschaft,
so bist» du vor got tugenthaft,
din lob das tuot sich höhen.
Sun, huet dich vor gehem zorn,
15 wan damit ist dikch er verlorn,
tuo es mit siten bedenken,
der buoben wis solt wesen gram,
49 rait. ainr. euen. 52 seinen. 56 Sein. seit. 57 Sein, göt-
leich krafft. dz. 58 beslossen. 59 ain. drivaitikait.
1 Ain. seinem sun. 3 geit. seidereiche. 5 fromen. 6 fröleich
sein. 7 By beide m-a L und auch. 9 frawn. by. 1 1 weih. priesterschaflPb.
12 tugenthafft, 13 Dem. 15 Won. eei. 16 sitten. 17 weys.
— 41 —
wan da ist weder zaoht noch soham,
und fuegt och keinem herren;
20 bist du ein herr, das hast von got,
dem sag des lob an allen spot:
sin alroeoht tuot dioh bedenken.
Nit bis rüdisch, hab cluogen sin,
huet dich vor argem tmren, Fol. 14^
25 daran so hast du guoten gwin.
dine wort solt du muren,
das man dich vind, als man dioh lie,
dinr red solt nit vergessen; •
wan liegen ist ein sölich sin,
30 es kan wol unglükch messen.
hab mass ze essen und ze trank,
solt du langwirig bliben
t)i sinnen und guotem gedank,
von unkünsch tuodich schiben.
35 bis gruossam, dabi tugenthaft,
bis gnetiger red, bis manhaft,
den fründen hold, den vinden gram;
in allen dingen solt mass hftn,
gerechtes grichtes solt du sin,
40 nicht nimm guot für ere din.
bis getrüw vor allen dingen,
(davon la dich nicht dringen)
eins steten muots und manlioh:
recht tuon setz allweg für dich.
Wol
XV.
uff und wach, est an der zit,
wir band ze lang geschlaffen:
min tag mir uff dem ruggen lit,
des möcht ich schrien wäffen!
18 Won. Werder. 19 auch kainem. 20 ain. 21 spott. 22 Sein*
23 kein Absatz. 25 gewin. 26 Deine. 29 Won. ain. dO ungelükoh*
32 bleiben. 33By. 34scheiben. 35daby.tugenthafflb: manhaflt. 37 freun-
den, yeinden. 39 gerichtes. sein. 40 dein. 41 getrew. 43 Ains. manleioh.
1 auff. wachest, zeit. 3 Mein. eraS. \m!(>. ^ ^6i^t^«^«
- ^42 —
5 Sich uff mit sinn and tuo die weit bekennen:
wenn der sohimpf am besten ist,
so spricht die witz, es soll sich allweg trennen.
All sach die nacht dem ende
(an ewikeit doch got);
10 ich wen, das ieman wende
bepstlich gericht, noch keiserlich gebot.
Davon so la dir süntlich begir zerrinnen;
wan weltlich fröd ward nie so grosz,
es Hess sich an dem lesten trarig vinden.
' 16 Und hettist du din lieb nach dinem willen schon,
und das dir ellü küngrich dientint
mit Zepter und mit krön;
Dannocht so macht du sterben nit gesteigen:
es hulf dich an dem lesten nu,
20 als ob es tet ein tor mit vingerzeigen.
Daran solt du gedenken,
und hab ein guoten muot;
din sei lass nieman krenken, Fol. 15
wan sicherlich es kunt dir nu ze guot;
25 Wann wenn du wirst die sach nach sinnen messen,
so ist dir nicht me ach: "^
fröd du hast — truren ist vergessen!
Davon so gunn mir eren
an sei und och an Hb,
30 und lass dirs nieman weren:
all din hoffnung zuo got schib!
5 auff. 8 end. 9 ewikait. 10 iemant wend. 11 Bepstleich.
kaiserleicb. 12 süntleich. 13 Won weltleich. 15 dein, deinem.
16 ellü küngreich. 17 kröne, e durchstrichen. 18 gestaigen. 19 hulff.
20 ain. zaigen. 22 ain. 23 Dein. 24 Won sicherleich. 27 fröd
die. 29 auch, leih, 30 niemant. 31 dein, scheib.
— 43 —
Ein widerkere ist noch bas ze messen
von Sachen, die man gerne taot,
dann ob man wer in einer klosen gsessen.
35 Ker frölich von den sachen,
huet dich vor todes sünd,
so macht da frölich lachen:
hie hast du lob nnd dort ewig fründ.
Natürlich wol ze bedenken,
40 din hertz das si in liden;
wil dich dann liebi krenken,
mit senen gar das gmnete din verschmden;
Dannocht so hilfet got eim grechten willen:
wa er des grundes innen wirt,
45 da kan er schnell dem menschen knmber stillen.
Ich han die weit gemessen,
ob ich es hän besannen:
hän ich da icht vergessen.
so bekenn ichs doch: das danket mich ein wander.
50 Wan all ir sach das ist zerganklich leben,
and ist och nicht wan ach :
ein wil ein fröd — darnach kans traren geben!
Ich han gar vil gehöret
von ritterschaft and frowen,
55 das doch den muot enböret:
wib and man die möchtintz gerne sohowen.
Und ist och als bi kartzer zit zergangen,
von den und ichs gehöret hän,
die sind davon — ab ist der fröden anger!
60 Wa ist küng Davids macht?
sin werdes edels tichten?
32 Ain. i^iderker. 33 gern. 34 ainer. gesessen. 35 und
37 fröleich. 39 Natürleich. 40 Dein. sy. leiden. 42 g6müte dein.
43 hilffet. äim gerechten. 49 dunkt. ain. 50 Won. zergankleich.
51 auch. won. 52 Ain weyl ain. 54 ritterschafft. 56 Weib. g*n.
57 auch. bey. zeit. 60 dauids. 61 Sevü.
- 44 —
des bat na nieman acht;
naoh sinen bnochen tuont sich dwisen richten.
Wa ist küng Salamons macht?
65 mit wisheit tet er wander;
er tet im selber schlacht:
in schmächt der minne zunder.
Das er sim glast ze verr verhangt,
das taten wibes liste;
70 das was sinr wisheit grosse sohand,
wie wol er das na wiszte.
Aristotiles, der wis,
(in künsten bi den besten)
er bawt och uff ein is,
75 der tod der nam in och am testen.
Karolus magnas, der starkch,
(mit vechten tett er wunder)
er muoszt in todes sarch,
die zit die bracht in ander.
80 Und mocht in nit gehelfen Fol. 15^
sin gerechtes edels richten,
der tod der tet in werfen,
davon so maoss ich dise zit vernichten.
Küng Artus milt und her,
85 hatt ritterschaft und frowen,
den bot er zucht und ir:
in sinem hof da mocht man wander schowen
Von allem last,
den ieman mag erdenken,
90 und was doch als umbsust:
der tod der tet den hof an fröden krenken.
63 seinen, dieweysen. 65 weyshait. 66 Im. 68 sein. 69 weibes.
70 seiner weyshait. 72 weys. 73 bey. 74 auch auff ain eys.
75 auch. 7 9 zeit. SOmöchtgehelflfen: werflfen. 81 Sein. 83|zeit. 84artus.
Sä ritterschafft. 87 seinem» 88 und 89 zusammengeschrieben. 89 iemant.
— 45 —
Tschinachtilander tet werben,
(eren wolt in nie bennegen)
davon so muoszt er sterben:
95 das kond im hertzog Orelus wol fuegen.
Eggenot der schluog den selben forsten,
das tet er nm sins fründes t6t;
und warent beid an manheit die getürsten.
Barcifal, der edel,
100 (sin manheit ich na blueme:)
er stuond an grales zedel,
davon ich witz und manheit von im rueme.
Wan er hoob sich mit dem gräl
gen India behende:
105 er vorcht der Sünden quäl;
ich wen, kein wis^r in dammbe pfende.
Das land das ist genennet
Inder India
(die sind davon getrennet),
110 priester Johan so heiszt der herre da.
Da sass er bi den besten
an sünd mit ere schon,
davon mnoss ich in gesten
hie das lob und dort ein ewig Ion.
115 All creatur uff erden
muoss sterben und hie Tollenden;
es st ald es soll noch werden,
der tot der lät sich nieman dammb pfenden.
Tot, ich weiss den meister din!
120 sin gebott das muost du halten.
93 jn. 95 jm. 97 seins. 98 bald, manheit. 100 Sein man-
hait. blüm. 102 manhait. jm rüm. 103 Won. 104 yndia behend.
106 kain weyser. darumb pfend. 108 In der yndia. 109 sünd.
110 haiszt. 111 by. 114 ain. 116 auff. 117 Es es (sie!) sey
118 niemant. 119 waiss. maister dein. 120 und \*L\ ^^aka..
— 46 -
sin willen tuost du leisten hin
äff diser weit gen jungen und gen alten.
Der künig ob nun kören
der kan des vil wol walten:
125 (die red sol nieman tören)
all sach tuot er mit siner macht uff halten.
Es kunt och noch die zit,
das »surgite* wirt gesprochen
in all die weite wit:
130 ^die toten uff^! da ist nicht lenger sochen.
Der ist ein herr, dem toten muossen wachen.
- von demselben dos
muossent elementen vier erkrachen.
Sid wir nu muossent bekennen,
135 das got ist ie der wernde, Fol. 16
kein anvang an im nennen:
er was och ie und ist der seiden bernde.
Solt ich sin lob durchgründen,
des mag ich nicht gewalten,
140 e so wolt ich zünden
mit is an sehne ein für und das in wasser bhalten.
Almechtig got, min herr,
erbarm dich über mich eilenden
durch diner muoter er:
145 blcht, rüw und buoss tuo mir am lesten senden.
An dines geistes guete
so mueszt ich gar verderben;
ich furcht der Sünden gluete:
drivaltig got, bhuet mich vor ewig sterben.
121 laisten. 122 Auff. 123 küng. 126 seiner, auff. 127 auch . zeit.
129 weit. weit. 310 auff. 131 ain. 132 und 133 zusammengeschrieben.
136 kain. jm. 137 auch. 138 sein. 140 Ee. 141 mit und beginnt
neue Zeile, ys. ain fewr. 142 mein. 144 deiner, eer. 145 rew.
Mit tuo beginnt neue Zeile. 146 deines gaistes. 149 behüt.
— 47 ~
150 Die sach hän ich betrachte,
der weit ze rimen bracht:
(got hab mich in dinr achte)
ich häns gar recht bedächt.
Und behuet dich got, bis einer gaoten gwissen,
155 wan ettlich sach bschiht niemer me
mit gotes hilf, nnd sölt ichs hertz verbissen»
Ich hän ein baoch gelesen,
aller tütsch ein blaom,
(das mag nicht anders wesen)
160 genant Titterei ist es sunder niom.
Darnach hän ich gesannen,
die rimen och gemessen ;
ist daran icht zemnnen
die leng, die kürtz, od hän ich ichts vergessen:
165 So singt der goch
mit der nachtgall in dem meien,
also ticht ich och —
tuon ich recht, ich tantz den rechten reien!
xvi.
-Dlir bkam ein gsell am meien tag
und bracht mir laft von Orient
mit botschaft lieb (das ich üoh sag):
die red die ist mit last benent.
5 Yil sach die vacht mit graenem an,
damit die weit sich neren taot,
der mei mit fröden äff den plan, P'ol. 16^^
davon so habent hohen muot.
150 betracht. 151 reimen. 152 deiner acht. 154 mit bisineue
Zeile, ainer. 155 Won ettleich. 156 gots. hüff. 157 Ain. 158tewsch
ain. 160 mit ist neue Zeile. 162 reimen auch. 164 mit oder
neue Zeile, oder, ich fehlt. 165 gaucb. 166 mayen. 167 auch.
168 mit ich neue Zeile, rayen.
1 ain. mayen. 2 lufft. 3 botscbajQPb. euch. 7 may auff«
— 48 —
Die vogel singent liberal
10 qnint nnd qnart mensur
mit mangem saessen lieben schal,
etlicher halt tennr.
Octaf die stimm erhellen tnot
in wald und uff gevilde
15 mang vogel fri gar hoch gemaot,
sin fliegen das ist wilde.
Meng bluemli röt nnd blä in blä
gar lieplich sind entsprangen,
dabi so vindt man ital grä,
20 graen ist darin gedrungen.
Bluemli gel, brun und wisz
gar lieplich sind entsprossen,
der mei mit allem sinem flisz,
mit tow sind si begossen.
25 Meng blatt gekrispelt und gebogen,
hin und her gezindelt,
uff mengem holtz gar unversmogen,
etlichs ist gewindelt.
Dafiir hört ich einn suessen don
30 uss frowen mund erhellen,
das geb mir frödenrichen lön
für vogel und für schellen.
Ir mündli röt für bluomen schin
ist lieplich an ze sehen,
35 ir zenli wiss und dabi vin
die sieht man ussher breben.
12 Etleicher. 14 auff. 15 |jManig. ffrey. 16 Sein fleigen.
17 in blaw. 18 liepleich. 19 Dabey. ytal graw. 21 weysz. 22 liep-
leich. 23 may. seinem fleysz. 24 taw. sy. 27 auff. 28 Etleichs.
29 ain. 30 Auss. 31 frödenreichen. 33 schein. 34 liepleich.
35 zenly weiss, daby rein. 36 aussher.
-"^49 -^
Ir brewli brun bi ogen dar
mit scharpfen lieben blikken,
der selben bluomen nem ich war,
40 die kunnent hertzen strikken.
Ir bar ist gel fdr blnomen schin,
bla stat in irem hertzen;
gruen ist si gsnnd und ital vin,
das kan wol wenden smertzen.
45 Es möcht licht sin, ich red ze vil
(minr sei tet bas ein swigen):
ich lob die wib für selten spil,
für harpfen und für gigen.
Orgellen don und pfiffen schal,
50 beggen lut erhellen,
das hat gen frowen doch kein wal
als russen gegen schellen;
Busnnen schal und gloggen klang
es ist als gaot nicht ze hören
55 and darzuo aller vogelsang —
es mag nicht muot enbören,
Als tuont die wib uff erden hie
vor allen oreaturen:
lieber ding gesach ich nie,
60 si sind zwar guot für truren.
Wer schelkcht die wib und übel spricht,
es Wirt in noch gerüwen,
(ein zeichen, das er ist ein wicht)
sin unglükch wirt sich nüwen:
37 brewli brawn hy äugen. 41 schein. 42 Blaw stet.
43 sy gesund, ytal yein. 45 leicht sein. 46 Meinr. ain sfwejgen.
47 weyb. saiten. 48 geigen. 49 pfeiffer. 50 Boggen laut.
51 frawn. kain. 52raussen. 54 hörn. 55 dartzuo. 56 enbOrn. 57weib
auff. 60 trawren. 61 weib. 62 geiewen. 63 Ain.zaichen. ain.
64 Sein vngelükch. newn.
WackemelL Montfort. V
— 50 -
65 Verdorben hie, all eren bloss
(es ist doch dikch beschehen),
der frowen wirt er selten gnöss,
hör ich die wisen jehen. Fol. 17
Ir werden wib und töchterlin,
70 gedenkent min zem besten,
got hab üch in den halden sin;
üwer lob wil ich ie gesten.
Ir bkent mich nicht, ich bkenn üch wol:
ir kunnent leid vertriben.
75 die selgen wib sint tngent vol,
gläkch mness zno üch schiben!
xyiL
Liebent scheiden das tnot we,
noch wirser dann ein senfter tod.
min ogen die stand glich als e,
des ist min bertz in grosser not.
5 Gewissen hat ein krieg mit im,
darzno so hilfet die vernanst;
ob ich mich nn vaste grim,
mich hilfet weder sinn noch kanst.
Y hertz, lass ab din valschen bgier!
10 din übermnot der ist ein mist:
wen ich stirb, es hilft kein zier,
du wirst fal in kurtzer frist.
Und woltest mir die sei verleiten,
die mir got ewig bat gegeben;
15 sin kraft wil ich ze hilf bereiten,
dins willen wil ich nicht me leben.
65 ald eren. 67 gen6s8. 68 weysenieheD. 69 fehlt Absatz, weib.
töcbterlein. 70 mein. 71 euch. sein. 73 euch. 74 laid yeitreyben.
75 weib. 76 euch Scheiben.
1 schaiden. 2 ain senffter. 3 Mein äugen, gleich. ^. 4 mein.
5ain. jm. 6 u. 8 hilffet. 7 rast. 9 dein. 10 Dein. ain. 11 hilfft kain.
1 2 fawL . 1 3 verlaifcen. 1 5 Sein krafft. hilff beraiten. 1 6 Deins,
— 51 —
Da runst mir in das höbet min;
gewissen tuot sin werlich nit»
Vernunft wil bi ir sin,
20 die bkent gar wol din bösen sit.
0 lieber engel, nn hnet der sei
(du bist mir doch ze hneter geben)
und beschirm mich vor der Bünden qnel,
damit mir verd das ewig leben.
25 Nümer tnon ist grosse bnoss,
han ich gehört den lüten sagen;
mit willen gib ich dir den gnioss
nnd varen äff der fröden wagen.
Was ich ie vor getichtet hftki
30 den frowen nnd den töchterlin,
das ist beschehen in eim tron
gen der liebsten frowen min, .
Der eigen diener ich wil sin:
ir lob das Intet ttal wol,
35 das bmef ich für des meien schin,
ir guete macht mich fröden vol.
Hett ich die wal im römschen rieh,
so gevelt si mir am besten :
ir guete die ist tugentlich,
40 davon muoss ich A gesten.
Das macht ir wiplich zucht nnd sit, Fol. 17^
das kan ich an ir bmefen wol;
wan trüw nnd stet die wont ir mit,
davon ichs billich loben sol.
45 Ach got, wie gar lieb ist si mir
an wenken unde abel&n:
17 mein. 18 Sein werleioh. 19 by. sein. 20 dein. sitt.
25 Nüma. 26 lewten. 28 rarn auff. 30 firawen. töchterlein.
31 aim. 32 frawen mein. 33 aigen. sein. 34 lautet ytied. 35 mayen
schein. 36 gut. 37jm.Tele^. 38 sy. 39 tugenÜMdi. 40 87* 41 w«p-
lich. sitt. 43 Won trew. 44 büleioh.. 45 sy. 46 und.
— 52 —
ir angesicht ich kam enbir,
wan ich nie lieber lieb gewan.
Ich hett nicht gedacht, das kurtze zit
50 söllich senen iemer tet.
est wander in der weite wit,
wan all min sach ist abgemet
Untz an ir gaet, die graenet schon
an zwifel in dem hertzen min.
55 was wol wil, das vacht bi ziten an:
mit eren maess si selig sin!
XVIII.
■üett ich ein richter, ich wolt clagen
über den liebsten buolen min
and gaeteklichen für tragen:
si macht mir senen, heimlich pin.
5 Wenn ich entschlafP, so sich ich iren schin,
and redt als schon' and gaetlich;
wenn ich erwach, so ist si dahin:
a laog, wie hat si gleichen mich!
Eins häts mir kartzlich getan:
10 ich wand, si leg am arme min;
do ich erwacht, do was si davon
geflohen von mir hin.
Min küssi hatt ich ghalsen schon,
ich wand, ich hett si selber da.
15 wil si mich Schimpfes nicht erlän,
ich glob, ich werd von senen grä.
48 Won. 49 zeit. 50 SöUeicb. 61 weit weit. 52 Won.
mein. 54 zweyfel. mein. 55 bey zeiten. 56 eeren. sy. sein.
1 ain. 2 mein. 3 gütekleichen. 4 Sy. haimleich pein. 5 jm
schein. 6 gütleich. 7 u. 8 sy. 8 gelaichen. 9 Ains. kurtzleich. 10 sy.
ßD dem. 11 sy. 13 Mein, gebalsen. 14 u. 15 sy. ^ 16 glaub
— 53 —
Ich weiss nicht, wie ich leben sol;
uf minen eid! mir ist doch ernst,
das ich so grosses senen dol.
20 von ir so wiszt ich aller gernst, Fol. 18
Ob si mir wer, als ich ir bin,
so hett si zwar nicht ruowen vil;
des tuege mir antwurte schin,
wan mich des wol benuegen wil.
25 Ist si mir nn, als ich ir bin,
der trüwen vindt man selten me;
wan ich doch stete wil sin,
es tuegi wol oder we.
Seh ich all frowen vor mir stan,
30 junkfrowen und die töchterlin,
ich wölt kein ander für üch hän,
das sag ich bi den eren min.
Ein trüw hilft an die andern nit,
davon hett ich ein antwurt gern;
35 ich man üch wiplich zncht und sit,
durch got so tuond mich eins gewem
Und sagt mir, wie üch gen mir si:
und wer üch halben weg als mir,
so wer ich aller sorgen fri,
40 wann ich der antwurt ungern enbir.
Ich bin üch doch als senlich hold,
das ich mag haben kein gemach;
ir liebt mir zwar für alles gold,
das sehint gens in einem bach.
17 waiss. 18 Auf meinen aid. 21 u. 22 sy. 23 tüg. ant-
wurt. 24 Won. 25 sy. 26 trewen. 27 Won. stöt. sein.
29 frawn. 30 junkfrawen. töchterlein. 31 kain. euch. 32 bey.
mein. 33 Ain trew. hilfft. nicht. 34 ain. 35 euch weipleich. sitt.
36 ains. 37 euch. sy. 38 euch. 39 fry. 41 euch, senleich.
42 kain. 44 ainem.
— 54 —
45 0 iiiilt, ir rein, ür suess gemuet
zuo allen gnoten dingen;
min hertz doch nach üch wuet
von rechter lieb, idk wenn, es well zerspringen!
Über wiplich zucht
50 die mag das wol bekennen;
von üch so hab ich keine flacht:
wir sind nicht wis, land wir das ieman trennen-
Du liebi ist mit eren
und lessig vast gen got;
55 ich län mirs nieman wereh,
wann wer das tet, das düchte mich ein spot
Wir söllintz graben
mit trüwen in die hertzen:
also sond irs och haben^
60 und tnond wir das, so mngen wir flrdlidi tKsbertzen
All creatnr hat lieb an krieg,
lieb in mangem stammen;
ein kind in einer wieg
fröwt sich siner ammen.
65 Also ist lieb gar vil
in menge masz gemessen,
des ich doch zwar nicht sagen wil,
ich ward sin halbs vergessen.
Von lieb ist alle sach beschehen:
70 das got ze menschen ward,
das wil ich mit der warheit jehen;
lieb ist ein sölicher hört!
Gepüwen and gesprochen
hat liebi als volbracht,
45 jr rain ewer. 47 Mein. euch. 48 Rechter. M i t ich ne ue Z ei le.
49 weipleich. 51 euch. kain. 52 weys. iemant. 55 niemant.
56 dewehte, ain spott. 58 trewen. 59 auch. 60 mit so neue
Z^ile. fröldch. 63 Ain. ainer. 64 seiner. 68 sein. 69 all.
Ti warbait iehen. 72 ain söleicher. 73 Gepawn.
— 55 — .
75 an zorn — das heiszt gerochen —
da wirt lieb nicht gedacht.
Ze himel und ze hell
ist liebi mit dem rechten;
das merkche, wer da well,
80 danimb sol nieman rechten. Fol. 18^
Wann gerechte lieb
die wont in himels kören;
ungerechte lieb die ist ein dieb,
die weit die tuot si tören
85 Und senkt si in der helle grant
mit iemer werenden banden;
das wirt der valschen liebi knnt,
das ist ein herter handel.
6ot man darumb loben sol
90 die gerechter liebi walten;
wan unrecht tuon grät niemer wol
den jungen noch den alten.
Han ich ie unrecht lieb ghebt hi,
herr got, tuo mir vergeben
95 durch diner höchsten nammen dri;
halt mich bi rechten wegen,
Das ich behalt diu götlich gnad,
diu hulde mug'^erwerben;
gib mir dins heiigen geistes gab,
100 bhuet mich vor ewig sterben.
Nu dar, min fröd, min wunn, min heil,
mir liebst vor allen wiben!
vier meister gsach ich nie so geil,
die möchtint das voll schriben,
75 haiszt. 77 bymel. 79 merkcb. 80 Diemant. 82 hymels
körn. 83 ain. 84 sy törn. 85 sy. 88 ain. 91 Won. gerat.
93 liebi gehebt, hie fehlt. 95 deiner, dry. 96 by. 97 dein
götleich genad. 98 Dein huld. 99 deins haiigen gaistes. 100 Be>
hüt. 101 mein alle dreimal, hau. 102 weihen. 103 maister.
gail. 104 schreiben.
— 56 —
105 Die liebi die ich zao ücb hän
weltlich uflf diser erden;
davon so wil ich niemer län,
also so wil ich sterben.
Was ich von schöni ie getichtet hän,
HD mit kluogen rimen gmessen,
damit so mag kein frow bestan,
und tuot si eins vergessen:
Und hat si nit einn steten muot,
got lieb und och ir ere,
115 ir schöni tuot ir niemer guot,
irs lasters wirt dest mere,
Und nimpt am alter spötlich end
wiben und och den mannen;
wer sich nicht böser sachen dchemt,
120 der lit in herten banden.
Wer nicht well stein,
der hab nicht diebes genge;
die rede wil ich niemer heln:
es gerät nicht wol die lenge.
125 Wer sinem glast nach volgen wil,
natürlich als es ist geborn,
sins ungelimpfs wurd gar, ze vil,
sin sei die wurd darumb verlorn.
Davon hat got dem menschen geben
130 Vernunft und och gewissen:
dem bösen sol man widerstreben,
sin hertz das sol eins bissen "
Mit gerechten dingen nacht und tag
und frölich dannocht leben.
105 euch. 106 Weltleich auff. 110 gemessen. 111 kain
fraw. 112 sy ains. 113 sy. ain. 114 auch ir eer. 116 dester
mer. = 117 spötleich. 118 Weihen, auch. 120 leit. 123 red.
125 seinem. 126 Natewrleich. 127 Seins. 128 Sein. 130 ver-
Dunfft. auch, 3 32 Sein. ains. 134 fröleich.
_\67 -
135 es ist vil war, das ich üoh sag:
huet dich vor bösen wegen!
Man seit vil kraft von edelm gestein:
krisolitus und adamast,
smaragden gruen nnd dabi rein,
140 karfunkel die händ lieehten glast.
Als edel gestein das ist doch nitt ,, Fol. 19
für ein selig, biderb wib;
das macht ir ür, ir zncht, ir sitt,
das ist eins mannes leid vertrib.
145 Je klaeger sinn ein man doch hat,
dest bas halt er ein biderb wib: ^
es si fruo oder sp&t,
er bkent die er, die an ir Ht.
Rechtaonden lüten ist gnnog gseit,
150 die bösen wend kein gnots verstan;
und der all straff an si leit,
so wil doch kein seid in si g&n.
Wer wil mich für einn narren hän» . ^
ob ich hän lieb ein biderb wib?
155 sid macht noch witz nicht modbt bestän, >
si band bezwungen der türsten lib,
Die swert in dhand ie händ genomen. .,
wie soltz mir toren denn ergan?
ich werd von einr och fiberkomen:
160 mit eren muessen wir best&n!
6ot vatter, herr, durch all din gnad
und durch die magt, die muoter din,
gib uns dins heiigen geistes gab
und hilf uns hie uff erden hin
135 euch. 137 sait. krafft. gestain. 1 88 Krysolitiis. 139 daby raiiu
141 gestain. 142 ain. weib. 144 ains. laid T*treib. 145 und
146 ain. 1 46 weib. 147 sey. 148 eer. jr. leit. 149 lauten, giösait. 1 50 kieAh.
151 sey lait. 152 kain. sy. 153 ain. 154 aät. wtdib. 156 Sy,
tewTsten leib. 157 Swert. 159 ainr auch. 161 u. 162 dein. 163 de|n9
haiigen gaistes. 164 hilff. äoff.
— 68 —
165 UdcL gib uns unser teglich prot,
din will der werd an ans volbraoht;
behnet uns vor der helle not:
din menscheit hat nie sünd gedacht
Ewiger got, na gib uns beiden
170 ein rechtes alter uff erden hie.
all sünd mness uns vor sterben leiden,
als ob wirs habint begangen nie.
0 starker got, ein herr der bimel,
all Sachen hept du maebt enbor;
175 an dich ward -nie und wirt och nimer,
kein sünd ist dnr beschlossen vor;
All sach die ist dir offen zueftr:
ich han och lieb, das weist da wol:
0 hilf ans an der fröden schar!
180 din gnad ich dammb bitten sol
Mhr ist glich gen dem bnolen wax
als einem kranke«, siechen mai^
der went, das ieman wirser A
dann im; das hanget mir och ao;
185 Ich wenn, xnin JtrAw si also 0K>sj^
das si mirs nidit vergelten mag,
and hftn zao ir doch allen trdst:
si ist min ros, min blaejender hag!
Ich hän der weit geächtet vil,
190 das wil ich niemer me getaon:
all sach die stät bis uff ein zil —
herr got, gib uns din ewig suon!
Han ich geticht ie wider dich
der weit ze lust mit liebem gruoss,
165 tegleicb. 166 Dein. 168 Dein m^tsohait. 169 baiden.
170 Ains. auff. 1 71 laiden. 173 ain. hymel. 174 dein. 175 auch
niemer. 176 Kain. 178 auch, waist. 179 bilff. 180 Dein. 181 gleich,
mein. 182 ainem. 183 iemant. se^. 184 jm. auch. 185 mein
trew sey. 186 und 188 sj. 188 mein beidemaL blüyend*.
191 auff SAD, 192 dein. 193 Wan; aber H roroorrigiert. getichtet*
— 59 —
195 din götlich gnad doch daran uoh:
nicht me tnon ist grossi baosa.
Frow, söltint du die lieder sin
nach willen, den ich zno üch hän,
kein gticht ward nie als hüpsch und vin,
200 Titterei möcht dabi nicht gestän.
Der will ist gross nnd dannocht mer,
das ist ftn allen zwifel da. -
herr got, behnet nns lib nnd sei: Fol. 19^
in eren mnessen wir werden gra.
205 Frow, hand vergnot, das ist das lest,
(der weit geticht ich niemer mer)
nnd wölti got, wer es das best,
des wer wol wert üwer wiplich er!
Ich rät üch mit trüwen, dast daz best,
210 nnd allen selgen wiben:
hand steten muot, das ist das lest,
dabi sond ir beliben;
Wan nnsteten, wankein muot
das hat got dikch gerochen:
215 es kam frow Even nicht ze gnot,
si hatt ein apfel gebrochen.
Da wibes bild geheissen wirt
frow Dichtlnndei nnd Wankelmnot,
die vnt in niemer selde birt,
220 ir ere sind gar nnbehnot.
Davon schetz ich einn steten maot
ein grnntfest wol der ere,
wann wer den hat, der ist wol behuot,
nnd faer er über mere.
195 Dein götleioh. 197 Fraw. sein. 198 euch. 199 Kain.
yein. 200 daby. 202 zweyfel. 203 leib. 205 Fraw. 208 ewer
weipleioh. 209 euch, trewn das ist dz. 210 weihen. 212 Daby.
beleiben. 213 Won. 215 fraw euen. 216 ain. 217 weibes. ge-
haissen. 218 Fraw Dicbtlunday. wankelmüt. 219 weis. 220 er«
221 ain. 222 Ain.
— 60 —
225 Wem er nioht liebt, der ist nicht wis
oder hat sich eren verwegen;
wer gerne gat uff helem is,
der tuot nicht wisheit pflegen.
Wer zündt bi stro,
230 der bedarf wol steter sinne,
(das red ich gar an argen drö)
das es im nioht verbrinne.
Welch frow all red nff nemen wil
und antwnrt darüber geben,
235 si macht ir selb ein narrenspil,
sol si kein lengi leben.
Wer sei und er behalten well,
der hab got lieb in hertzen;
dem widerfert kein ungevell,
240 das ist an alles schertzen.
Was all die weit uff erden hat
von silber und von gold
oder alles, das si hiuder ir tat,
das git nicht rechten sold;
245 Denn nach sterben ein guot wort
wib und och den mannen,
das schetz ich für den höchsten hört,
das ist gar unverbannen.
Die weit die hat in grossen spott
250 unstetikeit und liegen brächt:
Judas tet verraten gott,
ein steter muot hetz nie gedacht.
Wer steten muot in hertzen hat
und hat dabi ein gwissen guot,
225 ere. weis. 227 gem. auff. eys.- 228 weyshait. 229 bey.
230 bedarff. sinn. 232 verbrimi. 233 fraw. auff. 235 ain.
236 sey kain. 239 kain. 241 auff. 243 sy. jr. 244 geit. 245 ain.
246 weib. auch. 249 Die weit die hat ynsietikait || In grossen spott
und lyden brächt 252 Aiii. 254 daby. ain.
- 61 —
255 die selben got doch meiner gelät,
wann sei nnd er ist vol behnot
Wer ich wis, mir möcht ab sterben grasen,
wann all weltlich sach die mnosz zergän:
so ist vor mir tod als mang hundert tnsen,
260 davon wil ich von sorgen lan
Und leben recht mit der weit dahin,
mim bnolen bin ich !tal hold;
und wiszti si dann recht min sin,
si liebt mir zwar f&r alles gold!
265 Ich weiss nicht, wie ich leben sol, Fol. 20
das mir die liebi tuot so we, #
davon ich grossen kumber dol,
so ist mins senens dester me.
Nu hin! ich getrüw ir zwar des besten,
270 das ist min ernst ftn allen spot:
si bedarf mir me keinn bfirgen setzen,
ir er behuet der ewig got!
All bluomen vin,
was wurtzen hat und holtz,
275 dafür nem ich den buolen min,
* si dunkchet mich so stoltz.
Ich hört ir guet
fdr harpfen und fQr gigen,
das geb mir sicher hochgemuet
280 ir angesicht — fürbas wil ich nu swigen!
XEX.
JUin getrüwen dinst mit gwissen guot,
darzuo mit gantzem willen!
257 weis, grawsen. 258 weltleich. 259 manig. Mit hundert be-
ginnt neue Zeile, tawsen. 262 Meim. ytal. 263 sey. mein.
264 Sey. 265 waiss. 268 meins. 269 getraw. 270 mein, spott.
271 Sy bedarff. kain. 273 rein. 275 mein. 278 geigen. 280 sweygen.
1 Mein getrewen. gewissen. 2 Dartzuo.
— 62 —
din er die git mir hohen inaot,
din gstalt tuot in mich piilen.
5 Geformt als in einn gamahü
wachst da in minem hertzen;
die liebi ist gross und ist doch nö,
ich reds an alles schertzen.
Din gsantheit an er, an lib, an gnot
10 das hört ich allzit gern von dir,
und geb mir sicher hohen muot
und möcbt nicht liebers bschehen mir.
Ach lass mich wissen, wie du macht,
wan ich bin gesund von gnaden gots;
15 hab min in diner liebi acht,
wan ich stan gerecht an allen spot
Da solt werlich an zwifel sin,
das ich nicht liebers hau dann dich;
ussgenomen got, süss bin ich din:
20 din wiplich zucht doch daran sich
Und lass mich dir enpfolhen sio,
sich an minn willen, der ist gantz;
bis getrüw und stet und dabi vin
und spring mit fröden an den tantz.
25 Gemacht und geben in grosser kelt, Fol. 20^
verbotten was da switzen;
ob des ieman wundem weit,
min hertz das tet sich hitzen
Von gedenken, die ich nach ir hett,
30 ich wand, ich wer im meien;
der sehne was mir ein suesser mett,
ich acht nicht windes weien.
3 Dein ere. geit. 4 Dein. 5 (tiiü 6 meinem. 7 nüw.
9 fehlt Absatz. Dein gesunthait. leib. 10 allzeit. 12 bescheh^i.
14 Won. 15 mein, deiner. 16 Won. 17 werleich. zweyfel sein.
19 Aassgenome, dein. 20 Dein weiplich. 21 sein. 22 mein. 23getrew.
dahy rein. 27 iemant. 28 Mein. 30 jm. mayen. 31 ain. 32 weyen.
— 63 —
XX.
lier edeln, wolgeporen
enbüt ich min willig hent!
von trüw bin ich in sorgen,
wann rechte liebe hat min hertz versent,
5 Das ich nicht weiss,
wie sol ich mich nu halten:
da machst mir kalt, da machst mir heiss,
miden dich das tnot mich sicher alten.
Ich seh din seiden tugent
10 vor allen dingen nff erden,
darzao din werden jugent:
in diser zit mag mir nicht liebers werden,
Usgenomen got, den herren,
der ist da gen nicht ze messen:
15 gelükche muesz er ans na meren,
wan dinr gaet kan ich nicht vergessen.
Solt ich min trüw voll schriben,
als mir na ist ze maot,
(vil sach die maoss ich miden)
20 ich bdörft vier schriber guot
Davon so nimm minn willen
mit trüwen äne wenken,
da kanst mir kamber stillen:
min hertz das taot kein anders nicht gedenken,
25 Denn stet an dir beliben
an allen zwifel zw&r;
solt ichs die lengi triben,
so möcht ich werden grd.
1 wolgeporn. 2 Enbewt. mein willig dinst. 3 trew. 4 lieK
mein. 5 waiss. 7 haiss. 8 Meiden. 9 dein. 10 auff. 11 Dartouo
dein. 12 zeit. 13 Ausgenomen. 15 Geluckch. 16 W^n deinr.
17 mein 6rew. schreibn. 19 meyden. 20 bdörffib. schmber. 21 meii«
22 trewen. 24 Mein. kain. 25 beleiben. 26 zweyfel. 27 treiben.
. - 64 -
Von senlich gross belangen,
30 das ich doch hän nach dir:
min hertz das hast gevangen,
des solt du globen mir.
Des solt du mich lan gniessen;
sich an min steten muot
35 und la dichs nicht verdriessen,
wann sicherlich, es kamt dir nuo ze gaot.
Du solt min trü
mit rechter stete gelten,
so wirt die liebi teglich nü,
40 und habent lob, des mag üch nieman schelten.
Din trüw han ich verstanden wol,
als du mir schribst dinn steten muot, Fol. 21
des ich dir sicher danken sol:
vor wankel bin ich wol behuot.
45 Min bürg der huet min sicher schon,
darzuo han ich ein gwissen guot;
von dir so wil ich niemer län,
din er die git mir hohen muot
Sölt mich ein söntlich sach nu fröwen
50 als ein reines seligs leben,
so wölt ich zwar im winter höwen
und hett die sinn ze wesohen geben. ^
XXI.
uo wol dem tag, die nacht die muesse selig sin,
do ich an sach die zarten, lieben frowen min!
29 senleich. 31 Mein. 32 gelauben. 33 michgeniessenlan. 34 mein.
36 sicherleich. nü. 37 mein. trew. 39 tegleich new. 40 euch
niemant. 41 Mein; aber d yorcorrigiert. trew. 42 schreibst dein.
45 Mein beidemal. 46 Dartzuo. ain. 48 Dein. geit. 49 ain
süntleich. 50 ain rains. 51 weint*.
1 sein. 2 frawn mein.
— 65 —
ich lob die zit und och die stand,
do si mir ward ze teil.
5 ich lob im rosenvarwen mund,
der brehet als das abent rdt:
ir guet die hat mich angezunt.
Ich lob ir har gar wol gevar,
ir claren ogea nimm ich war
10 mit scharpfen lieben blikchen;
ich lob ir zen für helfenbein,
ir helsel runt und nicht ze klein:
si ist mit guoten sitten.
ich lob ir brüst für berlen wiss
15 in rechter gross nach allem fliss,
untrüw ist da vermitten;
ir achslen gsenkt ein klein ze tal,
darzno so sind si harmval:
ir guet die sol ich bitten.
20 Ich lob ir siten die sind lang,
and in der mitti so ist si klein;
ir büchli lieb and dabi rein,
der brün ist nicht vergessen,
wass haben sol, das hat si zwar
25 und velt das nicht als umb ein här :
nach wünsch ist si gemessen,
hochristig, smal ir fnesslin hol:
si gevelt mir uss der mässen wol,
an ir ist nichts vergessen.
XXII.
Trow, wilt du wissen, was es ist Fol. 21^
glükch, er und gaot uff erden,
3 zeit auch. 4 sy. tail. 8 jr. 9 äugen. 1 1 hel£fenbain. 12 klain.
1 4 Absatz, weiss. 1 5 fleiss. 1 6 Vntrew. 1 7 gesenkt ain klaia. 18 Dartzuo.
20 Seiten. 21 sey klain. 22 bewchli. dabey rain. 23 brewn.
24 Absatz, sy. 25 ain. 26 sy. 27 füsslein. 28 Sy. auss.
Erste Strophe mit Melodie. 1 Fraw. 2 äuff.
Wackemell, Montfort. v^
— 66 —
das sag ich dir in kurtzer frist,
des soll du innen werden:
5 got ist din glökch, din er, din guot,
des tuot er alles walten;
hast du dich selber denn^n huot,
so macht in eren alten.
Got hat uns eigen willen geben
10 uff erden hie ze werben;
wir mugent aber also leben,
wir muossent ewig sterben:
und wirt uff erden dik 'gebuesst,
wer üppig löff ttiot tribeny
15 und wirt im alter gar uüsaess, '
davon solt mans vermiden
Und stet an grechten 'dachen k'i'n,
sich frölich dabi halten:
glök und seid das gä^t dir in,
20 und macht in wirden alten;
wann aller wissheit anefaug
ist götlich vorcht fürwar
und vindt sich an dem nssgang,
das velt nicht umb ein har.
25 Wer götlich vorcht in hertzen hat,
dem leidt all sünd uff erden:
es si fruo oder spät,
wie mag das mensch verdarben?
die vorcht die git dir steten mnot,
30 des macht du wol geniessen;
dabi behaltst du er und guot,
des lä dich nicht verdriessen.
Frow, merk die wort und och den sin Fol. 22
und tuo darnach gedenken
5 das, über as er corrigiert. glükcht. dein beidemal. 9aigen.
1 0 Auff. 1 3 Absatz, auff. 1 4 treiben. 1 5 jm. 1 6 yermeiden. 1 7 gerechten,
sein. 18 fröleich dabey. 19 Glükt* yn. 21 Absatz, wejsshait. 22 göt-
leich. 23 aussgang. 24 ain. 25 Der und w vorcorrigiert.
götleich. 26 laidet. auff. 27 sey. 29 Absatz, geit. 31 Dabey
hhaltst. 33 Fraw. auch.
— 67 —
35 und bis mir nun, als ich dir bin:
an dir wil igh nicht wenken.
frow, wis8 für war, das got der herr
das unrecht nicht tnot liden
in die lengi minder, denn das mer
40 mag werden zwisser siden.
XXffl.
JUin willig dinst mit lib und gnot
das ist dir alles undertän!
din ere die git mir hohen mnot,
din wiplich geberd mag wol best&n.
5 Din fröwlioh zucht und och din soham
das ist gar hoch ze messen:
und ziert wol einen edeln stam,
wer sich nicht taot vergessen.
Din götlich vorcht, din gwissen guot
10 das prnef ich fär des meien schin;
vor wankel bist du wol behuot,
darumb wil ich din diner sin.
Din zarter mund rot, rosenvar,
mit steten waren worten,
15 dinr claren ogen nimm ich war,
die bschliessent eren porten;
Din lieben brüst barillen wiss
in rechter gross und rein:
du bist ein mensch nach allem fliss,
20 in minem hertzen ein.
37 Absatz. Fraw. 38 leiden. 40 ze weisser seiden.
1 Mein. leib. 3 Dein. geit. 4 Bein weipleich. 5 Bein firOwleioh.
auch dein. 7 ain. 9 Bein beidemal. gOUeioh. 10 majen sohdn.
12 dein. sein. 13 Bein. 15 Beinr. äugen. 17 Bein, weiss.
18 rain. 19 ain. fleiss. 20 meinem, ain.
— 68 —
Din hertz das trueg mit recht ein kroa
mit saphira von Orient,
wan all din wis die stät dir schön:
min hertz sich grösslich nach dir sent.
25 Din stoltzer lib in rechter lepg,"
die gross nach wünsch gemessen,
das ich doch zwar nicht anders bkenn:
an dir ist nichts vergessen.
Was sol ich sagen? es ist kein schertz:
30 ich gsach nie wib als recht gemuot;
du bist glich ein wünsch ins hertz:
got hab dich vast in siner huot.
Gesigelt mit minr rechten trü,
damit ich dir versprochen hän:
35 min lieb ist teglich gen dir nü,
des macht dich frilich an mich län.
Gemacht and geben ze Ensishein
nach Crists gebürt drüzehenhnndert jar,
(in einem stiiblin, das was klein)
40 im sechs und nüntzgosten (das ist war)
Von mir, dim getrüwen diener vest
mit willen ane wenken.
bis an sorg: aller frömder gest
der tuon ich nicht gedenken.
XXIV..
Wächter, mir hat getrßmt ein trön, Fol. 22^
darnach han ich gedacht,
das ich ze vil getichtet hän:
darzuo hat lieb mich bracht.
21 Dein. Recht ain. 23 Wod. dein weis. 25 Mein, grössleicli.
2 5 Dein . leib. Rechter. 2 9 kain. 3 0 weib» 3 1 gleich ain mensch. 3 2 seiner .
33 meinr. trew. 35 Mein, tegleich. nüw. 36 freyleioh. 37 Ensishain.
38 crists. drewczehn iar. 39 ainem :^tüblein. wz klain. 41 deim getrewen.
1 ain, tröm, 4 Dartzuo.
— 69 —
5 Min frow wolt haben suessi wort
mit rimen schon gemessen:
den meien schätzt si für ein hört,
des kond si nie vergessen.
Darumb han ich geticht ze vil,
10 nach dem ichs hett gesprochen:
min hertz wil doch nun wie si wil —
ach got, lass ungerocben
Und leg mirs zuo dem besten dar!
es ist beschehen an argen list:
15 vor hoptsünden du mich bewar,
allr Sachen du gewaltig bist.
Ein wiser man wirt hart betrogen,
dann mit wiben und gitikeit;
das mess man unden und och oben,
20 damit ist mangem bschehen leid.
Helen, die schön von Kriechen,
umb si ward Troj zerbrochen,
uss gesunden vil der siechen,
erschlagen und erstochen.
25 Hector mit andern forsten
verlor och da sin leben;
man schätzt in für den türsten,
den bris muoszt man im geben.
David, der küng mit tichten
30 (daruff was er gar cluog),
ein frow tet in entrichten:
in grossen unfuog
Kam e^ mit hoptsünden,
das macht Uryas wib:
5 Mein. 6 reimen. 7mayeii.sy.ain. 8sy. 9getichtet. 11 Mein. 15haupt-
sünden. 17 Ain weyser. 18 weihen, geitikait. 19 auch. 20 be-
schehen laid. 21 kriechen. 22 sy. troy. 23 Auss. 24 ward vil.
26 auch. sein. 27 tewrsten. 28 breys. jm iehen. 29 küng mich
(sie!). 30 Darauff. 31 Ain firaw. jn. 33 haupsünden. 34 yryas weib.
- 70 -
35 si kond im an entzünden
sin witz and och sin lib.
Küng Salamon, den wisen,
ein wib betrog in och:
den abgötten tett er nigen,
40 do ward er zeinem goch.
Samson, der sterkst uff erden,
den blant sin eigen wib;
daramb so tet er sterben,
und verlor si och irn Vlb.
45 Absolon, der schönst äff erden,
umb frowen kam er in not,
darumb so muost er sterben
und nam einn herten tot.
Aristotiles, der gmeit
50 in allen künsten zwar»
ein junkfrow in da reit,
do er was worden grä.
Kriemhilt, die schön vom Bin,
die bracht all held in ndt;
55 ze Etzelburg tett es die vin,
da lagentz alle tot,
Als ich es hän gelesen Fol. 23
und hans zwar hören sagen:
(es mocht nicht anders wesen)
60 si wurdent all erschlagen.
Her Dietrich von Bern
den nert sin manlich muot:
35 Sj. 36 Sein, auch sein leib. 37 salamon. weysen.
38 Ain weib. auch. 39 neygen. 40 zu einem gaucb. 41 auff.
42 sein aigen weib. 44 sy auch Iren leib., 45 auff. 46 frawn.
48 ain. 49 gemait. 51 Ain Juncfraw. rait. 53 rein. 55 etzel-
burg. yein. 56 all. 58 hörn. 60 Sy. 61 Dietreich. bern.
62 sein manleich.
- 71 —
an kreften was er cler wemd,
das kam im da ze guot.
65 Die wib die band der weite
gross lieb und leid getan:
das icb si darumb scHel^,
davon so wil icb lan;
Wan selgü wib mit rechtem muot
70 die bat got lieb uff erden:
vor wankel sind si wol bel^not,
des mugentz nicht verderben.
Nu dar, her Git! du hast die weit
mit mangem mort durchbrochen,
75 (das tuost du alles umb das gek)
erschlagen und erstochen.
Glüptbrüchig und verreteri
das kanst du vil w6l macheu.
phuch diner bösen Künste! phi,
80 der tivel möcht din UcheA! '
Du bist ein sünd, die unglük hät^
du merst dich gen dem alter :
es si fruo oder sps^t,
so tuost du gelt behalten.
85 Wen böser git begriffen hat,
der achtet weder er noch s61:
es si fruo od?r spät,
so ist im nach dem pfenning we.
Die Sachen zwo hau ich bedacht,
90 da wis man werdent betrogen n^it:
vil wanders habent si vollbracht
mit mangem manlichem sit.
63 krefften. 64 jm. 65 weib. weit. 66 laid. 67 sy. schelt.
69 Won eligü weib. 70 auff. 71 sy. .'73 geit. 77 Gelüpt
brüchig, v'retrey. 79 deiner. DasReimwort phi steht am
Anfang der nächsten Zeile. 80 Phy der. dein. 81 ain. vn-
gelük. 83 u. 87 sey. 85 geit. 90 weys. 91 sy. 92 manleichem sitt.
— 72 —
Ich han nach sachen vil gedächt:
so ist recht tuon an dem besten;
95 üppikeit gät hindan nach,
das vindt sich an dem lesten.
Ach got, sol ich der irowen min
suessi wort nicht tichten mer? —
got hab uns in den hulden sin,
100 behnet uns beiden sei und 6r!
Und wer ein sach, ich schult die weit,
sust so wil ich swigen:
si git am jüngsten böses gelt,
wie suess ist ietz ir gigen.
105 Darumb wil ich nicht tichten me
der weit ze lust mit rimen cluog,
es tueje wol oder we:
all sach die solte haben fuog.
Wer künd die masz, daz wer gar guot,
110 got mueszt im darzuo helfen;
vor Sünden mueszt er sin behuot,
wolt er den ankel werfen.
Ich sprich werlich, das ich mit list
die sach dik hän gemessen:
115 was fröd mit grossen Sünden ist,
da tuot sich das mensch vergessen;
Wan gross leid volgt den fröden mit
am jüngsten hie uff erden;
wirtz ungebueszt und bschiht des nit, Fol. 23^
120 so btütz ein ewig sterben.
Zwar, was der weit ie kam ze we,
das bschah von todes sünden:
95 Üppikait. 97 frawen mein. 98 nicht mer, letzteres
durchstrichen. 99 sein. 100 baiden. 101 ain. 102 sweygen.
103 Sy geyt. 104 yetz. geygen. 105 mer. 106 reimen. 107 tüy.
109 dz. llOjmdartzuohelfFen. 111 sein. 112werfi'en. 113w§rleich.
217 Won. Jaid yolget. llSauff. . 119 beschiht. 120 ain.
— 78 —
in der alten und in der nüwen i
da tuot es «sich doch gründen.
125 Les eins die bnooh, die gschriben sind
vor mangen hundert jaren:
gross Sünde macht den menschen blind
(der tivel kan des varen),
Das es gesichet noch gehört,
130 und liept im schnöde Sachen;
die guoten sinn smd dann zerstört,
des tuot der tievel lachen.^
Die sünd sind sness nnd liebent vast,
das machet böser glast nnd b^:
135 sint gnoter gwissen nicht ze lass,
so tnond ir recht, das globent mir.
Ewiger got, verlieh uns gnad
durch diner muoter gueti,
gib uns dins heiigen geistes gab
140 und sterk uns unser gmueti!
Din Wille werd an uns volbrädit:
behuet uns beiden sei nnd er,
das wir nicht komen in Sünden b&cht;
mit dinen gnaden du uns ner!
xxy.
ich gieng eins morgens fitio am tag
in ein hüsel, darinn lag
vil gebeine von den toten,
die zarten münd, die roten,
5 die warent gar verblichen;
die stoltzen lib gestrichen
123 newn de. 125 ains. gesehribn. 127 sünd. 129 gesiebt*
1 30 jm schnöd. 135 gewissen. 186glaabent. 187yerleich. 138 deiner.
1 39 deins haiigen gaistes. 140 gemüte. 141 Dein will. 142 bniden.
144 deinen.'
1 ains. 2 ain hewseL 3 gebain. 6 leib.
— 74 —
die warent gar zergangen;
die röselochten wangen
die warent gar dahin.
10 ich gedacht in minem sin:
^owe jamer unde not,
wie entschöpfet uns der tdt*!
in den gedenken ich entschlieff.
ein hopt mir vientlichen rieff:
15 „wol uff und wach und gang zuo mir,
clegliche mer die sag ich dir:
ich was ein wib unmässen schön,
man lobt min stimm für vogel dön;
gott hatt mir sinn och gnuog gegeben:
20 hett ichs angleit zuo rechtem leben!
do was mir als den äffen,
die in die spiegel gaffen:
ich gfiel mir selb unma^sen wol
(davon ich ewigs liden dol)
25 und was unstetes muote;
des heiigen geistes huote
schlnog ich von mir niit sünden gross.
mich dünkte nieman min genöss:
hochfertig und unkünsch was ich.
30 ich bin verloren ewenklich!
das hän ich als mir selb getan:
wes mich iust, das wolt ich hän, Fol. 24
(ich wolt min Iust nicht miden)
des muoss ich ewenklich liden.
35 ich tröste micl^ mins atolt^^n Hb,
darzuo was ich ein wankel wib.
hett ich min lieb glegt an die e,
so wer mir nicht als cleglich we.
owe das ich ie wart geborn!
40 ich bin doch ewenklich verlorn:
1 0 meinem. 1 1 iamer und. 1 4 Ain haup. vientleich. 1 5 auff. 1 6 cleg-
leiche. 17 ain weib. 18 mein. 19 auch. 20 ich. angeleit. 24 leiden.
26 haiigen gaistes. 28 dunkt niemant mein. 3t) yerlom cwenkleich.
33 mein, meiden. 34 ewenkleich leiden. 35 trost. meins. leib.
36 Dartzuo. ain. weib. 37mein.gelegt.ee. 38clegleich. 40 ewenkleich.
- 75 —
min liden ist an ende!
ze potten ich dich sende
zuo allen stoltzen wiben,
das si das tuegint miden,
45 darumb ich armi bin verlorn.
sag ins und fürchte nicht irn zorn!*
In grossen sorgen ich entschlieff.
das ander hopt mir yintlich rieff:
9W0I uff und wach und gang zuo mir,
50 clegliche mer die sag ich dir:
ich was ein herr gar wol gestalt
von Hb, von antlüt und hett gwalt
land und lüt ze pflegen;
gott der hatt mir geben
. 55 wisheit, ere undeguot:
hett ich geleitet minen muot
zuo gerechten guoten dingen,
so hört ich engel singen.
des hän ich leider nicht getan!
60 ich was ein übergitig man:
umb guot do was mir nieman zlieb,
die loik treib ich als ein diep
unde hatt unsteten muot:
das tett ich alles umb das guot.
65 ungerechter richter der was ich.
ich bin verloren ewenklich!
das han ich als mir selb getan:
vil frömder wib die wolt ich han
und liess min elich wib gän;
70 min lust wolt ich durch nieman län
und brach tegelich min e,
des muoss ich haben ewig we.
41 Mein leiden, end. 42 send. 43 weihen. 44 sy. meiden»
46 furcht. 48 haupt. yeintleich. 49 auff. 50 clegleiche, 51 ain.
52 leih, antleut. gewalt. 53 leut. 55 Weyshait er und. 56 ge-
laitet meinen. 59 laider. 60 ain ühergeitig. 62 loyk traib. ain. 63 Vnd
66 verlorn ewenkleich.^ 68 weih. 69 mein eleich weih. 70 Hein.
71 iegleich mein ee.
— 76 —
ach got, das ich ie wart geborn !
ich bin doch ewenklich verlorn:
75 min liden ist an ende!
ich dich ze botten sende
zuo grafen, dinen gnossen,
und zuo allen herren grossen
nnd warn si an den Sachen,
80 das si die gerech tikeit machen
und Ijegint vast dem rechten zuo
(so gewinnent si die ewig ruo)
und habint got lieb für eile ding,
dast aller wisheit urspring. '^
85 In der red ich do entschlieff.
das dritte hobt mir guetlich rieff:
«wol uff und wach und kum zuo mir,
vil guoter sach die sag ich dir!'
es sprach zuo mir: «ich was ein wib
90 gar schön von antlüt und von lib
und hatt darzuo guot sinne.
mich betrog nie valsche minne:
ich nam got zhilf und was gar vest
und schluog da nss die bösen gest; Fol. 24^
95 min hertz das tet ich halten,
das es muoszt trüwen walten.
es were fruo oder spät,
so schluog ich uss des tiefeis rät
und satzt mich vesteklich dawider
100 mit sinnen unde mit gelider.
mit beten tett ich dem tiefel we,
*
und hatt gar stet die heiigen e.
unhoffertig und demuetig,
den armen was ich guetig;
105 nid noch hass hatt ich nicht acht
74 ewenkleich. 75 Mein leiden, end. 76 send. 77 deinen ge-
nossen. 79 sy. 80u. 82sy.gereclitikait. 81 Rechten. 84wey8hait. 86dritt
haubt. gütleich. 87 auff. 89 ain weib. 90 antleut. leib. 91 dartzuo.
sinn. 92 miii. 93 ze hilff. 94 auss. 95 Mein. 96 trewen. 97 wer.
98 auss. 99 yestekleich. 100 und 101 betten, tiefe. 102 haiigen ee.
105 Neid.
— 77 —
und floch allzit den bösen bracht;
darzuo so was ich messig,
guoter sach nicht hinlessig;
getrüw was ich mim lieben man,
110 ich wölt keinn andern für in hän
gehebt in all der weit.
unrechtfertig gelt
das tett ich allweg fliehen,
6d red die tett ich schieben. —
115 also tet ich mich halten
und nam ein recht alter
und hatt fröd mit grossen eren
(ich liess mirs nieman weren)
und liess minn erben ere und guot:
120 das machet als min steter muot,
da gab ich gantz minn willen zuo;
des gab mir got die ewig ruo. —
Darnach do tett ich sterben;
do enpfalh man mich der erden.
125 nu hat mich got enpfangen schön,
genomen in der himel trön;
da hän ich ewigs leben,
das hat er mir gegeben:
die fröd ist gross, daz ist an zal,
130 und hett eins all der weite wal,
es möcht ir nicht erdenken:
rotten, Seiten klenken,
darzuo der engel stinune;
da sitzt die küniginne,
135 die muoter maget reine,
von gold und edelm gsteine
ein krön uff irem höbet,
(allr sorgen gar berobet)
da sind zwelf Sternen inne,
106 allzeit. 107 Daftzuo. 109 Getrew. meim. 110 kain.
116 ain. 118 niemant. 119 meinen. 120 mein. 121 mein.
126 hymel. 129 dz. 130 ains. weit. 132 saiten. 133 Dartzuo.
stim. 134 künigin. 135 rain. 136 gstain. 137 Ain. auff.
138 Aller, beraubet. 139 zwelfPl jnn.
— 7» —
140 gemacht mit götlich sinne ^.
daz höbet sprach: «nu tuo so wol,
darumb ich dich zwar loben soi:
die sach sag allen wiben,
das si sich taegint schiben,
145 als ich frowe hän getan,
so wirt in och der ewig Ion*!
Von rechten fröden ich entschlieff.
das vierde hopt mir früntlich rieff:
»wollaff und wach und gang zuo mir,
150 recht tuon und fröd die sag ich dir:
ich was ein herr gar stoltz von Hb,
und hett ich gsehen tusent wib,
ich hett min e nicht gebrochen;
vier jär recht als zwo wooheü
155 verdross mich niemer recht tuon;
ich stifft och gerne frid und suon.
got hatt mir sinn ooh gnuog gegeben,
die leit ich au ze rechtem leben:
das recht hat ich an massen lieb: Fol. 25
160 ich tot die morder und die dieb
und schirmt witwen und weisen,
die Hess ich nieman ueisen;
ein rechter richter was ich zwar
heimlich und och offenbar.
165 die seligen priester hatt ich wert.
ich schirmt das recht zwar mit dem swert
und was ein held mins muote.
das kam mir dik ze guote
gen got und gen der weit.
170 unrechtfertig gelt
das tett ich allweg fliehen,
140 götleich sinn. 141 Dz. haubt. 143 weihen. 144 sy.
Scheiben. 145 fraw. 146 auch. 148 yierd haupt. frewntleich.
149 Wolauff. 151 ain. leib. 152 gesehen tausent weih. 153 mein ee.
154 iar. 155 recht fehlt, tuon. 156 auch gern. 157 auch, geben.
158 lait. 161 waisen. 162 niemant naisen. 163 Ain. 164 haim-
'leicb. Auch, 167 ain. meins.
— 79 —
bös ret die tet ich schieben
und batt gar lieb min elich wib:
die was mir als min eigen Üb.
175 also tett ich mich hatten
und nam ein wirdig alter.
darnach do tett ich sterben;
do enpfalh man mich der erden.
nu hat mich got enpfangen schon,
180 genomen in der himel trön;
da han ich ewigs leben,
das hat er mir gegeben:
die fröd ist grosz, das ist an mäss,
und ritt einr all der weite strass,
185 e man es möcht betichten,
mit schriben usgerichten,
du möchtist zweintzig jar hie stän,
e ich dirs gesagen kan.
als gross ist fröd und wunne*. —
190 do gieng erst uff die sunne,
das man si an den bergen sach.
das hopt gar züchteklichen sprach:
,nu sag das allen mannen,
das si vor sünden banden
195 sich huetint hie uff erden,
das si nicht ewig sterben,
und tuegint, als ich han getan,
so git in got das ewig Ion''.
ich gieng enweg und neig dem hopt,
200 wan es was aller sünden brobt. —
dise rede heiszt der trön.
nu geb uns gott das ewig 'Idn.
amen.
173 mein bleich weih. 175 mein äigen leib. 176 ain
180 hymel. 184 äinr.w6lt. 186 schreiben äosgerichten. 1 B 7 zwaintzig
iar. 189 wunn. 190' aüff. iunn. 191 sey. 192 haupt. ztich teklei^hen .
194 sy. 196 atrff. 1^6 sy. 198»geit jn. 199 haig. Haupt. 200 Won.
beraubt. 201 red haiszt.
— 80 —
XXVI.
Min willig dinst und och min rät Fol. 25^
den schrib ich üch mit trüwen.
es si fruo oder spät,
so land üch niemer rüwen,
5 Was ir ie guotes hand getan;
hand sinn, ir wellint meren,
so mugent ir gar wol bestan
und nement uff an eren.
Hand götlich lieb für all dis weit,
10 sind stet mit üwern worten:
es wirt üch lieber wann alls gelt,
und bschliessent eren porten.
Hand er und schäm und gwissen guot,
gotz vorcht in üwerm hertzen:
15 es git die lengi guoten muot ^
und behuet üch vor ewig smertzen,
Und gewinnent glük uff erden hie,
gross wird in üwerm alten;
so spricht die weit: „daz ist doch die,
20 die hat ir er behalten*.
Sind frödenrich in hertzen
no me, denn ir gebaren;
huet üch vor winkelschertzen,
wan sicherlich, der tiefel tuot des varen.
25 Er nebt die weit
zuo allen bösen sachen:
1 Mein, auch mein Rät. 2 schreib, euch, trewen. 3 sey. 4 euch,
rewen. 8 auff. 9 Sand; doch h yorcorri giert, götleich. 10 ewern.
11 euch, alles. 13 gewissen. 14 ewerm. 15 geit. 16 euch.
17 gelükt auff. 18 ewerm. 19 dz. 21 frodenroich. 23 euch.
24 Won sicheiieich. 25 und 26 zusammengeschrieben.
^^81 -^
dafür so nein er kein gelt,
niöcht er ein biderb wib zuo einer törinn raachön.
Üwer gsind band tug^ntlichen
30 in recbter vorcbt mit mäss;
die armen als die riehen
die gruessent uff der sträss.
Hocbfart die sond ir raiden
demuetig mit geberen,
35 so mag üch nicht verschniden
die hobetsünd, das wil ich wol beweren.
Wan Lucifer hat nmb die sach
gesunt und ist gevallen,
des muoss er haben ewig ach
40 und sin genoss in jamer muossen wallen.
Schlahent nid uss üwerm hertzen
und hass, den bösen sämen,
si bruefent jamersmertzen :
davor behuet uns got. — nu sprechen amen.
45 Hand mass zuo üwerm essen;
das sond ir wol besinnen,
das ir üch nicht vergessen
von keinem trank, daz ir des werden innen,
Davon sich sinn oder geber
50 mugint icht verkeren:
das wer ein sach gar swer
und wurd sieb in dem alter schedlich meren.
Huetent üch vor gehem zorn,
mit gueti endt man vil:
27 kain. 28 ain. weib. Mit zuo neue Zeile, ainer. 29 ge-
sind, tugentleichen. 31 reichen. 32 aufP. 33 meyden. 35 euch, rer-
schneiden. 36 haubtsünd. 37 und 38 Won lucifer hat ymb die
sach geualln. 40 sein, iamer. 41 neyd auss ewerm. 43 Sy. 45 ewerm.
47 euch. 48 kninem. dz. jnnen. 51 ain. 52 schedleich. 53 euch.
WackerneU, Montfort ^
— 82 —
' 56 es wirt gar dikch verlorn, Fol. 26
der all sach rechen wil.
Üwer glük das hand von got;
huetent üch vor bösen wiben:
die raten nicht dann spot,
\60 mit zober gross taond si die weit verschniden,
Und ist vil angelükch
von der sach besohehen :
das machent ir valschen ttikch,
das wil ich wol mit gantzer warheit jehen«
65 Na merkent minn rat gar eben:
min will ist gen üch guot:
got muess üch seiden geben
und darzuo gaoten muot!
XXVII.
V/sach alir sach, du bist an end,
din wesen das was ie!
kum heiliger geist behend,
hilf mir uff erden hie:
5 Zünde au mit dinem für
die hobetsünd von mir;
des hilf got vatter, sun gehür,
das ist mins hertzen gir!
Wer aller menschen vernunst
10 beschlossen in ein höbet
und darzuo ellü kunst,
dannocht wer es der sinnen gar berobet
57 glükt. 58 euch, weihen. 59 spott. 60 zauber. y*schneiden. 64 war-
hait. iehen. 65 mein. 66 Mein. euch. 67 euch. 68 dartzno.
1 aller. 2 Dein. 3 haiiger gaist. 4 Hilff. anff.
5 Zünd. deinem fewr. 6 hauptsünd. 7 hilff. gehewr. 8 meins.
10 aia baubet, 11 dartzuo. 12 beraubet.
~ 83 -
In sölicher mass,
das es möoht die wirdi gots durcbgründen :
15 es wer uff irrer strass,
recht als obs wolt ein liecbt mit söhne anzünden.
Min herr ob allen dingen,
kein sinn mag dich volloben,
nieman mag es volbringen:
20 wie hoch man gedenkt, so bist da dannocht oben.
Wan aller engel vernunst Fol. 26^
und all ir claogen list,
die hilfet nicht ir kunst,
das si wissint, herr, wer da gentzlich bist!
25 Wan din drivaltikeit
die ist gar ungepfecht;
ich sprichs wol äff minn eid:
all sach hasta beslossen in dinr almeoht.
Herr got, da hast all sach geschaffen,
30 darzao der himel tron,
höre ich von wisen pfaffen,
da sigint engel soh6n:
Die kannint dinn willen bekennen
and darzuo dinen muot,
35 and taond sis enander nennen,
damit wirt dwelt behuot.
Si taond dinn willen halten
gar snell und unverdrossen
gen jungen und gen alten;
40 vor in ist nichtz beschlossen.
1 3 söleicher. 1 5 auff. 1 6 ob es. M i t ein neue Zeile, ain. 1 7 Mein.
18 Kain. 21 Won. 23 hilffet. 24 sy. gentzL (sie!) 25 Won
dein driualtikait. 27 sprich es wol auff meinen aid. 28 dein*.
30 Daitzuo. hymel. 31 hör. weysen. 32 syglnt. 33 dein.
34 dartzuo deinen. 37 Sy. dein. 39 iungen. 40 jn. ^
— 84 —
Si sehent in diner gotbeit clär,
was si na söllent werben
gar beimlich and nicht offenbar:
her nider äff die erden
45 TuOLd si nach dinem willen,
des habent si wol acht;
nieman mag es gestillen,
dafär so hilft kein macht.
Unwandelberer gott
50 in allen dinen Sachen,
ich reds an allen spott:
die heiigen gschrift kan nieman anders gmachen;
Wan das da bist ein gott
anwandelber.
55 ich swers bi dim gebott:
kein sach ist dir ze ringe noch ze swer.
Du bist gar anverkert
mit allem dinem wesen
(din götlich gnad ans nert):
. 60 din lob daz wirt vollsungen noch voUesen.
Ich zeig dir och minn willen
und tuon das mit begir :
guot sach tuost in mich pillen,
das gib ich wider dir
65 und danken dinen gnaden:
wa ich han guots getan,
das sint dins geistes gaben,
süss mueszt ich ellent stan.
41 deiner gothait. 42 sy. 43 haimleich. 44 auff. 45 Kund;
aber t Torcorrigiert. sy, deinem. 46 sy. 48 hilflPb kain. 60 deinen.
52 haiigen gesohrifPb. gemachen. 53 Won. ain. 55 by deim. 56 Kain.
ring. 68 deinem. 59 Dein götleich. 60 Dein. dz. 61 zaig. auch
mein. 65 deinen. 66 guotes. 67 deins gaistes.
— 85 —
Ein Schöpfer alles gaoten
70 hilf armen sünder mir:
du schlechst mit seiden raoten,
der sich ergibet dir;
Du gist gar seldeklichen,
wers tuot an dich begern,
75 den armen als den riehen
die tuost du zwar gewem.
Du weist zwar allen grünt
in aller menschen hertzen:
das ist dir alles kunt,
80 es si lieb, leid oder smertzen.
Da du denn vinst das recht Fol. 27
und steten gantzen willen,
das machest alles schlecht
und tuost dem menschen grossen kumber stillen.
85 Du hast uns geben eigen willen
und darzuo guot vernunst;
tuond wir dann kein bös in uns billen,
das ist nicht grechte kunst.
Du hast kein unglük uns beschaffen,
90 das ist sicher war;
wer anders redt, der glicht sich einem äffen,
das velt nicht umb ein har.
Almechtig gott, ich bekenne:
als recht tuon kunt von dir;
95 (drivaltig ich dich nenne)
das solt du globen mir,
Das ich gentzlich verstau,
daz an dich nichts guots mag volbracht werden.
69 Ain. 70 Hilff. 73 geist. söldekleichen. 75 reichen. 77 waist.
80 sey. laid. 85 aigen. 86 dartzuo. 87 kain. 89 kain yngelük.
91 gleicht sich aim. 92 ain. 93 bekenn. 95 Drejualtig. nenn.
96 gelauben. 97 gentzleich. 98 Dz,
- 86 —
eins muoss dia gnad bi im hän:
100 wellen wir, da bhuetst uns vor ewig sterben.
Almechtig gott, ich taon bekennen
all weltlich fröd and last
und mnoss das für ein torheit nennen:
die wisheit ist umbsast;
105 Wan alls weltlich lieb zergät mit leid,
das ist noch als beschehen:
wir wonent uff einer wilden heid,
muoss ich mit warheit jehen;
Wan weltlich fröd und all ir geber
110 (so hilfet och kein guot),
es wirt am jüngsten alles swer
und bringet unmuot.
Ich hän die weit gesehen wol
und nicht durch einen schliemen
115 (sid ich die warheit sagen sol):
in die lengi solt ir achten niemen;
Wan all ir sach
daz ist zerganklich leben,
und ist doch nicht denn ach,
120 ein wil ein fröd, darnach kans truren geben.
Küng Salamon, der wis,
der hat zwar recht gesprochen:
die weit buw uff ein is,
wan all ir sach die werd doch hie zerbrochen,
99 Ains. dein bey jm. 102 weltleich. 103 ain torhait.
104 weyshait. 105 Won. weltleich. laid. 107 auff ainer. haid.
108 warhait iehen.. 109 Won weltleioh. 110 hil£Pet auch kain.
114 ainen. 115 warhait. 116 nieman. 117 und 118 zusammen-
geschrieben. 117 Won. 118 dz. zergangkleich. 119 die zwei
ersten Worte von 120 in diese Zeile geschrieben. 120 Ain
beidemal, weil. 121 salamon. weys. 122 hat zwischen der und
zwar rot eincorrigiert. 123 baw auff ain eys. 124 Won.
— 87 —
125 Und si nit
dann üppikeit uff erden,
dort her von Adams rip
jamer und not und gät dann an ein sterben.
Ich han gross lieb verlorn
130 mit sterben hie uff erden:
mich stach der unmuot dorn,
ich wand, mir möcht doch niemer also werden.
Als gross hertzeleid
ist mir beschehen,
135 sprich ich uff minen eid
und wil das wol mit warheit jehen.
Wer all fröd gemessen, Fol. 27^
der ich ie han gepflegen,
es wer gen dem vergessen:
140 der unmuot hett es gentzlich widerwegen:
Drü leid an ein fröd
das ist mir ellweg beschehen:
Die sach die dunkt mich öd,
daz wil ich wol mit gantzer warheit jehen.
145 Ist das lust?
das kan ich nit bekennen!
dis leben ist umbsust,
die weit muosz ich das jamertal nennen;
Wan all ir wis und ir geber
150 das ist sicherlich ein spott
und wirt am jüngsten alles swer.
vergib mir, werder gott,
125seymcht. 125u. 126 zusammengeschrieben. 126üppi-
kait auff. 127 adams ripp. 128 ain. 130 auff. 133 hectzlaid.
135 auff meinen aid. 136 warheit iehen. 140 gentzleich. 141 Drew
laid. ain. 144 Dz. warhait iehen. 145 und 146 zusammen-
geschrieben. 148 iamer taL 149 Won. weys. 150 sicher-
leich ain.
— 88 —
Da ich mich hän vergessen
vor grossem anmuot;
155 tuo mirs nach gnaden messen
durch din vil heiligs bluot.
Wan unmuot hat mich gevangen
(ich hatt nicht rechter sinn),
als krefteklich umbgangen.
160 nu hilf mir, küniginn,
Pitt für mich unsern herren
altissimnm, den werden,
so muoss mir truren verren;
wann wenn er wil, so mag ich nicht verderben.
165 Muoter und magt, ein ros der tugent,
ein schilt der sünder,
ich man dich an dins kindes jugent,
und als du in geber:
Pitt für mich, du reine magt,
170 (er tuot dir nichts verzihen):
so ist mir erschinen der seiden tag,
unmuot muoss vor mir wihen.
Min herr, min vater, min hus, min hof,
all min hoffnung lit an dir!
175 din gotlich gnade gen mir lof,
das ist notdürftig mir.
Min Werder got, min lieber herr,
erbarm dich über mich eilenden:
durch diner lieben muoter er
180 tuo mich an Sünden pfenden.
Ich hän die weit gewandelt wol
und bkenn: es ist ein gleich ;
156 dein, hailigs. 157 Won. 159 kefFtekleicb. 160hilff. 165 ain.
166 Ain. 167 deins. iugent. 168 jn. 169 raine. 170 verzeihen.
172 weihen. 173 Mein durchweg, vatter. haus. 174 mein. leit.
175 Dein gotleich gnad. lanff. 176 notdurfftig. 177 Mein beidemaL
J 79 deiner. 1 92 ain glaich.
— 89 —
diu gnad ich darumb bitten sol,
wir sigen an der menscheit weioh.
185 Hilf, Werder gott,
ein Schöpfer alles guoten,
das ich ersterb in dim gebott:
dos bitt ich dich durch dine liebe muoter.
Du hast uss kranken sachen
190 uns liplioh hie geschaffen:
ietz weinen und denn lachen
das kan die blöde menscheit an uns machen.
Wan wer din gnad,
sust muest ich gar verderben:
195 gib mir dins heiigen geistes gab,
0 starker got, bhuet mich vor ewig sterben!
Ich opfer dir min unmuot gross Fol. 2S
io din götlich gnad;
an dir so lit min gantzer trost,
200 du gist die grechten gab.
Herr gott, erbarm dich über der frowen sei,
die ich han in minem muot,
und hilf ir uss der wissen quel
durch din vil heiiges bluot.
205 Ich man dich an din liden gross,
und durch all diu werden marter
kum ir sei mit gnad ze trost
und nimm si uss aller swer.
Herr gott, erbarm dich über mins vatter sei
210 und über miner rauoter
183 Dein. 184 sygen. menschait waioh. 185 Hilfif. 186 Ain»
187 deim. 188 deine. 189 auss. 190 leipleich. 191 wainen-
192 menschait. 193 Won. dein. 193 und 194 zusammengeschrieben.
195 deins haiigen gaistes. 196 hehüt. 197 mein. 198 dein
götleich. 199 leit mein. 200 gei»t. gerechten. 201frawn. 202 meinem.
203 hüff jr auss. weyssen. 203 dein, haiiges. 205 dein leiden.
206 dein. 208 sy auss. 209 meins. 210 meiner.
— 90 —
und hilf in uss der wissen quel,
du Werder got vil guoter!
Herr got, erbarm dich über allr der sei,
der guot ioh han besessen,
215 und hilf in uss der wissen quel,
tuo ins nach gnaden messen!
Herr got, erbarm dich über allr der sei,
von den mir ie guot ist bschehen,
und hilf in uss der wissen quel,
220 tuo götlich gnad ansehen!
Herr gott, erbarm dich über all glöbig sei,
der nieman tuot gedenken,
und hilf in uss der wissen quel,
tuo si mit gnaden trenken!
225 Es ist nicht anders daran denn sterben,
uff erden hie vollenden;
und gedeckten wir, wer wir muossen werden,
es wurd uns dikch an grossen Sünden wenden.
Ich bitt üch all gelich,
230 wer dis höret lesen,
arm und och rieh
(darumb das üch gott geb das ewig wesen)
Pittent für mich tichter
gott, den werden herren,
235 das er mir helf uss aller swer,
darumb das üch kumber muesse verren!
211 hilff. auss. weissen. 213 aller. 215 hüff jn auss. weissen.
217 aller. 218 ye. bcschehen. 219 hilff jn auss. weissen. 220 göt-
leich. 221 gelöbig. 223 hilff. auss. weyssen. 224 sy. 226 Auff.
229 euch, geleich. 231 auch reich. 232 euch. 235 helff auss.
^36 euch.
— 91 —
xxvni.
Ich gieng eins morgens uss darch aventür Fol. 28^
spacieren in ein walt:
vogel gesang ward mir ze stür,
da vand ich brunnen kalt
5 Flussrich durch wasen und darch stein,
ich sach vil wilder tier:
der mei mit fröden da erschein
mitt aller sinr gezier.
Gezinnt, gekrispelieret
10 meng blatt was gebogen,
der wald was wol gezieret
unden and och oben:
Von blettern bluomen slaonden schon
ortocht, rant gemessen;
15 da bort ich vil der vogel don,
octaf was nicht vergessen,
Tenar und discantieren :
die langen mass, die kurtzen
hört ich die vogel zieren;
20 ich smacht vil suesser wurtzen.
Rot, gruen und wiss
sach ich die bluomen glesten
und gel nach allem fliss,
die blawen varwe sohetz ich für die besten:
s
2 5 Stet an gerechten dingen
dabi sol man beliben;
wie möcht eim misselingen?
die brune varw betütet nu ein swigen.
1 ains. auss. auentewr. Mit durch neue Zeile. 2 ain.
3 stewr. 5 Flussreich, stain. 7 may. erschein. 8 seiner. 12 auch.
14 Orthocht. 21 weyss. 22 gelesten. 23 fleiss. 24 varw.
26 Dahy. beleihen. 27 aim. 28 brawne. betewt. ain Sweygen.
j
— 92 —
Fröind forin und gebrech
30 sach ich an blettem, bluoinen
wachsen da gar speh:
ich kans nicht fiirbas raomen.
Also gieng ich in gedenken
und hatt der bluomen acht.
35 die sunn begund sich senken,
es nahet gen der nacht;
^Das tow begund nu risen,
die vogel herberg suochen,
gen der nacht sich spisen.
40 ich gedacht: wes will du nu geruoohen?
Ich gieng von statt gar schnell,
das ich kern uss dem walde;
zuo einem wasser hell
dar kam ich also balde.
45 Luter nnd was nicht ze gross,
ein bach in rechter mass;
der angesicht mich nicht verdross,
waun er ran gen einer strass.
Vor dem wald bgond ich nu sehen
50 ein veste wol gepuwen,
kost muoszt ich daran spehen.
ich gedacht: min gang sol mich nicht ruwen.
Si was gepuwen mit gantzem flisz
ze wer nnd och nach gmach;
55 darzuo so was si berlenwisz,
ein rotes rubintach
Hatt si gar kostberlichen,
die knöpf die warent schön.
37 taw. reysen. 39 speysen. 41 ohne Absatz. 42 kam
aus», wald. 43 ainem. 44 bald. 45 Lauter. 46 Ain. 48 Ran. ainer.
50 Ain vest. gepawen. 52 mein. nich. 63 gepawn. fleysz. 54 auch.
gem&ch. 5'5 Darzuo, sy. weisz. 5 6 Ain. rubein tach. 5 7 sy. kostberleichen.
— ^93 —
uinnuot tett von mir wichen:
60 ich hört suess horndön, Fol. 29
Pelg tretten und von mund
hört ich die hom erhellen,
hin gieng ich do ze stund,
ich hört gar lieplich schellen:
65 Ir klingen was ze hören
für alles vogeldönen,
es tett mir muot enbören:
ich wand, es werint engel uss den trönen.
Hin gieng ich zuo den porten
70 und batt mich lassen in.
einr ruofFt herab mit Worten :
9 du solt da vornen sin'!
Er sprach: ^und kanst du lesen,
sich oben an das tor:
75 es mag hart anders wesen,
du belibist och davor*!
Das tor was wol beschlagen
mit rotem gold, dem vinen,
mit buochstaben durchgraben,
80 karfunkel sach ich gar loblich schinen.
Die lagent in dem gold,
das man gesach wol zlesen
die geschrift den frummen hold,
das mocht nicht anders wesen.
85 Ich las, das meineid und die zagen
soltint da vornen sin;
die wolt man all verjagen,
^ darzuo den töchterlin.
59 weichen. 62 hellen. 64 liepleich. 68 auss. 70 eyn.
71 Ainr. 72 sein. 74 eben. 76 beleibist auch. 78 yeinen.
80 lobleich scheine. 82 ze lesen. 83 geschrifft. 85 mainaid.
86 sein. 87 veriagen. 88 Dartzuo. töcht^rlein.
— ' 94 —
Die gewalt tetint an Iren eren,
90 der Hess man kein genesen:
das tor wolt man in weren,
das mocht nicht anders wesen.
Morder und verreter
die wolt man all da töten:
95 von in da las ioh grosse swer
von jämer und von nöten.
Ketzer und die valscher,
die wolt man brennen, sieden:
von in da las ich grosse swer,
100 daran wil ich nicht liegen.
Bober und die dieb
die wolt man höhten, henken
(die hat man da nicht lieb):
die bösen schelkche wolt man all ertrenken.
105 Valsch richter wolt man liden
(die liess man nicht genesen,)
vierteilen an die widen,
das mocht nicht anders wesen.
Lügner und die claffer
110 den wolt man zungen abschniden,
von den da las ich starki mer:
si muoszten jämer liden.
Valsch urteilern wolte man beschniden
oren und zungen ab,
115 das muoszten si da liden
und darnach in ein bad.
£brecher bi selgen wibeu
die wolt man zuo süwen legen,
90 kain. 95 u. 99 jn. 101 Rauber. 102 haubten. 1 04 schelkch*
107 Viertailen. wydeu. 110 ahschneiden. 112 Sy. lejden. 113 urtai-
lem wolt. beschneiden. 115 sj. leiden. 116 ain. 117 bej.
weihen, 118 sewD,
— '95 —
(das muoszten si da liden)
120 am morgen fruo mit einem schit uff heben.
Den wuochrern krotten braten Fol. 29*^
(die muoszten si da essen)
und darzuo einer näter,
wann si band gots vergessen.
125 Ich ruofft uss friem muote:
,tuo uff mir, torwart!*
er sprach: ,hab dich in huote!
ich swers bi minem hart:
Du hasts nicht als gelesen
130 oder bist ein heilig man;
es mag hart anders wesen,
du nemist schaden daran.'
Er sprach: ,sich an die porten
oben an das tor,
135 die vers vindst du mit Worten:
du belibest noch davor.*
Ich las, wer brech die zehen gebott,
der möchte nicht hin tn;
er wurd mit worten gar ze spott
140 und sölt hie vornen sin.'
Ich las, wer tet der siben todsünd ein,
der wurd gar hart geschlagen;
verbotten wurd im allgemein,
das laster mueszt er haben.
145 Ich las, wer hetti nid od hass
und hett nicht gar vergeben,
dem wer davornen noch vil bas,
es gieng im an das leben.
119 sj. leydeo. 120 aiaem scheit auff. 122 sey. 223 dartzuo.
ainer. 124 sy. 125 auss freyem muot. 126 auff. 127 huot.
128 by meinem. 130 ain hailig. 136 beleibest. 138 mOcht. eyn.
140 sein. 141 ain. 143 allgemain. 145 neyd oder. 148 jm.
~ 96 —
Ich las, wer sinem ebencristan aicht gund
150 eins gaoten als im selb,
wie hart man den mit strikken band,
das er möcht werden schelb.
Eins maeszt all stind gelassen hän
und niemer me getuon,
155 das möcht an sorg wol hin in gän,
es wer ein rechter suon.
Ich las die vers, die warent hert.
ich sprach: «torwart, ich hör nicht hin in;
wan also hän ich nicht ein gvert,
160 ich muoss leider hie vornen sin!*
Ich sprach: , lieber fründ, sag mir:
was Wunders ist nu die sach?*.
er sprach: ,das wil ich sagen dir,
beit ein wil nnd var gemach:
165 Hie inn sind forsten und edel herren
und darzuo werde ritterschafr,
die tuond sich aller Sünden werren,
vor ziten warent si manhaft.
Och bi der weit sind si gewesen
170 in ernest und in schimpf,
zuo den besten hat man si userlesen:
si künden fröd und och gelimpf,
Und gestuonden doch dem rechten bi;
das hat sich nu enpfunden:
175 des sind si aller Sünden fri,
nnmuot ist in verswunden.
Ir wisheit hat verstanden, das
bi der weit ist üppikeit.
149 seinem eben Cristan. 150 Ains. jm. 153 Ains. 156 ain.
158 ain. 159 Won. ain geuert. 160 laider. sein. 161 frewnd. 164 Bait
ain weil. 165 jnn. 166 dartzuo. ritterscbafft. 168 zelten, sy m»n-
hafft. 169 Auch bey. sy. 170 ernst. 171 sey auserlesen. 172 Sy.
auch, 173 bey. J 75 sey. frey. 177 weyshait. 178 Bey. vppikait.
— 97 —
an gottes dinst sind si nicht lass,
180 des sind si behuet vor ewig leit,
Und band die weit geflohen her, Fol 30
all sünd händ si gelassen;
ze gottes dinst stät all ir ger:
si sind uff rechter Strassen.'
185 Ich sprach: ,fründ, behuet dich gott,
ich wil nicht lenger hie stän.*
er sprach: ,nu beit an allen spott,
ich wil dir nach eim herren gän.
Mich dunkt, bekennen er dich werd:
190 er hat die weit gewandelt vil,
er was ein gsell uff diser erd
und hat och getriben ritterspil.*
Ich sprach: «so wil ich also stän
und wil din herwider warten,
195 davon so tuo mir noch im gän
unde bring in an die porten.**
Der herr gieng mit züchten schon
gen mir zuo dem tor;
aller liechter was er an,
200 dri karfunkel truog man im vor:
Der glast gab liechten brehenden schin.
er gruoszt mich durch die porten;
also hiess er mich got wilkom sin,
zuo mir sprach er mit worten:
205 «Din gevert das nimpt mich wunder zwar;
wer hat dich her gewiset?
hie inn so ist der werde gräl,
wir sind gar wol gespiset
179 sy. 180 sy. lait. 182 sy. 184 auff. 185 frewnd.
187 bait. 188 aim. 191 ain gesell auff. 192 auch. 194 dein.
195 jm. 196 Und. jn. 200 Drey. jm. 201 schein. 203 sem. 205 Dein.
Mit wunder neue Zeile. 206 geweyset. 207 jnn. 208 gespeyset.
Wackemell, Montfort« 7
— 98 —
Mit allem, so unser hertz begert;
210 des hand wir gnuog ze standen,
des sind wir als von got gewert
nnd haben wol enpfunden.
Das unrecht tuon ist ein verderben zwar
an lib und och au sei.
215 des sind wir komen zuo dem gräl
und habent iemer mer
Wunn und fröd und noch vil me,
wir mugent och nicht sterben,
ir varent uff eim wilden se
220 davomen uff der erden
(Sprach der her zuo mir gar schon):
wenn wilt du abelassen?
din leben ist ein rechter trön,
du buwst ein irre Strassen.^
225 Ich hau dich lang erkennet wol:
davon muost du mich rüwen,
das du bist also torheit vol,
du solt dich zwar vemüwen.
Ker von dem leben und var herin,
230 du muost all sünd vor lassen:
wie möcht dir iemer bas denn sin?
du werist uff rechter Strassen*.
Ich sprach: ,herr, ir ratent recht,
das wer das ewig leben.*'
235 er sprach: ,din zung ist gar sieht:
du tuost mir Wörter geben.
Tetist du die werch darzuo,
als du bist mit den werten,
213 ain. 214 leib. auch. 218 auch. 219 auff aim. 220 auff.
223 Dein. ain. 224 bawst ain jrre. 226 rewen. 227 torhait.
228 v'newen 229 Her, k vorcorrigiert. h'ein. 231 sein. 232 auff.
235 dein. 237 dartzuo.
— 99 —
so Word dir dis morgens fruo
240 geschlossen uflF die porten. Fol. 30^
Wan red an werch zwar nicht vervaht,
das du magist komen herin;
die wil du bist in sünden bächt,
so muost davbrnen sin *.
245 Er sprach: «din tichten und cluoge wort
die sind gar guot ze hören;
tetist du die werch, so wers ein hört,
und liessist von dir stören
All sünd oss dines hertzen grünt
250 und tetists fürbas niemer me:
an lib an sei wurdist du gsunt
und wurdist bhuot vor ewig we. *
Ich sprach: »lieber herr,
ich weisz nicht, wie ich mich sol halten;
255 sölich sin ist mir noch verr,
davon tnon ich in grosser torheit alten:
Wan liplich begir
das tuot mich grosslich wenden.*
er sprach: ,das was och mir,
260 untz das ich tett min potschaft mit willen senden
Ze got, dem werden herren,
gab ich uff als weltlich leben:
do tett mir truren verrep,
wan er hat mir all min sünd vergeben
265 Hie inn ist. nicht denn wol
und haben ewigs leben
(sid ich dirs sagen sol):
got hat uns gnade tusentvalt me geben,
240 auff. 241 Won. 243 weil. 244 sein. 245 dein.
247 ain. 249 auss deines. 251 leib, gesunt. 252 behüt.
254 waiz. 255 Söleich. 256 torhait. 257 Won leipleich.
258 grossleich. 259 auch. 260 mein potschafft. 262 auff. weltleich.
263trawren. 264 Won. mein. 265jnn. 268 gnad* ta\\^\v\.\s^\.. tgl^ 1^\^\.^.
— 100 —
Denn menschlich sinn
270 iemer möcbt erdenken;
aller truebsal ist von ans hin,
unser muot der bat kein arges wenken.
Wir mngent nicht mer Sünden
mit gedenken noch mit sinnen.
275 nieman mag es durchgründen ,
das da sin halbes möcbtist werden innen,
Was grosser fröd
in diser vest wir haben:
. es wer ein saoh gar öd,
280 der sichs annem and meinti dirs ze sagen.'
Ich stuond als in eim trön,
min maot der was verirret.
zao mir sprach er gar schön:
,din sin ist zwar mit der weit verirret,
285 Das du nicht weist wa hin
oder wie da dich solt halten,
als lieb als ich dir bin,
tao nicht also in grosser torheit alten.*
Der herr der sprach zao mir gar schon:
290 ,dir liebet noch die weit:
si git am jangsten bösen Ion,
da pawst ein irres velt*
Er sprach: ,dins Irrens da mich erläsz,
oder ich gan von der porten;
295 sag mir ass diner sinne masz,
bescheid mich des mit werten*.
Er sprach zao mir: Fol. 31
9 sag an, was ist das liebst äff erden?*
269 menschleich. 271 trübsail. 272 kain. 276 sein halbs.
jnnen. 277 und 278 Was grosser fröd wir haben. 279 ain.
280 mainti. Mit dirs beginnt in der Hs. neue Zeile.
281 aim tr6m. 282 Mein. 284 Dein Sin. 286 waist. 288 tor-
hait. 291 Sej geyt. 292 pawst ain. 293 deins irens. 295 auss
deiner. 296 Besohaid. 298 auff.
— 101 — ^
ich sprach: «das sag ich dir:
300 ein wolgerätni S, da mag nicht liebers werden.'
Er sprach: ,da hast gar recht,
ich hän dich wol verstanden:
du bist der firowen kneoht
und list in anmuot banden,
305 Und weist doch wol,
das alle creatnr mnosz sterben
(sid ich dirs sagen sol):
es ist ein rechtes gleich nff diser erden.
Und ist din mnot doch weich,
310 and söltist doch pillich yerstftn,
das es ist ein geleich:
als weltlich lieb mit leid doch mnoss cergAni *
Ich gedacht aber an min wib,
Yor leid do bgond ich besehen.
315 er sprach: ,dn krenkest dinen Hb,
got tuet all saoh im besten.
Dn bist nicht wis,
der sin wil dich betriegen;
dn puwst doch selber nff eb is
320 nnd weinst glich als ein kind in einer wiegen,
Und mnost doch selber sterben:
all sach die mnosz zeiglln,
din lib ze nkhti werden,
am jüngsten tag herwider nff erstän.
326 Davon so lass dich bennegen
dinr eren nnd dins gnots
(got kan all sach wol (hegen)
nnd hab ein gnoten mnot
300 Ain. de. Mit da neue Zeile. 303 £rawn.
304 leist. 305 waist 306 all creatawr. 308 ain rechts glaioh
auff. 309 dein, waich. 310 piUeich. 311 am, gelaioh. 312 welt-
leioh leib. laid. 313 mein weib, 314 laid. 315 .deinen leib.
316 jm. 317 weis. 319 pawst. auff ain ejs. 320 wainest gleich,
ain. ainer. 322 Dein leib. 324 aufT. 326 Deinr. dems. 328 ain.
- 102 —
Wein fürbas umb dio missetat»
330 din Bund die lass dich rüwen.
got ir sei ze gnaden hat,
des sollen wir wol getrüwen. *
Ich sprach: «ir ratent eben,
ich häns verstanden wol:
335 ich hans längs got ergeben,
sinr gnad ich danken sol;
Und mag doch nicht gelassen,
wenn ich tuon an si gedenken,
ich si uff unmaot Strassen:
340 min hertz das tuot sich truken nnde senken.
Si dienet got mit willen
züchtig nnd bescheiden,
unfrid tett si stillen,
all üppikeit tett ir sicher leiden.
345 Ich hän vil wib gesehen
bi allen minen tagen:
bris muoss ich ir jehen,
uff minen eid wil ich die warheit sagen.
Von sölher jugent
350 hän ich nicht vil gehöret
gross frümikeit und ir tugent:
h* sterben hat mir des muots vil zerstöret
Sölt ich nu ewenklich leben,
so mueszt ich iemer clagen; Fol. 31^
355 so hat mir got och geben
die selben sorge muoss ich teglich tragen.
329 Wain. dein. 330 Dein. rewen. 331 jr. 332getrewen. 336 Seiner.
338 sy. 339 ey auff. 340 Mein. und. 342 beschaiden. 344 üp-
pikaifc. laiden. 345 weih. 346 Bey. meinen. 347 Breys. iehen.
348 Auff meinen aid . warhait. 349 ingent. 350 gehört. 351 fhi-
mikait. 353 ewenkleich. 355 auch. 356 sorg, tegleich.
— 108 -
Das ich wol weiss min sterben
and weiss nicht weihe stand:
ich maoss hin in die erden,
360 min sei von mlnem mond.
Davon ergib iohs goit» dem werden herren,
der tnot all sach im besten,
liden maess ir verren,
' gott nem ir sei se raowen and se resten! *
365 Der herr der sprach: «das hör ich gern,
die dag ist recht gemessen.
Weinens solt da na enbem,
ir sei tao nicht vergessen;
Wan si hat sich recht gehalten
370 gen kanden and gen gesten:
(in Sünden taond wir alten)
got nimpt das mensdii im besten.
Ich hän si och erkennet wol:
grefinn Ment was si geheissen;
375 ir mnot was eren, togent yöI«
si tett ir trüwe Idsten.*
Der herr sprach: «wilt da noch verBtin,
das die weit ist ein zerganklioh leben^
da solt Yon diner torheit lAn,
380 die narrenschaechli von dir geben.
Für liplich sterben hilft kern aaoh,
schön, sterk noch Mmikeit
tao nff die ogen, mit sinnen wach:
weltlich lieb zergät mit leid.*
385 Ich sprach: »frünt» behaet diöh got!
ich wil nicht lenger hie st&n^
357 waiss mein. 358 waiss. 360 Mein, meinem. 361 mit herren
neue Zeile. 363 Leiden. 367 Wainens. 369 Won. 373 auch.
374 gehaissen. 376 trew laiaten. 377 ain aergaagkleidi. 379 deiner
torhait 381 leipleich. hilift kain. 382 Mmikait 383 anff. augn.
384 Weltleich. laid. 385 frewojh.
— 104 —
er sprach: ,nu beit an allen spot,
ich wil dir nach einr maget gän.
Die ist ein jankfrow bi dem gräl,
390 die wirt dir sagen die rechten mer.
was ich dir sag, das ist vil war:
din sin ist noch der sei gar swer.*^
Ich sprach: , so wil ich also stan
und wil din herwider warten,
395 davon so tno mir nach ir gän
UDde bring si an die porten*^.
Die jankfrow gieng mit züchten schön
gen mir zuo dem tor;
aller liechter was si an,
400 siben karfankel truog man ir vor :
Der glast gab Hechten brehenden schin.
si graoszt mich durch die porten;
also hiess si mich got wilkom sin,
zuo mir sprach si mit werten:
405 „Du bist ein gast an disem tor,
muoss ich mit warheit jehen;
ich furcht, du blibist ietz davor,
das ist dir wol an zesehen.'
Ich sach an das götlich kind:
410 ir antlüt gab sunnen schin;
von ir schöni ward ich blind,
des stuond ich da in grosser pin.
Ich sprach: «edlü, stoltzi magt, Fol. 32
üwer schön hat mich geblendet* —
415 jics ist vil war, das du da sagst,
din sünd hat dich gepfendet.
387 halt. 388 ainr magt. 389ainjunkfrawbey. 392 Dein. 394 dein.
396 Und. sy. 397 junkfraw. 399 sy. 401 schein. 403 sy. wilkomen sein.
404 sy. 405 ain. 406 warhait iehen. 407 beleibist. 409 götleich.
410 antieut. schein. 412pein. 414 Ewer schöni. 415 sagst. 416 Dein.
— 105 —
Hettist du nicht sünd uff dir,
so wers dir nicht beschehen,
das solt du frilich globen mir,
420 wil ich mit warheit jehen.
Diu süntliche ogen mugent nicht gesehen
die clarheit unser tugent:
(es ist vor lüten och beschehen)
wir haben uns von jugent
425 Gehuet vor allen Sünden zwar;
davon so haben wir liechten schin,
des sind wir komen zuo dem gräl.
keinem menschen mag bas gsin
Denn hie in diser veste:
430 wir haben nicht wann fröd
und behalten nu die selgen geste,
die sünd sind vor uns schnöd.*'
Ich sprach: «junkfrow, möcht ichs von ücb gehän,
das ich wurd widergesehen?*
435 si sprach: »du wurdist licht von mir gän,
es soi hernach beschehen.
Du muost ie hören mine wort,
ob du dich wellist verkern.
gereohti 1er das ist ein hört,
440 des sol sich nieman wem.
Ich wil dir sagen von diser vest,
dabi solt du bekennen,
das recht tuon ist das aller best,
all sach die tuot sich trennen
417 auff. 419 freyleich gelauben. 420 warhait iehen.
421 Dein suntleiche augn. 422 clarhaifc. 423 leuten auch.
424 iugent. 425 sunden. 426 schein. 428 Kainem. gesein.
429 vest. 43-1 gest. 433 junkfraw. euch. 335 leicht. 437 meine.
439 ain. 442 Daby.
— 106 —
445 Aq götlich gnad
(die ist zwar iemer wernde):
er wiget mit der grechten wäg,
all selikeit tuot uss im ze berade.
Die mure wiss von berlen via
450 betütet guot gedingen,
das kein cristan mensch sol sin,
es soll darnach vast sinnen,
Das es werd aller sünden an
mit bichten, bnessen, rüwen:
455 das möcht dann frölich herin gän,
des sollen wir got getrüwen.
Inwendig an den muren so sind die stein
smaragden, amantisten
(betütet kusch und rein),
460 gemacht mit cluogen listen.
Die turn in diser vest von saphirn,
crisolitus gemachen,
daran nistent nicht die spim.
in gottes willen tnond wir frölich wachen.
465 Die betütent stet am globen,
frölich an nid und hass.
ich stan sin äne logen,
uns möcht nicht werden bas Fol. 32^
(Sprach du maget wolgetan):
470 der turne der sint dri,
als gebresten sind si an,
vor allen sachen fri.
445 götleich. 448 selikait. auss jm. 449 mawr weyss. vein.
450 Betewtet. 451 kain cbristan. sein. 454 beichten, rewen.
455 fröleich herein. 456 getrewen. 457 mawren. stain. 459 Be-
tewiet kewsch. rain. 460 Gemachet. 461 mit von neue Zeile,
saphejrn. 463 speym. 464 fröleioh. 465 betewtent. glauben.
466 fröleioh. neyd. 467 sein. laugen. 470 tum. drey. 471 sey.
472 frey.
-- 107 —
Den turnen mag nieman genabeD,
er si dann aller Sünden in;
475 lierin so taond wirs nioht enp&hen,
eins well dann gentzlioh abel4n
Von allen Sünden iemer me
nnde iederman vergeben;
das ist behnet vor allem we
480 nnd hat zelon das ewig leben.
Die turn sind ein figor der dilvaltikeit
(sprach du magt mit sinnen),
wünsch wnnder ist daran geleit;
wer möcht des werden innen,
■
486 Das ir ist einr almechtig
nnd sind doch nemlich dri?
der sin ist fürtrechtig,
vor Wandel dnd si fri.
Da ist wunder an ze sehen
490 nnd gät doch gereohteklichen dar,
wil ich mit warheit jehen:
nnd sin nimet war.
Die tnot schowens nicht verdriesaen,
an sehen tasent jär
495 als ein minut taotz in erschiessen,
das ist sicher war. ,
Der red der soll wir hören,
kein mensch mag es be^iaqen^
es wurd sich selber VSii^
500 nnd mocht des glichen niemer werden innen.
478 turnen. 474 sey. 475 Herein. 476 Ains. gentzleich ablfta. 478 Und
yederman. 480 und hat fehlt 4äl ain figawr d* dreyualtikait.
483 gelMt. 484 jnnea. 485 ainr. 436 nömleiGh diey. 488 aj
frey. 490 gerechtekleiohen. 491 warhait iehen. 492 s^.
498 schawens. 494 tauMnt 495 ain. 496 uolwr. 498 Kain.
500 gleichen, jnnen.
— 108 —
Die almechtikeit gott
mag nieman gar darchgründen,
eins ward darion ze spott
aod möcht sich ser mit gedenken da versüuden.
505 An in ist nie nichts worden,
als gaot hat er beschaffen;
an in wers als verdorben: /
wer des nicht gelobt der glicht sich einem äffen.
Zwölf ergger angeschossen
510 sint an der veste,
ein figar der zwelf botten,
die zwar ir beste
Geworben händ in mange lant
umb cristann geloben:
515 ir lib und gaot stuond dik ze pfant,
des stand si äne logen.
Daras so raefft man tag und nacht:
Vker wider, sünder!*
wer na des nicht nimet acht,
520 es wirt im dort ze swer.
Die veste mit vier orten,
das gaot ze sehen ist,
das sag ich üch mit werten:
ein figar der vier ewangelist.
525 Sie stand gar kostberlichen, Fol. 33
ir schriben ist gerecht;
das anrecht maosz da wichen,
wan si sint gottes knecht
Mit mangem edelm schriben
530 band si mit got getan,
501 almechtikait. 503 Ains. 507 jn. 508 gelaubt. gleicht.
ainem. 509 Zwölff. 510 vest. 511 Ain. zwelff. 512 best.
514 gelauben. 515 leib. 516 sy. laugen. 517 Daraus. 520 'jm.
521 vest. 523 euch. 524 Ain. 525 klostberleichen. 526 sclirei-
bea. 527 weichen, 528 Won. sy. 529 schreiben. 630 sy.
— 109 —
dabi wil ich beliben,
mit gottes hilf bestän —
Sprach die magt gar lobesan:
ein hus ist in der vest,
535 da ist wunder wol ze sehen an;
und wers dann eben west,
Der mueszt es sicher gerne sehen,
also ist es gepüwen
(wil ich mit gantzer warheit jehen
540 und reds bi minen trüwen):
Sin Rechter glast, sin brehender schin,
es hat ein bschlossen porten
von Arabi r6t guldin
(das sag ich dir mit werten) :
545 Darin gesmeltzet und ergraben
all prophecien zwar,
die buochstaben loblich erhaben,
das velt nicht umb ein här.
Underscheid der prophecien
550 mit mangem edelm gestein
sichet man die kuschen irien,
schmaragden gruen und rein,
Amatisten, basiaten,
saphir darzuo gehefiftet,
555 darzuo die granaten,
karfunkel lieplich glesten;
Grisolitus und adamast
und darzuo die parillen:
531 Daby. beleiben. 532 hilff. 533 lobesam. 534 Ain haus.
537 gern. 538 gepawen. 539 warbait iehen. 540 bey meinen
trewen. 541 Sein beidemal, schein. 542 ain besohlossan. 543 arabi.
guidein. 545 Darein gesmeltzt. 547 lobleicb. 548 ain. 549 Vn-
dersohaid. p'phecyen. 550 gestain. 551 Sicht, kewschen freyen.
552 rain. 554 und 555 Dartzuo. 556 liepleich. 558 dartzuo.
— 110 —
das git alles lieben glast,
560 das sag ich dir mit willen.
Calcidoni und onichel
die sieht man och da sehinen,
manig edel gestein gar michel
and gamahü, die vinen.
565 Na lassen wir die porten sin
(sprach die magt gar wolgetan):
das has das git sannen schin
and darander stat d^r man.
»
Zwelf Sternen äff dem tach
570 sint lieplich an ze schowen:
als sant Johans da sach
ein figar anser frowen.
Die maget rein treit si ze krön
(an alle meil ir küscher lib),
575 des nigent ir die engel schon:
si ist ein magt, genant ein wib.
Das has ist ein fignre anser frowen,
(sprach die maget mit sinnen)
es ist lieplich an ze schowen,
580 da wirst noch wander innen.
«
Das ich dir sag von diser vest, Fol. 33^
das macht da gerne hören;
wan recht tnon ist das aller best,
die sünd lass von dir stören.
585 Das tach ist röt,
wann sann dran schint, so glests als der tonr blikch.
es ist gepawen für alle not,
das schadt im wenig als ein wikch.
561 Onichel. 562 auch, scheinen. 568 gestain. 564 reinen.
§65 Du lassen, sein. 567 haus. geit. schein. 569 Zwelff. auff.
570 liepleich. 572 Ain. frawn. 573 Trait si ze krön. || Die
maget rain an alle mail || Ir kewscher leil (sie!) 575 neygent.
576 ain beidemal, weib. 577 haus, ain figur. frawn : schawen. 580 jnnen.
582 gern . 583 Won. 586 scheint, tom . 587 gepawn . 5 8 8 jm. am (sie !)
— 111 —
Die fürin rot betütet grossen ernst,
590 unser liebi hin ze got,
das macht du hören aller gernst,
es ist ane allen spott.
Was tugent hat das hus subtil,
ich kan dirs nicht gesagen;
595 und wers geschriben an pappir,
es trueg zwar nicht ein wagen.
Es ist so clär an alle meil
in gottes willen gantz und gar
und machet mangen sünder heil,
600 des solt du frilich nemen war.
Der burgberg ist ein diamant,
luter als ein spiegel,
und ist ein adamast genant,
ich wil dich nicht betriegen:
605 Sin grössi, hert, er ist so hei,
her uff mag nieman komen,
eim tuo dann gott sin gnad ze teil
(das hän ich wol vernomen.
Sprach du maget gar wolgetan)
610 mitt bichten, buessen, rüwen,
das mag dann wol uffher gän,
des sollen wir got getrüwen.
Die vest ist ein figur des himelrich
(sprach du maget uss fnem muot),
615 uff erd so ist nicht ir gelich,
vor allem wandel wol behuot.
589 fewrein. Betewt neue Zeile. 592 Mit es beginnt neue
Strophe, an. 598 haus subteil. 596 ain. 597mail. 599haiL 600frey-
leich. 601aindyamant. 602 Lauter. ain. 603 ain. 605 Sein. hei. 606 auff.
607 Aim. sein. tail. 610 beichten, rewen. 611 auffh^r. 612 ge-
trewVi. 613 ain. himelreich. 614 auss freyein. 615 Auff. geleich.
— 112 —
Da solt da nach sioDeo,
das da och komist herin,
so wirst da fröden innen;
620 es mag nicht anders sin,
Da maesztist ie vor sterben;
hettist da dann recht getan,
dinr sei maeszt teil hinn werden,
am jüngsten tage frölich afferstän.'
625 Ich sprach: «junkfrow, land mich gesehen,
der tag der gat daher.*
si sprach: ^das si beschehen
nach aller dinr beger.*
Ich sach den tag
630 nss firmamente glesten
(die warheit ich üch sag),
die nachtigall sang zwar bi den besten.
Die jankfrow sprach mit züchten schon:
»du solt got daramb bitten, Fol. 34
635 das er dir geb das ewig Ion,
und tuos mit wisen sitten;
Wan wilt du selb, got hat dich gern,
du wirst gar schon enpfangen:
gerechter bett der tuot er gwern,
640 darnach lass dich belangen.'
Ich sprach: »junkfrow, behuet üch got,
and gebt mir üwern segen.*
si sprach: «vergiss nicht sinr gebot,
gott muess din ewenklich pflegen !
618 auch, herein. 619 jnnen. 620 sein. 623 Deinr. tail.
624 iungsten tag fröleich aufferstan. 625 junkfraw. 627 sey.
628 deiner. 630 Auss. 631 warhait. euch. 632 nachtgall bey.
633 junkfraw. 636 weysen. 637 Won. 639 gewern. 641 iunk-
fraw. euch. 642 ewem. 643 seiner gebott. 644 dein ewenkleich.
tf
— 113 -
645 Und helf dir got
zuo allen guoten sachen,
das du nicht werdist der tivel spot:
kunst du herin, so macht du frölich lachen:
Hie inn ist weder nid noch hass,
650 und haben ewig fröd,
wie möcht dir iemer werden bas?
all sünd sint vor uns schnöd;
Keines argen tuond wir nicht gedenken,
wir mugent nicht me sünden,
655 an keinem guoten wenken —
ich kan dirs nicht durchgründen
Als gentzlich gar:
unser fröd ist ungemessen,
nieman mag sin nemen war,
660 eins mueszt dannocht mit Worten vU vergessen.
Si sprach zuo mir: »nu gang enweg,
du hast mich wol verstanden,
und huet dich vor der sünden steg:
herin lass dich belangen.
665 Pitt got, den werden herren,
das er dir geb wisen muot,
so muoss dir truren verren
und wirt noch alles guot.
Herr gott, erbarm dich über mich eilenden
670 durch die magt, die dich gebar;
bös begir tuo an mir wenden,
nimm min mit gnaden war;
Wan an diu gnad
so wer min sach vernicht:
645 helff. 645 u. 646 zusammengeschrieben. 647 spott.
648 herein, fröleich. 649 jnn. neyd. 653 Kains 655 kainem.
656 durchgrunden. 657 gentzleich. 659 sein. 660 Ains. 666 weysen.
667 trawren. 672 u. 674 mein. 673 Wow. de«L.
Wackemellf MontfoiL ^
Fol. 34^
— 114 —
675 gib mir dins heiigen geistes gab,
min irren weg die mach mir in ein schlicht.
Got vatter, sun nnd heiiger geist,
ein gott nnd iemer wemde,
hilf, das ich dir also leist,
680 das mine werch mir gnade tuegint bemde
Gen dir nach dinem willen;
hab mich in diner haot:
0 tno mir kumber stillen
durch din vil heiiges pluot!
685 Hilf mir zao dinen gnaden
(darumb rueff ich dich an)
mit dines geistes gaben:
so mag ich wol bestan.
"Wan wer din gnad,
690 so mneszt ich gar verderben:
gib mir din seldenrichen gab,
0 starker got, bhaet mich vor ewig sterben!
Ich man dich an din wunden röt,
die du doch hast erlitten,
695 and an dinn herten willig tot:
da hast für ans gestritten!
Du hast mit dinem tod erworben
uns Sündern ewigs leben;
an der menscheit bist du erstorben,
700 gross gnad hast du uns geben.
Du hast an schuld gelitten
für uns verschulten armen,
gnad, ewikeit erstritten,
tuo dich gen mir erbarmen,
676 deins hailgii gaistes. 676 Mein-jn-en. ain. 677 haiig*
gaist. 678 Ain. 679 Hilflf. laist. 680 meine, gnad. 681 deinem.
.682 deiner. 684 dein, haiiges. 685 Hilff. deinen. 687 deines
gaistes. 689 Won. dein. 691 dein seldenreiohen. 692 behuot.
693dew. 695 deS. 697deinem. 698sundem. 699menschait. 703ewikait.
— 115 —
705 Alinechtiger gott,
min herr ob allen Sachen,
wa ich tuon wider din gebott:
schlaff ich in sünd, o heiss mich wider wachen !
Ein küng der küng,
710 din macht ist nngemessen;
das es ieman gründ,
e zald man als raergries and ward dannocht diner wirdi
vil vergessen.
Wie möcht ich das betichten
uss minen kranken sinnen?
715 mich daruss verrichten,
das all din engel nie mochten werden innen?
Din gotheit und din wird
die ist zwar ungemessen:
0 hilf mir, wenn ich stirb,
720 das miner sei gen dir nicht werd vergessen.
Min werder gott, min herre,
hab mich in diner hnot
durch diner muoter ere
und durch all din heiigen guot!
725 Ich tichter pitt üch all,
wer dis höret lesen,
das ir an allen schall
mir wünschint glük and dort das ewig wesen.
Des bitt ich üch durch gott,
730 0 tuond an mich gedenken,
das er üch behuet vor spott
und tuo üch all mit sinen gnaden trenken.
706 Mein. 707 dein. 708 haiss. 709 Ain. 710 Dein.
711 iemant.. 712 wurd fehlt, deiner. 714 Auss meinen. 715 da-
rauss. 716 dein, jnnen. 717 Dein beidemal, gothait. 719 hilff.
720 meiner. Mit werd neue Zeile. 721 Mein beidemal, herr.
722 deiner. 723 deiner, er. 724 dein haiigen. 725 euch.*
728 gelükt. 729 und 731 euch. 732 euch, semen.
— 116 —
Ich pitt lieh, werde priesterschaft,
wa ir dis höriut lesen,
735 das ir sien so tagenthaft
and wttnschen mir in der mess das ewig wesen.
Daramb das üoh got niemer verlass ....
XXIX.
.F
ro Welt, ir sint gar hüpsch and schön Fol. 35
und üwer Ion für Dichte,
gar liebi wort und suess gedön —
als irr, da ist kein schlichte!
5 Wer sich mit dir bekümbern tuot,
der ist zwar in ein irrgang komen,
and git am jüngsten bösen muot:
das hän ich sicher wol vernomen*^.
9 Lieber gesell, wes ziehst du mich?
10 ich han dir dikch doch muot gegeben,
das du mich hast so gar vernicht!
du solt mit fröden mit mir Jeben:
Lass vögelli sorgen und gang zuo mir
und spring mit fröden an den tantz,
15 (das wil ich sicher raten dir) Fol 35^
setz ufif din hupt ein rosenkrantz. '
,iDas tantzen hän ich gar verheissen,
kein schappel getrag ich niemer me;
733 euch. priesterschaflPb. 735 seyen. tugenthafft. 737 euch.
Mit 737 bricht Nr. 28 ab: Es fehlt ein Blatt.
Die ersten vier Strophen mit Melodie. 1 weit. 2 ewer. 4 ierr.
kain. 5 die fünfte und dreizehnte Zeile beginnt mit rotem Anfangs-
bucli Stäben. 6 ain iergang. 7 geit. 9 zeichst. 16 auff dein
haupt ain. 17 von hier an beginnt jede Strophe abwechselnd mit
blauem oder rotem Anfangsbuchstaben, gar fehlt, verhaipen. 18 Kain.
— U7 — ^
daz wil ich zwar an zwifel leisten,
20 es tuo mir wol oder we.
Ich hän die weit gewandelt vil
und han si gar wol gesehen:
und ist doch als ein narrenspil,
wil ich mit gantzer warheit jehen.*
25 „Und hast du dann ein katten gessen
oder wilt du in ein closter varn?
du solt die sach vil anders messen
und solt dich selber bas bewarn.
Sich mit willen an die wib,
30 tuo frölich gen mir lachen,
die sind der weit doch leid vertrib,
meinst du uss uns ein narrenspil hie machen? '
9 Ich enweiss nicht, was ich machen wil:
die weit ist ein zerganklich leben.
35 üwer antwurt der ist mir ze vil:
gott tuot die rechten gaben geben;
Die weit die git nn triegen
das merteil in allen landen
mit leichen und mit liegen:
40 0 pfuch der grossen schänden!'
»Ich gelob, du wellist werden wild:
wie hast du dich verkeret!
sich an ein lieplich wiplich bild,
ob sich din fröde meret
45 Schlach truren uss dem hertzen:
wer sol all sach bedenken?
19 Dz. zweyfel laisten. 22 sey. 23 ain. 24 warhait iehen«
25 und 26 ain. 29 weih. 30 fröleich. 31 laid vertreib-
32 Mainst. auss. ain. 33 enwaiss. 34 ain zergangkleich. 35 Ewer*
37 geit. 38 mertail. 39 laichen. 41 gelaub. 43 ain liepleich
weipleich. 44 dein. 45 trawren auss.
— 118 —
tuo lieplich mit mir schertzen,
wau anmaot das tuot krenken.
„Ir scblahent bri für gebratens dar
50 und messentz mit der eilen nss:
wend ir nicht Sterbens nemen war?
dafür ist nieman zwar behus.
loh hän grosz wann and fröd gesehen
von wiben and von mannen,
55 and ist in kartzer zit beschehen,
mit sterben als zergangen.
«
„Da seist von alten meren da
and wenst, die weit die well zergän.
von wander maost da werden grä:
60 da solt frilich von den sorgen län,
Da solt frölich hie äff erden sin
(dir mag nicht anders werden)
mit frowen and mit töchterlin:
nicht sorg äff todes sterben.^
65 „Solt ich nicht bedenken ewigs leben,
war hett ich dann min sinn getan? Fol. 36
so Hess ich das best ie nnderwegen.
ir sond zwar von den Worten län;
Wan all sach die mnoss zergän
70 an got and die grechten himel,
seien and engel taond och bstan
unde geist, das wert als imer. ^
„Da seist von frömden meren hie,
das gehört ich nie also gantz:
47 liepleich. 48 Won. 49 brey. 50 ein auss. 52 behaus.
54 weihen. 55 zeit. 57 saist. 60 freyleich. 61 fröleich. auff.
sein. 63 frawen. tochterlein. 64 auff. 66 mein. 69 Won.
70 hymel. 71 tund auch beätän. 72 Und gaist. iemer. 73 saist.
— 119 —
75 ich gesaoh seien noch engel nie,
dafür so nem ich einen tantz.
Wan ich hän trafen hür verheissen,
also hän iohs angeleit,
das wil ich zwar mit fr5den leisten:
80 sterben si den müsen gseit!*^
n
Fro Welt, wend ir vergessen got,
es wirt üch gerüwen am jüngsten tag;
hielten ir die zehen gebot,
das wurd üch lieb, als ich üch sag.
85 Sant Michel mit siner wäg
der wiget übel and och gnot:
so lit der tiefel äff der lag,
davon händ üch in rechter huot.*
glch wand, du werist ein ritter gwesen?
90 wa bist du nu in Stadium gestanden?
du hast gar guoti buooh gelesen,
du bindst mich da mit rechten banden.
Ich muoss dir jehen: du hast recht:
die weit ist ein zerganklich leben.
95 der got dienti, das wer schlecht;
der tuot die rechten gaben geben.'
,Sid ir mir jehent, das h5r ich gern,
so tuond och nach den Worten:
hoffart, unkünsch sond ir enbem,
100 wend ir in himels porten.
Nid und hass das sond ir län
und begerent niemans er noch guot;
76 ainen. 77 Won. trawren hewr rerhaissn. 78 angelait.
79 laisten. 80 sey. gesait. 81 weit. 82 euch gerewn. iungsten. 83 ge-
holt. 84 euch beidemal. 85 seiner. 86 auch. 87 leit. auffl
88 euch. 89 ain. gewesen. 93 iehen. 94 ain zergangkleich.
97 iehen t. 98 auch. 101 Neyd. 102 niemantz.
— 120 —
mit luessikeit sond ir bestän,
dabi band ücb in rechter haot.
105 Vatter und muoter babent lieb
lebent nnd ocb tot;
ir sond och wesen niemans dieb:
so behuet üch got vor not.
Ir sond och nieman töten,
110 an recht sin bluot vergiessen,
des unrechten nieman nöten:
des land üch als verdriessen.
Ir sond och got nicht üppklich nenden,
üwern ebencristan habent lieb,
115 den armen almuosen senden,
nicht sind üwer selbes dieb
Ir sond nicht valsch gezüge sin
und kein simoni nicht triben :
so wont üch seid und glüke bi,
120 tuend ir dabi beliben.
Üwern sabat sond ir halten
und darzuo die heiigen 6:
so tuend ir wisheit walten; Fol. 36^
wan unrecht tuon daz bringet we.
125 Hand got lieb vor allen Sachen,
da gen sond ir nichts messen;
ir wellint schlaffen oder wachen,
so tuend sin nicht vergessen.*'
„Du rätst mir da gar eben
130 die zehen gebott ze halten:
103 MSssikait. 104 Daby. euch. 106, 107 und 109 auch.
108 und 112 euch. 110 sein. 113 auch, vppekieich. nemen.
114 Ewern. 116 ewer selbs. 117 gezewg sein. 118 kain symony.
treibn. 119 euch, gelükt bey. 120 dahey heleiben. 121 Ewern
sabath. 122 darfczuo. haiigen ee. 123 weyshait. 1 24 Won. dz. 1 28 sein.
129 ratscht.
— 121 —
das wer eiu heiligs leben,
das mag ich hart hie bi der weit gewalten.
Wölt ich dann in ein closter vam,
darinn ist nid und hass;
135 davor möcht ich mich kam bewam:
hie vor ist mir noch bass.
Sölt ich mich dann zen pfaffen ziehen,
die haben t krieg, unküsch and git:
das ich dir daran icht liegen,
140 du hörst wol in den landen wit.
Sölt ich dann zeim einsidel werden,
das ist kein besteter orden:
ich möcht wol in eim wald verderben,
warufF sol ich nu horden ?
145 Kern ich in dwilligen armuot
(man nemptz die paginen),
min sei die wer gar unbehuot:
der tiefel wird si pinen;
Wan es ist nicht ein gerechter orden,
150 die bepst händ si in ban;
darinn wer eins zemal verdorben,
wib und och die man.
Ich enmein hie nicht den dritten orden!
sant Francissen regel;
155 darinn wer eins zwar unverdorben,
es wer uff grechten wegen.
Ja, hielte es sich eben!
unküsch tuot si etwenn betriegen :
131 ain liailigs. 132 bey. 133 ain. 134 neyd. 137 zuo
den. 138 vnkewsch. geit. 139 lieg. 140 weyt. 141 zuo ainem
ainsidel. 142 kain. 143 ainem. 144 warauff. 145 die willigen.
147 Mein. 148 sey peinen. 149 Won. ain. 150 sy. 151 ains.
152 Weib. auch. man. 153 enmain. 154 francissen. 155 ains.
156 auflP gerecliten. 157 hielt. 158 Vnkewsch. sey.
— 122 —
der tiefel ist uff allen wegen
160 mit sim gespenst, er kan wol leicheo, liegen.
Es ist kein orden, er hab ein gallen,
es si dann lützel oder ril.
wander tuot in der weit ambwallen,
das stat doch nun nntz nff ein zil.
165 Es ist kein cristanlicher orden,
man verdint darinn übel od guot
toost da mit gaoten werohen horden,
so bist da zwar gar wolbehaot.
Wenst da, die hell well äff dich vallen?
170 na ist si doch ander dir.
taost da mit gaoten saohen ballen,
so gwirt dir nicht, das glob zwar mir:
Wan wer wirt getofft, der wirt behalten,
hat es den globen and taot darnach;
175 wan got taot ie des rechten walten: Fol. 37
der meuscheit ist ze üppkeit gach.**
9 Na helf ans got, des bedarfen wir wol!
fro Welt, ir sind da äff grechten sachen;
sid ich die warheit sagen sol,
180 so kan ichs zwar nicht anders machen. '^
XXX.
v/b allen sachen swebende,
als laft taot über stein,
80 bist du, seiden gebende!
vor allen dingen rein
159 auff. 160 seim. Mit er neue Zeile, laichen. 161 kain.
ain. 162 sey. 164 auff ain. 165 kain cristanleicher. 166 oder.
169 auff. 170 sey. 172 gelaüb. 173 Won. getauffet.
174 gelauben. 175 Won. 176 menschait. uppikait. 177 helff.
bedurffen. 178 Fraw weit, auff gerechten sach. 179 warhait.
2 lufft. stain. 4 rain.
— 123 —
5 Bist da mit diner macht:
nieman kan dich volloben.
wie verr ich das betracht,
so bist da dannocht anbedenklich hoch dort oben
Wan da hast all sach geschaffen
10 mit diner ordenunge,
firmament and speren all gemachen,
wie sich die rident umbe,
Das kan astronomi
mit Worten wol betüten;
15 die kunst ist vor mir tri:
zwar, wer si kan, der sol si billich träten.
Si kan die zirkelmass
ussrichten, der planeten gang
ieklichen uff sinr sträss,
20 wie er lofft, kurtz oder lang.
Das kan si als beweren,
wie ieklicher tuot regnieren:
si seit zwar nicht von meren,
si kan es wol probieren.
25 Die vier elementen hast du gschaff'en,
almechtig, werder gott,
mit Worten als gemachen,
ich reds an allen spott,
Das du nicht bist
30 ein schöpfer keiner sünde,
und doch kein eigenschaft an dich ist
ich gelob: din lob kein menschlich sinn nicht gründe.
5 deiner. 6 Niemant. 8 vnbedenkleich. 9 Won. 10 deiner.
12 reident. 13 astronomey. 14 betewten. 15 frey. 16 sey
beidemal, billeich. 17 Sey. 18 Aussrichten. 19 Jegk-
leiclien auff seiner. 20 laufft. 21 sey. 22 iegkleicher. 23 sait.
25 geschaffen. 28 red es. 30 Ain schöpfer kainer sünd. 31 kaiu
aigenschafft. 32 gelaub dein, kain menschleich.
— 124 —
Ein küng der küng,
ein wesen aller wesen: Fol. 37^
35 das din lob ieman gründ,
e strich man ass das mer mit einem besen.
Wan da hast all saoh geschaffen,
almechtig, werder gott,
grosz sach uss nichte gemachen.
40 ich swers bi dim gebott,
Das du bist ein nffenthalt
allr Sachen in himel und uff erden:
das tuost du als mit dim gewalt,
wann wenn du es lieszt, so mueszts ze nichte werden.
45 An anvang und an end
almechtig bist du, ewig wemde!
din götlich gnad mir send:
all selikeit tuot uss dir bemde.
Wie doch gedanken gaben
50 gar verr für ogen sehen!
so mag in nichts genahen,
das wil ich wol mit gantzer warheit jehen.
Wan eins gedenket doch
in die rechten himmel:
55 so sieht eins nicht einr mile hoch,
im werd der luft vor sinen ogen timel.
Ich kund zwar mit gedenken
des glichen nie genahen:
min sin der bgond sich krenken,
60 wenn ich wolt die wirdi gotz ergaben;
33 u. 34 Ain. 35 dein, ieman t. 36 £e. auss. ainem besem.
37 Won. 39 auss. 40 swer es bey deim. 41 ain auffenthalt.
42 Aller, hymel. auff. 43 deim. 44 müszt es. 47 Dein götleich.
48 selikait. auss. 49 gahent. 50 äugen. 52 warhait iehen.
53 Won ains gedenkt. 54 hymel. 55 ains. ainr meyl. 56^IuflPb.
seinen äugen. 58 Desgleichen. 59 Mein.
— 125 —
Do ward ich zuo einem kind,
oder mir beschach, als da eins sieht in die snnnen,
das wirt von rechter clarheit blind:
so ist doch dis vil ein minder wnnder.
65 Wer möcht daz liecht recht bedenken,
das all sach hat geschaffen,
der sin der mueszt sich krenken;
der sich sin annem, man sölt eins daramb straffen,
Eins wer dann eins selgen lebens
70 in gottes willen gar:
der heilig geist möcht im wol geben,
das es nem eben war
Vil Sache zwar,
das vor uns Sündern ist verborgen,
75 das wurd in sinen sinnen dar,
recht als die sann kunt mit schönem liechtem morgen.
Sid na gedanken noch kein kanst
dinr gotheit mag genahen,
eins hab es dann von dinem gunst,
80 das mag hinzuo wol gaben;
Wan all sach and alles wesen
mag wider dich nicht gewalten,
man well es singen oder lesen:
du hast dirs vorbehalten.
85 Doch hast du uns eigenn willen geben Fol. 38
ufF erden hie ze werben;
wir mugent aber also leben,
wir muossent ewig sterben.
•
Und wirt uff erden dik gebueszt,
90 wer üppig löff tuot triben;
61 aiDem. 62 ains. 63 clarhait. 64 ain. 65 dz. 68 sein,
ains. 70 Ains beidemal. 71 hailig gaist. 73 sach. 75 seinen.
77 kain. 78 Deiner gothait. 79 Ains. deinem. 81 Won. 85 aigen.
86 Auff. 89 auff. 90 treiben.
— 126 —
und wirt im alter gar unsuess,
davon solt mans vermiden.
Wann got hat nns geben, wib und man,
fünf sinn und guot vernunst;
95 davon ist er unschuldig daran,
wer kunt in helle brunst.
Wir verstand doch wol übel und och guot,
all prophecien sind uns gseit.
wer sich nicht hat in rechter huot,
100 es wirt im an dem lesten leit.
Herr gott, ich man dich an all diu wird
und an diu göttlich gnade.
0 hilf mir» wenn ich stirb, ,
gib mir din selgen gäbe,
105 Bicht, rüw und buoss an minem end,
din fronlichnam, din heiiges bluot
mit dinen gnaden du mir send
und hab mich in diner huot
Sinn und vemunft und gwissen guot,
110 din heiigen geist mir send:
herr gott, hab mich in diner huot
an minem lesten end!
amen.
xxxr.
M
ir kam ein priester fQr im trön
mit wisheit und mit sitten.
91 jm. 92 vermeiden. 93 weib. 94 Fünff. 96 heU.
97 auch. 98 p'phecyen. gesait. 100 jm. lait. 101 und 102 dein.
102 göttleich gnad. 103 hilff. 104 dein. gab. 105 Beicht rew.
meinem. 106 Dein fronleichnam dein haiiges. 107 deinen.
108 deiner. 109 vernunfft. gewissen. 110 Dein haiigen gaist.
111 dein*. 112 meinem.
1 ain. 2 weyshait.
— 127 —
mit züchten sprach er zao mir schon:
^du hettist wol vermitten,
5 Du hast gebluemte wehe wort
getichtet von den wiben:
schetzst du die weit für einen hört,
so tuost du wisheit miden.
Du hast von rosen und von bluomen
10 die farwen gen frowen gemessen,
mit liedern und mit reden ruomen ^^*- 38
an in zwar nichts vergessen.
Und hast och mit gflorierten Worten
der frowen lob furbracht
15 mit sinnen uss dins hertzen porten:
wa hast du nu hin gedächt?
Und hettist du got nicht fürgsetzt
ich wand, si werind din abgot gwesen,
so hettist du dich selb zmal gletzt,
20 zwar das möcht nicht anders wesen.
Da hast och edel gestein und gold
und berlen gen frowen gemessen
(mit Worten gist du in riehen sold),
an in zwar nichts vergessen.
25 Du hast mit silmen, rimen cluog
gar spehi wort geticht —
hör uff! die sach ist nicht din fuog,
es wiszt dich nicht die schlicht.
Warumb hast du es geheissen schriben an?
30 da möcht wol sünd von komen
6 weiben. 7 Schßtscbt. ainen. 8 weyshait meiden. 10 frawn.
13 auch, geflorierten. 14 frawiä. 15 auss deins. 17 fiirgesetzt.
18 sy. dein. 19 ze mal geletzt. 21 auch, gestain. 22 frawn. 23 geist.
reichen. 25 reime. 27 auff. dein. 28 weyszt. 29 gehaissen
schreiben.
— 128 —
beide von wib und och von man;
in minein sin vernomen,
Sprach der priester zuo mir da,
da hettist das wol glassen:
35 also wirst du in torheit gra
und puwst ein irre Strassen. '^
Mir was, ich sprech zuo im im trön:
min antwurt sond ir hören,
das wil ich üch hie wissen län,
40 des land üch nicht betören.
Ich sprach: ^warumb band ir die loik gschriben?
die kriegt doch gentzlich widers recht;
das hettint ir wol lassen blibeo^:
in minem sin ist es nicht schiebt.'
45 Ich sprach: ^die loik ist erdacht
ze hilf dem rechten gentzlich,
das es werde volbracht;
darumb solt du merken mich:
Als unrecht ist gemessen,
50 wie man mug reden wider recht
und darinn nichts vergessen;
nu merk die sach, es wirt noch schiebt.
Dawider ist geschriben
das recht mit cluogen sinnen zwar,
55 underwegen nichtz bliben,
das velt nicht umb ein här.
Das miszt man genenander schon,
damit wirt das recht gewiset,
das es mag gar wol bestan:
60 manig man in torheit griset.
31 Bälde, weib. auch. 32 meinem. 34 gelassen. 35 torhait.
36 pawst ain. 37 jm. 38 Mein. 39 u. 40 euch. 41 loyk ge-
schriben. 42 gentzleich. 43 beliben. 44 meinem. 45 loyk.
46 hilff. gentzleich. 47 werd. 54 zwar in der folgenden Zeile.
55 beliben, 56 ain. 58 geweyset. 60 torhait greyset.
— 129 —
Wer sich nicht wisheit flissen tuot
und tagent vor allen dingen,
der ist in die lengi anbehaot,
im möcht wol misselingen. Fol. 39
65 Die loik ist gemessen,
das recht da gen gekeret:
ein man der taot si brechen,
hat er die knnst geleret
Mit dem rechten gwalteklichen
70 bricht man all ir artikel ab:
so muoss die loik wichen,
es ist vil war, das ich dir sag.'
Ich sprach: «herr, das hör ich gern:
ir länd min gschrift och wol da atan?
75 straff sond ir gen mir enbern,
als ich üch wil wissen län.
Die weit glicht sich der loik wol
mit mangen frömden Sachen
(sid ich die warheit sagen sol):
80 si kan gross triegen machen
Mit manger cluoger wis,
das einr geswner, es weri gold:
so pnwt dann eins nff is:
die weit git nicht getrüwen sold.
85 Das glichet sich der loik wol,
als ich üch na sagen wil: #
wenn ich die warheit reden sol,
so ist die weit ein narrenspil.
Der die weit hat gewandelt wol,
90 der bedenkt dann recht daz ewig leben;
61 weyszhait fleyssen. 65 loyk. 67 Ain. sy. 69 gewalteklei-
chen. 71 loyk weichen. 74 mein geschrifft auch. 76 euch.
77 gleichet, loyk. 79 warhait. 81 weys. 82 ainr, 83 pawt.
ains auff eys. 84 geit. getrewn. 85 gleicht, loyk. 86 euch.
87 warhait. 88 ain. 90 dz.
Wackeraell, Montfort 9
— 130 ~
wan si ist grosser üppkeit vol:
got tuot die rechten gaben geben. *
Der priester sprach: »da hast da recht:
bi swartzer varw tuot man wiss bekennen.
95 der gote dienti, das wer sohleht;
weltlich sach maoss ich ein torheit nennen.
Wan ein wiser man bekennet wol
mösching bi göldes glesten.
sid ich die warheit sagen sol,
100 so vindet sich doch recht tuon an dem lesten.
Der krieg der si gescheiden
(sprach der priester mit sinnen):
sünd die läss dir leiden,
so wirst du fröden innen.«
105 Mir was, ich sprech zno im im tr6n:
«herr, ich wil nicht me tichten
(das wil ich üch nu wissen län);
ich kan mich nicht verrichten:
Der weit loflf ist "gar ze vil,
110 unrecht hat niendert mässen,
als ich üch nu sagen wil.
min ret die tuond mich straffen:
Ich bekümber mich ze verr mit tichten,
(got kan allr sach wol walten).
^15 und soll min ding us^ricbten: ;
also soll ich mich halten.
Also wil ich von tichten län,
(hert löff sind an den landen) Fol 39^
untz da^ ich sich, wie es wil gan:
. . . 1.20 got bhuet uns all vor schänden!
91 Won. rppikaifc. 94 Bey. weyss. 95 got. 96 Welt-
lejch. ain torhaifc. 97 Won ain weys\ 98 bey. 99 warhait.
100 vindt. am. 101 sey geschaiden. 103 laiden. 107 euch. 109 lauff.
111 euch. 112 Mein. 114 aller. 115 mein, aussrichten. 1^0 behüt
— ISI -
Ich wil kein guots vers^eren:
. könd ich got lobeo, des faett ich recht;
sin gnad die tuot nns neren.
herr got, hab mich als dinen knecht!* ^^
125 Wer merken wil der ^elte sin,
der vindts in dikeni bäöch:
ietzant her und denne hin,
der es gern wiss, der suoch.
Der vindet wandelbi^r^ im,
130 der es tüöt lesen,
als ich tichter gewesen bin.
herre got, gib mir das ewig wesen!
Min geticht ist nicht rdü ein^n säo&^i^
(herf got, Kafe iam iä hiiot):
135 ich hän es ie darnach geinachen, ^ ,
als mir do was ze muot:
Wan wes das hertz begei^^nd lÄ^
der mnnd tnots dikclk^ s^ei!r/
weigeret, das ist ein claoger list,
140 ders tuot mit züchten trägen.
Han ich mich irAt Mta tUcUteä
in den rimen i^tideil f€r^^etli
das tue ein ander sphlichten:
ich kan es nicht als messen.
145 Ein zimberman hat dikcU- 6in lidiMÄf fetlib^'^n;
die er miszt mit sitten:
so hän ich vil geticht in weiden und in o^en
und darzuo geritten.
Dis buoch hän ich gemachen
150 den sechsten teil wol zrossen;
121 kain. 123 Sein. 124 dein. 125 weit. 126 fmdt ^.
127 den. 132 Herr. 133 Meid. alüi. 137 Worii 138 dickdh.
139 ain. 141 meinem. 142 reimen. 1*43 ain. 14ä Ain beitlW
mal. yerhawen. 147 awen. 148 dartzaö. 150 sebiiszteti te(il. z^ix>i^seb.
— 132 —
dainimb sol nieman lachen,
ob es ist als gentzlich nioht beslossen,
Als ob ich es hett
mitt Sitten assgemessen
155 nnd wer gesessen an eim bett:
so hett ich zwar dest minder ichts vergessen:
Und denn gross sachen
han zschaffen, darzuo die rimen messen,
das möcht einn irre machen:
160 ich möchte gar wol etwas hän vergessen.
Wie vil ich hab mit sinnen
gemachet lieder und reden,
des werdent ir na innen:
ich wil üchs gentzlich an den tag hie legen.
165 Der reden sint sibentzehen,
das ist sicher war,
(got geb ans ewigs lehen)
das velt nicht amb ein här.
Dri briefe vindt och in dem baoch,
170 der es taot lesen:
ders nicht geloben well, der saoeh. Fol. 40
herre got, gib ans das ewig wesen!
Zehen lieder hän ich gmachen,
als si hie geschriben stan,
175 etlichs frölich and och lachen:
also maoss als zergan!
Die wisen zao den Heden
der bän ich nicht gemachen
15^ gentzleich* 154 aussgemessen. 155 ainem. 158 ze
schaffen dartzuo. reime. 159 ain irr. 160 möcht. 163 jnnen.
164 euchs gentzleioh. 168 ain. 169 Frey brief stand auch.
171 gelaubn. 172 Herr.' 173 gemachen. 174 sy. 175 Etleichs
iröleich. auch. 177 weysen.
— 133 —
(ich wil üch nicht betriegen):
180 es hat ein ander getan firölich und och lachen.
Ob ich üchs sagen wolt,
so seit ich üchs zwar recht:
die wisen hat gemachen Bürk Mangolt,
unser getriiwer knecht.
185 Ze Pregentz ist er gsessen
und dient uns gar schon:
vil wis hat er gemessen
mit loblichem don.
Er nahet och dem alter,
190 vil muotz ist im zergangen;
des sollen wir got län walten,
der behuet uns vor hell branden.
Das alter tuot uns schaden
an sinn, an kraft, an muot;
195 wir sien überladen:
herr got, hab uns in huot!
Die weite die muoss gar zergän:
muotrich und stoltzer lib,
schön und kraft mag nicht bestan;
200 darzuo die werden wib:
Ir schön die tuot verblichen,
muot und kraft muoss als zergan,
das tuot zwar von uns schlichen:
der tot der wil uns nicht län.
205 Dabi muoss man bekennen,
das die weit ist ein zerganklich leben:
179 euch. 180 ain. froleich. auch. 181 und 182 euchs.
183 weysen. bürk mangolt. 184 getrewer. 185 pregenta. gesessen.
187 weys. 188 lobleichem. 189 auch. 190 jm. 192 banden.
194 krafft. 195 seyen. 197 weit, gar fehlt. 198 Muotreich.
leib. 199 krafft. 200 Dartzuo. weib. 201 yerbLßichen. 202. krafflb.
203 schleichen. 204 der fehlt. 205 Daby. 206 am zergankleich.
— 134 -
t
es tuot sich als zertrennen.
got taot die rechten gaben geben.
In dem ein und viertzehii hundert jär
210 bän ich die red geniacjien,
das ist sicbei^lichen war.
minr torheit muoss ich lachen.
Das ich so vil getichtet hau
von mangerleie sachen;
215 davon so wil ich fürbas län,
ich künd sin nicht me machen.
Vil mnots ist mir engangen
gen der weit mit tichten:
ich künd es nicht me erlangen,
220 mich dams verrichten.
0 mnot, ein sach die ze loben ist,
ders tuot mit wisheit walten:
das sag ich üch an argen list, Fol. 40^
den jungen und den ajten.
225 Wan gerechter muot daz ist ein krön
in himel und ufT erden;
damit verdient man daz ewig Ion.
ein mensch mag nicht verderoen,
Das gerechten muot in h^^^zen hat
230 und tuot dabi beliben:
es si fruo oder spftt,
glük muoss zuo im schiben.
Muot überwindet me dann kraft
an mannen und an wiben;
2 0 9 ain. yierczehun hundert (sio !) i4r. 211 sicherleichen. 212 Meiner
toTbait. 213 getioht. 214 mangerlay. 216 sein. 220 daraus. 221 ain.
222 weyshait. 223 euch. 224 iungen. 225 Won. dz. ain. 226 hy-
meL auff. 227 dz. 228 Ain. 230 dabey beleih». 231 sey.
232 glükt. jm soheiben. 233 kraflt. 234 weihen.
— 135 —
235 muot machet lüte sigehaft
und taot gross Sachen triben.
Das als von kreften nider leg,
das tuot zwar muot erwekenf
muot ist in keinen sachen treg,
240 tuot üb und guot dar streken.
Wer also hat einn guoten muot
und hat dabi einn rechten sin,
der gewinnet er und guot:
das merkch als lieb und ich dir bin.
245 Wan wa vil muot an wisheit ist,
das mag die lengi nicht bestän
(das sag ich üch an argen lidt):
es muoss mit narrenspil zergäü.
Guoter muot ist allweg guot^
250 daz möcht ein kind zwar wol veuv««»^,
wer sich dann hat in rechter hüöt^',
das mag frilich an den Strassen gän^
Ich bitt üch all gemein,
wer das buoch höret lesen,
256 das mir ieklichs sunder ein , /
wünsch gelükch und c(5rt das ewig weseh ;
Darumb das üch got behuet
• ■ ■ . • 1
vor bösen banden,
und sterkch üch all mit siner guet, . '.
260 das üwer keines niemer werd ze söhähden.
amen.
'.' I
.. f
235 leut sighafft. 236 treiben. 237 krefften. 239 kainen.
240 tuot fehlt. Leih. 24]. ain. 242 dabey ,aiö^. 245 Wo«, weys-
liait. 247 euch. 250 Dz. ain. 252 freyiich.t. .2^53 0uch. gemain.
255 iegkleichs. ain. 256 gelukch. 257 und 259 euch. 259 alle!
sein*. 260 ewer kains.
I t
— 136 —
xxxn.
ilin wider heb ioh lichten an FoL 41
mit hilf gots, des yerden herren.
an dich so mag ich nicht bestan,
du tuest mir gnade meren
5 Mit diner götelichen kraft:
dinn heiigen geist tuo senden,
an Sünden mach mich sigehaft,
bös sach tuo an mir wenden.
Wann cinoger sin und grechter mnot
10 das komet alles sampt von dir:
uss dir so flüsset nicht denn guot,
das sol man sicher globen mir.
Du bist ein sach aller saohen»
der gereohtikeit ein herr:
15 kein unrecht tuost du machen,
darumb ich sicher swer.
Wann all sach wirt gemessen,
es si übel oder guot,
darinn zwar nichts vergessen.
20 wer sich dann hat in rechter huot,
Huet sich vor hoffart und liegen
unde si och nicht ein dieb:
damit tuot eins den tiefel triegen,
und wirt im an dem lesteh lieb.
25 Ewiger got, du starkoher,
an anefang bist du ie gewesen;
din gebot hat nindert markchen,
din lob das wirt vollsungen noch vollesen.
2 hilff. 5 deiner götleichen kraffb. 6 Dein haiigen gaist.
7 sighafft. 9 gerecht'* 11 Auss. fleusset.- 12 gelaubn. 13 ain.
14 gerechtikait ain. 15 Kain. 18 sey. 22 Und sey auch. ain.
23 ains. 24 jm. 26 je. 27 und 28 Dein.
— 137 —
In bimeln noch uff erden
30 mag dich nichts voUoben,
din \rerch kan nieman gwerden:
ob allen sachen swebst du dannocht oben.
Was guotes wirt betrachte,
und sol man das volbringen,
35 das beschiht mit diner machte,
es si puwen, sagen oder singen.
Wann wer dir dient mit stetem gantzem <\inllen,
der hat dir wol ze danken,
darumb wann sölh sach tuot uss dir ze pilden.
40 Wann wer gen dir icht wolt messen
oder gen dir geliehen,
der tet sich ser vergessen;
wann himel und erd das mueszt doch alles wichen,
Wenn du es liest: Fol. 41^
45 du hebst mit dinr almechte
so gar an widerdriess:
das ist mir ze hoch und über min getreohte.
Ein wiser man möcht lachen,
wenn ers recht tet besinnen,
50 das du kanst also machen,
des wir doch uiemer mügen werden innen;
Und sehent es hie
mit ogen an uff erden
und wissent doch nicht wie:
55 wie möcht wir dann dinr drivalt innen werden?
29 Inn hymeln. auflP. 31 Beine, gewerden, dannocht fehlt.
33 betrachtet. 35 deiner. 36 sey pawn. 39 auss. 40 ich, und t
eincorrigiert. 41 geleichen. 43 hymel. weichen. 45 deiner.
47 mein. 48 Ain weys'. 51 jnnen. 53 äugen, anff. 55 dein'
dryualt ymmer jnnen.
— 138 —
Wer zeit die regens tropfen,
die hinfür vallen werden,
die sannen wil darohstopfen
60 mit einem stabe hinnff von der erden,
Der möcht wol irren
an allen clnogen fänden,
mit sölioher saoh bewirren:
noch minner mag menschlich sinn die gotheit durchgründen.
65 ]>»» \nl ioi^ lassen bliben.
wer gelükch han wil uff erden,
das miPiOfi^ yoa got dar sohiben :
des sol man innen werden.
Wann unglük kunt von Sünden
70 und von verschulten Sachen:
das tiMt sich sicher gründen,
ich kans nicht anders machen.
Hett Eva gots gebott nit gebrochen,
die weit die hett kein Tiden:
75 das waa:d gar ser gerochen,
das mag ich nicit verswigen.
Das widerbracht diö iiiägt,
die junkfrow muoter reine
(als sant Matheus sagt),
80 mit ireto tindfiri eine. . .
Wol uns, das si ie ward geborn,
ein bluom der selikeit:
si verriebt uns grossen zorü
und belrtiote uns vor ewig leit.
66 aiti'6in stab hinauff. 61 jrren. 64 menschleich. Mit die
nette Zette. gothait. 65 beleiben. 66 geläkch haben, auff^
6T sdlkeiben. 68 jnnen. 69 yngelükt. 73 era. 74 kain leiden.
76 TersWeigen. 78 iunkfraw. rain. 80 kindlein ain. 81 sf j^
82 Ain. selikait. 83 u. 85 Sj. 84 behuot. lait.
— 139 —
85 Si truog zware ireu herren
und aller weite got:
unser gelük das tet si meren,
das ist an allen spot.
Das kind ist geborn
90 von einer junkfrowen;
das tett den tiefein zorn:
ir gewalt der ward zerhowen.
Des sind die Juden blind
in gesehendi ogen:
95 geboren ist das kind,
das wellents nicht geloben.
Si betrügt der talamuot
mit gar gelogenn sachen:
zwar das tuot in nimer guot, Fol. 42
* 100 si schlaffen oder si wachen.
All propheoien sind bescheben,
die sach ist vollbracht:
das wil ich wol mit warheit jehen,
ich häns gar recht bedächt.
105 Ir beiden, ir sült das verstan:
als Grist ward geborn,
umb üwer göter was e^ get&s,
ir gewalt der was verlorn.
Appollo der tett vallen,
HO als im sant Gregori gebdt,
vil geist in jamer wallen ;
Crist half uns uss ewig not,
85zwarjren. 86 weit 87 gelükt. sy. 88 spoti. M ainr junk-
frawn. 94 äugen. 95 geborn. 96 gelaubn. 97 Sy betreu^.
99 nymer. 100 sy beidemal. 101 p*phecyen. 103^ warhftit
iehen. 105 hayden. 106 crist. 107 ewer göttep. 110 Grwgory.
111 gaist. iamer. 112 halff. auss.
— 140 —
Mit sinem tod erworben
(hab ich gar wolbedächt) :
115 wir weren ewig gstorben,
davon hat er uns brächt.
Und fuor gen hell, darnss er nam»
die sinen willen hetten getan,
' als siner grechtkeit wol gezam:
120 die wurden aller sorgen an.
Ir heiden, es sind tiefel gwesen,
die ir da angebettet hau;
das hab ich in der warheit glesen :
ir gewalt mocht nicht lenger stan.
125 Wa vindt ir me keinn abgot,
der üch red und antwurt geb?
Crist ist geborn an allen spot:
ir sind nicht ufiF dem rechten weg.
Der sin noch beit, er ist doch geborn
130 und ist vor langen ziten- komen
(das red ich gar an allen zorn):
er hätz all uss der hell genomen.
Ich meine die gerechten,
die sinen willen hetten getan:
135 darumb sol nieman vechten,
den krieg den wil ich nieman l&n.
Wer gelobt, daz got almechtig si,
der gelobt billich an die drivaltikeit,
der wonent dri sachen bi,
140 und ist ein got uff minen eid. .
113 seinem. 115 gestorben. 117 darauss. nain. 118 seinen.
119 seiner gerechtikait. 121 haiden. gewesen. 123 warhait ge-
lesen. 125 kain. 126 euch. 127 spott. 128 auff. 129 sein,
bait. 130 zelten. 132 auss. 133 main. 134 seinen.
137 gelaubt dz. sy. 138 gelaubt billeich, dreyualtikayt. 139 drey.
bey. 140 ain. auff meinen aid.
— 141 —
0 Wesen aller wesen,
an anvang und an end
(vollschriben noch vollesen
mag es nieman): din götlich gnad mir send!
145 Almechtig got,
hilf mir mit dinen gnaden,
das ich nicht werd der tiefel spot:
kum mir ze trost mit dines geistes gaben!
Wann an din macht
150 so wer min sach vernichte;
das ich mit dinen gnaden tracht,
min irren weg die oiach mir in ein schlichte.
Ich raeff dich an, als Adam tett Fol. 42^
(er stuond gen dir in buosse):
155 almechtig got, gwer mich der pett,
' hilf miner sei uss böser sünde mosse!
Ich halt dich ein
got und minen herren,
got vatter, sun gemein,
160 0 heiiger geist, tuo mir gnade meren!
Tuest du mir gnade senden,
so mag mir nichts geschaden,
an keinem guoten wenden:
almechtig got, tuo mich mit gnaden laden!
165 Trib von mir bösen willen
(darumb rueff ich dich an),
guot sach tuo in mich pillen,
so mag ich wol bestan;
142 Ane aneuang. 1 43 Vollschreiben. 1 44 dein götleich. 1 46 Hilff.
deinen. 147 spott. 148 deines gaistes. 149 dein. 150 mein.
151 deinen. 152 Mein jrren. ain. 155 gewer. 156 Hilff mein',
auss. sünd. 157 ain. 158 meinen. 159 gemain. 160 haiiger
gaist. 161 genade. 163 kainem. 165 Treib.
— 142 —
Und sich mich an,
170 das ich si der behalten.
an all din heiigen ich dich man:
durch irn willen tuo min mit gnaden walten.
XXXIII.
i/ie weit die tuot gedenken
nach guot und grossen eren
tuot sich mang mensch versenken
in jamers pin, daruff möcht n^an wol sweren.
5 Und muossent wir doch sterben
und alles hinder uns lasam,
unser lib zokiiti werden
(ders recht bedecht) : wir puwen irre Strassen.
Wer ich nu tusent jär alt,
10 hett acht hundert strit gestritten,
zerstochen gar den Swartzwald,
mit speren hin zerritten,
Und der best gewesen
in schimpf und och in ernst,
15 für menklich usserlesen:
so wiszt ich aller gernst.
Was hulf mich das?
min wer doch schier vergessen,
als man tuot des meien gras. Fol. 43
20 der gote dient, der hett daz recht gemessen.
170 sey. 171 dein haiigen. 173 mein.
4 iamers pein darauff. 7 leib ze nichti. 8 pawen Jrre.
9 tausent. 10 streit. 11 swartzwald. 14 auch. 15 inengk-
leich ausserlesen. 17 hulff. 18 Mein. 19 mayen. 20 got. dz.
— 143 —
Wer ioh als stark^ als Samson was,
und hett Absolons sohöne«
was möcht mich na gehelfen das»
sung ich Serenen döne?
25 Wer ich als schnell, als Asahel was,
und wer als wis als Sakmon: ' *^
was möcht midi nu gehelfen das?
die zit die nem mich doek davon 1
Wer ich als eluog, als AfisUrtiles was,
30 und hett all weit gewaltklioh ion;
was möcht mich na gehelfen das?
gar klein dnnkts mich in mtnen limi!
Der half mich keins fBr sterben;
weger wer mir gottes hold,
35 gnad, ewikeit erwerben.
herr got, gib mir recht gedaM,
Sid all sach nu muoiss zergän
hie uff diser erden:
■
der tod wil es durch nieman Iftn,
40 wir muossent aRe sterben f
Was puwen wir dann nff ein is
und wissent das f&r w&r?
daran so sien wir nicht wis,
das velt nicht umb ein hftr!
45 Gedechten wir off ewigs leben,,
als wir uff weltlich Sachen toon»
got tet ans grosse gnade geben,
umb unser sünd wer es ein suon.
21 samson. 22 absolons. 23 und 27 gehelifen. 24 serenen.
25 asahel. 26 wejs.salamon. 28 zeit 29 äristotiles. SO gtswidtkleich jnn.
31 gehelffen. 32 klain dankt, meine. 33 hnlC kains; 3^5 eid'ikaft.
38 auif. 41 pawn. aüff äin ejs. 43 seyen; w«!yt. 44' aih.
45 auff. 46 aufT weltleieh. 47 gnm gnad. 48 aih;
— 144 —
Es wer dooh besser muren,
50 denn gepuwen von holtz und strd:
an der not half es für truren,
so wer sin eins gar frd.
Die weit ist ein glesin hus,
der glantz ist 'bald zerbrochen,
55 das man muoss gar schnell daras
nnd in der erden soeben.
Ich han gross wnnn und fröd gesehen
von mannen und von wiben,
und ist in kurtzer zit beschehen:
60 der tod tets anders schiben.
Was hilfst gaot, manheit and witz?
es mnoss doch als zergän:
der tot der nimpts mit sinem litz,
wir magent nicht bestan.
65 Die sei die hat ein ewigs wesen,
es si in übel oder in gaot:
das hab ich in der warheit glesen. —
herr got, hab mich in diner haot!
Wann an dich ist nie nicht worden,
70 als gaot hast du beschaffen,
an dich wers als verdorben:
der des nicht gelobt, der glicht sich einem äffen.
Din ie, diu iemer wesen
mag nieman zwar bedenken, Fol. 43^
75 geschriben noch gelesen:
menschlich sin sol sich darin nicht senken.
Wer wol bedecht, das er sterben muoss, .
und das got ein grechter richter ist,
49 mauren. 50 gepawn. 51 bulfP. trauten. 52 sein ains.
53 ain. haus. 55 daraus. 58 weihen. 59 zeit. 60 scbeihen.
61 hilffet. manhait. 63 seinem. 65 ain. 66 sey. 67 warbait
gelesen. 68 deiner. 72 gelaubt. gleicht, ainem. 73 Dein ye.
75 Geschreiben. 76 Menschleich. darein. 78 ain gerechter.
— 145 —
der tet im selber süoden buoss,
80 das sag ich üch an argen list;
Wann die gerechtikeit gott,
die ist gar wol ze besorgen
(das sag ich üch an allen spott):
da gedenkent an den abent und den morgen.
85 Mit got ist nicht ze schertzen
mit ungerechten Sachen:
es bruefet jamersmertzen ;
wenn ichs bedenk, so lust mich nicht ze lachen.
Als got ein grechter richter ist
90 (das ich da glob und wil och also sterben)»
so sag ich üch an argen list:
es wirt als gebueszt dort oder hie ufif erden.
So tuot och got
keins guoten nicht vergessen
95 (das sag ich üch kn allen spot):
er tuot es als mit siner almecht messen.
All hoffnung und fröd an got
das ist ein zerganklioh leben
und ist sicherlich ein spot
100 got tuot die rechten gaben geben.
Ich hän der weit gedienet vil
und hab wunder von ir gsehen;
und ist doch als ein torenspil,
wil ich mit gantzer warheit jehen.
105 Wer all sin sach uff got tuot puwen,
der hat das rechte fondament,
79 jm. 80 euch. 81 gerechtikait. 83 euch. 87 i^mer.
89 ain gerechter. 90 gelaub. auch. 91 euch. 9 2 gebuetzt. auff. 93 auch.
94 Kains. 95 euch, spott. 96 sein*. 97 frod. 98 ain zergankleich.
99 sicherleich ain spott. 102 gesehen. 103 ain. 104 warhait
lehn. 105 sein. auff. paw . 106 recht.
Wackemell, Montfort 10
— 146 —
das swer ich zwar bi minen trawen.
wer sioh nach süntlich sachen sent, _
Der puwt uflf is,
110 darzuo stat er in sorgen;
da vindt sich, das er ist nicht wis:
es kumpt doch der tod nnd wil eim nicht me borgen.
Es vindt sich als am jüngsten tag,
da wirt das recht gesprochen.
115 es ist vil war, das ich üch sag:
als nnrecht wirt gerochen,
Übel und guot
das wirt gegen enander gmessen;
davon händ üch in rechter huot,
120 wann sicherlich, es wirt gar nichts vergessen.
Das recht muoss da einn fürgang hän,
ungeirret aller sach, Fol. 44
und das unrecht undergän
in ewig we und ach.
125 So sitzt der herr gar unversmogen
angesichte aller weit
glichs als uf eim regenbogen.
da hilfet weder kunst noch gelt:
Das recht muosz da ein fÜrgang hän,
130 nieman mag das gewenden.
all die weit muoss vor gott da stän:
also tuot es sich enden,
Und under andern Sachen
eines wirt ein urchünt:
135 (got tuot mit almeoht machen)
iedes mensch des andern sünd
107 bey mein trawn. 108 süntleicb. 109 pawt auff eys. 110 Dartzuo.
111 Das vindt. weys. 112 ainem. 113 iungstn. 115 euch.
118 gemessen. 119 euch. 120 sicherleich. 121 ain. 122 ungeierret.
125 sitz. 126 Angoicht. 127 Gleichnüst. auf. aim. 128 hilffet.
129 ain. 134 Ains. ain. 135 Yedes.
— 147 —
Bekennt gar wisseklichen,
als die es selb bat getan,
so muoss das unrecht wichen
140 und das recht einn fürgang hän.
Und da bekennent wis und toren,
das got ein grechter richter ist,
das nieroan wirt verloren,
dann umb sin schuld an argen list.
145 Als menschlich geschlecht
wirt vor got gericht:
die ungerechten in ewig echt,
wann all ir hoffnung ist hinfür für nicht.
So tuot dann gott
150 der gerechten mit gnaden walten
(das sag ich üch an allen spott):
er tuot si all in ewikeit behalten.
Was* got hinfiir dann machen werd,
das kan ich nicht bedenken,!
155 in himeln oder hie ufif erd:
menschlich sin sol sich darin nicht senken.
Gott hat all sach angesehen,
e das ers hat beschaffen: •
wird und lob muoss ich im jehen,
160 ich chans nicht anders machen.
Doch weiss ich wol,
das recht tuon ist an dem besten:
sid ich die warheit sagen sol,
so vindt^all sach im Ion am lesten.
165 AUmechtig gott, ich meff dich an,
hilf mir zuo dinen gnaden;
137 Bekennet, wissekleichen. 139 weichen. 140 ain. 141 weys.
torn. 142 ain gerechter. 143 niemant. verlorn. 144 sein.
145 mensch leich. 151 euch. 152 sy. ewikait. 155 Inn
hymeln. auff. 156 Menschleich. darein. 159 jm iehen. 161 waiss.
163 warhait. 164 jrn. 166 Hilff. deinen.
10»
— 148 —
an didi so mag ich nicht bestan:
kam mir zetrost mit dines geistes gaben!
loh mag nichts gnots volbringen
170 an hilf mit diner maoht,
gesagen noch gesingen:
hab min mit gnaden acht!
Erbarm dich über mich eilenden,
allmechtiger, werder gott:
175 bös sach tno an mir wenden,
pitt ich an allen spott.
XXXIV.
•Diin dinst mit gantzen trüwen! Fol. 44^
vor^liebi muoss ich wachen;
min fröd begint sich nüwen:
also kan got gross leid ze fröden machen.
5 Ich danken got, dem werden herren,
sines gnedigen ergetzen,
wann traren tuot mir verren:
alls guot tnot er nach sinem willen setzen.
Was sol ich dir me schriben?
10 ich han ein gantz bennegen,
an dir zwar stet beliben.
got tno ans beiden seid and glükche faegen
Und behaet ans beiden sei nnd er
dnrch siner maoter willen,
15 mit sinen gnaden er ans ner
and tao ans komber stillen.
168 deines gaistes. 170 hilff. deiner. 172 mein. 173 Derbann.
175 mür (sie!).
1 Mein, trewen. 3 Mein, newen. 4 laid. 6 Seines. 7 trawren.
8 Alles, seinem. 9 schreiben. 1 0 ain. 1 1 beleiben. 1 2 baiden* geldkch«
13 baiden. £r. 14 seiner. 15 seinen.
>
— 149 —
Du werdes wib,
ich kan din nicht vergessen,
du bist mir lieber denn min lib:
20 min hertz hast du gewalteklich besessen.
Davon bis stet und lass nicht ab,
bis trüw vor allen dingen,
du zukchersuess, min bluejender hag,
so mag ich frölich singen.
25 Solt ich kein ander gen dir messen
(da behuet mich got von himel vor),
so hett ich mich gar vast vergessen:
beschlossen wurde mir der seiden tor.
Du lass mich dir enpfolhen sin,
30 min lieber buol, min höchster hört!
wann ich bin sicherlichen din,
das sag ich dir mit einem wort.
Ich wölt kein ander für dich han,
des swer ich dir bi' ritters orden ;
35 des macht dich frilich an mich lan,
wann also bin ich bichtig worden.
Also raut ich dir mit trüwen :
hab got lieb vor allen sachen,
es tuot dich sicher niemer rüwen,
40 du wellist schlaffen oder wachen.
Wer götlich vorcht in hertzen hat,
der tuot als unrecht hassen,
es si fruo oder spät,
in hüsern od ufif gassen.
17 weib. 18 dein. 19 mein leib. 20 Mem. gewaltekleich*
22 trew. 23 mein blueyend*. 24 fröleich. 26 kain. 26 hymel«
28 wurd. 29 sein. 30 Mein beidemal. 31 sicherleichen dein*
32 ainem. 33 kain. 34 by. 35 freyleicb. 36 beychtig.
37 trewu. 39 rewn. 41 götleioh. 43 sey. 44 Inii heusern od
und (sie!) auff.
— 150 -
45 Gesigelt mit luineu rechteu trüweu,
damit ich dir versprochen hän.
ich hoff, es tuo mich niemer rüwen,
ich well mit gottes hilf bestan.
Geben ze Wienen in der vasten Fol. 45
50 nach Grists gebart: viertzehenhundert jar
(in seiden muessen wir rasten)
und in dem andern (das ist war)
^ Von mir — du weist wol, wer ich bin:
ich bin dir hold mit eren,
55 (von gottes gnad hän ich den sin)
ich lass mirs nieman weren.
XXXV.
Min dinst mit gantzem willen,
hertzliebster buol uf erden!
din gstalt taot in mich pillen.
ich wand, mir sölt zwar nicht me also werden
5 Von cheiner frowen
fürbas hie uff erden,
nu muoss ich wunder sohowen:
min hertz das wil nach diner lieb verderben.
Wem liebt das recht,
10 das hat got wol ze danken,
das ist vor allen dingen schiebt,
din eigen bin ich zwar an arges wanken.
Hett ich die wal in all der weit,
ich weit dich nicht verkeren;
45 meiDen. trewn. 47 rewn. 48 hilff. 49 wien. 50 crists.
iar. 53 waist.
1 Mein. 2 auf. 3 Dein. 5 chainer frawn. 6 Furbas. auff. 7 sehawn.
8 Mein, deiner. 9 liebet. 12 Dein aigen.
— 151 —
15 so aem ich für dich och kein gelt,
. des getar ich frilich sweren.
Din stoltzer Hb, din gwissen guot
mit steten waren werten,
din er die git mir hohen muot:
20 du beschlüst mins hertzen porten.
Ich hän gar vil ze schaffen;
noch tuot mich trüwe twingen,
das ich muoss briefe machen
diner lieb, darzuo kanst du mich bringen.
25 Min hertz das wuet
und wil mich nicht lan schlaffen.
du bist min meienbluet:
zwar, frow, des solt du mich geniessen lassen*
Ich enphilh dich gott
30 altissimo, dem werden >
das er dich behuet vor spott,
din rechtes alter, darnach in eren sterben.
Geschriben und geben
nach Grists gebürt viertzehenhundert jär
35 (in seiden muessen wir leben) Fol. 45^
und in dem andern (das ist war)
Von mir dim getrüwen diener vest,
des solt du gar an zwifel sin.
bis an sorg aller frömden gest,
40 wann ich bin sicherlichen din.
15 auch kain. 16 freyleich. 17 Dein beidemal, leib, ge-
wissen. 19 Dein. geit. 20 beschleust meins. 22 trew. 23 brief.
24 Deiner, dartzuo. 25 Mein. 27 mein mayeu blüt. 28 fraw.
32 Dein. 34cristsiar. 37 deinem getrewn. 38 zweyfel sein. 40 sicher-
leichen dein. 39 uud 40 von fremder Hand nachgetragen.
— 152 —
XXXVI.
ich sohrib dir gerne cluoge wort,
so hast du min hertz gfangen,
min lieber buol, min höchster hört!
da hästs in dinen banden.
5 Von gold ein ketten die ist vin,
damit hast da es beschlossen:
din eigen wil es iemer sin,
des ist es anverdrossen.
Und hat mir nüwlich potschaft tan,
10 es well sich von mir ziehen
nnd well in dinem dinst bestan,
zuo diner liebi fliehen.
Und spricht, daz es kein anders trib,
es well bi dir beliben,
15 (im gefiel uff erd nie bas ein wib)
zuo diner liebi schiben.
Also hast du mir das hertz abtriinig gmachen
mit gewalt ö.n alle fÜrbot:
ich muoss mins schaden selber lachen.
20 uns beide behuet der ewig got!
Ich chan mich zwar nicht ab dir clagen,
du tuest mim hertzen guetlich;
so wil ich ie die warheit sagen:
bi dir so ist es frödenrich.
25 Geben nach Grists gebürt vierzehenhundert jär
(das schrib ich dir mit einem wort)
1 gem. 2 mein, gefangen. 3 Mein beidemal. 4 deinen.
5 ain. rein. 7 Dein eigen, yemer sein. 9 newleich potscliaffib getan.
11 deinem. 12 deiner. 13 dz. kain. treib. 14 by. beleiben.
15 auff. ain weib. 16 deiner. Scheiben. 17 gemachen. 18 färbott.
19 meins. 20 baide. 22 meinem, gütleich. 23 ye. warhait.
24 Bey. firMenreich. 25 crists. iar. 26 schreib, ainem.
- 153 —
und in dem andern (das ist war),
min lieber puol, min höchster hört!
xxxvn.
W.
eka, wekoh die zarten lieben! Fol. 46
ioh glob, es si nicht unrecht tan ;
ich wil ir nit betriegen:
der tag der gät daher.
5 Si stat zwar uff mit eren,
mins hertzen muot erkikerinn,
(ir glükch das tuot sich meren)
ze dinst dem werden gott.
Wer hat uff erd ein biderb wib,
10 der hat ein seldenrichen hört:
ir Zucht, ir er ist leid vertrib. —
ich hör der vogel sang,
Ich sich die Sternen schiessen :
es chuolet gen dem morgen fruo.
15 mich tuot zwar nicht verdriessen:
das macht ir angesicht
Wächter, ich wil dir sagen: Fol. 46^
was got uff erd ie gschaffen hat,
so tuend die frowen tragen,
20 der himel chör erfällen.
Davon so lob ich selge wib
bi tag und och bi nacht,
die sind der weit doch leid vertrib:
ich wünsch in er und guot.
25 Das ich vil sung von wekchen,
min frow die stät mit seiden uf,
fro Er die tuot si dekchen:
28 Mein beidemal.
Erste Strophe mit Melodie. 2 glaub, sey. 5 auff. 6 Meins.
7 gelükcb. 9 auff. ain. weib. 10 ain seldenreicben. 11 laid vertreib.
18 auff. geschaffen. 19 frawen. 20 hymel. 21 weib. 22 Bey.
auch by. 23 laid Y*treib. 26 Mein firaw. aufl 27 Fraw er. sy.
— 154 —
si tiircht nicht sunnen schin.
Ich lob minr frowen guete
30 für YOgelsankch und bluomen schin:
si git gar hochgemuete,
ir er ist wol behuot.
Ach Wächter, ich maoss tichten
minr frowen hie ein tagewis;
35 und künd iohs wol ussriohten,
ich tetz mit gantzem fliss.
So ist mir min muot gesunken,
und gät das weltlich nicht me dar
(mag wol die jungen dünken),
40 und grawet mir min har.
Si hett michs wol erlassen,
so sol ich ir gehorsam sin:
in gasten und ufif Strassen
ir diener bin ich zwar.
45 Herr got, durch dine guete
verlieh uns beiden sinn und muot,
vor ungelükch behuete
uns durch dine gnad.
Ich wünsch minr frowen heile,
50 glükch, er und guot daz wont ir bi
und werd ir als ze teile:
got habs in siner huot !
Des swer ich wol bi minem lib,
das ich vil sung von Sternen sohin;
55 dafür sech ich ein biderb wib,
die geb mir hochgemuete.
Es wer kein nmot von mannen,
und weren selge, werde wib:
got bhuet si all vor schänden!
60 ir gestalt ist wunneklich;
28 Sy. schein. 29 meinrfrawn. 30 Für vogelsankch. schein. 31Sygeit.
34 Meiner frawn. ain tagweys. 35 aussrichten, 36 fleiss. 37 mein.
38 weltleich. 40 mein hart. 42 sein. 43 auff. 45 deine. 46 Yerleich.
baiden. 4^ dein. 49 meiner frawn haile. 50 dz. by. 51 taile.
52 meiner. 53 wob by meinem leib. 54 schein. 55 ain. weib. 57 kain.
S8 weib, 59 behuet. 60 wumiekleiclv.
— 155 —
Des wil ich sicher wekchen.
got bhuet der werden frowen er,
tuo si mit gnaden dekcheu,
wann es ist liechter tag.
xxxvm.
Uot gruess die lieben vinen, Fol. 47
zukkersuess mim hertzen!
ein wil tuost du mich pinen,
die anderen so wendest du mir smertzen.
5 Mit guetikeit und eren
machst du mit diner tugent
mir inuot in hertzen meren,
das ich dikch wenn, ich hab noch vil der jugent.
Sid wib uss alten hertzen
10 jungen muot kunnent machen
(es ist an alles schertzen)
von rechter lieb, so muoss ich gar vil wachen.
Wer wolt dann gen seligen wiben
dhein creature messen?
15 das möcht ich nicht erliden;
wann sicherlich, eins tet sich ser vergessen.
Wib gebeut muot
in mannes hertzen, erkiken
vil me dann alles guot:
20 all weltlich sach schetz ich gen in ein wikchen.
Die gschoss uss wibes guete
den mag chein gschoss geliehen:
62 behüt. frawii. 63 sy.
1 veinen. 1 meim. 3 Ain weyl. peinen. 4 andern, wendst.
5 gütikait. 6 deiner. 8 iugent. 9 weib auss. 12 Rechter.
13 weihen. 14 Dhain creatur. 15 erleiden. 16 sicherleich ains.
17 Weib. 20 weltleich. jn ain. 21 auss weibes. 22 chain. ge-
leichen.
— 156 —
si schiessent in mannes gmaete,
hundert mil so taond si znohin soUiohen.
25 Dahin so mag chein büchs
nicht gelangen
noch die donerplikoh:
Venus hebt die lieb mit starkchen zangen.
Min frow h&t mich gebunden
30 mitt strikchen gmacht uss lieb,
angezundt mit minne zünden,
si ist ein heimlich dieb:
Das ich sin nicht gwaltig bin,
si stilt das hertz mim libe;
35 nu merken den sin:
was tuond die werden wibe?
Mins hertzen A,
min liebste firow uff erden!
in eren muessen wir werden grä,
40 ein rechtes alter in gottes willen sterben.
Min liebes E,
ja, wil ich nicht vergessen,
es tuo mir wol oder we:
kein creatur tuon ich gen dir nicht messen.
45 Aristotiles, den kluogen,
liebi übercham in mit gewalt:
ein junkfrow chund im es fuogen,
do er was worden alt
23 Sy. gemüte. 24 meil. sy. sohleichen. 25 u. 26 eine
Zeile. 25 chain. 27 donr plikoh. 29 Mein fraw. 30 gemacht
auss. 32 Sy. ain haimleich. 33 u. 34 y er stellt. 33 ich fehlt,
sein, gewaltig. 34 Sy. mir. meine leib&. 36 weibe. 37 Meins.
37 und 38 zusammengeschrieben. 38 Mein, fraw auff.
40 Ain Rechtes. 4 Mein. 44 Kain. 47 Ain junkfraw.
— 157 —
Bi Alexanders ziten
50 tett ims ein stoltze magt
mit einer geisel riten,
als die istori sagt. ^^^' ^'^
Die wisen und die bersten
band frowen'übercbomen,
55 die naben und die versten:
das bab icb wol vemomen.
Wib sind lieb in mannes bertzen,
das ist docb nicbt ein wander;
es ist äne alles scbertzen:
60 Inst ist der minne^znnder.
Die mannlicben und die wisen
band frowen übercbomen,
die alten und die grisen:
das bab icb wolfvernomen.
65 Wib, prinnende vakel
in mannes gemnete!
ir maobent menigen wakcber
mit üwer gnete.
Die muotricben und die wisen
70 prinnent nacb frowen guete,
wann si von alter grisen,
nocb gends in bocbgemuete.
Fules Wasser, süffig boltz
tuot von f&r nicbt brinnen:
75 das merkcbent, werde frowen stoltz,
was das bedütet, darnacb sond ir sinnen.
49 6y. Zeiten. 50 jms ain. 51 ainer*] gaisel reiten. 52 ystoiy.
53 weysen. 54 frawn. 57 Weib. 58 ain. 59 an. 61 man-
leichen. weysen. 62 frawn. 63 greysen. 65 Weib. 68 ewer.
60 muotreichen. weysen. 70 frawii. 71 sy. greysen. 73 Fawl.
sewffilg. 74 fewr. 75 werd frawn. 76 bedewt. 77 fromen.
77 tugentleichen.
— 158 —
Die biderben und die frammen
die gruessent tugentlichen;
gen den pösen sond ir stummen,
80 wend ir an eren riehen.
Wer sich bekümbert
mitt üppigen lüten,
des fröde wirt gedrümert:
die werden und die frummen sond ir mit eren traten.
86 Ein biderb man
redt nicht übel von wiben;
da gedenkchent, werde frowen, an:
tuond üweru gruoss gen den frummen schiben.
Wer nicht muot hat von wiben
90 und hat si nicht in eren:
guot lob tuot von im schiben«
sin unglükch wirt sich meren.
Mins hertzen frow
die kan mir unmuot stören
95 für vogelsankch und meien tow:
seit ich es gar, erst wurd man wunder hören.
Ich solt zwar nicht mer tichten
der weit mit chluogen worten:
wer chan es ussgerichten ?
100 wib schliessent uff muot uss hertzen porten!
Die brief, tagwis und red
hab ich in guot gemachen:
gott uns ze seiden leg,
ir und mir, wir schlaffen oder wachen.
77 fromen. 78 tugentleichen. 80 reichen. 82 leuten.
83 fröd. gedrömert. 84 froinen. trewten. 85 Ain. 86 weibii.
87 werd frawn. 88 ew'n. fromen. Scheiben. 89 weihen. 90 sy. 91 jm.
Scheiben. 92 Sein yngelükch. 93 Meins. fraw. 95 Maye taw.
99 aussg^richten. 100 Weib. auff. auss. 101 tagweis. Red.
103 leg ir yn, die beiden letztern durchstrichen.
— 159 —
105 Wer rechter lieb tuet walten
an tötlich sünd mit eren,
kans eins also behalten,
sin gelükch das wirt sich meren.
Also sond ir die sach verstän
110 unde frölich sin mit eren,
got vor allen dingen lieb hän: Fol. 48
üwer gelükch das wirt sich meren.
0 wip, gula und git,
wes band ir weit verfuere!
115 hoffart, zom, hass und nit:
das sind siben stükch, der todes sünde schnaere-
Damit vil lüt gevangen werden
mit iemer werenden banden,
das si doch ewenklichen sterben: •
120 0 pfuch der grossen schänden!
Doch über aller leide bach
ist recht hoffnung ein steg,
zwifel ist ein ungemach
und ein böser weg.
125 Wer zwifels überwerden well,
huet sich vor todes sünden:
dem widerfert chein ungevell,
das tuot sich sicher gründen.
Wann wer all sin sach uff gott tuot puwen
130 und hat dabi ein gwissen guot,
(des swer ich wol bi minen truwen),
sin sei und ere ist wol behuot.
105 Rechter liebi. 106 tötleich. 107 ains. 108 Sein ge-
lükch. 109 Tsten. 110 Und fröleich sein. 112 Ewer. 113 weip.
geit. 114 V füret. 115 neit. 116 stukch. 117 leufc. 119 sy.
e^renkleichen. 121 laid. 122 Rechte, ain. 123 Zweyfel. ist fehH^.
ain. 124 ain. 125 zwyfels. 126 Der hüt. 127 chain. 128 gründen.
129 sein. auff. pawen. 130 daby ain gewissen. 131 by meinen
trawn. 132 Sein.
— 160 —
Die weit ist wandelber
mitt allen iren Sachen;
135 ich reds an als gever:
mitt warheit chan es nieman anders machen,
Wann das die weit ist
ein zerganklich leben
mitt mangem bösen list:
140 got tuot die rechten gaben geben.
0 sechszig jär
sind swer nff minem rnggen
minder drier (das ist war):
Almechtig gott, hilf mir nff seiden pmggen,
145 Damff ich stand gar vesteklich
nach dinem willen gar.
herr gott, gib mir din ewig rieh,
nimm min mit gnaden war!
Durch diner maoter willen
150 und dnrch all din heiigen guot
0 tao mir komber stillen
und gib mir wisen mnot,
Sinn und vemunsty
mitt götlichen dinen gnaden.
155 behnet mich vor der helle brunst,
chnm mir ze trost mit dines geistes gaben!
Almechtig gott,
din macht ist nngemessen
(ich swers bi dim gepott):
160 e zalti man als lob und gras, und wnrd dannocht dinr
wirde vil vergessen.
134 jren. 135 Reds. 136 warhaifc. 138 Ain zergankleioh.
140 Rechten. 141 sechsizig. 142 auff meinem Ruggen. 143 dreyer.
144 hilff. auff. 145 Darauff. restekleich. 146 deinem. 147 dein,
reich. 148 mein. 149 deiner. 150 dein haiigen. 152 weysen.
154 gOÜeichen deinen. 156 deines gaistes. 158 Dein. 159 by
deim. 160 laub. deiner.
— 161 —
0 gerechter gott
an anvang and kn ende,
wa ich tuon wider din gepott,
ich rnoff dich an: din heiigen geist mir sende!
165 Din gerechtikeit
die macht mir vil der sorgen ;
wenn ichs bedenkch, so ist mir leid Fol. 48^
die Sünde min, und hoff doch, da wellest mir gnedekliohen
borgen.
Das ich bekenn die sünde min
170 gentzlich nach dinem willen:
mitt diner hilf mag es wol sin.
almechtig got, tno mir kumber stillen
Mit gotlichen dinen gnaden!
hilf mir zno einem gnoten end
175 mitt dines geistes gaben:
picht, riiw and paoss mir send!
Almechtig gott,
gerecht in allen Sachen,
wa ich tuon wider din gepott,
180 schlaff ich in sünd, o heiss mich wider wachen!
Din erbarmhertzikeit
die mag nieman darchgründen.
als unrecht sol uns wesen leit,
und sol nieman daruff siinden.
185 Die red hab ich geticht
nach jOrists gebürt viertzehenhundert jär
(der gott dienti, das wer die schlicht)
und in dem viertzehenden, das ist war;
162 aneuang. end. 163 dein. 164 dein haiigen gaist. send.
165 Dein gerechtikait. 167 laid. 168 mein, gnedekleichen. 169 mein.
170 Gentzleich. deinem. 171 deiner hilff. sein. 173 gotleichen
deinen. 174 Hilff. ainem. 175 deines gaistes. 176 Feicht rew.
179 dein. 180 haiss. 181 Dein erbarmhertzikait. 182 niemant.
183 lait. 184 niemant darauff. 185 Red. 186 christs.
WackerneU, Montfort. 11
i
— 162 -
An des heiigen herrn sant Uolrichs tag
190 hab ich die red volbracht:
es ist y\\ war, das ich üoh sag,
also hab ichs bedächt.
189 haiigen herren« ylreiohs. 190 Red. 191 euch.
ANHANG.
XXXIX.
Jlond ich ein gedieht volbringen
von der zarten myoniglioben
mit allen mynen besten synnen,
* ob mich der heilig geist det rychen.
5 0 beilger geist, komm mir zn stare,
hilff mir in mym gesang alda!
kem mir desselben flammen fare,
so wurd ich zwar in hertzen fro; Fol. 49
wann an des hilff mags nit bestan.
10 Nu wil ich von ersten heben an,
das lit mit gsang volbringe
und tun das, als ich beste kan
mit myner hellen stymme.
ich lob sie zwar (des han ich recht),
15 zwar sie ist durchluchtich.
ich bin ir eygen und ir knecht,
in mynen noten ich sie sich,
so mir das leben wil engan.
Ich meyn die susze Maria, Repo.
20 die yn gebar on smertzen;
sie trug in nun und dryszig wochen da
under yrem jnngkfreulichem hertzen. Fol. 49^
£rste Strophe mit Melodie. 2 myniglich. 3 synen. 4 heiig.
5 sture : füre. 7 flamen. 9 mag es. 1 1 gesang YoLbringen. 1 5 durch-
luchtich. 17 nOten. 19 süsze maria.
11*
— 164 —
die himelisch wyszhait hett sie zu stör,
die brann 70 yr recht sam eyn far,
25 des ist sie gehocht über alle creatur.
sie sol uns cristea bhuten vor leyd.
Als der tag darchbricht die nacht
and dut mit clarem licht durchscheinen:
des hat auch die lieb zart macht,
30 das sie sich alszo dut vereynen
mit clarem licht durchluchtet vyn
mit clarem lib, als ers wil han,
vil lichter, dann die sonn mag sin.
zun fuszen stet ir der licht man
35 nach ordenung der gottlichen gschick.
Sie ist genomen in himels tron
mit engelscher und loblichem gsang;
er kam ir auch engegen schon, #
Gristus erfüllet yren belang:
40 er fort sie uff durch alle tron,
da sie nu by im sitzend ist.
wir bitten sie und ruffens an,
das sie uns helff zu aller frist
und lose uns von des tufels strick.
45 Ey wie liplich und so gar schon Repo.
sie ward alda entphangen;
er gab ir frolich die ewigen krön,
und geschach daz sicher on alls belangen.
sie ward erhocht und des von hertzen fro;
50 die engel sangen kyrjeleyso,
die freud was unseglich gar michel do,
die sie da betten on underscheit.
0 herr Jesu Crist, richter streng,
bisz uns armen sundern nit zu hart;
55 wan uff das jungst kompt daz gedreng,
23 hiemlisch. sture : füre : creature 25 gehockt über. 26 be-
hüten. 28 dut fehlt, durchschinen. 32 claree. 35 geschiok.
36 hiemels. 37 gesang. 39 erfüllet. 42 rüffens. 47 krOn. 49 des
erhöcht. 50 kyrjeleyson. 53 herre. crist. strenge. 55 kommpt.
— 166 —
so wir all muszen off die feurt
ich man dich an din bittern dott,
den du für all sonder hast geton,
du helffest uns usz aller nott,
60 das wir des werden fro on wan,
wann du daruinb her komen bist
Du bist her komen in solichen dingen,
in gut und in barmhertzigkeit,
das du das gesetz wolst volbringen
65 und nit zurstoren (das wer dir leyt),
da du dem schecher detest gnaden sohin
amm crutz, da er sich entphall dir da:
er gab dir zwar die sele sin, Fol. 50
des' ward er in himelrych fro:
70 des las mich gnieszen, herr Jhesu Grist
Ich man dich auch der barmug me,
als du detist an Maria da,
da sie dich bat mit groszem fle,
das du ir vergehst ir sund alda:
75 sie waz behafft mit siben dottsunden,
sie wer erdruncken in meris unden,
in jamers baoh, in groszen lunden,
wann du der auch ein helffer bist
Herr, ich man dich der barmug me,
80 als du vergabst der offen sunderinn
mit namen Maria Egiptiace,
der verlihest du din gottlich mynn,
on die sie nit mocht das gethun:
sie bust ir sunde hertlich da,
85 des erwarb sie diu göttlich sun;
sie ward des zwar in hertzen fro.
herr, las mich des auch werden inn !
Auch, herr, dem armen < freulin zart,
56 müszen. 60 fro fehlt. 63 in nach und fehlt 65 zürst-.
67 crütz. dir fehlt 69 hiemelryoh. 70 genieszon. crist 72 maria.
75 sunde : ynden : landen. 77 iamers. 80 sundeijn. 81 mana egip-
tiace. 82 myne. 84 da, a aus o oorrigiert 87 jnne.
— 166 —
gein dem die jaden dragen nyt,
90 werst da ir aaob gewesen hart,
za swer wer ir gewesen der stiyt
gein dir and yn, das wisz vorwar:
sie wolten sie versteynen.
es hett sie nit gholffen amb ein bar,
95 wan din gottlicb lib meynen;
des brachst da sie in freaden inn.
Her, las micb des aaob geniesszen: Repo.
bast du den allen vergeben ir sande,
tbu mir das also erspriesszen
100 and wirf mir ab myn grosze lande,
die sweren sand, die ich da trag,
wann sie mich besweren allen tag,
das der tafel nit dartiat^h frag:
das bit ich dich dareh din götlioh mynn.
105 0 werde mater der cristenheit,
du advocat und farsprecherinne !
wenn ans der tafel wil tan leyt,
tha ans schin, firaw, din libe mynne:
vorste ans na vor des tufels list,
110 wenn er kompt mit so grymmes zorn;
dann da uns zwar des schuldig bist.
hilf, das wir yt werden verlorn,
behut uns, fraw, vor hertzeleyt.
Nu byt mit emest far ans da,
115 wann er ist als barmhertzig gar,
als er die Stadt Sodoma
ertrencken wolt mit far für war»
und da Abraham bat far sie: «herr, las sy fry,
las ab din zorn und mach sie fro*.
120 9 Abraham, besieh, ob keyner onder in sy,
der on sund und schand sy alda:
ich wil vergessen da myn zorn*. —
Ach werde frucht der barmhertzigkeit, Repo.
89 luden. 94 geholffen. 96 jnne. 101 trage. 103 ti&fel. frage.
106 fiirsprecbeTJDe. 107 tdfel. 108 lib. 109 rorstee. tüfeb«
112 yet. lia Behiit 114 emst für. U7 fuwer. 118 «brahimi.
— 167 —
las uQs dir entphollen sin,
125 du fraw, muter, jungfrealiche meydt!
wann zwar wir sint gar eygen din;
du bist dartzu vom vatter erkorn ,
das du vorsangt dins sones zorn,
das wir yoht werden der helle geborn:
130 des hilfF uns, Maria, reync meydt!
XL.
D.
Fol. 50^
^es himels vogt und höchster keiser,
las gein uns ab dyneo zorn!
dioh ruffet an myn stymme heyser:
wir sint nmbgeben neben and fom
5 mit wildem wag, der sere watet
unde auch mit starcken winden.
wo uns din gnte nit behütet,.
wo soln wir armen hilffe vinden?
sint du allein der iMprang bist,
10 Usz dem alle tngent flösset,
gnad und auch barmhertzigkeil,
des manche oreatar genasazet
und hat genosazen mit oodersoheit
her Tsaac was dem swerdte geben
15 und Daniel siben leuwen dar,. Fol. 51
Noe must auch in elend sweben :
die lost din barmang alle gar;
alsz lose ans auch, berr Jbesa Grist!
Snsanna gar verteilet was
20 zu dem tod.and solde sterben:
din gut ir halff, das sie geoasz.
auch liesz din gnade nit verderben
125 muter. 128 yorsunest. 130 maria.
Mit Melodie. 1 hiemels. 3 ruffSet. stym. 5 sex wütet: behütet.
6 Und. 7 gut. 10 flüszet : genüsszet. 14 ysaao. swerdt 16 müst.
17 barmug h'r. 18 löse, crist 21 gut. 22 gnad.
— 168 —
hern Joseph in Egipten lant^
der lange zyt gefangen lag,
25 din hilffe wardt ym aaoh bekant:
des bisz, herre, na gemant,
und hilff mit gnaden uns an das lant;
wann din gewalt ye gnaden phlag.
uns beschribet auch her Daniel, Fol 51^
30 wie das din barmag kam zn sture
den, die nit wolten an betten Bei,
dryen kinden in dem fiire,
das in die hitze det keyn pin;
die heyszer all verbranten da.
35 des lobten sie den namen din
in dem offen mit gesange ho,
als wir den noch beschriben bant.
Din barmung anoh zn hilffe kam
hern Jonas, der verborgen was
40 dry tag in eynes fisohes wamm,
das er gesnntlich da genasz.
snsz lost din milte auch das here
der Tsrahelisoher diet vil gar
und fürt sie drucken dnroh das mere
45 und erdrencket Pharaonis sohar:
snsz wart sin drutz in leyt gewant.
Man fint dinr barmung vil und *me
beschrieben an manchen enden
in alter und in nuwer e.
50 nu wolst uns, herr, den engel senden,
der Thobias sone behut
vor leyd und auch vor smertzen.
mach unser end und walfart gut,
uns auch vor allen sunden frut
55 durch dynen dott und dures blut,
wann es ist usz dem schertzen.
23 egipten. 25 hilff. 26 h'er. 29 besohribi. 31 bei.
32 fuwer. 33 hitz. 39 Jonas. 40 warne. 42 Süsz. milt. 43 ys-
rahelischer. 45 erdrenokt pharaonia. 49 nüwer ee. 51 thobias bohüt.
55 düres.
— 169 —
0 herr, vatter allr barmhertzickeit,
durch din hoen namen dry
und durch din muter, di reyne meyt,
^0 so bisz uns, herr, mit hilffe by!
wir Sweben hie uff wildem mer
in groszem kommer alls drostes bar.
langes leben uns bescher,
bisz wir unser sund gebuszen gar
65 und erwerben, herr, die hulde din.
Maria, lichter meris stem,
bit din usz erweltis kint,
das er uns all woU gewern
und verlihen uns ein seligen wint,
70 der uns leid usz dieser hab
vollent uff das heiige laut
und fnrbas zu dem heiligen grab,
da dynem hertzen wart bekant
vil swerer klage und sender pin.
*75 0 wirdger apostel sant Jacob,
bit für uns den werden Gryst!
du hast verdient solch wird und lob,
das du macht helffen zu aller frist
den, di dich in noten mffen an:
80 nu lose uns hie usz j&mers band,
las uns nit lenger hie bestan;
wan unser wallfiurt sy gethon,
so geleid uns mit der gnaden von,
frolich wieder heim zu land.
85 Disz gedichte wart gemacht
in vil gröszem ungemach.
es was wol umbe mittenacht,
da kam eynr gangen unde sprach:
«Stent uff balde, ir bilgerin,
90 und ruffent an den werden gott;
eyn gruszlichs wetter get darin, Fol. 52
57 aller. 59 muter. 62 alles. 68 wöU. 70 leid. 75 wirdiger.
76 cryst. 77 solich. 79 nöten. 80 löse, iamers. 84 lande. 85 gedieht
87 ymb. 88 eyn*. und. 91 gruszlichs. daijn.
— 170 —
wir haben hie iu grosser not^.
da was geriszen auch entzwey
Eyn seyl, das was dick manigfaoh,
95 daran der ancker hafft,
der dieff in meris gründe lach;
grosz wint het das geschafft,
der anoh den ancker het gestreckt,
der von rechte was gebogen,
• 100 das mich nnd manchen da ersreckt,
das ist war und ungelogen.
da bettet pfaffe unde ley.
Fnrbas sprach derselbe man:
«man wil ein pilgrin machen,
105 der sol zu sant Jacob gan,
das er uns helff in diesen sacken*.
eyn yeder gab sin stur dartzu,
das det man da vil gern.
darnach vil schir gewonn wir ru,
110 des bisz gelobt, herr, nmmer und nu
und wolst uns furbas gnade thu:
dins drosts mag nymant enbern.
Also hat uns gott der herr geholffen
(des musz er ummer globet sin)
115 usz Soryer laut von wildem golffen.
eyn schiff das hilt uns nahe by,
darinn vil der heyden was,
das zu stucken da znrbrach,
das ir keyner da genasz,
120 wann eynr, den da vjl mancher sach;
derselb in unser schiffe kam.
Sin lip was vil ser zurstoszen,
das las also ich hine gan,
wann ettlich beiden, sin genoszen,
125 haut zu leyd mir vil gethon,
das mich nit mer verlanget dar.
99 recht. 102 pfaff. 104 pilgerjn. 107 stuwer 108 gerne.
111 ^nad. 114 gelobet. 117 Parjnq. 120 eyner. 125 leyde»
— 171 —
manig esel ich da ryten phlag,
die konden struchen alle gar:
vil dicke ich uff den steynen lag,
130 ich het mich nah gefallen lam.
Wann ich dem esel gab ein slach,
so kam gelauffen der Sarazin;
er sprach: „vil bald hab din gemach*.
vil offt mnst ich sin marras sin;
135 als dick ich uff den esel sasz,
als offt wolt er ein groszen han;
dammb masz ich yn dragen hasz.
ich docht: wie mag sich fugen das?
ich han geritten dick vil basz,
140 das ich solicbs kratzens was erlon.
Herr Jhesu Crist, ich man aber dich
des elends und der martel din,
das du von sunden kerest mich:
las dir myn sei entphollen sin.
145 ich han gesundet leider vil,
der weit gedinet lange zyt,
das ich nye bedacht das zil, Fol. 52^
das mir der dot so nahe lit:
des wolst mich, herre, blicken an
150 Mit den angen dynr barmhertzikeit,
als du sant Peter ane se,
das ich gewynn solch ru und leyt
umb myne sund und mir gesohe,
als dem schecher da gesohaoh,
155 der by dir an dem crutze hing»
dem du benempt grosz ungemaoh
und yn miltiglioh entphing
zu groszen freuden sunder wan.
Maria, aller sunder drost,
160 nu bit ich dich mit Innigkeit!
127 MaDige. 128 struchen. 131 slag. 132 Sarazen. 133 ge-
mag. 141 crist. 143 du fehlt. 147 zieL 149 Das wölst.h*r. 150 dyner.
151 Sant peter. seh. 152 solioh. 153 my. geschee.
— 172 —
din gut Theopholum erlost;
na hilff auch mir, vil reyne meydt,
und las mioh scheiden nit von hiilh,
ich hab vor dines kindes hnlde,
165 die macht du vil wol mir gewynn,
du hast die macht und auch die sinn:
hilff, das ich gentzlich endrinn
der hell und busze hie min snnde!
161 gut. 163 hinne : gewynen : endrin. 168 busz.
ANMEEKÜNGEN.
i.
1 — 7. Die verwirrte Abteilung dieser Zeilen in der Hs. hat
die Initiale verarsaoht. Weinhold hat 1 and 2 zasanimengeschrie-
ben, ebenso Bartsoh^). Aber mehr Wahrscheinlichkeit als eine
dieser zwei Abteilangen scheint mir jetzt eine andere zu haben.
Es war sehr gebräuchlich, Gedichtanf&nge durch Reimhäufungen
hervorzuheben (vgl. Schneider, deutsche Verskunst 156 und 172) ;
so liessen sich auch hier Mittelreime setzen:
An dich ffederikhm hat erhikh(t)
das Üben min itsa aUer pin^
trüt keisertn! min muotf min sin
uff endes zil dient dir sicherlich.
Nun haben alle Verse ihren Reim, denn die Correctur des
letzten ist nicht anstOssig, da A auch 9, 17 leherUchen f^T leker-
lieh geschrieben hat; zu erkikht vgl. Abh. IV, p. 169 und 178.
Auch die Vierhebigkeit der Zeile ist hergestellt, die letzte allein
hat eine überzählige Senkung; doch das kommt bei Hugo auch
sonst vor. Nur die umarmende Stellung der Endreime bleibt
noch auffallend, die aber immerhin besser sein wird als der vier-
fache Reim vor zwei Waisen neben den andern Unregelmässig-
keiten der früheren Fassung. Endlich hat diese Abteilung noch
den Vorteil, dass sie der der Hs. am nächsten steht: danach hätte
der Schreiber nur an einer einzigen Stelle gefehlt, indem er vor
min muotf statt vor trüt trennte.
lieber fcA, kch vgl. Abh. IV, 169. W normalisiert nach mhd.
Gebrauch; auch ich wollte ihm atifänglich darin nachfolgen, über-
^1 Ich bezeichne fortan bei der Yergleichnng meines Textes mit dorn
Weinholds und Bartsch' den erstem mit W, den letztem mit B.
— 174 -
I
zeugte mich aber bald, wie sehr Prof. Heinzel Recht hatte, wenn
er mir riet, sie stehen zu lassen. Ein ck begegnet in der ganzen Hs.
nicht, ausser in Nr. 39 und 40. Auch B hält sich meist an das
Mhd., schreibt also gedenken 1, 1; dicke 31, 138, gelüche 232;
blicke iwicke 2%^ biQ\ daneben aber auch zuweilen 52tfeen 21, 12;
31, 145 Äfc; 31, 256; 37, 7, 47, 50 geliOc-, 38, 27 p/tfc, 20 wiken^
(»7 waker; 37, 1 wek^ ja auch gedenkhen 5, 336; dikch 38, 8
etc., während die Hs. in allen angeführten Fällen gleichmässig khy
kch zeigt. Wer die ch in werch etc. bewahrt, muss auch werkh
u. dgl. acceptieren.
4. keiserin^ ,, unbestimmt lobend^; das Subst u Adj. ist in
dieser spätem Zeit allgemein, über den frühern Gebrauch vgl. Haupt
zu Engelh. 863.
6 häuüge Umschreibung: ich förcht es ist meins endes zU
Ambr. LB. 101, 1*^; det^ dein bis uff meins endes zil Hätzl. II,
41, 10; Spieg. 117, 16; zur ganzen St. vgl. Hätzl. 36, 5 wenn
ich ir Ueb bedencke^ so hob irh fräd'n vil ; von ir will ich nit
wencken bis uff meins endes zil
8. W und B ouch; vgl. jedoch Abh. IV, 157. B oonigiert
sonst hsl. au in o (o) : och 1, 52, 81) etc, aber 2, 128 steht wieder
ouch; 4, 67; 3l, 21 gar attchf doch wohl nur aus Versehen? — Die
Hs. bietet dz hertze^ wofür daz^ welches noch häufig genug belegt
(s. IV, 162), zu setzen ist; denn, wo zwischen zwei Formen die
Wahl, ist immer die ältere zu nehmen, da sie dem Dichter mehr
entspricht als den jungem Schreibern; daza ist bekannt, dass sieh
daz am längsten in der Abkürzung erhalten hat (vgl. Uhland,
Volksl. I, 2, 993 ; Weizsäcker d. Reichst Acte, Eiol. 69). B löste
es hier und meistens in das auf; aber 25, 141; 5, 243 bldbt dz
stehen, während 11, 31 das hsl. an dz zu anz^ 32, 227 man dz
zu mans wird. — Die Aufeinanderfolge von das und daa in derselben
Zeile hat nichts auf sich, vgl. z. B. 5, 30 oder Hugo's Urk. vom 27^.
1422 (Sitz. Ber. IX, 853). — B herze und so meist z für tz;
aber 1, 14; 7, 15 gantze; 1, 80, 83 hertz; 5, 59 swarizei
;>, 155 kwrtz; 31, 119unte, 185 Pregentz; H8, 181 -hertzihHf^
1 86 viertzehn u. a. Die tz für hartes z sind überall zu bewahren,
denn sie unterscheiden es von weichem z im In- und Auslaut, findea
sich in allen Schriften dieser Zeit und werden von unseren Sohrm«
bem consequent verwendet (Abh. IH, 114 und IV, 162). Zarncke läasi
sie schon im Tit., und Brant hat noch Hugo's Standpunkt (p. 28 1).
— 175 —
9. W teglichen wie 37 unmuglich. Da ich im Satze e oicht in
ausreichender Anzahl zur Verfügung hatte, markierte ich sie durch ^.
10. W und B mity ebenso vereinfachen sie in gott : gebott
etc. die hsl. tf, welche die übereinstimmende Ueberlieferung der
Schreiber A, B, C mit den Urkunden überall sichert. Wir stossen
hier auf eine prinoipielle Frage: woher kommen die Doppeloonso-
nanzen in der nachmhd. Zeit? (die Literatur bei Weizsäcker und
Strauch, Langmann p. 20^ Die Erklärung Weizsäckers, dass die
Schreiber mit den vielen Consonanzdoppelungen die Zeilen füllen
wollten, nach denen sie bezahlt wurden, befriedigt nicht und ist
bei einem Gedichte, wo die Zeilen nicht ausgeschrieben wurden,
unmöglich. Mir scheinen Reime wie sit^e : damitte Mart. 14, 79;
spotte : gehotte 109, 101 und die aus Hugo Abh. IV, 14H, 159 ange-
führten deutlich genug zu lehren, dass die Geminationen mit der
neuen Sprachentwicklung zusammenhängen und innere Berechtigung
haben. £s darf daher nicht gote für gotte^ eteVch für etfelich^
solich für sollich etc. geschrieben werden, wie Weizs. in den Ur-
kunden und B bei Montf. getan haben. War die Gemination im
Inl. fest geworden, konnte sie auch im Ausl. erscheinen, sobald
das mhd. Auslautgesetz seine Geltung verloren hatte. Uebrigens
lässt auch B mitunter gott 3, 1; 13, 31; 18, 203; 13, 41 ; 27,
209, 221; 28, 669 neben pitt 28, 665, 72ö u. dgl. m., ja 13, 31,
41 steht gott für das hsl. got^ während er sonst die tt vpr voc.
und cons. Anlaut des nächsten Wortes streicht
11. W truwen : ruwen^ er setzt überhaupt meist die unum-
gelauteten Formen: ein paar zweifelhafte Reime und der Schreiber
A haben ihn irre geführt.
13. B mmer^ er corrigiert überall auf 18, 173; 29, 70 ge-
stützt (s. seine Einl. p. 12) imer^ nimer gegen die Ueberlieferung.
Aber jene beiden Reime können gegen das übereinstimmende Zeug-
nis von A, B und G nicht aufkommen, da iemer^ niemer keine
bair. Formen sind; dazu werden die ie durch die al. Urk. oft be-
legt (vgl. z. B. *die von 23y^. 1386, Arch. I, p. 134) , ebenso
durch das unserm Dichter zeitlich und örtlich zunächst stehende
Gedicht, durch das Netz: iemer 73, 97, 100, 136, 235 etc. neben
imer 335, 857 etc., wie durch andere al. Dkm.; in Flore z. B.
ist imer durch 3675 bewiesen, nichts desto weniger lässt Sommer
iemer^ niemer überall stehen, wo keine äussere Veranlassung (vgl.
Lachm. zu Iw. 6670, Haupt zu Er. 3255) zur Aenderung vorliegt.
— 176 —
14. W gang^ so dass die erste Silbe ohne Not Hebong
und Senkung tragen müsste.
16: , appelliere an Oott^; zu dem einen Beleg bei Lexer vgL
Dyodetian 1, 1170 und züh» das an den werden krist^ das
wir zuo keinen stunden etc.; 1, 2677 das ziihe ich an den wes'~
den got^ das ich dir nie kein lügen seit. Mönoh von Sabsb.
(Waok. KL.) 575, 2 ich zeuch michs an den werden got^ das mir
nye man ist worden holt. — W bessert zuJ^^ aber kaum mit Recht,
denn auoh ziehen : liegen 29, 137 weist auf ein ziegen (s. p. 1 68).
18. W für al die welt^ doch ist die Gorrectur nicht zul&asig»
da die Stelle 26, 9 wiederkehrt, auch anderwärts häufig zu belegen
ist: vgl. Boner 12, 11; Moerin 3865, 5361; HäUl. 13, 9 etc.
18, 19 vgl Hätzl. 86, 9 sy lieht mir yefür aU dis weit, ich
hofff ich vind des widergelt.
21. widergelts Hs., W dafür din; aber weder der Inhalt noch
der zweisilbig verschleifbare Auftact verlangt eine Aenderung; vgl.
auoh 3, 84.
24. stSükait'l steti tuot W, was mir sehr gelungen scheint;
denn stStikait aus st^titüt ist graphisch leicht erklärlich, und
meren tuon findet sich 2, 86; 37, 7. B macht einen unreinen
Reim eren : meret und beruft sich dabei auf geheftet (: glesUn)
28, 554, der aber zweifelhaft ist (vgl. Abb. IV, 178), dazu gehört
Nr. 1 zu den correctesten, Nr. 28 zu den schlanderhaftesten Gre-
dichten. Zu 18 — 24 vgl. Hätzl. II, 12,361 nmn lieb ist ungemessen,
die ich gen im in triven trag^ und meret sich von tag zu tag
mit stätter triv on widerker, Tit. 1404 sin pris von tag zu tags
sich ie meret
25. W bltiegender, B bluender, Hs. blüy ender, y^^j, nicht
= g; 5, 152; 24, 107 etc. setzt auch B muej^ tuej f&r das hsl.
muy, tüy, — die Synk. bluender hätte niehts besonders; da aber
durchweg nur bluejender belegt ist (18, 188; 34, 23), teilte ich
mit Rücksicht auf Hugo's Metrik Weinholds Vorsicht.
26. W minem; vgl 1, 17, 80; 18, 262; dann 4, 91 etc.
29. zartes bild, vgl. 29, 43 ; Hätzl. 58, 8 zärtliches bild. —
Ueber obedach s. Jänicke zu Wolfd. B 905, 2.
30. W suech (auch 75) ist ohne jede Gewähr. W ler :sr
(auch 40), sinn : kunlgin 43, minn : brinn 54 etc. ; vgl. aber, was
in Abb. V zu den dreihebigen stumpfen Versen gesagt wurde.
31. B hüete, stellt also Auftact her; aber das erste Wort
— 177 ^
ist für die Hebg. betont genug, und der vorausgehende Vers gleich-
falls auftactlos, was zwar wenig bedeuten will, da sich die Dichter an
die Gleichmässigkeit des Auftactes nicht banden (vgl. Abh.y, 204);
ob sie aber gar nicht darauf achteten, ist bei einem Liede wie
Nr. 12 oder bei einer Rede wie Suchenw. Nr. 23 immerhin zu be-
zweifeln. Man wird überhaupt oft schwanken können, obAuftact her-
zustellen sei oder nicht, ich stimme im allgemeinen mit Weinhold. —
In Mete schreibt B üe^ ebenso in müest 47, süessen 54; 2, 5; ^^-
blüemten 2, 143; müej 5, 152, wüestent 277, 282; rüemser 11,37;
behäet 18, 203, 272; vgl. noch 18, 204; 24, 107; 33, 87, in
den meisten andern Fällen aber ue^ welches der gleiohmässigen
üeberlieferung zu Folge allein berechtigt ist (vgl. Abh. IV, 158).
34 — 38. 36 ergänzt W din vor sicherlich^ B het; aber da-
durch entsteht zweisilb. Auft. und zugleich fehlende Senk. Die Hsr
gibt guten Sinn: d. s. dar. ged., dass Ehre niemand bezahlen kann:
wäre alles, was der helle Tag überscheint, wahrhaft (wirklich, nicht
nur scheinbar wertvoll), so wäre es doch unmöglich, dass sie (d.
Ehre) damit vergolten wäre. — 37 W unmuglichy das B annimmt :
unmüglich\ allein wer 9 tegelichen corrigiert, wird auch hier ww-
mügelich zu setzen haben (vgl. auch 25, 71), das z. B« bei
Heinr. v. Neust. Ap. 3859 und noch bei Laufb. 705, \Q {vor got
ist nüt unmügelich) vorkommt. — 38 mit verg, W, auch B. (In
meinem Text schreibe «i, ebenso 2, 38; 4, 136, 187.
40. W des statt dw, B volge; aber 37 betont er ^s wer,
41. W frou (ebenso 81), B fro gegen die Hs.; vgl. aber 18,
215 fr ow Even, auch B; Moer. 474 frow Venus ^ ebenso 1986
frow Eff; Spieg. 192, 9 frow Er.
42. W streicht die. — B hat muoss^ Hs. "SZ, und ähnliche Ver-
sehen öfter, z. B. 2, 25 groszen B, grossen Hs.; 2, 78 lasz B,
lass Hs.; 4, 60 muesst B, must Hs.; 24, 109 mass B, masz Hs.;
24, 119 ungebuesst B, -bueszt Hs. etc.
43. Streiche das Gomma.
44. gich, so hat auch die Grazer Abschrift und daher auch W$
allein die nochmalige GoUation meines gedruckten Textes mit der
Hs. ergab sich\ in ähnlicher Fügung steht sehen 20, 9, u. 0., es
entspricht nemen 2, 10; 35, 15 etc.; Freid. (Bezzenberger) 142, 11
ich naeme der nahtegalen sanc für der süezen harpfen klanc,
45. B höchste 9 Hs. höchste wie auch B 36, 3, 28. — Lies
hü/neginne,
Wackemell, Montfort. 12
— 178 —
46. B weüichj dazu in der Anmerkang der Nachweis, dass
weltlich für waetUch stehe. Das ist richtig; aber etwas ganz an-
deres ist die Frage, ob deswegen im Texte auch zn ändern sei weP-
Uch erscheint in derHs. niemals, dafür weltlich noch 3, 18; 18, 106;
37, 38, also bei A und B; da den Schreibern sonst absichtliche
Aendemngen dieser Art nicht nachzuweisen sind, müsste man an-
nehmen, dass sich beide so oft bei demselben Worte verschrie-'
ben haben, und das ist sehr unwahrscheinlich, vielmehr erblicke
ich hier einen Beitrag zu den von Jänicke (Wolfd. D VII, 66) ge-
sammelten Belegen, welche zeigen, dass in den spätem Gedichten
die ursprünglichen Bedeutungen vieler Epitheta längst schon ver-
loren gegangen, und diese vielfach zu bedeutungslosem Flitter ge-
worden sind , welcher gedankenlos oder in missverständlichen Ver-
wechslungen verbraucht wurde. — W dirre ohne Gewähr.
48. Hs. und W hett^ B het; allein «das kurzvocalische Jhatte,
Gonj. hette^ ist in alem. Schriften des 14. und 15» Jhds. beliebt*
MG. p. 370, AG. p. 383. — 6, 36; 17, 37; 18, 1 ; 32, 73 etc.
lässt auch B Jiett^ während er in den meisten Fällen, besonders
vor conson. Anlaut, het corrigiert. — W nicht durchweg. — B dine^
der Auftact ist hier um so misslicher, weil dadurch ich in die
Hebung geschoben wird.
52. W OAich^ sonst ouch.
56. W em8t\ dann stünde aber die Hebg. auf mit oder Hebg
und Senkg. auf ernst; auch der nächste Vers hat Auftact
57. W streich doch^ wodurch fehlende Senkg. oder die Betonung
g^saeh notwendig würde.
60. W glichy wozu ihn wohl 5, 265 veranlasst hat; aber 4,
160 steht wie hier ^) gleiche als adv. Gen., in dem A wie öfler e
synkopierte (vgl. auch bei B die Anm. zu 59).
62. W erhom , s. aber verloren : t6ren 4 , 153 etc. , Abh.
IV, 147.
64. B niemen. B hat sich aus dem alleinstehenden Reime
1/iiemen : achUemen 27, 114 den Grundsatz gebildet (Einl. p. 11),
^niemen durchzuführen, und nur da, wo der Ton auf der zweiten
Silbe ruht, nieman zu schreiben ^. Dasselbe Verfahren beobachtete
er auch bei Reinfrid. — Allein was Jänicke damals, bei Reinfir. dage-
gen sagte (Zs. f. d. A. 1 7, 506), gilt auch hier. Wäre ferner Bartsch'
^) Id den Yarianten bessere gleiche und 68 misstet.
- 179 —
Grandsatz aach der Hago's gewesen, so würden sich gewiss ans den
vielen niemen des Originals einige in unserem Cod. erhalten haben,
wie das bei den din neben dein etc. oft genug, bei ^men aber
nicht der Fall ist; dazu beachten nachweisbar auch andere alem.
Dichter des 14. und 15. Jhds. einen solchen Unterschied zwischen
Hebg. und Senkg. nicht, Boner z. B. hat Vor. 54 temmt Aber 61^
24 n^man etc.; Netz n/emm 459; rUeman 82, 670, 696| 704,
1575 eta; Moer. n^eman 4404 etc.; auch in den alem. Urk. meist
rdeman z. B. Arch. I, p. 137. Nicht anders stehen die Dinge bei
bair. Dichtem, Hadam. z. B. hat nicht nur einmal im Reime nümen^
sondern oft (Stejskal p. 31) und trotzdem in der Zeile zahlreiche
nteman 3, 4; 152, 3;* 158, 5; 165, 7; etc., welche der Heraus-
geber mit Recht bewahrt hat — 15, 125 Hess auch B nieman.
65, 66 gebraucht Hugo ein Bild, das ursprünglich wohl nur
für die Muttergottes gemacht worden war. — W weiz : kreiz^ wie
8 mzZf 12 vergezze etc., immer nach mhd. Brauch; vgl. Abh. IV,
p. 162. — Für zirkelkreiaz hat Lex. III, 1134 nur einen Beleg.
67, 68. Aehnlioh ermahnt in der Hätzl. U, 6, 190 eine
Frau ihren Greliebten zu einem frommen Morgenanfang ^ nachdem
sie ihm zugesprochen, sich nicht in der Schenke finden zu lassen:
{tmd lasz dich nit erfaren fruo in der tcU>erenl ich hört es un-
geren^ so man mir das von dir aaitt.) bis aUe tag heraitt des
morgens mit dem ersten^ und hör ze lob dem hersten mesz lesen
oder singen.
80. W miner.
81. B streicht eer^ was ohne Zweifel den Sinfi bessert, sonst
müsste msLufrow Er als lobende Anrede an die Geliebte fassen oder
auf minne beziehen, was anderswo kaum nachzuweisen sein dürfte.
83. W verschlozzen^ sonst auch gegen die Hs. beslozzen 13, 58.
87. W swes und so immer swer^ swaz etc. (s. dagegen Abh.
IV, 163).
83—90. Hätzl. 36, 17 ich bin ir in stäti£kait, das sol
sy wissen zwar; mein dienst die sind ir ye beraitt LS. 244,
313 ich iemer dienen muoz umb Iren rainen milten gruoz ir
bisz an min endez zil; wie si gebuet wnd wil^ dez bin ieh al
zit berait; am meisten Aehnlichkeit aber hat der Schluss von
Hätzl. Nr. 64 m,ein hört, nymm war der iriuen mein^ das ich
dein aigens aigen bin . . . Juut du dann zweif eis an mir icht^
nicht Ictsz^ du versuoche&t müh^
— 180 —
90 ist ohne Gregenreim and hat auf die Vermutang :g6braöht,
dass wenigstens ein Vers fehle. Anffallend ist die reimlose 2ieile
am Sohlasse jedenfalls, am so mehr, wenn ioh oben den Ein-
gang des Gedichtes richtig hergestellt habe. Bartsch' Anm. zn 89
beweist weder etwas dafär noch dagegen; denn ob der leere Ranm
dieser Spalte etwas grösser oder kleiner, ist ganz gleichgültig:
gieng eine Zeile verloren, so geschah es auf dem Wege vom Orig.
zur Gopie. Freilich hatte B einen andern Standpunkt, da er den
Cod. Pal. als Original ansah. — Ich will aber darauf hinweisen«
dass 34, 30; 36, 28 der zweite Teil dieses Verses wiederkehrt» wo
in der Flickzeile' das sag (schrib) ich dir mit einem wort der Gre-
genreim liegt, eine Beteurung, die Hugo gern zu solchem Zwecke
verwendet (vgl 2, 139) and die wohl auch hier gestanden haben
könnte, obgleich sie den Schluss nicht poetischer gemacht hätte.
n.
Bergmann bezog (Landeskunde von Vorarlberg p. 102) die
in diesem Gedichte erzahlte Liebeswerbung auf Hago*s erste Ge-
mahlin. Das lag allerdings nahe, wird aber von ihrem Zusammen«-
hange mit den übrigen Lebensverhältnissen des Dichters negiert (p.
12 ff.); wozu noch kommt, dass zwischen dem Tode von Marga-
retha*s erstem Gemahle und ihrer zweiten Ehe nicht so viel Zeit lag,
dass Hugo jar und tag herumreiten konnte, sich Ritterschaft zu
erwerben und die Welt zu sehen. Das und die ganze Haltung des
Gedichtes führt von selbst auf jene Ausfahrt, die er nach 5, 136
im 14. Lebensjahre unternommen hat. Ulrich v. Lichtenstein erkor
sich schon im zwölften Jahre seine Frau, der er dienen wollte
(Uhland, Sehr. V, 211); Hadlaub diente seiner Erwählten, sit dctz
mr beide wären kint ; ähnlich spricht Neifen : diu mich hdt von
kinde her gehimden 18, 27, und Marner: ich hin der si meinet
mit triuwen sit von minen kintltchen jdren IV, 34.
4. B lässt das hsl. weib^ also die bairische Form des Schrei-
bers, ebenso 3, 65 sei; 25, 34 ewenkleich; 26, 28 weib; 28, 140;
35, 38; 36, 7 sein; 38, 179 dein; ferner ain 5, 226; schaiden
8, 12; rain 18, 45; ain 28, 300, 601; warhait 28, 491; üppi--
kait 29, 176; gemain 32, 159. Da auch B sonst die ei (=- i)
und ai (== ei) tilgt, und in den angeführten Fällen nicht der ge-
ringste Grund für ein Ausnahmsverfahren vorläge, müssen sie wohl
Als Versehen angesehen werden. — B umbeme (vgl 110), vielleioht
— 181 —
hat er so gelesen; denn es ist in der Hs. oft nicht deutlich, ob sie
getrennt oder zusammengeschrieben hat Ich merke solche Differen-
zen fernerhin nicht mehr an.
11. Besser als min aunnen achin als Apposition zu fassen,
wird es vielleicht sein, das vorausgehende Gomma zu streichen und
nem ich herabzubeziehen.
14. Hs. fett, B tet, so ändert er meist, aber in Nr. 25 bleibt
tett ich 64, 113, 114, 123, 171, 175, was auf die Vermutung
bringen könnte, dass er vor Vocalanfang des nächsten Wortes tett
bewahrt habe; allein auch das kann nicht sein, denn 24, 39
schreibt er wieder gegen die Hs. tet er, 24, 55 tet es; 38, 50
tet ims etc., ja 25, 171, 175 lässt er tett ich, das er gleich dahinter
25, 177 zu tet ich oorrigiert.
16 fehlt eineSenkg., es kann weidenliche{n) oder wncfo geschrie-
ben werden, letzteres schien das einfachere, ersteres gäbe eine bessere
Betonung. Staufb. 550 die schoene frouwe er vor im sach kluoc
unde weidenltche.
17. Dass pflegen mit dem Particip statt Infinitiv stehe, hat
auch B angemerkt.
22. W sagt p. 134: «es ergibt sich daraus, dass er (Hugo) da-
mals auf Sewenherg wohnte •. Aber die Hs. hat deutlich atnenherg^
das allegorisch zu nehmen ist wie bei Hadlaub „Beuental^ im Zu-
sammenhange mit 9 Seufzenheim '^ und , Sorgenrein*, bei dem von
Gliers» Trübenhausen*, im jung. Titurel «Freudental undReuentaP;
vgl. Uhland, ges. Sehr. V, 252 und 278, der auch auf unsern
Hugo verwies. — behusen ist am ehesten st. Part (s. Abh. IV,
p. 178): ,auf Sehnenberg häuslich festgesetzt*; auch ein was
ich könnte vielleicht wie öfter erg. werden; vgl. 29, 52 und Su-
chenw. 29, 78 da pin ich wirt und wol behaust,
25. und fehlt in der Hs. und bei B, ist aber ohne Schwierigkeit
(vgl. 2, 83; 18, 112, 113), bessert Zusammenhang und Vers.
28. wm ist in den Var. zu streichen und wenn in den Text
zu setzen. B corrigiert überall wen ; aber alle drei Schreiber über-
liefern wenn, vgl. 18, 48, 185; 38, 8, dazu den beweisenden Reim
wennenierhennen Mart. 45, 22, AG. $ 204 und Abh. IV, 171.
32. todes sterben, dasselbe auch 29, 64, femer im Reinfrid
5161, 15154, 20219; vgl. über diese Redensart zu Ortmt C
195, 4.
35. üeber Schnee und Eis als Bild der Vergänglichkeit vgl.
— 182 —
Strauch za Marner XV, 237 und 0. Zingerle za Sonnenbarg IV,
212.
37 f. LS. 24, 263 Syn hertz hegund sich smckm und dar
nach gedenken mit allen ainen sinnen y wie er möcht gewinnen
mit gantzer trü iren gunat,
39. B tjüij wird wohl nur verdruckt sein.
46. ^gndde^ vrowe gndde rieh, genddet mir genaediclteh*
redet Lichtenstein FD. 40, 21 seine Geliebte an.
47. B corrigiert üch und so .immer gegen die Hs. Es ist nioht
zu erwarten, dass die hsl. Form ü durch Reime unterstützt ist, denn
solche sind überhaupt zu selten; aber in der Zeile sind die tu, ü
auch in späterer Zeit häufig, vgl. Mart. 32, 30, 47 etc.; Boner 21,
39; 23, 19; in einer alem. Hs. des 14. Jhds. (Zingerle*s Find-
linge, Sitz. Ber. 55, p. 663 ff.) begegnet ü 30, 116, 118, p. 669,
43, 44, 45, 48, 51 u. 9. ; auch bei bair. Dichtern: Herrand 2, 291 ;
3, 303 (Kummer p. 3); Wolkenstein ew 70, 1, 12 u. ö.
55. ^uo minem gott^ unser „bei Gott*'.
57. mir ist auffallend und reizt zum Streichen, vgl. aber
4y 65 und Hätzl. IJ, 27, 95 dae ich euch mir ansehen solt
58 ff. Diese Strafpredigt der Frau wirft kein gutes Licht auf
die Liebesverhältnisse jener Zeit und stimmt mit den Angaben
anderer Dichter: Hadam. 533, 4 laeg alliu rehüu triuwe hie ze
häufen^ man möhfe si mit einem mantel decken; Suchen w. 24, 283
man vind ir selten airij der in wirden alt und an der Minn sein
trew behalt
59. B mit der Hs. werichy aber es begegnet nur bei A und nur
hier, beim Schreiber B und C nie und ist dem bair. Dialekt geläufiger
als dem alem. (MG. p. 39), bei Suchw. z. B. sind die werich^
durich etc. zahlreich.
59, 60. Suchenw. 40, 7 der manich mensch mit Sünden
phligt und laider gwr tze ringe wigt
62. Diese schlagreimartigen Ausdrücke sind stehend geworden :
liegen^ triegen dicke gdt Freid. 165, 23; liegen^ triegen ist ein
eite^ dem vil der werlde volget mite ibid. 165, 21; liegen^ triegen%
smsichen Tit. 1858; ä/ liegen^ triegen stdt din muot Bon. 28,
11, bei ihm besonders beliebt, s. 33, 38; 55, 61; 63, 50; Had.
498, 7 ; die weit ist untrüwen vol . . mit liegen^ triegen kan si
wqI Laufb. 794; im Netz stelen^ liegen^ triegen 2373; trüg : lüg
— 183 —
1188 (ü = ie, s. Abh. IV, 156). Zum Endreim verwendet bei
Schärft). HMS. I, 349^
63 geacMhiheit ist bei Lex. nur aas Hugo belegt und zwar
als „geacMbecheif^,
65 f. B schämen: lamm.; allein der viermal gehobene Vers
ist nicht aufifallend, sei der Reim stumpf oder klmgend, und G-e-
mination des m gegen mhd. Gebrauch begegnet auch beim Schrei-
ber B, vgl. Abh. IV, p. 146, dann Moer. nammen 85, 122,
achammlich 107 u. a.; Lauft), ammen: nammen 748, 2; nam-
menifiammeniachammen 737, 39, u. noch a. Hessen sich anführen
bis hinab zu Brants nammen: schammen (s. Zarncke p. 288). —
9in:\r sollt euch eines solchen Betragens schämen, denn es ist
a. Gew. lahm, d. h. gewissenlos.
70. Schreibe ddgen und vgl. dhant 18, 157; dwM 27, 36.
Für die Inclination vor Vocalen hat die Hs. kein Beispiel, aber
Zarncke belegt aus Val. HoUs. diuden (NS. p. 290^), ein anderes
bietet Laufb. 708, 10 in dougen.
Zu 68 — 73 vgl. Hadam., welcher erschrickt, als sein Herz die
rechte Fahrt gefunden und er sie erblicket^ mit der er in liebe waer
vereinet : dar ab min Herze erschricket^ sS daz ich ze sprechen
küme emante . . ich stuont aldd verstummet vor schricken eun-'
der sprechen 59 ff. ; Ambr. LB. Nr. 76, wo der Geselle das Fräulein
bat, ihn in ihren Garten zu lassen; als das geschehen, brachte er
nichts weiter vor als einen Gruss: ich wa/rd Zu einem stumm^
vor schäm da stund ich rot^ bey allen meinen tagen leid ich nie
grösser not. Diese ganze Erzählung Hugo*s hat typische Motive.
Schon im altem Minnesang findet sich oft, dass der Dichter in
Gegenwart der Geliebten verstummt, vgl. Bartsch LD \ Einl. p. 11;
ferner Hadlaub Nr. 16; Heinzel. ML. 1662 ff.; Hadam. 60 ff.;
Oswald Nr. 36; Hätzlerin H, 6; H, 7; Ambr. LB. 111, 41 ff.
und bis in unsere Zeit herein. Die immer wiederkehrenden Er-
lebnisse sicherten auch die Existenz der traditionellen Darstellung.
Zu 74 79 vgl. Hätzl. H, 7, 249 ich hob dich nun he-
chennt^ gesell mein^ . . . hob ich geredt zomicUch^ damit hob
ich versuocht dich^ ob du triu und statt wollest sein, — Will man
76 die Interpunktion nach das setzen, wird Doppelpunkt am be-
sten sein.
80. B warn, ich gegen die Hs., so oft; aber gerade oben 66
— 184 —
lässt er wconn es; 32, 40 wcmn wer^ während er 32, 37 wieder
wan wer oorrigiert
81. 4^ begegnet schon in Lachmanns Text des Liohtenstein;
vgl. über ff Abb. IV, p. 146, Anm.; über die geschärfte Aussprache
dieser spirantischen Fortis auch Winteler, Kerenzer Mundart p. 43.
B schreibt uf und so meist/ für die hsl. ff,; aber 5, 365; 27,
44; 37, 9, 18 lässt auch er uff neben üeff 4, 32; ruoffb, 180;
10, 19; rueff 32, 166; hff 5, 51; luff 5, 64; loffen 1, 9, 21;
offen: ffehffen 4, 193, während er dann wieder 5, 307 lofikof;
30, 90 löf eta oorrigiert, ja 15, 2 wird sogar gegen die Hs. ge-
alafen : wdfen ; 35, 26 lassen : slafen geschrieben, während 32,
100; 38, 104 auch sem Text slaffen; 38, 180 slaff; 30, 66
straffen : geschaffen : 31, 110 mdssen zeigt. Ebenso wird 2, 137
grifen (Inf.) geschrieben, aber 16, 49 pfiffen gelassen u. dgl. m.
Dagegen sind bei ihm die Geminationen in hilff 15, 156; bdörfft
20, 20, huiff 33, 51 etc. zu entfernen, da sie hier wie überall nach
Liquiden nur dem zweiten Schreiber angehören; vgl. Abh. III, p. 114
bimen. Im Mhd. war die gebräuchliche Form büwen^ daneben
auch biuwen (vgl. Lex. I, 404; Haupt zu Engelh. 5222). So
verhält es sich auch im spätem Alem. buwerij gebuwen Mart 75,
78; 78, 80; 99, 13; 148, 83; 158, 99; 281, 26 etc.; ebenso
Sachsenh. buwt {: getruwi) Temp. 627 etc.; Laufb. buwen (: ge^
truwen) 792, 4 etc.; Altsw. gebuwen (: nuwen) 14, 24; 20, 32
etc.; erbuwen LS. 31, 9 etc.; Netz buwen (: truwen) 11360:
ruwen 10764, 11488. In den alem. Urkunden herrscht buwen^
s. z. B. Aroh. I, p. 134 (23./6. 1388); I, p. 123 (24./11. 1382);
I, p. 136 (6.y9. 1389) etc.; auch in denen Hugo*s durchweg.
Die Hs. zeigt consequent nur buwen ^ bawen. — Daneben ge-
brauchen einige Dichter auch büwen^ gebilwen^ so Sachsenh. Temp.
675, 891; Netz verbüwet (igetrüwet) 10747 ; LS. gebuwen (: nü-
wen) 37, 139 etc., aber viel seltener. Dadurch wird die Ver-
fahrungsweise bei der Textrecension bestimmt: wo, wie im vor-
liegenden Falle, die Hs. u : ew zeigt, k a n n ie ; ^ oorrigiert werden,
doch auch buwen (: truwen)^ wie Weinhold geschrieben, wäre ge-
rechtfertigt; es ist aber kein Grund vorhanden, da, wo die Hs.
u oder aw liest, gegen die Ueberlieferung und die Sprache der
Urkunden ü zu setzen, wie Bartsch getan hat. Wollte man uni-
formieren, dürfte nur buwen gewählt werden. Also 28, 50 nur
ffepuwen: rmjoen; 33, 105; 38, 129 fuwen x truwen; schon der
— 185 —
Umstand, dass der Schreiber B hier gegen seine Gewohnheit irawen
nnd ruwen setzt, hätte darauf hingewiesen, desgleichen lässt das
Langezeichen über getrdwen : bawen 3, 22 anf das ursprüngliche
getruwen : büwen (so ist das Druckversehen in meinem Texte zu
bessern) schliessen.
83. B tue^ ebenso 3, 61, 88; aber 5, 368 eta tuo^ während
die Hs. gleichmässig iü zeigt. — 82 und 83 können vom Dichter oder
von seiner Geliebten gesprochen worden sein.
84, 85. gevider wird als Part mit apokopiertem "t (vgl. Abh.
lY, p. 161, 178) und die ganze Stelle als Metapher zu erklären
sein, so steht auch Tit. 1191 ir hertze . . . wwrt bloz <m freuden
und wol gevidert an aeuftherer sere, noch ähnlicher 5459 trourenf
weinen het sie mit kraft gevidert (= beflügelt).
86. B corrigiert din zu die; allein die Hs. gibt einen guten
Sinn, wenn man die Stelle als directe Rede des Dichters an
die Geliebte nimmt: zuerst hatte sie ihn abgewiesen, aber, nach-
dem sie seinen Ernst erkannt, ihn sofort in den Dienst ge-
nommen.
87. barille = berille^ hrille, unser »Brille*; Tit. 1400 »aw
der berillus grozzet die scJmft; Hans Sachs (Keller 5, 286, 16)
in der christall und der parill kan ich auch sehen vil gesicht^
was über etUch meyl geschieht; vgl. Zarncke, Graltempel 483.
Eigentümlich ist die Schreibung berly im Daniel von Blumental
(bei Bartsch, Karl p. 27). — B tuot die gsicht Mir schien die
Wiederholung von tuot in diesem durch zweisilbigen Auftact zuvor
langen Verse anstössig, um so mehr, da es in der obern Zeile un-
mittelbar darüber steht.
89. Das Segnen war beim Abschiede ein unerlässlicher Act,
der häufig hervorgehoben wird, besonders auch bei der Trennung
nach einer Liebesnacht; meist segnet sie, seltener er. Boppe sd
Wirt mir UM von ir ein morgensegen HMS. II, 385^. Auch bei
Walther entlässt die Geliebte den Ritter mit dem Segen (Wil-
manns 63, 40); bei Mamer, Strauch zu 10, 14. Hätzl. 23, 99
also gab sy im den segen; 115, 25 sy gab mir iren segen^
auch II, 20, 133; LS. 26, 169 und gend mir üwem segen; Oswald
1, 6, 21 wie wol mir ward^ da mir die zart pot yren segen;
Ambr. LB. 111, 80 mit irem roten munde sie gab mir den
segen, — Neifen sus segen ich mich des morgens mit er, s6 ich
ml üf stän 20, 12; Hätzl. 11, 263 ward er den segen gfebeni
— 186 —
25, 109 der gesell gab ir den segen; 27, 361 da was beraiU
der tmverzaitt zu gesegen die vil rainen.
92. des ist za streichen aod dazu Abb. IV, p. 186 zu
vergleichen. B schreibt richtig.
93. ich für es erkläre ich mir wieder als Schreibversehen,
da ich in der Zeile darüber and darunter steht B blieb bei
der Hs.
94. B pßagj ebenso 4, 97; pflegen 2, 90 gegen die Hs^
sonst lässt auch er ph (vgl Abh. III, p. 115 und IV, p. 160).
96. B zu (H& zü)^ auch 4, 21, 54 wieder zu, dann 5, 276
mu88 (Hs. müss) : puoss; 28, 200 trug eta — Dieselbe Gonstruc-
tion Hätzl. 9, 2 ain za/rt frawen^ wa^ wynnecleich.
106. B 8U8 und noch ein paarmal, wo es nicht notwendig
wäre. Ich merke derartige Differenzen weiterhin nicht mehr an.
108. Daraus für das Alter des Gedichtes einen Schluss ziehen
zvk wollen, ist ganz haltlos, die Stelle ist rein formelhaft (zu 1, 46).
Auch Hadlaub glaubt nicht altern zu könuen, wenn er die Q-e-
liebte sieht: ich schouwet st vil manigvalt; mich dücht^ ich umrde
niemer alt 18, 7, 1; Oswald ir myniklich schon gestalt macht
mich nit aU 88, 2, 10. Die umgekehrter Wendung hat dieselbe
Form bei Neidhard: der (swaere) schaffe ein ende^ saelic wtp^
S daz min vil tumber Üb in senden sorgen alte 58, 12«
114. Bei B fehlt die Interpunktion, auch das Längezeichen
in ndch^ wo B sonst gleichfalls der Hs. folgt; ich lasse auch diese
Dinge fernerhin ausser Acht
116, 117. durch florieret === gebluemet ^ gwaz mit Blumen
geziert, woför Lex. I, 480 einige Belege bietet; hier bat es allge-
meinere Bedeutung, nicht nur mit Blumen [flQr(ibus)], sondern
schmücken überhaupt: die Pferde wurden ganz mit Decken geziert
schilt steht für Wappen (vgl. Vers 119), welche auf die Decken ge-
stickt waren, wie etwa HMS. U, 319» des riches schilt als Reiche
Wappen, nicht als Beichsschilt zu übersetzen ist.
119 ist Flickvers: wenigstens zwei verschiedene Farben waren
in einem Wappen notwendig.
122. B corrigiert undem. Warum Angesichts der Reime nninä
die gute Assimilation tilgen? Vgl. Abh. IV, 167. Ich ergänze dazu
noch, dass Burgunn^ den Burgunnem etc. eine häufige Schreibung
wird; Veit Weber, Sieg bei Märten, gebraucht es auch im Beim
mm i von Burgynn 15, 4. Im Dialekte sind himner^ wunnar^
— 187 —
anner eto; =<= kinder^ tmmder^ (mder gellUifig, s. ScUeioher,
deutsch. Sprache 209.
B rechtfertigt in emer Anm., dass er enel gestrichen habe,
was sicher richtig ist; aber der angezogene Vers 28, 12 beweist
das nicht, ebenso wenig, wie dass unnen zu unden zu corrigieren
sei, auch dass snel nur ein müssiges Flickwort ist, beweist es
nicht, denn diese sind bei Hugo viel zu häufig , wohl aber Hugo*s
Metrik, und zwar von zwei Seiten aus: in von hdrm und von
zohd {:9nd\ wie dann gelesen werden müsste, fehlen zwei Sen-
kungen, was sich Hugo nicht erlaubt (vgl Abh. V, 214); aber
auch, wenn man v6n härm betonen wollte, wäre der Reim zöb^l
unglaublich, weil die betonte Stammsilbe nicht lang ist (Abh. V,
240). — Anders liegen die Dinge bei 8cMn 4, 28, welches B gleich-
falls streicht, dem aber mit metrischen Gründen nicht beizukom-
men ist.
120—130 gehören in die Heroldsdichtung, worin Hugo ohne
Zweifel Suchen wirt nachahmt, den er 135 nennt und von dem
er ganze Verse entlehnt hat, vgl. z. B. 7, 209 fL; 8, 236 ff. —
127 kann manig stehen bleiben. — 129 blcmnieren =^ (Wappen)
auslegen.
131 ist eine verstümmelte Zeile, da Verse mit 3:4 Hebungen
gegen Hugo^s Metrik sind. Ich stellte durch w^re die richtige An-
zahl der Hebungen her; des trägt Hebung und Senkung, vgl. Abh.
V, 213; auch in Flore reicht der Artikel vor conson, Anlaut zur
Hebung und Senkung hin, Sommer zu 152« Vielleicht waren ur-
sprünglich auch alle Senkungen vorhanden; in dem anal. Verse
31, 109 steht gar ze vi% wollte man sich dazu ein nu o. dgl,
einzuschalten erlauben, so wären sie erreicht : des w^$ mir nu gir
ze vü. Doch notwendig Ist das nicht B lässt 13 1» oorrigiert
aber sonst auch 3:4, «. B. 25, 14, 55 etc. und mit Recht Er
wird daher 131 als einen fehlerhaften Vers des Dichters angesehen
haben.
135 — 138 sind aus Suchen wirt 22, 45 ich haizz der Sue-^
chenwirt^ der dikch mit red so nahen schirt^ m4xn möckt ez
greifen mit der haut . . • dein nam ist «w> erchant — B. oorri-
giert möchte vgl. aber 7, 25.
140 — 142 : er ist der beste, den ich von Gott und von
den Wappen sprechen gehört; er tut es nicht mit (unsicherem) He-
rumtappen (Herumsueben), sondern eto. — Hugo rühmt Suobv« also
— 178 —
46. B weäichj dazn in der Anmerknog der Nachweis, dass
weltUch fQr waetUch stehe. Das ist richtig; aber etwas ganz an-
deres ist die Frage, ob deswegen im Texte auch zu ändern sei wet-
lieh erscheint in derHs. niemals, dafür weltlich noch 3, 18; 18, 106;
37, 38» also bei A und B; da den Schreibern sonst absichtliche
Aendemngen dieser Art nicht nachzuweisen sind, müsste man an-
nehmen, dass sich beide so oft bei demselben Worte verschrie-
ben haben, und das ist sehr unwahrscheinlich, vielmehr erblicke
ich hier einen Beitrag zu den von Jänicke (Wolfd. D VII, 66) ge-
sammelten Belegen, welche zeigen, dass in den spätem Gedichten
die ursprünglichen Bedeutungen vieler Epitheta längst schon ver-
loren gegangen, und diese vielfach zu bedeutungslosem Flitter ge-
worden sind , welcher gedankenlos oder in missverständlichen Ver-
wechslungen verbraucht wurde. — W dirre ohne Gewähr.
48. Hs. und W ?iett, B het; allein ,das kurzvocalische hatte^
Conj. hette, ist in alem. Schriften des 14. und 15. Jhds. beliebt*
MG. p. 370, AG. p. 383. — 6, 36; 17, 37; 18, 1 ; 32, 73 etc.
lässt auch B hetty während er in den meisten Fällen, besonders
vor conson. Anlaut, het oorrigiert. — W nicht durchweg. — B dm«,
der Auftact ist hier um so misslicher, weil dadurch ich in die
Hebung geschoben wu*d.
52. W (luchj sonst oiu:h.
56. W ernst; dann stünde aber die Hebg. auf mit oder Hebg
und Senkg. auf ernst; auch der nächste Vers hat Auftact.
57. W streich docA, wodurch fehlende Senkg. oder die Betonung
g^saeh notwendig würde.
60. W gliche wozu ihn wohl 5, 265 veranlasst hat; aber 4,
160 steht wie hier ^) gleichs als adv. Gen., in dem A wie öfter e
synkopierte (vgl. auch bei B die Anm. zu 59).
62. W erhom^ s. di\>et verloren \ t6ren 4, 153 etc., Abh.
IV, 147.
64. B nimnen, B hat sich aus dem alleinstehenden Reime
iMemm : schUemen 27, 114 den Grundsatz gebildet (Einl. p. 11),
^niemen dorchzuföhren, und nur da, wo der Ton auf der zweiten
Silbe ruht, nieman zu schreiben *. Dasselbe Verehren beobachtete
er auch bei Reinfrid. — Allein was Jänicke damals, bei Reinfir. dage-
gen sagte (Zs. f. d. A. 1 7, 606), gilt auch hier. Wäre ferner Bartsch'
9 In den YarianteD bessere gleiehs und 58 miatet.
— 189 —
genügliohen Eitelkeit des Dilettanten, and beide charakterisieren
gleichmässig den gesunkenen Standpunkt dieser spätem Dichter.
III.
1, 2. Diese Synekdoche ist albern genug; aber fraglich scheint
es mir, ob dem Dichter dabei nicht das Bild vom Küssen vorge-
schwebt habe, was sie zu seinen Gunsten erklären würde.
3, 4. Das einfache stdn mit Gen. (s. auch 6, 31) = gestehen,
bekennen ist bei Lex. II, 1135, 1136 nicht belegt; vgl. unter
gestdn I, 926. Der Reim mit dim (= dieme) ist besonders in
der Martina beliebt: dime : vime 8, 93 : Äirtw 10, 31 : stime
25, 15, ebenso dim in der Zeile.
5 — 8 ist wie 21 — 24, 45 — 48 gebaut, auch guet : gemuet
hätte stehen bleiben können. — Aehnlich sagt Muscatpluot, Hätzl.
131, 20 das ich mit synn dir^ kcUserinn^ ain liedlin müg ge-
syngen. An Heinzel. (ML. 2185) schreibt die Geliebte; Icünd ich
von lieben Sachen getihten unde gemachen ein minnecUchez grüezen^
wnd künde ich daz gesüezen^ daz ez verhörte dinen pin^ daz
taete ich^ trat geselle min! — mdnneUedelin hat Lex. nur aus
Apoll, belegt.
12. Der Zusammenhang schien mir ein hand o. dgl. zu er-
fordern, das freilich schweren zweisilbigen Auftact erzeugt; doch
der steht auch in 24.
13 — 16 ist Tli wie 81—84, die vorausgegangenen Str. waren
Tl . Der Initialenmaler hat bei 13 vergessen den Strophenanfang
zu malen, woraus man jedoch nicht schliessen darf, dass die beiden
Strophen zusammengehören (Kummer), denn das begegnet auch
bei der gewöhnlichen vierzeiligen Strophe. — 16 fehlt eine Sen-
kung; aber die Wiederholung des Artikels nach dem Substantiv
wäre Hugo's Schreibweise sehr gemäss, vgl. 3, 82; f>, 30, 85;
10, 18; 16, 4 etc. und Abh. V, p. 213. Auch Bartsch wies in
einer Anm. zur St. darauf hin; Kummer dagegen wollte guetkeit
bessern, was nicht geschehen dürfte, da T^I gegenüber* der drei-
hebigen eine fünfhebige Zeile fordert.
Hier wird der geeignete Ort sein, einige notwendige Er-
örterungen einzuschieben. Kummer ist der vierte, der sich ein-
gehender mit dem Montforter beschäftigt hat. Er veröffentlichte
seine Forschungen in Form einer Recension von Bartsch* Ausgabe
im Anzeiger f. deutsch. Altert VI, 317 — 342. Als er mir dieselbe
— 180 —
90 ist ohne Gregenreim und hat auf die Yermutnng gebracht,
dass wenigstens ein Vers fehle. Auffallend ist die reimlose Zeile
am Schlüsse jedenfalls, um so mehr, wenn ich oben den Ein-
gang des Gedichtes richtig hergestellt habe. Bartsch' Anm. zu 89
beweist weder etwas dafür noch dagegen; denn ob der leere Raum
dieser Spalte etwas grösser oder kleiner, ist ganz gleichgültig:
gieng eine Zeile verloren, so geschah es auf dem Wege vom Orig.
zur Gopie. Freilich hatte B einen andern Standpunkt, da er den
Cod. Pal. als Original ansah. — Ich will aber darauf hinweisen,
dass 34, 30; 36, 28 der zweite Teil dieses Verses wiederkehrt, wo
in der Flickzeile' das sag (schrib) ich dir mit einem Wort der Ge-
genreim liegt, eine Beteurung, die Hugo gern zu solchem Zwecke
verwendet (vgl. 2, 139) und die wohl auch hier gestanden haben
könnte, obgleich sie den Schluss nicht poetischer gemacht hätte.
n.
Bergmann bezog (Landeskunde von Vorarlberg p. 102) die
in diesem Gedichte erzahlte Liebeswerbung auf Hugo*s erste Ge-
mahlin. Das lag allerdings nahe, wird aber von ihrem Zusanmien'
hange mit den übrigen Lebensverhältnissen des Dichters negiert (p.
12 ff.); wozu noch kommt, dass zwischen dem Tode von Marga-
retha*s erstem Gemahle und ihrer zweiten Ehe nicht so viel Zeit lag,
dass Hugo ja/r und tag herumreiten konnte, sich Ritterschaft zu
erwerben und die Welt zu sehen. Das und die ganze Haltung des
Gedichtes führt von selbst auf jene Ausfahrt, die er nach 5, 136
im 14. Lebensjahre unternommen hat. Ulrich v. Liohtenstein erkor
sich schon im zwölften Jahre seine Frau, der er dienen wollte
(Uhland, Sehr. V, 211); Hadlaub diente seiner Erwählten, ^t daz
wir beide wären kint ; ähnlich spricht Neifen : diu mich hdt von
Jcinde her gebunden 18, 27, und Mamer: ich bin der si meinet
mit triuwen sit von mtnen hintlkhen jdren IV, 34.
4. B lässt das hsl. weib^ also die bairische Form des Schrei-
bers, ebenso 3, 65 sei; 25, 34 ewenkleich; 26, 28 weib; 28, 140;
35, 38; 36, 7 sein; 38, 179 dein; ferner ain 5, 226; echaiden
8, 12; rain 18, 45; ain 28, 300, 601; warhait 28, 491; üppi-
kmt 29, 176; gemain 32, 159. Da auch B sonst die ei (=^ f)
und ai (= ei) tilgt, und in den angeführten Fällen nicht der ge-
ringste Grund für ein Ausnahmsverfahren vorläge, müssen sie wohl
als Versehen angesehen werden. — B umbevie (vgl 1 10), vielleicht
— 181 —
hat er so gelesen; denn es ist in der Hs. oft nicht deutlich, ob sie
getrennt oder zusammengeschrieben hat Ich merke solche Differen-
zen fernerhin nicht mehr an.
11. Besser als min sunnen acMn als Apposition za fassen,
wird es vielleicht sein, das vorausgehende Gomma zu streichen und
nem ich herabzubeziehen.
14. Hs. tett, B tet, so ändert er meist, aber in Nr. 25 bleibt
tett ich 64, 113, 114, 123, 171, 175, was auf die Vermutung
bringen könnte, dass er vor Vocalanfang des nächsten Wortes tett
bewahrt habe; allein auch das kann nicht sein, denn 24, 39
schreibt er wieder gegen die Hs. tet er^ 24, 55 tet es; 38, 50
tet ims etc., ja 25, 171, 175 lässt er tett ich, das er gleich dahinter
25, 177 zu tet ich corrigiert.
16 fehlt eineSenkg., es kann weidenliche{n) oder wnefo geschrie-
ben werden, letzteres schien das einfachere, ersteres gäbe eine bessere
Betonung. Staufb. 550 die echoene frouwe er vor im acbch kluoc
unde weidenUche.
17. Dass pflegen mit dem Particip statt Infinitiv stehe, hat
auch B angemerkt.
22. W sagt p. 134: ,es ergibt sich daraus, dass er (Hugo) da-
mals auf Sewenherg wohnte •. Aber die Hs, hat deutlich ehnenberg,
das allegorisch zu nehmen ist wie bei Hadlaub „Beuental^ im Zu-
sammenhange mit ,Seu€zenheim* und , Sorgenrein', bei dem von
Gliers» Trübenhausen*, im jung. Titurel , Freudental und Reuental*;
vgl. ühland, ges. Sehr. V, 252 und 278, der auch auf unsern
Hugo verwies. — beJmsen ist am ehesten st. Part (s. Abh. IV,
p. 178): ,auf Sehnenberg häuslich festgesetzt'; auch ein was
ich könnte vielleicht wie öfter erg. werden; vgl. 29, 52 und Su-
chenw. 29, 78 da pin ich wirt und wol behaust.
25. mid fehlt in der Hs. und bei B, ist aber ohne Schwierigkeit
(vgl. 2, 83; 18, 112, 113), bessert Zusammenhang und Vers.
28. wen ist in den Var. zu streichen und wenn in den Text
zu setzen. B corrigiert überall wen ; aber alle drei Schreiber über-
liefern wenn, vgl. 18, 48, 185; 38, 8, dazu den beweisenden Reim
wennen: erkennen Mart 45, 22, AG. S 204 und Abh. IV, 171.
32. todea sterben, dasselbe auch 29, 64, femer im Reinfrid
5161, 15154, 20219; vgl. über diese Redensart zu Ortnit C
195, 4.
35. lieber Schnee und Eis als Bild der Vergänglichkeit vgl.
— 192 —
ei beigebracht werden. Bartsch hat auf eine verlorene alem. Hs. K
mit Hügo*s Gedicht Nr. 25 hingewiesen, aus welcher Banga im
Anzeiger von Aufsess (s. Anm. zu 14, 43) 25, 1 — 3 und 25,
202 abgedruckt hat. Da stehen nun alle Wörter, in welchen
unsere Hs ai überliefert mit ei: also Hs. ains^ K eins; Hs. cUhj K
ein; Hs. gebain^ K gebein. — Wollte man nun auch Sachsenheim,
der in Sprache und Metrik dem Mhd. noch näher steht als Braut,
zum Vergleiche herbeiziehen, so würde der Schluss dem Kummers
so ziemlich entgegengesetzt lauten müssen: also nicht so, dass bei
Hugo die ai stehen zu lassen, sondern eher, dass sie auch bei
Sachsenheim den Schreibern zu überantworten sind, wie das ^u
in untrw Moer. 1683, die ei in weib Jes. 8, leippUch 33 etc. von
Martin ebenso hätten gestrichen werden künnen wie die bei Hugo
(ich komme darauf besonders zurück); ja der Spiegel und das
Sleigertüchl. sind tatsächlich auch ohne ai (die Ausnahmen sind
verschwindend gering) überliefert.
B hat sein Verfahren nicht begründet: seine Neigung gegen
das Mhd. hin zu uniformieren, hat ihn hier richtig, in andern
Fragen freilich dafür wieder irregeführt. — Bei dieser Untersuchung
fiel noch eine Beobachtung ab, welche angemerkt zu werden ver-
dient: in den alem. Montf. Urk. erschien von den neuen Diphthongen
au zuerst und am häufigsten, was mit der Entwicklung, welche
dieselben im Oester. durchgemacht, stimmt, indem auch hier au zu-
erst auftrat (Zarncke, Braut 274^).
Ich begleite Kummers weitere Auseinandersetzungen in den
wichtigsten Fragen. Er trägt (p. 320) ein paar Reime nach, das hätte
wohl noch öfters geschehen können. Die ie in ierr etc. gehören nur
dem Schreiber B, das angezogene Beispiel trifft nicht, denn ie in
friede ist andern Ursprungs. — In gamahü inü 19, 5 soll iu : ü
reimen? — u steht nicht nur für iu^ sondern ebenso auch für
ü\ dieser Strich ist in Hss. wie in Urk. ein geläufiges Zeichen für den
Umlaut überhaupt, wie auch ü == iu und ü steht — Das an-
dere in diesem Absatz erledigt sich durch den Nachweis der
Schreiber A und B von selbst: K's. Beispiele für u = uOy ue^ il
gehören alle den Gedichten an, welche A geschrieben hat. Ueber
e = aey auchjn Urkunden, s. Abh. IV, 153. Der fehlende Um-
laut in furbaa eta gehört nur dem Schreiber A, die th ausser den
Eigennamen dem Sehr. B. Ueber tz s. Anm. zu 1, 8.- — Tm weitem
stellt K (p. 323f.) einige lautliche Erscheinungen zusammen, um da-
— 193 —
mit zn beweisen, dass der Schreiber unserer Hs. eine alem. Vorlage
hatte, was sehr gelungen ist, obgleich mehrere der aufgezählten For-
men ebenso gut bair. wie alem. sein können, bei andern sich kleinere
Versehen eingeschlichen haben : ein ui z. B. (in muy^ tuy) kennt Hugo
nicht; seyen 31, 195 etc. wäre eine spec. bair. Form. Missglückt
ist die gesonderte Betrachtung über das „irrationale i' (s. Abh.
IV, 189) : in allen angeführten Fällen sind weder die im e zm ver-
wandeln noch ganz zu tilgen; sie stehen eben meist in fersen der
Titurelstrophen. — Die t in glukt etc. gehören nur dem Schreiber
B (s. Abh. IV, 162). — Die Grundsätze, welche Kummer für die
Textbehandlung aufstellt, stimmen im allgemeinen mit den meinen
(UI, 138 ff.) überein, doch ist sein letzter Satz zu eng; denn 2,4z. B.
muss weih in wih corrigiert werden, trotzdem dadurch weder ein
Reim gebessert noch ein Rhythmus hergestellt wird: alle spec.
bair. Formen sind zu tilgen.
Auch über Metrik hat K gehandelt. Die von Weinhold
gesammelten „wahren Monstra' von Versen stehen meist nicht
in der gewöhnlichen vierzeiligen , sondern in der Titurelstrophe
(vgl. Abh. V, 249—252); 28, 592 ist nicht richtig eingeteilt.
Hier wie an andern Punkten sind Hugo's Verse doch bedeutend
besser, als man meinte, man darf nur nicht vom Dichter etwas
verlangen, was nicht in seiner Absicht lag. Bei Ansichten, wie
dass Hugo »bald die Silben mit grosser Willkür in der Tonver-
setzung nur zählt, in der Mehrzahl der Verse aber, unbekümmert
um die Zahl der Füsse« mit Wahrung des natürlichen Accentes . . .
dem Reimworte zueilt ' darf ich wohl auf meine zusammenhängende
Darstellung von Hugo*s und seiner Zeitgenossen Metrik in Abh. V
verweisen. — Ein Vers wie 4, 77 (K p. 329) ist ganz tadellos,
ebenso ist 4, 53 nicht das zuhet d^n elemSnten nach, sondern
das zuht den ^lem^nten nach zu lesen; man braucht sich nur
zu erinnern, dass der Themavocal e in der III Pers. meist ausfällt;
auch B, der in der Metrik überhaupt K gegenüber öfter im Vor-
teil ist als bei der Textrecension, hat die richtige Gorrectur. Und
so haben auch die andern der p. 329 angeführten Verse bei rich-
tiger Behandlung nichts besonderes; nur jener falschlich verstan-
dene Satz von der ^gleichen Silbenzahl der Reimzeilen*' hat auch
K in die Irre geführt, so dass er der Tonversetzung eine Aus-
dehnung gestattet, die sie ohne Zweifel nicht besitzt; auch in seinem
Herrand tritt das hervor. D|tbei mag auf ihn Jänicke*s Meinung
WackemeUy Montfort. 13
— 194 —
(Zs. f. d. A. 16,402; 17, 508) von Einflass gewesen sein; allein
dass dieser in diesem Pankte zu weit gegangen ist, hat sobon
Kinzel (Zs. f. d. Phil. 12, 251) richtig erkannt and wird sich aus
meinen Untersuchungen in Abh. Y, 236 ff. ergeben. Ich hatte mich
im Anfange meiner Arbeit gleichfalls auf Jänicke*s Standpunkt
gestellt, fand aber dann Gründe, ihn zu verlassen, wie Jänicke,
wenn er seine Untersuchungen hätte weiter führen können, gewiss
auch selbst getan haben würde. Kummer gegenüber steht Martin,
welcher bei Sachsenheim der mhd. Auffassung zu weiten Spielraum
lässt, indem er z. B. aus den vierhebigen Versen mit kurzer Pae-
nultima ohne weiteres auf die Fortdauer des mhd. Verschleifungs-
verhältnisses schliesst (Abh. V, 198, 201).
Auch bei den zweisilbigen Senkungen muss ich ein paar Rand-
bemerkungen machen. K tadelt (p. 330) an ß, dass er in seinem Texte
zweisilbige Senkungen (denn nur als solche können die fraglichen
Stellen angesehen werden) stehen gelassen habe; aber gewiss mit
Unrecht: wenn da zu tadeln, so ist es nur deswegen, weil B in seinen
Synkopen ungleichmässig verfahren und oft weit über die in der Hs.
gezogenen Grenzen hinausgegangen ist, oder wo finden sich denn
in derselben Kürzungen wie zungn^ aorgn^ wlhn^ prieatr, altr etc. ?
Martin hat es bei Sachsenheim nicht gewagt, muotr zu schrei-
ben, und Zarncke bei Braut gezweifelt, ob „ man die Form priestr
wagen dürfe*; und doch gehen diese beiden Dichter in der Syn-
kope viel weiter als Hugo. Wer sich ferner den Einfluss der
Phonetik auf Hugo*s Schreibweise gegenwärtig hält, weiss, dass
er statt wibn wohl eher wibm geschrieben hätte, was es nur um
so unwahrscheinlicher macht, dass die Schreiber durchweg wi~
ben dafür gesetzt haben sollten. Weinhold gieng in der Be-
wahrung der zweisilbigen Senkungen von uns allen vier am wei-
testen ; er lässt z. B. 1, 26 auch entsprözzen in m/nem, während
die Lesung /n mim in der Hs. oft belegt ist, und ich würde mich
unbedenklich auf seine Seite schlagen, wenn ich zwischen beiden
Extremen, zwischen seinem und Kummers Verfahren wählen
müsste.
Aber auch mit den starken und über das in der Hs. gebo-
tene Mass hinausgehenden Synkopen vermag K nicht auszukommen
und findet einen glücklichen Ausweg durch die Annahme von , der
grossen Ausdehnung, welche die Silbenverschleifung zu Montforts
Zeit erreicht hat". In diesem Punkte tangieren sich unsere An-
— 195 —
sichten, welche im Detail der Ausführung freilich wieder aus-
einanderlaufen, üeber die Verschleifung auf der Hebung vgl. Abh.
V, 226 : ihre unechte Ausbreitung fände die Begründung in der Aus-
dehnung der nhd. Längung; dass aber solche Verse, welche hieher
geh()ren könnten, schon bei früheren Dichtern, die sonst die Län-
gung noch nicht zeigen, begegnen, spricht ausser dem (V, 228)
angeführten noch direct dagegen. Unter den von K angeführten
Beispielen finden sich dann auch solche wie wds er der; w^rdent
betrogen. Wenn werdent auf der Hebung verschleift werden könnte,
warum dann nicht auch wihen^ alter u. dgl.; wozu dann andrerseits
wieder die Synkopen wihn^ altr^ Und wie soll denn was er auf
der Hebung verschleift werden ? Und wenn die beiden Silben wa8
er in der Hebung nicht »das Grundgesetz der mhd. Metrik von
der Einsilbigkeit der Hebung" verletzen, wie muss denn dann ein
Vers aussehen, der das tut? — Unter den Verschleifungen auf
der Senkung sind auch etliche Verse der Titurelstrophen, die sich
ohne Verschleifungen und Synkopen erklären Hessen.
Ueber das Fehlen der Senkung vgl. Abh. V, 213 ff.; über mehr-
silbigen Auftact ibid. 205 ff.; über die Anordnung der Gedichte
im Cod. Pal, welche K für chronologisch hält, Abh. UI, 132 — 138.
Kummers Schluss: «da Hugo im 31. Gedichte, das 1401 ge-
schrieben ist, einen Abschnitt seiner dichterischen Tätigkeit macht
und auf die bisherigen 30 Gedichte einen Rückblick wirft, der
völlig mit dem Bestände der uns erhaltenen stimmt, so dürfen wir
die Anordnung der Gedichte als eine chronologische ansehen*
vermag nicht zu überzeugen ; denn wenn in der Copie die Ordnung
des Originals geändert wurde, mussten deswegen auch Producte
verloren gehen, so dass der Bestand derselben in beiden Hs. nicht
mehr stimmen kann? Aus der Erwähnung des Schisma's ist für
die genauere Datierung von Nr. 5 kaum etwas zu gewinnen ; warum
soll denn gerade an die Wahl Benedicts gedacht werdep? üeber
Wenzels Seilung seit 1392 vgl. III, .132 ff. Die eine Hauptfrage
aber, ob unsere Hs. Orig. sei, hat K wieder sehr glücklich gegen-
über B verneint. Kummers wertvolle Vorschläge zur Textkritik
und Beiträge zu einem erklärenden Commentar behandle ich bei
den einzelnen Stellen.
Aus Rummers kleinerer Recension in Beghagels Literatur-
blatt I, 283 ist die Ansicht hervorzuheben, dass Nr. 2 in unserer Hs.
nicht vollständig sei; ,denn die Y. 96 angefangene, durch eine
— 196 —
Digression (129 — 144) nnterbrocheoe Schilderung wird nicht weiter
fortgesetzt, während in der Hs. ohne Zwischenraum noch auf der-
selben Spalte 3^ das dritte Gedicht beginnt*.
17 20. Ich bestreite die ürsprünglichkeit dieser Strophe,
denn sie nimmt sich aus wie eine Ironie auf das vorausgehende
und nachfolgende und unterbricht den Zusammenhang: Vers 21
schliesst sich so eng an 16, dass zwischen beiden Doppelpunkt gesetzt
werden könnte ; ferner haben alle umliegenden Strophen des Gedichtes
die Form der directen Anrede, diese nicht; endlich passt ihr In-
halt nicht nur nicht zu Nr. 3, sondern zu gar keinem Jugendproducte
Hugo'«: solche trübe Reflexionen kennzeichnen die spätem Ge-
dichte (s. Abh. I, 46 f.), 27, 105 z. B. kehrt der Inhalt dieser
Strophe wieder. Woher aber diese Einschaltung komme, darüber gibt
es nur Vermutungen ; sie ohne weiteres dem Schreiber in die Schuhe
zu schieben, geht nicht an, weil ihm anderwärts ähnliches nicht '
nachzuweisen ist; viel lieber denke ich an eine Randglosse, welche
später in das Orig. gebracht und vom Schreiber mit den echten
Strophen herüber genommen wurde; selbst Hugo könnte sie in
einer Anwandlung jener trüben Stimmung seiner altern Tage, wo
ihn sein jugendliches Treiben und Singen nur zu oft verdross,
hinzugedichtet haben, um damit den Inhalt zu paralysieren. —
Ueber die häufige Dars.tellung dieses Gegensatzes vgl. Uhland,
Sehr. V, 162 und 163.
21 — 24. B g scheiden^ aber dUo als zweisilbiger Auftact ist
nicht anstössig (Abh. V, 206), ebenso beseitigt B 47 durch hliben
den zweis Auft; vgl. aber 52 und 65. Dass getruwen : büwen
zu schreiben ist, habe ich schon zu 2, 81 bemerkt.
24. B lässt die Ueberlieferung; die bietet aber einen Vers mit
zweisilbigem Auftact, zweimal versetzter Betonung nnd sechs He-
bungen! K wollte (p. 330) st^tikeit versoUeifen. — Lachmann
wagte bei Lichtenstein 387, 27 Mhn gegen die Hs., was auch in
diesem Verse den Rhythmus bessern würde. — Eine ähnliche
Stelle bietet das Sleigertüchlein (Altsw.) 248, 32 da blibst un-
versert^ das soltu mir getruwen^ solt man höh dum hiiwwi uff
ein ged/ruwes wib.
25 — 32. Die Schönheit der Brust verlockte zu mancherlei Ver-
gleichen, s. Weinhold, deutsche Frauen p. 143, dazu Reinfr. 2266
A^eh und kleine brüste reht als ein ap/el sinewel; Titnrel 1247
— 197 —
die ep/el ungefelscht uf pluendem rise . . , ir brtiatel nach wünsch
gedret; Heinr. v. Neust. Apoll 13362 rehte in der selben wtse
als ep/el ouz dem paradise wären ir die pruste \ Suchenw. 25, 184
zway prustel als zwai pirnl gesmuhet an ir hertzel izart;
Oswald 37, 2, 3 beisse brüstlein synbel als die piern; 52, 2, 3
wie sy vor truog zb^n synbell knöpff spitzltch gedrdt etc.: bei
ihm folgt dem Vergleiche freilich wieder eine jener obscönen Ge-
meinheiten, an denen dieser verbauerte Ritter besonders reich ist;
vgl. dagegen die Zartheit Flecks (Sommer zu Flore 6904). — B
lässt hier das hsl. äphelli^ dann wären aber auch 5, 178 mänger^
1, 39 tugentbär etc. zu bewahren gewesen, doch ist ä nur eine
Spielweise, und zwar die seltenste neben 2, ^, a und meist e = e
und ae, vgl. Abh. IV, 153.
29. B gedron : schön : zwischen der wirklichen Schreibung
von 0 = d und den Reimen 6 : d ist noch ein unterschied, diese
bedeuten mehr die Mittelstellung dfes <i, vgl. Abh. IV, 152 und
dazu auch Rückert, Gesch. der nhd. Schriftspr. 152 f Wenn man
diesen vereinzelten Fall nicht nach den übrigen behandelt und o
wirklich schreibt, entfallt auch der Grund, in der Zeile die won
zu wan zu corrigieren, wie z. B. Martin bei Sachsenh, die o =* d
und a in der Zeile stehen lässt-
33 — 36. Die beiden ersten Verse sind fraglich; denn dass
kan : hdt hier wenig glaublich ist, hat schon B angemerkt, aber ich
weiss auch nichts besseres dafür; dass aber V. 34 als ich (s. 18,
25; 24, 57; 31, 111) zu ergän»zen ist, was B nicht getan hat,
scheint mir nicht nur der Sinn, sondern auch das Versmass zu
beweisen : den mit einander reimenden Versen gibt Hugo gleichviel
Hebungen (ausgenommen sind selbstverständlich T I und T ^0» das
beweisen hunderte von Strophen, so dass die wenigen Ausnahmen
entweder als Fehler der Schreiber oder, wenn keine Correctur zu
finden ist, des Dichters anzusehen sind (vgl die Anm. zu 2, 131).
48 ist fünfhebig mit fehlender Senkung; vielleicht könnte wie-
der die (zu 3, IC) ergänzt werden wie 69 ein nu o. dgl.: »wo durch
kleine passende Einschaltungen, die dem Dichter selbst einfallen
mussten, wie durch nu, durch dd die Senkung sich herstellen lässt, da
ist es ratsam, den Vers zu glätten • (Haupt zu Engelh. 366) ; und
dass das selbst in einem so oorrecten Originaltexte wie in Brants
Narrenschiff ab und zu notwendig ist, hat Zamoke (ibid. p. 291)
gezeigt.
— 198 —
53 — 56. B got : apot, aber gerade hier kann man an der
Richtigkeit der Ueberlieferung kaum zweifeln, da das zweite Reim-
wort echte Gemination hat. — ze an das Wort, welches mit s
anlautet, zu inclinieren, trug ich Bedenken, da selber ze auch ein
leichter Fall von zweisilbiger Senkung sein kann; B folgte gleich-
falls der Hs.
61 — 64. Vintler 8704 du soll versperren ze aller atunt
dein gehaim in deines herzen grünt — 64 B dina^ aber es ist
die fünfheb. Titurelzeile gemeint, umgekehrt setzte der Schreiber
70 deines für dins.
67. beliebst ist Druckversehen für belibst
70—72. Titurel 1021 swaz du ie spreche^ daz gie von
hertzen gründe ; Lichtenst. 595, 1 si tuot mich frö in hertzen
grünt
77. B behandelt in einer Anm. die Apokope des Gen.-«; eins
steten muot : huot 5, 357 hat er übersehen, gemach 28, 164 kann
Adv. sein; dass man «das s überall in sein grammatisches Recht
einsetzen dürfe*, ist nicht mehr zu glauben, weil ich Abh. IV, 185
nachgewiesen habe, dass die flexionslosen Formen auch bei andern
Dichtern und in Urkunden, wo kein Reim zur Apokope veranlassen
konnte, vorhanden sind.
81—84 ist T". 83 formelhaft, vgl. auch 18, 47; Hätzl.
42, 7 mein hertz in fräden wüte nach irer werden gute; 62, 1
als mein gemüt hatt sämlich wüt nach deiner gut; 97, 33 nctch
deinem* lieb ich wütte; Heinr. von Würtb. 14, 5 nach diner guet
ich teglich wuet; Ambr. LB. 23, 3 mein hertz das wüt na^h
deiner gut. üeber wüeten von heftiger Liebe vgl. noch Erich
Schmidt zu Reinmar p. 88.
guete hat seineu Umfang vergrössert, indem es auch die Stelle
von hulde vertritt, das bei Hugo ausser 2, 33 ganz verschwunden ist,
vgl. auch 1, 48; 8, 5; 37, 29 etc.
87. B mit der Hs. d^n aU^Sj das aber nicht zu glauben, wo
die Besserung äne alls oder als^ das oft belegt ist, so nahe liegt.
IV.
1 — 3. Das alte quidquid agasy respice ßnem. Limb. Ghron.
(ed. Vogel) p. 104 dann wo das end böss ist^ da ist der Ur^
Sprung nicht zu loben^ als der Meister spricht in den Schulen:
principium lauda cujus sequitur bona causa, das ist: lob'iÜBa
— 199 -«
Anbegirm, das ist mein Mathj Wann die Sache ein gut Ende
hat; Boner waz der mensche würken wll^ sieht er üf des endes
zil^ so mag im hüm missegdrty ez sin vrouwen oder man 26, 29.
7. K las Vy^ aber B, die Berliner und meine Abschrift haben
yy; dem Sinne entspricht vi besser. — gitikeit ist hier nicht
= avaHüay sondern hat, wie der Zusammenhang ergibt, allgemei-
nere Bedeutung, entsprechend der Anschauung der Mystiker : wizzit
ir^ waz gitikeit ist? daz heizet ma/n hoese gtükeit^ daz m^n iht
des hegert^ daz got niht enist Myst. II, 450, 8; L. I, 1024.
8. Für mort stiften hat Jänicke zu Wolfd. D VII, 39, 4
Belege gesammelt, die Lex. im^ II Bde verwertet hat ; vgl. dazu noch
Marnec hat gestiftet mangen mort XV, 324 und Strauch zu XV,
162; Boner diu valsche zunge stiftet mort 3, 55. — mein stiften
ist bei Lex. noch unbelegt, es begegnet aber öfters durch die
Alliteration mit mort verbunden : Sachsenh. min frow kan stiften
main tmd mort Moer. 2316; so stifft er alzeit main imd mord
Jes. 96; auffallend ist die üebereinstimmung von Vers 7 und 8
bei Hugo mit Suchenw. 32, 1 ach geitichait (in engerer Bedeu-
tung), du valscher hört, du stiftest main^ du stiftest mort^ was
wohl auf directen Einfluss, den Hugo empfangen hat, hinweist. —
25, 156 gebraucht Hugo die Verbindung frid und suon stifften,
9. wrtikel (auch 31, 70) hat Lex. I, 98 nur aus.Kolm. und
im Nachtrag aus dem spätem Loh. und Mall, belegt.
10. stikel stm., ein steiler Weg (auf dem d. Seele zu Falle
kommt); in ähnlicher Weise nennt Hugo 38, 124 den zwifel einen
bösen weg,
11 mit sneller il; vgl. Martin zur Moer. 3450; Suchenw.
14, 240; 22, 205; Ambr. LB. durch iren pfeil in schneller eil
HO, 29.
14. jamersmertze (auch 26, 43; 33, 87) swm. Trauer-
schmerz; mit demselben Bestimmungsworte ist 27, 148 jamertal
stn. (Tal des Jammers, als Vergleich für die Erde) gebildet.
18. Ist wer sich Mt herabzubeziehen , wie es die Satzcon-
struction verlangt, so gibt das einen Gebrauch von erblinden (=
blind machen, verblenden), der sonst nicht nachgewiesen ist ; aber
wir werden auch später noch ein paar Fällen begegnen, in denen
Hugo intr. Verba trans. verwendet ; bei verblinden belegt auch Lex.
den trans. neben dem intr. Gebrauch.
22. B bichtCy vgl. die Anm. zu 15, 27.
— 200 —
24. Dass pirt als Pass. von bern bemerkenswert ist, hat schon
B. in einer Anm. hervorgehoben.
25 — 36. ämptenip ist ohne Zweifel üebergangslaut von la-
bialem zu dentalem Verschluss (Abh. IV, 159); wie aber der Labialis
hier entstanden ist, kann ich nicht erklären, die Bildung ist andern,
z.B. dem kunt==kumt=kumpt gerade entgegengesetzt. Man könnte
daran denken, dass sie nur der Reim veranlasst, wenn nicht Lex.
Hmpte auch aus andern Quellen belegte. — Derartige Bilder und Ver-
gleiche für die ünergründlichkeit und ünerfasslichkeit Oottes sind
häufig, vgl. W. Grimm, gold. Schmiede, Einl. p. 47 ; Bezzenberger
zu Freidank 13, 23; Wilmanns zu Walther 92, 1; Strauch zu Mar-
ner I, 20, 21; O.Zingerle zu Sonnenb. 4,63—70; Bartsch zu 25.—
Zu 25—31 vgl. auch Freid. 104, 12 (aus Hs. H) waere der
Mmel permU und dd zuo daz ertrich wU und alle stemm pfaffen^
die got hat geschafen^ ei künden niht geeckriben etc.
26. B gerimpieriy während er sich sonst in ähnlichen Fällen
starke Kürzungen erlaubt: gbot^ gbrochen 13, 21 etc.
36. B dWn, oorrigiert also die Verse auf drei Hebungen, doch
ist kein Grund dazu vorhanden (vgl. Abh. V, 195 ff); Vers 15
ist 35 ganz analog, und die fehlende Senkung könnte auch durch
ein gar^ das Hugo oft dazu verwendet (z. B. Vers 48; 26, 55,
65 ; 28, 142) und das hier dem Sinne ganz angemessen wäre, be-
seitigt werden.
39. B oorrigiert hier und durchweg die hsl. üt^ n^ nütz za
it, nit, nite, nur 5, 328 ist ihm nüts entschlüpft; sie gehören aber
alle ohne Zweifel dem Dichter an, denn sie sind im Alem. doroh
das ganze Gebiet so häufig, dass es ganz sonderbar wäre, wenn
sie Hugo nicht gebraucht hätte, vgl. Mart 25, 92 ; Myst I, 265 ;
Bon. 76, 19; 73, 59; 76, 38; Griesh. D 47; Chron. 8, 140;
Mag. Kr. 34^• Schreib. I, 79; Sachsenh. M. 4231 ; Sp. 160, 31;
Lassb. LS. 30, 112; Laufb.711, 8; 714, 15; 776, 11, 15; Brant
19, 51; 64, 6; im Netz 327, 1284, 1514; auch bei Tschudi, in
den Urkunden (s. Bergmann, Arch. I, FV, 78) sind sie zahl-
reich. Dass sie im Reime nur selten erscheinen, versteht sich
von selbst; doch auch hiernie^ : Hut LS. 7, 23; nüt:Mut Lanfb,
LB. l^ 1184, 23; nützikriutz Moer. 4231; Üutinüt Brant
19, 41. Von unsern Schreibern aber hat sie nur A bewahrt, so
dass es sich neuerdings zeigt, um wie viel die von ihm überlie-
ferten Pormen wertvoller sind als die von B und 0; dadaroh iBt
— 201 —
aber anoh erklärt, wie Bartsch, der A nicht kannte, dazu kommen
konnte, sie zu tilgen.
43. Lies dds.
45. Kummer will (p. 331) du streichen; allein es steht zwei-
silbiger Auftact im Anrufe (nach Abh. V, 207) ; ich glaube daher
auch nicht, dass in Flore 2630 das überlieferte herre » als Auftact
zu schwer* gewesen wäre, wie Sommer a. a. 0, meinte. — lieber
den Sinn der Stelle hat schon B gezweifelt; vielleicht findet er
sich, wenn man waz betont (was auch der Rhythmus verlangt)
und den Vers als Frage fasst, welche den Gegensatz als Antwort
erwarten lässt: wdz hast d, z. d. m. — Antwort; nichts; ich da-
gegen aber habe von dir Seele etc.
46. B vemunst und so oft gegen die Hs , 8, 1 sogar ktmst
(: verminst)^ während 5, 77 kun/t richtig bleibt; vgl. Abh. IV,
164. Auch K tritt för die überlieferten Formen ein und weist auf
den anal. Gebrauch bei andern Dichtem hin (p. 333). Z. St. vgl.
Oswald 115, 3, 9 ^ (got) Mi dir (o tummer mensch) geben
leib und leben, sSl, vemufft
49. B minj das man als Versehen betrachten würde, wenn
nicht min in den Varianten stünde; diese Synk. ist leicht und oft
(s. IV, 188, Sommer zu Flore 42) z. B. 20, 21, wo sie auch B lässt.
62. B corrigiert guottet, vgl. aber Abh. IV, 161: Apokope des t
vor Dentalis begegnet beim Schreiber A und B, dazu im Netz 11789
guotuot = guot tuet u. ö.
70. Vgl. dazu Herrand 1, 255 wi der mmen tdty die min
lip begangen hdt (wo K auf diese St. Hugo*s verweist) ; dann Frei-
dank 13, 16 frouwe, hilf vertrtben min manicvalte miseetdfj die
min Itp begangen hdt.
71. B lässt dn : wollte man den Vers dreihebig lesen, hätte
man rüwet dn wie zühet den in Vers 53 behandeln müssen ; allein
dazu zwingt nichts, alsdann ist dne zu schreiben, das in der Hs.
noch öfters überliefert und auch von B (5, 127 etc.) zur Beseitigung
der fehlenden Senkung verwendet wird.
72 muss nicht mit versetzter Betonung gelesen werden ; zSh^n
geht freilich kaum (vgl. Abh. V, 240) , aber wd ich und zehen ist
erlaubt (V, 21 B); denn ob das einsilbige Wort mit Vocal oder Con-
sonant schliesst, macht keinen Unterschied, wie die a. a. 0. auf-
gezählten Beispiele beweisen, wozu ich noch eines aus Ottokar
1264 anführe n{e zdl er fünd.
— 202 —
77. B heilgen^ aber dazu ist keine Veranlassung (s. Abb. V,
220); ebenso tilgt er 4, 157; 5, 206; 38, V6 die Verscbleifdng
auf der Senkung, während 5, 277 mächtigen; 14, 36 guetiger'y
25, 165 adligen; 29, 145 wäUgen; 33, 174 allmächtiger stehen
bleiben. Wenn er auch 2, 40; 10, 33; 11, 27 corrigiert, so wird
ihn dabei der folgende stumpfe Versschluss beeinflusst haben (s. Abh.
V, 242). Auch Kummer nimmt (p. 331) eiligen 2, 40 als Ver-
schleifung, muss also gleichfalls tiberzeugt gewesen sein, dass Hugo
die letzte Senkung nicht mehr beachtet hat als die übrigen.
80. B corrigiert hier und 5, 76 ; 8, 1 1 ; 22, 35 etc. wm, doch
vgl. dagegen die Abh. IV, 165 gelieferten Nachweise von nwrk.
86. K wünscht (p. 331 und noch einmal p. 335) ähem^ aber
nur wegen ,der Silbenzahl des Reimverses ^. lieber dehein, dhein
und fceen, nekein vgl. Paul, Beitr. VI, 559.
88. B erbermde und Hiatus, vgl. 5, 180, 346.
90. Dass unter gschrift die heilige Schrift und zwar wahr-
scheinlich in lateinischer Sprache zu verstehen sei, habe ich Abh.
I, 11, Anm. 1 ausgeführt. In dieser Meinung werde ich nach-
träglich noch bestärkt durch Karajan (Denkschr. VI, 104), welcher
zu Suchenw. 19, 64 die Anm. macht: «Schrift bedeutet hier die
Bibel und zwar offenbar die lateinische Vulgata*.
91. B sinemj vgl. 1, 26.
92. B zwelf und so oft e für ^, welche beim Schreiber A und
B (s. Abh. IV, 155), in den alem. Urkunden und bei alem. Dichtem
zu finden sind, von den letzteren hat sie noch Brant (Zarocke p.
268); K hat daher Recht, wenn er sie bewahrt wissen will.
95. Zu wer vgl. Abh. IV, 176, Anm.; dazu noch Koberstein,
quaest. Suchenw. IH, 18. Auch Laufb. hat 713, 3 du verlürU und
Zamcke (Brant 285^) belegt aus Sleigert. du hezwengt SachBenh.
hat Moer. du wert 4676, 4690; du geht 539, trunckt 1655,
giengt 2099 (u. a. s. Martin zu Moer. ö39). K hat daher Recht»
wenn er das hsl. wert festhält: es zeigt sich nur wieder, wie viel
wertvoller die Formen bei A als die bei B und G sind. Zamcke
fasst diese Endung -f als Analogiebildung nach den Praeteritopraes.
und als Vorläufer des ^et Demnach würden sich vier Bildungs-
stufen vom mhd. zum nhd. Praet. U Pers. ergeben : waere^ waert^
waeret^ warst
100. B mt«o^;> aber abgesehen davon, dass sich eine solche
Jir'üZüDg aus der Ueberlieferung nicht belegen lässt (s. Abh; V, 225 ;
- 2m -
Anm. zu 3, 13, p. 194), findet sibh auch nicht die geringste Andeutung,
dass Hugo bei Synkopen darauf geachtet hätte, ob das folgende
Wort mit einem Vocal odier Conson. beginne, wie das wohl bei fein-
hörigen mhd. Dichtern der Fall war. So corrigiert B auöh 4, 9
boar art^kel; 5, 223 fi^rstn ir; 18, 170 altr uf; 18, 243 Ämdr
ir; 29, 13 sorgn (Inf.) und; 29, 89 w^st ein (aus werist^ Conj.)
etc. — ^' Dagegen bleiben nach der üeberlieferung stehen zwifel ist
6, 3; furaten ir 5, 229; farsten und 28, 165; hirzen ein 3, 4;
alten und 24, 123; stehen (Inf.) und 15, 116; wSrist (Conj.)
uf 28, 232; Uchten (Inf.) und ^8, 245 etc. Dass ich die letztere
Verfahrungsweise für die richtigere halte, braucht keine weitere Aus-
einandersetzung mehr; ich lasse fernerhin diesen Punkt ausser Acht.
102. Lies 8ol.
106. B globen; aber dann müsste man annehmen, dass der
bair. Schreiber ou für o geschrieben hätte, und das geht nicht an :
hätte er die Vorlage geändert, so würde er hier, wie gleich in der
nächsten Zeile und sonst meist, au gesetzt liaben. Dieses ou zu
bewahren, wird um so wichtiger, weil es der einzige Repräsen-
tant für diesen Diphthong ist, den Hugo sicher öfters verwendet
hat (vgl. Abh. IV, 157). In ähnlicher Weise irrte Bartsch, wenn
er 34, 37 das alem. raut in i'at cörrigierte, wogfegen schon Kummer
Einsprache erhoben hat.
105 — 107. Freid. 134, 18 ich Idz mich niht berouben mines
rehten glouben; mich enkcm auch niem^n ' bringen von guoten
gedingen,
110-112. Freid. 123, 16 achoeniu wort enhelfent nihf^
da der werke niht geschiht; Spr. Str. 27, 1 vil lützel helfent
schoeniu worty'sS wir der werke niht entuon (BeiÄzenb. z. St.);
Walther (W. 89, 133) swelch kristen kristentuomea gtht a/n
warten , und an werken niht , der ist iOol ^hdlp ' ein hdden :
daz eine ist dn daz ander tSt^ und dazu Wilmatins' Nächweise
zu 132; ferner Ring 107, 2 hiet er joch ^ewurket vil "guoter
werch ze allem zil , so ist dir auch der gelaub emuicht ün die
werch. Der Glaube und die Werke nach demselben werden gleich-
massig betont; s. noch Freid. 35, 22 guoter ghube und ¥einiu
werc diu swendent der Sünden berc. — 112 kann zem geschrieben
werden.
114. B bleibt bei der Hs.; aber also ich ist nicht anstössig
(s. Abh. V, 219 f.) tmd fein Verb. fin. im zweisilbigen Auftäcte jeden-
— 204 —
falls zweifelhafter (V, 207) als die Betonung des Pronomens. Ueber
od vgl. die Anm. za 4, 135.
123 — 127. Tit. (Zarncke) 507, 1 alle propMcien^ swaz der
ie wart gesprochen von der maget Marien vor ma/nic hun-
dert jdren unde wochen^ daz mueat dd allez werden offenhasre
hmtltch der weit ze sehene, — 123 liest auch die Grazer und
Berliner Copie prophetien, B prophechn; bekanntlich ist c und t
oft nicht zu unterscheiden.
128 S, Zu dieser Schilderung des jüngsten Gerichtes vgl. Freid.
179, 16—180, 7 und Bezzenbergers Nachweise z. St.
131. B nimer^ ebenso 17, 25. Ueber ü = i und ie s. Abh. IV,
156; die a = er aber schiebe auch ich wie B den Schreibern zu,
denn sie sind im Bair. besonders beliebt, s. Birlinger, Augs-
burg. Wb. p. 369.
135. B lässt oderisoW das in der Senkung verschleift werden?
sonst corrigiert er in solchen Fällen odr z. B. 5, 219, 229. Mei-
stens, wo oder in der Senkg. zu stehen kommt, hat auch die Hs,
eine einsilbige Form und zwar ald (sehr oft) oder od 34, 44; ich
glaube daher, dass man nicht das Recht hat, sich noch eine dritte
einsilbige Form odr zu machen, welche in der Hs. nicht belegt
ist. Wenn ich od wählte, geschah es nur, weil es dem od' graphisch
ähnlicher ist als ald. Auch Sommer hat in Flore od verwendet
(vgl. seine Anm. zu 24); aber ebenso gut, wenn night noch besser
wäre es, das alem. ald zu substituieren, das Schönbach auch bei
Boner empfiehlt, s. Zs. f. d. Phil. 6, 263.
137. B gots, ebenso machta 139; abents 8, 1; nichts 5, 36
und so durchweg s für hsl. z nach ^ nur 29, 146 ist ihm nen--
netz entkommen. Bartsch hat sich wohl durch die AG. boatim-
men lassen, diese z zu streichen, denn da sind (p. 154) die, welche
flexivischem s entsprechen, nur sehr schwach und die, welche von in-
cliniertem si (de) kommen, gar nicht belegt. Ich habe daher schon
Abh. IV, 163 Nachweise gesammelt und ergänze sie noch durch
Mag. Krone fürtz (= fiirte sie) 89^ ebenso guckotz 83^ maintz
83^ ISrü Sia, schepfentz 37^ (s. Zing. 507); Laufb. gotz 758, 7;
hrohtmtz (= sie inclin) 751», 6; Moer. Echhartz (Gen.) 3873,
5092; Lassb. LS. 29, 168 gerichtz; Netz 175, 306 gotz. — Nur
wo es (ez) an das t des vorausgehenden Wortes iucliniert ist,
lässt B die zihätz 5, 121, soltz 18, 158 etc.; allein Hugo schreibt
durchweg schon es und «, wenn er es an einen andern Conson. in-
— 205 —
diniert: inhags 5, 98, wirn etc., auch in diesen Fällen kommt das
z also nur vom vorausgehenden t.
143. B las mV, das wird das richtige sein.
149. B einsy daher musste er auch die Reime klingend machen,
wodurch dann noch iedes zum zweisilbigen Auftaot würde; viel
einfacher schien es mir doch, die Synkope zu beseitigen, zumal die
Verse 33, 134, 136 wiederkehren, wo sie gleichfalls und auch bei
B stumpf reimen.
149 — 152: jeder Mensch trägt die Merkzeichen seiner Sünden
an sich, so dass alle dieselben erkennen; vgl. Altvater (Zing. Findl.
Sitz. Ber. 64, 161) und du geat von dem grdb^ so gent mit
dir gaenzleich herab alle dein sunde^, auf daz si ein urchunde
deiner vertumnisae weaen gar gewisse,
157. geseliget == saelec gemacht, beglückt ; Titurel 6142 zuo
seiden wirt ez geseliget,
166. Lies himeUch.
168. ie als stn. hat Lex. nur aus j. Tit. und Hugo (s. auch 33,
7»^), iemer als stn. gar nicht belegt, letzteres begegnet auch bei
Hadamar 263 (s. Stejskals Anm. z. St.) ; damit bildet Hugo noch
das Compos. iemer-wesen stn. 33, 73.
175. B ze dery was nicht notwendig ist (Abh. V, 206); 25,
57 lässt auch B zuo gerechten-
176. Der Plur. bei Collect, ist häufig. — hellevar (= wie die
Hölle aussehend, also nach der gewöhnlichen Vorstellung schwarz)
ist bei Lex. nur aus Helbl. belegt.
177. 178. K wollte (p. 330) jd'mer und^ demnach die Verse
dreihebig lesen, aber unde bessert die Stelle und ist erlaubt, s. die
Anm. zu 12, 12.
ISO. K schlägt (p. 324) vor, müend zu schreiben, allein das
ist eine bei Hugo ganz unbelegte und überhaupt seltene Form :
wer den Vers dreihebig liest und Einsilbigkeit der Senkung her-
stellen will, kann ohne Anstand muessents schreiben, da diese En-
clisis oft belegt ist (Abh. V, 192, auch Netz: des muosaents 100^1);
wer ihn vierhebig liest, muss fehlende Senkg. oder versetzte Beton,
annehmen. Das erstere wird vorzuziehen sein.
182. B ändert du zu die; ebenso 5, 18, 256; 18, 53; 28,
469 und durchweg (Abh. IV, 153). Auf den Reim Me : die 26,
17 kann man sich dabei nicht stützen, denn dieser zeugt nur gegen
Weinhold, der — gerade entgegengesetzt von Bartsch — diu auch
— 206 —
für da« hsl. die (Fem^) einoorrigierte. Hätten die bair. Schreiber nach
dieser Richtung hin geändert, würden sie eher den geschrieben haben.
£s sind also keine Gründe vorhanden, von der Ueberlieferung abzu-
weichen, wohl aber solche, sie zu bewahren : 1) die du sind beim
Schreiber A und B belegt, 2) ebenso oft in den alem* UrkandeD,
z.B. in der von Lindau 1375 (Arch.I, UI, 112) du ainfrowAgnes^
und du cmder frow Anne; von Baden 1363 du huob (p. 93)» du
lange wis (ibid.); von Bregenz 1379 (Sitz. Ber. 9, 846) du selb ,
statte 3) auch noch bei spätem alem* Dichtern: Moer. du hüngin
4865, du mnn 4884, dM kenn 5201, du weit 5272 etc.
183, 184. dehent kann nachgestelltes Part, sein, auch als
Acc. c. Inf. mit weggefallenem daz last sich der Vers nehmen. Zur
St. vgl. Mart. 65, 21 vnd schrigent danne wuefinde zuo den
bergew ruefinde^ duz siu uf aiu Valien,
196. iemev'we ist als zusammengesetztes Subst. zu betrachten
und bei Lex. I, 1415 nachzutragen; es begegnet auch in einer
ähnlichen Stelle der Mart. 60, 101 da (in der Hölle) Jiant a>ch
tmd iemer we ein ander da zesteter e,
V.
I, 2. Netz 2238 es ist kam so haiUger man^ er müa ain
soUich an/echtung han. — B wen^ vgl. zu 2, 28. Die Synkope
zu beseitigen ist nicht notwendig, da ein dass-Satz folgt.
5. ende als stm. hat schon AG* S 274 angemerkt. Solcher
Geschlechtswechsel begegnet bei Hugo öfter: Ion gebraucht ar 25,
202, 198; 28, 635 als stn.; 25, 146 als stm.; drowe, drS stf. 18,
231 als stm.; mensch stm. 12, \S; stn. 4, 150; 24, 116; 28, 382.
8. B corrigiert versniden und so durchweg; dagegen sprach
schon Kummer p. 322.
II. iöchterlin, toehter = Mädchen, auch 30; U, 43; 16,
69; 17, 30; 18, 30; 28, 88; 29, 63, s. Weinhold p. 163.
18. Es wird besser sein, Hiatus einzucorrigieren als du red
zu betonen, jedenfalls braucht man denselben bei Hugo nicht zu
scheuen, um eine fehlende Senkung zu beseitigen, vgl. 180; 12,
12; 15, 32 etc.
19. Ueber die Vergleiche des Haares mit der Seide s. Jänicke
zu Wolfd. D VIII, 323, 3.
21. ist muss herabbezogen werden. — tinne citiert Lex. aus
Hugo; vgl. dazu Sommer zu friere 1843.
— 207 —
22. Bei geschikhet belegt Lexer (T, 901) nur die Gonstr. mit
in und zuo. — Aehnlich wie hier Haga sagt Suchenw. 25, 1 89 ir
chynne geformet nach der minne; LS. 24, 70 er kirnie waz wol
gestellet zu der minne.
25. element(e) als swm. bezweifelt Lex. I, 538, bei Hago ist es
sicher (vgl. 12, 3; 30, 25), ebenso bei Vintler 744, 749 (s. Lex.
Naohtr.); auch Oswald (Weber p. 315) gebraucht es masc. 29, 1,
10 regiert der edel element,
28. B darin, aber 36; 25, 2 etc. darinn, — verblikhen ist
bei Lex. nicht belegt und wird sich zu erblichen verhalten, wie etwa
verbleichen zu erbleichen.
29. K wollte gleicht betonen, aber B las richtiger mit fehlen-
der Senkung und ohne versetzte Betonung, nur ist es nicht not-
wendig, gsichi zu schreiben, ebenso wenig wie 50 bliben (s. Abh.
V, 220).
32. B füre : stiir !
35 — 38. Heinr. v. Veld. Aen. 146, 24 ir var^jife lieht unde
güt^ rehte als milich unde blüt wol gemischet r6t unde wtz;
Konrad, Troj. Kr. 3024 reht ahe ein milch und alse ein bluot
wol under ein geßozzen was; Heinr. von Neust. Apoll. 1626 er
wengltn rSsenvar rdt in wiz gemischet gwr^ 15230 reht als der
milch unde pluot schöne under einander tuot ; vgl. noch Uhland,
Sehr. V, 129 und die Belege bei Lex. J, 2136.
39 Es wird besser sein, diesen Vers mit dem folgenden zu
verbinden und den Strichpunkt in die obere Zeile zu versetzen.
4 1 . B fliJikt : gedrükt ; doch war vlucken allgemein gebräuch-
lich genug, um nicht gegen die Hs. ändern zu müssen, auch das
Netz gebraucht es (11232) in der unumgelauteten Form, ebenso
Suchenw. 25, 194 ir mündel feuere ßamen flukt (igedrukt).
43. K wollte (p. 328) in diesem Verse einen Beweis erblicken,
dass drei- und vierhebige Zeilen auf einander reimen, oder dass
44 mit zweisilbigem Auftact zu lesen ist. Allein der Vers ist
tadellos, vgl. Abh. V, 217, Punkt 1; daher ist es auch nicht tun-
lich mit B unde zu corrigieren, vgl. Abh. V, 219. ^
45. Dieselbe Zeile bei Suchenw. 25, 188 ir helsel runt, ir
nekel blank,
46. wunsch-gedank = Wunsches gedcmCy ist unbelegt.
51. Nach der abschweifenden Beschreibung einer seiner Ge-
liebten aus der Vergangenheit knüpft er wieder an 6^15 an; so
— 198 —
53 — 56. B got : apot, aber gerade hier kann man an der
Richtigkeit der Ueberlieferung kaum zweifeln, da das zweite Reim-
wort echte Gemination hat. — ze an das Wort, welches mit s
anlautet, zu inclinieren, trug ich Bedenken, da selber ze auch ein
leichter Fall von zweisilbiger Senkung sein kann; B folgte gleich-
falls der Hs.
61 — 64. Vintler 8704 du aolt versperren ze aller atunt
dein gehaim in deines herzen grünt — 64 B dina^ aber es ist
die fünfheb. Titurelzeile gemeint, umgekehrt setzte der Schreiber
70 deines für dins,
67. beliebst ist Druckversehen für belibst
70—72. Titurel 1021 swaz du ie spreche ^ daz gie von
hertzen gründe ; Lichtenst. 595, 1 si tuot mich fro in hertzen
grünt
77. B behandelt in einer Anm. die Apokope des Gen.-«; eins
steten muot : huot 5, 357 hat er übersehen, gemach 28, 164 kann
Adv. sein; dass man ^das s überall in sein grammatisches Recht
einsetzen dürfe*, ist nicht mehr zu glauben, weil ich Abh. IV, 185
nachgewiesen habe, dass die flexionslosen Formen auch bei andern
Dichtern und in Urkunden, wo kein Reim zur Apokope veranlassen
konnte, vorhanden sind.
81—84 ist TH. 83 formelhaft, vgl. auch 18, 47; Hätzl.
42, 7 mein hertz in fräden wüte nach irer werden gute; 62, I
als mein gemüt hatt sämlich wüt nach deiner gut; 97, 33 na>ch
deiner lieb ich wütte; Heinr. von Würtb. 14, 5 nach diner guet
ich teglich wuet; Ambr. LB. 23, 3 m^in hertz das wüt nach
deiner gut üeber wüeten von heftiger Liebe vgl. noch Erich
Schmidt zu Reinmar p. 88.
guete hat seinen Umfang vergrössert, indem es auch die Stelle
von hulde vertritt, das bei Hugo ausser 2, 33 ganz verschwunden ist,
vgl. auch 1, 48; 8, 5; 37, 29 etc.
87. B mit der Hs. d'n aü^Sj das aber nicht zu glauben, wo
die Besserung äne alls oder als^ das oft belegt ist, so nahe liegt.
IV.
1 — 3. Das alte quidquid agas^ respice finem. Limb. Ghron.
(ed. Vogel) p. 104 dann wo das end böss ist, da ist der Ur^
Sprung nicht zu loben, als der Meister spricht in den Schulen:
principium lauda cujus sequitur bona causa, das ist: lob dläs
~ 209 —
sich Zwiesprache: zu meinem hertzen ich da sprach: ntm raU^
wie ich tuo. es riett^ das ich hinzuo solt gan und reyten.
85. Die Hs. grüszt^ lässt also zwischen gruoazt und grueazt
zweifeln; B nahm das erstere und das wird auch das bessere sein.
86. gndd^ herr entspricht unserm »Verzeihung, Herr." Die
Anrede liebt Suchenw., vgl. 29, 18; 23, 105 etc. — ^ar eenftek--
lieh gehört zu sprach,
93. merteil (auch 369; 29, 38) ist bei Lex. I, 2118 nur
aus Wh. V. Oest. und erst im Nachtrag noch aus ein paar andern
Quellen belegt.
94. B dest und dazu die Anm. : „ es stand die Wahl zwischen
deat und daat; letzteres steht in der Hs. 25, 84; ersteres hat sein
entsprechendes in est 15, 1; 17, 51^. Ich glaube nicht, dass die
Wahl stand; denn nur dost ist belegt, dest nicht, und zwischen
dsis ist und es ist ist ein Unterschied. Anders hätte es sich ver-
halten, wenn weder dast noch dest belegt gewesen wäre; auch
Laufb. gebraucht 793, 3 dast. — Ferner gelt zur Bezeichnung
von etwas geringfügigem, wertlosem; vgl. auch Mart. 60, 75
niht einer Bemer gulte; Netz 8897 sie hettend im nit ain JBer-
ner gela/n.
95. Das Längezeichen über o in körnen gehört wohl nur A;
sonst würde es in sehr bezeichnenderweise die eingetretene Län-
gung der Stammsilbe andeuten (s. Abh. V, 194).
101. B hsitvint^ Hs. vindet: SynL ist notwendig; dann wird
vindt näher liegen als vint (Abh. lY, 174); 22, 26 corrigiert
auch B in einem ganz analogen Falle leidt
102. kraft der natur = Kraft dieser Natur, dieser Art (wie
sie Parcival 96 und 97 angedeutet hat).
104. BcristcmpluotSj vgl. Abh. IV, 161. — B setzt nirgends die
üblichen Anführungszeichen, was das Lesen sehr erschwert; denn
es ist oft nicht leicht, die Punkte zu finden, wo sich Bede und
Gegenrede von einander abheben. K hat daher hier, in Nr. 29,
Nr. 31 etc. die Einteilung nachgetragen, die mit der meinen über-
einstimmt; nur vermutet er, dass 5, 105 ich sprach ausgefallen
sei, worin ich ihm nicht beistimmen kann : in Nr. 29 z. B. wech-
seln die Beden auch ohne ein ich (si) sprach; wollte man femer
hier noch ich sprach ergänzen, hätten wir viersilb. (!) oder, wenn
man broben schriebe, dreisilb. Auft, dagegen s. Abh. V, 212.
107 — 109. Oswald 102, 8 wie das dn swer geboren wer
Wackernell, Montfort. V^
— 200 —
24. Dass pirt als Pass. von bern bemerkenswert ist, hat schon
B. in einer Anm. hervorgehoben.
25 — 36. ämptenip ist ohne Zweifel üebergangslaut von la-
bialem zu dentalem Verschluss (Abh.IV, 159); wie aber der Labialis
hier entstanden ist, kann ich nicht erklären, die Bildung ist andern,
z.B. dem kunt=kumt=kumpt gerade entgegengesetzt. Man könnte
daran denken, dass sie nur der Reim veranlasst, wenn nicht Lex.
ümpte auch aus andern Quellen belegte. — Derartige Bilder und Ver-
gleiche für die ünergründlichkeit und ünerfasslichkeit Oottes sind
häufig, vgl. W. Grimm, gold. Schmiede, Einl. p. 47 ; Bezzenberger
zu Freidank 13, 23; Wilmanns zu Walther 92, 1; Strauch zu Mar-
ner I, 20, 21 ; 0. Zingerle zu Sonnenb. 4, 63—70; Bartsch zu 25. —
Zu 25—31 vgl. auch Freid. 104, 12 (aus Hs. H) waere der
himel permit und dd zuo daz ertrich wtt und alle stemen pfaffen^
die got hat geschafen^ ei künden niht geechriben etc.
26. B gerimpten^ während er sich sonst in ähnlichen Fällen
starke Kürzungen erlaubt: gbot^ gbrochen 13, 21 etc.
36. B drin^ corrigiert also die Verse auf drei Hebungen, doch
ist kein Grund dazu vorhanden (vgl. Abh. V, 195 ff); Vers 15
ist 35 ganz analog, und die fehlende Senkung könnte auch durch
ein gar^ das Hugo oft dazu verwendet (z. B. Vers 48; 26, 55,
65 ; 28, 142) und das hier dem Sinne ganz angemessen wäre, be-
seitigt werden.
39. B corrigiert hier und durchweg die hsl. üt^ nüt^ nütz zu
i7, niU nits, nur 5, 328 ist ihm nute entschlüpft; sie gehören aber
alle ohne Zweifel dem Dichter an, denn sie sind im Alem. durch
das ganze Gebiet so häufig, dass es ganz sonderbar wäre, wenn
sie Hugo nicht gebraucht hätte, vgl. Mart. 25, 92; Myst I, 265
Bon. 76, 19; 73, 59; 76, 38; Griesh. D 47; Chron. 8, 140
Mag. Kr. 34^; Schreib. I, 79; Sachsenh. M. 4231 ; Sp. 160, 31
Lassb. LS. 30, 112; Laufb.711, 8; 714, 15; 776, 11, 15; Brant
19, 51; 64, 6; im Netz 327, 1284, 1514; auch bei Tschudi, in
den Urkunden (s. Bergmann, Aroh. I, IV, 78) sind sie zahl-
reich. Dass sie im Reime nur selten erscheinen, versteht sich
von selbst; doch auch hiernie^ : Hut LS. 7, 23; nüt:hiut Laufb.
LB. 1^ 1184, 23; nützikriutz Moer. 4231; Hut : nüt Brant
19, 41. Von unsern Schreibern aber hat sie nur A bewahrt, so
dass es sich neuerdings zeigt, um wie viel die von ihm überlie-
ferten Pormen wertvoller sind als die von B und 0; dadurch iBt
— 211 —
ürkanden begegnen, vgl. z. B. Arch. I, ITI, Nr. 34 (p. 89) tfdr
hatten, — Dass hett 19» 29 im Reime erscheint, kann dagegen
nichts beweisen, vgl. auch MG. p. 370 and Kammer p. 333.
E las (p. 333) tag nun^ ich tag min^ ebenso die Berliner
Abschrift nnd wohl anch B, sonst hätte er ntm in die Varianten
gesetzt. Beides gibt einen gaten Sinn.
140 ist die nähere Begründang von ghh. Hago meint: die
zeitlichen Uebel kommen von den Sünden; wir freilich wissen das
oft nicht, weil wir nicht alles za erkennen vermögen. 140 masste
in jedem Falle eine Silbe gestrichen werden; ich schrieb als^ weil
dadaroh der vom Dichter beabsichtigte Gregensatz, den dieser Vers
mit 144 bildet, dentlich hervortritt. — Setzt man 144 ist ein,
das gerade in der Zeile darüber steht, gewinnt die Betonung.
145, 146. Freidank 2, 6 gote ist fdht verborgen vor^ er eiht
durch aller herzen tor.
152. Bti/a«, wohl verlesen? — K will mt^y = mm, ebenso 9, 33
tuy = tui lesen; aber y steht für j (s. Anm. za 1, 25), wie auch
K 24, 107 tay richtig in tuej auflöst (p. 324) ; was ihn bei den
beiden ersten Wörtern verleitete, war das Fehlen des Umlautes,
und das ist, wie wir aus. Abh. III, 117 wissen, nur eine Mgen-
tümlichkeit des Schreibers A. m für üe ist bei Hugo überhaupt
unbelegt.
156. Lies Jean. Das es dieser Zeile ist auch zu 155 hinaufzu-
beziehen: es sei seit langem oder seit kurzem vergessen.
157. ein angesicM = ein Anschauen, Anblick, Augenblick.
168. rät hohen (auch rät tuon) = Abhilfe schaffen, Verzicht
leisten; gewöhnlich mit einem Gren., s. Bezzenb. zu Freid. 89, 23.
171. B dorU ebenso 15, 38, später bewahrt er dort 27, 127;
28, 520 etc. (vgl. Abh. IV, 155).
177 ist wohl 80 zu streichen?
180. Zwischen rüefen and ruofen ist oft nicht zu unterscheid
den, s. Lex. II, 526. — B ruoff.
184 Ganz ähnlich deutet der Dichter des Netz die Ordnung
seiner Rede an : nun fach mir wa den hoecheten an und laue es
an den nidrosten usgan. Vom höhern zum niedem war der ge*
wohnliche Ghing, vgl. Heinzel, Heinr. v. Melk p. 46.
. 185. Der Schreibfehler der Hs. in geb ist evident. Schilderun-
gen der verdorbenen Zeitverhältnisse , wie sie Hugo im folgenden
bietet, waren damals sehr beliebt; vgl. Teichner (Karajan) VI, 162 ;
14»
— 212 —
Suchenw. Nr. 21, 36; 37, 77 ff.; Jörg Schilher, Hätzl. 28, 120 ff.;
Musoatbluot, Hätzl. 132, 10 ff., bei Grote Nr. 56, 63, 73, 74, 75
(s. Weinh. Mitt. 145) ; Sachsenh. Moer. 4143 ff. (s. Uhland, Sehr,
n, 228) u. a. Der Vergleich derselben ergibt, dass Hugo nicht
der beste Darsteller, wohl aber einer der besten Beobachter and
vor allem einer der freimütigsten ist.
194. betrochen von betrechen^ bitrehhan sty. bedecken.
195. B corrigiert pebate ; das wäre möglich, ist aber gleichwohl
nicht richtig, wie sich aus Hugo*s Sprachgebrauche ergibt; denn wo
er in diesem Worte synkopiert, schreibt er auch p für den tönenden
Labialis, also bepst 5, 189; 29, 150; bapat 5, 214 etc. Nun
zeigt hier die Hs. pebat^ der Schreiber hat also e ausgeworfen wie
öfter, b aber stehen lassen, und es muss pebest corrigiert werden,
ebenso 5, 205, 217 pabeaU wo B pahat lässt, so dass dem Verse
auch eine Senkung fehlt. (217 ist in meinen Varianten pahat zu
schreiben).
198. dunreinen^ vgl. zu 2, 70; B streicht und.
201. lieber gitiheit vgl. zu 4, 7; hier hat es die engere Be-
deutung wie^ git 208. Der Zusammenhang mit dem vorausgehen-
den wird klar, wenn man weiss, wie sich damals die Gardinäle,
besonders die römischen, von den Italienern bestechen Hessen. Hugo
zeigt sich also über jene Wahlumtriebe gut unterrichtet.
207. Dieser Vers kehrt im Netz 1632 wörtlich wieder.
210. B corrigiert nie zu me. Auch Weinh. bewahrt (Mitt.
p. 146, Anm. 1) das hsl. me.
211. Unter den hoptprelaten sind die Cardinale im Wahl-
collegium gemeint; das Wort ist bei Lex. unbelegt.
221. gerechtikeit ist zu lassen, wie ich schon Abh. V, 221
angemerkt habe, ebenso kann 223, 239 und in anal. Fällen hünig
bleiben, wenn es die Hs. bietet (V, 196). — B hat grechtigheit^
wodurch einer der Unterschiede der beiden jungem unechten Grediclite
von denen Hugo*s verwischt wird. Durch den Zusammenstoss des
h von heit mit dem c des Adjectivsuff. ec^ ic entstand cJ^f^
keit; letzteres gebraucht Hugo ausschliesslich. In jüngerer Zeit
nahm man dann keit als eigenes Sufßx und begann die Zusam-
mensetzung von neuem, so dass g (von ig^ ic) wieder hervortrat
(s. Grimm, Gr. I^ 431; MG. p. 244). Diese Neubildung ist in
Hugo's Gedichten noch nirgends, in Nr. 39 und 40 aber oft
vorhanden: barmhertzigkeit 39, 63, 123; 40, 11; innigkeit 40,
— 213 -
160 etc. Also zugleich wieder ein Beleg für das geringere Alter
dieser Gedichte.
224. B weren (:herren\ ebenso 250 u. ö., s. Abh. IV, 171.
werren ist auch bei andern früheren und späteren Dichtern häufig
genug,
229 = ihr Churfftrsten, ihr möget (jetzt) tod oder noch am
Leben sein. — B setzt gegen den Beim dks d an: lebend (: be-
geben); vgl. Abh. rV, 161 und 176. Aber selbst, wenn der
Schreiber den Reim verunreinigt hätte, dürfte man d apokopieren ;
denn „die Apokope des d^ t ist im Alem. häufiger als im Bair.*
Zupitza, DHB. V, p. 33.
231 — 240. walten ist Praet. von wein. Wenzel wurde am
10. Juni 1376 zum römischen König gewählt. Er war in der
Tat noch ein Knabe , noch nicht 15 Jahre alt Das Urteil der
heutigen Geschichtsforschung lautet nicht anders als das Hugo*s:
gerade damals wäre dem Trone ein gestanden man^ der trefflichste,
den man finden konnte, mehr als je von Nöten gewesen. Die Wahl
Wenzels aber war um so anstössiger, da sein Vater Karl IV in der
goldenen Bulle die Königswahl reformiert und bestimmt hatte, dass
sie geschehen soll aus freier Entscheidung und nach dem Tode
des Königs. Derselbe Karl nun war der erste, der aus schmäh-
lichem Nepotismus das eigene G-esetz brach, indem er kein Mittel
scheute, die deutsche Königskrone und damit den neu erworbe-
nen grossartigen Länderbesitz seinem Hause sicher zu stellen und
noch bei seiner Lebzeit die Wahl seines Sohnes durchzusetzen.
Charakteristisch sind die Worte, mit denen ihn der Erzbischof
von Trier zuerst abwies: „wie wollt ihr eure Ehre und euren Eid
bewahren? Ihr habt geschworen den besten^Mann in
deutschen Landen zu wählen, und dies ist ein Kind,
an dem nicht Weisheit und Tüchtigkeit ist* (Weber,
WG. Vin Bd., 139). Diese Worte haben eine frappante Aehn-
lichkeit mit dem Ausspruche Hugo*s, so dass man annehmen möchte,
er habe sie gekannt und sich direct darauf bezogen, wodurch der
Tadel gegen die Churfürsten, welche sich später durch Bestechungen
von ihrer ursprünglichen Haltung abbringen Hessen, nur um so
herber würde.
243 liest K kai/stüm; aber das ist ein Lesefehler, der leicht
und häufig passiert, so dass Weizsäcker in den deutsch. Reichs-
tagsaoten (p. 68) darauf noch besonders aufmerksam gemacht hat;
— 214 —
der Schnörkel nach dem langen / ist die Abbreviatur fär er. K
macht den Vorschlag keistuom zu lesen, was dem Verse anfhelfen
würde; aber das Wort ist weder bei Hogo noch anderswo
belegt and daher nicht za wagen. Wollte man dem ersten Worte in
244 Hebung und Senkung zuteilen und den Vers vierbebig lesen
(V, 195, 207, 213), so könnte man schreiben: Sr umhz k^taer^
tuom w4rhen (mit zweisilbigem Auftact), was erträglich und besser
wäre als vmhz keis^tuom; sonst aber wird man bei der Aiir
nähme eines missglückten Verses stehen bleiben.
249 lässt B etäicJh^ das 298 u. ö. zu eüich corrigiert wird.
253. B Therm ohne Variante; die Hs. aber hat Krn^ was
nur Tierren heissen kann, welches auch den bessern Vers gibt (mit
zweisilbigem Auftact) als d^ Tterm; ähnlich schreibt B 136 tner-
zeTin ohne Variante, wo die Hs. wieder die gewöhnli(die Fomi
viertzeTien hat. Ich bemerke das nur, damit man nicht auf die Mei-
nung komme, solche Synkopen würden durch die Ueberliefenuig
gestützt; im übrigen oorrigiere ich Bartsch^ Vm:. niemals, obwohl
mancherlei Versehen mituntergelaufen sind, nur in diesem Gedichte
Nr. 5 z« B. wären ausserdem noch nachzutragen: anvang 57, all
192, Jcunig 239, Ee 245 — von nicTitz 36, owcA 330 etc. (die
auch B sonst angibt) abgesehen.
254. claffe stf. hat Lex. aus Hugo belegt
256. Lies geecTiicTht
260. B das ohne Variante. jeT^en mit dem Gen. ist ganz ge-
wöhnlich.
261. Die Apokope des j in ener begegnet nur hier beim
Schreiber A, öfters aber im Netz, vgl. 3545, 8519, 12709.
264. Ich habe bei der Herstellung des Textes hier und 25, 3
gezweifelt, ob Hugo nicht lieber zweisilbigen Auftact als die Be-
tonung der Vorsilbe ge^ zuliess, die viel seltener vorkommt als
jener (gerade unten 328 steht sin gerzcht) ; es wird aber vorsich-
tiger sein, mit B bei der Ueberlieferung zu bleiben. Ein analoger
Fall ist b^renkt 6, 28.
265. B glich, und fehlende Senkung; ich corrigierte nach 1, 60^
wo das Wort in derselben Fügung (gUcTiea dla einj wiederkehrt
266. Zwei Dinge sind in diesem bekannten Oxymoron auf-
fallend: zunächst die nhd. Constr. mit in und dann der Accus. —
Lex. belegt es II, 183 und I, 309 nur mit mit dm\ Er. Sohoiidti
Beinmar (QF. IV) auch mit <m den. — B lässt en, corrigiert
— 215 —
aber gaehenden^ ebenso 32, 94, wo die Stelle wiederkehrt. Weiss
man nun, dass diese beiden Gedichte von verschiedenen Händen
geschrieben sind, so ergibt sich daraus schon die ganze Unwahr-
scheinlichkeit dieser Correotar; denn ein Schreiber konnte gar wohl
an einer Form seiner Vorlage Anstoss nehmen und sie mehrere-
mal ändern, dass aber zwei verschiedene Schreiber an demselben
Worte die gleiche ungewöhnlichere Form setzten, ist eine unplau-
sible Annahme, die um so unglaublicher wird, wenn ich diese Phrase
auch in andern Quellen und zwar in der Hugo zunächst stehenden,
im Netz, nachweise : 236 1 und machend die lüt in gesehendi ogen
hlind^ 2423 ai blendend aina in gesecJmi ougen^ vgl. noch 3626.
Auch in Lassb. LS. 10, 14 steht daz dick in geaechandi ougen
Wirt geblendet^ während Hadamar 445 noch in der alten Weise
sagt du last dich mit gesehenden ougen blenden (Lex. II, 183). —
Der Accus, quant. hat seine Analogie in „ faul (bis) ins Mark (hin-
ein)*. Mit dem Dat. steht die Phrase 11, 38. Hier hat es sich
wieder gezeigt, dass die gegenseitige Gontrole der Schreiber A und
B in nichtbairischen Formen ziemliche Sicherheit gewährt
267. B und^ der sonst auch unde verwertet, um eine fehlende
Senkung zu beseitigen, vgl. die Anm. zu 12, 12.
268. B unrecht, s. Abh. V, 206 und Anm. zu 290.
269. 270. Simonie und Habsucht wurden seit jeher zu den
Hauptgebrechen der Geistlichkeit gerechnet, vgl. darüber Heinzel,
Heinr. v. Melk p. 28 und 33. — 270 1. nit,
271. Für fürkoufen als stn. (= Vorwegkaufen) hat Lex. nur
3 Belege, üeber das Wort vgl. Zarnoke zu Brant 93, Tit.
275. Netz 7456 in ähnlichem Zusammenhange : ie hoeher ge~
walty ie grosser pin muossend weltlich und gcmilich ain,
281. beschidikeit (= astutia) hat Lex. I, 207 nur aus Brant
und im Nachtr. 67 aus Elis. belegt. Ueber die Bildung des Wortes
vgl. Zarncke, Brant p. 315, 316.
290. B streicht das und dem, incliniert ze und corrigiert
rechte; aber dem rechten ist bei Hugo die geläufige Ausdrucks-
weise, vgl 4, 155; 18, 78; 25, 81; 28, 173; 31, 46, 69 etc.
Es geht mit einer leichten Gorrectur (zem) oder, wenn man auch
den dreisilbigen Auftact beseitigen will, mit zwei, indem man noch
dera schreibt (Abh. V, 207).
299. Dem Verse fehlen zwei Silben; B setzt unä^ ein, und
— 216 —
das ist besser als meine Correotur. — weienj wejen = wiehern hat
Lex. ans Hugo belegt.
300. Auch B schreibt weien:mei€n; aber es ist wejen :mejen
anzusetzen, wie ich später erkannte Abh. III, 115 wnrde Dämlich
der verschiedene Gebrauch des y in ai beim Schreiber A und B nach-
gewiesen: ay findet sich bei A, bei B aber ai. Nun hat das Wort
maye (und wenn es im Reime steht das damit gebundene) sowohl
bei A als bei B durchweg ay: y kann somit nicht = f, sondern
nur == j (resp. g) sein, wofür beide im Inn- und Auslaut y schrei-
ben, meje, meige (j und g wechseln MGr. § 202 f.) ist in alem.
Quellen genug belegt (s. Lex.), auch im Netz (5724) ; femer sind
die andern beiden Reime, mit denen maye gebunden wird, dieser
Form günstig: 19, 30 reimt es axiiweyen (== waejen\ 15, 166 auf
rayen (= reie, rye^ reige),
305 wird vmd zu streichen sein.
308. B 86 bschicht mdmg,
311. lotterheit = lotters wie 305, liederliches, unanständiges
Betragen.
315 ff. Suchenw. 21, 81 auch fruef ich dikchy daz riiters
nam phligf symoney und wuchers sam; 6, 97 ez stet gemain
der furaten muot so gentzichleich nach Schatzes guot
319. ma/nges ist zweisilbiger Auftact wie tusent^ pHester (s. Abh.
V, 207). B lässt ler : er^ dann fallt der zweisilb. Auft. weg, mnss
aber 320 ddrzuo des gelesen werden, was vielleicht vorzuziehen ist.
321. B burger ^ die Hs. deutlich bürger; man würde dieser
nhd. Form mehr misstrauen können, wenn sie beim Schreiber B
stünde, so aber ist hier der älteste Beleg zu erblicken für den
Umlaut, der noch im 16. Jhd. häufig fehlt (Grimm, Wb. 11, 537).
330. wuocherguot stn. (= durch Wucher erworbenes Gut)
hat Lex. III, 1002 nur aus Helbl. belegt.
340. B db bricht, aber 9, 33 corrigiert auch er dbesprimg^
10, 9 dbe Id'n etc. Die Stelle erinnert ganz an Teichner (Karajan
147) aber dd einr dem andern daz stn abbricht A 60^ ; ähnlich
wie 339, 340 sagt auch das Netz 1141 der wil denn liegen %md
triegen und den lüten daz ir abkriegen; vgl. 9749 die den lüten
das brot vor dem mund abbrechen,
341. B gwar; vgl. die zweisilbigen Auftacte in Abh. V, 206.
Dass sich Hugo beim zweisilbigen Auftact in den Reden mehr g&«
stattet als in seinen Jugendliedern, ist leicht zu erklären.
- 217 —
343. wordajo aus mord-a-jd belegt Lex. aus Hugo, vgl dazu
mortjo 201 ; dann Hätzl. II, 30, 80 darumb ich mordaio schrey;
Oswald 73, 3, 7 des mordayo; Diocl. 2721 er schrey mordajo;
Ambr. LB. 131, 7 die keUerin achrey mordio.
348. sii'phelrü hat Lex. aus Hugo mit Weinholds Erklärung:
«Reue, die erst an den letzten Zipfel sich anhängt"; dagegen er-
klärt es Bartsch als «Reue auf dem Totenbett, wenn der ster-
bende mit den Fingern an der Bettdecke zupft **, was mir trefflicher
scheint und für Hugo*s Beobachtungsgabe zeigt.
349 — 354. Aehnlich schliesst Sachsenh. Moer. 4353 seinen
Tadel der Priester mit es ist noch mamg prieater guot; das Netz
5405 doch ist ettlicher vnder in, dem nütz hoeaz Tema in ain\
ibid. 1761 kehrt Hugo's Vers 349 wörtlich wieder: doch vlnt
man noch mengen biderman (: getan); vgl. auch 9592 in der
Hs. B. — 352 beseitigt B die fehlende Senkung durch m-, so
auch 4, 39.
361, 362 ist wohl Nachahmung von Suchenwirts ach w^Ji/r-
ff eh spil, du achnödea ampt^ welUch edela hertz aich dein nit
schambt (in der Hätzl. H, 43, 1), wodurch es sich dann um so
leichter erklärt, wie Hugo hier aclhamen in aussergewöhnlicher Weise
transitiv gebraucht: um den Reim auf ampt nicht zu verlieren.
364 ff. leben in geistiger Hinsicht; ähnlich das Netz 5297
nun aind ai (die Priester) der criatenhait ze hilf geben^ das ai
erwerbind ewig leben. Zu 367 — 369 vgl. auch Teichner diu werlt
ist in aolher aünd, daz niemen zhimel kumen hUnd^ aolt der
pfafe niht enweaen (Karajan 159).
368. B würde ohne Variante : hier berühren wir wieder einen
wunden Punkt bei Bartsch. Lachmann hat (zu Iwein 1615) nach-
gewiesen, dass Hartmann im Conj. Praet. dieser Verba u und ü
neben einander gebraucht. Dasselbe constatierte Sommer (zu Flore
25) für Fleck; und Hugo hat noch denselben Standpunkt, das
beweisen zahlreiche Beispiele beim Schreiber A und B (vgl. auch
den Reim gund : bund 28, 149), während Bartsch durchweg den
Umlaut eincorrigiert. Auch das Netz hat die unumgelauteten For-
men sehr häufig, vgl. 854, 855, 906, 907, 1625 etc.
370 — 376. Diese Aussprüche Hugo's beruhen auf der An-
schauung von der christlichen Gemeinschaft aller geistlichen Güter,
von dem thesaurua operum aupererogatorum. Die Lehre ist all-
gemein; vgl. Freid. 23, 19 manc reine mensche iat aS guot^ daz er a6
— 218 —
vil durch got getuoty daz ime eins ISnes über mirt sS vil (des
er doch sanfte enbirt), daz er mac teilen^ swem er ml . . . die
heilegen sulen teilen sd^ daz wir noch mit in werden fro; diu
kristenheit waer iibel beriht, genüzzen wir der guoten niht. Be-
sonders aber haben sie einige religiöse Secten im Bewasstsein ihrer
hohen Vollkommenheit and ihres Wertes vor Gott stark betont;
vgl. K. Schmidt, Nio. v. Basel p. 44. So sagt auch der Dichter des
Netz, der, wenn er nicht selbst ein Begharde war, doch mit ihnen
stark sympathisierte 6149: ir ainr hundert gen Mmel bringt der
kainr niemer dar kaem . • . ich wil ueh das betüten^ das ir dwrch
iren fromen muossend ze, himel kamen.
374 — 376. B weit, - hin helfen = forthelfen. NachpM«rim^
beginnt ein neuer Gedanke ; der Dichter wendet sich direct an Grott :
alles (was hier auf der Welt gutes gewirkt wird) nimm, ach GrOtt,
(gnädig) hin (zur Sühne unserer Schulden) und höre etc.
VL
1. Auch B hat richtig dienst^ ebenso 2, 53; 4, 54 etc., wes-
wegen sein Ausspruch in der Einleitung (p. 7), dass „dinst durch-
aus mit e, nicht mit ie geschrieben wird'', der p. 11 und in der
Anm. zu 20, 2 noch einmal wiederholt wird, zu rectificieren ist.
Auch in diesem Worte wechselt i und eV, vgl Abb. IV, 154, ebenso
im Netz; auch in Hugo's alem. Urk. vom S^6. 1379 steht dinlich
neben diener.
2. W dan; W und B gestupp^ allein der Umlaut ist ganz
in der Ordnung. — denn ge- ist zweisilbiger Auftact, den auch
B acceptiert, ebenso lässt er 4, 133 ungel-^ 164 daz ger-<, 5, 16
ich ged-y 25, 57 zuo ger-^ 17, 38 so gev- u. a.; öfter jedoch
tilgt er ihn wieder: 25, 65 tm^r-, 19, 19 ussgn-^ 31, 22b wan
gr-y 36, 15 im gfiel; sogar cmgzunt 38, 31; und bgSrent 29,
102; din gböt 32, 27 etc. Das kann unmöglich erlaubt sein.
Wollte man den zweisilbigen Auftact tilgen, müsste es consequent
und zunächst bei den Liedern geschehen ; aber dazu ist bei einem
Dichter, der ihn so häufig gebraucht, kein Grund vorhanden (Abh.
V, 205 — 7); jene Fälle, wo in der ersten oder zweiten Silbe ein
schweres Wort steht, nehmen sich von selbst aus, da sie Hugo
nachweisbar meidet.
4. W zerrumieny B lässt richtig zerunnen; aber 4^ 120
oarrigiert er widerred.
— 219 —
8. W ktmtj \ras nicht angeht (s. Abb. IV, 183).
11. Hs. zucht^ B gmo88. — puoss fordert emen Beim, den die
Hb. nicht hat. Hier wie in allen ähnlichen Fällen wird man zum Reim-
register greifen, nm za sehen, was Hugo sonst auf ptMss reimt, und
das ist gruoss 18, 194, welches auch hier passt. Dem Schreiber ist
also für die seltenere Wendung die gewöhnliche in die Feder ge-
kommen, denn wiplich zuckt ist nicht nur bei Hugo (s. gleich unten
V. 34; 7, 15), sondern auch bei andern Diehtern die gebräuchliche
Phrase, vgl. Hätzl. 127, 43 ir weiplich Zucht; Oswald 36, 7, 2
durch all ewr Sr und heipUch Zucht etc. Das ist festzuhalten, um
andere verdorbene Stellen darnach zu beurteilen. Besonders ähn-
lich ist 20, 2, wo dinat auf versent reimt, was nicht möglich ist.
Der Fehler liegt offenbar wieder im ersten Reime, denn {enhüt
min willig) dinst ist die gewöhnliche Phrase, welche der Schreiber
für eine ungewöhnlichere gesetzt hat, als welche h>ent anzunehmen
sein wird, das einen correcten Reim gibt; der Tropus, der dadurch
entsteht, ist nicht anstössig, umgekehrt sagt Hugo z. B. 84, 45 ge^
sigelt mit minen rechten trüwen, — 24, 28 hat der Schreiber
das gewöhnlichere bris jehen (: leben) für bris geben geschrieben.
Anderen analogen Verderbnissen werden wir noch weiterhin be-
gegnen. Die beiden letzten Oorreoturen stammen von v. d. Hagen,
der sie in die Berliner Abschrift eingetragen hat B corrigiert an
solchen Stellen nicht oder nach anderer Meinung.
12. Hätzl. n, 46, 11 seid ich von lieb bin geschaiden^ so
muosz mir mein leben laiden; Ambr. LB. 111, 23 viel lieber
wolt ich sterben^ wenn ich verlier jr huld.
18. W grinen^ B gruenen, K erklärt (p. 342) den Vers für
unverständlich. Wenn man gritnen='grinen= verdriesslich weinen,
streiten, zanken (Schmid, sohwäb. Wb. 430), sunder wenken =
ohne Ablassen nimmt, so könnte die Stelle einen erträglichen Sinn
geben : dass ich fortwährend der (versprochenen) Bänder ged. mit
unaufhörlichem Zanken. — wenken stn. hat Lex. mit dieser Stelle
belegt; vgl dazu 1, 32; 23, 42; auch wanken begegnet 35, 12
als stn., wofür Lex. drei Beispiele hat.
19. W rüw gebracht, ist nicht erlaubt
25 — 28. W und B guotimuot; aber dass diese Reime klin-
gend zu machen sind (vgl. Abh. V, 202), . fordert auch K (p. 333).
Ausserdem corrigiert B in 25 e^ zu icht und streicht 26 im. W
corrigiert 2b was zu war und 26 im zu eim. Gegen Bartsch* Lesung
— 220 —
polemisiert Kammer (p. 334), wie mich dünkt, sehr mit Recht;
denn das einsilbige Wort zwischen was nnd hampt ist nicht leicht
entbehrlich (freilich nicht «wegen der Silbengleichheit*). Die Gor-
rectar in meinem Texte konmit von Prof. Scherer. — was und da
in 25 müssen sich entsprechen, also entweder wa,8 - das oder tcro-
da^ das letztere ist vorzuziehen, weil wa^ leicht aas V. 26 her-
über gekommen sein kann. — 25 ist das bekannte Liebesoxymoron,
vgl. z. B Walther von Mezze mir ist mtn lieb ein herzehUcJdu
swaere^ so ist da hi daz leit min hoste vroude gwr^ i daz ich
daz liebe leit verbaere HMS. I, 308*. Nach 25 wird Punkt zu
setzen sein. — 26 heisst: was ihr (der Geliebten) nicht fe. z. g. etc.;
vgl. dazu Oswald 36, 5, 7 und was dich üebeU seUffs beib^ ztw
nassen eugltn hldre^ dasselb betrüebet mir den leib und tnctcht
mir grabe häre.
38. W schatt der stete nichts B schadt dem steten ichU
Lassb. LS. 30, 115 dv/rch fromd sol mxm nit dbelan^ wer ain
stättes hertz wil hon. Sonst heisst das Sprichwort fremede sehet--
det herzeliep Freid. 105, 3; ouch ist ez^ als daz Sprichwort sagt,
vremde scheidet herzenUep Freib. Trist. 317 ; Bezzenb. zu Fr. 105, 3.
40. geheim wird als stf. zu fassen sein: vertrauter Umgang
nützt etc. vervdhen mit gegen hat Lex. III, 283 erst aus Netz,
W. und Chr. belegt
vn.
1. Vgl. Lassb. LS. 10, 41 ach liebüfrow^ wes ziehest michf
Ambr. LB. 2, 3 was zeihestu mich hertz einiges ein.
2. Tit. 899 die sinen in do clageten menlichen sunder wet"
nen, B hat weiniein^ vgl. dagegen K p. 319 (Anm.) und p. 33?,
der weine : eine fordert, wie in meinem Texte zu finden ist (vgl.
Abh. IV, 165 und V, 202).
3. B MIß; ich verweise aber auf Abh. IV, 161 und 174;
zu den an letzterer Stelle genannten Reimen aus Braut, können
noch andere beigebracht werden : er loufft : houff (Subst.) 48, 23 ;
64, 45; gerade bei einem Dichter von Brants Fähigkeiten, Fleiss
und Kenntnissen, der seine Verse selbst syn grosz muegsam ar^
beyt nennt, sind solche Reime besonders beachtenswert. Ausserdem
kann ich die drei (IV, 161) angeführten Belege, in denen das Pers.
SofiT. der lU fehlt, noch vermehren durch man sich (= eicht) Nets
— 221 —
7458, and (er) sitz 33, 125, das ioh aus Versehen im Texte
corrigierte.
11. wiltpan = Wildbezirk, Jagdreirier; vgl. dazu Stejskals
Anm. zu Hadam. 28. Das Wort ist im obern Yintschgau heute
noch zu hören.
23 — 26. Freid. 60, 15 swer allez daz wil rechen^ daz man
Übels mac gesprechen^ der wirt selten dne ntt und dne ungefüegen
strit — Auch W und B Karins, Ich habe schon Abh. V, 213
darauf hingewiesen, dass Ka/rolus zu schreiben sein wird.
29. K wil gvomgen^ allein hasen ist auf der Hebg. zu ver-
schleifen (s. Abh. V, 196).
32. Wie in Vers 11 ist hören intr. == gehören mit in, ebenso
im Netz 11843 darumh si in die segi tuond hoeren.
VIEL
1, 2. Vgl. Hadl. 53, 1 sich fröit üf die edeln nacht ein
geslcbcht minnaere harte; Christ. 376 do nu die nacht her slaych;
über dieses her (auch 21), das sich nur in jüngeren Gedichten findet,
vgl. Jänicke zu Wolfd. B 139, 1, der eine Menge Belege gesam-
melt hat
4 wird als kich xoivoo zu fassen sein.
6. B fröwt, s. MG. p. 360.
13. B lässt ze homent Ich treffe hier wieder mit K zu-
sammen, der (p. 334) sagt: «wollte man in diesem componierten
Liede genaue Entsprechung herstellen, so müsste z'hon gelesen
werden^ (Inclin. ist nicht notwendig, da wzder ze gelesen werden
kann). Und dieser Gorrectur steht auch gar nichts im Wege, denn
warum der bair. Schreiber hier und 13, 9 das alem. hon entfernte,
braucht keinen weitern Disput; lieber will ich noch darauf hin-
weisen, dass Schreiber in andern Gedichten auf ähnliche Weise
falsche Reime machten, so schreibt H im Wolfd. B antkomen 444,
1. — Durch das richtige kon erreicht diese Strophe dreifachen
Reim, wie die nächste vierfiEUshen hat. Hugo hielt es in diesem
Punkte wie alle reimarmen Dichter: wo sich ihm ein Reim in den
Weg stellte, griff er begierig darnach; das Netz z. B. hat Reim-
paare, wo es sich aber gab, auch 3, 4, 5 und 6 Reime hinter
einander.
Ib. dn gevSr (3, 87 ; 38, 135 als stn.), gevdre^ gev&rde ,ist ein
in späterer Zeit häufiger Ausdruck" (s. Kinzel, zum Junker u. tr.
— 222 —
fieinr. 636) und wohl aus den Urkunden beröbergenommen, wo
er siebend ist. So gelangt aucb anderes von den Urkunden in die
Dicbtang, vgl. z. B. die Datiemngsweise (s. 19, 25 ff.; 34, 49;
35, 33; 38, 185 eta), die Anrede an den, der das huoch (in
Urk. dm brief) hört lesen (s.31, 254; 27, 230; 28, 726) u. a.
IX.
Den Zasammenbang dieses Liedes mit Hadamars Jagdallegorie
bat schon Weinhold (p. 152) angedeutet und Kummer (p. 338)'
näher ausgeführt, worauf ich verweise. K hat a. a. 0. aucb die
Jagd der Minne LS. 126 in den Vergleich gezogen und die Paral-
lelen hervorgehoben.
5. W corrigiert da bin ich; auch das gibt einen guten Sinn :
wie sehr ich sie der Aufrichtigkeit meiner Gesinnung versichere,
so bin ich doch immer am Anfang, d. h. komme nicht weiter.
7 lässt W gesell Solche Differenzen führe ich weiterhin nicht
mehr an.
8. Ueber den Gebrauch von vier für eine unbestimmte Zahl
vgl. Benecke zu Iwein 821 und Lichtenstein zu Eilhart v. Ob. 12.
17. lecherlich hat Lex. dreimal belegt, darunter einmal ans
Hadam., von dem es Hugo erhalten haben kann.
27. nachtgruoben = Jagdgruben zum nächtlichen Fange (W
p. 160). — Lies sind.
30. W Wann des.
31. Vgl. Oswald 95, 4, 18 «ö furcht ich nyemands drS.
32. Der gsell entspricht den Knechten bei Hadamar, welche
die Hunde Wille^ Wunne etc. an Seilen führen; daher züch ab
die seil, woran nämlich die Hunde geführt werden.
33. B tuCj W tueff, Hs tuy; aber y =^', vgl. die Anmer-
kungen zu 1, 25 und 5, 152. — abesprung ( W absprang^ vgl.
Anm. zu 1, 9) ist bei Lex. unbelegt
X.
14. B mit der Hs. die sach — die sach uf erden ist das
irdische, vergängliche, dem gegenüber die Ewigkeit der Seele betont
wird, din für die ergibt die Parallelstellung der Sätze.
16. B unde; doch fehlt der Auftact in den entsprechenden
Zeilen so oft, dass man es bedenklich finden wird, seinetwegen die
— 233 —
schlechtere BetODttüg ^hön 'dnde für schon und emza(k)rngiereni
ebenso verhält es sich 13, 29.
22. Die KroDe Maria's mit den 12 Sternen kehrt auch 25,
137 f. und 28, 569 f. wieder; vgl. die Anm. zu 28, 668.
23. Marner 12, 6 dd got und sin muoter sitzent in ir
majestdt — him ist in der Moerin 1352 belegt.
24. muoter maget^ muoter meit^ menget dne ende^ muoter dne
meile etc., über diese Bezeichnungen vgl. W. Grimm, gold. Schm.
Einl. p. 36. Beachte die bedeutsame Wortstellung in 23 und 24.
29. Schon K hat (p. 335) angemerkt, dass die Stelle ganz
verdorben und sinnlos ist; ich weiss aber leider auch keine brauch-
bare Correctur.
34. Lies hilf,
XI.
1. B wdchtr des^ aber 10, 1 wdchter ob da.
2. ruo in übertr. Bedeutung = ruhiger Lebenswandel, Ein-
gezogenheit.
4 — 6. Vers 4 lässt erkennen, dass dieses Lied sich an die
Tanzlieder anschliesst (s. Abh. III, 135). Die Tänze scheinen
vielfach Anlass zur Unsittlichkeit gegeben zu haben, weswegen die
Kirche durch das ganze MA. hindurch gegen dieselben eiferte ; vgl.
Schröder, die höfische Dorfpoesie, in Gosche's Jahrbuch I, 55. Eine
geistliche Betrachtung in einer Hs. des 15. Jhds. eifert gegen die
9 Sünde des Tanzes' überhaupt und insbesonders gegen die Tanz-
gesänge der ,) Frauenbilder **. Die Sängerinnen am Tanze seien
Priesterinnen des Teufels und die ihnen antworten seien dessen
Klosterfrauen, das Wirtshaus seine Pfarrkirche, die Pfeifer und
Lautenschläger seine Messner. Die Tanzlieder seien gemeiniglich
von üppigen, unkeuschen Worten, und es sei jedem eine grosse
schwere Sünde, wer solche schandbare Lieder dichte oder singe;
denn er müsste die Sünden auf seine Seele nehmen, die aus solchen
„Liedern oder Sprüchen* entstehen (bei Uhland p. 394 und Anm.
55). Erst solche Sittenpredigten machen Hugo's Seelenangst über
seine Tanzlieder klar, die uns sonst nicht recht begreiflich wäre.
13 — 15, vgl. auch 28 f., 35 f. Auf merker^ ruomer^ claffer und
Frauenverläumder fallen die stärksten Verwünschungen; SucheuT^.
möchte, dass jedem solchen neben a/uz dem munde sein die tzende
wüchsen als einem swein 23, 75; Hätzl. une vast der clafer
— 224 —
d<M*nach strebj ich wünsch, das im sein zang erklieb 44, 14;
Hadl. er zungen eint so Icmg, ir helregang ist fügende frt . • daz
der tievel müeze ir aller pßeger sin und brechen in ir äugen
üz UI, 5y 3; Hätzl. die ztmgen sollen in verschuuinden und die
oren als ainem dieb U, 6, 180; Vintler das mwn sneid den
valschen ir zwng aus^ die denfrawen übel gesprochen haben 722.
22—25, vgl. dazu auch 24, 29 ff.; 33, 21 ff.; 38, 45 ff.
Diese Namen sind mit ihrer sprüchwörtlichen, kurzgeschürzten Um-
kleidung typisch geworden, um die Macht der Liebe zu illustrieren;
vgl. Freid. 104, 22; Knorr, Lichtenst. p. 32; Kummer zu Herrand
1, 49, zu Montfort p. 339. Sie leben noch lange fort [noch Gen-
genbach z. 6. bringt sie in seinem Gauchmatt (1516)] und sind
auch in die Volkspoesie übergegangen: Ambr. LB. 102, 59 wer
hat Samson seiner sterke und David seiner gottesfurchty a/uch
Sahmon seiner Weisheit sogar berauben thun : ist das nicht ge^
schehen durch lisügheit der frawen und jurikfrawen schon'i
26. der hünsien perkh ist bildl. Ausdruck für Aristoteles, die
junhfrow ist Phyllis (Persones). Ausführlicher begegnet diese Be-
ziehung 24, 49; 38, 45 — 52. Karajan sagt zu einer analogen
Stelle bei Teichner (p. 109), dass Heinrich dieses vermeintliche
Liebesverhältnis aus einem noch erhaltenen Gedichte «Aristotiles
und Fillis« (v. d. Hagen GA. 1, 17, Einl p. 75) kannte. Nooh
Sachs hat eine Comödie: ,i Persones reit Aristotilem'^.
37. ruomser == ruomesaere = Bühmer, Prahlhans.
38. die sind als doppelter Auftact in einem dieser früheren
Lieder wäre schwer; da die Aenderung sehr leicht war, entfernte
ich ihn wie B.
40. rosen heisst hier, wie der Zusammenhang lehrt, nicht
Rosen, sondern Blumen überhaupt, welches Vers 41 dafür steht.
Diese Bedeutung von rose ist in den Tiroler Dialekten nooh häu-
fig; daher heisst 29, 16 rosenkrantz nicht ein Kranz aus Rosen,
sondern allgemein , Blumenkranz ^, wie denn auch gleich dahinter
das Wort scha/ppel dafür vorkommt. Das wird in den Wbn. nach-
zutragen sein.
XIL
i^ Die natürlichste Betonung dieses Verses wird sein sa^ dn,
wdchter wie wds; die fehlende Senkung ist gerechtfertigt nach
Abh. V, 217, Punkt 3.
— 225 —
2 ist vielleicht himel und ^de zu sohreiben.
5 wird der zu streichen sein, was die Melodie gestattet, welche
Tim eine Note weniger hat als der Vers Silben.
8. ist mnss herabbezogen werden.
12. B woruf. — Der Vers war nur durch die Beseitigung der
Apokopen in erd und auf das richtige Mass zu bringen. Kummer
aber bestreitet (p. 334) das Recht» unde zu schreiben, da es nir-
gends belegbar. Allein dass die Schreiber gegen ihre Vorlage
solche Apokopen vornahmen, haben wir schon wiederholt gesehen,
vgl. z. B. umb 2, 4 ; ahaprung 9, 33 etc., we auch K e ergänzen
lässt; dazu wird die Correctur unde noch öfter vom Rhythmus ge-
fordert, vgl 2, 16; 5, 267; 17, 46'; 25, 11; 28, 340 etc.; dann
endlich lässt sich nachweisen, dass bei Hugo's Zeitgenossen und
selbst noch bei späteren Dichtem unde im Gebrauche steht, so
im unechten Gedichte Nr. 40, 102; bei Suchenw. 4, 108, 267 etc.;
Jörg Schilher, Hätzl. 28, 173; Mönch v. Salzb. (Ampf.) 20,
5, 3; Laufenb. 702, 5, 2; Sachsenh. Moer. 1661, 2899; Temp.
303 etc.
12 — 15. Tit. 1, 2 dein (Gottes) craft an widersetze himel
und erde helt embor uf awebende^ und 6, 2 mit siner mäht
almehtic er himel und erd und wage under grifet Teichner wider-
legt in einem langen Gedichte (Kar. 124) die Ansicht, dass die
Erde sich selbst trage, und stellt als den Träger derselben die
Gnade Gottes hin: awer daz gehübt und sinnen tuot^ daz diu
erde unde wazzers vluoi si gezimbert und geladen anders denne
üf gotes gendden, der gSt mir mit kunste vor. Ich unl sterben
Uf den spory dazs niht hab dan got^ des gewalt und sin gebot
elliu dlne enbor üf treit Man sieht, diese Frage wurde damals
mit grosser Wichtigkeit ventiliert.
16 — 18. Dieser pessimistische Zug, der den undankbaren Men-
schen mit den andern Geschöpfen in Gontrast stellt, kehrt auch
bei Oswald 115, 3 etwas weiter ausgeführt wieder: nü alle crS~
atür^ die got beschaffen hdt, sy sind in wasser^ wind oder aniff
erden phat^ ye danchper ist dem herren in der majestdt nur umb
die gnddy das er sy hdt gformiret Ach tummer mensch ^ wie
ist dein hertz dann gar so wild etc. bis 4, 4 dannocht well wir
in denckltch nit erkennen,
19—27. lieber den Bau dieser Strophe vgl. Abh. V, 246.
27. Ich bitte um das Urteil nach deiner Barmherzigkeit, nicht
Wackemell, Montfort. 'SS^
— 226 —
nach meiner Schuld; vgl. Oswald 99« 13 Idaa^ herr^ dein zoren
mt ergdn nach unser schuld.
xm.
2. ain} W und B min.
9. W und B hörnen : hon. üeber kon vgl. Anm. zu 8, 13
und Kummer p. 324, der wieder mit mir übereinstimmt.
15. mamerin hat Lex. nur aus Hugo belegt [es wird die
Matter Gottes darunter zu verstehen sein], ebenso erbarmer 22.
Für das letztere Wort folgen im Nachtr. noch ein paar Citate.
19. en fehlt häufig als Negation und im einschränkenden Satze ;
daher ist es nicht zu billigen, dass W und streicht und enwer
schreibt, noch viel weniger, dass B durch und enw4r zweisilbigen
Auftact herstellt, den er sonst meist tilgt (Anm. zu 6, 2)* dasselbe
geschieht 27, 193; 28, 689 wan emjo4r\ 37, 58 und enufSren^
wogegen auch K (p. 334) polemisiert; aber es geschieht wieder nicht
22, 12; 30, 56, 88; 33, 129 (s. seine Anm.) etc.
20. W werin^ ebenso corrigiert er öo; aber beidemal ohne
Veranlassung, s. Abh. IV, 175.
21. B ghoU allein tch die geholt ist eine ganz gewöhnliche
Verschleifung, s. Abh. V, 221, 226, auch Anm. zu 5, 29; ja das
ich könnte sogar noch zweisilbiger Auftact sein. Auch W lässt
den Vers, wie ihn die Hs. überliefert.
27. W streicht die und lässt beetan.
31. nend =» nemende, s. Abh. IV, 153.
32. B söUicJherj wo der geminierte Gonsonant wegen der Ver-
schleifung vereinfacht werden kann, vgl. 5, 99, 118 etc. — W
eölcher.
37. W schreibt habe dan und streicht auch.
47. W swajg Unglücke ie der weit beachach.
49. reit von reiten swv. rechnen, berechnen, herleiten. — W
einer.
41 ff. Ueber diese und die parallelen Stellen vgl. Abh. 11, 105
ff., wo wir gesehen haben, mit welchem Eifer Hugo in solch theo-
logischen Fragen auftritt, wie oft er von seinem Thema abschweift,
um den Glauben an dieses oder jenes Dogma zu bezeugen, eine ent-
gegengesetzte Meinung zu bekämpfen; in den meisten Fällen war
seine polemische Absicht deutlich nachzuweisen. Das kann uns
einen Fingerzeig geben fiir die Auffassung und Beurteilung der
~ 227 —
meisten seiner Zeitgenossen, welche wie er jede Gelegenheit ergreifen,
um über Grott und seine Dreieinigkeit, über die Welt und ihre
£}ntstehang, über andere Dogmen der Kirche nnd ihre Gegensätze
zu disputieren. Man fand darin meist nur das Zeugnis von dieser
Dichter Eitelkeit und Prahlsucht mit gelehrten theologischen Dingen.
Allein der Standpunkt wird wesentlich verändert, wenn man sich
gegenwärtig hält, wie die Dichtung damals noch die Journalistik
zu vertreten hatte und die Fragen ventilierte, welche in jenem
religiösen Interessenkampfe von besonderer Wichtigkeit schienen, zu
denen jeder bedeutendere (oder sich wenigstens bedeutend dankende)
Mann Stellung nahm. Die abgebrochenen Anspielungen und Be-
ziehungen, welche uns, denen der grössere Teil des Zusammenhangos
fehlt, oft nur mit Mühe deutbar sind, waren damals allgemein
verständlich.
52. W und B «m, wodurch der doppelte Auftact entfernt wird.
56. Aus dem hsl. gerechti seit macht W gerechtikeit; allein
der Zusammenhang ergibt, dass der Dichter vom Tode Christi
spricht, wobei die Erzählung der Bibel zu Grunde liegt: Vers 54
bezieht sich auf die Sonnenfinsternis nach der Kreuzigung; dann
fahrt er fort: wir wären etc., wenn nicht seine rechte Seite (durch
den Lanzenstich des Longinus) geöffnet worden wäre.
51 — 60. Vgl. Suchenw. 13, 195 und pitet gotea muefer chiarj
daz sy dy seU dort bewar durch irs vil lieben chindes tot und
durch sein üeffe wunden rot^ di er durch alle aünder hat ew-
phangen für unser missetat,
xrv.
Bei diesem Lehrgedichte hatte Hugo sicher Suchenwirts Bede
Nr. 38 vor Augen, denn manche Lehren und Verse sind beiden
fast wörtlich gemeinsam, obgleich sich in andern auch hier Hugo*s
Selbständigkeit zeigt.
5. Suchenw. 38, 53 die frumen die lach guetleich an in
schimphen und in schertzen,
7. B und^ aber dann hat der Vers nur drei Hebungen ; viel-
mehr kann man, um die Betonung b{ tag oder die fehlende Sen-
kung zu vermeiden, auch noch tage schreiben (s. Anm. zu 12, 12).
8 -^ 13. Ueber diese Zusammenstellung von Priestern und
Frauen s. Abh. II, 109; vgl. dazu Suchenw. 19, 18 den solten
chlagen ymmer prf esterschaft und werden weib; 27, 86 weit ir
15*
— 218 —
vil durch got getuotj daz inte eins lönes über tvirt ad vil (des
er doch sanfte enbirt), daz er mac teilen^ swem er wil . . . die
heilegen sulen teilen so, daz wir noch mit in werden fro; diu
kristenheit waer übel beriht, genüzzen wir der guoten niht Be-
sonders aber haben sie einige religiöse Secten im Bewusstsein ihrer
hoben Vollkommenheit und ihres Wertes vor Gott stark betont;
vgl. K. Schmidt, Nio. v. Basel p. 44. So sagt auch der Dichter des
Netz, der, wenn er nicht selbst ein Begharde war, doch mit ihnen
stark sympathisierte 6149: ir ainr Jmndert gen himel bringt der
kainr niemer dwr Jea^m . . . ich wil uch das beiüten^ das ir durch
iren fromen muoasend ze, himel Jeovnen»
374 — 376. B weit. - hin halfen = forthelfen. Nach pessru/ng
beginnt ein neuer Gedanke ; der Dichter wendet sich direct an Gott :
alles (was hier auf der Welt gutes gewirkt wird) nimm, ach Gott,
(gnädig) hin (zur Sühne unserer Schulden) und höre etc.
VL
L Auch B hat richtig dienst^ ebenso 2, 53; 4, 54 etc., wes-
wegen sein Ausspruch in der Einleitung (p. 7), dass „dinst durch-
aus mit e, nicht mit ie geschrieben wird'', der p. 11 und in der
Anm. zu 20, 2 noch einmal wiederholt wird, zu rectificieren ist.
Auch in diesem Worte wechselt i und ie, vgl Abb. IV, 154, ebenso
im Netz; auch in Hugo's alem. Urk. vom 8y^6. 1379 steht dinUch
neben diener.
2. W dan; W und B gestupp, allein der Umlaut ist ganz
in der Ordnung. — denn ge- ist zweisilbiger Auftact, den auch
B acceptiert, ebenso lässt er 4, 133 ungeU^ 164 daz ger-^ 5, 16
ich ged-^ 25, 57 zuo ger-^ 17, 38 so gev- u. a.; öfter jedoch
tilgt er ihn wieder: 25, 65 wngr-, 19, 19 ussgn-y 31, 22b wan
gr-^i 36, 15 im gfiel; sogar a/ngzwnt 38, 31; und bgSrent 29,
102; din gböt 32, 27 etc. Das kann unmöglich erlaubt sein.
Wollte man den zweisilbigen Auffcact tilgen, müsste es consequent
und zunächst bei den Liedern geschehen ; aber dazu ist bei einem
Dichter, der ihn so häufig gebraucht, kein Grund vorhanden (Abh.
V, 205 — 7); jene Fälle, wo in der ersten oder zweiten Silbe ein
schweres Wort steht, nehmen sich von selbst aus, da sie Hugo
nachweisbar meidet.
4 W zerrumnenj B lässt richtig zerunnen; aber 4> 120
oorrigieTt er widerred.
— 229 —
man in seiner Ausgabe finden; für die Herstellung des Textes sind
sie wertlos. Ferner verweist B (Einl. p-. 3) auf den Anzeiger von
Aufsess und Mone, in dem Banga II, 272 Hugo*s Gedicht Nr. 25
in einer Hs. (K) aus der Mitte des 15. Jhds., welche der biblio-
th^ue du College in Kolmar gehört, nachwies und vier Verse
(1 — 3 und 202) daraus abdruckte. Die Hs. selbst war nicht ^ehr
aufzufinden. Auch sie kommt bei der Textrecension nicht in
Betracht und hat uns nur in der Frage, ob ai oder ei zu schreiben
sei (Anm. zu 3, 1 6, p. 192), einen wichtigen Dienst geleistet. Aber
nach einer andern Richtung hin haben beide Bedeutung: indem sie
nämlich zeigen, dass Hugo*s Gedichte nicht so unbekannt waren
und so spurlos an seinen Zeitgenossen vorübergegangen sind, wie
man behauptet hat. V wird ihrem Fundorte und Dialekte entspre-
chend auf unsere Copie, K, welche alem. geschrieben ist, auf das
Original in Bregenz (direct oder durch Zwischenglieder) zurückzu-
führen sein. Ausserdem wird aus den verschiedenen Parallelen,
welche ich in diesen Anmerkungen zusammengetragen, klar werden»
dass wenigstens Sachsenheim, der Dichter des Netz und Oswald
Hugo's Dichtungen gekannt haben.
XV.
B hat der consequenten Ueberlieferung gegenüber die alte
siebenzeilige Titurelstrophe herzustellen gesucht; aber das ist gegen
Hugo's Princip (vgl. Abh. V, 249 f.) und konnte daher unmöglich
gelingen. Es kommen bei Bartsch zuerst 2 siebenzeilige, dann eine
sechszeilige, dann wieder 2 siebenzeilige, dann eine vierzeilige, 3
siebenzeilige und wieder 6 vierzeilige, dann sogar achtzeilige zwi-
schen sieben- und vierzeiligen: so wird bald die ueberlieferung
angenommen, bald verworfen. Gibt es einen stärkeren Beweis für
die ganze Unmöglichkeit dieses Verfahrens als die dadurch gewon-
nenen Resultate? Dazu kommen noch die vielen TI und T^^ in
den andern Gedichten, welche gleichfalls nicht siebenzeilig, sondern
nur vierzeilig sind und nur so aufgefasst werden können. —
Nr. 29 hätte, nach der Melodie zu schliessen, seohszehnzeilige
Strophen, da aber in diesem Falle eine vierzeilige übrig bliebe, hat
auch B geschlossen, dass sie alle vierzeilig gemeint seien. Der-
selbe Grund für denselben Schluss hätte auch hier vorgelegen.
7. B 8oly fasst es also als Indic. auf, daher der Doppelpunkt
— 220 -
polemisiert Kammer (p. 334), wie mich dünkt, sehr mit Recht;
denn das einsilbige Wort zwischen was nnd kumpt ist nicht leicht
entbehrlich (freilich nicht «wegen der Silbengleichheit'). Die Gor-
rectur in meinem Texte konmit von Prof. Scherer. — was und da
in 25 müssen sich entsprechen, also entweder was - das oder icfo-
da^ das letztere ist vorzuziehen, weil was leicht aas V. 26 her-
über gekommen sein kann. — 25 ist das bekannte Liebesoxymoron,
vgl. z. B Walther von Mezze nur ist min lieh ein herzekUcJdu
swaere, so ist da hi daz leit min hoste vroude gar, S daz ich
daz üehe leit verhake EMS. I, 308*. Nach 25 wird Pankt zu
setzen sein. — 26 heisst: was ihr (der Geliebten) nicht fc. z. g. etc.;
vgl. dazu Oswald 36, 5, 7 imd was dich üebet^ seUgs beib^ shAO
nassen eugUn kläre, dasselb betrüebet mir den leib und macht
mir grdbe häre.
38. W schatt der stete nicht, B schadt dorn steten icht
Lassb. LS. 30, 115 durch fremd sol man nit dhelan, wer ain
stättes hertz wil hon. Sonst heisst das Sprichwort fremede schei-
det h>erzeliep Freid. 105, 3; ou^ih ist ez, als daz Sprichwort s(zgtj
vremde scheidet herzenliep Freib. Trist 317 ; Bezzenb. zu Fr. 105, 3.
40. geheim wird als stf. zu fassen sein: vertrauter Umgang
nützt etc. vervdhen mit gegen hat Lex. III, 283 erst aus Netz,
W. und Chr. belegt.
VII.
1. Vgl. Lassb. LS. 10, 41 ach liebüfrow, wes ziehest mich?
Ambr. LB. 2, 3 was zeihestu mich hertz einiges ein.
2. Tit. 899 die sinen in do clageten msnlichen sunder wei-
nen. B hat wein: ein, vgl. dagegen K p. 319 (Anm.) Und p. 33?,
der weine : eine fordert, wie in meinem Texte zu finden ist (vgl.
Abh. IV, 165 und V, 202).
3. B MIß; ich verweise aber auf Abh. IV, 161 und 174;
zu den an letzterer Stelle genannten Reimen aus Braut, können
noch andere beigebracht werden: er loufft : kouff (Subst.) 48, 23;
64, 45; gerade bei einem Dichter von Brants Fähigkeiten, Fleiss
und Kenntnissen, der seine Verse selbst syn grosz muegsam ar-
hegt nennt, sind solche Reime besonders beachtenswert. Ausserdem
kann ich die drei (IV, 161) angeführten Belege, in denen das Pers.
SuS. der HI fehlt, noch vermehren durch man sich (= sieht) Nets
— 221 —
7458, und (er) sitz 33, 125, das ioh aus Versehen im Texte
corrigierte.
11. mltpan = Wildbezirk, Jagdrevier; vgl. dazu Stejskals
Anm. zu Hadam. 28. Das Wort ist im obem Vintschgau heute
noch za hören.
23 — 26. Freid. 60, 15 swer allez daz wil rechen^ daz man
Übels mac gesprechen^ der wirt selten dne nit und dne ungefüegen
strit — Auch W und B Karlus, Ich habe schon Abh. V, 213
darauf hingewiesen, dass Karolus zu schreiben sein wird.
29. K tvil gvcmgen^ allein hasen ist auf der Hebg. zu ver-
schleifen (s. Abh. V, 196).
32. Wie in Vers 11 ist hören intr. = gehören mit jn, ebenso
im Netz 11843 darumh si in die segi tuond hoeren.
vm.
1, 2. Vgl. Hadl. 53, 1 sich fröit üif die edeln nacht ein
geslacht minnaere harte; Christ. 376 do nu die nacht her slaych;
über dieses her (auch 21), das sich nur in jüngeren Gedichten findet,
vgl. Jänicke zu Wolfd. B 139, 1, der eine Menge Belege gesam-
melt hat
4 wird als inb xoivoo zu fassen sein.
6. B fröwt, s. MG. p. 360.
13. B lässt ze koment. Ich treffe hier wieder mit K zu-
sammen, der (p. 334) sagt: « wollte man in diesem componierten
Liede genaue Entsprechung herstellen, so müsste z'kon gelesen
werden^ (Inclin. ist nicht notwendig, da wzder ze gelesen werden
kann). Und dieser Gorrectur steht auch gar nichts im Wege, denn
warum der bair. Schreiber hier und 13, 9 das alem. hon entfernte,
braucht keinen weitem Disput; lieber will ich noch darauf hin-
weisen, dass Schreiber in andern Gedichten auf ähnliche Weise
falsche Reime machten, so schreibt H im Wolfd. B an: kamen 444,
1. — Durch das richtige kon erreicht diese Strophe dreifachen
Beim, wie die nächste vierfachen hat. Hugo hielt es in diesem
Punkte wie alle reimarmen Dichter: wo sich ihm ein Reim in den
Weg stellte, griff er begierig darnach; das Netz z. B. hat Reim-
paare, wo es sich aber gab, auch 3, 4, 5 und 6 Reime hinter
einander.
16. an gevSr (3, 87 ; 38, 135 als stn.), geväre^ gev^rde „ist ein
in späterer Zeit häufiger Ausdruck ^ (s. Kinzel, zum Junker u. tr.
— 222 —
fiteinr. 636) nnd wohl aus den Urkunden herübergenommen , wo
er stehend ist. So gelangt auch anderes von den Urkunden in die
Dichtung, vgl. z. B. die Datierungsweise (s. 19, 25 ff.; 34, 49;
35, 33; 38, 185 etc.), die Anrede an den, der das bitoch (in
ürk. den brief) hört lesen (s.31, 254; 27, 230; 28, 726) u. a.
IX.
Den Zusammenhang dieses Liedes mit Hadamars Jagdallegorie
hat schon Weinhold (p. 152) angedeutet und Kummer (p. 338)'
näher ausgeführt, worauf ich verweise. K hat a. a. 0. auch die
Jagd der Minne LS. 126 in den Vergleich gezogen und die Paral-
lelen hervorgehoben.
5. W corrigiert da bin ich; auch das gibt einen guten Sinn :
wie sehr ich sie der Aufrichtigkeit meiner Gesinnung versichere,
so bin ich doch immer am Anfang, d. h. komme nicht weiter.
7 lässt W gesell Solche Differenzen führe ich weiterhin nicht
mehr an.
8. Ueber den Gebrauch von vier für eine unbestimmte Zahl
vgl. Benecke zu Iwein 821 und Lichtenstein zu Eilhart v. Ob. 12.
17. leckerlich hat Lex. dreimal belegt, darunter einmal aus
Hadam., von dem es Hugo erhalten haben kann.
27. nachtgruoben = Jagdgruben zum nächtlichen Fange (W
p. 160). — Lies sind.
30. W Wunn des.
31. Vgl. Oswald 95, 4, 18 «o furcht ich nyemands dro.
32. Der gsell entspricht den Knechten bei Hadamar, welche
die Hunde Wille^ Wunne etc. an Seilen führen; daher :güch ah
die seil^ woran nämlich die Hunde geführt werden.
33. B tue^ W tueg^ Hs tuy; aber y =j^ vgl. die Anmer-
kungen zu 1, 25 und 5, 152. — abesprung ( W absprang^ vgL
Anm. zu 1, 9) ist bei Lex. unbelegt
X.
14. B mit der Hs. die sach, — die sach uf erden ist das
irdische, vergängliche, dem gegenüber die Ewigkeit der Seele betont
wird, din für die ergibt die Parallelstellung der Sätze.
16. B unde; doch fehlt der Auftact in den entsprechenden
Zeilen so oft, dass man es bedenklich finden wird, seinetwegen die
— 233 —
schlechtere Betontmg ^KSn 4nde für schon ^md ein2a0orri^eren$
ebenso verhält es sich 13« 29.
22. Die Krone Maria^s mit den 12 Sternen kehrt auch 25,
137 f. und 28, 569 f. wieder; vgl. die Anm. zu 28, 568.
23. Marner 12, 6 dd got und sin muoter sitzent in ir
majestdt — bim ist in der Moerin 1352 belegt
24. muoter magety muoter meit^ mcufet dne ende^ muoter dne
meile etc., über diese Bezeichnungen vgl. W. Grimm, gold. Schm.
Einl. p. 36. Beachte die bedeutsame Wortstellung in 23 und 24.
29. Schon K hat (p. 335) angemerkt, dass die Stelle ganz
verdorben und sinnlos ist; ich weiss aber leider auch keine brauch-
bare Correctur.
34. Lies Mlf,
XI.
1. B wdchtr des^ aber 10, 1 Wächter oh is.
2. ruo in übertr. Bedeutung = ruhiger Lebenswandel, Ein-
gezogenheit.
4 — 6. Vers 4 lässt erkennen, dass dieses Lied sich an die
Tanzlieder anschliesst (s. Abh. III, 135). Die Tänze scheinen
vielfach Anlass zur Unsittlichkeit gegeben zu haben, weswegen die
Kirche durch das ganze MA. hindurch gegen dieselben eiferte ; vgl.
Schröder, die höfische Dorfpoesie, in Gosche's Jahrbuch I, 55. Eine
geistliche Betrachtung in einer Hs. des 15. Jhds. eifert gegen die
9 Sünde des Tanzes '^ überhaupt und insbesonders gegen die Tanz-
gesänge der ,) Frauenbilder'. Die Sängerinnen am Tanze seien
Priesterinnen des Teufels und die ihnen antworten seien dessen
Klosterfrauen, das Wirtshaus seine Pfarrkirche, die Pfeifer und
Lautenschläger seine Messner. Die Tanzlieder seien gemeiniglich
von üppigen, unkeuschen Worten, und es sei jedem eine grosse
schwere Sünde, wer solche schandbare Lieder dichte oder singe ;
denn er müsste die Sünden auf seine Seele nehmen, die aus solchen
„Liedern oder Sprüchen' entstehen (bei Uhland p. 394 und Anm.
55). Erst solche Sittenpredigten machen Hugo's Seelenangst über
seine Tanzlieder klar, die uns sonst nicht recht begreiflich wäre.
13 — 15, vgl. auch 28 f., 35 f. Auf merker j ruomer^ claffer und
Frauenverläumder fallen die stärksten Verwünschungen; Suchen^^.
möchte, dass jedem solchen neben cmz dem munde sein die tzende
wüchsen als einem swein 23, 75; Hätzl. wie vast der clafer
— 234 —
gegnen schon frühe als « Ansinger des Frühlings ' ; dann werden sie
mit einander in oontrastierenden Vergleich gesetzt, s. darüber Uh-
land, Sehr. III, 25. — 168. üeber rek und tanz vgl. Liliencron,
Zs. f. d. A VI, 81 S.
XVI.
1. W bekam f and dem gemäss stellt er auch 73 zweisilbigen
Auftact (ir hek^t) her, s. Abh. V, 191.
5. gruenem ist mit ühland (Sehr. III, 435) als Subst. (=
grüner Farbe) zu nehmen.
9 — 12. Suchenw. 46, 48 {die vogel) aungen alle über al . .
under ain ander quint und quart — Vers 10 corrigiert B unde,
wahrscheinlich mit Recht, dann darf man aber auch 12 eteücher
herstellen, wodurch die Vierhebigkeit der Verse erreicht wird, vgl.
Abh. V, 203. — 11 W mengem^ so auch 15 meng etc. ohne
Grund.
16. Hs. fleigen: ei = ie ist sonst bei Hugo nicht belegt und
gehört daher dem Schreiber B; es findet sich im Bair. (BG. S 79)
nicht selten.
19. W vint: er corrigiert also dt zu U 6, 38 aber zu tt :
schatt; vgl. Abh. IV, 174. — ital corrigiert W hier und 43 zu
itely was nicht erlaubt ist, vgl, Abh. IV, 151; das Wort heisst
leer, dann weiter nichts als, vollständig, ganz, s. Zarncke zu
Brant 85, 143.
21 — 24. 21 corrigiert B unde^ vgl. oben die Anm. zu 15, 27.
Auch ohne nähere Untersuchung von Hugo's Metrik ist es klar,
dass ein Vers bhiemli g^, brün und wtsz besser ist als bluemli
gMy brun linde wüst, — 24 W tou.
25 — 28. 25 hat B gekripselt. gekrispel^, Inf. krispeln swv.
(vom Adj. feri^^Z) = kraus machen, kräuseln; davon bildet Hugo 28,
9 auch ein Verb hnspelieren. — 26 gezindelt = geza.ckt; vgl. Su-
chenw. 25, 15 stuond manik blat getzindeU, gechrispet und ge-
schrindelt — 27 unversmogen part. Adj. (== unverkrtimmt, gerade)
hat Lex. II, 1965 nur aus Hugo belegt. Das Wort begegnet auch
4, 159 und 33, 125 == nicht zusammengeschmiegt, gedrückt, d. h.
nicht verborgen; durch die Negat. und gar verstärkt: nichts weniger
als verborgen. — etlichs gehört zu holtz\ gewindelt von windelen
swv., wofür Lex. nur „ in Windeln einhüllen ' auführt ; allein die Be-
deutung ergibt sich hier aus unversmogen^ zu dem es den G^gen-
— 235 —
satz bildet: also gebogen, gedreht; es verhält sieh zu mtiden wie
krispeln za krispen,
33 — 36. 33 bluomm^schin (auch 41 ; 37, 30) == Blumen-
glanz, s. Lex. I, 315. Mit achtn oomponiert Hugo auch mejenr-
schin 17, 35; atemm-sehin 37, 54, welohe bei Lex. alle nur
schwach belegt sind. — 36 hat W uzzer statt i«««A^ = heraus; vgl
auch t*/Aer = herauf 28, 611, das Lex. nur aus Apoll, belegt.
37. brewU = hrdweli{n\ Dem. zu hrd, vgl. IV, 187.
39. W nam. Man würde hier den Ind. Praes. erwarten, und
dann wäre ich nem der zweite Beleg ffir das Eindringen des Plur.
Stammes in den Sing. [vgl. ich aehy Abh. IV, 173J, aber sonst
ist bei Hugo überall nur ich nim belegt, so dass eher an den
Conj. zu denken ist, dem Hugo überhaupt grosse Ausdehnung ge-
stattet.
41—44. 42 lässt B stet; aber ich habe schon Abh. IV, 181
nachgewiesen, dass diese Form nur dem Schreiber B gehört. —
43 hat W mit Recht d gesunt^ vgl. Abh. V. 221.
45 — 48. 46 W miner^ wodurch der Vers 4 Hebgn. erhielte;
die hsl. Synk. ist ganz in Ordnung. — 48 harpfen und gigen
als stn.
49 — 52. 49 orgellen-don als Zusammenges. Subst. hat. Lex.
nur mit dieser Stelle belegt, ebenso pfifen-schal; vgl. femer hu-
8unen-8chal und gloggen-klang 52, die gleichfells nur wenig be-
legt sind. — 50 beggen=^beckenj ein Instrument, aber welches? —
52 russen: wenn der Bodensee plötzlich unruhig wird und zu
rauschen beginnt, so nennt man das in jener Gegend ruh^s (Schmid,
Schwab. Wb.); daran kann Hugo gedacht haben, und es heisst
also: wie das Seerauschen g, seh.
53 — 56. 54 Bzhoeren:e8 ist kann um so leichter als zwei-
silbiger Auftact genommen werden, da hier auf als ein Nachdruck
gelegt werden kann ; auch W bewahrt die üeberlieferuhg. — {muot)
enbören = emporrichten, erhöhen; Had. 342, 3 mir ist der muot
enboeret; dasselbe 28, 67.
57 — 60. Walther 27, 34 für trü/ren und für ungemüete ist
niht s6 guot als an ze sehen ein schoene frowen wol gemuot;
Neifen 18, 38 si (die Frauen) sint für trüren guot u. a.
61—68, vgl. auch 38, 85 ff. Hätzl. II, l, 91 wer übel von
den frowen redtj gott es die lenge nitt vertrett^ er gibt im als
er manigen tuott: unsäld oder grosz armuot^ schand^ spott und
— 236 —
täglich clag^ wann er »ich nit erweren mag in seinen alten zeit-
ten, er rauosz mit schänden peitten, bis er sein lebtag voUendt
mit ainem lästerlichen end; vgl. auch Sucbenw. 23, 58 S. —
61 schelken swv. (betrügen, sohmähen) hat Lex. aus Hugo belegt. —
64 schreibt B in den Varianten ungelukh^ ebenso 76 gliikh; 18,
79 m^{;A:. ich berichtige das nar, damit man nicht auf den Glau-
ben komme, dass sich auch beim Schreiber B kh fanden (s. Abb.
III, 114), die Hs. hat auch hier hch. — 65 bin ich W gefolgt
und habe ald zn all corrigiert; aber das war unüberlegt, denn es
ist nicht einzusehen, wie der bair. Schreiber gegen seine Vorlage
auf ald geriete. W corrigiert auch noch verderben, gleichfalls
ohne Grund.
72. gesten swv. mit der Bedeutung rühmen (s. auch 15, 113;
17, 40) ist alemannisch, vgl. Zupitza, DHB. V, Einl. p. 18, und
Haupt in Zs. f. d. A. VI, 528.
75 1. sind. W schreibt tugentvol^ das Lex. II, 1563 nur aus
Teichn. belegt hat.
XVIL
1, 2. Vgl. Limb. Chronik 48 in dieser Zeit sung man
dies Lied: j,aber scheiden^ scheiden das thut warlich wehe von
einer, die ich gern ansehe^; Oswald 88, 3,1 schaiden mich
notty dein schaiden mich ertoett etc.; am meisten Aehnlichkeit
hat Lassb. LS. 18, 13 wann ich möcht nie geloben daz, daz
iötfi scMdung tätti basz denn von Uebi lebendi tat
3, 4. Der Sinn dieser Stelle wird am besten aus Parellelen
klar werden, ühland. Sehr. V, 161 führt an: „mein Leib ist hie,
so wohnt bei ihr mein Sinn. Was hilfet, tu ich die Augen zu?
So sehen sie durch mein Herze hin*. Hadam. 293, 4 Ludwig von
Decke der ist nü der minne unmaere. doch schaffet alt gewon-
heit, daz er warnet, er m/Uge, als er S mohte; dd mit im doch
diu ougen sint verklaenetj und besser 152, 1 ein tröst mich dicke
neretj sivte ez (das geliebte Wild) kan von mir gdhen^ daz mir
daz nieman weret^ ich sehe ez ie, ez st verr oder nähen, ob ez
sich von mir fremdet unde wildet, doch mines herzen ougen ez
statte ansehentj drtn ez ist gebildet Hugo meint also die Augen
des Herzens, die Gedanken, welche auch jetzt noch wie früher ihr
Bild sehen, und ihn in Zwiespalt bringen mit gewissen und ver-
mmsti Walther 99, 27, weit ir wizzen, waz diu ougen sin^ dd
— 237 —
mit ich ri sihe dur elliu lantf ez sint die gedahke des her-
zen mtn. .
19. Dem Verse fehlt- ein Fuss, es wird daher ein Wort wegge-
fallen sein, vielleicht stete (s. 18, 27), so dass zu schreiben wäre:
wil bi ir stete sin,
25, 26. Vgl 18, 196 und Oswald 105, 5 und hab ain für-
satz nymmSr mit fleis ze Sünden. — B gehört^ Hs. deutlich ge-
hört; vgl 2, 57 und Abh. IV, 177.
29 — 32. Diese Strophe ist wie das ganze Gedicht für die
Beurteilung von Hugo's Jugendprodukten sehr wichtig: W hat
Recht gehabt, wenn er diese nicht vor, sondern in die Zeit der er-
sten Ehe verlegte; die Reue über sein damaliges Leben bricht
unverhohlen hervor.
46. B undf dann fehlt die Senkg.; K will daher (p. 335) dn
nach und ergänzen, aber noch einfacher ist es, unde zu schreiben;
s. die Anm. zu 12, 12.
49 — 54. 50 B sölichy aber 13, 32 söllicher. senen stn. —
Dass der Satz sich von der einen Strophe in die andere hinüber-
zieht, ist bei Hugo und seinen Zeitgenossen nicht selten. Für sach
52 ist vielleicht sät zu corrigieren, das zu abgemet besser passt und
leicht zu sach verlesen worden sein könnte: Hugo denkt 52, 53 an
die vorausgegangenen Liebesverhältnisse, die nun alle vorüber sind;
die Ausdrücke sind aus der Blumensprache genommen , wo die Ge-
liebte und ihre Eigenschaften mit Blumen verglichen werden (vgl.
auch Nr. 16; Hätzl. H, 59). Ein Volkslied (ühland 54) fuhrt
nach einander das blaue Vergissmeinicht, das braune oder weisse
Habmichlieb, den rosenroten Herzenstrost etc. auf und schliesst
dann: aber alle diese Blumen sind vom Reif und kalten Winter
gefalbt und abgemäht; nur ein Blümlein ist geblieben u. s. w.
Vgl. zu dieser Stelle auch Hätzl. 115, 13 mein triu on alles
wencken sol dir beleiben statt; daran solt du gedencken^ das
nit werd abgemätt die augelwmdt meins hertzen^ die mir ge-
wachsen ist^ wo zugleich auch abe-maejen^ wofür Lex. erst im
Nachtrage zwei Stellen anführt, belegt ist.
xvm.
5 — 16. Tit. 1243 so bis du in dem slaffe mir so nahend
daz ich des dicke swuer^ ich suUe mit minen armen dich umJ>e
vahen, Hätzl. 7, 13 mir trambt des nacktes soviel von dir^ wie
— 238 —
das ich bey dir sey nach gir ; wann ich erwach und des empir^
80 mucM mir wärser nit gesin. mich daucht, ich war in himsls
tron und hett mein lieb umbf wagen schon; wann ich dann bin
so ferr davon ^ das ist meine hertzen gröste pein; 87, b sy
chommt mir in dem schlauffe für^ wie ich an sich iren Uep-
liehen schein , . . vor grossen fräden ich erschriph^ so ich erwach
usz lieben pUck^ dann so ist mir fräde tewr . . imm schiauf mir
fräden nicht geprist und haby was ich allda begere, wenn ich
erwach und nichtz nit ist . . so ligt es mir an fr öden hert; II,
34, 20 ich lag gar unverdrossen , , . dein rotter mund tett sehen-
cken mir mamg fräd und lustj dich truckt gar friuntlich an
die prust mein arm^ als ob ich dich hett lieplich by mir an
dem pett Vgl. auch Oswald 32, 2; 81, 1. Derartige Träume
werden auch ia den uneigentlichen Tagliedern häufig geschildert,
8. Bartsch, über die rom. und deutsch. Tagelieder, p. 52.
5. B streicht so, allein der Vers ist wie 7 gebaut und Jas
80 muss hier wie dort stehen bleiben : er bildet die fnnfhebige Zeile
von T T .
6. B corrigiert red^ also die I Pers. ; aber auch die überlieferte
III ist möglich; und = und sie, vgl. die Anm. zu 15, 58.
Zu 10 vgl. noch Tit. 768 owe wenn ich entslafen bin^ so
kumt er mir vil dicke ; als mich erwecket^ so ist er hin eto. —
B corrigiert was si dan geflohen; doch das geht kaum, weil dan
bei Hugo nicht zu belegen ist; K (p. 334) will daher do streichen
was besser wäre; am correctesten aber ist wass = was si, das
die Hs. 21, 24 belegt (s. Abh. V, 225).
13. kü8si dasselbe Netz 13257 (bei Lex. unbelegt), verhält
sich zu küssin wie etwa wengli zu wenglin.
23. antwurte ist vielleicht gewagt; B anttvUrte, ändert also
in diesem Worte zweimal die üeberlieferung.
33. Vgl. Walther 51, 7 eines friundes minne diust niht
guot, da ensi ein ander bi: minne entouc niht eine, si sol sin
gemeine; Freid. 124, 5 ein minr\e dandem suochet; 105, 7 swer
her^eleit muoz eine tragen, der ma^ wol von noeten sagen; Mar-
ner 15, 360 minn ist ein er und ist ein si, zwei liep dn übel^
ein zwivalt guot^ s. Strauch zu 15, 345; es gehört zum Be-
griffe der wahren Minne, dass sie gegenseitig sei, vgl. Uhland, Sehr.
V, 163.
37 — 39. Oswald 74, 2 ich wolt^ du tvesst an ah gstfer
— 239 —
mein frmntschafft halb^ die ich dir trag^ zhdr du erfueret vil
lieher mer.
45. milt = miltet (Abh. IV, 175) transitiv. — 49 lies Uwer.
54. leseiff = lezzic = lasaua.
57, 58. Oswald 65, 11 die bort sol ich behalten mir und
schreiben in meine hertzen grundt; Mü^lein, Minnel. II, 9 des
ich si vor edlem wibe ^ig cm mins herzen wcmt mit der truwe
pinsel schrthe.
61. Wird alle zu corrigieren und der Vers als Titurelzeile
zu lesen sein.
69 — 72. Daran erinnert besonders Oswald 108, 5, 1 lieb ist
cUn wart ab allem schätz . . lieb überwindet alle sach^ lieb got
den herren twinget^ das er dem sünder ungemMh gantz wendt . .
lieb^ süeser hört
73 — 76. Das ist eine jener dunklen Stellen, auf welche K
(p. 342) hingewiesen hat. Vielleicht aber ist sie so zu erklären : in
Tat und Wort hat Liebe alles vollbracht; die zwei folgenden Zeilen
sind dann blosse Umschreibungen, um die Strophe auszufüllen und
die Reime zu liefern: dn zom bezöge sich auf Vebi^ [das Gomma
nach volbracht ist zu streichen] und die folgenden Ausdrücke auf
zomy so dass zom und liebi einander gegenübergestellt sind wie
in 81 — 84 gerechte lieb und imger echte lieb.
77 — 80 klingen an Tit., 680 an: minne hat uf erde housj
zu himel ist rein vor got ir geleite^ minne ist allenthalben wan
zu helle.
81—84 ist TU, die erste Zle. hat zweisilb. Anfb., die fünf-
hebige steht im dritten Vers.
93. Die Stelle ist verdorben, und zwar liegt der Fehler^ wie
man gleich sieht, im Beimworte, das fehlt. B schlug vor, nach liebi
gestanden bi anzuhängen, das gibt allerdings einen Beim, aber die
Aenderung ist stark, weil sie ein Wort {gehebt) ganz verwirft, und
zwei neue einsetzt, dazu bleibt noch die Ausdruckweise an sich sehr
zweifelhaft Ich suchte nach einer einfacheren ond habe hi (= hie)
angesetzt, das Hugo sehr oft pleonastisch verwendet, um den Beim
und vollen Vers zu erhalten (18, 170; 10, 7; 6, 185, 187 etc.),
ebenso wie andere Dichter (vgl. Haupt zu Engelh. 43; Wolfd. B
139, 2 dö was die küniginne eins suns genesen hie u. a.). Aber
eine andere Gorrectur ist mir jetzt noch wahrscheinlicher, weil sie
noch einfacher ist : 24, 98 zeigt, wie der Dichter des Beimes wegen
— 240 —
eine Wortverstellung voraimmt, welche der Schreiber änderte, weil
sie ihm nicht geläufig war. Auch hier könnte einfach umgestellt wer-
den: Aon ich "Anrecht Uebi gehabt (oder gehdhet) ie^ alsdann ist gar
kein Zusatz notwendig, und kann auch das dial. Uehi stehen bleiben.
Der Reim ie:dri ist unserm Dichter leicht zuzutrauen, vgl. Abh.
IV, 154.
109. B gtichtetf aber der Vers ist Titurelzeile. — 116 dester\
B destf das gleich unten 146 belegt ist.
121 — 124 ist T^l in verkürzter Form, so dass der zweihebi-
geri Zeile wie sonst die vierhebige gegenübersteht, die beiden an-
dern correspondierendea Verse gleichviel Hebungen haben ; vgl. auch
18, 229—232 und 273—276.
153 — 158. Hätzl. 119, 239 nun sich^ was lieh kanpringen,
seid ir lust aho ha/n zwingen den stanken und den hertsten^
den weissen und den gelertsten, es laszt nyemantz sicher wesen:
wie macht ich dann genesen? — zwingen (= twingen) belegt
Lex. nur aus Vintler, allein es wird in dieser spätem Zeit schon
häufig: einen Beleg ausser dem Hugo*s gibt die soeben angeführte
Stelle der Hätzl.; vgl. ferner Maget Krone zwank, bezwank^ be-
zwungen (Zing. 507); Netz 12199 zwingot^ zwingent; Brant
zwyngen 99, 157; 103, 50.
199. glicht: das ist die schwerste aller überlieferten Synkopen;
im gesprochenen Dialekte hört man sie nicht. Es könnte aber leicht
kein getischt im zweisilb. Auft. oder in der Tzl. gestanden haben,
vgl. Abh. V, 191 und die Anm. zu 16, 1.
201. B demnach im Texte und dannocht in den Varianten;
ebenso wird 38, 160 corrigiert, während in allen anderen Fällen
(9mal) die dmmocht im Texte stehen blieben, was allein richtig
ist; denn sie sind auch im Netz, bei Sachsenh , Laufb., Brant u. a.
ganz allgemein.
218. wankelmuot auch 5, 61, hier personificiert und zwar als
fro. Dichilundei ist ganz unbelegt.
241—247. Vgl. dazu Oswald 20, 3, 13 wen allzeit vast
nach ^ren dürH und fielst sich guoter sachj dem gibt der obrist
himelfwrst in seinem reich gemach und darnach hie adn vil guot
wort^ das pesser ist dann aller fürsten hört,
248. unverbannen (=^ nicht verboten) hat Lex. U, 1949 nur
aus Mone nachgewiesen.
249, 2;')0 sind verdorben. Dass grosffcn spott in die erste
— 241 —
Zeile za stellen ist, ergibt der Beim; alsdann muss unstetiheit in
die zweite, sonst wäre 249 überzahlig. unatetikeit und liden stim-
men aber nioht zusammen, denn und verbindet parallele Begriffe;
daher habe ich liegen corrigiert Einfacher wäre es, wenn man
nur Verstellung vornehmen würde: sfott || und Uden 'Jmstetiheit
brächt^ allein das gibt einen miserablen Satz und eine verwerfliche
Betonung. — B schreibt apott || unateti und in liden brächt
255 ist nimer zu oorrigieren, das B hat und K (p. 331)
billigt.
259 schreibt B gegen die Hs. und den Reim tu8eni\ aber
AG. hat (p. 140) mit Recht dieses Beispiel als Beleg für Apok.
des t angeführt, vgl. Abh. IV, 161 und Anm. zu 5, 229; ich er-
gänze dazu noch, dass tausen auch in Mag. Krone belegt ist (bei
Zing. 506).
XIX.
4. pillen= mit dem bil einschlagen, hineintreiben (W p. 160):
diese Stelle belegt Lex., aber etwas entstellt. Dasselbe Wort findet
sich noch 27, 63, 87 ; 32, 167 ; 35, 3 ; vgl. dazu Sachsenh. Moer.
2135 diu zärtlich form hat sich gepilt ga/r tief in mines her-
zen grünt \ Lanfb. 704, 5 ay (die Mutter Gottes) han den stein
wol byllen nach irem liebsten willen,
5. ga/mdhu masc, ein Edelstein, s. auch 28, 564.
9. K verlangt B gegenüber gaunt^ allein das wäre bei H. nn-
belegt; vgl. die ähnlichen zweisilb. Auft. in Abh. V, 206.
13. machty von mt/^m = vermögen, tun, und allg. = sich be-
finden; vgl. dazu Schreib. 2, 348^ und lassent üchwiaaen, daa
die unaem alle wol mügent (Lex. T, 2219).
25 — 29. Auf die parallele Stelle bei Oswald 1, 5, 15 habe
ich schon Abh. 11, 88 hingewiesen.
31. aueaaer mett wird häufig als Vergleich gebraucht, vgl. da-
rüber Weinhold, Lamprecht v. Regensb., Einl. p. 19.
32. B bringt in seinem Wortregister dieses weien mit dem
5, 299 zusammen, aber es sind zwei verschiedene Wörter: das
hier ist waejen swv. (über ei = ae s. Abh. IV, 157) =ßare, das
andere weien swv. = hinnire,
XX.
1 — 4. l B wolgepornen^ dann miisste der Schreiber en ab-
Wackernell, Montfort. \&
— 242 —
gewqrfen haben, und das ist ihm sonst nioht nachzuweisen, die
Synkope des e aber nur zu oft. gegoren schreibt auch Suchenw.
31, 165; Hätzl 11, 3, 2 etc. — 2 vielleicht enbüte'i — 4 B
lieh^ aber der Vers muss fünfhebig, also lieh zweisilbig gemacht
werden; darum habe ich Uehe geschrieben, dasselbe fordert auch
K (p. 335), so dass wir wieder mit einander übereinstimmen ; trotz-
dem haben wir beide falsch; denn es ist liebi zu schreiben, da
nur diese Form neben lieh belegt ist; anders steht es, wenn z. B.
hsl. guet zweisilbig zu machen ist, da guete neben gueti vorkommt. —
versentf von versenen swv. trans. = mit eenen abhärmen.
13 — 16. B corrigiert 13 usgnomen und streicht 15 nu, so dass
beide Verse dreihebig sind, vgl. aber 49 — 52 ; 34, 37 — 40 u. a. —
15 1. in meinen Var. gelukch.
36. B nu ; die Hs. hat aber deutlich nie, und das deutet auf
nuOy welches ich Abh. IV, 158 auch aus Hugo*s Urkunde nach-
gewiesen habe; vgl. dazu AG. § 144 und ergänze Saohsenh.
Temp. nuo 588, nuon hin 244 u. ö.; Nie. v. Bas. (Schmidt)
nuo p. 162, 8; LB. 1\ 1007 und sehr oft.
45. B hat Burg und verweist in der Anm. auf Biirg Mangolt ;
K (p. 339) spricht dagegen und denkt an hwrg mit abweichendem
Geschlechte; allein auch das wh:d kaum gehen, denn. die Hs. hat
bärg^ wis auf bürg schliessen lässt. — In Nr. 17 führte der Dichter
aus, wie vemunat und gewissen sich bemühten seine Seele zu bewah-
ren, welche das hertz verleiten wollte, und rief den Schutzengel zur
Hilfe herbei: o lieher engel^ nu huet der sel^ du hist mir doch
ze hu et er gehen. Könnte der Dichter nun hier unter hiJirg^ von
dem er in ähnlicher Weise sagt : der huet min sicher^ nicht den-
selben Schutzengel meinen, der dann gleichsam als ein , Bürge '*' für
einen guten Lebenswandel anzusehen wäre?
51. Hs. weinter; die AG. p. 56 fiihrt dieses Wort als Be-
leg an für ^ = e, allein das ist sonst bei Hugo und in den an-
dern verwandten Denkm. nicht belegt. Sollte aber weiter damit
gemeint sein? Vgl. Schmidt, Gesch. des indogermanischen Vocalis-
mus I, 48; dann würde es im Texte zu lassen und in AG. im
untern Absatz neben steihe etc. einzusetzen sein. — höwen = höuwen
swv., heuen.
XXL
. Lichtenst. 30, 15 den tac ich ^re^ d6 ich die vil guo^^
— 243 -
ten ^8te sach . . . wol dir taCy vil aaeUc ai din nam. Oswald
wol mich dn wee der lieben stunde dd mich ain poscholochfer
mund an lacht 52, 1; ich lob den tag^ atund^ weyl^ die zeit^
minut und quint^ do ich es hört etc. 56, 10; ich lob den tag und
preys den wunneclichen schertz^ seid sy mich hat uszerwelt ja
für aigen hertz (Hätzl. 79, 8). Hätzl. 57, 17 so lieben tag ge-
lebt ichnye^ damn da ich dich von erst anfie, Ambr. LB. 151,
26 selig ist der tag und auch die stunde darin ' mir dein lieb
erstlich war kund. Hadlaab klagt 28, 2, 4 so wS mir der stunde^
daz ich schouwen st begunde^ do mir wart ir wunne erkant,
6. abent-rdt stn. hat Lex. I, 10 nur einmal belegt.
14. Die Hs. hat hier Absatz, auch B, aber die Reime spre-
chen dagegen; dasselbe gilt bei 24.
18. härmval ist bei Lex. nicht belegt.
20, 21. Hätzl. 59, 16 zu baiden seiten ist sy langk, in der
mitt ist sy schwank; Sachenw. 24, 158 zemazzen lank, enmitten
chlain. Das insectenförmige Einschnüren der Frauen war schon
damals Mode ; das Netz sagt von den Klosterfrauen 5099 si mo-
cf^end sich schoen lustlich^ enmitten klain, weltlich gnuog stat
in an ir gefwa/ad^ ma/n umb fieng si mit der Hand.
22, 23. biichli = bücheli ^ venterculus. Die Bedeutung von
brün == briune stf. ergibt schon der Zusammenhang. •
27. hochristig (= mit hohem Fussrücken) ist bei Lex. unbelegt.
Suchenw. 25, 167 ir fuezzel chlain^ pogriste hol, eyn tzeisel sich
verporgen wol Met under irem riste.
Analoge Frauenbeschreibungen, wie sie Hugo in diesem Ge-
dichte und 5, 19 fr. bietet, sind häufig; vgl. Tannhauser, Bartsch LD^
47, 34 ff.; Suchenw. 24, 152 ff.; 25, 167 ff.; Hätzl. Nr. 59;
28, 67 ff.; Kittel 24, 31 ff.; Oswald Nr. 50 und 89 u. a.; nur
geht Hugo einmal beträchtlich über fdas Mass des geziemenden
hinaus; Oswald natürlich übertrifft ihn darin noch um ein gutes.
XXIL
5. B das glücke nimmt also die erste Schreibung der Hs. als
die richtige ; die folgenden parallelen Ausdrücke lassen aber kaum
zweifeln, dass sie beide zu verwerfen sind; vgl. auch 1, 61; 27,
173 u. a.
19. gliJk und seid sind nicht identisch; das lehrt uns Teich-
ner in einem eigenen Gedichte (Karajan p 118): mit selde^ &a^
— 244 —
er, werde das edlere, innere Gelingen, mit glück die Gewinnung
äusserer Vorteile bezeichnet.
21, 22: pHncipium awpientiae timor domini Ps. 110, 10»
vgl. Freidank 1, 5 ffote dienen äne wanc deist aller wisheit ane~
vanc^ und dazu Bezzenbergers Anm. z. St.
22 und 24 haben nur drei Hebungen, die Besserung liegt aber
nahe : 22 kann götlichey 24 das velt nicht als umb e. h, geschrieben
werden, das im vorausgehenden Gedichte (Vers 25) überliefert ist;
noch wahrscheinlicher jedoch ist es, fürwareihdre zu schreiben, da
auch die entsprechenden Zeilen der übrigen Strophen klingend rei-
men, s. Abh. V, 202. — 23 liest B vint^ die Hs. vindt,
36: häufige Ausdrucksweise; vgLSuchenw. 5, 52 davon wolt er
nicht wenchen {igedenkchen); Hätzl. 3, 82 von im will ich nit
wenken; 36, 7 von ir wiU ich nit wenchen bis uff mein endes
zil etc.
xxra.
4. B gberd^ vgl. die AnuL zum ähnlichen zweisilbigen Auftaete
in 19, 9.
31. Auch K fand die Stelle unverständlich; die Gorrectur in
meinem Texte wird auch die Deutung klar machen, sie stammt
von V. d. Hagen.
33. Wahrscheinlicher ist wohl gesigelt mit m/ner zu lesen,
vgl. 34, 45.
38. B gbürt und drüzehn; ich habe aber Anstand genommen,
an dieser Strophe, welche gegen die Metrik verstösst, etwas zu corri-
gieren, weil sie in herkömmlicher Weise die Abfassungszeit be-
stimmt, wie es Hugo aus den Urkunden gewohnt war, und ihm daher
hier ein Fehler um so leichter passieren konnte. Der Reim jdr
zieht in solchen Datierungsstrophen gewöhnlich den Flickreim wdr
nach sich, vgl. 34, 52; 35, 36; 36, 27; Suchenw. 4, 1 ; 5, 89 etc.
xxrv.
1. üeber solche Schilderungen der Träume vgl K p. 339. —
B trSm : hdn^ s. Abh. IV, 166. In seiner Abhandlung über
rom. u. deutsche Taglieder zählte B (p. 67) dieses Gedicht zu den
Tagliedem.
5, 6. Die Dichtung wurde immer noch wie zur Zeit der
StAofer als ein, wenn auch nur selten erfülltes Gebot der feinen
— 245 —
Bildung and der bevorzugten Lebensstellung festgehalten; vgl. Rü-
ckert, Gesch. der nhd. Sohriftspr. I, 183.
B geächtet ze; dagegen K (p. 335), der geücU verlangt, wie
in meinem Texte steht; ich merke nur noch an, dass auch gettchte
ze corrigiert werden könnte (s. Abh. IV, 177).
10. gesprochen = verred^ verschworen, hat also dieselbe Be-
deutung wie verheiaaen 29, 17, 77 und versprochen Freid. 102,
12: manc man ein wtp versprochen hdt,
23. Dass ward^ welches B bewahrt, nur aus der obigen Zeile
herabgesprungen ist, deutet schon der Rhythmus an.
37 — 40. Vintler 823 man vindt doch in der alten schrifty do
Salomon den tempel süftj das in zwang ain schwa/rze haidenin.
durch der selben mllen verlos er sein «tw, da>s er gotes ver-
laugent damit, wann er peit di abgötter an nach irem sit
49. B gemeii, aber auch K (p. 335) fordert gmeit
65. B weit : scJhelt, so dass alle vier Verse stumpf und nur
dreihebig sind, vgl. die Anm. zu 15, 150; hier ist die Besserung
um so unverfänglicher, weil dadurch die grammatisch vollen For-
men hergestellt werden. — Freid. 105, 13 swaz guots und
Übels ist geschehen, des muoz man 'n teil den wiben jehen des
besten und des boesten^ des nidersten und des hoesten. Vintler
797 swad Augustin spricht OMch das, das chain ding nie was
noch nimmer wirt auf diser erde, das da pesser und pöser
iverde dann ain weib ; 837 wer wil aber alle übel sagen, die di
frawen an in haben, so haben si auch vil guettat, das sich
wol erji/ndt am, maniger stat
69. B seligü, K fordert (p. 335) selgü.
77, 78. glüptbrüchdg = brüchig dessen, was man gelobt, ver-
sprochen hat: wort-, treubrüchig. So sagt auch Suchenw. 29, 96
vom Pfennig: gesworen aid mach ich wolvail; 32, 10 dw {giti-
heit) velschest laider manigen eyd wad pist auch trewenprucMg,
79. Dasselbe bei Sachsenh. Moer. pfu4:h pfy, pfuch phy der
grossen schant (Martin zu 260).
116 ist vielleicht sichs zu schreiben.
120. sterben atn. ewig sterben gebraucht Hugo gewöhnlich
= ewige Verdammnis, wie ewigs leben 25, 127 oder einfach ewi-
heit 33, 35 = ewige Seligkeit.
129. B gesicht, der Vers muss vierhebig sein, daher gestehet
geschrieben werden, s. z. B. 27, 72 und vgl. Abh. IV, 174.
— 246 —
138. Die Hs. hat güti : gemüte. Dreifaches ist möglich: am
nächsten läge gueti in guete zu ändern, weil das auch in der Hs. be-
legt ist, so wollte Kummer (p. 325); damit fallt aber eine dia-
lektische Form, die in Hugo*s Sprachgebrauche begründet ist (s. Abb
IV, 187) ; daher habe ich gueti : gemueti (ahd. guatt, gimuati)
corrigiert, weil beide, i einen ahd. I-Laut zu Grunde haben , und
weil ferner derselbe Reim auch bei Laufb. 709, 8 (gueH : gemueti)
und in lÄSsb. LS. 28, 56 {guetti ; gemueti) u. Ö. überliefert ist —
B hat gueti : gemuete.
XXV.
3. Ueber diese Correctur vgl. die Anm. zu 5, 264; die Schrei-
bung geheine kann man sich unbedenklich gestatten, da sie auch
«
noch bei den spätem Dichtern gangbar ist, z. B. in Lassb. LS.
250, 49.
4 — 9. Lassb. LS. 250, 35 mr aechen ir gebain groz und
ciain, da sint die schoenen hopt ir krönen gar heroht . . . die
minnehlichen wangen sint da gar zer gangen, die rasen farwen
münd sint da gar verswUmd . . . owe daz gehaine^ daz vil un-
raine die boesen wurm nagen; 37, 134 durch not so ist min
mundel rot enpherwet und erblichen, ach wie ist abgestrichen so
glantzer mine farw; Engelh. 13 ir roeselehten wangen mit bleichte
sint bevangen . . ir schoene ist gar zergangen,
12. entschöpfen swv. = das geschöpfte, geschaffene zerstören,
entstellen, hässlich machen.
14. hop darf hier und 24, 33 nicht zu hopt corrigiert wer-
den, wie B und ich falschlich taten. Ich habe mein Versehen schon
• * '
in Abb. IV, 160 gut gemacht. Gerade in diesem Worte kann ich die
Apokope des t noch belegen aus Maget Krone 98^ und Suchenw.
40, 113; auch der heutige alem. und bair. Dialekt sagt hop, haup.
20. Nimmt man hett ichs als zweisilb. Auft, so steht die
schwerere Silbe voraus, was geringe Gewähr hat (Abb. V, 206),
zumal die Correctur angleit sehr leicht ist.
28 corrigiert B duchte^ was man nicht gestatten darf; denn
das Praet. dünkte ist beim Schreiber A und B belegt und sicherer
als duckte, s. Abb. IV, 184; auch in der alem. ürk. vom 6./9. 1389
(Arch. I, m, 137) steht dwnkU,
35. trösten mit dem Gen. = Zuversicht haben zu, sich verlassen
auf etwas.'
— 247 —
36. wankel ist flexionsloses Adj.; das bei Lex. nicht häafig
belegte Subst. gebraucht Hugo 6, 40; 20, 44; 23, 11; 24, 71.
39, 40. Netz 7918 so schrigend d den waffen^ waffen^ das
wir ie wurden geboren^ muossen wir ewklich sin verloren.
42—46 und dazu 76 «F., 143 ff. erinnern an Hätzl. II, 55,
313 sag ditz allen guoten weihen^ das sy es in ir hertz schrei-
ben und des mit nickte vergessen^ all ir sach darnach messen
und hüten sich vor diser not: sag £n, das sey mein ratt
55. B er^ es ist aber ere unde zu corrigieren, wie 12, 12
erde unde, auch 63 lässt B irrtümlich und.
60. übergiUg (steigernd = noch mehr als geizig) ist unbelegt.
90. Da Hugo bereits zwingen sagt (Anm. zu 18, 156) , so
ist die alte Form antlüt um so beachtenswerter, vgl. auch Zarncke,
Brant p. 28 1^
100. Bartsch' Correctur gelidem {: dawider) fällt, weil ich
Abh. IV, 187 diese hsl. Apokope auch bei andern Dichtem nachge-
wiesen habe. Auch was Abh. lY, 165 über Apokope des n gesagt
wurde, ist hier in Betracht zu ziehen; die dort gesammelten Reime
e : en können jetzt noch durch die von Lambel aus Yolmars
Steinbuch (p. XV) angeführten vermehrt werden. Wenn daher Ziu-
gerle bei den Reimen der Maget Krone (und folgte iren) Wen :
mSre den Vorschlag macht (p. 496) irer Ure zu bessern, so ist
dieser abzulehnen.
103. unhofferüg (= nicht hoch fahrend) ist bei Lex. gar
nicht, hinlässig (= fahrlässig) 108 nur aus Weist, u. Beisp. belegt.
114. schiehen swv. scheuen, s. auch 172.
126. himel hat in spätem Gedichten oft den Plural, s. 18,
173; 25, 180; 27, 30; 29, 70; 30, 54; 32, 29; 33, 155 u. a.
132. rotten (auf der Rotte spielen), seiten hlenken (Saiten
klingen machen, Saitenspiel) sind woÜl stn.
136. B edlem ohne Variante.
138. B aller^ aber die Correctur wird in diesem Verse kaum zu
ersparen sein, vgl. 12, 10, wo auch B aUr oorrigiert.
162. neisen = neizen swv. bedrängen. Snchenw. 42, 55 die
witwen und die waisen die chanst du vil wol naysen,
190 — 202. Der Schluss dieses Gedichtes ist nach dem von
Suchen wirts Nr. 22, 201 — 225 satzehant do gie der tag lustig her
an widerstreit . . . er sprach : Ueber Sueehenwirt, rat den edlen^
wa du pistj daz si sich vor der Sünden list hueten innichieich
— 248 —
durch got . . . rat in von aUen schänden . . . ich rait von im und
eylte drat: die red haizzt der new rat
XXVI.
6. ainn haben = Gedanken, Absicht, Vorsatz haben.
16. B musste üch einklammern, weil er den Vers mit dop-
peltem Auftacte nnd drei Hebungen las, um ihn dem correspondie-
renden gleichhebig zu machen; allein es ist die fünfhebige Titu-
relzeile mit fehlender Senkung, welche durch behuetet beseitigt wer-
den kann.
18. B alter ohne Variante.
23. winhehchertzen stn. ist nur aus Hugo belegt.
28 hat sechs Hebungen, vielleicht kann biderb verschleift and
zuo einer oder zeiner gelesen werden.
29. B gesind, das kann nicht bleiben : imer steht im AufU
und die beiden Beimzeilen haben je drei Hebungen.
37 — 40. 37, 38 oorrigiert B wan umb die sach \\ hat Lur-
cifer gevallen; allein dann ist schon die seltene Construction mit
haben auffallend und bei Hugo unbelegt. Der Fehler des Schrei-
bers ist ein anderer und sofort ersichtlich, denn es stehen ja die
beiden Reimwörter sach und gevaüen unmittelbar neben einander:
er ist also vom Reimwort des ersten Verses auf das des zweiten hin-
übergesprungen, und die ganze zweite Zeile ist bis auf den Reim zu
ergänzen; in dem Sinne ist auch Prof. Heinzeis Emendation in meinem
Texte, welche eine tadellose T^ herstellt. — die sach ist die hochn
fa/rt — 40 iMcifer und siü husgenozze sagt Tit. 73, 2; LuH-
fer und sein gends Oswald 113, 3, 5; Teichner hat ein eigenes
Gedicht von Lucifers val A. 48^^« — B schreibt muessen.
45-— 48. Suchenw. 11, 129 hat er sich nie vergezzm, an
trinken und an ezzen er sich in rechter mazze hielt; Hätzl.
123, 56 hält dich vor hochva/rt^ traut gespil^ nymm weins zu dir
auch nit vil, wann das gar iU>el statt.
53 — 56. Auch Teichner lehrt, dass man mit Güte mehr
erreiche als mit Zorn (Karajan VI, 130), ebenso Suchenw. 38, 73
es wirt mit weisshait offt gesigt, als noch mag wol geschehen$
daz man mit vechten underligt, daz man hat vil gesehen, man
gwint offt mit tugent mer, denn m^n gewint mit tzom; tugent
pringt tzv>cht und er^ von gtch wirt vil verloren, — 63 kann huet
gebessert werden, das 23 belegt ist, 41 vielleicht auch slaht.
— 249 —
XXVII.
16. B o5 68^ dann hat der Vers aber 6 Hebungen. — Der
überstiegene Vergleich bei Suchenw. 41 , 31 so wirt dein lob
durhgründet^ wenn man ein chertzen tziindet mit ene und nicht
mit fewre.
26. Tit. 1, 3 din ie^ din immer ist gar ungepfehtet unge-
ff echt ist part. Adj. (= anmessbar, unergründlioh), welches Lex. nur
aus Tit. belegt, von dem es Hugo überkommen haben wird.
31. B Äör, aber dann würde wie in ziind 5 die Senkung
fehlen öder ein drei- und ein vierhebiger Vers gebunden werden. —
Hier gibt Hugo selbst als eine Quelle seiner theol. Kenntnisse die
wisen ffaffen an, vgl. Abh. II, 108, Anm. 1.
53 — 56 ist TU mit der verkürzten Zeile im zweiten Verse.
B hat unwandelbere (:swere), da aber 51 mit Auft. beginnt, ist die
Correctur nicht notwendig, s. Abh. V, 251.
58. allem dinem^ vgl. dazu Heinzel, zur Er. 15; auch in
Urkunden findet sich diese Ass., z. B. in der vom 8./4. 1363
(Arch. I, 92) von dem hangendem.
65 — 68. Ueber des (heiligen) geistes gaben vgl. Karajan,
Teichn. 98: vor allem ist darunter verstanden die Schärfe der
Einsicht, die anregt, das Gute zu tun, das Böse zu lassen; so
meint es auch Hugo. Teichner G 264 der sendet mir in minem
muotf daz iibel Idzen^ tuon daz guot — gäben ist N. PL, hat
also nach nhd. Weise die sw. Endung; vgl. auch tmden 28, 107
und IV, 188.
71. mit seiden -ruoten = mit Strafen, die zum Heile ge-
reichen (vgl. 5, 161—166).
80. B odr^ allein es ist die fünfhebige Tzl., in welcher die
fehlende Senkg. zum technischen Motiv verwendet wird, s. Abh. V,
217, Punkt 1.
89 — 92. 89 hat B vngelüh^ aber es ist vnglüh zu corrigieren,
wie auch K (p. 335) verlangt. — Der Vers 91 hat um eine
Silbe zu wenig, B schreibt daher glichet; ich zog einem vor, denn
damit überliefert die Hs. 33, 72 und 28, 508 den zweiten Teil dieses
Verses Der derbe Vergleich war sehr beliebt, vgl. Had. 389, 1 ;
Oswald 91, 3, 2; Netz 1086; Hätzl. 30, 36; II, 7, 79; 20, 86;
51, 84; 54, 48 etc.
105. Nibel. 2315 als ie diu liebe leide ze aller jungiste gtt.
Walther (Wilm.) 38, 21 herzeUebes^ swaz ich des noch ie gesach^
— 250 —
dd was herzeleide bt Freid. 31, 16 Mute liep^ mome leit^ deis
der werlde unstaetekeit. Tit. 1026 nein lieb zv/r get mit leide,
daz ist gewisy sust nimt die werlt ein ende; Häd. 390, 5 lieb
dne leit ich vinde selten leider; Hätzl. 55, 3 Ueb pringt laiduls
Mtz den regen; II, 17, 87 laid ist liebes nächster knechte 92
wann lieb an laid mag nit bestan; Laufenb. 717, 16 der weite
Ion ist anders niht, denn ach und we und leyde! Brant NS.
50, 31 der gantzen weit wollusükeyt endt sich zuo Utst mit
bitterkeyt u. a.
114. schUeme swm., eine dünn gegftrbte Haut in den Fen-
stern an Stelle der Gläser. Was Hugo sagen will, ist klar: ich
habe die Welt gesehen und nicht nur durch das Stubenfenster.
115. B zergangklieh^ die gk aber gehören nttr dem Schreiber
B (s. Abh. m, 115).
123. lieber büwen üf ein tsj 4/ ein wölken^ üf den regen"
bogen etc. s. Bezzenberger zu Freidank 1, 7—12.
125 — 128. Die beiden ersten Verse sind zusammengeschrieben
zu lassen, wie sie die Hs. bietet, denn wir haben hier T^ in der^
dreizeiligen Form (vgl. Abh. V, 250), nit : rip ist daher kein Reim
und in Abh. IV, 172« zu streichen. — Adame rip ist die Eva;
Tit. 1444 seit daz Adams rippe verholne wart gemacht zu ei-
nem bilde; Sachsenh. gott Adam schuoff . . . und nam usz sinem
lib ain rip^ davon so kumment alle sip Moer. 4318. — Zu diesem
Ausspruche Salomons in 121, 126, 127 vgl. Freid. 81, 7 Sah-
mon hdt doch war geseit : diu werlt ist ga/r ein üppekeity zurück-
gehend auf Eccl. 1, 2 vanitasvamtatum etc.
131. Suchenw. 6, 66 do stach die trew ein scharfer dorn,
unmuot-dom hat Lex; nur mit dieser Stelle belegt Mit vnmuot
bildet Hiigo noch die Compos. unmuot-strasse 28, 339; vnmuot-
band 28, 304, welche ganz unbelegt sind.
133 — 136 ist T^l mit der verkürzten Zeile im zweiten Verse
wie 53—^56, daher muss 133 wenigstens dreihebig sein, auf als
kann man den Nachdruck legen; 136 ist wahrscheinlich unde zu
schreiben, aber auch vierhebig wäre der Vers möglich, weil er mit
dem zweihebigen reimt; s. die Anm. zu 18, 121 — 124. — B lässt
herzUid^ dann würde die folgende ist mir beschuhen zu lesen sein«
und das geht nicht,' weil die verkürzte Tzl. stumpf reimt (Abh.
V, 261).
141—144. Aehnlioh klagt Oswald 119, 1 rain freud mit
— 251 —
klarem hertzen truog ich nie ainen tag an Hoffnung^ vorcht und
schmertzen eto. — 142 eUweg, das Lex. I, 39 noch nicht belegt
hat; K meint (p. 322) daher, dass diese Umlaatung Dar der Hs.,
nicht dem Dichter eigen sei; allein auch das Netz hat 13083
deutlich ellweg. Wie der unechte Umlaut sich ausbreiten konnte,
ist leicht zu vermuten: elM ist häufig, dafür auch mit der nhd.
Endung eUe^ eil, das dann nicht nur für das Fem. (resp. auch
Neutr.), sondern für alle drei Gesohlechter neben aUe^ aU ge-
braucht wurde.
163. verren swv. mit dem Dat. der Pers. = ferne werden.
169. lieber das t in mögt (: tag) s. Abh. IV, 161; ich bemerke
nur noch, dass mag^ mag im Dialekte allgemein ist.
172. Lies von. B wichen^ ebenso 28, 31 gebrech lapech; vgl.
Abh. IV, 170; ausserdem Netz 1923 höh, 13622 zomlih, 4321
huohatahen^ rieh : tmgelih 7318 etc., auch noch bei Brant durh
102, 41 (sonst durch), noh 72, 42, ent'phoh 38, 60 etc.
181. wandeln swv. trans. = bereisen, begehen.
181—184. 182 muss bei mir und bei B helceum corrigiert
werden. — gleich = geleich stn. (s. auoh 28, 308, 311) = Be-
trug, Täuschung, ist auch bei Vintler 3724 belegt, kommt von
leichen swv. (s. 18, 8; 29, 39, 160), gt. laihan stv. einen leichen
heisst im Dialekte : einem unter die Beine springen, damit er fallt,
dann heimtückisch fällen überhaupt; vgl. das Beispiel bei Schöpf,
Tirol. Id. 360 heut hdVa mi aufn eis gloadit, daher übertr. =
überlisten, betrügen. — 184 weich an = biegsam» nachgiebig
gegen.
187. ersterben mit in hat Lex. nicht belegt
203. wiesen = wtzen ist Plural : erlöse sie aus den Leiden
des Fegfeuers.
213. B aller (ebenso 217), aber es ist Tzl. und aUr not-
wendig, s. Anm. zu 25, 138.
227, 228. Auffallende Uebereinstimmung bei Vintler 288 wnd
das du bedenkst, wer du muest werden . . und wer das sette
recht versint . . . der mag sich wol vor Sünden hiieten.
xxvm.
1. Hätzl. II, 47, 1 ich kam an einem morgen hewr für
den yjald nach aubentewr eta Ueber andere Parallelen vgl. Abh.
II, 89 und Kummer p. 340.
— 252 —
5. flusarich (= flussmächtig) ist anbelegt
14. ortoeht = ungerade, eckig, gegenüber dem rimt.
16. octaf stf., Ausdruck aus der Musik, vgl 16, 13, dort auch
quint und quart 16, 10-
17. tenur =■ tenore stin. = tenor singen (auch 16, 12). —
discantieren substant. Inf. -= discant singen; vgl. Hätzl. 14, 32
hört man sy (die Vögel) discantieren^ gcMr maiaterlich florieren^
des tagea schein sy zieren etc.
50. B vest Bei der folgenden Beschreibung der Feste schwebte
Hugo wohl die Beschreibung des Graltempels im Titurel vor, vgl.
Kummer p. 341. Einige Züge deuten ausserdem auf Suchenw.
24, 111 flf. und auf Lassb. LS. 251, 342 flf.
52. Auch B corrigiert nich zu nichts allein nich kann stehen
bleiben und in Abh. IV, 161 nachgetragen werden; vielleicht hätte
man auch 18, 52 und 28, 317 nich schreiben k<3nnen, weil erst der
Renovator das t ergänzte, der aber für die ursprüngliche Form
geringe Gewähr bietet
54. B gemach, auch K fordert (p. 335) gmach,
58: die knöpf auf dem Dache nämlich; Suchenw. 25, 66 ein
chnauf von aim ruheine chos ich auf dem getzelde.
60, 61. homdön = Hornmelodien. pelg-^tretten = Trom-
melschlagen.
62. B hellen und fehlende Senkung; meine Gorrectur stützt
sich auf die analogen Stellen in 16, 13, 30, 50.
66. vogeldönen stn. begegnet auch 1, 34 und ist bei Lex. III,
425 nur mit letzterer Stelle belegt.
74. B mit der Hs. eben; der Vers kehrt 134 wieder, wo der
Torwart den Dichter weiter lesen heisst, und hier steht oben: die
Inschriften waren in den Gibel- oder Bogenfeldern der Tore ange-
bracht, das war ja die gewöhnliche Stelle dafür.
82 bewahrt B die hsl. Lesung; aber diese taugt nicht: ent-
weder ist ze zu inclinieren oder gsach zu schreiben; das erstere
steht in meinem Text, das letztere empfiehlt K, beides ist richtig.
87. Der Vers würde vierhebig mit vollzähligen Senkungen,
wenn man aUe da verjagen schriebe, da einzuschieben, bietet ge-
ringe Schwierigkeit, weil es im ganz gleichen Verse 94 steht.
88. den töchterlin ist anstössig. Kummer erklärt (p. 335)
den als fälschliche Auflösung des hsl. du in den, wobei der U-Strich
versehen wurde. Die Emendation scheint mir treflflich zu sein.
- 263 —
89 ist die fünfhebige TzL, vgl. 113, 141, 149 etc.
97. vahcher heisst hier Irrlehrer (Fälscher des Wortes
Gottes).
105 — 108. 105 liden swv. muss hier, wie das correspondie-
reude r/tVtoiV^ andeatet, heissen: auseinander gliedern, entgliedern,
wie sonst zerliden^ vgl. Lexers Beisp. aus Alem. 6, 233 ain rind
viertailen^ houwen und zerliden. — 107 vierteilen = in vier
Stücke reissen. W dachte an verteilen,
121 — 124. Diese Strophe weist auf Mart. 60, 78 daz mes
(Mass höllischen Bieres) ist har gehruwen gar bereitit und ge^
soften uz den slangen und den crotten und uz frischin nateren.
152. schelb (=- scheiß -hes^ -^es, krumm) hat Lex. aus Hugo
belegt.
162. K las (p. 328) um statt nu^ was sicher ein Versehen
ist, denn die Hs. schreibt niemals um^ sondern nur umb.
170 reimt auf einen vierhebigen Vers, allein wahrscheinlicher
ist 172 Tzl. und demnach fr Öde unde zu schreiben, vgl. die
ähnl. Str. 461—464, 733—736 etc.
174. enpfunden refl., das hat sich nun geoiFenbart
195 lies nach. — 196 hat B tm<2, es ist aber tmde nötig,
ebenso 396.
237, 238. Hadam. 333, 4 doch rede und werc ist gröz an
underscheide^ vgl. die Anm. zu 4, 110.
243. bäht stn., Unrat, Kot. sünden-bacht ist als zusammen-
gesetztes Subst zu nehmen.
257 B bgiry fasst also diese Strophe als T^^ ; das ist aber
nicht notwendig, denn Vers 257 kann drei Hebungen haben wie
sein correspondierender und die Strophe Tl sein. Sicher ist in
solchen zweifelhaften Fällen Tl^ nur, wenn der dritte Vers vier
Hebungen hat, z. B. 18, 49 — 52 ist Tl^ und iiwer zweisilbiger
Auft.; 28, 705 — 8 ist TW und alm^chtiger gött zu lesen; 31,
153—156 ist TU und als ob zweisilb. Auft.
262. B streicht ichy warum? In TI kann dem fünfhebigen
auch ein vierhebiger Vers gegenüber stehen.
268. Auch B hat me ergänzt. Die Notwendigkeit dieser Ein-
schaltung beweist schon das correspondierende denn,
271. Hs. trübsail: ai für a ist bei Hugo sonst nicht belegt,
im Alem. überhaupt misslich (vgl. Birl. AS. p. 50), häufiger da-
gegen im Bair. (BG. S 66), gehört also dem Schreiber B.
— 254 —
278 ist ohne Zweifel verstümmelt; B deutet das durch Punkte
an; allein der Vers war mit ziemlicher Sicherheit aus 429 und
430 zu ergänzen: der Schreiber sprang wieder vom Reimwort der
ersten Zeile auf die zwei letzten WOrter der zweiten über.
280. an-nemen refl. =r sich anmassen.
282 bildet mit 284 rührenden Reim, vgl. auch 6, 38; über
verirren Jänicke zu Wolfd. D V, 55, 1. — B schreibt verirret:
verwirret; die Correctur wird zu billigen sein, wenn man 5, 178
dazu vergleicht, aber dann darf die Variante nicht fehlen.
300. B ain wolgerdtin^ ohne Variante; vgl. Abh. IV, 188 f.
303. Lichtenst. 5» 6 ich was der seihen vrowen kneht; Sach-
senh. Moer. 123 wie nun^ frow Meczen hnechtl
314. heschen swv. = schluchzen.
356 — 359 erinnern an den Spruch: ich leb* und weiss nit
wie lang, ich stirb und weiss nit wann etc., vgl« Bezzenberger zu
Freid. 17, 25; 177, 13; ferner Freid. 177, 13 wim haben niht
gewisses mi wan den tot; daz fuot mir wS . ich weiz wol^ daz
der tSt geschiht^ des tSdes zit enweiz ich niht; deutsch. Gato 395
man weiz wol^ daz der tot geschiht^ man weiz ab einer zuokunft
niht Teichner ich hän einen swaeren bimtj der mir aller-
herüst lifj daz ich niht wizzen ha/n die zit, wan mich der tot
grtfet an. Dd vür niemen niht ha/n . . . daz macht mich an
vreuden bloz. Waz mähte groezerz ouch gestn, daz ich die war-
heit weiz vor mtn^ daz ich muoz an todes spil und enweiz niht
ze welher wil oder wie der s^ geschaecK Karajan p. 117.
360. Auch im Netz 1488 und ir sei scheidet von dem
mund^ 8. auch 6631. Die Seele, welche durch den Mund ent-
weicht, wird als Hauch gedacht. Job 7, 7 mementOy quia ventus
est vita mea; Jac. 4, 1^ qiuie est enim vita vestraf vapor est
ad modicum parens et deinceps exterfninabitur; Freid. 18, 1 got
git die sSle^ der nem s*ouch hm; diu vert von mir alz ein blas
und Idt mich Ugen als ein dsy vgl. Bezzenb. z. St — Gegen diese
alte volkstümliche Auffassung der Seele, welche durch den Mund ent-
weiche, polemisiert der gelehrte Teichner: weder durch den Mund
noch durch die Nase entweiche sie, sondern ähnlich wie das Licht
durch Glas ohne materielle Oeffnung : etlich meister taont uns fcun^
daz der ncbsen und daz dem munt sol diu sSle ir strdzen gän^
daz ist niht: daz merk dar an, daz man einem munt und
— 255 —
nasen mac verzimhem und verglasen^ daz kern luckel mac hin
in^ dannoch ffSt diu sSl da hin.
370. hunde swm. (= der Bekanate, Einheimische gegenüber
dem Fremden) ist bei Lex. nar schwach belegt.
374. Ment ist Koseform für dementia.
394. Aaf die Zweifelhafbigkeit der Reime wcMrteniporten und
ward ; hört 18, 70 habe ich schon Abh. IV, 152 hingewiesen.
a für 0 ist sonst in der österr. Mundart beliebt, selbst Walther
erlaubte sich verwehren : pfarren, Wilmanns zu 83, 35; was bei
Hugo dafür zu sprechen scheint, ist, dass er ä sonst nur vor n
verwendet In jedem Falle wird man sicherer tun, Hugo's Reim
aus der Ziahl der Beispiele in AG. p. 16. zu streichen.
;403. B wilkomen; der Vers ist 203 wörtlich belegt, vgl.
auch Sachsenh. Moer. 6003 sie Hessen mich gott mlkom sin.
414. B lässt schöni, K fordert schön^ so steht auch in mei-
nem (Texte. Das ist der einzige Fall, wo ich ein dialektisches t
getilgt habe, und der ist mir zweifelhaft geworden ; denn der Vers
könnte auch als Tzl. gelesen werden.
438 ist mit B verkeren : weren zu schreiben, denn so steht
7, 18 und 35, 14 sweren : verkeren.
451. cristan-m^nsch ist zusammengesetztes Subst B schreibt
chr-y die Hs. aber consequent nur er-,
458, 459. B samragden. — 459 B kusche unde, aber Vers
457 i3t Tzl., welcher eine dreihebige Zeile gegenüberstehen kann.
463. spire swf. = Dachschwalbe, Mauerschwalbe, s. Weinhold
in den Mitt. 163.
480. B lässt die Ueberlieferung, die aber nicht brauchbar ist,
denn der Satz fordert ein Praedikat: man kann zweifeln, ob er
hat oder im wirt einzucorrigieren sei, vgl. 4, 158; 17, 24; 8, 11 ;
25, 127.
487. fürchtrechtig [was er sonst mit über das getrehte ^-^
über das Denken, Betrachten hinaus, wiedergibt] begegnet auch
1, 53 und ist bei Lex. unbelegt.
4S^h. erschiessen stv. intr. =zerschiessen, entschiessen, vergehen.
509 — 512. Diese Strophe hat ausnahmsweise zwei Verse mit
nur 2 Hebungen, aber die Gleichhebigkeit der Reimzeilen
ist auch hier noch festgehalten. — Auch B zwölfe sonst
corrigiert er gegen die Hs. zwelf^ s. die Anm. zu 4, 92. — an-
geschossen = angebaut.
— 256 —
551. B sieht j aber aichet ist neben nimet etc. (s. Abb. IV|
174) nicht auffallend.
basiaten 553, crisolitus 557, calddoni^ onichel 561 sind
Namen von Edelsteinen wie diafnant 601: nach Volmars Stein-
buch (Liambel p. XXIII) = crisolite^ calcedön, onicMnua (onix);
basiate ist nicht belegt; die Form onichel weist aber aufTit. 319,
6046, 6110 etc.
563 corrigiert B mang^ was unzulässig ist, denn manig
steht hier offenbar, um die Vierhebigkeit des Verses zu erhalten,
welche der mitreimende verlangt.
567—575 (vgl. dazu 10, 22; 25, 135) sind aus der Apoka-
lypse, 8. W. Grimm, gold. Schmiede, Einl. p. 38; Titurel 272 Jo-
hannes mit der swnne ouch sach die kunigin edele mit kleiden
sam die brunne^ die kunigin wunnebemden sedele . ir schemel
ist der ma/n durchWhüg schone^ ir krantz der meide reine daz
sint die stem zwei/ lieht in trone. Mönch von Salzb. (Ampferer)
16, 4 dy syben sigill offen schir ze hymel mitfiguren vir snieh
sand Johans solch tcfunder; Waokern. KL. H, 553, 3 czwelf
steren czierent wol dein kron^ dich klait dye sunn^ dich sckuecht
der mon^ als dich sach sand Johanns gen* fron mit tawgenhait
umbefangen, 573 ist die Umstellung des Schreibers evident —
579 erg. in den Varianten liepleich — der Flickvers 574 gibt
nur eine nähere Erklärung des rein in 573.
586. Bartsch streicht der^ schreibt toner und macht den
Plural, blicke (: wicke) ! Weinhold corrigiert (Mitt. 155) glest ez
als der tum blicke was den Sinn verderbt. Die Ueberliefemng
hat nichts anstössiges als die Betonung d^r torn^ die aber bei
Hugo leicht möglich ist; cfoner-pJffecA (stm. =" Blitzstrahl) begegnet
auch 38, 27. Ich habe nur tom in ton/r geändert, aber auch das
ist überflüssig, da tonr schwerfälliger als die Metathese fom, welche
bekanntlich auch in Urkunden (dornstag neben donerstag^ don--
restag) häufig ist.
589. K will (p. 334) gross ernst y allein es ist Tzl. —
Bartsch führt in seiner Einl. p. 6, auf diese Stelle verweisend, die
Reime rot: got an, ebenso die AG. p. 44; sie sind aber zu strei-
chen, denn die Strophe kann nicht fünfzeilig sein, wie sie es nach
der Ueberlieferung des Schreibers, der sich gleichfalls irre führen
liess, wäre. Solch zufälliges Zusammentreffen zweier Reime be-
gegaet ja auch in der prosaischen Rede oft genug.
— 257 —
592 hat B an, wo ane zu bessern ist
605. E fasst (p. 322) grliisi als Adj. Dann stünde freilioli
unechter Umlaut; aber warum kann es nicht Subst sein wie das
folgende herU wenn dann die Ueberlieferung tadellos und der Sinn
nicht dagegen ist? Der Dichter hebt am hurgherg die Grösse, Härte
und dass er schlüpfrig (hei = haele) ist, hervor, so dass niemand
ohne Gottes Gnade hinaufkommen kann.
611. üfher (herauf) belegt Lexer II, 1713 nur aus Apoll;
vgl. Hätzl. 23, 49 der tag chomt ufher steigen^ 27, 324 ich
sich in uffher plaichen.
624. ß i^, wo K (p. 835) mit Recht tage fordert, denn es
ist Tzl.
632. B naehigall; aber dann fehlt ein Fuss, denn die Strophe
ist TH , und der Vers verlangt fünf oder drei Hebungen. Die feh-
lende Senkung in meinem Texte Hesse sich durch zware beseitigen.
712. Der Vers ist eine wilde Tzl., vgl. Abh. V, 252. Dem
zweiten Satze fehlt das Praedicat. B setzt wer nach dannocht
ein ; doch kehrt der Vers 38, 160 fast wörtlich wieder, woraus sich
wurd nach und ergibt.
737 ist der letzte Vers auf Fol. 34^ es war demnach das
nächste Blatt wenigstens noch mit drei Zeilen von Nr. 28
beschrieben (Abh. III, 111), aber kaum mit viel mehr, wodurch
wir auch einen mutmasslichen Erklämngsgrund für den Verlust
desselben erhalten ; denn wenig beschriebene oder ganz leere Blätter
schnitt man in jener Zeit, wo an Schreibmaterial grosser Mangel
war, gern aus, um sie zu Urkunden u. dgl. zu verwerten.
1 ff. Vgl. Oswald 2, 1 vrie vü ich ring tmd Hohte^ den
lauf der werlde nöt^ das schätz ich als für nichte^ wann ich
hedendc den tSd.
11. vernichte nicht von vemihten^ sondern = t^ niht: dass
du mich . . für nichts hältst, schätzest; vgl. Freid 101, 23 swem
vil der werlde des besten giht^ den hdt sin tumbez wip für niht
17 ergänzte ich gcMr (vgl. 27, 194; 29, 11 etc.), welches mit
ntetner oorrespondiert und den Vers vervollständigt.
23. narrenspil (auch 31, 88, 248); vgl. dazu Boner 14, 37
wer mit tSren spotten wil^ der muoz auch dulden narrenspil.
Mit demselben Bestimmungsworte bildet Hugo narrensohuecUi 28,
WaokerneU, Montfort. VI
— 258 —
380; mit demselben Grandworte und derselben Bedeutung toren-
9pil 33, 103, welches bei Lex. anbelegt ist.
25, 26. Teichner (Kar. 135) ich walte in ein kiUten vam;
Sachenw. 28, 106 und sold in ein chloster vam^ vgl. die Anm.
zu 5, 64.
30. Der dreihebige und der gegenüberstehende fünfhebige Vers
beweisen, dass diese Strophe T^ ist. Das ist aber das einsige com-
ponierte Gredicht, in dem sich Hugo Ti (aber nicht Tll) erlaubt.
49. brt ist gewöhnlich swm., bei spätem auch st. (s. Lex. 1, 351),
das Netz 8551 und Brant 55, 52 brauchen es st. wie Hugo. —
Der Brei war besonders in Süddeutschland eine beliebte Volksspeise,
vgl. Bezzenberger zu Freid. 58, 22, und wird daher häufig sprich-
wörtlich verwendet, vgl. Zarncke zu Brant 13, 2. — gebratene
subst. Part, unbelegt.
52. behtis = behust : dafür (dagegen) hat niemand ein Haus
(Schloss, das ihn schirmte); unwahrscheinlicher ist es mir, behtis
= bt käse zu nehmen.
95. Lies scJUeht. B hat des wer^ aber die Hs. das. — Wohl
gote zu schreiben.
99 — 130 spricht Hugo von den zehen Geboten Gottes wie in
Nr. 38 von den sieben Todsünden. Solche Auseinandersetzungen
waren im 14. und 15. Jhd. beliebt; vgl. Liliencron, über den In-
halt der allgemeinen Bildung in der Zeit der Scholastik p. 34 ff.
Von den Hugo nahe stehenden Quellen vgl. Freid. 174, 1 ff.;
Tit 507 ff., Suchenw. Nr. 39 ; am meisten Uebereinstimmung aber
hat das Gedicht »der Wert der Welt" von Teichner (LS. 208), worin
dieser in ähnlicher Weise über die falsche trügerische Welt, die
all ir knecht und undertan betöret, dann über die zehen Gebote
handelt und zum Schlüsse wie Hugo auf die Frage kommt, ob es
besser sei in ein Kloster zu gehen oder im tätigen Leben durch
Haltung der Gebote den Weg zum Himmel zu suchen. Bei den
vielen andern Anklängen zwischen Teichners und Hugo's Gedichten
kann man daran denken, dass dem Montforter auch dieses Gedicht
Teichners bekannt war, obgleich er in den Einzelheiten der Aus-
führung selbständig ist.
106: sie mögen noch am Leben oder schon gestorben sein,
s. Anm. zu 5, 229.
I —
113. B üppeklich, vgl. Abh. V, 191. Der durch die Ha. über-
lieferte Reim nemmen : senden ist i)icht zu glauben, da ^m : nd
— 2B9 -
anbelegt ist. senden weidt auf nenden, das allerdings seltener vor-
kommt, aber eben deswegen vom Schreiber entfernt worden sein kann ;
vgl. die Anm. zu 6, 11. B schreibt nennen; auch dagegen ist
nichts einzuwenden, da sich Hugo nn : nd gestattet; vielleicht gibt
man dieser Correctnr den Vorzug.
117. B gezüg. Es ist hier der Sing, (wie dieb 107) und swm.
denn als solches steht es auch 4, 148 und bei Laufb. 717, 11 kein
vcdsch gezüge soltu sin,
129. K scheint (p. 323) ratscht und schetscht 31, 7 dem
Dichter zuzuteilen, kaum mit Recht; denn das st der II Sing, ist
sonst durchweg rein erhalten, ausgenommen sind nur diese beiden
Fälle, welche aber beide beim Schreiber B stehen (s. Abh. IV, 164).
Aehnlich erscheint in Brants NS. einmal (43, 27) wünschescht,
welches Zarncke (p. 284) gleichfalls dem Dichter abspricht und
als Druckfehler erklärt.
' 133, 134. Frauenlob (ed. Ettmüller) 24, 2 vtt unde haz
den tragent auch die pf äffen. Teichner (Karajan p. 135) so ge-
denke ich da Mt daz lihte in dem kloster st spot und hochvart^
haz und ntt Freid. 60, 9 swenne zorn^ haz unde nit in allen
klSstem geltt; diese Verse sind nur in der Hs. P überliefert, daher
wohl späterer Zusatz und zwar, wie schon Pfeiffer, überBernh. Freid.
138, Anm., hervorhob, aus einer Zeit, wo die «Polemik gegen die
gesunkene Klosterzucht allgemeiner wurde*; also aus dem 14. Jhd.,
vgl. Bezzenbergers Anm. z. St.
137. B lässt zuo den; K verlangt (p. 331) Contraction und
zwar zuon; doch ist bei H nur zen^ zem belegt. — In meinem
Texte ist ziehe : liege und in den Varianten ziehen zu lesen, wie
ich schon früher berichtigt habe. Der Schreiber ergänzte das apo-
kopierte n des Infinitivs, vgl. Abh. FV, 165, 176 und Anm. zu 8,
13, auch K p. 319, Anm. B schreibt ziehen : liege, — ziehen ver-
hält sich zu Ziegen, worauf Uegen deutet, wie etwa gschehen zunii
dialektischen gschegen^ vgl. Abh. IV, 168 und Anm. zu 1, 16.
144. horden swv. (einen Schatz sammeln) hier mit ^/, 167
mit mit; die letztere Stelle hat Lex. I, 1339 citiert
145 — 155. heginen ^ baginen^ bäghinen, begginen^ begharden^
wegha/rten^ beguinen^ beoginen^ begianen, beniagin^n^ beiginen sind
die verschiedenen Schreibungen für Beginen, Beguinen. Den Be-
ginen schadete sehr die Allgemeinheit ihres Nameins. Die Irrlehren,
Laster und Frevel der Frfttioelli, der Waldenser, der Brüder des
— 260 —
freien Geistes a. a. worden anter diesem Namen verfolgt. Auf dem
Goncil zu Yienne 1311 verhängte die Kirche gegen jenen Ketzer-
Gomplex die Verfolgnng (bellum heguinale genannt). 1367 und
1369 erliessen Karl IV und Pabst Urban verschärfte Befehle nnd
Inquisitionen gegen alles, was diesen Namen führte. Sie wurden
der Gegenstand der allgemeinen Verachtung. Erst Bonifaz IX löste
sie 1395 vom Banne; aber nur jene, welche sich dem Orden der
Franciscaner angeschlossen hatten und mit diesem in ein Unter-
ordnungs- und Schutzverhältnis getreten waren (sie lebten noch
im 17. Jhd.); nicht aber die andern, welche frei als Einsiedler,
Betbrüder, Krankenwärter u. dgl. herumzogen und ihr verkommenes
Leben weiter führten. Diese blieben noch lange die Zielscheibe des
öffentlichen Spottes, den ihnen auch die Dichter reichlich gezollt ha*
ben;vgl. z. B. neben der Stelle Hugo's, die sicher mehrere Jahre nach
1395 entstanden ist, Sachsenh. ich main^ du megat ain heghart
sin : sie künden nu der sprüchelin^ damit die weit verirret wirt
Moer. 363; Braut NS. 102, 45 falsch geht ist worden yetz
gemeyn und falscher ratt^ falsch geystUcheyt^ miencA, priester,
bägin^ blotzbrüder dreit^ vil wölff gont yetz jnn schaffen kleidt
etc., dazu Zamcke*s Nachweise zu 102, 47. Gegen sie dauerten die
Bannflüche fort und wurden später wieder erneuert. Dass nun
Hugo die letztern und nicht jene, welche sich dem Franciscaner-
orden angeschlossen hatten und vom Banne befreit worden waren,
im Auge hatte, ergibt sich klar aus Vers 153 und 154: ich en-
mein hie nicht den dritten orden, sant Francissen regel (so ist
zu interpungieren). Diese Verwahrung Hugo's bei seiner Polemik
gegen die Beginen wird erst ganz verständlich, wenn man sich deren
Zweiteilung, äusserlich durchgeführt seit dem päbstliche Breve, ge-
genwärtig hält: erst jetzt konnte er fürchten, dass man meinen
könnte, er bekämpfe mit den Beginen auch die Franciscaner, was
er nicht will.
163. umbwallen swv. = herumwandern. Lex. belegt II, 1726
nur das stv. in dieser Gomposition.
166. Lies verdient,
171. ballen hat Lex. I, 115 mit dieser Stelle belegt, doch
ist dort gwirt statt wird zu schreiben.
173, 174. Mart. 42, 48 dar zuo si (die Apostel) suozir muot
si Mez gan in die weit wnd aUe ir ort und ktmden da daz
fiotis wort^ und swer och dez gehbic wirt mit reinem herzin un-
\
— 261 —
veriri und den fouf enpfahit . . . der wirt dne zwivil behalten
und dez himihichis niht verschalten. Noch näher berührt sich
Hugo mit Sachenw. 41, 735 'wer gelauht und ist getaufft, der wirt
behalten,
176. B die menecheit and in einer Anm.: ^vielleicht der
menacheit* — aber so steht ja in der Hs.
17 — 20. Unter zirkelmäss werden die Sternkreise gemeint
sein; usarichten == exjilicsLTe, Marner I, 16 gezirhetwol der Ster-
nen kreiZy den sunnen und den manen; Herm. d. Damen, HMS.
3, 167^ der die stemm zirhen Jcv/nde. — Mag. Krone 82*^ dar
zu stund aller ir geda/nk auf der sunnen aufganh wnd wie der
man ging nider und der mamend kam her wider^ dar zu der
andren plänSt^ wie der iglicher het sein natur und sein ga/nh.
24. Hugo betont hier das probieren (die Indactionsmethode)
in der Astronomie gegenüber dem meren sagen,
32. grilnden swv. trans. = für etwas festen Grund finden,
etwas ergründen; 32, 71 und 38, 128 steht das Wort refl. = für
sich festen Grund haben, begründet sein, was bei Lex. I, 1101
nicht belegt ist.
49 — 52. Dabei schwebte unserm Dichter wohl Tit. 2 vor:
swie doch gedanke gahent snel vor allen dingen^ die nimmer da/r
genahenU daz si dinen gewalt nmgen erswingen, 49 gedanken
(Nom. Plur.) also swm. (auch 77 ; 5, 147 u. ö.) ist bei Lex. nur in
bi'ingedanke angedeutet.
53 — 56. Schreibt man 53 wanne ^ so ist die Strophe eine
tadellose T^ ; das überlieferte won weist ohnedies schon auf eine
Aenderung des Schreibers. — 54 1. Mmel, — 56 timel = finster,
dunkel; vgl. dazu tim/pel im Florianer Steinbuch (ed.Lambel p. 102),
welches die Mittelstufe zwischen Umel und Umber^ aus dem es
entstanden ist, darstellt: r wechselt mit 2, und der Labialis ent-
schwindet durch Angleichung an das homorg. m; das Wort ist
daher Abh. IV, 159, 164 einzusetzen.
59 — 80. Hugo dachte hier wohl an jene Ekstatiker, welche
durch übernatürliche Erleuchtung selbst das umfassbare Wesen der
Gottheit erschaut haben wollten; sie waren besonders am Rheine häu-
fig, vgl. Preger, G^sch. d. deutsch. Myst. I, 138; Suchenw. 5, 3 sein
götleich weishait marngvoU mag nicht begriffen werden in chaines
— 262 —
menschen hertzen sinn und wirt auch nicht durichgründet^ wenn
den er in göüeicher mynn mit seim geist entzündet; Vintler 2897
wer möcht dein wunder gar volsagen f niemant^ herre^ nur wem
du dein haiUgen gaist woltest senden zue; der selb möcht wol
die wunder dein ze Hechte pringen, herre mein, aber sunst war
alle chunst enwicht
79. gunst als stm. ist bei Lex. I, 1120 nur schwaoh belegt;
ich fQge daher noch LS. 24. 263 an: er möcht gewinnen iren
gunst.
85 — 96. Teichner (bei Karaj. p. 111) nu hdn ich gespro-
chen vor: got st niht uf rehtem spor^ er hob die Hut gein helle
geschaffen, daz unl ich nu widerTclaffen. er ist gar unschul-
die dran, schüef er die Hut Mnz helle gdn^ daz wabere niht
gereht wnd guot .... daz er (der Mensch) wol od übel tuot,
daz stSt niht an stnem (Gottes) muof. nu ist vrtiu wol gegeben^
er mac wol ode übel leben^ got wil mem hinz Mmel twingen^
noch mit siegen gein heue bringen.
17 — 20. Besser ist es wohl 17 fürgesetzt zu lassen und hSttist
du zu lesen. 18 erg. in den Var. gewesen. B gibt die ganze Strophe
nach der Ueberlieferong, das wird kaum angehen.
29: Hugo dictierte also; vgl. Gottfr. Trist. 217, 29 der.diz
hiez schrtben; Zs. f. d. A. 2, 481 nu wil ichz heizen schrtben^
s. Wackemagel LG.^ 187, 6.
45. Auch hier trifft meine Einteilung. der Reden und Gegen-
reden mit der Kummers zusammen. Mit Vers 124 endet der Dialog;
von da ab wendet sich der Dichter an seine Leser. 45 verlangt
K (p 335) mit Recht er sprach^ findet aber (p. 332) mit Un-
recht nach loik fehlende Senkung, denn das Wort ist bei Hugo
nicht hur hier, sondern immer zweisilbig.
56 hat nur drei Hebungen, wenn nicht das den ersten Fuss
vertritt; aber nach 21, 25 könnte man als umb corrigieren.
91. B üppikeit Ich berücksichtige solche Differenzen weiter-
hin nicht mehr.
94. Lassb. LS. 10, 12 doch bekenn ich udsz by schwartzem
wol, Aehnlich sagt Teichner (Karaj. 115) bi der vinster erkent
man scMn^ bi der buchen erhent man naz.
— 263 —
109. Könnte weite geschrieben werden, s. 125 u. 0.; freilioh
steht auch 111 ohne Aoftact.
115. B 8Öl^ in den Varianten yiSÖltt*'; allein die Berliner
und Grazer Abschrift lesen ebenfalls aöll wie ich, das gleich in der
untern Zeile wiederkehrt
IIS. Sachsenh. Moer. 5289 imd sagten , . von wilden löffen
. . der layder vil im la/nd umbgdt, — B lof^ vgl 30, 90 etc.
120. B got behuet, dann würde aber 118 Jherte zu schreiben
sein.
125—130. Hesler 1319 dee bit ich üch, die diz buch leeen^
daz ir ainnee euch sttcliet cun disem buche . . oft tr vindet icht
dar an wa/ndelberiger solche.
129 — 132 istTli mit dem charakteristischen Vers in der zwei-
ten Zeile. 131 wird gweeen zu schreiben sein. — 132 lässt B herr^
aber 172 kehrt derselbe Vers wieder, wo auch B herre oorrigiert.
137, 138. Lassb. LS. 23, 41 waz ain hertz ist vol^ daz
ret der vmmt^ ob er ez aoL
142. vergessen refl., s. Suchen w. 6, 174 hob ich mich jfiht ver^
gezzen an seinem lob; Hugo construiert es mit in^ das Lex. III,
114 nicht belegt.
1 50. Als einsamer Reiter in Tirol dichtete auch Lichtenstein,
und zu Pferde verfasste Ulrich v. Hütten seine «Deplorationen*
gegen den Herzog Ulrich v. Würtemberg.
153—156 ist TU wegen Vers 155 (vgl. die Anm. zu 28, 257),
als ob ist zweisilbiger Auftact. B corrigiert hette : bette, wozu keine
Veranlassung ist, denn die grössere Zahl solcher Strophen hat im
ersten Verse Stumpfreim, wenn der folgende mit Auft. beginnt. —
155. Ueber die Betten, welche auch zum Sitzen dienten, vgl. Wein-
hold, deutsche Fraueii p. 335.
158. rimen (= Verse) Acc. PL, also swm.
169. B brief stand. Meine Gorrectur ergibt sich aus dem
Sinn und den Versen 125, 126; 129, 130. — 35, 23 bessert
auch B briefe.
180 ist Tzl. mit 6 Hebungen. B schreibt gtän und streicht
och; allein das letztere ist sehr anstössig, da im entsprechenden
Verse 175 die ganze zweite HUlfte dieser Zeile belegt ist.
186 und 188 bessert B die Betonung durch dienet und lobe--
licJhem,
192. branden &a banden^ weil Hugo sonst heUe brunst (30,
— 264 -
96; 38, 155 eta) geläufig ist, ebenso hat das Netz meist J^eUe
brande helle gluot eto. Dennoch scheint mir jetzt die Gorrectur
gewagt; s. Sachen w. 14, 331 pehuet sein sei vor helle pani,
195. B sin, die Hs. seyen, was B auch in den Varianten
nicht angemerkt hat ; 28, 735 und 33, 43 macht auch B aas dem
hsl. seyen sien^ welches E (p. 334) mit Recht aaoh hier verlangt;
dem Gonjunctiv gestattet Hugo weite Aasdehnung.
197. Um den correspondierenden Vers gleichhebig za machen,
müsste man und streichen, dann hätten aber alle vier Verse aar
drei Hebungen und stampfen Beim, was nicht geht (Anm. za 15,
150) ; da auch weder die zwei ersten noch die beiden letzten Reime
klingend zu machen waren, schien es am einfachsten, 197 daroh
ein gar auf vier Hebungen zu bringen, zumal gar zergwn 10, 16
belegt ist.
221. B zloben; aber die ze kann in der Verschleifung stehen
(Abb. V, 221) oder der Vers mit zweisilbigem Auftact (im Aas-
rufe) gelesen werden; a'uch 33, 82 braucht nicht bsargen und 36, 20
nicht bhUet corrigiert zu werden.
227. Lies manz.
220 — 252. Dieses Lob des Mutes erinnert an Hadamar 127,
3 swie er (der Mut) doch niht enkunde den grwat vervdhen ir
gendden grundes^ so ist doch muot ein trost zuo aüen sa>€hen;
135, 5 muot guotiu dinc ze guoten dingen bringet
250. B liest gar wol^ aber die Hs. zwar woh
258. B macht zu diesem Verse die Anm.: «an sich zu kurz*.
Allein er ist ganz oorrect, und auch im vorausgegangenen ist nicht
bhuet notwendig; 257 — 260 bilden TD , wo der zweihebige Vers
in der zweiten Zeile und dieser gegenüber der fünfhebige steht, die
beiden andern Verse können gleichhebig sein; vgl. die anal. Strophe
31, 169—172 u. a.
xxxn.
2 wird als einer jener fehlerhaften Verse anzusehen sein, wo
er die „schnuor verhowen^; denn mit hilf als zweisilbiger Auf-
tact ist zu schwer und gegen Hugo*s sonstigen Gebrauch.
31, 32. 31 hat die Hs. deine, was einen vierhebigen Vers
auf einen dreihebigen geben würde; auch B hat daher din ge-
schrieben. Allein auch in 32 steckt ein Fehler: 30 hat drei, 32
vier Hebungen; 30 kann nicht verlängert, 32 nicht verkürzt wer-
- 265 —
den. Ein Vergleich mit parallelen Stellen aber ergibt die not-
wendige Correctur: der Schreiber hat 32 dannocM weggelassen
(s. 27, 20; 30, 8 u. a.), durch dessen Ergänzung man eine tadel-
lose Tl erhält; auch die folgende Strophe ist Tl . — gewerden
swv. = würdigen, tc^^^-sohätzen.
37 — 39. B machte die Strophe vierzeilig und setzte, weil dann
dem ersten Verse der Reim fehlt, dn wcmken hinzu. Aber die
Ueberlieferung ist tadellos und die Strophe dreizeilig zu lassen (vgl
Abh. V, 250).
55. E will (p. 334) 6 ymmer nicht streichen lassen, «weil
der letzte Vers der vierzeiligen Strophe (sage Titstr.) einigemal bis
auf 6 Hebungen verlängert wird*. Aber das sind eben Abnor-
malitäten (s. Abh. V, 252), und dann lässt schon die Schreibung
^ymmer*^ die sonst niemals begegnet, das Verderbnis des Schrei-
bers vermuten.
59. durchetoffen ist bei Lex. unbelegt
63. Dass hewirren intr. bei Lex. fehlt, hat K in Behageis
Litbl. angemerkt.
73 — 80. HMS. 2, 256^ waz «itw sevider arebeit van Even
was betagety daz widerbrdhte une allen gar diu mute maget;
Vintler 794 was pöses von weiben ist geschehen^ das cham alles
von Adam und Eva^ das wider praeht uns Maria.
97. talamuot = Talmud.
107. B götter^ das aber hier in der Hebung zu verschleifen
und daher mit einfacher Gonsonanz zu schreiben ist, da got^ gote^
gotelich etc. auch sonst bei Hugo noch vorkommt. Ein ähnlicher
Fall ist 5, 118, wo vatter in der Hebung steht und auch B vater
corrigiert.
109, 110 beziehen sich auf den hl. Georg, vgl. K p. 342.
1 15 hat B gestorben^ 1 19 gerechtikeit^ aber in beiden Versen
muss corrigiert werden.
142. B ane anevang^ kann nicht richtig sein; derselbe Vers
steht 30, 45 u. 0.
150. vernichte ist hier und in den analogen Fällen nicht
Partie, von vemihten^ sondern = fii/r nickte (vgl. 29, 2), worauf
schon K in Beh. Litbl. hingewiesen hat.
170. der behalten = der unverlorene, gerettete, selige; vgl.
Amelung zu Ortnit 152, 2.
— 266 —
xxxm.
5 hat die Hs. deutlich muossenty B aber muessent, ebenso
40 etc., vgl. Abh. IV, \ 82 ; auch im Netz sind die Formen mit
uo noch häufig, s. 311, 1015, 1774 etc.
11 — 13. Wolfram gebraucht den Schwarzwald, um damit die
Menge verstochener Speere zu vergleichen, Parc. 379, 5; Wilh.
390, l; darnach der j. Titurel 656, 4 der Swa/rtzwalt hie zu
lande der wirt »a scheften gar durch dich ffemachet; auch der
Teichner hat diesen Vergleich angezogen, aber mit ironischer Deu-
tung: ich weiz mht dar ze sprechen: ^daz ein ritter mac zer-
brechen maneger sper bi etnen tagen^ dam der SwarzwcUt mac
getragen ziu^ge und est^ Karaj. p. 168.
18, 19. Der Vergleich des Menschen mit dem Gras ist aus
der Bibel, Js. 40. es spricht der profet Esajae^ dass alles fleisch
ist heu und gras^ sein schöne wie die blum im feld: das gras
verdorrt^ die blum wird welk Basl. Todtent 1; all creatmr die
nimmt der tod frue und spät gleich wie die blum im feld ver-
got ibid.
25. Asahel findet sich sonst bei Hugo niemals, auch bei an-
dern Dichtern selten in dieser Gesellschaft, am so bemerkenswerter ist
es, dass er auch bei Sachsenh. Sleig. 203, 28 erscheint: was halff
Arones doenenf lebt Asahel der schnei eta (vgl. auch Martin
p. 31).
63. Ufz stm. = Laune, Gelüste.
88. Vgl. 5, 150; 38, 166 und dazu Oswald 90, 3, 13 er
(Christus) peitt ain weil und doch nit la/ng^ darnach s6 fierm,t
er aim ain bang . . . des er nit m^ geUichen.
109. Hs. wer , B der, das hier notwendig stehen muss, da
iver 108 vorausgegangen ist; der Initialenmaler hat öfters einen
falschen An&ngsbuchstaben der Strophe gesetzt, vgl. Abh. IH, 124.
In 125 — 140 wiederholen sich ganze Verse wörtlich aus 4,
148—165. Zu 126 s. Mönch von Salzb. KL. 678, 3 als er sitzt an
dem gerichte aller werlt czu angesichte. — 127 Hs. gleichnüst, B
ffUcJis^ da der Vers 4, 160 wörtlich vorhanden ist; dabei bleibt aber
noch auffallend, wie der Schreiber zu seinem widersinnigen gleichaiist
kam; ich vermute daher jetzt, dass im Or. glichost gestanden
habe, das in Hugo*s Urkunde (Sitz. Ber. IX, 853) begegnet und
sich viel leichter zu gleichnüst verlesen Hess als gUchs.
I2d» B mussz und dazu die Anm. ^muoss wäre auch statt-
— 267 —
haft, da jedoct die Hs. muaz schreibt, so nehme ich einschränken-
den Satz mit zu ergänzendem en an*. Allein die Berliner und
Grazer Abschrift lasen den halbverschwundenen Buchstaben über
u als 0, so auch ich, und dass muosz hier mitten unter Indicativen
besser ist als muesz^ dürfte kaum bestritten werden.
141. B tom : verlorn^ welche aber klingend gemacht werden
müssen wie verkem : wem 28, 438, vgl. auch 4, 153.
173. B derbcmn. Da dieses d besonders im Bair. beliebt ist
und in unserer Hs. ausserdem nirgends erscheint, wird man kaum
mehr zweifeln können, dass es nur dem Schreiber B angehört und
K somit Recht hatte, wenn er (p. 335) gegen B, der es im Texte
bewahrte, polemisierte. 175 1. böse,
XXXIV.
Ueber die Stellung dieses Gedichtes in Hugo*s Leben vgl.
Abh. I, 49, 70. Dass die rechtschaffene Liebe eine Fügung des
Hinmiels, von Gott selber gewollt und unter seiner besondern Ob-
hut stehend sei, ist eine Ansicht, von der sich bei den Minne-
sängern kaum einzelne, halbernste Andeutungen vorfinden — sagt
Uhland, Sehr. 452 f. Er weist diese Auffassung erst aus dem
16. Jhd. nach; wir finden sie also wenigstens um ein Jhd. früher.
6, 10. ersetzen stn. (== Entschädigung), benuegen stn. (^^^ Ge-
nügen, Befriedigung); beide sind bei Lex. nur schwach belegt.
17 — 20. Ambr. LB. 2^ 7 sie hat mich gantz JcreffUglich^
dein Ueb hat mich beaeaaen . . deiner kcen ich mmmer vergessen;
Hätzl. 5, 9 ich kan dein nit vergessen so wonst mir stäts in
meinem synn^ du hast mein hertz besessen; ibid. II, 6, 80 der
ich nit enmang in hertzen zwar vergessen^ wamm sy hat mich
besessen; Oswald 53, 1 gcur wvnikHch hat sy m^ein hertz be-
sessen, in lieb ich ir gefangen pin mit stetikait
36. bichüg = „seine Sünden bekennend*, hier allgemeiner:
geständig.
44. B vnd uf^ gibt also das od der Hs. auch in den Vari-
anten nicht an.
49. B Wien, aber die Hs. wieh, was Wienn oder Wienen
bedeuten kann; für das letztere spricht der Rhythmus: g^en ze
Wienen; vgl. Suchenw. 18, 431 gen Wienen rdit u. ö.; Oswald 70,
1, 17 gSn Wienen (: dienen).
50/ B, gbwrt vierzehn. Der Vers kehrt auch in den beiden
— 268 —
folgenden Gedichten in der gleichen Ueberlieferang wieder und kann
Tzl. sein, vgl. aach die Anm. za 23, 38.
XXXV.
5. B keiner^ ebenso 38» 22 kein; aber 38» 25, 127 lässt aaoh
er chein; vgl. Abh. IV, 169.
13 — 16. Tit. 1739 doch dien ich umb ir hulde^ dafür nem
ich niht alle berge von golde; Ambr. LB. 43, 24 für alles ff cid
bin ich dir hold. — 13 B al^ Hs. all; 16 B das getar^ Hs.
des getcMr; auch 38, 131 hat B gegen die Hs. das ewer; vgl. aber
13, 3; 37, 53 etc.
25, 26. Tit. 1497 da er wart reht in denke durch hertzen
liebe , . daz lert in aunder slaf in noten wachen; Ambr. LB. 18,
5 ich bin entzünde mein hertz das brinty das ich nit kern ent"
schlaffen.
27. mejenbltiet hat L. nicht, mejen^tow 38, 95 wenig belegt.
33. B corrigiert gegeben; allein die Strophe istTliund daher
zu lesen geschrien und g^en,
37. B gtrüwen and west!
39, 40. Kammer bemerkt (p. 335) z. St. : , diese von anderer
Hand nachgetragenen Verse sind anecht and aus 23, 41 and 43
zosammengeflückt^ Diese Ansicht geht za weit: Tatsache ist nar,
dass der Schreiber B zwei Verse weggelassen hat and dass von
einem späteren zwei nachgetragen worden (s. Abh. III, 124), welche
er aber aller Wahrscheinlichkeit nach aas demOr. genommen hat, wo
die Strophe natürlich vierzeilig war wie alle andern; dass die Verse
23, 41 and 43 wiederkehren, bedeutet wenig; denn wie oft wie-
derholt Hago alte Gedanken and Verse (vgl. Abh. II, 95)! 39
and 40 können also ganz wohl echt sein.
XXXVI.
9 ff. Ueber diese bildliche Redeweise vgl. Uhland, Sehr. V,
160. — 9 Hs. getan. Der Fall ist ein wesentlich anderer als
etwa hatten getd'n 32, 118, wo die Ueberlieferang gewahrt werden
konnte, während hier eine einsilbige Form hergestellt werden mass :
B schreibt gtän^ allein das ist nicht belegt, wohl aber 37, 2 tön.
xxxvu.
Das Gedicht ist nicht datiert wie das voraasgehedde and
— 269 —
Dachfolgende; man hat daher die Wahl, es gegen 1402 hinab oder
gegen 1414 hinaa£zaräcken. Eine sichere Entscheidung ist nicht
möglich; doch scheint mir die Klage über das Graawerden (40)
zu einem Alter von 57 Jahren besser zn passen als zu einem von 45.
6. erhücerinn ist bei Lex. nicht belegt, ebenso nicht das Com-
pos. muot^erMkerinn^ welches dem muotmacherifme Hadamars
298 entspricht.
13. Sternen schiesaen kann swm. {= etemen8cMezei=St^Yn'-
8(^hnupfe) oder scMessen Inf. (intr. = schnell wie geschossen sich
bewegen, sich schnuppen) sein; vgl. Hätzl. 23, 35 bis das der
Hechte morgenstem kam an den himel scMessen.
14. ehuolen swv. Hätzl. 8, 19 ich sich den Hechten stemen
glast . . . der lufi der killet gen dem tag.
20. B erfüllnj wie die entsprechenden Zeilen za fordern schei-
nen ; aber es ist zu bemerken, dass die vier folgenden Verse stumpf
schliessen, während sich sonst zwei klingende und zwei sumpfe
kreuzen. Aehnlich ist 56 klingend statt stumpf, wo die vier vor-
ausgehenden wieder stumpf enden.
22 ist fehlerhaft, da der Vers nur drei Hebungen hat; es ist
daher tage wnde zu schreiben. Ich muss mich wohl entschuldigen,
dass ich Öfters erst in den Anmerkungen den Text verbesserte;
aber «dies wird die nicht befremden, die es erfahren haben, wie
viel leichter in reinlichem Drucke als in Abschriften man Fehler
gewahrt '^. Mit diesen Worten entschuldigte sich ein Mann wie
M. Haupt (Engelh. Vorr. VII): um wie viel mehr bedarf ich
seiner Entschuldigung, zumal es sich hier um einen Dichter han-
delt, dessen sprachliche und metrische Formen von den bekannten
mhd. bereits weit abliegen und meist erst durch die Untersuchung
seiner Metrik, der alem. Dichter- und Geschäftsspraohe seiner Zeit
aus der verdorbenen Ueberlieferung hergestellt werden konnten.
30. Streiche in den Var. für vogelsanhch.
40. grdwez hdr ist die gebräuchlichere Redensart, s. Neifen
12, 19; Reinmar 172, 13; Neidh. 68, 9; Bartsch LD. XC, 40;
E. Schmidt, Reinm. p. 89. So könnte man ddMr : har auch als
Reim nehmen, weil Hugo öfter für Waisen Reime setzt, wo sich
ihm solche gerade darbieten« s. Anm. zu 8, 13.
xxxvm.
24. zuohin^ vorgesetztes zuo.
— 270 —
25—^28. Will man büchs iplikch nioht als Reim gelten lassen,
so ist die Strophe dreizeilig zu schreiben , sonst als T^ mit .der
verkürzten Zeile im zweiten Verse. — büchd = Feuerrohr wie bei
Osw. V. Wolkenst. 13, 8, 7. Das Compositum büchaen - pulver
belegt Lex. I, 380 nicht und im Nachtrag (auf rösch verweisend)
erst aus dem Feuerwerkbuoh von 1432; einen älteren Beleg far
dieses Wort kenne ich aus K. Sigmunds Urkunde, dt Gonstanz
1417; Arch. f. öst. Gesch. I, IV, 5.
27 habe ich aus Versehen doner und 76 hedütet stehen ge-
lassen, es ist toner und betütet zu schreiben, vgl. Abh. IV, 161.
29. Tit. 1769 der rehten minne ein zange; 1482 die hie
der minnen zcmge truoc ; 2486 frowe Minne mit ir zcmge Clau-
ditten herze vienc; Hadl. HMS. 2, 287 rmnne klemmet rekte
aUam ein zcmge; Frauenlob 11, 1, 2ö der minne zange \ Engelh.
63 ist da der Triuwen zwage. Die prosaische manierierte Metapher
war sehr beliebt, vgl. auch Strauch zu Marner I, 25.
30. Tit. 1608 bi der edlen ininne striche, lieber diesen
Ausdruck vgl. Kinzel zum Junker u. tr. Heinrich 741. Gewöhnlicher
als strich ist in dieser Verbindung seily oder stränge^ s. Sommer zu
Flore 814. Dass die Liebe dem Manne Fesseln anlegt, ist eine
stereotype Wendung (s. 36, 4), vgl. E. Schmidt, Reinm. p. 87*
32 — 34. Suohenw. 41, 180 geslichen als ein frewnüich dieb
chom m dein hertz der fron gast; Hätzl. 1, 106 mein hertz
habt ir gestolen und bin in ewren gewalt; 43, 56 mein hertz
hat sy gestolen. Vgl. noch 36, 9 — 11 und dazu besonders HadaoL
125, 1 m^ Herz was imgevangen^ daz gdhet von mir vdate;
ich moht stn niht erlangen , . wi noch dem armen libe^ der stnes
herzen ungewalüc waere. — Die Strophe ist übel zugerichtet.
Die von der Hs« überlieferte Stellung der Reime abba ist nicht
glaublich, da sie in allen vierzeiligen Strophen ohne Analogie ist:
demnach hat der Schreiber die zwei ersten Verse verstellt und
zwar wahrscheinlich deswegen, weil es ihm nicht gefiel, dass der
dass-Satz vor dem Hauptsatze stehe.
33 setzt B uss ein, doch ist der überlieferte Dativ ganz gat
und nur mir daneben überflüssig, das ich daher gestrichen habe,
wodurch eine regelmässige vierzeilige Strophe mit dreihebigen Versen
entsteht, was es zugleich auch erklärt, dass der Dichter in wfbe
unechtes e anhängte, da in solchen Strophen zwei Verse klingend
sein sollen, vgl. die Arnn zu 15, 150.
— 271 —
35. merken kann Imper. sein: jetzt merkt (an die Leser ge-
wendet) , dann fehlt aber eine Senkung. Kammer schlägt vor,
merken ich zu corrigieren, was ich für eine glückliche Besserung
ansehe.
37 — 41. Dass dieses Gredicht an seine dritte Gemahlin Anna
gerichtet ist, steht ausser Zweifel; die gewählten Buchstaben sind
daher vom Anfange und Ende ihrer Namen genommen : Anna von
(Neuhaii8")S tadeck E.
65 — 68. Diese Strophe kann, wenn man 66 gmuete schreibt,
mit 28, 509 — 512 zusammengestellt werden.
69. muotriche (subst. Adj.) hat Lex. I, 2247 zweimal als
, freudenreich, wohlgemut* belegt; hier heisst es aber der mut-
hafte, tapfere, der Held und entspricht dem mannlichen 61.
73. Nach wasser ist das Comma zu streichen und das Gompos.
wasser-süffig anzunehmen = faules, wassersüffiges (= feuchtes)
Holz ; dann kann auch ful bleiben, weil die beiden Adjective ohne
Conj. neben einander stehen. — Die Bedeutung des Vergleiches,
welche die Frauen erraten sollen, ist klar: schlechte Menschen sind
der Liebe nicht fähig.
79. 8tum,men swv. intr. = »tum sein.
81 — 84. heküwhern refl. : wer sich mit üppigen (hier = lie-
derlichen) Leuten abgibt. — B gedrümmert, doch ist die Gemi-
nation nicht notwendig, vgl. kumer 10, 26 und Abh. IV, 159.
drümeren swv. Lex. belegt nur endrumeren. 84 ist wohlfrumen
8ond zu lesen.
113. gula> belegt Lex. I, 1115 nur mit dieser Stelle; es be-
gegnet auch im Vintler 5844, kommt vom ital gula =^ Schlund,
Gurgel, übertr. zur Bezeichnung der Todsünde des Frasses und der
Völlerei: Vintl. gi^la die haist man frashait.
125. überwerden mit dem Gen. = überhoben werden.
142. rugge == rucke swm.; vgl. darüber Jänicke zu Wolfd. B
500, 3. Es ist auch im Reinfr. 3464, 6676 etc. sw. (wo Bartsch
geändert hat, s. Z. f. d. A. 17, 507), ebenso im Netz 5570.
168 ist wie 160 ein wilder Vers (s. Abh. T, 252). B glaubt
in einer Anm. , dass er ^ wahrscheinlich in zwei zu zerlegen '^ sei ;
allein dann würde die Str. fünfzeilig, dazu fehlte noch ein Reim.
Es ist ersichtlich, wie Hugo in seiner letzten, mühsam ausgespon-
nenen Rede den letzten ärmlichen Rest seines poetischen Vermögens
aufbraucht; auch die vorletzte Strophe mit der Datierung des Ge-
— 272 —
dichtes vermochte er nicht mehr io das richtige metrische Schema
za bringen.
XXXIX. und XL.
Das bedeutendste Resultat, welches B in seiner Arbeit über den
Montforter gewonnen hat, ist der Nachweis der Unechtheit von
Nr. 39 und 40. Er lieferte ihn (p. 12, 13) mit Innern Gründen
und im ganzen überzeugend, obgleich einzelne derselben fehl gehen,
80 z. B. der dritte : « ein überschüssiges n fanden wir in sämmtlichen
38 Gedichten nur einmal' etc.; das begegnete schon öfters (s. Abh.
IV, 165) — oder der fünfte: , statt nu braucht er (der Dichter
von Nr. 39 und 40) im Reime nuo (: zuo : tuon : ruo) 40, 108,
was ebenfalls nichts entsprechendes in allen übrigen Gedichten hat " ;
aber 20, 36 steht nuo (s. Anm. z. St.), dazu ist nuo 40, 108
nicht glaubhaft (s. Abh. III, 144). — Den Schreiber dieser beiden
Gedichte hält auch B für einen Alemannen; über den ursprüng-
lichen Dialekt des Diesters hat er sich nicht ausgesprochen. —
Die md. Formen sind unverkennbar; ich untersuchte daher zuerst,
ob etwa die Gedichte alem. und nur der Schreiber md. sei ; allein das
widerlegte schon der Reim durcJbscMnen : vereinen 39, 28, der
jedem bereits bei der Anfertigung des Reimregisters auffallen muss
und in der alem. Dichtersprache dieser Zeit nicht zulässig ist So
kam ich zur andern Ansicht, die ich Abh. III, 142 — 144 darlegte.
Auch W war auf dem Wege zu dieser Ansicht und würde wahr-
scheinlich ganz dazu gekommen sein, wenn er neben den o = u
und den zur auch die andern auf das Md. weisenden Formen in
die Untersuchung gezogen hätte.
Ich hebe in diesen beiden Gedichten nur das hervor, was sich
darin für das mhd. Wb. bemerkenswertes findet.
XXXIX. 22, 124 jungkfreuUch Adj., 39 belang stm., 45
ey Inteij., 48 belangen stn.; 77, 100 lunde (== Welle), 84 hertUch
Adv., 99 erspriesszen (== erspriessen machen), 110 grymmes zorn.
XL. 19 verteilen (= verurteilen, mit Acc. d. Pers. und ^u),
34 heyszer stm. (= Heizer, s. B z. St.), 41 geaunüich Adv., 54
frut vor^ 71 voUent Adv., 91 gruszlich Adj., 94 manigfcich
Adj., 115 golffe swm., 124 genosze swm., 126 verlangen^ 134
Tnarraeff 136 grosze swm.
Wortregister zn den Anmerkungen.
Die überlieferte Schreibung ist beibehalten, nur ge- ist überall ausgeschrieben ;
die Zahlen Terweisen auf die Anmerkungen.
A.
abe-brechen 5, 340.
abe-mejen 17, 52.
abent-T6t 21, 6.
abespning 9, 33.
almecht 14, 22.
alten, alter 5, 67.
amatist 15, 64.
an, äne 4, 71.
angeschossen 28, 509.
angesicht 5, 157.
an-nemen 28, 280.
antlüt 25, 90.
antwuTte, antwürte 18, 23.
artikel 4, 9.
B und Pw
pagine 29, 146.
ballen 29, 171.
barille, berille, brÜle, berly 2, 87.
basiate 28, 553.
pebest, pebste 5, 195.
bedenken 14, 22.
begge 16, 50.
bebalten 32, 170.
bebus 29, 52.
behusen 2, 22.
bekümbern 38, 81.
belang 39, 39.
belangen 39, 48.
Wackemell, Montfort.
pelg-tretten 28, 61.
benuegen 34, 10.
bepstlicb 15, 11.
perkb der künsten 11, 26.
bern 4, 24.
Ferner gelt 5, 94.
beschidikeit 5, 281.
betrechen 5, 194.
bewirren 32, 63.
pfiffen-schal 16, 49.
pflegen 2, 17.
bichtig 34, 36.
pillen 19, 4.
bim 10, 23.
bissen, das herbz 15, 156.
blasinieren 2, 129.
blind in gesehendi ogen 5, 266.
bluomen-schin 16, 33.
brewli 16, 37.
bri 29, 49.
probieren 30, 24.
brün 21, 23.
bücMi 21, 22.
büchs 38, 25.
büchsen-pulver 38, 25.
bürg 20, 45.
burgberg 28, 605.
bürger 5, 321.
busunen-schal 16, 49.
büwen, büwen 2, 81.
\
D.
dannoch, dADoooht 18. 2fll.
das, daz, dz 1, 8.
dasl, dest 6, 94.
dehein, dhein 4, Sß.
die, da 4, 182.
dienst, diost 6, 1.
dierna, dim 3, 4.
discaotieren 28, 17.
doner-, torn-plikrh 28, 5S6.
dort, dort 6, 1T1.
dr6, drowe 6, 5.
diümem 38, 83.
dunkh, dnnkt«. duchte 5,
25, 28.
durch-floiieren 2, 116.
durchstepfen 32, 69.
element 6, 25.
eUveg 27, 142.
en 13, 19.
enbören, muot 18, 56.
ende 5, 5j endes zil 1, 6.
enpfinden 28, 174.
eDtaohepfen 25, 12.
erbanner 13, 16.
erblinden 4, 18.
ergetzen 34, 6.
ernest, eniat 1, 66.
ersohiessen 28, 495.
erapriesszen 3Ö, 99.
enterben in 27, 187.
ewikeit 24, 120.
Qf 39, 46.
G.
gaben des heiligen geistes 27, 67.
gamabü 19, 6.
gebratens 29, 4».
gedaake 30, 49.
geheim 6, 40.
^leieli 27, 182.
gelieh, geliches, gelichost 1, 60;
33, 127.
geloben, gelouben 4, 106.
geluk 22, 19.
gelüptbriiclug 24, 77.
genäd 6, 8G.
genosze 40. 124.
Gerechtigkeit, gerechtikeit 5, 221,
geschibikeit 2. 63.
geschikhet nach 6, 22.
geschrift 4, 90.
gesell 9, 32.
gespreehen 24, 10.
gesteigen 16, 18.
gosten 16, 72.
gestupp, geatüpp 6, 2.
gesimtlioh 40, 41.
gevSr, an 8, 15.
gerider 2, 84.
geworden 32, 31.
gezage 29, 117.
gigeo 16, 48.
gitikeit 4, 7; 5, 201.
gloggen-klaog 16, 49.
golffe 40, 115.
grappe 2, 142.
grinen, grünen 6, 18.
groüze 40, 136.
gründen 30. 32.
gruszlich 40, 91.
giiete 3, 83.
gul» 36, 113.
gunst 30, 79.
guotet 4, 62.
harmTal 21, 18.
harpfen 16, 48.
hatt, bet 6, 136.
heUerar 4. 176.
her 8, 2.
hertlioh 39, 84.
hertz 16, 156.
beBohen 28, 314.
bette, het 1, 48.
— 275 —
heyszer 40, 34.
himel 25, 126.
hin-helfen 5, 375.
hiDlessig 25, 103.
hochristig 21, 27.
hop, hopt 25, 14.
hoptprelate 5, 211.
horden üf, mit 29, 144.
hören in 7, 32.
horndon 28, 60.
höwen 20, 51.
I.
ie 4, 168.
iemer 4, 168.
iemer, imer 1, 13.
iemer- we 4, 196.
iemer- wesen 4, 168,
Jhesus 5, 113.
il, mit sneller 4, 11.
inder, inner 15, 108.
ital, itel 16, 19.
J.
jamersmertze 4, 14.
jamertal 4, 14.
jener, ener 5, 261.
jungkfreulich 39, 22.
C und K.
caicidoni 28, 561.
keiner, cheiner 35, 5.
keiäerin 1, 4.
claffe 5, 254.
klenken, Seiten 25, 132.
komen, kon 8, 13.
crisolitus 28, 557.
krispelieren 16, 25.
krispeln 16, 25.
cristam pluot 5, 104.
cristan-mensch 28, 451.
künde 28, 370.
kunft, kunst 4, 46.
chuolen 37, 14.
küssi 18, 13.
L.
lammen, an gewLsäen 2, 65.
langwirig 14, 32.
leben 5, 364; 24, 120.
leichen 27, 182.
lekerlich 9, 17,
lessig 18, 54.
liden 28, 105.
Ueb, liebe, liebi 5, 62; 20, 4.
liegen, triegen 2, 62.
ütz 33, 63.
lofen, in den wald 5, 64.
Ion 5, 5.
lotterheit 5, 311.
lunde 39, 77, 100.
M.
mag, magt 27, 169.
manigfach 40, 94.
marnerin 13, 15.
marras 40, 134.
meie, meje 5, 300.
mejenbluet 35, 27.
mejen-sohin 16, 33.
mejen-tow 35, 27.
mensch 5, 5.
merteil 5, 93.
mett, suesser 19, 31.
milten 18, 45.
minneliedli 3, 8.
minnezunder 5, 67.
mordajo, mortjo 5, 343.
muej, mui 5, 152.
mugen 19, 13.
muot-erkikerinn 37, 6.
muotriche 38, 69.
N.
uachtgruobe 9, 27.
narrensehuechli 29, 23.
I narrenspil 29, 23.
— 276 —
natur 5, 102.
neisen 25, 162.
nenden, nennen 29, 113.
nioh, nioht 28, 52; nüt 4, 39.
nieman, niemen 1, 64.
nimer 1, 13; nümer 4, 131.
nu 15, 19.
nu, nun 4, 80; nuo 20, 36.
0.
obedach 1, 29.
och, oueh, auch 1, 8, 52.
ootaf 28, 16.
od, oder, ald 4, 135.
onichel 28, 561.
orgellen-don 16, 49.
oTtoeht 28, 14.
q.
quart 28, 16.
quint 16, 10; 28, 16.
rat, raut 4, 106, haben 5, 168.
reie, reje 5, 300.
reiten 13, 49.
rim 31, 158.
ritterschefb 14, 22.
rose 11, 40.
rosenkrantz 11, 40.
rotten 25, 132.
Tüdisch 14, 23.
rugge 38, 142.
ruo 11, 2.
ruomser 11, 37.
russen 16, 52.
8.
schämen, schammen 2, 65; 5, 362.
schelb 28, 152.
schelken 16, 61.
schieben 25, 114.
schiessen, s. Sternen.
»chüt 2, 117,
sohlieme 27, 114.
sehen 1, 44.
seid 22, 19.
selden-ruote 27, 71.
seligen 4, 157.
senen 17, 50,
Senenberg 2, 22.
sicherlich 1, 36.
sinn haben 26, 6.
soeben 15, 130.
spire 28, 463.
stan 3, 3, sten 16, 42.
sterben, ewig 24, 120; todes ster-
ben 2, 32.
stemen-sohiesse 37, 13.
stemen-schin 16, 33.
stifften, mort, mein, frid und suon
4, 8.
stikel 4, 10.
stummen 38, 79.
sünden-bacht 28, 243.
T.
talamuot 32, 97.
tenur 28, 17.
tet, tett 2, 14.
timel 30, 56.
timpte, tinte 4, 25.
tinne 5, 21.
toohter, töchterlin 5, 11.
torenspil 29, 23.
trösten 25, 35.
truebsail 28, 271.
truJQfeni, trufferi 5, 67.
tue, tuej, tui 5, 152; 9, 33.
tugentyol 16, 75.
tusen, tusent 18, 259.
u.
ü, üch 2, 47.
übergitig 25, 60.
überwerden 38, J25.
uffher 28, 611.
umb wallen 29, 163.
und, unde 12, 12; 15, Ö8.
ungepfooht 27, 26.
uDhoffertig 25, 103.
unkiüch, unkÜDüch 14, 34.
■unmuüt-baiid 27, ]31.
unmuul-dorii 27, 131,
uuiuuut-atrasse 27. 131.
uuneii, (itidejL 2, 122.
unTerbumen 18, 248,
uuTeranogeD 16, 27.
nssher 16, 36.
ussrichten 30, 18,
V und F.
TulsoLer 28, 97.
Tarn, in eia closter 5, 64.
verbisaea, dag bertz 15, 156.
Terblikbeu S, 28.
Tergeesen in 31, 142.
verhsissen 24, 10.
Terhengen 15, 68.
verlMigen 40, 126.
vernicbt (= Tür nicht) 29, 11
32, 150.
Temunft, vernunst 4, 46.
verren 27, 163.
rerseneo 20, 4.
rerteilen zu 40, JÖ.
Terrähen gegen 6, 40.
Tier 9, 8.
Tierteilen 28, 107.
Tindt, Tint 5, 101.
ringerzeio, Tingeneige 15, 20.
visimente 15, 64.
feigen 16, 16.
Ducken, flücken 5, 41,
flussrich 28, 6.
TOgeldönen 28, 66.
Tollent 40, 71.
Torht, TOrcbte 5, 127.
fro, frou, frow 1, 41.
frut Tor 40, 54.
fiirkofen 5, 271.
fiirtreohtig 28, 487.
wandeln 27, 181.
wankel Adj. 25, 36.
v'ftnkel Subst. 25, 36.
wankelmuot 18, 218.
wanken 6, 18.
>er-süffiff 38, 73.
weich an 27, 184.
wejen 6, 299, 300.
wejen (t= wa^en) 19, 32; 5. 300.
wein, -walte 5, 231.
weltlich (= waetlich) 1, 46.
wenken 6, 18.
wennen 2, 28; 5, 1,
wer, wert (= waere) 4, 95.
werch, werioh 2, 59.
weren, werren 6, 224.
weru 5, 51.
Wide 27, 66.
widered 6, 4,
wiUnuet 6, 68.
wiltpan 7, 11,
windeln 16, 28.
inkelschertzen 26, 23.
Winter, weTter 20, 51.
! 27, 203.
wueten 3, 83.
wunsch-geduik 6, 46.
wuocherguot 5, 330.
wurde, würde 5, 368.
I, zuon 29, 137.
zerunnen 6, 4.
ziehen an 1, 16; 29, 137.
zindeln 16, 26.
ziphelrü 5, 348.
zirkelkreisz 1, 66.
zirkelmäss 30, 17.
^om gryrames wm 39, 110.
zuadel, zünden, zunder 5, 67.
zuohin 38, 24.
zweit rwSlf 4, 92.
1 zwingen 18, 156.
JVafflenregister.
Abraham 39, 118, 120.
Absolon 24, 45; 33, 22.
Adam 27, 127; 32, 153.
Alexander 38, 49.
Amor 2, 26.
Appollo 32, 109.
Arabin 2, 12; Arabi 28, 543.
Aristotiles 15, 72; 24, 49; 33,
29; 38, 45.
Artus 15, 84.
Asahel 33, 25.
Pehem land 5, 239.
Bei 40, 31.
Bern 24, 61.
Ferner gelt 5, 94.
Pregentz 31, 185.
Bürk Mangelt 31, 183.
Daniel 40, 15, 29.
David 11, 22; 15, 60; 24, 29.
Dichtlundei, frow 18, 218.
Dietrich 24, 61.
Kgge 7, 28.
Eggenot 15, 96.
Egipten lant 40, 23.
Ensishein 23, 37.
Ere, frow 1, 41, 81; 37, 27.
Etzelburg 24, 55.
Eva 13, 49; 32, 73; frow 18,
215.
Francissen regel, saut 29, 154.
Git, her 24, 73.
Gregori, sant 32, 110.
Harre 9, 35.
Hector 24, 25.
Helen 24, 21.
India 15, 104, Inder J. 15, 108.
Tsaac 40, 14.
Israhelische diet 40, 43.
Jacob, sant 40, 75, 105.
Jhesus 5, 113; 13, 19; 39, 53,
70; 40, 18, 141.
Johan, priester 15, 110.
Johans, sant 28, 571 ; ewangelist
5, 120.
Jonas 40, 39.
Joseph 40, 23.
Judas 18, 251.
Jupiter 8, 19.
Karlus, küng 7, 24, magnus 15,
76.
Kriechen 24, 21.
Kriemhilt 24, 53.
Crist 10, 30; 13, 19; 23, 38
32, 106, 112, 127; 34, 50
35, 34; 36, 25; 38, 186
39, 63, 70; 40, 18, 76, 141.
Cristus 39, 39.
Lucifer 26, 37.
Lukas 4, 99.
Mangelt 31, 183.
Maria 39, 19, 72, 130; 40, 66,
159.
Maria Egiptiace 39, 81.
Matheus, sant 32, 79.
Ment 28, 374.
Miohel, sant 29, 85.
279 —
Moyses 4, 91.
Noe 40, 16.
Orelus 15, 95.
Parcifal 5, 70, 159; Barcifal 5,
386; 15, 99.
Peter, sant 5, 187; 13, 10; 40,
151.
Pharao 40, 45.
Pr&g 5, 245.
Rin 24, 53.
Salamon 11, 22; 15, 64; 24,
37; 27, 121; 33, 26.
Samson 24, 41 ; 33, 21 ; Sampson
11, 23.
Sarazin 40, 132.
Senenberg 2, 22.
Serene 33, 24.
Sodoma 39, 116.
Soryer lant 40, 115.
Suochenwirt 2, 135.
Susanna 40, 19.
Swartzwald 33, 11.
Theopholus 40, 161.
Thobias 40, 51.
Tibterel 15, 160; 18, 200.
Troj 24. 22.
Trüwe 9, 24, 29.
Tschinachtilander 15, 92.
Türken 7, 19.
Untrüwe 7, 10, 31.
Uolrich 38, 189.
üryas 24, 34.
Venus 8, 19; 38, 28; frow 5, 48.
Wankelmuot, frow 18, 218.
Welt, fro 29, 1, 81, 178.
Wien 34, 49.
WiUe 9, 26.
Wunne 9, 30.
Inbaltsverzeiehnis.
Vorwort ....
« • • •
7-12
Abhandlnngeti ....
• • • •
I CCLX
J. Hugo*s Leben
1. Herkunft und Geburtsjahr
• • • •
III
2. Hugo^s Jugendzeit
• • • *
X
3. Mannesalter
a) Die Zeit bis zum Tode
Margaretha's
XXII
b) Bis zum Tode 01ementia*s
• • •
XXXIX
4. Hugo*s letzte Lebenszeit und
Ausgang .
LH
IL Hugo*s Persönlichkeit, Stil und
Charakter
LXXIX
in. Ueberlieferung
• • • •
cxn
IV. Sprache
• , • •
CXLV
1. Vocalismus
a) Die einfachen Vocale mit
ihren Umlaut^^n .
CLl
b) Diphthonge
• • • •
CLVII
2. Consonantismus
• • • •
CLVIII
a) Lippenconsonanten
• • • •
CLIX
b) Zungenconsonanten
• • • •
CLXI
c) Gaumenconsonanten .
• • • •
CLXVIII
3. Conjugation .
• • • •
CLXXIII
4. Einzelne Verba
• • • •
CLXXVIII
5. Declination
a) Substantira
• . • •
CLXXXV
b) Adjectiva .
• • • •
CLXXXVIII
V. Metrik
1. Allgemeines .
* • • •
CXC
2. Rhythmus
a) Auftact
• • •
ccni
b) Hebung und Senkung
• • • .
CCXII
— 281 —
3. Betonung CCXXXV
4. Hiatus, letzte Senkung .... CCXLI
5. Reim CCXLII
6. Strophenbau
a) Lieder CCXLIV
b) Reden und Briefe .... CCXLYII
VI. Poetik CCLin— CCLX
Gedichte 1—172
Anmerkungen 173
WoHrogister zu den Anmerkungen 273
Namenregister 278
InhaltSTerzeichnis ........ 280
Verbesserungen und Zos&tee 282
Stammtafel.
Verbessernngen nnd Zusätze.
Abb. I, p. 6, Z. 13 T. u. lies Baier., p. 17, Z. 12 TagrOTeille, p. 36, Z. 20
dem letzteren.
Abb. II, p. 95, Z. 3 1. 26 statt 46, p. 103, Z. 11 standen die Anbänger
der, p. 111 Tgl. zum Gitat aus Kinzel A. f. d. A. YII, 206.
Abb. lY, p. 151, Z. 18 erg. binter ital 3, 30; 17, 34, Z. 20 binter barille
23, 17; p. 164, Z. 9 1. st ndben ft. P. 169, Z. 21 streiche tehlaeh,
p. 175, Z. 11 T. u. mordaQo)^ p. 187, Z. 1 und 2, denn der
Scbreiber überliefert ricbtig,
Abb. y, p. 209, Z. 16 könnte yielleicbt aucb Triuwe der gelesen werden,
p. 210, Z. 5 streicbe Ällsaander,
Die Verbesserungen zum Texte gab icb in den Anm., nur 37, 37 I. frow.
Anm., p. 178, Z. 14 t. u. 1. streicbt, p. 195, Z. 3 ▼. u. Bebagels, 202, Z. 1
y. u. Kürzung, p. 206, Z. 18 t. u. Apokope, p. 260, Z. 12 t. u.
päbstlicben. ^
Ein paarmal rerwies icb auf die Gottesfreunde; diese Citate bericbtigeu sieb jetzt y^
uacb Denifle^s Forschungen Ton selbst.
I
•IV
f
A FINE IS INCURRED IF THIS BOOK IS
NOT RETURNED TO THE LIBRARY DN
ÖR BEFORE THE LAST DATE STAMPED
BELOW.